Eine kleine Wochenschau | KW22-2022 (Teil 2)

Teil 1


03. Juni 2022, Berlin

Ich gehe zur Post, um sechs Retouren-Päckchen abzugeben. Die Frau hinter dem Schalter lacht und fragt: „Na, hat Ihre Frau Online-Shopping gemacht und Sie Armer müssen jetzt alles zurückschleppen?“

Meine Güte, bin ich hier auf einem Mario-Barth-Abend oder warum muss ich mir so eine sexistische Kackscheiße anhören? Als ob nur Frauen online-shoppen würden und die Männer das dann immer zurückbringen müssten.

Okay, in diesem Fall hat die Post-Frau vollkommen recht. Meine Frau hat das wirklich alles bestellt und ich muss die Retouren zurückbringen, weil sie das tagsüber nicht schafft. Aber ich habe in meinem Studium nicht mehrere Gender-Studies-Seminare belegt – zwei um genau zu sein –, um so ein rückständiges Weltbild einfach stehen zu lassen. Daher lüge ich spaßbremsend: „Nein, wir haben alle etwas bestellt.“

„Ach?“, erwidert die Schalter-Frau und zieht ihre rechte Augenbraue hoch. Anscheinend glaubt sie mir nicht. Das könnte daran liegen, dass auf allen Rücksendeetiketten der Name meiner Frau steht.

04. Juni 2022, Berlin

Wir verbringen den halben Samstag auf einem Judoturnier des Sohns. Dazu müssen wir knapp anderthalb Stunden nach Hellersdorf fahren, einem Berliner Stadtteil, dessen Architektonik allenfalls DDR-Nostalgiker erfreut, und der nicht gerade Naherholungsgebiet-Flair ausstrahlt. Das Turnier ist auch nicht besonders erquicklich und wird nicht in die Annalen der erfolgreichsten Wettkämpfe des Sohns einziehen. Erst muss er mehr als drei Stunden warten, dann verliert er seinen ersten Kampf mit drei Strafpunkten und schließlich auch den zweiten, obwohl er bereits geführt hat.

Während ich stundenlang in der stickigen Sporthalle mit hunderten von Menschen abhänge, von denen nicht alle morgens die Zeit hatten, sich wenigstens einer flüchtigen Körperwäsche zu unterziehen, und dem Sohn dabei zuschaue, wie er verliert, kommen bei mir wehmütige Erinnerungen an den Corona-Lockdown auf.

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Auf dem Rückweg nach Moabit ist die S-Bahn ziemlich voll. Das liegt nicht an enthusiastischen 9-Euro-Ticket-Inhaber*innen, sondern daran, dass die Linie zum Olympiastadion fährt, wo später Rammstein spielt. Neben uns steht eine Gruppe von jungen Männern, die leicht derangiert wirken. Vermutlich von einem vorabendlichen Alkoholexzess.

Ich persönlich würde mir Rammstein nicht einmal nüchtern anhören wollen, aber schon gar nicht mit Schlafdefizit, Kater und einem Geschmack im Mund, der vermuten lässt, dass sich ein pelziges Tier dort zum Sterben zurückgezogen hat. Allerdings würde mir ein wenig Restalkohol dabei helfen, die Lieder von Till Lindemann erträglich zu finden.

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Nach zweieinhalb Jahren Corona-Pandemie üben wir uns abends in der Kulturtechnik des Ausgehens und schauen uns im Tempodrom den schottischen Stand-up-Comedian Daniel Sloss an. Die Karten hatten wir ursprünglich der Tochter mal zu Weihnachten geschenkt (2020, wenn ich mich nicht täusche), aber dann wurde der Auftritt wegen Corona so oft verschoben, dass sie nun in Stockholm weilt und nicht selbst hingehen kann.

Das Alter der anderen Besucher*innen liegt ungefähr zwischen Anfang 20 und Mitte 30, meine Frau und ich sind mit Abstand die Ältesten im Saal. Wenigstens bei einem Mann schräg hinter uns vermute ich aufgrund des Schnäuzers, der Minipli-Frisur und dem mintfarbenen Seiden-Blouson, dass er 40 sein könnte. Damit wäre er zwar immer noch in einem anderen Jahrzehnt geboren als wir, aber es würde mir trotzdem ein gutes Gefühl geben. Meine Frau meint jedoch, das sei alles wieder modern und der Typ eher Anfang 30. Scheiß Hipster!

Über den Gang hinweg sehe ich eine junge Frau, die sich eine Packung Nachos mit Käsedip gekauft hat. Sie nimmt sich einen einzelnen Nacho, tunkt ihn in die Käsesauce, isst ihn, leckt sich die Finger ab und verschließt danach die Packung. Im Abstand von fünf Minuten wiederholt sich dieses bizarre Schauspiel immer wieder. Was stimmt mit der Frau nicht? Weiß sie etwa nicht, dass du dir Chips und Nachos in Höchstgeschwindigkeit in den Mund stopfen musst, wie das Cookie-Monster die Kekse, bis die Packung innerhalb von Nanosekunden leer ist? Scheiß achtsam genießende Millennials!

Wir sollten einfach häufiger weggehen. Ich habe es doch mehr vermisst, als ich gedacht hätte, andere Menschen zu sehen, ihre Verhaltensweisen zu beobachten, ihre Frisuren, Klamotten und Tattoos zu kommentieren – sarkastisch, aber selbstverständlich immer respektvoll – und ihre Gespräche zu belauschen. Nur unterhalten möchte ich mich immer noch nicht mit ihnen. Ich scheiß Sozial-Phobiker!

Der Auftritt von Daniel Sloss ist sehr, sehr lustig. Ein wenig tut es mir leid, dass die Tochter ihr Weihnachtsgeschenk nicht selbst wahrnehmen kann. Dafür amüsieren sich halt ihre Eltern und haben eine gute Zeit. Das sollte ihr Geschenk genug sein.

05. Juni 2022, Berlin

Um meine erhellenden Gedanken auf meinen Spaziergängen festzuhalten, habe ich diese Woche versucht, die Diktierfunktion meines Handys zu benutzen. Das geht schneller, als die Sätze unterwegs umständlich ins Smartphone zu tippen. Wenn ich meine Formulierungen ins Handy spreche, kann ich mich außerdem wie ein erfolgreicher Anwalt fühlen, der seiner Sekretärin Klageschriften, Unterlassungsaufforderungen und die Korrespondenz ins Diktafon spricht.

Allerdings scheint die Diktierfunktion des Smartphones noch nicht ganz ausgefeilt zu sein. Meine ersten Einträge lauten:

  • Man sieht war King Styx und postboten
  • treuen Männern mit Leonards kümmert T-shirt
  • finde einen guten von ihr unter den Küchenschrank die das Mädchen nicht konnte sagen
  • weil Jäger sind zu sprechen komme nehmen Abstand

Vielleicht funktioniert die Diktier-App aber auch einwandfrei und meine Gedanken sind einfach weniger erhellend, als ich es mir wünsche.


Buch-Tipp der Woche

Falls Sie denken, dass die Pädagogin, Erfolgsautorin und Viel-Twitterin Inke Hummel, nachdem sie es auf die Spiegel-Bestseller-Liste geschafft hat, an einem Schreib-Burnout leidet, weil sie seit dem 23. Februar nichts mehr veröffentlicht hat, kann ich sie beruhigen. Schon seit dem 15. März gibt es einen weiteren Band der Mönkel-Reihe, dem erfolgreichsten Serien-Franchise der Welt: „Der Mönkel und der Flüsterstein“. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass es in der neuesten Geschichte des Geheimagenten Mönkel und seiner Assistentin Dr. Pröll – aka Mama – unter anderem um einen Flüsterstein geht. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll die Mönkel-Serie demnächst verfilmt werden. Mit Patrick Bach als Mönkel und Svenja Pages als Dr. Pröll. (In der Hollywood-Adaption mit Tom Cruise und Anne Hathaway.)

„Der Mönkel und der Flüsterstein“ hat Inke Hummel aber schriftstellerisch nicht ausgelastet, so dass sie ebenfalls am 15. März noch das „Mein Mönkel-Mitmach-Buch. Geheimagenten unter freiem Himmel, Miteinander draußen sein – Eltern-Kind-Beziehung stärken“ veröffentlicht hat. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass es in dem Buch um Geheimagent-Aktivitäten geht, die miteinander unter freiem Himmel durchgeführt werden und die Eltern-Kind-Beziehung stärken. Unbestätigten Gerüchten zufolge ist zu dem Buch eine Samstagabend-Show mit Kai Pflaume und Barbara Schöneberger geplant.

Netterweise verlosen Inke Hummel und der Claus Verlag jeweils ein Exemplar von „Der Mönkel und der Flüsterstein“ sowie von „Mein Mönkel-Mitmach-Buch“ unter den Leser*innen des Familienbetriebs. Dazu müssen Sie nur bis Donnerstag, den 09.06.22 einen mönkeligen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen und dazu schreiben, welches Buch Sie gerne hätten. [Bevor mir jemand einen Anwalt auf den Hals hetzt, möchte ich betonen, dass auch unmönkelige Kommentare berücksichtigt werden.]

Der Rechtsweg ist ebenso wie der Linksweg ausgeschlossen, es wird nur ein Kommentar pro E-Mail-Adresse berücksichtigt, eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich, alle E-Mail-Adressen werden nach Abschluss der Verlosung DSGVO-konform gelöscht, blablabla …

Inke Hummel und Franzsika Karagür: Der Mönkel und der Flüsterstein. edition claus, 2022.

Inke Hummel und Franziska Karagür: Mein Mönkel-Mitmach-Buch. edition claus, 2022.

Alle Beiträge der Wochenschau finden Sie hier.



Kann seit dem 21. März bestellt werden. Muss aber nicht. Wäre aber trotzdem schön. (Affiliate-Link)

Sie möchten informiert werden, damit Sie nie wieder, aber auch wirklich nie wieder einen Familienbetrieb-Beitrag verpassen?

39 Kommentare zu “Eine kleine Wochenschau | KW22-2022 (Teil 2)

  1. Ich liebe diese kleine Wochenschau bald mehr, als die Familien Tweets 😊

    Wir – das Kind weiß noch nichts von seinem Glück – würden uns sehr freuen über eines der Bücher.
    Welches ist egal, wir freuen uns über das andere 👍

  2. Hier wohnt schon ein Mönkelbuch, der Flüsterstein steht schon auf der Winschliste, dann freue ich mich doch, wenn ich das Mönkel mitmachbuch gewinne 🥰

  3. Wir sind noch gänzlich unbeschlagen in Sachen mönkeln, würden uns aber gern mit Hilfe des Flustersteins weiterbilden!

  4. Ich würde mich über der Mönkel und der Flüsterstein freuen. Bis ich das Buch meinem Sohn vorlesen kann, dauert es zwar noch 2 Jahre, aber nachdem gerade bei der Einschlafbegleitung gefordert wird, raus zu gehen (am besten in den Garten), wird es sicher super gut ankommen!

  5. Klingt mega, da sind wir dabei! Wäre schön wenn’s klappt den Flüterstein zu gewinnen… Ich brauche echt was positives, sogar mein Handy korrigiert aus Flüterstein Frustration 🙄

  6. Ich will raus mit meiner ” Ich will noch lesen” und ” Aber ich hab doch den Overall angezogen” Tochter .
    Vl mit dem Mitmachbuch!

    Liebe Grüße

  7. Der Mönkel und der Flüsterstein wäre prima, bisher sind wir noch sehr unwissend über mönkelige Verhaltensweisen.
    Liebe Grüße

    • Oh, ich wollte schon so lange eines der Mönkel Bücher holen.
      Hier eines zu gewinnen wäre grandios. Welches ist eigentlich egal. (Kann man beim Mönkel Mitmachbuch wohl als Mönkel Neuling mitmachen?)

  8. Ich lese den Familienbetrieb sehr bis zu äußerst regelmäßig. Ob das nun gut oder schlecht zu bewerten ist: da bin ich raus…….auf jeden Fall erweitert es regelmäßig sowohl meine Sicht auf Dinge ……als auch meinen Sprachschatz. :-)

    Beim Mönkeln bin ich noch bisher vollkommen unbemönkelt….und bewerbe mich um den Flüsterstein.

  9. Danke für das Schmunzeln am Abend beim Lesen der Wochenschau :-) herrlich! Wir freuen uns gerne über „Der Mönkel und der Flüsterstein“ .

  10. Bisher haben wir noch kein Mönkelbuch, aber ich hoffe mal, dass wir den Flüsterstein gewinnen und sich die Kinder dann auch die anderen Bände nach und nach wünschen. Wir lieben guten Geschichten und ich glaube, dass Inke da tolle Kinderbücher geschrieben hat.

  11. Sehr schön zu lesen die Wochenschau-wie immer😊!

    Wir sind bislang auch völlig unbemönkelt, und würden uns daher über das Mitmachbuch zum Einstieg freuen. Den Rest schauen wir dann als Film😂

  12. Wir kennen den Mönkel noch nicht, sind aber gerne viel draußen unterwegs und würden uns über das mitmachbuch freuen, wenn das für Mönkel Neulinge geeignet ist 😉

  13. Der Mönkel und der Flüsterstein hört sich sehr interessant an.
    Meine Kinder (6&9) würden sich sehr freuen.

    Vielen Dank für die erheiternden Berichte in der Wochenschau, ich lese sehr gerne Woche für Woche mit!

    LG Sonja

  14. Ist das aufregend 🕵🏼🧑‍🤝‍🧑!
    Hier wird noch nicht gemönkelt, vielleicht passt der Spruch dennoch 😁
    Ich würde mich über das MitmachBuch bei uns als erstes Mönkel-Buch freuen, um mit meinem wilden Kind ein paar Abenteuer zu bestehen 🤗

  15. Oh das ist ja interessant. Von den Mönkel habe ich noch nie gehört, obwohl wir sehr viel draussen sind und die Mädels sehr von der Natur interessiert sind (aktuell Holunder und Schnecken).

    Über das MitmachBuch würden sich die Mädels sehr freuen (und ich mich auch 😉 )

    Ich liebe übrigens die Wochenschaus, das erhellt mein Montag(heute Dienstag, da gestern ein Feiertag) immer sehr.

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