Eine kleine Wochenschau | KW40-2023 (Teil 2)

Teil 1


06. Oktober 2023, Berlin

Heute ist Tag des Lächelns. Ein Gedenktag der in Berlin nur von sehr wenigen Menschen begangen wird.

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Der Fensterputzer war da. Einer der schönsten Tage im Jahr. Zum einen hat G., der Fensterputzer, so eine positive Ausstrahlung. Stets gut gelaunt und erledigt seine Arbeit immer mit Freude und Engagement. Das wirkt geradezu ansteckend. Zum anderen gibt es kaum etwas befriedigenderes als saubere Fenster. Wenn du wieder richtigen Durchblick hast und dich beim Rausschauen nicht fragst, woher der Sepia-Filter kommt.

Die Freude über die sauberen Fenster wird allerdings dadurch etwas eingeschränkt, dass meine Brille schmutzig ist. Das trübt den Durchblick ein wenig. Ich hätte G. bitten sollen, sie auch zu putzen.

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Es klingelt nachmittags. Der DHL-Bote bringt ein großes, schweres Paket. Für mich. Das ist ungewöhnlich. Normalerweise ist meine Frau fürs Online-Shopping zuständig.

Der Absender sagt mir nichts. Vielleicht sind es irgendwelche Werbe-Produkte. Die bekomme ich manchmal von Firmen ungefragt zugeschickt, in der Hoffnung, ich schreibe auf dem Blog darüber. Mache ich aber nicht. Ich werfe die Sachen immer weg. Schließlich möchte ich meine Integrität und Unabhängigkeit wahren. (Vor allem hat mich noch nie etwas davon auch nur ansatzweise interessiert.)

Ich öffne das Paket. Es enthält Müllbeute. Sehr viele Müllbeutel. Mit 60 Liter Fassungsvermögen. Für unseren großen Küchenmülleimer. Die habe ich tatsächlich bestellt. Das war ein Sonderangebot für vier Rollen. Dadurch war der einzelne Beutel ein paar Cent günstiger als beim Kauf von einzelnen Rollen. Das Angebot galt allerdings nur bei einer Mindestabnahme-Menge von sechs Vierer-Päckchen.

Nun liegen auf unserem Küchentisch 24 Müllbeutel-Rollen. Das heißt 240 Müllbeutel. Den großen Eimer nutzen wir nur für Restmüll. Da wir Papier, Plastikabfälle und Biomüll extra sammeln, dauert es circa zwei Monate, bis der 60-Liter-Eimer voll ist. Das heißt, ich muss erst in 40 Jahren wieder neue Müllbeutel kaufen. Vielleicht auch nie wieder.

07. Oktober 2023, Berlin

Heute ist Glücklich-trotz-Glatze-Tag. Noch nicht für mich, Gedenktag-Erfinder, noch nicht für mich.

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Beim morgendlichen Laufen komme ich an der Spree an einem Spielplatz vorbei. Eine junge Mutter schubst gerade ihre circa dreijährige Tochter auf der Schaukel an. Höher und immer höher, das Mädchen juchzt vor Freude. Ich lächle die beiden an, die Mutter lächelt zurück.

Junge Frauen, die einen anlächeln. Der Tag könnte schlechter starten, finde ich. Allerdings möchte ich nicht ausschließen, dass sie gedacht hat: „Der sieht nett aus. Wäre bestimmt ein guter Vorlese-Opa für die Kita.“

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Der Amazon-Algorithmus empfiehlt mir das Buch „How to write funnier“. Die künstliche Intelligenz wird immer besser.

08. Oktober 2023, Berlin

Der Sohn hat heute Berliner U18-Mannschaftsmeisterschaft. Der Wettkampf findet ungünstigerweise in Wartenberg statt. Ungünstigerweise weil das vierzehn Kilometer von Moabit entfernt ist, aber immer noch in Berlin liegt und gut mit dem ÖPNV mit nur einmal Umsteigen erreichbar ist. Somit gibt es keine Argumente, die rechtfertigen, dem Turnier als Eltern fernzubleiben. Außerdem ist es eines der letzten Turniere des Sohns als „Kind“. Da kann man sich das schon mal anschauen.

Die Mannschaft des Sohns startet leicht gehandicapt. Die Hälfte der Teammitglieder fällt verletzungsbeding aus oder hat ihre Gewichtsklasse verfehlt. Sie werden trotzdem zweiter. Das nächste Turnier ist die Nord-Ost-Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Irgendwann im November. Irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. Mal schauen, wie gut das ÖPNV-mäßig angebunden ist.


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