Eine kleine Wochenschau | KW49-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


06. Dezember 2021, Berlin

Nikolausmorgen. Gestern Abend hatten die Kinder eher geschäftsmäßig als enthusiastisch drei kleine Plätzchen auf einen Unterteller drapiert und vor unserer Tür gestellt. Auf den Einwand meiner Frau, das sähe ja etwas mickrig aus, erwiderte der Sohn, es gäbe Menschen, die hätten gar nichts, da solle der Nikolaus mal nicht undankbar, sondern lieber froh sein, dass er überhaupt etwas bekommt. Die Tochter stimmte ihm zu und fand, ein halbes Glas Milch sei dann auch ausreichend.

Da der Nikolaus nicht auf Plätzchenspenden angewiesen ist, sondern einen Schrank voll mit (noch) gefüllten Plätzchendosen sein Eigen nennt, war er trotzdem gnädig und hat ganze Schoko-Weihnachtsmänner dagelassen.

07. Dezember 2021, Berlin

Auf dem Heimweg vom Supermarkt höre ich, wie eine junge Frau zu ihrem Begleiter sagt: „Manchmal stelle ich mir vor, dass ich im Lotto gewinne. 15 Millionen, oder so. Aber irgendwie reicht das nicht.“

Okay, ich schätze die Frau auf Anfang 20. Das heißt, sie hat noch 60 bis 70 Jahre vor sich. Wenn es richtig gut läuft, sogar 80. Da kann es mit den 15 Millionen schon eng werden.

###

Weihnachten naht und die Menschen scheinen ihre großzügige Ader zu entdecken. Zumindest befinden sich in meinem Spam-Ordner noch mehr Mails, in denen mir achtstellige Geldbeträge versprochen werden. Beispielsweise von Rose Simpson, die in der Superball-Lotterie sagenhafte 350 Millionen US-Dollar gewonnen hat und nun andere Menschen an ihrem Glück teilhaben lassen will. Dabei denkt sie netterweise an mich und möchte mir 18 Millionen Dollar überweisen.

Auf Twitter erreicht mich dagegen die Nachricht von Vipin Sangwan. Der gute Vipin sammelt Geld für die Bewohner:innen eines himalayanischen Bergdorfes, um sie in dem anstehenden harten Winter vor einer Hungersnot zu bewahren. Er bittet mich um eine Zuwendung, sofern es mir meine finanziellen Möglichkeiten erlaubten.

Nun bin ich finanziell sicherlich besser gestellt als die nepalesischen Bergdörfler:innen. Aber wissen Sie wer noch mehr finanzielle Möglichkeiten als ich hat? Genau, die gute Rose Simpson! Vielleicht sollte ich sie mit Vipin Sangwan bekannt machen. Damit wäre beiden geholfen und ich habe eine gute Tat vollbracht. Und das ist so kurz vor Weihnachten ja nicht unwichtig.

08. Dezember 2021

Ich erhalte eine weitere Spam-Mail. Sie trägt den Betreff „Xmas Loan? Kredit für Weihnachten“. Diesmal möchte mir niemand Geld schenken, sondern ich bekomme ein Darlehen mit einem Zinssatz von 3% angeboten.

Angesichts der noch zu kaufenden und vor allem zu bezahlenden Weihnachtsgeschenke keine schlechte Idee, aber ich verschiebe die Mail dennoch in den Mülleimer.

###

Es ist 23 Uhr. Meine Frau und ich gehen ins Bett, der Sohn steht derweil am Herd und macht sich gebratene Nudeln mit Hühnchen und Ei. Die Portion ist so riesig, dass ich vermute, der Sohn geht tagsüber gar nicht zur Schule, sondern fährt mit dem Rad Tour-de-France-Etappen ab.

Hoffentlich müssen wir nachher, wenn er vom Völlegefühl geplagt im Bett liegt, keine Einschlafbegleitung bei ihm machen.

09. Dezember 2021, Berlin

Ich erhalte mal wieder ein Blog-Kooperationsangebot einer Schamanin. Diesmal nicht von Ayla, sondern von einer gewissen Zhanabelle. Wenn ich ihre Mail richtig verstehe – und da bin ich mir nicht ganz sicher, denn ihre Nachricht ist teilweise in kyrillischer Schrift verfasst –, gibt sie Kurse, wie moderner Schamanismus dabei hilft, gesund, glücklich und voller weiblicher Energie zu sein oder wie Probleme mit Geld gelöst werden können. Ich bin mir nicht sich, ob Letzteres ein erfolgsversprechendes Angebot ist, denn die meisten Menschen haben ja keine Probleme mit Geld, sondern eher ohne.

Zhanabelle ist eine Freundin der klaren Worte und fragt mich ganz direkt, zu welchen Bedingungen ich mit ihr zusammenarbeiten möchte:

a) Geldprämie
b) kostenlos

Ich entscheide mich für c): Gar nicht.

###

Der Sohn will sich um einen neuen Platz für sein baldiges Schülerpraktikum kümmern. Ihm schwebt irgendetwas praktisch-kulinarisches vor. Vielleicht in einer Bäckerei, bei einem Konditor oder in der Küche eines Restaurants. Ich finde das eine super Idee. Dann ist er immer satt und unsere Lebensmittelausgaben sinken um 40 bis 50 Prozent. Eine klassische Win-win-Situation.

10. Dezember 2021, Berlin

Unschöne Post von der Hausverwaltung. Wir müssen für 2020 eine Betriebskosten-Nachzahlung von 600 Euro leisten. (Schönen Dank an die ganze Home Officerei und Schoolerei!) Vielleicht sollte ich doch bei Zhanabelle den Probleme-mit-Geld-Kurs belegen. Oder die Mail mit dem Weihnachtskredit-Angebot noch mal aus dem Papierkorb holen.

###

Es gibt Männer, die haben Schwielen an den Händen, weil sie Kraftsportler sind und täglich Gewichte stemmen. Oder weil sie als Holzfäller jeden Tag Hunderte Bäume fällen und zersägen. Oder weil sie als Bauarbeiter im Straßenbau schuften.

Und es gibt mich, der sich beim Zurechtschneiden von Dominosteinen eine Blase am rechten Zeigefinger zugezogen hat. Damit sollte ich einen neuen Rekordwert auf der nach oben offenen Weichei-Skala erzielt haben.

11. Dezember 2021, Berlin

Die Tochter hat eine Zusage von der University of Stockholm bekommen und kann dort ab Mitte Januar einige Kurse belegen. Die erste Frage, die dem Sohn in den Sinn kommt, lautet: „Wenn du in Schweden eine Straftat begehst, kommst du dann dort oder in Deutschland in den Knast?“ Meine Frau treibt dagegen der Gedanke um, die Tochter könnte jemanden in Schweden kennenlernen und nie wieder zurückkommen.

So gequält, wie die Tochter schaut, kann sie es anscheinend kaum erwarten, nach Schweden zu ziehen. Oder sonst wohin.

12. Dezember 2021, Berlin

Spiegel Online berichtet über einen Kamel-Schönheitswettbewerb in Saudi-Arabien, bei dem Dutzende der teilnehmenden Zweihöcker disqualifiziert wurden, weil sie mit Botox behandelt waren. Eine Nachricht, die mehrere Fragen aufwirft:

  1. Es gibt Schönheitswettbewerbe für Kamele?
  2. Es gibt Menschen, die auf die Idee kommen, Kamelen Botox zu spritzen?
  3. Es gibt einen Passus in den Kamel-Schönheitswettbewerb-Teilnahmebedingungen, der das Spritzen von Botox untersagt?

Wenn ich solche Meldungen lese, frage ich mich immer, ob die Welt total verrückt geworden ist oder ob es der Menschheit zu gut geht, dass sie Schönheitswettbewerbe für Tiere veranstalten kann.


Alle Beiträge der Wochenschau finden Sie hier.



Nur noch beim großen A erhältlich. (Affiliate-Link)

Sie möchten informiert werden, damit Sie nie wieder, aber auch wirklich nie wieder einen Familienbetrieb-Beitrag verpassen?

42 Kommentare zu “Eine kleine Wochenschau | KW49-2021

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.