Föhrien 2013 – 8. Tag: Würdelos auf Föhr

Jogge beim heutigen Lauf schon morgens um 8.30 Uhr am FKK-Strand vorbei, in der Hoffnung der gemeine Nudist wärmt zur Morgenstund‘ seine primären und sekundären Geschlechstsmerkmale noch im wärmenden Bettchen. Werde jedoch eines Besseren belehrt #damnit. Stattdessen erfreuen sich ein paar FKK-Anhänger schon zu früher Stunde an der freien Natur, wobei die körperlichen Ausmaße der meisten Nackedeis den Verdacht aufkommen lässt, es findet am Strand gerade ein Casting für ‘Free Willy 3′ statt – allerdings nicht für die Rolle des Jungen!

Irre danach aufgrund der durch den Ausflug zum FKK-Strand verursachten Einschränkung des visuellen Kortex orientierungslos durch die Inseldörfer, über Feld- und Fahrradwege sowie Landstraßen, um dadurch drei Kilometer mehr als die vorgeschriebenen 24 Kilometer zu laufen #runningidiot. Überhole gegen Ende würdelos wie eine dänische Milchkuh stampfend in Superzeitlupe zwei betagte Walkerinnen. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um zwei Bewohnerinnen des nahe gelegenen Seniorenstifts und sie führen möglicherweise #wahrscheinlich keine Walking Stöcke, sondern Gehhilfen mit sich.

Liefere später am Strand beim Einstieg ins Meer ein über fünfzehn Minuten andauerndes erbärmliches Trauerspiel #kaltwiesau #immererstschöndiearmebenetzen #wermichnassspritztwirdgetötet, dass sich ernsthaft die Frage stellt, ob die grundgesetzlich geschützte Würde des Menschen tatsächlich unantastbar ist oder ob man sie sich nicht selbst rauben kann. Verstärke diese Zweifel durch ein paar ‚Schwimmzüge’ am Steg entlang, die von ein paar Wasservögeln mit einer Mischung aus Belustigung, Fassungslosigkeit und Verachtung beobachtet werden #dermitdenentenschwimmt.

Mache auf dem Rückweg zum Strandkorb den Fehler, neben einem 1,95m-Modellathleten das Wasser zu verlassen, was sich auf das eigene Körpergefühl diesmal eher ungünstig auswirkt #spectacularmistake. Wünsche mir daher die Orka-Strandkorbnachbarn herbei, was sich schneller als erhofft erfüllt, indem ich unfreiwillig Augen- und Ohrenzeuge amoröser Kitzelspiele werde. Bin froh, bereits zwei Kinder zu haben, da ich nach diesem Anblick nie wieder Sex haben möchte!

Leihe nachmittags Föhrräder #check aus und wundere mich, warum dies einfach unter Angabe des Namens und der Ferienwohnungsadresse ohne Hinterlegen weiterer Sicherheiten möglich ist. Lerne nach wenigen Metern auf dem Rad, dass dieses über eine eingebaute Diebstahlversicherung verfügt:

  • Eine Gangschaltung so präzise wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk – zumindest, was den direkten Übergang vom ersten in den fünften Gang angeht, während alle anderen Gänge dagegen nach dem Zufallsprinzip funktionierten,
  • eine Handbremse, die maximal zur Verzierung dient und
  • eine nach Schmieröl gierende Kette, die ein Fahrgeräusch verursacht, das schon auf nach kurzer Distanzen zu einer nachhaltigen Beeinträchtigungen des Hörapparats führt.

Werde bei der 12km-Fahrradtour zur Wattwanderung in Dusum #nurderhinweg #tourdeföhr trotz meiner vielfach unter Beweis gestellten Orientierungslegasthenie zur Vorhut bestimmt und leiste uneigennützig Führungsarbeit im Wind, was vom Rest der Familie aber mit wenig Dankbarkeit, sondern mit ‚Papa, fahr nicht so schnell’-Rufen quittiert wird.

Machen eine wunderbare Wattwanderung #dreifachalliteration #stark mit einem alten jodaesken zähen Männchen mit sonnengegerbter Haut, der die Freundin bereits vor 24 Jahren kompetent durch das Watt führte und schon damals mit dem älteren Bruder von Jopi Heesters verwechselt wurde. Sehen viele interessante Meeresbewohner, von denen insbesondere der Wattwurm imponiert: Sein ganzes Leben besteht aus Fressen und ‚Pupern’ #zitatdesmännchen ohne zu schlafen und in seiner sechsjährigen Lebensspanne pflanzt er sich ein einziges Mal fort, indem er in seinem zweiten Lebensjahr ins Meer ejakuliert #masturbator, damit sich die Weibchen die Samen einverleiben können #armerwurm #niesex.

Bewundern zum Abschluss einen Sonnenuntergang bei zeitgleichem Mondaufgang #seltenesnaturereignis #männchenbeseelt. Fahren danach die 12 km durch Nacht und Nebel heim #mitnureinembeleuchtetenfahrrad #vonvieren.

Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel "Nackte Kanone" geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im September 2016 ist sein erstes Buch "Wenn's ein Junge wird, nennen wir ihn Judith"* erschienen. (*Affiliate-Link)

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