Mandarinen und Nüsse – die Feigenblätter der Weihnachtsvöllerei. Das Vitamin-C- und Omega-3-Deckmäntelchen, mit dem wir unser schlechtes Gewissen verhüllen, wenn wir wieder zum Dominostein statt zum Obst greifen.
Denn jedes Jahr läuft es im Advent gleich ab. Du gehst zum Supermarkt und kaufst:
- drei Netze Mandarinen
- ein Kilo Nüsse (verschiedene Sorten, ungeschält)
- Lebkuchen, Spekulatius, Dominosteine, Marzipankartoffeln, Schokoweihnachtsmänner, Printen, Pfeffernüsse und zwei Tafeln von der 300-Gramm-Vollmilchschokolade mit Meersalz, die mit Weihnachten nichts zu tun hat, aber im Angebot war
Zu Hause arrangierst du das liebevoll auf dem Wohnzimmertisch: ein Teller mit Schokolade, Lebkuchen und Gebäck, eine Schale mit den Mandarinen und eine weitere mit Nüssen. Dazu eine Kerze für die Besinnlichkeit. Sieht aus wie eine „Schöner Wohnen“-Fotostrecke: „Unser hyggeliges Weihnachten“.
Dann passiert Folgendes:
- Die Schokolade ist nach zwei Tagen weg (und mit zwei Tagen meine ich am ersten Abend),
- Die Plätzchen einen Tag später.
- Die Nüsse liegen bis Ostern in dem Schälchen.
- Die Mandarinen verwandeln sich allmählich in ein grünes, pelziges Kunstprojekt „Schimmel im Advent“ und laufen irgendwann von selbst in die Bio-Tonne.
Aber du kannst sagen: „Wir hatten Obst und Nüsse da.“ Der gute Wille zählt. (Deine Waage schüttelt den Kopf.)


Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel “Nackte Kanone” geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Sein neues Buch “Wenn ich groß bin, werde ich Gott” ist im November erschienen. Ebenfalls mehr als zu empfehlen sind “Hilfe, ich werde Papa! Überlebenstipps für werdende Väter”, “Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit” sowie “Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith”*. (*Affiliate-Links)
