Wie ich Weltmeister wurde

Es ist Sonntagmorgen und ich liege noch im Bett. Heute ist der 13. Juli. Finaltag! Deutschland spielt am Abend gegen Argentinien und kann zum vierten Mal Weltmeister werden. Dieses epochale Ereignis angemessen würdigend spielt der Sohn bereits im Flur Fußball und singt dabei „Finale! Oh, oh! Finale!“ Somit sollten auch die Nachbarn wissen, dass heute Finaltag ist.

Ich persönlich erlebe die fünfte Finalteilnahme einer deutschen Nationalmannschaft. Von den bisherigen vier Endspielen haben sie allerdings drei verloren – 1982 gegen Italien, 1986 gegen Argentinien und 2002 gegen Brasilien. Lediglich 1990 konnte ich den Sieg gegen Argentinien bejubeln. Eine ausbaufähige Quote, wie ich finde.

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Im Radio werden die Schlagzeilen der Boulevardmedien vorgelesen. Wenn man ihnen Glauben schenken will, ist der Gewinn des vierten Weltmeister-Titels nur noch eine Formalie. Aber wer will sich schon gerne auf das Urteilsvermögen der Boulevardmedien verlassen? Ich nicht. Stattdessen bin ich nervös und suche erst einmal die Toilette auf.

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Das Bloggen der Anderen (9)

Beim Recherchieren für meinen Blog stoße ich immer wieder auf interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen.

  • Letzte Woche hatte ich auf einen Artikel von Lempi von „Ich bin dein Vater“ hingewiesen, der sich damit beschäftigte, wie es ist, wenn Fremde dein Kind anfassen und in dem er einen angemessenen Umgang damit empfiehlt. Der Artikel führte zu vielen teilweise kontroversen Reaktionen sowie einigen weiteren Blogartikeln:
    • So findet es beispielsweise Janina vom „Herzmutter“-Blog distanz- und respektlos, wenn Menschen einfach fremde Kinder (oder Babybäuche von Schwangeren) anfassen, ohne vorher Kontakt zu Mutter und Kind aufzunehmen.
    • Andrea vom „Runzelfuesschen“-Blog mag es selbst zwar nicht sonderlich, wenn Fremde ihr Baby anfassen („Das sind ungewaschene Hände – bäh, nein, ich will das nicht.“), aber sie ist auch dafür dass die Reaktion des Babys ernst genommen werden soll. Wenn dieses mit Fremden flirtet und sich nicht durch Weinen gegen die Berührungen wert, müssen Eltern diesen „Fremdkontakt“ vielleicht auch einmal aushalten.
    •  Babyvater, ein weiterer „Ich bin dein Vater“-Autor, reflektiert über kulturelle Unterschiede bei dem Thema: Er schildert, dass er in Deutschland nervös wird, wenn Fremde sich seiner Tochter nähern und er achtet darauf, dass der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Dagegen ist er in seiner griechischen Heimat, in der laut seiner Aussage ein generell etwas körperbezogenerer Umgang miteinander gepflegt wird, etwas entspannter, wenn andere Menschen auf sein Kind zugehen und lässt dies eher zu.

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Fragen über Fragen (2) – Das Nuf

Immer mal wieder werde ich netterweise von einigen Bloggerinnen und Bloggern mit so genannten Awards bedacht. Diese Auszeichnungen gehen mit der Verpflichtung ehrenvollen Aufgabe einher, ein paar Fragen zu beantworten, die sich die Bloggerinnen und Blogger ausgedacht haben. Das mache ich natürlich sehr gerne.

Heute beantworte ich die Fragen einer meiner absoluten Lieblingsbloggerinnen – Das Nuf. Deswegen habe ich mich besonders über ihre sehr interessanten Fragen gefreut und hoffe, Ihnen mit meinen Antworten gerecht zu werden.

[Meine Antworten an Anne vom Blog „Anspruch & Wirklichkeit Schreibwut“ findet ihr hier.]

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Was haben dich deine Kinder gelehrt?

Meine Kinder haben mich sehr viel gelehrt, aber das würde wohl das gesamte Interview sprengen.

Unter anderem habe ich von den Kindern gelernt, demütig und würdevoll mit Frustrationen umzugehen. Wer zum Beispiel mal mit einem Fünfjährigen mit Ritterfiguren gespielt hat, erfährt sehr schnell, dass die Figuren des Sohnes immer in letzter Sekunde ein magisches Schwert hervorzaubern, mit dem sie sich auch aus der misslichsten Situation befreien können und den Zweikampf erfolgreich beenden. Oder bei Flurfußballmatches mit Kindern kannst du davon ausgehen, dass keiner deiner eigenen Schüsse jemals die Torlinie überquert, während jeder Kinderschuss ein Treffer ist.

Die erhöhte Frustrationstoleranz zahlt sich aber im Berufsleben aus und härtet ab für den Umgang mit ungerechten Chefs und inkompetenten Kollegen.

 

Was hilft dir in den anstrengenden Zeiten (Schlafmangel, Autonomiephase & Co.)?

Das Schlafdefizit in den ersten Monaten mit einem Säugling und insbesondere dieses fast schon folterähnliche immer wieder aus den kurzen Schlafphasen gerissen zu werden, war auf jeden Fall eine Extremerfahrung. Irgendwann hat sich mein Körper aber daran gewöhnt, was ich allerdings mit einem rapiden visuellen Alterungsprozess bezahlt habe.

Die Autonomie beziehungsweise Trotzphasen war mitunter auch recht anstrengend (wobei die Freundin das mehr abbekommen hat als ich), weil die Kinder in diesen Momenten überhaupt nicht mehr zugänglich waren – weder für Argumente noch für klare Ansagen. Da hilft dann nur noch eine gehörige Portion Phlegma, wenn man beispielsweise mit einem brüllenden Kind U-Bahn fährt und die anderen Leute vermutlich hoffen, dass man auf dem Weg zum Exorzisten ist.

Glücklicherweise liegen Schlafmangel- und Autonomiephase aber inzwischen so lange zurück, dass ich mich nicht mehr so gut daran erinnere. Möglicherweise ist die Verdrängung das beste Hilfsmittel. Sonst wäre unsere Tochter wohl Einzelkind geblieben.

 

Was fehlt dir aus dem kinderlosen Vorleben? Ist es für immer verloren? Kommt es wieder und wenn ja, wie?

Da wir schon vor den Kindern ein eher ödes Leben ohne Extremsportarten, ohne spontane Städtereisen und ohne durchgemachte Club-Nächte gelebt haben, gibt es nicht besonders viel, was ich aus dem kinderlosen Vorleben vermisse. Am ehesten noch, nicht auf Elternabende gehen zu müssen. Nicht auf Elternabende gehen zu müssen, ist ein Privileg, dass Nicht-Eltern gar nicht genügend schätzen können. Ich glaube, es gibt wenige Anlässe, zu denen ich mir größeren Unsinn anhören musste als auf Elternabenden, diesen Orten, wo die Zeit still steht und der Dumpfsinn regiert. Aber glücklicherweise müssen wir dieses Schicksal nicht länger erdulden, wenn unsere Kinder von der Schule gegangen sind.

 

Was hast du mit den Kindern für dein Leben dazu bekommen?

Holger von Papaganda hat auf die Frage die schöne Antwort „Ein U-Boot“ gegeben. In diesem Sinn habe ich von der Tochter einen wasserspuckenden Elefanten mit Vogelfüßen bekommen.

Elefant. Mit Vogelfüßen.

Und vom Sohn einen hosenlosen Star Wars – Cast.

Star Wars - Cast. Ohne Hosen.

Außerdem habe ich durch meine Kinder die Möglichkeit bekommen, am Wochenende mit Ihnen im Bett zu kuscheln. Eine Erfahrung, die ich gegen Nichts auf der Welt eintauschen würde.

 

Über welche Tabus im Zusammenhang mit Kindern wird zu wenig geschrieben und was sind deine Erfahrungen dazu (Sexleben als Eltern? Überfordertsein? Die Kinder nervig finden? Wie führt man Beziehungen nach einer Trennung? …)?

Beim Nachdenken über die Frage habe ich bei Google unsystematisch ein paar Anfragen eingegeben, wie „Sex als Eltern“, „Ich finde mein Kind doof/hässlich/unsympathisch“ oder „Ich bin mit meinem Kind überfordert“ (nicht zwangsläufig in Anführungszeichen). Alles Themen, von denen man meinen könnte, dass sie tabuisiert sind. Es gab aber jeweils sehr viele Treffer und zumindest ein paar Foren-Diskussionen dazu.

Ich denke, dass die immer größer werdende Elternblogger-Szene dazu beiträgt, dass über nahezu alle Themen, die mit Kindern zu tun haben, geschrieben wird. Auch über die vermeintlich totgeschwiegenen. Ob diese Themen in einem ausreichenden und angemessenen Maße behandelt werden, ist eine andere Frage.

 

Welche wichtige Frage habe ich im Zusammenhang mit Kindern und Familie total vergessen und was möchtest du dazu loswerden?

Eine essenzielle und wenig thematisierte Elternfrage, der unbedingt auf den Grund gegangen werden sollte, ist, welchen Berufen eigentlich die Eltern von Conni aus der gleichnamigen Kinderbuch-Reihe nachgehen. Mit welchen finanziellen Mitteln sind die überhaupt in der Lage, die drei Millionen verschiedenen und häufig äußerst kostspieligen Hobbies der Tochter zu finanzieren? Und ein großes Haus haben die ja auch noch gekauft. War bestimmt ebenfalls nicht ganz billig. Ist da vielleicht Schwarzgeld im Spiel? Fragen, die nach Antworten verlangen!

Familien-Tweets der Woche (9)

Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist der Auswahlprozess gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz. Viel Spaß!

 


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Fragen über Fragen (1) – Von Anspruch & (Wirklichkeit) Schreibwut

Immer mal wieder werde ich netterweise von einigen Bloggerinnen und Bloggern mit so genannten Awards bedacht. Diese Auszeichnungen gehen mit der Verpflichtung ehrenvollen Aufgabe einher, ein paar Fragen zu beantworten, die sich die Bloggerinnen und Blogger ausgedacht haben. Das mache ich natürlich sehr gerne.

Die Serie startet mit den Fragen von Anne vom Blog „Anspruch & Wirklichkeit Schreibwut“.

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Was machst du, wenn die Zeugen Jehovas vor deiner Tür stehen?

Ich versuche, sie zu Pasterfaris zu konvertieren. Wenn das nicht klappt, bringe ich sie zu den anderen in den Keller.

 

Welche Snacks liegen neben deiner Tastatur?

Keine Snacks, sondern Kaffee.

 

Wann fliegt Deutschland aus der WM raus?

Nach dem Finale.

 

Mit wem hattest du zuletzt Sex?

Mein PR-Berater hat mir verboten, über sensible private Angelegenheiten zu reden.

 

Wie war’s?

Mein Anwalt hat mir verboten, über sehr sensible private Angelegenheiten zu reden.

 

Findest du meine Fragen zu persönlich?

Geht so.

 

Welches Buch liest du zurzeit?

„Alles wird gut, und zwar morgen“ von Toni Mahoni. Es war ein Geschenk des Verlags.

 

Wirst du es noch zu Ende lesen?

Wahrscheinlich schon. Man muss auch mal hart zu sich selbst sein.

 

Welches Blog ist – neben deinem natürlich – erfrischend anders?

Nieselpriem, weil Henrike dort auf sprachlich ganz hohem Niveau und – wenn es das Thema bietet – mit viel Witz und Ironie ihre Texte veröffentlicht.

 

Wie wäre dein Leben ohne Internet?

Dann wäre es ein Leben.

 

Besser geht’s nicht, wenn…?

Dieser Fragebogen zu Ende ist. :)

Das Bloggen der Anderen (8)

Beim Recherchieren für meinen Blog stoße ich immer wieder auf interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen.

  • Auf Brigitte Online regt sich Till Räther über das Gejammer von Männern auf, die sich selbst bemitleiden, dass sie von emanzipierten Frauen abgehängt werden könnten und die ihren angeblichen Machtverlust beklagen. Dies sind für ihn die Ur-Männer, für die Frauen entweder verachtenswerte Huren oder zu verehrende Mamis sind, sie aber nicht als gleichwertige Persönlichkeiten ansehen, und die Vielleicht-Männer, die sich halbherzig auf eine gleichberechtigte Partnerschaft einlassen, aber genervt sind, nicht mehr zwanglos wie große Jungs leben zu können. Obgleich ich prinzipiell die inhaltlichen Positionen des Artikels teile, ist die leicht selbstgefällige Art des Autors, der sich zu der Gruppe der Jetzt-Männer zählt, für die es „keine lebenswerte Alternative zur bedingungslosen Gleichberechtigung gibt“, etwas anstrengend. Aber dadurch bleiben seine Thesen nicht weniger richtig.

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Vielen Dank, liebe Herzmutter

Die liebe Janina war diese Woche so reizend und hat auf ihrem Herzmutter-Blog den Familienbetrieb vorgestellt. Und dies auch noch auf geradezu beschämend löbliche Weise. Ein herzliches Dankeschön dafür.

Ihren Artikel inklusive einem kleinen Interview mit mir könnt ihr hier lesen. Und auch ansonsten lohnt es sich, regelmäßig auf dem Herzmutter-Blog vorbeizuschauen.

Herzmutter-Blog

Familien-Tweets der Woche (8)

Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist der Auswahlprozess gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz. Viel Spaß!

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Jetzt musst du springen

Zu dem folgenden Text hat mich Holger von Papaganda inspiriert, der kürzlich auf seinem Blog einen sehr schönen Artikel über einen Freibad-Besuch mit seinen Kindern veröffentlicht hat („Glückskinder, Mutmacher und ein Weichei im Freibad“).

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Stehe auf dem Drei-Meter-Brett eines Berliner Hallenbades und frage mich, wie es so weit kommen konnte, dass ich hier oben stehe. Ich bin nämlich noch nie in meinem Leben vom Dreier gesprungen. Mit Schwimmbädern, Schwimmen und Tauchen stehe ich auf Kriegsfuß. Sie sind mir zutiefst zuwider.

Der Besuch einer öffentlichen Badeanstalt ist für mich ungefähr so attraktiv, wie ein eiterndes Furunkel am Gesäß. Schon der Gedanke an die hygienisch häufig äußerst fragwürdigen Zustände der Familienumkleidekabinen, in denen man sich und die Kinder umziehen muss, lässt mich erschaudern. Um den Kontakt mit Erregern von womöglich noch unerforschten Krankheiten zu vermeiden, versucht man, dass sowohl die Kinder als auch man selbst mit möglichst wenig in Berührung kommt, was äußerst anstrengend ist. Wer schon einmal versucht hat, sich auf Zehenspitzen einer engen Jeans zu entledigen, weiß wovon ich schreibe

Das vor dem Eintritt ins Schwimmbad obligatorische Abbrausen im Duschbereich, diesem Refugium der Fußpilzsporen, macht den Schwimmbadbesuch für mich nicht erstrebenswerter. Es gibt wahrlich viele Dinge, die ich dem Aufenthalt in einer öffentlichen Badeanstalt vorziehe (Steuererklärung ausfüllen, Keller aufräumen, Hemden bügeln). Weiterlesen