Das Bloggen der Anderen (23)

Auch in der letzten Woche bin ich beim Herumtreiben in der Blogosphäre wieder auf interessante Artikel gestoßen, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen. Viel Spaß beim Lesen!

  • Der Dezember ist auch immer die Zeit der Adventskalender auf den Elternblogs: von Gewinnspiel-Kalendern über Geschichts- und Basteltipps-Kalendern bis hin zu obskuren Musik-Kalendern (Oh!). Die tollste Aktion haben aber, wie ich finde, Katharina und Lisa auf ‚Stand Land Mama‘ gestartet: Der Adventskalender der anonymen Freundlichkeiten. Jeden Tag soll über eine Freundlichkeit berichtet werden, die Leserinnen und Leser heimlich „begangen“ haben, z.B. im Café einen Kaffee extra bezahlen, den dann der nächste Gast erhält oder aus dem Telefonbuch eine Adresse raussuchen und an diese Person eine Karte mit Adventsgrüßen schicken. Meine Adresse steht übrigens im Impressum und ich freue mich sehr über Weihnachtsgrüße.

  • Bei ‚Frau Müller‘ hat es auch ‚kalendert‘ und sie sinniert darüber, wie lächerlich klein eigentlich die Schokolade ist, die sich meist hinter den winzigen Adventskalendertürchen versteckt. Und dann muss auch noch den Kindern erklärt werden, dass trotzdem jeden Tag nur ein Türchen geöffnet werden darf. Doof!
  • Für die eBook-Reihe „1.000 Tode schreiben“ hat Patricia einen tollen und der Thematik entsprechend leicht morbiden Text beigesteuert: „Mein analoger Tod“. Ihre Beerdigung soll – in ferner, ferner Zukunft – digital übertragen werden, damit sich niemand extra seiner Jogginghose entledigen muss, und unter dem Hashtag #wtuP (Wir trauern um Patricia) können die Gäste ihre Trauerbekundungen veröffentlichen, bevor die Feier mit einem dem Anlass angemessenen Lied beendet wird: „Ding dong, die Hex ist tot“ aus dem Zauberer von Oz Musical. Toll! Ich habe Patricia schon den alternativen – und grammatikalisch leicht befremdlichen – Hashtag #ripPe vorgeschlagen: Rest in peace Patricia eternally!
  • Auf seinem tollen Blog ‚Papa b(l)oggt‘ plädiert Jörg, alleinerziehender Vater mit einer behinderten Tochter, dafür trotz Alltagsproblemen wie Finanzen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Nerven aufreibender Erziehungsarbeit eines nicht zu vergessen: zu leben. Das bedeutet für ihn, mit seinem Kind wieder Kind sein zu dürfen und ihm Nestwärme, Vertrauen und Geborgenheit zu bieten. Frei nach Astrid Lindgren ruft er uns allen zu: „Lasst euch nicht unterkriegen! Seid frech, seid wild und seid wunderbar!“ Darauf ein paar Zimtschnecken und warmen Kakao!
  • Andrea schreibt auf ‚Munichs Working Mom‘ über die Inszenierung des perfekten Familienlebens auf Instagram-Fotos, bei denen Kinder immer sauber angezogen und Wohnungen ausnahmslos schön designed sind. Diese Bilder seien aber immer nur ein kleiner Ausschnitt und sollten nicht als Vergleichsmaßstab für das eigene Zuhause genommen werden, da dies nur unnötigen Erwartungsdruck aufbaut. Sie ruft die Blogger auf, hin und wieder mutig zu sein und die Geschichten hinter den Bildern zu zeigen, nämlich das Alltagschaos, das vielleicht nicht so ’schön‘ ist, wie man es gerne hätte, aber näher an der Realität und am Erreichbaren. Ich würde dieser Aufforderung gerne Folge leisten, befürchte aber, dass uns nach dem Posten von Fotos aus dem Familienbetrieb-Chaos das Gesundheitsamt einen Besuch abstatten könnte.
  • Leider war das Thema „Gewalt gegen Kinder“ auch letzte Woche wieder aktuell: Wolfgang Greber, Redakteur der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ hat in einem unsäglichen Artikel darüber fabuliert, totale Gewaltfreiheit in der Erziehung sei ein „infantil-romantischer, militant-pazifistischer Irrglaube“ und er rechtfertigt das demonstrativ-inszenierte Übers-Knie-Legen sowie das Ohrenziehen bei seinem dreieinhalb Jahre alten Sohn als adäquate Erziehungsinstrumente. Eine sehr lesenswerte Replik gibt es dazu von Bea auf ‚Tollabox‘, die schreibt, dass gewaltfreie Erziehung sehr wohl funktioniert und nicht bedeutet, Kindern keine Führung und Anleitung zu geben.In einem offenen Brief auf ‚Herzmutter‘ wirft Janina außerdem die Frage auf, was Herrn Greber eigentlich dazu qualifiziert, seine kruden „Erziehungstheorien“ zu verbreitet und dadurch seinem Sohn weitere seelische Schmerzen antut.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel "Nackte Kanone" geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im September 2016 ist sein erstes Buch "Wenn's ein Junge wird, nennen wir ihn Judith"* erschienen. (*Affiliate-Link)

2 commentaires sur “Das Bloggen der Anderen (23)

  1. Oh lustig, das Instagram-Thema hatte ich auch gerade! Habe ebenfalls ganz schamlos unsere dreckige Wohnung fotografiert. Scheint nicht nur mich zu beschäftigen, all die Perfektion. Und diese Instagram-Mommy-Kinder sind immer so SAUBER. Meine Güte, sind die sauber. Warum?! Werden die im Kälteschlaf gehalten und nur für die Fotos aufgetaut?

    • Aus eigener Erfahrung kann ich dir leider auch nicht erklären, wie Kinder sauber gehalten werden. Mit Tipps zu aufgeräumten Wohnungen kann ich noch weniger helfen.

      Aber bleibe bitte an dem Thema dran und informiere mich, wenn du mehr herausgefunden hast.

      LG, Christian

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