Eine kleine Wochenschau | KW11-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


14. März 2022, Berlin

Heute ist Erfahre-mehr-über-Schmetterlinge-Tag. Was Schmetterlinge angeht, bewegt sich mein Wissensstand auf äußerst niedrigem Niveau. Ich weiß über Schmetterlinge eigentlich nur, dass die Raupe Nimmersatt einen Apfel, zwei Birnen, drei Pflaumen, vier Erdbeeren, fünf Apfelsinen, einen Schokokuchen, ein Eis, eine Saure Gurke, eine Scheibe Käse, ein Stück Wurst, einen Lolli, ein Stück Früchtebrot, einen Muffin, eine Melone und ein Blatt aß, bevor sie sich verpuppte und dann vierzehn Tage später in einen wunderschönen Schmetterling verwandelte.

Ich glaube, das Ernährungsverhalten der Raupe Nimmersatt hat mir eine völlig falsche Vorstellung davon gegeben, wie übermäßiges Essen meinen Körper transformiert.

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Die Tochter muss an der Uni per Videoschalte einen Vortrag halten. Über ein Gedicht, dessen Titel mir entfallen ist, von einem Dichter, dessen Namen mir ebenso entfallen ist. (Dafür weiß ich aber immer noch, dass Klaus Fischer bei der WM `82 im Halbfinale gegen Frankreich in der Verlängerung per Fallrückzieher das 3:3 erzielte und dass Deutschland das Spiel 8:7 nach Elfmeterschießen gewann, obwohl Uli Stielike einen Elfer verschoss. Falls das jemals eine Frage bei Wer wird Millionär? sein sollte, können Sie mich gerne dazu anrufen.)

Die Tochter besteht, obwohl kurz vorher das WLAN ausfällt und sie hektisch die Internetverbindung über das Datenvolumen ihres Handys herstellen musste. Wahrscheinlich war das das teuerste Referat der Welt. Also, nicht für die Tochter, aber für uns, die wir ihre Handyrechnung bezahlen.

15. März 2022, Berlin

Ich überrasche mich selbst, indem ich spontan zum Friseur gehe. Dort muss ich zu meinem Unbehagen feststellen, dass die Friseurin, die mir beim letzten Mal die Haare geschnitten hatte, heute nicht da ist.

Nun stehe ich vor einem kaum aufzulösendem Dilemma: Entweder ich erkläre der jungen Frau, die mich gerade freundlich begrüßt hat, ich käme ein anderes Mal wieder, weil ich mir lieber von ihrer Kollegin und nicht von ihr die Haare schneiden lassen möchte, wodurch ich ihr möglicherweise fragiles Selbstvertrauen beschädige und unter Umständen eine hoffnungsvolle Hair-Stylistinnen-Karriere zerstöre, bevor sie begonnen hat, und die junge Frau findet dann keine andere Arbeit und muss die nächsten 50 bis 60 Jahre in Armut leben. Oder ich riskiere einen möglicherweise schlechten Haarschnitt, so dass ich die nächsten vierzehn Tage ein Basecap tragen muss, wodurch ich, wie die meisten Männer, die mit Mitte / Ende 40 Basecaps tragen, aussehe, als würde ich mich vor der Midlife-Crisis verstecken, und weil ich kein Basecap-Gesicht habe, laufe ich dann wie ein Trottel und das ist wahrlich kein schöner Anblick und damit ist ja auch niemandem geholfen.

Ich entscheide mich dazubleiben, weil ich die unangenehme Situation in diesem Moment vermeiden möchte und schlimmstenfalls kann ich einfach die nächsten zwei Wochen das Haus nicht verlassen und meine Frau kann mir das Essen ins verdunkelte Schlafzimmer reichen.

Als erstes bekomme ich die Haare gewaschen. Haare waschen beim Friseur ist für mich so etwas wie eine Wellnessbehandlung für Menschen, die kein Wellness mögen, weil sie nicht halbnackert vor fremden Menschen liegen und sich von diesen nicht anfassen lassen möchten. Bei meinem arabischen Friseur, zu dem ich sonst gegangen bin, habe ich mir nie die Haare waschen lassen, sondern habe das immer vorher selbst gemacht. Bei dem gibt es nämlich keine freistehenden Waschbecken, in die du dich rücklings reinlehnst, sondern die sind alle direkt an der Wand angebracht, so dass du dich vornüberbeugen musst und dir der Friseur zum Shampoonieren und Ausspülen der Haare den Kopf ins Becken drückt. Das ist dann weniger eine Wellnessbehandlung, sondern eher ein Waterboarding, für das du fünf Euro Aufschlag bezahlst.

Die Friseurin beschert mir aber nicht nur ein sehr angenehmes Haarewasch-Erlebnis, sondern schneidet auch sehr gut meine Haare. Obendrein ist sie sehr schweigsam. Eine Eigenschaft, die mir bei Friseur*innen fast ebenso wichtig ist wie der gekonnte Umgang mit Kamm und Schere.

Außerdem fragt sie nicht, ob sie auch die Augenbrauen stutzen soll. Dadurch kann ich mich der Illusion hingeben, dass ich nicht in einem Alter bin, in dem der Haarwuchs an Stellen, wo es wollkommen unnötig ist, überperformt und du dich allmählich in eine Schimäre aus Chewbacca und Theo Waigel verwandelst. Gut, das Augenbrauenstutzen muss ich dann später selbst erledigen, wobei die Gefahr besteht, dass ich mir die halbe Augenbraue wegrasiere, aber dann kann ich ja einfach die nächsten zwei Wochen das Haus nicht verlassen und meine Frau reicht mir das Essen ins verdunkelte Schlafzimmer.

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Der Sohn hat heute einen Mathetest geschrieben. Wahrscheinlichkeitsrechnung. Laut seiner Einschätzung ist der Test sehr gut gelaufen. Das ist allerdings kein besonders zuverlässiger Indikator, welche Note dabei tatsächlich rauskommt. Basierend auf empirischen Erfahrungswerten würde ich vermuten, zwischen 3 und 5 ist alles möglich.

Ich verspreche dem Sohn eine Tafel Schokolade, falls es eine 1 wird. Er will sich aber nicht auf den Deal einlassen, dass er mir eine Tafel geben muss, sollte er eine 2 oder schlechter schreiben. Das spricht immerhin dafür, dass er zumindest ein grundlegendes Verständnis von Wahrscheinlichkeitsrechnung hat.

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36 Kommentare zu “Eine kleine Wochenschau | KW11-2022

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  • Martina Moser
  • very grumpy macapple

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