Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
27. Dezember 2021, Westerburg
Ich stehe bei meinen Eltern unter der Dusche und bin leicht gestresst. Hört sich komisch an, ist aber so. Meine Anspannung rührt nicht daher, dass die elterliche Dusche nicht den modernsten sanitären Standards entspräche. Ganz im Gegenteil. Vor ein paar Jahren haben meine Eltern das Bad renovieren lassen und seitdem verfügen sie über eine sehr geräumige, begehbare Dusche mit Regenbrause in der Decke, die einen sehr angenehm mit einem wohldosierten Wasserstrahl berieselt. Da dient der Duschgang nicht nur der Körperhygiene, sondern wird fast schon zum Wellness-Aufenthalt.
Nicht aber bei mir. Da ich kein Duschgel und Shampoo mitgebracht habe, muss ich mich entscheiden, welche der verschiedenen Flaschen, Tuben und Tiegel, die fein säuberlich auf dem gemauerten Vorsprung aufgereiht sind, ich jetzt verwende. Als stark weitsichtiger Mensch ist es mir unmöglich zu erkennen, was auf den Etiketten steht. Daher greife ich auf gut Glück ein Behältnis und hoffe einfach, dass ich mir nicht mit einem Duschgel, einem Gesichtspeeling oder einer Körperlotion die Haare wasche. Oder mit einem Universal-Badreiniger mit Zitrusduft.

Damit der tadellose Zustand der Dusche bewahrt wird, müssen nach dem Duschen die Wände mit einem Fensterabzieher abgezogen und getrocknet werden. Schließlich soll das Dusch-Spa-Erlebnis nicht durch unschöne Wasserflecken und Kalkablagerungen getrübt werden. Durch das Wändeabziehen gerate ich allerdings so sehr ins Schwitzen, dass ich gleich nochmal duschen könnte. Dann müsste ich aber erneut die Wände trocknen, würde wieder schwitzen, müsste ein weiteres Mal duschen und so weiter und so fort. Es ist ein Teufelskreis!
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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Sein neues Buch „Wenn ich groß bin, werde ich Gott“ ist im November erschienen. Ebenfalls mehr als zu empfehlen sind „Hilfe, ich werde Papa! Überlebenstipps für werdende Väter“, „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“ sowie „Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith“*. (*Affiliate-Links)




