Eine kleine Wochenschau | KW08-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


20. Februar 2023, Berlin

Nach dem langen Karnevalswochenende steht diese Woche das nächste Extremprogramm an: unsere alljährliche Fastenwoche. Normalerweise legen wir die immer Anfang Januar ein. Als Ernährungsreset nach der Weihnachtsvöllerei. Dieses Jahr hat das aus Gründen, die mir entfallen sind, zeitlich nicht geklappt, weswegen wir sie in den Februar verlegt haben. Allerdings habe ich mich seit Anfang des Jahres schon etwas ausgewogener ernährt und knapp vier Kilo abgenommen. Somit ist der Fastenreset gar nicht so nötig und die Motivation überschaubar. Aus einem fehlgeleiteten preußischen Pflichtgefühl ziehen wir das aber trotzdem durch.

Heute steht erstmal der Entlastungstag an. Zur Vorbereitung aus den kompletten Nahrungsverzicht, isst du bereits weniger, beschränkst dich weitestgehend auf Rohkost und lässt tierische Produkte weg. Somit das größtmögliche Kontrastprogramm zu meiner Kölsch-Pizza-Döner-Bratwurst-Brötchen-Diät der letzten Tage.

Zunächst muss ich einkaufen gehen, denn wir haben weder Rohkost noch Knäckebrot vorrätig. Nach den Tagen in Köln ist es etwas gewöhnungsbedürftig, einen Rewe zu betreten und dieser ist nicht mit Luftschlangen und Ballons geschmückt, es laufen keine verkleideten Menschen rum, im Hintergrund läuft keine Karnevalsmusik und die Einkaufswägen und -körbe der Kund*innen sind nicht mit Kölsch, Sekt und Schnapsfläschchen gefüllt.

Unser Nahrungsverzicht hat noch gar nicht richtig begonnen und schon finde ich das Süßigkeitenangebot unwiderstehlich verlockend. Am liebsten würde ich direkt in eine Milka XXL-Tafel beißen. Normalerweise kaufe ich fast nie Schokolade, aber jetzt, wo sie mir in den nächsten Tagen verboten ist, habe ich mehr Verlangen nach Süßigkeiten als ein Dreijähriges, das sich vor dem Überraschungsei-Regal wälzt, als sei es vom Leibhaftigen besessen.

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Mutter hat Geburtstag. Ich rufe an, um ihr zu gratulieren. Als erstes erzählt sie mir, sie hätten 80 Kreppel gebacken. Für den Geburtstagsbesuch. Der käme um 17.11 Uhr. (So viel Karneval muss sein.) Außerdem gäbe es Quiche, leckeres Brot vom Markt und Käse. Später berichtet sie noch, sie seien am Wochenende beim Italiener gewesen, wo sie Pinza gegessen hätte. Eine Spezialität, die aus dreierlei Sorten Mehl gebacken und anschließend mit frischer Tomatensauce bestrichen und Zutaten nach Wahl belegt wird. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Trotzdem wäre ich dankbar, meine Mutter würde weniger über Essen reden.

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Meine Frau und ich nehmen unser Rohkost-Knäckebrot-Abendmahl vor dem Fernseher ein. In der Hoffnung, dass uns das von unserer kärglichen und etwas freudlosen Speise ablenkt. Tut es aber nur bedingt, denn bei Supernatural wird andauernd gegessen. Das könnten die auch mal als Warnhinweis am Anfang einblenden. „Sendung enthält Schimpfwörter, Gewalt, Blut, Alkohol, Nacktheit, Burger, Pommes, Kuchen, Milkshakes, Donuts und Cookies.“

21. Februar 2023, Berlin

6 Uhr, der Wecker klingelt. Ich bin müde und hungrig. Müde, weil es 6 Uhr ist, und hungrig, weil ich mich gestern wie ein Zwergkaninchen ernährt habe. Ich trinke erstmal ein Glas Wasser und einen Pfefferminztee. Danach bin ich immer noch müde und hungrig.

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In den letzten Jahren habe ich immer eine leicht abgewandelte Form des Saftfastens praktiziert. Beim traditionellen Saftfasten trinkst du eigentlich merkwürdige Gemüsesäfte, von denen die meisten so schmecken, als solltest du damit allenfalls Möbel abbeizen, sie aber unter keinen Umständen deinem Körper zuführen. Daher trinke ich beim Saftfasten lieber fünf Tage lang Obstsäfte. Für orthodoxe Saftfastler ein unverzeihlicher Frevel, aber mein Selbsthass hat sein Grenzen.

Dieses Jahr habe ich allerdings keine Zeit für einen Tag Entlastung, fünf Tage Fasten plus zwei Aufbautage. Nächsten Montag startet die Vorbereitung auf den Hamburg Marathon. Da möchte ich am Tag vorher nicht nur Rohkost und Gemüsesuppe gegessen haben.

Stattdessen will ich nur vier Tage lang fasten, dafür aber nur Wasser und Tee trinken. So wie Chris Hemsworth in der dritten Folge von Limitless. Er hat sogar ausschließlich Wasser zu sich genommen. Zusätzlich hat er noch Tiefseetauchen trainiert, da er die Aufgabe hatte, zum Ende des Fastens im Great Barrier Reef mit einer Harpune einen Fisch für seine erste richtige Mahlzeit zu fangen. Ich verzichte aufs Tiefseetauchentraining. Zum einen weil ich nicht tauchen kann, zum anderen in Ermangelung einer Tiefsee im Berliner Umland, in der ich einen Fisch jagen könnte. Außerdem hätte ich Angst, mich mit der Harpune zu verletzen.

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Ich starte den Tag mit einer kleinen Fitness-Einheit. Chris Hemsworth hat während des Fastens auch trainiert. Jedoch stelle ich sehr schnell fest, dass ich nicht Chris Hemsworth bin. Die Fitness-Einheit fühlt sich mehr nach Unfitness-Einheit an.

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Im Laufe des Tages stellen sich Kopfweh ein. Wahrscheinlich der Koffeinentzug. Ich trinke eine Tasse Pfefferminztee. Jedoch stelle ich sehr schnell fest, dass Pfefferminztee kein adäquater Kaffee-Ersatz ist.

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Abends gehen meine Frau und ich spazieren. Um uns von unserem Hungergefühl abzulenken. Das gelingt nur so mittel, weil wir uns erzählen, was wir gerne essen würden. Zum Beispiel Spaghetti mit Tomaten-Ricotta-Sauce und Parmesan. Oder eine Butterstulle, die dick mit Käse belegt ist. Oder Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Rührei. Oder Pizza. Oder Burger mit Süßkartoffelpommes. Die Liste bleibt unvollständig. Hauptsache Kohlenhydrate.


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