Eine kleine Wochenschau | KW50-2023 (Teil 2)

Teil 1


15. Dezember 2023, Berlin

Die Altglastonne im Hof wurde seit Wochen nicht geleert und ist so voll, dass der Deckel nicht mehr schließt. Gleichzeitig quillt in unserer Küche die Kiste, in der wir unsere leeren Einwegflaschen und -gläser sammeln, über.

Wohl oder übel muss ich abends mit der Kiste zum Altglas-Container. Der ist zum Glück direkt um die Ecke. Trotzdem ist es mir unangenehm, mit der Kiste durch den Kiez zu laufen. Nicht weil sie voller Sekt-, Wein- und Schnapsflaschen ist, wie bei jemandem mit bedenklich hohem Alkoholkonsum. Aber in der Kiste sind so viele leere Schokocreme- und Erdnussbuttergläser, dass die Menschen in der Nachbarschaft sicherlich denken, ich bin hochgradig Zucker und Fett abhängig. (Vor allem in der Adventszeit eine nicht vollkommen falsche Einschätzung.)

Vor dem vermeintliche Altglas-Container stehend, stelle ich fest, dass es sich um eine Altkleider-Sammelstelle handelt. Kurz spiele ich mit dem Gedanken, die Kiste einfach daneben abzustellen und zu gehen. Aber nur ganz kurz. Das wäre schade, um die Kiste. Worin sollten wir zukünftig unser Altglas sammeln?

Zudem habe ich mich kürzlich wie so ein Fensterrentner echauffiert, als in unserer Straße eine Frau ihr Taschentuch auf den Gehweg geworfen hat. Da kann ich jetzt schlecht unseren Glasmüll wild entsorgen. Vor allem weil um die Uhrzeit noch relativ viele Menschen unterwegs sind und mich dabei beobachten würden.

Ich recherchiere am Handy nach dem Standort des nächsten Altglas-Containers. Zu meiner großen Überraschungen sind diese tatsächlich bei Google Maps eingezeichnet. Zu meiner noch größeren Überraschung gibt es sogar Google-Rezensionen zu einzelnen Containern.

Wer macht so etwas? Wie viel freie Zeit musst du haben, wenn du, nachdem du dein Altglas weggebracht hast, denkst: „Mensch jetzt schreib ich doch mal eine schöne Bewertung zu meiner Altglas-Container-Experience.“

Und was sind die Kriterien für so eine Rezension? Die Größe des Einwurflochs? Die Sauberkeit der Umgebung? Die Beschaffenheit der Containerwand?

Einer der Container in der Nähe hat eine 5-Sterne-Bewertung. Dazu schreibt „Michael v“: „A spot to drop off glass for recycling.“ In meinen Augen mehr eine Definition als eine Rezension. Da der Container aber diesen Zweck erfüllt, hat er sich die Höchstbewertung verdient. Zumindest in den Augen von „Michael v“.

Zu einem anderen Container führt „Walle Bob“ aus, dass der angrenzende Park jetzt viel sauberer sei und man da endlich gemütlich sitzen könnte. Trotzdem vergibt er nur vier Sterne.

Ich entscheide mich dennoch für den Vier-Sterne-Container, weil er näher ist. Als ich dort ankomme, werfe ich – wie es sich gehört – die Gläser und Flaschen mit so viel Schmackes in die Öffnung, dass sie im Innern des Containers krachend zersplittern. (sorry, Nachbarn.)

Das macht richtig Spaß. Vielleicht schreibe ich zuhause eine Bewertung. Aber mit 5 Sternen.

16. Dezember 2023, Berlin

Der Judoverein des Sohns veranstaltet sein jährliches Weihnachtsturnier. Das heißt, wir verbringen als Helferlein den Samstag in Kladow. In der Turnhalle der Grundschule am Ritterfeld. Was eine sehr irreführende Ortsbezeichnung ist, denn in der Umgebung gibt es überhaupt keine Ritter. Auch keine Burg oder ein Schloss.

Wie letztes Jahr jogge ich abends nach Hause. Circa 20 Kilometer. Vorher klang das wie eine gute Idee, um nach einem Tag in der sticken Halle noch ein wenig frische Luft und Bewegung zu haben. Bereits nach zwei Kilometern bin ich nicht mehr ganz so überzeugt, dass frische Luft und Bewegung wichtig sind.

In Gatow komme ich am „Wirtshaus Gatow“ vorbei. Das sieht aus, wie es sich anhört. Der Name ist in altdeutscher Schrift auf die gelb gestrichene Fassade geschrieben, die Fenster sind von braunen Holzrahmen umschlossen und im Sommer stehen bestimmt überbordende Blumenkästen auf den Fensterbänken.

Nicht ganz zu dem Wirtshaus-Klischee passt das Poster, das über dem Eingang hängt:

Neue Bewirtschaftung ab 30.11.23:
Com Dang.
Asiatische Speisen & Sushi

17. Dezember 2023, Berlin

Der jüngere Bruder meiner Frau – oder wie sie ihn in Verleugnung der Größenverhältnisse nennt: „mein kleiner Bruder“ – ist seit gestern mit seinem Sohn J., seiner Freundin M. und ihrem Sohn T. zu Besuch.

Um kurz vor acht mache ich mir einen Kaffee, in der Hoffnung, das Koffein möge mich in einen menschenähnlichen Zustand versetzen. Dieses Ziel habe ich noch nicht erreicht, als T. in der Küche erscheint. Er ist neun und wie es sich für dieses Alter gehört, ist sein Energielevel sofort nach dem Aufstehen bei 100. Sein Mitteilungsbedürfnis ebenfalls.

Er erzählt mir etwas von der Schlafsituation im letzten Portugal-Urlaub, klärt mich darüber auf, dass er seine Hausaufgaben immer schon in der Schule macht, damit er die „Kack-Aufgaben“ nicht daheim erledigen muss, und erklärt mir dann die Spielregeln eines Kartenspiels, bei dem es darum geht, maximal gleiche oder maximal ungleiche Dreier-Sets zu bilden. Glaube ich zumindest. Ich nippe an meinem Kaffee und hoffe, dass ich an den richtigen Stellen nicke.

Zum Bäcker mitgehen will T. nicht. Das sei ihm zu kalt. Das verstehe ich gut, aber damit wir etwas zum Frühstück haben, gehe ich dennoch los.

In der Bäckerei steht hinter mir eine junge Frau mit ihrer Tochter. Diese ist schätzungsweise drei und sitzt im Kinderwagen. Sie schaut mich strahlend an und ruft: „Schneemann.“ Ich frage mich, ob mein Haar weißer ist, als ich mir eingestehen will, und sich der übermäßige Plätzchenkonsum der letzten Wochen allmählich figürlich unvorteilhaft auswirkt. Dann entdecke ich auf der Brötchentheke einen kleinen Stoff-Schneemann, den die Kleine gemeint hat. Wahrscheinlich.


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