Eine kleine Wochenschau | KW41-2024 (Teil 2)

Teil 1


11. Oktober 2024, Berlin

Der Spiegel hat Thomas Gottschalk interviewt und startete mit der schönen Einstiegsfrage: „Herr Gottschalk, im Spiegel haben Sie vor einigen Jahren die Hoffnung geäußert, ein cooler Alter zu werden. Sind wir uns einig, dass es nicht geklappt hat?“ Das ist selbstverständlich etwas unverschämt, aber durchaus zutreffend.

Wenig überraschend ist Thomas Gottschalk da anderer Meinung. Aber in meinen Augen qualifiziert er sich mit seinem ständigen Hadern mit dem Zeitgeist beziehungsweise der Political Correctness sowie dem Klagen über die Jugend von heute nur schwerlich als „cooler Alter“.

Wobei Thomas Gottschalk darauf besteht, er beklage sich nicht, sondern stelle nur fest, und hadere auch nicht mit dem Zeitgeist, verstünde ihn aber nicht und fühle sich nicht mehr trittsicher.

Ich habe viel Verständnis dafür, dass Thomas Gottschalk Schwierigkeiten mit dem Altern hat und dass es nicht einfach ist, wenn du jahrzehntelang im Rampenlicht standest und dann weniger gefragt bist. (Ein Problem, das wahrscheinlich hauptsächlich Männer haben.) Seine Kritik am Zeitgeist und an der Jugend wirkt auf mich dann aber doch reichlich unreflektiert und denkfaul.

Wahrscheinlich will Thomas Gottschalk in erster Linie, dass alles so bleibt, wie es mal war, weil das am einfachsten ist. Für ihn. Das beklage ich aber nicht, sondern stelle es nur fest.

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Die Tochter hat Probleme mit der Heizung. Sie geht nicht mehr aus. Obwohl das Thermostat auf null steht, läuft sie auf Hochtouren. Im Wohnzimmer herrschen klimatische Bedingungen wie im Amazonas-Regenwald.

Das erzeugt weder behagliche Wohnatmosphäre noch ist das gut fürs Klima. Schlecht für den Geldbeutel ist es obendrein, was dich als Studentin noch härter trifft als CO2-Ausstoß, Erderwärmung und Artensterben. Zumindest kurzfristig.

C. meint zwar, er könne das Problem beheben, aber die Tochter denkt, den Heizkörper abzumontieren ist keine gute Lösung. Stattdessen muss sie den Hausmeister kontaktieren, der bei Vonovia Facility Manager heißt, damit er sich darum kümmert.

Die Tochter klagt am Telefon, nicht mit der Grundschule beginne der Ernst des Lebens, sondern wenn du andauernd mit der Hausverwaltung telefonieren musst. Wegen Internetanschlüssen, Elektrikerterminen, Handwerksarbeiten, irgendwelchem bürokratischen Kram sowie nicht funktionierenden Heizungen.

Meine Frau erinnert sich daraufhin an ein Kinderbuch, das sie gelesen hat, bevor die Tochter in die Schule kam. Darin hat ein Mädchen Angst vor ihrer Einschulung, weil die Erwachsenen die ganze Zeit vom Ernst des Lebens sprechen, der nun anfange. Am ersten Schultag sitzt dann ein Junge neben ihr, der Ernst heißt und nett ist, so dass die Kleine findet, der Ernst des Lebens ist eigentlich doch gar nicht so schlimm.

Ich habe keine Ahnung, was die Moral von dieser Geschichte sein soll. Aber wer zur Hölle nennt sein Kind heutzutage noch Ernst? (Vielleicht die Eltern des Hausmeisters, der für die Reparatur der Heizung sorgen muss.)

12. Oktober 2024, Berlin

Der Sohn hat heute das erste Mal seit einem Jahr wieder ein Judoturnier. Berliner Mannschaftsmeisterschaft bei den Erwachsenen. Für ihn bedeutet das, dass er gegen 80-Kilo-Männer kämpfen muss, für uns, dass wir nach Kladow fahren müssen, wo ich mich jedes Mal frage, ob das noch zu Berlin gehört und ob ich einen Fahrschein für die Zone C kaufen muss. (Die Antworten lauten: Ja und Nein.).

Ich weiß nicht, wer von uns das schlechtere Los gezogen hat. Wahrscheinlich der Sohn. Er muss nach Kladow fahren und gegen 80-Kilo-Männer kämpfen. Er muss dann nur einmal auf die Matte und verliert. Aber Hauptsache gesund.

13. Oktober 2024, Berlin

Heute ist internationaler Tag der Skeptiker. Ich glaube nicht, dass der was bringt.

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Im Hinterhof bei den Papiermülltonnen hat eine monströs große Spinne ein Netz vor dem Fenster des Betreuungsbüros im Erdgeschoss gesponnen. So monströs groß, dass ich mich frage, ob es ökologisch sehr verwerflich ist, unser Altpapier im Restmüll zu entsorgen.

Die Spinne sitzt dort schon seit circa zwei Wochen. Ich bin mir unsicher, ob ich das gut oder schlecht finden soll. So lange sie da unten hockt, hält sie sich nicht bei uns in der Wohnung auf. Das erachte ich als ganz dicken Pluspunkt. Je länger sie aber in dem Netz an dem Fenster wohnt, umso heimischer fühlt sie sich möglicherweise. Dann lädt sie ihre Besties ein, bis irgendwann so viele Spinnen mit ihr abhängen, dass sie den kompletten Hof übernehmen.

Vielleicht sollte ich sicherheitshalber schon mal unsere Fahrräder vor dem Haus abschließen. Unseren Müll kann ich dann auf die Tonnen an den Straßenlaternen in der Straße verteilen.


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Eine kleine Wochenschau | KW40-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


30. September 2024, Berlin

Kaum habe ich den McPaper an der Turmstraße betreten, flötet mich die Verkäuferin schon an: „Einen wunderschönen guten Tag, kann ich Ihnen helfen?“ Sie strahlt übers ganze Gesicht, als sei sie Teilnehmerin beim Wettbewerb „Die fröhlichste Person der Welt“.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel gute Laune verströmt habe. Wahrscheinlich noch nie. Mich überfordert das. Wie soll ich mit so viel Frohsinn umgehen? Ich will doch nur Paketband kaufen.

Bei McPaper sind die Verkäuferinnen immer überaus zuvorkommend und so amerikanisch gut gelaunt. Deswegen vermeide ich, dort einzukaufen. Wahrscheinlich ist das Company Policy. Dass du so gut drauf sein musst, als hättest du eine XXL-Packung Aufheller gefuttert. (Vielleicht ist das auch Teil der Company Policy. Als Start in den Tag werden gemeinsam ein paar Serotonin-Booster eingeworfen.)

Nachdem ich bezahlt habe, zwitschert die Frau: „Einen wunderschönen Nachmittag noch und viel Spaß mit dem Paketband.“ Wie soll man Spaß mit Paketband haben? Ich will einfach ein paar Päckchen zukleben. Gehe danach zu Penny. Da sind die Kassierer*innen zum Glück angenehm muffelig, wie sich das für Berlin gehört.

Titelbild mit einer Tartanlaufbahn. Darauf steht ein Schild mit der Aufschrift: "Achtung! Laufbahn beschädigt!"
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Eine kleine Wochenschau | KW40-2024 (Teil 2)

Teil 1


Der Sohn findet im Anmeldeportal der TU Berlin eine schlechte Nachricht. Sein Immatrikulationsantrag wurde abgelehnt. Anscheinend hatte er ein falsches Formular ausgefüllt. Bis zum 4. Oktober, sprich morgen, hat er Zeit, das richtige hochzuladen. (Er hat keine Ahnung, wie lange die Nachricht schon dort steht. Er hatte die ganze Zeit – vergebens – auf eine Mail gewartet und hielt es nicht für nötig, mal in dem Portal nach dem Stand der Dinge zu schauen.)

Nun würde ich gerne mit ihm schimpfen und ihn eindrücklich ermahnen, sorgfältiger und nicht so schusselig zu sein. Allerdings säße ich da in einem Glashaus mit sehr dünnen Wänden und würde mit extrem großen Steinen um mich werfen.

Nach meinem Zivildienst wollte ich zum Sommersemester ein Pädagogikstudium in Münster beginnen. Allerdings überlas ich eine Anmeldefrist, so dass ich erst zum Wintersemester hätte anfangen können. (Zum Entsetzen meiner Mutter, die wahrscheinlich dachte, ich würde wieder bei ihnen einziehen und ein halbes Jahr bei ihnen abhängen.)

Mein Bruder schlug pragmatisch vor, ich solle mich einfach in Marburg, wo er studierte, für irgendetwas ähnliches einschreiben, was man zum Sommersemester anfangen kann, dann nach einem Semester nach Münster wechseln und mir dort meine Scheine anerkennen lassen.

So begann ich 1996 an der Philips-Universität zu Marburg ein Soziologie-Studium und lernte dort meine Frau kennen. Ohne meine Schusseligkeit bei der Immatrikulation in Münster wäre das nie passiert, folglich gäbe es den Sohn nicht und er hätte seine eigene Einschreibung nicht verbaseln können. Somit sind meine und seine Schlurigkeit eng miteinander verwoben.

Aus pädagogischen Gründen sage ich ihm das aber nicht, sondern ermahne ihn, er müsse sorgfältiger und nicht so schusselig sein. Mir doch egal, dass ich ihm Glashaus sitze.

04. Oktober 2024, Berlin

Meine Haare müssen ebenfalls mal wieder geschnitten werden. Das möchte ich aber nicht meiner Frau zumuten – meiner Mutter ebenfalls nicht – und gehe zu N. in den Friseursalon bei uns in der Parallelstraße.

Neben mir schneidet ein junger Mann einer Frau die Haare. Ich vermute, er ist Azubi. Einerseits aufgrund seines jugendlichen Alters, andererseits weil er sich noch nicht so wahnsinnig geschickt mit Schere und Kamm anstellt. (Unwesentlich geschickter als ich mit Langhaarschneider und Kamm.)

Seine Bewegungen sind sehr angestrengt und nicht besonders flüssig. Die Kundin schaut etwas gequält. Wahrscheinlich denkt sie gerade, sie hätte bei der Online-Terminvergabe besser nicht „nächster freier Mitarbeiter“ angeklickt.

Ich habe bewusst N. als Friseur ausgewählt. Er schneidet immer sehr penibel und akkurat und ist erst zufrieden, wenn beim Ansatz auch jedes noch so kleine Härchen getrimmt ist. Das ist zwar zeitaufwändig, aber dafür ist das Ergebnis sehr gut.

Zum Abschluss föhnt N. meine Haare heute mit sehr viel Hingabe und Ausdauer. Danach sehe ich auf dem Kopf aus wie ein fluffiger Biber aus, was niedlicher klingt, als es aussieht.

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Bekomme auf Insta eine Werbung vom NABU eingespielt: „Schütze die Kreaturen der Nacht! Jetzt Fledermaus-Pat*in werden!“

Nein, danke. Ich finde, es reicht, dass wir im Sommer einer Fledermaus Unterschlupf in unserer Wohnung gewährt haben.

05. Oktober 2024, Berlin/Bonn

Um 8.30 Uhr geht unser Zug nach Bonn. Oder auch nicht. Fünf Minuten bevor wir zum Bahnhof aufbrechen wollen, meldet sich die Bahn-App. Der Zug fällt aus. Wegen Baustelle oder so. Zum Glück finde ich eine Alternative, knapp anderthalb Stunden später, bei der wir sogar weniger umsteigen müssen. Keine Ahnung, warum ich die ursprünglich nicht ausgewählt habe.

Im Zug. Zur Vorbereitung des Marathons am Sonntag habe ich diese Woche mein tägliches Trinkvolumen deutlich erhöht. Da die Größe meiner Blase aber gleichgeblieben ist, muss ich sehr oft aufs Klo gehen. Somit verbringe ich gefühlt die Hälfte der Fahrt auf der Bordtoilette. Dem Ort, an dem du dich im Zug am wenigsten aufhalten willst. (Außer in einem Großraumabteil, in dem die Hälfte der Plätze vom Kegelverein „Alle Neune“ belegt sind.) Außerdem hätte ich mir da die Platzreservierung sparen können.

Als Reiseproviant haben wir geschnittenes Obst dabei. Wenn ich im Zug Apfelschnitze esse, komme ich mir immer vor wie ein pensionierter Oberstudienrat für Geschichte und Erdkunde. Allerdings ohne Ahnung von Geschichte und Erdkunde.

Die Fahrt endet unplanmäßig in Hamm. Oder in Hagen. Wer kann das schon unterscheiden? Ich zumindest nicht. Ein defekter Zug blockiert die Strecke. Im Ersatz-ICE dann nach Köln, von dort mit dem Ersatz-Bus nach Bonn. Zumindest mussten wir nicht auch noch Fahrrad-Rikscha fahren.

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Später ein letztes kleines Läufchen zusammen mit A. Vier Kilometer. Zum Rhein und wieder zurück. Auf den Rheinwiesen feiern die Erstsemester das Ende ihrer ersten Semesterwoche. Die wahrscheinlich größtenteils aus Feiern bestand. Prost.

06. Oktober 2024, Köln

Marathontag. A. und ich haben mit dem Kölner Marathon noch eine Rechnung offen. Beim Start wird schon mal nicht wie beim letzten Mal auf der Bühne Micky Krause interviewt. (Ja genau, der „Dicke Titten, Kartoffelsalat“-Micky-Krause, der anscheinend auch ambitionierter Hobby-Läufer ist.) Das ist schon mal positiv.

Ansonsten ist das Wetter gut, die Stimmung bombe, das Tempo am Anfang etwas schnell, dafür später etwas langsam, aber wir kommen gesund durch. Rechnung beglichen. Check.


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Eine kleine Wochenschau | KW35-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


26. August 2024, Berlin

Heute ist Tag des Toilettenpapiers. Unschöne Erinnerungen an die Corona-Pandemie kommen hoch.

Titelbild mit einer großen Taube, die auf der Fensterbank sitzt und reinschaut
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Eine kleine Wochenschau | KW35-2024 (Teil 2)

Teil 1


30. August 2024, Berlin

Ich erhalte ein Blog-Kooperationsangebot. Für einen Kinderfußball mit lustigem Löwen-Motiv. Die Anbieter schlagen vor, ich solle den Ball mit meinen Kindern ausprobieren und dann auf dem Blog vorstellen. Nach dem Motto: Rausgehen, spielen und einfach Spaß an der Bewegung haben.

Während der Corona-Pandemie, als es sonst nichts zu tun gab, sind wir ab und an zu viert in den Park gegangen und haben Ball gespielt. Fußball, Volleyball oder einfach nur Zuwerfen. Besonders geschickt haben wir uns dabei nicht angestellt. Das war weniger eine Werbung fürs Ballspielen und Spaß an der Bewegung, sondern eher für den Abschluss einer Unfallversicherung.

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11 Uhr. Es klingelt. Vor der Tür steht G. aus der Studi-WG im vierten Stock. Heute Morgen sei eine Taube in ihre Küche geflogen, erklärt er. Ich hoffe inständig, dass er mich nicht bittet, sie für ihn einzufangen.

Glücklicherweise hat er das mit Hilfe eines Handtuchs schon selbst erledigt. Als er sie im Hof ausgesetzt habe, wollte sie davonfliegen, schaffte es aber nur bis zum Fenstersims vor unserer Küche, erzählt G. Da säße sie jetzt schon eine Weile.

Wir gehen in die Küche und tatsächlich, vor dem Fenster hockt eine Taube. Sie hat sich aufgeplustert und sieht ängstlich aus. Aber das ist nur eine Vermutung von mir. Ich habe keinen Schimmer, wie eine Taube aussieht, wenn sie Angst hat. (Und auch nicht, wenn sie wütend oder gelangweilt ist.)

G. fragt, ob ich der Taube vielleicht etwas Wasser hinstellen könnte. Damit sie keinen Durst leiden muss. (Anscheinend weiß G., wie Tauben aussehen, wenn sie durstig sind. Vielleicht studiert er etwas mit Tieren. Zoologie oder Veterinärwesen. Oder er ist Tierpräparator.)

Ich verspreche ihm, mich darum zu kümmern. Als er gegangen ist, fülle ich ein kleines gelbes Plastikschälchen mit Wasser und räume die Fensterbank leer. Allerdings habe ich Sorge, die Taube kommt reingeflogen, sobald ich das Fenster aufmache. Vielleicht mag sie Küchen und nachdem sie bei G. rauskomplimentiert wurde, versucht sie bei uns ihr Glück.

Ganz schnell öffne ich das Fenster, stelle die Schale draußen ab und schließe es ebenso geschwind wieder. Für das menschliche Auge waren meine Bewegungen wahrscheinlich gar nicht wahrnehmbar. The Flash wäre stolz auf mich.

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Der Sohn erzählt, sie seien gestern Abend in einem Club gewesen. Hat ihm aber nicht so gefallen, die Mädchen dort waren ihm zu aufdringlich. Na gut, besser so als umgekehrt.

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Als ich vor dem Schlafengehen noch Geschirr in die Spülmaschine stelle, sitzt die Taube immer noch vor dem Fenster. Das Wasser hat sie nicht angerührt. Vielleicht mag sie kein Gelb. Ihre Verdauung funktioniert aber tadellos und sie hat den ganzen Sims vollgekackt Da würde mir auch der Durst vergehen.

31. August 2024, Berlin

Heute ist Iss-draußen-Tag. Ich schätze, er wurde von Wespen erfunden.

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Die Taube befindet sich weiterhin auf der Fensterbank und hat kaum ihre Position verändert. Normal ist das sicherlich nicht. Vielleicht ist sie krank.

Meine Frau recherchiert nach dem Tauben-Notruf, damit sich jemand dem Tier annimmt. (Ob das wohl die gleichen Leute sind, die sich um Fledermäuse in Wohnungen kümmern? Immerhin fliegen beide.)

Die Tauben-Notruf-Leute bitten meine Frau, die Taube mit etwas Futter und Wasser in einen Karton zu setzen, bis jemand kommt und sie abholt. Dann erledigt sich das Problem von selbst. Als meine Frau die Taube mit einem Handtuch greifen will, schaut diese kurz panisch auf und fliegt davon.

Vielleicht ging es ihr doch die ganze Zeit gut und sie wollte nur ein weniger auf unserem Fenstersims chillen.

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Heute Abend steigt die große Party des Sohns. Als gute Eltern haben wir uns ein Hotelzimmer genommen und schlafen auswärtig. Das ist wahrscheinlich für alle Beteiligten besser.

Hoffentlich geht auf der Feier nichts zu Bruch. Außer dem Fernseher. Der läuft seit einiger Zeit nicht mehr einwandfrei, aber noch zu gut, um ihn zu entsorgen. Da wäre es praktisch, wenn einer der Partygäste ihn umschmeißen würde. Selbstverständlich aus Versehen. Vielleicht kann der Sohn jemanden schubsen.

01. September 2024, Berlin

Nun ist der Sohn also volljährig. Laut Gesetz darf er jetzt selbst Schnaps kaufen (und trinken), Zigaretten rauchen, Verträge abschließen, den Bundestag wählen und sogar für den Bundestag kandidieren. Nur Bundespräsident kann er noch nicht werden. Dazu musst du mindestens 40 sein.

Dass unsere Kinder jetzt beide erwachsen sind, führt mir das eigene Älterwerden vor Augen. Das ist möglicherweise gar nicht so schlecht, denn was mein Alter angeht, leide ich manchmal an einer verzerrten Wahrnehmung, die schon leicht ins Realitätsverweigernde spielt.

Zum Beispiel schätze ich regelmäßig Menschen auf mein Alter, die allerdings Mitte 30 sind. Oder kürzlich sah ich im Magazin das Foto einer älteren Frau, von der ich dachte, dass sie ungefähr im Alter meiner Eltern sein muss. Tatsächlich war sie 64, womit sie altersmäßig näher bei mir als bei meinem Vater liegt. Ein nur mittelschöner Gedanke.

Jetzt, wo beide Kinder volljährig sind, ist wohl auch die Erziehung mehr oder weniger abgeschlossen. Was wir ihnen bis jetzt nicht vermittelt haben, werden wir ihnen wohl auch künftig nicht mehr beibringen.

Ob wir gute Eltern waren (und sind)? Zumindest bin ich zuversichtlich, dass wir nicht die schlechtesten der Menschheitsgeschichte waren. Auf jeden Fall haben wir es geschafft, ihnen so etwas wie einen moralischen Kompass mitzugeben. Somit sehe ich es ein klein wenig als unseren erzieherischen Erfolg an, dass sie keine Arschgeigen geworden sind, sondern wissen, was prinzipiell richtig und falsch ist (Und dass es mehr als schwarz und weiß gibt.)

In diesen Zeiten ist das nicht das Allerschlechteste.


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Eine kleine Wochenschau | KW34-2024 (Teil 2)

Teil 1


Lese auf FAZ Online einen Kommentar, in dem sich der Verfasser darüber auslässt, dass in vielen Supermärkten an den Kassen die beweglichen Trenner abgeschafft wurden, die die bezahlten Einkäufe beim Einräumvorgang von den Waren der nachfolgenden Kund*innen abschirmt.

Wüsste ich es nicht besser, würde ich mich freuen, dass anscheinend nichts Schlimmes auf der Welt passiert ist, wenn solche Themen abgehandelt werden. Mein eigenes Leben scheint auch erfreulich stress- und spannungsarm zu sein, dass ich Zeit habe, so etwas zu lesen.

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Neue Nachricht der Duolingo-Eule, die wissen will, ob ich keine Lust mehr hätte, Englisch zu lernen. Sie wirkt enttäuscht.

23. August 2024, Berlin

Instagram spielt mir ein Gewinnspiel für ein Lauf-Fotoshooting in den Feed. Nein, danke. Schon ein normales Fotoshooting ist für mich ungefähr so attraktiv wie die Vorstellung, mich mit Friedrich Merz zum Abendessen zu treffen. Außerdem schaue ich auf Portraitfotos immer so verkniffen, wie Jemand auf einem Mugshot, der wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet wurde, weil er ohne Hose durch die Fußgängerzone gelaufen ist.

Noch unvorteilhafter sehe ich aber auf Fotos von Laufveranstaltungen aus. Da taumele ich meist mit fratzenhafter Mimik, wilden Haaren und merkwürdiger Körperhaltung, die auf eine veritable Gleichgewichtsstörung schließen lässt, durchs Bild. Besonders schlimm sind die Aufnahmen von hinten, die meine ausladenden Hüften unvorteilhaft in Szene setzen und mich der Illusion berauben, ich flöge einer Gazelle gleich über die Strecke.

Ich lösche die Anzeige. Sicherheitshalber klicke ich noch an, dass ich auch zukünftig kein Interesse an vergleichbaren Angeboten hätte.

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Die Duolingo-Eule stalkt mich weiter. Sie sieht ungehalten aus, weil ich bei der Englisch-Lernerei so wenig Ausdauer zeige. Ich bin kurz davor, den Account zu deaktivieren, damit mich das Vieh in Ruhe lässt.

24. August 2024, Berlin

Die Tochter und C. haben in Kiel einen riesigen Einkaufsmarkt entdeckt, der sich in erster Linie an Gewerbetreibende richtet. Die Getränkeabteilung wartet mit einem erstaunlich großen Angebot an Alkoholika in 3-Liter-aufwärts-Gebinden auf.

Auf einem Foto, das die Tochter schickt, posiert C. mit einer Flasche Aperol, die mindestens einen halben Meter groß ist. Vielleicht etwas für mein nächstes Treffen mit G.?

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Wieder eine Eulen-Mail. Sie sieht ein, dass ihre penetrante Erinnerei nicht funktioniert und verspricht, mich nicht mehr anzuschreiben. Außerdem fragt sie, ob sie zu aufdringlich war.

Ich weiß nicht, wie die Gepflogenheiten bei Computer animierten Vögeln sind, aber bei einem fremden Menschen, der mir eine Woche lang jeden Tag Mails schickt und versucht, mich emotional zu erpressen, hätte ich längst ein richterliches Kontaktverbot erwirkt.

25. August 2024, Berlin

Bekomme in einer Mail die Domain „meine-mama. de“ zum Kauf angeboten. Ich lösche die Nachricht unbeantwortet. Bevor ich eine Website „Meine Mama“ starte, würde ich das lieber erstmal therapeutisch aufarbeiten wollen.

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Das Versprechen der Duolingo-Eule, mich in Ruhe zu lassen, hat genau 24 Stunden und 27 Minuten gehalten. Dann schreibt sie, ich hätte mir eine Lernpause gegönnt, aber jetzt ginge es wieder los. Außerdem teilt sie mir mit, sie hätte mich diese Woche vermisst. Ich wünschte, ich könnte das auch sagen.


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Eine kleine Wochenschau | KW34-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


19. August 2024, Berlin

Am Rande des Volkspark Rehberge parkt ein Auto mit einer großen Werbeaufschrift auf der Seite. „Relax Car“. Drinnen sitzt ein älterer Mann, er hat die Rückenlehne bis zum Anschlag nach hinten gestellt und schläft mit offenem Mund.

Ich weiß nicht, was ein „Relax Car“ genau ist, aber ich habe den Eindruck, es funktioniert 1a.

Titelbild mit einer gelben Spielzeugstraßenbahn, die auf dem Boden vor einem Stromkasten steht
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Eine kleine Wochenschau | KW33-2024 (mit Buchverlosung)

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


12. August 2024, Berlin

Merkwürdiger Traum heute Nacht, in dem wir noch ein drittes Kind hatten, einen circa einjährigen Jungen. Du musst kein professioneller Traumdeuter oder Küchenpsychologe sein, um da hineinzuinterpretieren, dass mein Unterbewusstsein verarbeitet, dass die Tochter seit zwei Wochen mit C. in Kiel wohnt, der Sohn bald volljährig wird und die beiden auf eigenen Füßen stehen. (Mehr oder weniger.)

In dem Traum kletterte das kleine Kind immer wieder in die hohen Fächer unseres Bücherregals, wo ich es dann runterholen musste. Keine Ahnung, was mein Unterbewusstsein mir damit sagen will.

Titelbild mit einem Graffiti eines Hasen auf einer Wand
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Eine kleine Wochenschau | KW33-2024 (Teil 2) (mit Buchverlosung)

Teil 1


15. August 2024, Berlin

Lese morgens meinen gestrigen Google-Suchverlauf nach:

  • Fledermaus Wohnung
  • Fledermaus Wohnung wieder raus
  • Fledermaus Wohnung wie fangen
  • Fledermaus Wohnung wen anrufen
  • Hotelzimmer Berlin kurzfristig

16. August 2024, Berlin

Eine PR-Agentur schickt mir eine Einladung in ein Wellness-Hotel in den Dolomiten. Normalerweise mache ich prinzipiell keine Blog-Kooperationen, weil mir das zu langweilig und doof ist. Außerdem will ich mir meine Unabhängigkeit bewahren.

Schaue mir trotzdem mal die Website des Hotels an. Die wartet mit atemberaubenden Landschaftsfotos auf, die Hotelanlage ist ansprechend weitläufig gestaltet, die Zimmer sind zwar mit viel Holz eingerichtet, sehen aber trotzdem modern und gemütlich aus, und bei den Bildern zum kulinarischen Angebot läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

Warum nicht doch mal eine Kooperation machen, überlege ich mir. Ein paar Tage entspannen, sich verwöhnen lassen und ein paar launige Texte darüber schreiben. Das wird mich schon nicht korrumpieren.

Bevor ich meine Antwort formulieren kann, erhalte ich eine zweite Mail der Agentur. Ich sei versehentlich auf dem Verteiler gelandet und sie bitten die damit verbundenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen. Somit endet meine erste Blog-Kooperation, bevor sie begonnen hat.

17. August 2024, Berlin

Überrasche den Sohn, der zu mir ins Arbeitszimmer kommt, weil ich Antilopen-Gang höre. „Bist du jetzt Deutsch-Rap-Fan?“, fragt er. Aus seinem Blick spricht gleichermaßen Respekt und Befremden gepaart mit einer Brise Fremdscham.

Erkläre ihm, dass Danger Dan der Sänger der Antilopen-Gang sei, was dem Sohn neu ist, weil er nur dessen Klavieralbum kennt. Verzichte darauf, meine Ausführung mit „Yo, bro.“ zu beenden, um das zarte Pflänzlein der Anerkennung meines Sohnes nicht leichtfertig zu zerstören.

Aus dem gleichen Grunde verschweige ich lieber, dass ich eigentlich auf der Suche nach einem Duett von Danger Dan mit Sebastian Krumbiegel von den Prinzen war, das mit Deutsch-Rap weniger zu tun hat als Heinos „Schwarzbraun ist die Haselnuss.“

18. August 2024, Berlin

Vor unserem Haus läuft ein Mann auf und ab, lautstark telefonierend, in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Vielleicht irgendetwas osteuropäisches. Im Laufe des Gesprächs echauffiert er sich immer mehr, bis er schließlich in sein Handy brüllt.

Finde das super nervig. Also, nicht die Lautstärke, sondern dass ich nicht weiß, was ihn so erregt.

Buchverlosung: „Mörderischer Sanddorn“ von Sven Trautwein

In einigen Bundesländern sind die Sommerferien schon rum, in anderen noch in vollem Gange. Urlaubszeit ist bekanntlich Krimizeit und es gibt doch nichts Schöneres, als entspannt am Strand zu sitzen, ein kühles Getränk in der Hand, im Hintergrund das Rauschen des Meeres und dabei zu lesen, wie jemand kaltblütig gemeuchelt wird und dann mitzurätseln, wer wohl der Mörder und manchmal auch die Mörderin ist. Daher freue ich mich, „Mörderischer Sanddorn“, den Debütroman von Sven Trautwein, verlosen zu dürfen.

„Mörderischer Sanddorn“ handelt auf 300 Seiten von Mord (bei einem Krimi naheliegend), der dänischen Nordseeküste, einer jungen Kommissarin mit unaufgearbeiteten Familienkonflikten, Windrädern, einem Klimaaktivisten (ohne Kleber), einer Bürgerbewegung und Sanddorn-Spezialitäten (bei dem Titel ebenfalls naheliegend). (Kleiner Spoiler: Der Sanddorn ist nicht der Täter.) Das Buch bietet nicht nur spannende Leseunterhaltung mit Überraschungen und Wendungen, sondern macht auch Lust auf Dänemarkurlaub und auf Sanddorn-Spezialitäten.

Bisher ist „Mörderischer Sanddorn“ ausschließlich als e-Book erschienen, aber bei den zu erwartenden Verkaufszahlen, gibt es sicherlich auch mal eine Print-Version. Netterweise stellt Sven ein „Exemplar“ seines Krimis zur Verfügung (als epub-Datei oder für Kindle), das ich unter den Leser*innen des Familienbetriebs verlose.

Verlosung

Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, muss bis zum 22. August, 18 Uhr, einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen und schreiben, welche Sanddorn-Spezialität sie oder er gerne mal ausprobieren würde. Ein einfaches „Moin“ reicht auch. Oder irgendetwas anderes. Hauptsache ein Kommentar.

Wie immer sind Rechts- und Linksweg ausgeschlossen, eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich, alle E-Mail-Adressen werden nach Abschluss der Verlosung DSGVO-konform gelöscht, bliblablö und es gelten die folgenden Bedingungen. Allen Teilnehmenden viel Glück bei der Verlosung.

Sven Trautwein: Mörderischer Sanddorn. Kriminalroman. Stine Søgårds erster Fall. Ullstein eBooks. 6,99 €. (Affiliate-Link)


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Eine kleine Wochenschau | KW32-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


05. August 2024, Berlin

Mein rechter Knöchel tut weh. Weil ich gestern beim Laufen leicht umgeknickt bin. Wenigstens nicht der linke Fuß, wo schon die Ferse lädiert ist. Wobei, eigentlich ist das doch nicht so gut, denn nun sind beide Füße nur eingeschränkt funktionstüchtig.

Die Familie ist sehr besorgt um meine Gesundheit. Bei jedem Gang durch die Wohnung, vom Wohnzimmer in die Küche oder ins Bad, ermahnen meine Frau und der Sohn mich, ich solle vorsichtig sein, damit ich nicht noch mal umknicke oder gar hinfalle. Ihr Mitgefühl wird meinen Genesungsprozess sicherlich beschleunigen.

Titelbild mit einem blau-weißen Boot in einem Industriehafen
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