03. März 2022, Berlin
Heute ist Wenn-Haustiere-Daumen-hätten-Tag. Was für eine gruselige Vorstellung. Hätten Haustiere Daumen, könnten sie Werkzeuge benutzen und Menschen wären für sie vollkommen überflüssig. Wer braucht schon Herrchen oder Frauchen, wenn du deine Büchse Katzen- oder Hundefutter selbst mit dem Dosenöffner aufmachen kannst?
Mit Daumen könnten Haustiere außerdem Schusswaffen bedienen und dann Gnade uns Gott. (Oder Allah, Jahwe, Buddha, Shiva oder wer auch immer uns vor schießwütigen Haustieren schützen kann.) Was würde wohl ein Hamster tun, der Zeit seines Lebens in einen kleinen Käfig eingepfercht wird und dessen einzige Freizeitbeschäftigung darin besteht, in einem beschissenen Rad rumzurennen, wenn er plötzlich Daumen und Zugang zu einer Pump Gun hätte? Genau, er würde natürlich sofort diejenigen wegballern, die ihm das eingebrockt haben. Für Hamster-Besitzer:innen wäre das tragisch, aber es hört sich auch wie ein schöner Plot für einen Tarantino-Splatter-Film an: Reservoir Hamsters. (Vielleicht sollte ich Krude-Gedanken-Fasten betreiben.)
04. März 2022, Berlin
Der Sohn hat heute eine Exkursion mit dem Musik-Kurs. Er habe aber keine Infos, wo es hingeht. Das halte ich für eher unwahrscheinlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Lehrerin den Schüler:innen das Ausflugsziel vorenthalten hat, um sie damit am Exkursionstag morgens zu überraschen. Wahrscheinlich hat wieder das Limbische System beschlossen, den Sohn nicht mit irgendwelchen unnötigen Details zu Musik-Exkursionen zu belasten. (Aus dem gleichen Grund hat mein Limbisches System entschieden, dass ich mir den Namen der Musiklehrerin nicht merken muss.)
Nachmittags erzählt der Sohn, sie seien ins Musikinstrumenten-Museum gefahren und hätten irgendwas zu Filmmusiken gemacht. Sei aber langweilig gewesen. Ich glaube, es gibt kein härteres und weniger begeisterungsfähiges Publikum als eine Klasse von 15-/16-jährigen.
05. März 2022, Berlin
Denke mir morgens beim Sport, ich könnte mal wieder ein paar Klimmzüge in mein Fitnessprogramm einbauen.
Meine Rücken-, Oberarm- und Bauchmuskulatur denken: „Nein.“
(Und ich bin mir sicher, sie denken auch: „Geht’s noch, du Trottel?“)
06. März 2022, Berlin
Die Tochter berichtet im Videotelefonat von ihren Alltagsproblemen in Schweden: von den teuren Alkoholpreisen. Es sei ohnehin gar nicht so leicht, überhaupt an Alkohol zu kommen. In Supermärkten gäbe es lediglich Bier, alles andere würde nur in speziellen Alkohol-Geschäften verkauft. Die hätten am Wochenende aber geschlossen und außerdem dürfe man da erst mit 20 rein. In Bars bekäme sie zwar schon mit 18 alkoholische Getränke, ein Bier koste dann aber locker sechs Euro und ein Gin Tonic mehr als zehn Euro.
Das Leben als Studentin in Schweden muss sehr hart sein.
Buch-Tipp der Woche
Falls Sie sich Sorgen um Inke Hummel machen, weil es schon sieben Monate her ist, dass sie ihr letztes Buch veröffentlicht hat, und Sie deswegen auf Hummel-Entzug sind, kann ich Sie beruhigen. Am 23. Februar ist ihr neuestes Werk erschienen: „Nicht zu streng, nicht zu eng: Dein sicherer Weg zwischen Schimpfen und falschem Verwöhnen. So wird dein Kind glücklich und befreit groß“. (Mit einer Länge von 136 Zeichen konnte Inke Hummel ihren eigenen Weltrekord für den längsten Erziehungsratgeber-Titel nicht ganz übertreffen, aber das nur am Rande.)
In dem Buch gibt Inke Hummel Tipps, wie Eltern das richtige Maß in der Erziehung finden, bei dem sie nicht ungewollt zu hart zu ihren Kindern sind, sie aber auch nicht überbehüten. Dabei zeigt sie unterschiedliche Erziehungswege auf, die zu Kindern mit unterschiedlichen Temperamenten passen und eine starke Bindung aufbauen, die sowohl Eltern als auch Kindern Sicherheit bieten. Auch dieser Ratgeber von Inke Hummel ist wieder sehr systematisch und didaktisch und angenehm undogmatisch, dafür aber immer wertschätzend und mutmachend gegenüber den Eltern.
Mein Lieblingstipp aus dem Buch ist der folgende: „Entscheide, ob dein Gegenüber zu dir oder deinem Kind im Grunde eine wichtige Beziehung hat. Falls nein, darfst du lächeln und winken.“ Es geht eigentlich darum, wie du auf Kritik an deinem Umgang mit deinem Kind reagieren sollst, aber ich finde, es ist auch ein sehr guter Tipp für quasi alle Situationen, in denen du mit Menschen zu tun hast.
Netterweise verlost Inke ein Exemplar von „Nicht zu streng, nicht zu eng“ unter allen Leser*innen, die bis Donnerstag, den 10.03.22, einen nicht zu strengen und nicht zu engen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen. [Bevor Sie mir einen Anwalt auf den Hals hetzen, möchte ich betonen, dass dies nur ein Witz war und die Art des Kommentars selbstverständlich keinerlei Einfluss auf die Verlosungsteilnahme hat. Sie können so streng oder eng kommentieren, wie sie wollen, und dürfen trotzdem teilnehmen.]
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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Sein neues Buch „Wenn ich groß bin, werde ich Gott“ ist im November erschienen. Ebenfalls mehr als zu empfehlen sind „Hilfe, ich werde Papa! Überlebenstipps für werdende Väter“, „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“ sowie „Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith“*. (*Affiliate-Links)





