Gespräche mit dem Tod (12): Der Geburtstag

Es ist Samstagabend kurz vor Mitternacht. Ich stehe in der Küche und räume den Geschirrspüler aus, als es plötzlich an der Wohnungstür klopft. Zu dieser späten Stunde erwarte ich eigentlich keinen Besuch. Und Besuch, der zu so später Stunde kommt, möchte ich eigentlich auch nicht erwarten.

Das Klopfen, das zögerlich begann, wird allmählich energischer. Verärgert öffne ich die Tür. Im Hausflur steht eine hagere Gestalt, die in eine modrige Kutte gehüllt ist und in der rechten Hand eine große Sense hält. Meine Miene hellt sich auf. Es ist mein Freund, der Tod. Er scheint außer Atem zu sein.

„Gerade noch rechtzeitig“, keucht er zur Begrüßung.

„Wieso rechtzeitig?“, frage ich.

Der Tod räuspert sich und fängt an, aus voller Kehle zu singen: „Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst.“

Sein Vortrag besticht durch Leidenschaft, aber weniger durch das Treffen der richtigen Töne. Schnell ziehe ich ihn in die Wohnung, bevor sich die Nachbarn wundern, warum der Tod mitten in der Nacht in unserem Haus Geburtstagsständchen zum Besten gibt.

Der Tod.

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Co-Gründer Familienbetrieb

Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im Oktober 2018 erscheint sein neues Buch „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“*. (*Affiliate-Link)

The Making of ‚Das Buch‘ (Teil 2): Ja, wo schreibt er denn?

Mein liebes Tagebuch,

vom Buchschreiben hatte ich eine sehr romantische Vorstellung. Also, bevor ich anfing, ein Buch zu schreiben.

Vor meinem geistigen Auge sah ich mich im Garten eines toskanischen Landhauses sitzen, mein Blick schweift nach Inspiration heischend über Olivenhaine und Weinberge. Ab und an tippe ich Sätze von Thomas Mannscher Qualität in eine mechanische Schreibmaschine (ja, mein geistiges Auge ist eher ein wenig nostalgisch veranlagt und hat ein Faible für die 60er/70er Jahren des letzten Jahrhunderts). Gelegentlich tritt die Freundin zu mir in den Garten, serviert mir Kaffee sowie frisch gebackenen Kuchen und bringt ihre Bewunderung ob meiner literarischen Höchstleistungen in angemessenen, wohlfeilen Worten zum Ausdruck.

Spätestens an dieser Stelle hätte mir dämmern sollen, dass mein Idealbild des schriftstellerischen Wirkens in höchstem Maße unrealistisch ist.

Bleistifte an Notizbuch

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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im Oktober 2018 erscheint sein neues Buch „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“*. (*Affiliate-Link)