Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
01. Juli 2024, Berlin
Trete vor der Haustür in ein Kaugummi. Bemerke das erst in der Küche, als ich bei jedem Schritt ein „Klebegeräusch“ mache. Da lobe ich mir Singapur. Dort ist Kaugummikauen verboten. Die Strafen für Zuwiderhandlungen liegen im vierstellige Euro-Bereich.
So weit möchte ich gar nicht gehen. Mir würde es reichen, meine verklebten Sohlen an dem T-Shirt der Person abzurubbeln, die den Kaugummi auf den Bürgersteig gespuckt hat. Ich würde den Schuh sogar vorher ausziehen.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Ein Bekannter schlägt sich mit einem Taubenproblem rum. Er renoviert zurzeit eine neu erworbene Wohnung, zu der eine Loggia gehört. Bei dieser fehlt eine Fensterscheibe, was einige Tauben ausgenutzt haben, um dort – drücken wir es freundlich aus – ihre Notdurft zu verrichten.
In der Geschichte des Bekannten hört es sich an, als hätten sich alle Berliner Tauben mit Durchfallerkrankung verabredet, seine Loggia vollzuscheißen, so dass er nun knietief durch Taubenkacke waten und diese wegschaufeln muss. Ich erzähle ihm lieber nicht, dass in der Linde vor unserem Schlafzimmer ein Taubenpärchen nistet und ich das ganz niedlich finde.
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EM-Viertelfinale. Deutschland gegen Spanien. Das Spiel hält alles, was es im Vorfeld versprochen hat. Intensität, Leidenschaft, atemberaubende Dribblings, millimetergenaue Pässe, Chancen, Tore, Emotionen, Pfostenschüsse, Aufregung, Spannung und Dramatik. Ein großartiges Match. Nur einen anderen Ausgang hätte ich mir gewünscht. Wobei: Lieber so verlieren, als wie die Engländer gewinnen.
Für das Tippspiel ist das Ergebnis, allerdings gut für mich. Im Gegensatz zum Sohn hatte ich auf ein 2:O für Spanien gesetzt und mache Boden auf ihn gut. Trotzdem fühle ich mich etwas schlecht. Die wahre Leichenfledderin ist aber meine Frau. Sie fährt vier Punkte ein, weil sie sogar 2:1 für Spanien getippt hat.
06. Juli 2024, Berlin
Abends der nächste und letzte Abi-Höhepunkt: der Abi-Ball. Im Admiralspalast, einer großen Event-Location, in der normalerweise Konzerte und Shows stattfinden. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob die Tickets 75 oder 85 Euro gekostet haben, auf jeden Fall waren sie sehr, sehr teuer. Da wir sie schon vor einem Jahr kaufen mussten, kommt es mir heute aber vor, als hätten wir Freikarten.
Unser Abi-Ball war damals nicht so prätentiös. (Mein innerer Bommer nickt.) Wir feierten in der Aula, den Getränkeverkauf organisierte der 12er-Jahrgang, das heißt, es gab Bier und lieblichen Wein, und für das Catering sorgte die örtliche Metzgerei, das heißt, es war sehr fleischlastig und mäßig lecker.
Während bei uns seinerzeit, wie auf dem Land üblich, eine Tanzkapelle Musik machte, legt heute Abend ab 21.30 Uhr ein DJ auf. Zunächst viel 80er/90er-Musik, dazu noch das ein oder andere ABBA-Stück. Auf der Tanzfläche sind ziemlich viele Eltern und Lehrer*innen und nur wenige Abiturient*innen. Was entweder an der Musik liegt oder daran, dass ziemlich viele Eltern und Lehrer*innen auf der Tanzfläche sind.
Gegen halb zwölf erlösen wir den Sohn und gehen nach Hause. Um fünf Uhr höre ich, wie er die Wohnungstür aufschließt. Ich denke, der hatte einen guten Abend.
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Dramatische Wende beim Tippspiel. Während der Sohn in den beiden heutigen Partien die Schweiz und die Türkei als Sieger sah, hatte ich auf England getippt und den 2:1-Sieg der Niederländer korrekt prognostiziert. Mit einem Punkt Vorsprung übernehme ich die Führung.
07. Juli 2024, Berlin
Heute ist Tag der Schokolade. Seit ich letzte Woche vom Sohn sechs Tafeln Tony’s Chocolonely wegen unserer Abi-Wette bekommen habe, hatte ich jeden Tag Tag der Schokolade. Deswegen sollte ich morgen besser die Woche der Rohkost beginnen.
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Sitze morgens auf dem Sofa und bin ein wenig nostalgisch. Nun sind beide Kinder mit der Schule fertig. Was mir das eigene Älterwerden vor Augen führt. Ein Gefühl, das verstärkt wird, als ich mir das Gruppenfoto von meiner Frau, dem Sohn und mir von der Zeugnisverleihung vom Donnerstag anschaue. Während der Junge auf jedem Bild ausnahmslos gut getroffen ist, sehen wir aus wie seine Großeltern, die allmählich in die Alterssenilität entschwinden.
Schöner sind dagegen die Aufnahmen vom Sohn mit seinem Freund J., mit dem er von der Ersten bis zur Zwölften in eine Klasse ging. Von ihrem ersten Tag auf dem Gymnasium gibt es ein Foto der beiden vor dem Hof-Eingang, direkt unter dem Schriftzug der Schule. Zwei kleine, blonde, etwas verschüchterte Jungs, die ein wenig besorgt in die Kamera schauen, was sie auf der neuen Schule erwarten könnte.
Dieses Foto haben wir an ihrem letzten Tag auf dem Gymnasium nachgestellt. Nun stehen da zwei breitschultrige, junge Männer mit EM-Spieler-Frisuren, voller Selbstbewusstsein und Zuversicht, die sich darauf freuen, was ihnen das Leben bieten wird.
Ich wünsche euch das Allerbeste. Geht in die Welt hinaus, sammelt Erfahrungen, findet etwas, das euch Spaß macht, und vor allem: Bewahrt euch eure Freundschaft.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
17. Juni 2024, Berlin
Meine Eltern haben Hochzeitstag. 60-jährigen. In Worten sechzigjährigen. Diamantene Hochzeit also.
Anlässlich dieses Jubiläums erhalten sie unter anderem ein Glückwunschschreiben der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin. Zwei Tage später erklärt Malu Dreyer ihren Rücktritt. Weil ihre Kraft und Energie nicht mehr für die Ausübung des Amtes ausreichen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass ihr diese Erkenntnis kam, als sie den Brief an meine Eltern unterschrieb.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die französische Staatsbahn denkt sich, was die Deutsche Bahn kann, können wir schon lange: Unser TGV in Straßburg hat 70 Minuten Verspätung. Dadurch erreichen wir den Anschluss in Mannheim nicht und können erst eine Stunde später weiterfahren. Somit schaffen wir es nicht rechtzeitig zur ersten Halbzeit des Deutschland-Spiels nach Hause. Dafür haben wir gute Chancen, über die Fahrgastrechte ein Viertel unseres Ticketpreises zurückzubekommen. Immerhin fast 80 Euro. Dazu müssen wir mindestens 60 Minuten später als geplant ankommen.
Allerdings erwischen wir in Mannheim einen vollkommen übermotivierten ICE-Fahrer, der auf der Strecke nach Berlin Minute um Minute Zeit gut macht. Wir erreichen den Hauptbahnhof mit 59 Minuten Verspätung. Adieu, 80 Euro. Die erste Halbzeit verpassen wir trotzdem.
24. Juni 2024, Berlin
Begleite meine Frau abends als „plus 1“ auf eine Preisverleihung. Die Konferenz der Europäischen Rabbiner zeichnet den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung mit dem Rabbiner Moshe Rosen-Preis aus. Das Publikum ist ziemlich männlich und ziemlich grau. (Sowohl die Haare als auch die Anzüge.)
Unter den Gästen ist Margot Friedländer, was mich mit tiefer Demut erfüllt. Aufgrund ihrer Lebensleistung und ihres unermüdlichen Kampfes für Toleranz und Menschlichkeit. („Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet. Seid Menschen, seid vernünftig.“) Aber auch weil ich kaum die Energie aufgebracht habe, hier zu erscheinen, während sie fröhlich und vital in den Saal spaziert. Mit 102! Allerdings hat sie auch einen Rollator. Mit dem macht sie die 54 Jahre Altersunterschied wett.
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Beim Tippspiel hat sich in den letzten Tagen kaum etwas getan, da wir alle fast keine Punkte gemacht haben. Lediglich bei Spaniens Sieg gegen Albanien lagen wir richtig, aber das war auch nicht allzu schwer vorherzusagen. Außer für C., der ein 1:1 getippt hatte. Da muss er sich dann auch nicht wundern, wenn er auf dem letzten Platz liegt.
25. Juni 2024, Berlin
Arbeite am Computer an einer Präsentation, als mein Telefon klingelt. Die Tochter ist gerade im Kino und bitte mich, ihr geschwind etwas Geld zu überweisen. Bei den Snacks und Getränken könne man ausschließlich mit Karte bezahlen, sie habe aber nur Bares dabei und nicht mehr genügend auf dem Konto. So 20, 25 Euro reichten, erklärt die Tochter, sie gäbe mir das später zurück. (Wahrscheinlich von dem Bargeld, das sie sich gestern von mir geliehen hat.)
Eine Minute später ruft der Sohn an. Ob ich mal kurz sein Girokonto checken könne. (Da er seit drei Jahren nicht dazu gekommen ist, die Zugangsdaten fürs Online-Banking zu besorgen, müssen meine Frau oder ich ihn regelmäßig über seine Liquidität informieren.) Falls dort nicht mehr so viel drauf sei, wäre es hilfreich, wenn ich ihm eine kleinere Summe überweisen würde, fährt er fort. Er wolle mit einem Freund Döner essen und anschließend zur Fanmeile gehen. Ohne Geld sei das alles etwas schwierig.
Nachdem ich meinen väterlich-buchhalterischen Pflichten nachgekommen bin, überlege ich nun meinen Vater anzurufen und ihn seinerseits um eine finanzielle Zuwendung zu bitten.
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EM-Abendspiel England gegen Slowenien. Zwei Stunden meines Lebens, die ich nicht wieder zurückbekomme.
Zum Glück sind Donnerstag und Freitag spielfrei. Da komme ich endlich mal wieder zeitig ins Bett. Gut, niemand zwingt mich, die 21-Uhr-Begegnungen bis zum Schluss zu schauen. Ich könnte auch jetzt schon früher Schlafen gehen. Aber machen wir uns nichts vor: Das wird nicht passieren.
26. Juni 2024, Berlin
Die Tochter und C. haben die Zusage für eine Wohnung in Kiel bekommen. Da hat es sich doch gelohnt, dass meine Frau und ich entgegen unseren Naturellen beim Ausfüllen der Eltern-Bürgschaft etwas dicker aufgetragen haben. Ich habe das erste Mal in meinem Leben die Berufsbezeichnung Geschäftsführer gewählt und meine Frau das erste Mal seit zehn Jahren in einem Formular ihren Doktor-Titel eingetragen. Außerdem hat sie beim Aufschreiben ihres Arbeitgebers bei dem Wort Bundesministerium etwas fester mit dem Stift aufgedrückt.
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Der heutige Tippspiel-Tag war für mich eine Katastrophe. In vier Begegnungen hole ich ganze zwei Punkte, der Sohn liegt dagegen bei Slowakei gegen Rumänien (1:1) und Türkei gegen Tschechien (2:1) richtig und übernimmt die Führung. Als Dritter habe ich drei Punkte Rückstand auf ihn.
C. erweist sich als guter Gast und ist leicht abgeschlagen Fünfter. Allerdings hat er auch bei zwei Spielen vergessen zu tippen. Was aber kaum ins Gewicht fällt, denn selbst wenn er die beiden Partien korrekt vorhergesagt hätte, läge er trotzdem auf dem letzten Platz. Sollte Deutschland ins Finale kommen, werde ich ihm Geld geben, damit er im Wettbüro auf den Gegner setzt.
27. Juni 2024, Berlin
Meine Frau hat eine neue Kollegin. Eine Bürosachbearbeiterin, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen hat. Sie ist 18. In Worten: achtzehn. Mit 49 gehört meine Frau zu den Älteren in ihrem Referat. Dass die Kolleginnen jünger als unsere Kinder sind, ist aber doch neu.
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Wie vorgenommen, nutzen wir den spielfreien Abend und gehen schon gegen 22 Uhr ins Bett. Allerdings kann ich nicht einschlafen und wälze mich bis halb zwei hin und her. Dafür wache ich um kurz vor fünf schon wieder auf. Anscheinend habe ich während der EM das Schlafen verlernt.
28. Juni 2024, Berlin
Der Sohn bringt seine Bücher in die Schulbibliothek zurück. Zumindest die, die er noch gefunden hat. Zwei sind verschollen, was ihn dennoch überrascht, da er mit mehr gerechnet hatte. Bis Montag muss er die fehlenden Bücher ersetzen. Ich bin gespannt, ob er auch positiv überrascht ist, wenn er erfährt, dass er sie von seinem Taschengeld bezahlen muss.
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Wieder spielfrei bei der EM. In den letzten zwei Tagen habe ich nur unwesentlich weniger Punkte bei unserem Tippspiel gemacht als in den drei Tagen zuvor.
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Auf Berliner Rundfunk läuft abends „Tausendmal berührt“ von Klaus Lage. Der Titelsong eines Schimanski-Tatorts in den 80ern. Ein merkwürdiges Gefühl der Nostalgie und Wehmut breitet sich in mir aus. Ich weiß nicht warum. Ich mag Klaus Lage gar nicht. (Also, seine Musik, zu ihm selbst habe ich keine Meinung.)
29: Juni 2024, Berlin
Achtelfinale. Deutschland gegen Dänemark. Das erste Mal, dass ich die deutsche gegen die dänische Mannschaft gesehen habe, war bei der WM 1986 in Mexiko. Die Dänen gewannen 2:O. Genauso wie 1992 im EM-Finale.
Kein gutes Omen. Ich tippe trotzdem auf ein 3:2 für Deutschland. Dass mein Tipp in Erfüllung geht, verhindern die beiden Torhüter, der Video-Schiedsrichter und die Zielungenauigkeit von Kai Havertz.
30. Juni 2024, Berlin
Vor unserem Haus hat jemand allerlei „Zum Verschenken“-Sachen ausgebreitet. Schuhe, Bücher, Küchenutensilien, Klamotten und vieles mehr.
P. aus der Studi-WG im vierten Stock schaut sich interessiert ein Bügelbrett an. Seine Freundin fragt, was er damit wolle, er hätte doch noch nie in seinem Leben gebügelt. P. erklärt, sie hätten aber inzwischen zwei Bügeleisen, da könne das durchaus mal praktisch sein. Obwohl die Freundin weiterhin nicht überzeugt ist, nimmt er das Bügelbrett mit. Damit hält er sich zumindest die Option des Bügelns offen.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
„Mama, kann ich Gummibärchen essen?“ „Nein!“ „Warum nicht?“ „Weil ich sie alle aufgegessen hab!“
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
10. Juni 2024, Berlin
Noch zwei Tage bis zum mündlichen Abi. Der Sohn erzählt, er habe heute zwei Stunden am Stück gelernt. Mehr als in der ganzen letzten Woche zusammen. Ich denke, das wird am Mittwoch eine sehr interessante Prüfung.
Der Sohn macht fast auf den Tag genau drei Jahrzehnte nach mir Abitur. Das klingt sehr unschön. Drei Jahrzehnte. Aber es ist nicht zu leugnen. Vor allem, weil wir am Wochenende 30-jähriges-Abi-Treffen im Westerwald hatten. Ich konnte nicht hinfahren, aber in der WhatsApp-Gruppe wurden fleißig Bilder geteilt. Auf den Fotos waren allerdings nicht meine alten Klassenkamerad*innen, sondern irgendwelche alten Menschen. Merkwürdig.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zu seiner großen Zufriedenheit muss der Sohn nicht über Nacht bleiben, wie ursprünglich gedacht, sondern kann am späten Nachmittag nach Hause. Das ist ihm sehr recht, vor allem weil er einen Zimmernachbarn hat, der sehr laut schnarcht.
Dass der Mann viel schläft, ist aber auch besser, denn er hatte am Montag einen Arbeitsunfall, bei dem eine drei Tonnen schwere Betonplatte involviert war. Nach drei Operationen ist sein linker Arm mit einem Metallgestänge verschraubt, der rechte steckt in einer Schlaufe.
Als wir uns verabschieden, erkundigt er sich, ob einer von uns raucht. Wir verneinen. Dann fragt er sich, ob die Cafeteria vielleicht Zigaretten in ihrem Sortiment führt. Da wir uns in einem Krankenhaus befinden, bezweifle ich das.
Das würde ihm ohnehin nicht viel nützen, denn in seinem Zustand könnte er gar nicht dort hingehen. Und mit seinen verschraubten und verschlauften Armen wäre er auch nicht in der Lage, sich eine Kippe an die Lippen zu führen. Vielleicht hat er deswegen gehofft, dass wir Raucher sind und ihm ein wenig Zigarettenqualm direkt in den Mund pusten.
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Zuhause liest sich meine Frau mit Unterstützung von Google den Arztbrief durch. Das Handgelenk des Sohns wurde arthroskopiert, der Diskus geglättet und das Handgelenk gereinigt. Klingt weniger nach OP, sondern mehr nach Ölwechsel.
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Abends Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft. Wir bestellen Pizza, denn wenn du Menschen dabei zuschaust, wie sie über einen Fußballplatz rennen, musst du fettige, ungesunde Sachen essen, so will es das Gesetz.
Meine Frau ordert versehentlich zwei Margherita zu viel. Somit gelingt der EM-Auftakt für die deutsche Mannschaft sportlich und für uns kulinarisch. Die Waage im Bad ist möglicherweise anderer Meinung.
15. Juni 2024, Berlin
Habe mir nach Monaten endlich einen Termin zum Haareschneiden gemacht. Gleich zu Beginn verwirrt mich der Friseur. Zuerst siezt er mich, dann duzt er und schließlich geht er wieder zum „Sie“ über. Nun weiß ich nicht, wie ich ihn ansprechen soll und flüchte mich in komische Passivkonstruktionen. („Wird heute Abend Fußball geschaut?“) Was aber immer noch besser ist, als ihn in der dritten Person anzusprechen, wie ein König, der mit einem Untertanen redet. („Schauet er des heutigen Abends Fußball?“)
Während ich die Haare geschnitten bekomme, winkt ein arabischstämmiger Mann durch die offene Ladentür und unterhält sich kurz mit dem Friseur, der seines Zeichens Palästinenser ist. Die beiden begrüßen sich mit „Moinsen“ und „Tachchen“ und nach einem kurzen Austausch beenden sie das Gespräch mit „Alles Klärchen“ und „Tschüssikowski“. Mehr Integration geht nicht.
16. Juni 2024, Berlin
Meine Krankenkasse hat mir einen kostenlosen Zugang zu einer Sport-App geschickt. Diese bietet unter anderem verschiedene Programme mit Dehnübungen an. Was ich gut gebrauchen kann, da meine Beweglichkeit ein wenig zu wünschen übriglässt. Eine euphemistische Umschreibung dafür, dass ich über die Gelenkigkeit eines Stocks verfüge.
Zunächst scannt die App meinen Bewegungsapparat. Dazu muss ich mit erhobenen Armen eine tiefe Kniebeuge machen. Anschließend erscheint auf dem Handy eine Strichmännchen-Anmutung, wie ich die Übung ausgeführt habe.
Bisher war ich der Ansicht, meine motorischen Fähigkeiten durchaus realistisch einzuschätzen. Ich bin mir selbstverständlich bewusst, dass ich nicht über die Geschmeidigkeit und den Elan eines Balletttänzers verfüge, dachte aber, dass ich mich im Großen und Ganzen einigermaßen okay bewege.
Anscheinend eine spektakuläre Fehlwahrnehmung. Mein Strichmännchen-Alter-Ego zittert und wackelt, als hätte es sich fünf Bier reingeschädelt, 18-mal um die eigene Achse gedreht und dann mit verbundenen Augen versucht, tief in die Hocke zu gehen.
Die App bewertet meine Kniebeugen-Ausführung mit zwölf Prozent. Das liegt unterhalb des Durchschnitts. Für meinen zweiten Versuch bekomme ich 55 Prozent. Das ist wiederum oberhalb des Durchschnitts. Was aber kein Grund für übermäßigen Stolz sein sollte, sondern lediglich aussagt, dass sich die große Mehrheit der anderen Nutzer*innen wie Störche mit Gleichgewichtsstörungen bewegt.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
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