Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
03. Juni 2024, Berlin
Kundentermin. Zunächst gemeinsames Mittagessen, anschließend Strategie-Workshop. Eine jüngere Kollegin, nicht älter als Mitte 20, fragt in der Kaffeepause, ob sie Kekse und Kuchen besorgen solle.
Die Ü45-Männer im Raum werden blass. Da wir nicht mehr über den Stoffwechsel von Teenagern verfügen, müssen wir, um ein Stückchen Gebäck kalorisch zu verarbeiten, mindestens achteinhalb Stunden Ausdauersport treiben. Nur dann können wir hoffen, nicht mehr als anderthalb Kilo zuzunehmen. Aus Rücksicht auf uns wird auf Süßes verzichtet.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Heute ist Tag des Videorekorders. Das scheint mir etwas aus der Zeit gefallen zu sein. Warum nicht gleich Tag der Höhlenmalerei?
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10.30 Uhr, Interview mit einer Journalistin der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“. Anlässlich des Vatertags, der in Austria am Sonntag begangen wird. Die Dame hatte mich ursprünglich angeschrieben, weil sie einen Gesprächspartner zum Thema junge Väter suchte. Zu ihrer – und meiner Enttäuschung – musste ich ihr erklären, dass ich kein junger Vater bin, nicht einmal bei der Geburt meiner Kinder einer war und es nie sein werde. (Junger Großvater könnte noch klappen, aber das muss nicht sein.)
Stattdessen wollte sie dann mit mir als Experten für das erste Jahr mit Kind sprechen. Ich würde mich selbst nicht unbedingt als Fachmann auf diesem Gebiet bezeichnen. Gut, ich habe das zweimal mitgemacht, aber das liegt schon 17 und 20 Jahre zurück. Die Bücher, die ich dazu geschrieben habe, würde ich auch nicht als Fachliteratur einordnen. Eher als Comedy. Aber das reicht anscheinend als Nachweis meiner Expertise. (Sorry an alle studierten und promovierten Erziehungswissenschaftler*innen.)
Aufgrund des österreichischen Dialekts der Interviewerin verstehe ich bei ihren Fragen ungefähr so viel wie bei Unterhaltungen mit C.: Ungefähr 70 bis 80 Prozent. Beim Rest nicke und lächle ich.
Insgesamt verläuft das Gespräch sehr angenehm. Lediglich bei ein paar ganz wenigen Sätzen denke ich, während ich sie ausspreche: „Alter, was redest du da eigentlich für einen Unsinn?“ Wahrscheinlich nickt und lächelt die Journalistin währenddessen.
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In fünf Tagen hat der Sohn mündliche Prüfung. In Geschichte. Dann ist er mit dem Abi durch. Als ich in sein Zimmer komme, prügelt er sich gerade an der Playstation in einem Käfigkampf mit einem hünenhaften Gegner. Durch ein paar gezielte Fausthiebe ins Gesicht, begleitet von einigen Kniestößen in die Seite, streckt er ihn zu Boden.
So ganz im Lernmodus scheint er mir nach seiner Präsentationsprüfung letzte Woche noch nicht wieder angekommen zu sein. Zumindest erschließt sich mir der Zusammenhang zwischen einem MMA-Kampf und seinem Prüfungsthema „Demokratie im antiken Griechenland“ nicht vollumfänglich.
Aber es ist ja sein Abi. Dafür kann er lernen, wie er es für richtig hält. Da musst du als Vater loslassen. Oder es zumindest versuchen. Außerdem, wer bin, Mr. Spielt-statt-Mathe-zu-lernen-so-lange-Tetris-bis-Spielsteine-vor-seinen-geschlossenen-Augen-hinabrieseln, dass ich seine Prüfungsvorbereitung kritisiere?
08. Juni 2024, Berlin
Heute ist Was-willst-du-trinken-Tag. Das haben sich Bots schon vor über 40 Jahren so ähnlich gefragt.
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Der Bruder meiner Frau und J., sein dreizehnjähriger Sohn, sind zu Besuch. Heute Abend gehen sie zur Zitadelle Spandau auf ein Festival. Die US-amerikanische Punkrock-Band NOFX sind Headliner. Meine Frage, ob das sein erstes Konzert sei, verneint J. Er war schon mal bei „Deine Freunde“.
09. Juni 2024, Berlin
Wahlsonntag. Unser Wahllokal befindet sich in einer Kita. Vor ein paar Jahren haben wir noch in einem Gymnasium unsere Stimme abgegeben, zuletzt in einer Grundschule. Wenn das so weiter geht, wählen wir demnächst auf einer Neugeborenen-Station.
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Meine LinkedIn-Jobvorschläge für diesee Woche:
Warenverräumung bei Rewe, Lidl und Penny
Flexible Aushilfe bei Tommy Hilfiger und Nike
Gastronomie-Mitarbeiter bei IKEA
Entrepreneur in Residence bei soonami.io (Ich weiß weder, was ein „Entrepreneur in Residence“ ist, noch was soonami.io macht.)
CEO im Ehrenamt bei der Bundesverbraucherhilfe e. V. (Dann doch lieber Warenverräumung oder flexible Aushilfe.)
Außerdem empfiehlt mir LinkedIn Robert Habeck als Kontakt. Keine schlechte Idee. Ich sollte ihm mal schreiben. Vielleicht bekommt er auch diese Jobvorschläge. Dann könnten wir gemeinsam bei Lidl Regale einräumen. Oder bei IKEA Köttbullar braten. Aber als Minister in Residence ist Robi wahrscheinlich schon ausgelastet.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Der Sohn und sein Freund liegen in den letzten Zügen der Vorbereitung ihrer morgigen Abi-Präsentationsprüfung. Das Thema: „Ritalin-Fluch oder Segen?“ Ob das ADHS-Medikament beim Lernen helfen kann, und was die biologischen, aber auch ethischen Probleme sind.
Die beiden hatten der Lehrerin vorgeschlagen, im Selbstversuch Ritalin zu nehmen, um aus erster Hand über die Wirkungen berichten zu können. Die meinte, das sei eine originelle Idee, für einen Abi-Vortrag aber nicht ganz angemessen. Was die freundliche Umschreibung ist für „Ihr habt wohl nicht alle Latten am Zaun.“.
Ich gehe mit den beiden ihre PowerPoint-Präsentation durch. Wir optimieren das Layout ein wenig, justieren Grafiken und feilen an Formulierungen. Zum Schluss hören wir im Internet nach, wie „Cochrane Developmental, Psychosocial & Learning Problems Group“ korrekt ausgesprochen wird. Ein fürchterlicher Zungenbrecher in einem Vortrag. Genauso wie die Worte Phenylethylamine, Monoaminoxidasen, vesikulärer Monoamintransporter und Methylphenidat. Ich bin sehr froh, dass ich die Präsentation nicht halten muss.
Anschließend machen sich die Jungs erstmal einen Latte Macchiato – getreu dem Motto „First things first“ – dann schreiben sie ihre Vortragskarten, recherchieren noch ein paar Sachen nach, essen zwischendurch eine Kleinigkeit, arbeiten weiter an den Karten und sind um 23 Uhr schließlich so weit, einen Probedurchlauf vor meiner Frau und mir durchzuführen. Der läuft schon recht gut, mit leichten Abstrichen beim Fazit, das sie noch ein wenig freestylen, weil sie es sich gerade erst ausgedacht haben.
Danach nehmen die beiden kleinere Verbesserungen an den Folien vor, trinken ein paar weitere Latte, passen ihre Vortragsnotizen an, tragen sich ihre Teile noch ein paar Mal gegenseitig vor, bis sie schließlich gegen 2 Uhr ins Bett gehen. Wie so richtige Studenten vor einem Referat.
31. Mai 2024, Berlin
Tag der Präsentationsprüfungsentscheidung. Der Sohn und der Freund sind nun doch ein wenig aufgeregt. Vor allem als ihnen einfällt, dass sie noch keine Quellenübersicht vorbereitet haben. Hektisch kopieren sie Internetlinks zusammen und verteilen diese auf zwei Folien. Ich bin beeindruckt vom Umfang der von ihnen bearbeiteten Literatur. Allerdings nur so lange, bis die beiden freimütig erzählen, sie hätten sich das gar nicht alles angeschaut, aber das sähe gut aus, wenn da so viel stünde.
Ob das gut geht? Eigentlich sollte ihr Freund J. ihnen eine Warnung sein. Der hatte in seinem Quellenverzeichnis einen 300-Seiten-Schmöker aufgeführt, den er nur zur Hälfte kursorisch gelesen hatte. Im Gegensatz zu seinem Lehrer, der sich das Buch aus Interesse zulegte, durcharbeitete und J. im Prüfungsgespräch mit einigen spezifischen Detailfragen überraschte.
Der Sohn und der Freund bleiben von so etwas verschont. Sie tragen flüssig vor, gehen souverän mit kleinen Verhasplern um und das Fazit funktionierte auch einwandfrei. Sie argumentieren, dass die Frage, ob Ritalin Fluch oder Segen am eigentlichen Problem vorbeigehe, denn viel wichtiger wäre, sich mit den gesellschaftlichen Verhältnissen zu beschäftigen, die dazu führen, dass junge Menschen sich überhaupt gehirndopen wollen. Wie so richtige Wissenschaftler. Wenn du etwas nicht beantworten kannst, stellst du einfach eine neue Frage.
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Abends kommen ein paar Freunde des Sohns zu uns. Um ihre Prüfungen zu feiern und für eine spätere Party vorzuglühen. Wir haben Chili con carne gekocht und die Jungs dürfen Gin Tonic trinken. Von dem guten, was sie leicht überfordert.
N., einer der Freunde, erzählt von einer unangenehmen Begegnung mit seinem Deutschlehrer. Der hatte sich eine neue Brille zugelegt, durch die er nun große Ähnlichkeiten mit dem Serienmörder Jeffrey Dahmer aufweist. Was nicht weiter problematisch wäre, hätte er nicht gefragt, was N. von der Brille halte. Der redete sich ausweichen mit einem „Das ist mal etwas anderes.“ heraus. An Stelle des Lehrers hätte ich nach so einer Antwort die Brille unverzüglich weggeworfen.
01. Juni 2024, Berlin
Heute sind sowohl Internationaler Kindertag als auch Weltelterntag. Was die Frage, aufwirft, wer besoffen mit dem Bollerwagen durch die Lande ziehen darf.
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Komme in die Küche, als C. gerade einen leeren Milchkarton kleinstmöglich zusammenfaltet und in den Eimer mit dem Plastikmüll wirft. Wieder verspüre ich ein eigenartiges Gefühl der Befriedigung. Weil der Freund meiner Tochter Müll platzsparend entsorgt? Warum ist mir das wichtig? Wohnt in mir nicht nur ein 50-er-Jahre-Patriarch, sondern auch eine schwäbische Hausfrau?
02. Juni 2024, Berlin
Erneuter Polizeieinsatz vor unserem Haus. Über Lautsprecher fordert ein Streifenwagen einen Rollerfahrer knackend und krächzend auf, anzuhalten. Irgendetwas stimmt mit dem Nummernschild nicht. Die Angelegenheit wird diesmal ohne gezückte Waffen und Handschellen geklärt und der Mann darf weiterfahren. Somit ist meine Serienidee „Law and Order Moabit“ hinfällig. Schade
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
27. Mai 2024, Berlin
Interessante Mail im Spam-Ordner: ein Liebeszauber-Angebot. Mit diesem kannst du eine Person, die du heimlich begehrst, besessen von dir machen.
Das Vorgehen ist denkbar einfach: Termin ausmachen, Informationen zu der begehrten Person bereitstellen (Name, Geburtsdatum, Foto (auch verpixelt möglich), was alles datenschutzrechtlich etwas bedenklich ist), dann wird der Liebeszauber ausgesprochen und zum Schluss gibt es eine Bestätigungsmail. Letzteres klingt mehr nach deutscher Bürokratie als nach magischer Amore, ist aber von größter Wichtigkeit. Die Nachricht enthält eine Nummer, die du benötigst, falls du den Liebes-Zauber wieder aufheben lassen willst, weil dir die vormals angebetete und nun liebesverzauberte Person inzwischen so richtig auf den Zeiger geht.
Ach ja, bezahlen musst du das Ganze natürlich auch. Das ist zurzeit aber ein richtiger Schnapper. Mit dem exklusiven Sama-Drishti-Discount, bezahlst du statt 230 Euro nur 30 Euro. Eine Ersparnis von 87 Prozent. Wer da nicht zuschlägt, ist selbst schuld.
Oder man gesteht dem auserwählten Menschen einfach so seine Zuneigung, ohne auf irgendwelchen Hokuspokus zurückzugreifen. Das ist noch billiger.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Sobald das Kind 3 ist, wird alles viel einfacher, weil es dann z. B. Kleinteile essen darf.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
20. Mai 2024, Berlin
Pfingstmontag. Einer dieser Feiertage, bei denen du nicht so richtig weißt, warum sie existieren. Was dir aber egal ist. Einem geschenkten Feiertag-Gaul, schaut niemand ins Frei-Maul.
An Pfingsten wird daran gedacht, dass der Heilige Geist über die Jünger kam. Die waren, nachdem Jesus gen Himmel gezogen war, vollkommen verängstigt und orientierungslos. Dann erschien der Heilige Geist, wer auch immer das ist, und alles war tutti. Auch mit diesen Informationen bleiben sehr viele Fragen rund um Pfingsten offen. Aber, wie gesagt, das ist unerheblich, sofern du an dem Tag nicht arbeiten musst. (Stichworte: geschenkt, Feiertag-Gaul, Frei-Maul)
Heute ist außerdem Sei-ein-Millionär-Tag. Ein Gedenktag, der im Gegensatz zu Pfingsten sehr einfach zu verstehen ist. Die Umsetzung ist dennoch herausfordernd. Sagt zumindest unser Bankkonto.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Da die Tochter und C. mein Büro belegen, arbeite ich nun im Wohnzimmer. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig. Der Stuhl ist nicht ganz so bequem, der Drucker ist nicht direkt verfügbar und meine Unterlagen sind nicht immer sofort griffbereit.
Dafür hat der neue Arbeitsplatz zwei entscheidende Vorteile: Erstens bin ich näher an der Küche und der Kaffeemaschine – was jedoch das Erreichen meines täglichen 10.000-Schritte-Ziel erschwert – und zweitens sitze ich direkt neben dem Balkon. So kann ich einfacher meinen Fensterrentnergewohnheiten frönen und regelmäßig raustreten, um zu schauen, was in der Straße so passiert.
18 Uhr. Hupkonzert vor unserem Haus. Ein arabischer Hochzeitskorso fährt vorbei. Mindestens zehn Ferraris, einige Porsches, dutzende BMW-SUV und mehrere Audis der größeren Sorte. Ich bin kein Autofachmann, schätze aber, dass der Gesamtwert dieser Nobelkarossen-Parade bei vier bis fünf Millionen Euro liegt. Lediglich der Renault am Ende der Blech-Karawane fällt finanziell und damit statusmäßig ein wenig aus dem Rahmen.
Während meine Frau und ich uns das Schauspiel beobachten, fragen wir uns beide: „Welcher Clan hat da wohl geheiratet?“ Ein Gedanke, der zwar leichte bis mittelstarke BILD-Vibes verströmt, aber wahrscheinlich dennoch nicht ganz realitätsfern ist.
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Die Tochter und C. gehen in den Zoo. Die allgemeine Inflation ist an den Eintrittspreisen nicht spurlos vorübergegangen. Die liegen mit Studierendenermäßigung bei 16 Euro und regulär bei happigen 25 Euro. Dafür dürfen sie sich nicht einmal ein Tier mitnehmen. Zum Beispiel ein Äffchen oder ein Baby-Nilpferd. Stattdessen kaufen sie eine kleine Stoffgiraffe. Die ist wenigstens im Unterhalt nicht so teuer.
26. Mai 2024, Berlin
Morgens beim 75-Jahre-Grundgesetz-Fest rund ums Bundeskanzleramt vorbeigejoggt. Jedes Ministerium hat dort einen eigenen Stand, um sich zu präsentieren. Wobei die Stände eher kleine Hütten in Birkenholzanmutung sind. Bestimmt alles nachhaltig, zertifiziert und ökologisch abbaubar. Sieht trotzdem aus wie eine Ausstellung im Baumarkt für Saunen im Selbstbau-Set.
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In zwei Wochen ist Europawahl. Zeit, sich die bereits getroffene Wahlentscheidung vom Wahl-O-Mat bestätigen zu lassen.
Auf den vorderen Plätzen landen bei mir mit jeweils rund 85 Prozent Volt, Bündnis 90/Die Grünen, die Klimaliste und die V-Partei³. Letztere ist die Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer. Ob sie wohl auch die Interessen von Veganern vertritt, die sich hin zum Fleischkonsum verändern wollen?
Im unteren Mittelfeld liegen CDU/CSU und das Bündnis Sarah Wagenknecht. Beide knapp hinter der Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung. Die würde ich als natürlichen Feind der Konservativen einstufen, weil sie ihnen die Stammwählerschaft wegverjüngt.
Am Schluss sind alle rechten, erzkonservativen und europafeindlichen Parteien versammelt, mit der AfD an letzter Stelle. Schön, dass mein Antwortverhalten politisch korrekt war.
Zu relativ vielen der Wahl-O-Mat-Fragen hatte ich allerdings gar keine Meinung. Zum Beispiel, ob der Wolf gejagt werden soll oder nicht. Meine Frau meint, ihr wäre das im Prinzip egal. Soll der Wolf doch machen, was er will. Außer sie begegnet einem. Dann hätte sie schon gerne, dass jemand kommt und ihn erschießt.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
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