99 weise und unweise Gedanken für meinen Sohn, der bald loszieht, die Welt zu entdecken (Teil 2)

Teil 1


  • Die To-Do-Liste wird niemals leer.
  • Niemand kann dir vorschreiben, was du auf deine To-Do-Liste schreibst. Setze an erste Stelle „Kaffee trinken“. Das gibt dir das gute Gefühl, schon morgens etwas geleistet zu haben.
  • Mach jeden Morgen dein Bett. An manchen Tagen wirst du nichts anderes auf die Reihe bekommen.
  • Erstelle vor einer wichtigen Entscheidung eine ausführliche Pro & Contra-Liste. Anschließend entscheidest du aus dem Bauch heraus.
  • Triff keine wichtigen Entscheidungen, wenn du hungrig, wütend oder müde bist.
  • Bist du dir bei einer Entscheidung unsicher, lautet die Antwort immer „nein“. Vor allem, wenn du dich fragst, ob du eine enge, weiße Jeans kaufen sollst.
  • Mit Käse überbacken, ist immer eine gute Entscheidung.
  • Wenn du Salat machst, nimm eine größere Schüssel. Immer.
  • Zitronensaft hat in Käsekuchen nichts verloren.
  • Lerne, nicht beleidigt zu sein, wenn dich jemand korrigiert.
  • Jeder Fehler ist eine Gelegenheit, zu improvisieren.
  • Halte nicht an einem Fehler fest, nur weil du viel Zeit damit verbracht hast, ihn zu machen.
  • „Du wirst törichte Dinge tun. Tue sie mit Begeisterung.“ Weise Worte von Colette.
  • Deine Missgeschicke von heute sind die lustigen Geschichten von morgen.
  • „Auch das wird vorübergehen.“ Weise Worte von Seneca.
  • Verfasse deinen eigenen Nachruf. Lebe anschließend so, dass ihn jemand schreiben könnte.
  • Lache regelmäßig über dich selbst.
  • Du hast das Recht, keine Meinung zu haben.
  • Die Welt wäre ein besserer Ort, würden mehr Menschen sagen: „Darüber weiß ich zu wenig, dazu kann ich nichts sagen.“
  • Sei stolz auf deine Erfolge.
  • Sei demütig, denn die Hälfte deines Erfolgs verdankst du dem Glück.
  • „Wenn du im Leben mehr Glück hast als andere, baue keinen höheren Zaun, sondern einen längeren Tisch.“ Weise Worte von Kevin Kelly.
  • „Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, im Taxi zu weinen als in der Straßenbahn.“ Weise Worte von Marcel Reich-Ranicki.
  • Mit einem Dankbarkeits-Tagebuch siehst du die positiven Dinge des Tages.
  • Mit einem Undankbarkeits-Tagebuch siehst du die nervigen Dinge des Tages. Was du davon ändern kannst, ändere, und was nicht, ignoriere.
  • Ärgere dich nicht über Sachen, die du willst, aber nicht hast, sondern freu dich, dass du Sachen nicht hast, die du nicht willst. Zum Beispiel kein Dach über dem Kopf haben. Oder Krebs. Oder kreisrunden Haarausfall.
  • Färbe deine Haare nicht wasserstoffblond. Wahrscheinlich wirst du aussehen wie Lotti Karotti in der Räude. (Ich weiß, wovon ich spreche.)
  • Grau ist besser als Glatze, aber Glatze spart Zeit beim Haarewaschen.
  • Wenn der Friseur dich fragt, ob er deine Augenbrauen stutzen soll, lautet die Antwort immer „ja“.
  • Haare auf der Brust gelten alle zehn bis fünfzehn Jahre als sexy. Haare auf dem Rücken nie.
  • Gerate nicht in Panik. Nie.
  • Gefällt dir nicht, was du im Spiegel siehst, dimme das Licht.
  • Absolute Aussagen sind unklug. Sei dir stets bewusst, dass du falsch liegen könntest. Außer bei der Ablehnung von Kohlrabi. Damit liegst du immer richtig.
  • Wenn du deine Jacke oder deinen Mantel abgibst, mach ein Foto von der Garderobenmarke.
  • Lege deine Schlüssel immer am selben Ort ab. Dein Portemonnaie auch.
  • Mit einem Licht-schalter kannst du eine Lampe nicht nur an machen, sondern auch aus. Sogar im Bad.
  • Wenn du ein Kleidungsstück zeitlos toll findest und es für immer tragen willst, kaufe drei davon. Noch besser fünf. Und wenn du das Geld hast, zehn.
  • Der größte Irrtum: „Das muss ich mir nicht aufschreiben, das merke ich mir so.“
  • Beziehe dein Bett frisch, bevor du in den Urlaub fährst. Dein Nach-Urlaubs-Ich wird dein Vor-Urlaubs-Ich lieben.
  • Plane nach Urlaubsreisen einen weiteren freien Tag ein.
  • Aktivitäten für Städtereisen: Steige auf einen Aussichtspunkt, kaufe eine Zeitung, gehe in einen Supermarkt, fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln, iss bei McDonald’s.
  • Kein Gesetz verbietet dir, einen WhatsApp-Gruppenchat zu verlassen.
  • Verlasse nicht den Familien-Gruppenchat.
  • Wenn du Kinder hast, wirst du ihnen irgendwann erzählen, wie billig früher Eis war. Und Döner.
  • Sei zufrieden.
  • Sei misstrauisch gegenüber Wildleder.
  • Kürzer ist immer besser. Außer bei Hosen.
  • Töte auf keinen Fall den Hund von John Wick.
  • Töte auch keine anderen Hunde.
  • „Leider geil“ sagen, ist leider ungeil.
  • Bester Treffpunkt in einer Stadt, in der du dich nicht auskennst: das Eiscafé Venezia.
  • Umgib dich mit Menschen, die unterschiedliche Meinungen, Hintergründe und Weltanschauungen haben. Mit SPDlern, Konservativen, Grünen und Marxisten, mit SUV-Fahrern und Lastenrad-Ultras, mit Veganern und Currywurst-Enthusiasten, mit Rastafaris und Menschen, die den Kragen ihres Polohemdes hochstellen, mit Homosexuellen, Heterosexuellen und Transsexuellen. Du lernst von allen.
  • Umgib dich nicht mit AfD-Wählern. Und nicht mit Kohlrabi-Essern.
  • Traue niemandem, der dir 99 weise und unweise Gedanken verspricht. Vielleicht sind es 100.
  • „Die Zukunft ist ungeschrieben, die Zukunft ist so schön vakant.“ Weise Worte von Thees Uhlmann.

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Eine kleine Wochenschau | KW41-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


07. Oktober 2024, Bonn/Berlin

Rückreise von Bonn nach Berlin. Im Zug telefoniert eine junge Frau. (Und mit jung meine ich Mitte 30, mit zunehmendem Alter verschiebt sich meine Definition von jung stetig nach oben.) „Sie sind schon der zweite Mann heute, der mir sagt, ich erinnere ihn an seine Mutter“, erklärt sie ihrem Gesprächspartner und lacht gequält.

Das ist bestimmt der Traum einer jeden Frau. Dass ein Mann zu ihr sagt: „Du bist wie meine Mama.“

Titelbild mit einem Bücherregal, in dem ganz viele Exemplare "Wenn ich groß bin, werde ich Gott" aufgesetellt sind.
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Eine kleine Wochenschau | KW41-2024 (Teil 2)

Teil 1


11. Oktober 2024, Berlin

Der Spiegel hat Thomas Gottschalk interviewt und startete mit der schönen Einstiegsfrage: „Herr Gottschalk, im Spiegel haben Sie vor einigen Jahren die Hoffnung geäußert, ein cooler Alter zu werden. Sind wir uns einig, dass es nicht geklappt hat?“ Das ist selbstverständlich etwas unverschämt, aber durchaus zutreffend.

Wenig überraschend ist Thomas Gottschalk da anderer Meinung. Aber in meinen Augen qualifiziert er sich mit seinem ständigen Hadern mit dem Zeitgeist beziehungsweise der Political Correctness sowie dem Klagen über die Jugend von heute nur schwerlich als „cooler Alter“.

Wobei Thomas Gottschalk darauf besteht, er beklage sich nicht, sondern stelle nur fest, und hadere auch nicht mit dem Zeitgeist, verstünde ihn aber nicht und fühle sich nicht mehr trittsicher.

Ich habe viel Verständnis dafür, dass Thomas Gottschalk Schwierigkeiten mit dem Altern hat und dass es nicht einfach ist, wenn du jahrzehntelang im Rampenlicht standest und dann weniger gefragt bist. (Ein Problem, das wahrscheinlich hauptsächlich Männer haben.) Seine Kritik am Zeitgeist und an der Jugend wirkt auf mich dann aber doch reichlich unreflektiert und denkfaul.

Wahrscheinlich will Thomas Gottschalk in erster Linie, dass alles so bleibt, wie es mal war, weil das am einfachsten ist. Für ihn. Das beklage ich aber nicht, sondern stelle es nur fest.

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Die Tochter hat Probleme mit der Heizung. Sie geht nicht mehr aus. Obwohl das Thermostat auf null steht, läuft sie auf Hochtouren. Im Wohnzimmer herrschen klimatische Bedingungen wie im Amazonas-Regenwald.

Das erzeugt weder behagliche Wohnatmosphäre noch ist das gut fürs Klima. Schlecht für den Geldbeutel ist es obendrein, was dich als Studentin noch härter trifft als CO2-Ausstoß, Erderwärmung und Artensterben. Zumindest kurzfristig.

C. meint zwar, er könne das Problem beheben, aber die Tochter denkt, den Heizkörper abzumontieren ist keine gute Lösung. Stattdessen muss sie den Hausmeister kontaktieren, der bei Vonovia Facility Manager heißt, damit er sich darum kümmert.

Die Tochter klagt am Telefon, nicht mit der Grundschule beginne der Ernst des Lebens, sondern wenn du andauernd mit der Hausverwaltung telefonieren musst. Wegen Internetanschlüssen, Elektrikerterminen, Handwerksarbeiten, irgendwelchem bürokratischen Kram sowie nicht funktionierenden Heizungen.

Meine Frau erinnert sich daraufhin an ein Kinderbuch, das sie gelesen hat, bevor die Tochter in die Schule kam. Darin hat ein Mädchen Angst vor ihrer Einschulung, weil die Erwachsenen die ganze Zeit vom Ernst des Lebens sprechen, der nun anfange. Am ersten Schultag sitzt dann ein Junge neben ihr, der Ernst heißt und nett ist, so dass die Kleine findet, der Ernst des Lebens ist eigentlich doch gar nicht so schlimm.

Ich habe keine Ahnung, was die Moral von dieser Geschichte sein soll. Aber wer zur Hölle nennt sein Kind heutzutage noch Ernst? (Vielleicht die Eltern des Hausmeisters, der für die Reparatur der Heizung sorgen muss.)

12. Oktober 2024, Berlin

Der Sohn hat heute das erste Mal seit einem Jahr wieder ein Judoturnier. Berliner Mannschaftsmeisterschaft bei den Erwachsenen. Für ihn bedeutet das, dass er gegen 80-Kilo-Männer kämpfen muss, für uns, dass wir nach Kladow fahren müssen, wo ich mich jedes Mal frage, ob das noch zu Berlin gehört und ob ich einen Fahrschein für die Zone C kaufen muss. (Die Antworten lauten: Ja und Nein.).

Ich weiß nicht, wer von uns das schlechtere Los gezogen hat. Wahrscheinlich der Sohn. Er muss nach Kladow fahren und gegen 80-Kilo-Männer kämpfen. Er muss dann nur einmal auf die Matte und verliert. Aber Hauptsache gesund.

13. Oktober 2024, Berlin

Heute ist internationaler Tag der Skeptiker. Ich glaube nicht, dass der was bringt.

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Im Hinterhof bei den Papiermülltonnen hat eine monströs große Spinne ein Netz vor dem Fenster des Betreuungsbüros im Erdgeschoss gesponnen. So monströs groß, dass ich mich frage, ob es ökologisch sehr verwerflich ist, unser Altpapier im Restmüll zu entsorgen.

Die Spinne sitzt dort schon seit circa zwei Wochen. Ich bin mir unsicher, ob ich das gut oder schlecht finden soll. So lange sie da unten hockt, hält sie sich nicht bei uns in der Wohnung auf. Das erachte ich als ganz dicken Pluspunkt. Je länger sie aber in dem Netz an dem Fenster wohnt, umso heimischer fühlt sie sich möglicherweise. Dann lädt sie ihre Besties ein, bis irgendwann so viele Spinnen mit ihr abhängen, dass sie den kompletten Hof übernehmen.

Vielleicht sollte ich sicherheitshalber schon mal unsere Fahrräder vor dem Haus abschließen. Unseren Müll kann ich dann auf die Tonnen an den Straßenlaternen in der Straße verteilen.


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Familien-Gedöns der Woche (520)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

Beitrag von @kriegundfreitag
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Neues Buch: Wenn ich groß bin, werde ich Gott. Abenteuerliche Geschichten von Vater und Sohn.

Viele Jahre hat der Sohn regelmäßig kritisch darauf hingewiesen, er tauche im Gegensatz zu seiner Schwester in meinen bisherigen Büchern nicht auf. Damit hat er recht. Weil ich nicht möchte, dass er später Unmengen an Geld ausgeben muss, um diese literarische Vernachlässigung therapeutisch aufzuarbeiten, versprach ich ihm, ein Buch extra für ihn zu schreiben.

Dieses Jahr wurde der Sohn 18 und damit war es an der Zeit, mein Versprechen einzulösen. Der Volksmund sagt schließlich nicht umsonst, versprochen sei versprochen und dürfe unter so was von gar keinen Umständen gebrochen werden.

Nun kann ich mit großer Freude und noch größeren Versagensängsten verkünden, dass das Buch fertig ist und den schönen Titel „Wenn ich groß bin, werde ich Gott“ trägt.

Ab Dezember ist das Buch im Handel erhältlich. Bis dahin können Sie das Buch exklusiv hier auf dem Blog kaufen. Es kostet 12,00 €, den Versand übernehme ich (innerhalb Deutschlands). Wer bis zum 30.11. bestellt, bekommt noch eine kleine Überraschung dazu. (Buch-Promotion wie auf dem Hamburger Fischmarkt.)

Cover zu dem Buch: "Wenn ich groß bin, werde ich Gott. Abenteuerliche Geschichten von Vater und Sohn" von Christian Hanne. Das Cover ist in grün gehalten, in einer Illustration ist ein Vater zu sehen, der einen Weltkugelwasserball aufbläst, ein kleiner Junge steht davor und will den Ball nehmen.
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Eine kleine Wochenschau | KW40-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


30. September 2024, Berlin

Kaum habe ich den McPaper an der Turmstraße betreten, flötet mich die Verkäuferin schon an: „Einen wunderschönen guten Tag, kann ich Ihnen helfen?“ Sie strahlt übers ganze Gesicht, als sei sie Teilnehmerin beim Wettbewerb „Die fröhlichste Person der Welt“.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel gute Laune verströmt habe. Wahrscheinlich noch nie. Mich überfordert das. Wie soll ich mit so viel Frohsinn umgehen? Ich will doch nur Paketband kaufen.

Bei McPaper sind die Verkäuferinnen immer überaus zuvorkommend und so amerikanisch gut gelaunt. Deswegen vermeide ich, dort einzukaufen. Wahrscheinlich ist das Company Policy. Dass du so gut drauf sein musst, als hättest du eine XXL-Packung Aufheller gefuttert. (Vielleicht ist das auch Teil der Company Policy. Als Start in den Tag werden gemeinsam ein paar Serotonin-Booster eingeworfen.)

Nachdem ich bezahlt habe, zwitschert die Frau: „Einen wunderschönen Nachmittag noch und viel Spaß mit dem Paketband.“ Wie soll man Spaß mit Paketband haben? Ich will einfach ein paar Päckchen zukleben. Gehe danach zu Penny. Da sind die Kassierer*innen zum Glück angenehm muffelig, wie sich das für Berlin gehört.

Titelbild mit einer Tartanlaufbahn. Darauf steht ein Schild mit der Aufschrift: "Achtung! Laufbahn beschädigt!"
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Eine kleine Wochenschau | KW40-2024 (Teil 2)

Teil 1


Der Sohn findet im Anmeldeportal der TU Berlin eine schlechte Nachricht. Sein Immatrikulationsantrag wurde abgelehnt. Anscheinend hatte er ein falsches Formular ausgefüllt. Bis zum 4. Oktober, sprich morgen, hat er Zeit, das richtige hochzuladen. (Er hat keine Ahnung, wie lange die Nachricht schon dort steht. Er hatte die ganze Zeit – vergebens – auf eine Mail gewartet und hielt es nicht für nötig, mal in dem Portal nach dem Stand der Dinge zu schauen.)

Nun würde ich gerne mit ihm schimpfen und ihn eindrücklich ermahnen, sorgfältiger und nicht so schusselig zu sein. Allerdings säße ich da in einem Glashaus mit sehr dünnen Wänden und würde mit extrem großen Steinen um mich werfen.

Nach meinem Zivildienst wollte ich zum Sommersemester ein Pädagogikstudium in Münster beginnen. Allerdings überlas ich eine Anmeldefrist, so dass ich erst zum Wintersemester hätte anfangen können. (Zum Entsetzen meiner Mutter, die wahrscheinlich dachte, ich würde wieder bei ihnen einziehen und ein halbes Jahr bei ihnen abhängen.)

Mein Bruder schlug pragmatisch vor, ich solle mich einfach in Marburg, wo er studierte, für irgendetwas ähnliches einschreiben, was man zum Sommersemester anfangen kann, dann nach einem Semester nach Münster wechseln und mir dort meine Scheine anerkennen lassen.

So begann ich 1996 an der Philips-Universität zu Marburg ein Soziologie-Studium und lernte dort meine Frau kennen. Ohne meine Schusseligkeit bei der Immatrikulation in Münster wäre das nie passiert, folglich gäbe es den Sohn nicht und er hätte seine eigene Einschreibung nicht verbaseln können. Somit sind meine und seine Schlurigkeit eng miteinander verwoben.

Aus pädagogischen Gründen sage ich ihm das aber nicht, sondern ermahne ihn, er müsse sorgfältiger und nicht so schusselig sein. Mir doch egal, dass ich ihm Glashaus sitze.

04. Oktober 2024, Berlin

Meine Haare müssen ebenfalls mal wieder geschnitten werden. Das möchte ich aber nicht meiner Frau zumuten – meiner Mutter ebenfalls nicht – und gehe zu N. in den Friseursalon bei uns in der Parallelstraße.

Neben mir schneidet ein junger Mann einer Frau die Haare. Ich vermute, er ist Azubi. Einerseits aufgrund seines jugendlichen Alters, andererseits weil er sich noch nicht so wahnsinnig geschickt mit Schere und Kamm anstellt. (Unwesentlich geschickter als ich mit Langhaarschneider und Kamm.)

Seine Bewegungen sind sehr angestrengt und nicht besonders flüssig. Die Kundin schaut etwas gequält. Wahrscheinlich denkt sie gerade, sie hätte bei der Online-Terminvergabe besser nicht „nächster freier Mitarbeiter“ angeklickt.

Ich habe bewusst N. als Friseur ausgewählt. Er schneidet immer sehr penibel und akkurat und ist erst zufrieden, wenn beim Ansatz auch jedes noch so kleine Härchen getrimmt ist. Das ist zwar zeitaufwändig, aber dafür ist das Ergebnis sehr gut.

Zum Abschluss föhnt N. meine Haare heute mit sehr viel Hingabe und Ausdauer. Danach sehe ich auf dem Kopf aus wie ein fluffiger Biber aus, was niedlicher klingt, als es aussieht.

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Bekomme auf Insta eine Werbung vom NABU eingespielt: „Schütze die Kreaturen der Nacht! Jetzt Fledermaus-Pat*in werden!“

Nein, danke. Ich finde, es reicht, dass wir im Sommer einer Fledermaus Unterschlupf in unserer Wohnung gewährt haben.

05. Oktober 2024, Berlin/Bonn

Um 8.30 Uhr geht unser Zug nach Bonn. Oder auch nicht. Fünf Minuten bevor wir zum Bahnhof aufbrechen wollen, meldet sich die Bahn-App. Der Zug fällt aus. Wegen Baustelle oder so. Zum Glück finde ich eine Alternative, knapp anderthalb Stunden später, bei der wir sogar weniger umsteigen müssen. Keine Ahnung, warum ich die ursprünglich nicht ausgewählt habe.

Im Zug. Zur Vorbereitung des Marathons am Sonntag habe ich diese Woche mein tägliches Trinkvolumen deutlich erhöht. Da die Größe meiner Blase aber gleichgeblieben ist, muss ich sehr oft aufs Klo gehen. Somit verbringe ich gefühlt die Hälfte der Fahrt auf der Bordtoilette. Dem Ort, an dem du dich im Zug am wenigsten aufhalten willst. (Außer in einem Großraumabteil, in dem die Hälfte der Plätze vom Kegelverein „Alle Neune“ belegt sind.) Außerdem hätte ich mir da die Platzreservierung sparen können.

Als Reiseproviant haben wir geschnittenes Obst dabei. Wenn ich im Zug Apfelschnitze esse, komme ich mir immer vor wie ein pensionierter Oberstudienrat für Geschichte und Erdkunde. Allerdings ohne Ahnung von Geschichte und Erdkunde.

Die Fahrt endet unplanmäßig in Hamm. Oder in Hagen. Wer kann das schon unterscheiden? Ich zumindest nicht. Ein defekter Zug blockiert die Strecke. Im Ersatz-ICE dann nach Köln, von dort mit dem Ersatz-Bus nach Bonn. Zumindest mussten wir nicht auch noch Fahrrad-Rikscha fahren.

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Später ein letztes kleines Läufchen zusammen mit A. Vier Kilometer. Zum Rhein und wieder zurück. Auf den Rheinwiesen feiern die Erstsemester das Ende ihrer ersten Semesterwoche. Die wahrscheinlich größtenteils aus Feiern bestand. Prost.

06. Oktober 2024, Köln

Marathontag. A. und ich haben mit dem Kölner Marathon noch eine Rechnung offen. Beim Start wird schon mal nicht wie beim letzten Mal auf der Bühne Micky Krause interviewt. (Ja genau, der „Dicke Titten, Kartoffelsalat“-Micky-Krause, der anscheinend auch ambitionierter Hobby-Läufer ist.) Das ist schon mal positiv.

Ansonsten ist das Wetter gut, die Stimmung bombe, das Tempo am Anfang etwas schnell, dafür später etwas langsam, aber wir kommen gesund durch. Rechnung beglichen. Check.


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Familien-Gedöns der Woche (519)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

Um 5.30 Uhr aufstehen, mittags ein kleines Schläfchen, den Rest des Tages Beschwerden über das Essen, den Service und das Unterhaltungsprogramm: Der Einjährige wäre aktuell auch ein guter Altenheimbewohner.

— Sprosse (@frausommersprosse.bsky.social) 3. Oktober 2024 um 18:13
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Eine kleine Wochenschau | KW39-2024 (mit Punk-LP-Verlosung)

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


23. September 2024, Berlin

Erster Einkauf nach dem Urlaub. Ich suche die Lebensmittel, die auf meiner Liste stehen, muss mich erstmal orientieren und laufe etwas planlos durch den Laden. Aber das hat auch sein Gutes: Durch den Supermarkt gehen und sich die Waren in den Regalen anschauen, fühlt sich ein bisschen wie Urlaub an. Alles anders, alles neu, alles exotisch.

Dass es sich bei dem Supermarkt um den Turmstraßen-Penny handelt, schmälert das Urlaubsgefühl allerdings ein wenig.

Titelbild mit einem Laternenpfahl mit einem Aufkleber der Band Ladehemmung Saalepunk. Der Aufkleber ist blau, darauf ist ein Totenkopf abgebildet.
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Familien-Gedöns der Woche (518)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

Beitrag von @stefnhs
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