Das gute Buch: „Wenn ich die Wahl habe zwischen Kind und Karriere, nehme ich das Sofa“ von Claudia Haessy (mit Verlosung)

Wenn Sie zu den unzähligen Fans des Blogs von Claudia Haessy zählen, campen Sie wahrscheinlich gerade vor der Buchhandlung Ihres Vertrauens, denn morgen erscheint endlich ihr Romandebüt: „Wenn ich die Wahl habe zwischen Kind und Karriere, nehme ich das Sofa“. Ein Titel, der vielleicht nicht ganz eingängig ist, sich aber gut mit dem Hashtag #widwhzkuknids vermarkten lässt.

Der Rowohlt-Verlag preist das Buch auf der Rückseite als irrsinnig komisch und herrlich derb an und da stutzt der aufgeklärte kritische Mensch. Wenn etwas so plakativ und überschwänglich beworben wird, ist doch meistens das Gegenteil der Fall. Sie kennen das von Billig-Schokopuddings bei Aldi, Lidl und Co., auf denen in großen Lettern „Mmmmh, lecker“ gedruckt ist, die aber in erster Linie aus Billiggelantine, Farbstoffen, Aromen, Industriezuckerabfällen sowie Spurenelementen von Kakao bestehen und deren Geschmack und Beschaffenheit allenfalls etwas Puddingartiges suggerieren.

Die Behauptung des Verlagsmarketings fordert mich also geradezu heraus, das Buch einer literaturwissenschaftlich infundierten Prüfung zu unterziehen.

Das Erstlingswerk von @frauhaessy. Besser als das Foto, auf dem es abgebildet ist. Viel besser! #dasgutebuch

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Summer of Love. Oder: Die Bonobos sind los

Wir leben in Berlin in einem Haus mit einer sehr netten Mietergemeinschaft. Man grüßt sich im Treppenhaus, nimmt gegenseitig Päckchen an, leiht sich Eier und Zucker und wenn man mal im Urlaub ist, gießen die Nachbarn für einen die Blumen. Fast so idyllisch wie in Bullerbü. Aber eines Sommers wurde dieses harmonische Mieter-Soziotop empfindlich gestört. Davon handelt de folgende Geschichte aus den sehr frühen Jahren des Familienbetriebs.

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„Ja, ja, ja, ja, ja!“, erschallt es aus dem Hinterhof in unser geöffnetes Schlafzimmerfenster. Schrecke im Bett hoch und versuche, mich zu orientieren. Es ist 1 Uhr morgens und drückend heiß. Wir haben Anfang August und ganz Deutschland leidet unter einem Jahrhundertsommer mit tropischen klimatischen Bedingungen. Tagsüber klettert das Thermometer regelmäßig auf über 35 Grad und auch nachts kühlt es nur unwesentlich ab.

Die Freundin leidet ganz besonders unter der Hitze. Sie ist im fünften Monat schwanger. Allerdings hat ihr Bauchumfang bereits Ausmaße angenommen, als sei sie kurz vor der Entbindung eines Drillingspärchens. Ein Umstand, der jedoch  auf keinen Fall zur Sprache gebracht werden darf. Männer mit schwangeren Frauen kennen das: Die Hormone der Frauen tanzen Samba, ihre Gefühle schwanken zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt und sie sind unausgeglichener und reizbarer als Klaus Kinski. Eine unbedachte Äußerung des Mannes und zack! verbringt man die Nacht auf dem Sofa. Als treusorgender Freund weiß ich selbstverständlich, dass scherzhafte Bemerkungen über die körperliche Konstitution der Freundin insbesondere in Verbindung mit Analogien aus der Welt der Dickhäuter gerade so opportun sind wie Schoko-Muffins auf einem Weight-Watchers-Treffen anzubieten.

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Die Freundin schläft aufgrund ihrer schwangerschaftsbedingten Leibesfülle und der schwülen Temperaturen nur noch sehr schlecht – und ich damit ebenfalls. Da sind nächtliche Ruhestörungen eher ungünstig. Aber wieder und immer wieder dringt ein weiblich-ekstatisches „Ja, ja, ja, ja, ja!“ zu uns ins Schlafzimmer. Irgendwo im Haus drückt eine Frau entweder mit überschäumendem Enthusiasmus ihre Zustimmung für was auch immer aus oder sie hat einen wahnsinnigen Orgasmus. Oder ein wahnsinniges schauspielerisches Talent. Seit ‚Harry & Sally‘ und der berühmten Restaurantszene sind Männer ja etwas unsicher, was ihre sexuellen Befriedigungsfähigkeiten angeht. Beglücken sie gerade tatsächlich ihre Sexualpartnerin oder geht diese im Kopf gelangweilt die To-Do-Liste für den morgigen Tag durch und stöhnt ein wenig rum in der Hoffnung, das ungelenke Rumgefummel des Mannes ist bald vorbei?

Bonobos. Enthaltsam. Ausnahmsweise.

Bonobos. Enthaltsam. Ausnahmsweise.

Wie dem auch sei, die euphorischen Schreie dauern mehr als fünfzehn Minuten an. Dann ertönt ein wohliges männliches Grunzen und es herrscht Stille. Schaue die Freundin an und wir kichern wie zwei pubertierende Teenager.

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Wehe, wenn die Wehen (nicht) kommen

Es sind nur noch zwei Wochen bis zum errechneten Entbindungstermin, über den Namen wurde gegrübelt, die wichtigsten Anschaffungen sind getätigt und auch den Geburtsvorbereitungskurs haben wir halbwegs unbeschadet absolviert. Sitze nun entspannt mit der hochschwangeren Freundin im Kino. Nicht weil uns der Film – eine Actionkomödie mit weniger Niveau als eine Unterhaltung im Dschungelcamp – wirklich interessiert, sondern weil wir es (noch) können.

Pünktlich zum Start des cineastischen Machwerks setzt bei der Freundin ein Ziehen in der Bauchgegend ein, was sie als Einsetzen der Wehen interpretiert. Bewahre aufgrund meines angelesenen Wissens aus verschiedenen Schwangerschaftsbüchern absolute Ruhe und erkläre der Freundin in leicht altklugem Duktus, dass zwischen den Wehen und der eigentlichen Geburt viele Stunden lägen. Außerdem hätten wir mehr als 20 Euro für Kinokarten und überteuerten Süßkram ausgegeben. Meines Erachtens alles Gründe, die dafür sprächen, sich den Film erstmal in Ruhe anzuschauen. Eine Einschätzung, die von der Freundin nur bedingt geteilt wird. Weiterlesen

Geburtsvorbereitung in der Eso-Hölle

Nach der überaus kostenintensiven Anschaffung aller nötigen und insbesondere unnötigen Babyaccessoires und –utensilien steht die verstärkte Auseinandersetzung mit der allmählich nahenden Geburt an. Nachdem die Lektüre von Büchern wie „HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt“ und „Lass es raus. Die freie Geburt“ nur zu einem begrenzten theoretischen Erkenntnisgewinn führte, beschließen wir praktische Tipps in einem entsprechenden Geburtsvorbereitungskurs zu sammeln. Wir wählen ein zweitägiges Wochenendseminar in einem nahegelegenen Geburtshaus aus.

Bei der Ankunft im Geburtshaus fällt mir auf, dass es sich um einen stark esoterisch angehauchten Vorbereitungskurs handelt. Unmittelbar nach Überschreiten der Türschwelle rennen wir in eine olfaktorische Wand aus Patchouli-Duft gemischt mit Vanille-Aromen und Knoblauchausdünstungen, die eine Kombination aus Atemnot und Augentränen hervorruft wie bei der Besteigung des Nanga Parbat ohne Sauerstoffflaschen.

Stelle beim Blick auf die anderen Kursteilnehmer mit Erstaunen fest, dass im links-alternativen Milieu das Tragen von Batik-Hemden und weiten gemusterten Stoffhosen anscheinend immer noch sozial akzeptiert ist. Eine modische Kombination, der ich – wie ich beschämt zugegeben muss – während meines Zivildienstes selbst nicht abgeneigt war, die aber fast zehn Jahre später den Wunsch nach einer spontanen Erblindung aufkommen lässt.

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Für das Baby nur das Beste (Teil 2)

Für das Baby nur das Beste (Teil 1)

Hieven die erstaunlich schwere Matratze in den Einkaufswagen und legen gleich noch drei Spannbettlaken, zwei Babyschlafsäcke und ein Schaffell dazu. Stellen dabei überrascht fest, dass sich in dem Wagen eine Wickelauflage, ein paar Molton-Tücher sowie eine Babybadewanne befinden. Können uns nicht erinnern, sie in den Wagen gelegt zu haben. Entscheiden uns dennoch dafür, sie im Wagen zu belassen, da sie allesamt das Kriterium der elementaren Erstausstattung zu erfüllen scheinen.

Die Verkäuferin fragt uns, ob wir uns bereits Gedanken um ein Mobile für das Bett gemacht hätten. Wir müssen die Frage beschämt verneinen. Erhalten dafür ein kenntnisreiches Kurzreferat über die existenzielle Bedeutung optischer Reize für die kognitive Entwicklung des Säuglings. Wage einzuwenden, eine Kuh, ein Esel, ein Schaf, ein Pferd und ein Huhn, die zu „Old McDonald had a farm“ im Kreis tanzen, förderten vielleicht weniger die frühkindliche Gehirnentwicklung, sondern ebneten vielmehr den direkten Weg ins Unterschichtenfernsehen zum DSDS-Casting inklusiver öffentlicher Bloßstellung durch Dieter Bohlen. Ernte dafür einen fassungslosen Blick der Verkäuferin, als hätte ich soeben verkündet, unser Kind im Rahmen eines sozialpsychologischen Experiments ohne jeglichen sozialen Kontakt in einer dunklen Kammer aufwachsen lassen zu wollen. Verfrachte schleunigst zwei Mobiles in unseren Einkaufswagen, um den eher unvorteilhaften Eindruck der Verkäuferin zu zerstreuen.

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Für das Baby nur das Beste (Teil 1)

Haben vor einigen Tagen bei der Frauenärztin ultraschallenderweise erfahren, dass wir tatsächlich Eltern werden. Nachdem wir mit der Namenswahl noch nicht so recht weiter gekommen sind, besprechen wir nun, welche notwendigen Anschaffungen für das Baby zu tätigen sind. Wir wollen nicht, dass es uns wie den Freunden ergeht, deren Shoppingtour für die Baby-Erstaustattung derart aus dem Ruder lief, dass sie an der Kasse zur Begleichung ihrer Einkäufe einen Kleinkredit der örtlichen Sparkasse aufnehmen mussten. Weiterlesen

Wir bekommen ein Baby

Sitze aufgeregt wie ein Teenager beim Tokio Hotel-Konzert mit der Freundin im Untersuchungszimmer der Frauenärztin und starre auf einen 12-Zoll-Monitor, auf dem sich eine erdnussförmige Figur bewegt. Haben es nun tatsächlich grobkörnig und schwarz auf weiß: Wir bekommen ein Baby! Um präzise zu sein, bekommt die Freundin das Baby. Weiterlesen