Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
25. Dezember 2024, Berlin/Westerburg
Kurz nach 11. Im Zug auf dem Weg zum Weihnachtsbesuch im Westerwald. Meine Frau, die Tochter und ich sitzen in einem 6er-Abteil. Meiner Stimmung ist das nicht besonders zuträglich. Und mit „nicht besonders“ meine ich „überhaupt nicht“. Ich mag 6er-Abteile nicht. Du bist fremden Menschen auf engstem Raum ausgeliefert, kannst deine Beine nicht ausstrecken und meistens ist es stickig.
In einer Mischung aus schlechtem Zeitmanagement, Stress und Trägheit konnte ich mich erst vor drei Tagen um die Tickets kümmern, was dazu führte, dass es in keinem einzigen Großraum-Abteil mehr drei freie zusammenliegende Plätze gab. Ihre Antwort spektakulär fehleinschätzend fragte ich meine Frau, ob sie lieber zusammen im Abteil oder verstreut im Großraum sitzen möchte, sie entschied sich für das Gemeinschaftserlebnis im 6er-Abteil.
Das war doof, nun konnte ich nicht mehr sagen, dass ich mich auf keinen Fall zu sechst mit mir unbekannten Personen einpferchen lassen möchte, denn dann hätte ich sie ja gar nicht erst fragen müssen. Stattdessen hätte ich die Einzelplätze reservieren und gegebenenfalls erklären können, dies wären die einzigen noch freien gewesen. (Kleingeistige Moralapostel bezeichnend dies möglicherweise als Lüge, für mich fällt das in einer langjährigen Paarbeziehung unter harmoniefördernde Diskussionsvermeidung.)
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Treffe meine Kollegin heute Morgen nach der Weihnachtsfeier:
„Hattest du heute auch zur 1. Stunde?“
„Ich hab zwei kleine Kinder: ich hab IMMER zur 1. Stunde.“ 😭
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Ich bin mir bewusst, dass mit Ende 40 Deutsch-Rap zu hören, nur bedingt mit dem Konzept des „in Würde altern“ einhergeht. Trotzdem erfreue ich mich an Textzeilen wie „alle Arme gehen von links nach rechts wie Horst Mahler“, „ich bin kein Sexist, ich mansplaine auch Männer“ oder „ich bin nicht besonders klug, ihr seid nur besonders dumm“.
Allerdings muss ich mich nun bei Kundenanrufen immer etwas runter regulieren, damit ich sie nicht mit „Yo, was geht?“ begrüße. Obendrein sind Auftraggeber wahrscheinlich auch nur mäßig begeistert, wenn ich ihre Mails mit „Ihr habt wieder alle nur am Watschenbaum gerüttelt“ beantworte.
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Abendlicher Weihnachtsfilm: „Die highligen drei Könige“, über die Freund Ethan, Isaac und Chris, die jeden Heiligabend ausgiebig in New York feiern. Dieses Jahr zum letzten Mal, weil Isaac und seine Frau Betsy ein Kind erwarten.
Wie der Titel vermuten lässt, spielt der Konsum von Drogen in der Storyline eine nicht unerhebliche Rolle und der Film ist eine Art weihnachtliches „Hangover“, geht damit aber leider nicht all-in. Alles in allem dreieinhalb Dominosteine.
13. Dezember 2024, Berlin
Heute ist Tag der Violine. Ich verzichte darauf, ihn zu begehen, indem ich meine alte Geige auspacke und auf ihr spiele. Ich denke, sie ist dafür sehr dankbar. Und alle Nachbarn ebenso.
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Seit zwei Tagen spielt mir der Insta-Algorithmus Werbung für Pyjamas ein. Das ist eher nach meinem Geschmack als die Hüftbruch-Todesprophezeiungen. Gut, es handelt sich um Schlafanzüge für Frauen, aber in Zeiten fließender Gender-Kategorien ist das egal.
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Erreiche morgens ein neues Selbsthass-Level, indem ich vor dem Spiegel Frühsport mache und, weil ich anschließend noch laufen gehen will, dabei ein hautenges Funktions-Shirt trage. In der Vorweihnachtszeit ist das nicht besonders empfehlenswert. Zumindest weiß ich nun, wo die Plätzchen, Lebkuchen und Dominosteine, die ich in letzter Zeit verputzt habe, gelandet sind: Auf meinen Hüften.
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Heute Abend schauen wir „Let it snow“ (auf Deutsch „Tage wie diese“), eine Jugendbuch-Verfilmung nach einer Vorlage von John Green („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“), Maureen Johnson und Lauren Myracle, in der eine Gruppe von Highschool-Schüler*innen die Liebe und das Leben erleben und vor großen Entscheidungen stehen, die noch viel größer wirken, wenn du 18 bist. Ein ganz wunderbarer Film mit Joan Cusack als weise Aluhut-Trägerin und einer großartigen Interpretation von „The whole of the moon“. Das verdient fünf Dominosteine.
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Als ich später im Bett liege, singt-grölt ein Mann in der Ferne. Irgendwas mit Fotzen und Hurensöhnen. Schön, diese vorweihnachtliche Besinnlichkeit.
14. Dezember 2024, Berlin
Der Judoverein des Sohns richtet sein jährliches Weihnachtsturnier aus und meine Frau und ich begehen unsere gute Tat des Jahres, indem wir helfen. Unsere Aufgabe besteht darin, von den Teilnehmenden Startgebühren zu kassieren und Wiegekarten auszugeben.
Zur Vorbereitung haben wir in den letzten Tagen fast 400 Karten ausgedruckt, zugeschnitten und sortiert. Dabei musste ich feststellen, dass ich für jemanden, der sein Geld mit Schreiben verdient, erstaunlich oft das Alphabet aufsagen muss, um sich zu vergewissern, dass das R vor dem T kommt. Und das L vor dem M.
Um rechtzeitig vor Ort zu sein, müssen wir um 5 Uhr aufstehen, fast anderthalb Stunden Bus fahren und zweimal umsteigen. Das ist alles eher unschön. Dafür kannst du bei dem Turnier aber in Jogginghosen rumlaufen, ohne als Assi zu gelten. Es sind die kleinen Dinge, die zählen.
15. Dezember 2024, Berlin
Wir feiern heute unsere alljährliche Plätzchenparty. Mit Plätzchen, Stollen, Glühwein, und Punsch. Über den Tag verteilt werden knapp 100 Freunde, Bekannte, Kollegen und Nachbarn vorbeikommen. Ich hoffe, das ufert nicht aus wie bei „Dirty Office Party“. Wobei ein echtes Rentier in der Wohnung schon ein Hingucker wäre.
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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
09. Dezember 2024, Berlin
Heute ist Welt-Anti-Korruptionstag. Den nehme ich das erste Mal bewusst wahr. Weil meine Frau letzte Woche am ersten Tag der Adventskalender-Verlosung im Ministerium gezogen wurde. Die potenziellen Gewinne: Geschenke, die Ministeriums-Mitarbeitende nicht annehmen durften, weil sie über der 10-Euro-Compliance-Grenze lagen. Stattdessen mussten sie im Korruptions-Referat abgegeben werden. (Meine Frau nennt das Referat so. Ich glaube aber, das heißt eher Anti-Korruptions-Referat oder so ähnlich.)
Die gesetzesnonkonformen Präsente werden nicht vernichtet, sondern zum Jahresende verlost. Mir scheint, dass dieses Vorgehen, die Grenzen der Regeln zur Verhinderung von Vorteilsannahmen bis aufs Äußerste ausreizen. (Oder wie es bei Japser Ffordes „Shades of Grey“ heißt: „loopholery at its best“.
Meine Frau wusste zunächst nicht, was sie gewonnen hatte. Ihren Preis bekam sie nach ein paar Tagen per Hauspost zugestellt. So lange durfte sie auf eine goldene Uhr hoffen, die möglicherweise der Ministerin überreicht worden war. Der Gewinn entpuppte sich dann als weniger glamourös und noch weniger luxuriös: Es war eine 0,3-Liter-Trinkflasche. Oder wie ihr Kollege sagte: „Wer zur Hölle gibt so etwas im Korruptionsreferat ab?“
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Heute ist nicht nur Nikolaus, sondern auch Nationalfeiertag Finnlands. Ich glaube aber, das ist Zufall und das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
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Im Hausflur hängt ein handgeschriebener Zettel. R. aus dem zweiten Stock wird 17 und gedenkt, dies gebührend zu feiern. Präventiv kündigt sie an, die Party könne ziemlich laut werden. Auf den üblichen Satz „Falls wir zu laut sind, kommt vorbei und sagt Bescheid.“ verzichtet sie. (Ihr Subtext lautet eher: „Deal with it, losers!“) Um halb eins werde sie alle rausschmeißen, so dass um eins Ruhe wäre.
Ich hoffe, sie feiert nicht nur bis eins, sondern länger und richtig laut und wild und ausufernd. Man wird schließlich nur einmal 17. In diesem Sinne: Happy Birthday, R.
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Abends sind wir mutig – vielleicht auch übermutig – und wagen uns an „Bringing Christmas Home“. In der Beschreibung heißt es: „Der Antiquitätenhändler Russell Carlisle stößt in einer alten Uniform auf einen vergessenen Liebesbrief aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und macht sich mit Hilfe einer Professorin für Militärgeschichte auf die Suche nach dem Empfänger.“
So weit so schlimm. In der zweiten Einstellung sagt die Professorin zu einer Studentin: „I want you to take a personal approach to your writing. Get inside the heads of our soldiers, and know what even a small piece of home can do for them. You know, the heart of the battlefield is not weapons it’s people.” Der Nachsatz „mostly dead people“ hat es bedauerlicherweise nicht ins Drehbuch geschafft.
Da wir die 90 Minuten Lebenszeit, die uns der Film kosten wird, nie zurückbekommen werden, beenden wir ihn nach zwei Minuten 45 Sekunden. (Die wir auch nicht zurückbekommen werden.) Daher kann ich nicht mit absoluter Gewissheit sagen, ob es zwischen Antiquitätenhändler und Militärprofessorin funken wird, gehe aber schwer davon aus. Zumindest wäre das nicht der überraschendste Plot-Twist der Filmgeschichte, denn weder das Film-Poster noch die ersten Szenen lassen vermuten, dass „Bringing Christmas Home“ mit den Konventionen und Erzählschablonen von Weihnachtsfilmen bricht.
Stattdessen schauen wir „Dash & Lily“, eine Kurzserie, in der zwei New Yorker Jugendlichen durch ein Notizbuch kommunizieren, das Lily in einem Buchladen versteckt hat. Während sie sich verschiedene Aufgaben stellen, kommen sich die beiden näher, was selbstverständlich auch vorhersehbar ist, aber die Storyline ist trotzdem gut, die Charaktere und Dialoge auch und da kann man schon mal vier Dominosteine vergeben.
07. Dezember 2024, Berlin
Nikolauslauf am Schlachtensee. Gemeinsam mit meiner Frau und meiner samstäglichen Grunewald-Laufgruppe. Wir haben uns alle für den Viertelmarathon (10,9km) angemeldet. Es gibt auch noch die längeren Distanzen Drittel-, Halb- und Big-5-Marathon, aber zum Jahresende musst du es ja auch nicht übertreiben.
Anschließend trinken wir selbstgemachten Glühwein, den A. mitgebracht hat. Nach gut einer Stunde laufen in der Kälte eine wohltuende Wärmequelle. Gut, das wäre heißer Tee auch, aber der Glühwein ist leckerer.
Nach einem Becher steigt uns allen der Alkohol leicht in den Kopf. Was ich als gutes Zeichen deute, dass wir uns für gewöhnlich nach dem Sport und auf fast nüchternen Magen keinen Alk reinschädeln.
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Beim Weihnachtsfilm-Screening gehen wir mit einem Film, den wir schon zweimal gesehen haben, auf Nummer sicher: „Dirty Office Party“ Kurz vor Weihnachten kündigt die hartherzige CEO Carol alias Jennifer Anniston an, die Chicagoer Zweigstelle zu schließen, die ihr Bruder Clay leitet und der durch eine ausschweifende Weihnachtsfeier einen neuen Kunden gewinnen und die Firma retten will.
Der Romantik- und Weihnachtslevel des Films ist überschaubar, aber dafür gehen Autoren, Regisseur und Darsteller bei der Comedy all in. Mit einer epischen Party, inklusive Sex, Drugs, Hip-Hop und echten Rentieren, an deren Ende das halbe Bürogebäude verwüstet ist. Das macht mir richtig Lust, doch noch mal irgendwo als Angestellter zu arbeiten. Dafür vergebe ich viereinhalb Dominosteine.
Weil es erst 20.30 Uhr ist, als „Dirty Office Party“ zu Ende ist, und du um diese Uhrzeit nur ins Bett gehen kannst, wenn du über 90 bist – liebe Grüße an den Senioren-Handy-Filter –, legen wir mit „Bad Moms 2“ nach. Ebenfalls mit begrenztem Christmas-Spirit, aber auch mit erstklassigem Comedy-Klamauk. Nicht nur, aber auch für Justin Hartley als Santa Stripper, der von Kathryn Hahn den Scham- und Pobereich gewachst bekommt, verdient der Film vier Dominosteine.
08. Dezember 2024, Berlin
Nikolausbrunch in die Arminius-Markthalle. Da waren wir bereits letztes Jahr und weil uns das Konzept, lange, viel und lecker essen, überzeugt, wiederholen wir das jetzt.
Insbesondere der Prosecco-Butler hatte es uns damals angetan. Eigentlich finde ich die Vorstellung befremdlich, mich von Angestellten bedienen zu lassen. Aber ein Diener, der dich regelmäßig mit Schaumwein versorgt, ist schon eine feine Sache. Das könnte ich mir auch im Alltag ganz gut vorstellen. Prost.
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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
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02. Dezember 2024, Berlin
Die Black Week ist rum, dafür ist heute Cyber Monday. Deswegen weiter Insta-Werbung noch und nöcher. Ich bekomme ein Angebot von Masterclass eingespielt. Für den Kurs: „Connect with anyone. Learn CIA-proven tactics to build better relationships.”
So gut kennt mich der Algorithmus doch nicht. Ich möchte keine „better relationships“ bilden. Im Gegenteil. An einem Kurs: „Avoid everybody. Learn CIA-proven tactics to go into hiding” wäre ich mehr interessiert.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Tag zwei allein zu Hause mit den Kindern. Bis jetzt läuft es ganz gut. Drückt mir die Daumen, dass sie mein Versteck auch heute nicht finden.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Der Sohn muss heute Abend nicht arbeiten, so dass wir einen vorweihnachtlichen Familienpflichttermin wahrnehmen können: Ausstechplätzchen backen. Das machen wir seit fast 20 Jahren. Die Vorweihnachtszeit beginnt erst, wenn wir gemeinsam Plätzchen gebacken und die Küche in ein Chaos aus Mehl, Zuckerstreuseln und Teigresten verwandelt haben.
Weihnachtsmusik, damit wir je nach Lied in besinnliche oder beschwingte Stimmung kommen.
Sekt, damit die Plätzchenausstecherei leichter von der Hand geht.
Teig, damit wir überhaupt etwas zum Ausstechen haben.
Nach einem Rezept meiner Großmutter väterlicherseits backen wir immer „feines Buttergebäck“. Um dieser Bezeichnung gerecht zu werden, kommen auf 500 Gramm Mehl anderthalb Päckchen Butter. Bei den gegenwärtigen Butterpreisen macht das die Plätzchen zur Dubai Schokolade unter dem Weihnachtsgebäck.
29. November 2024, Berlin
Weil ich mich in den letzten Tagen so viel mit Werbung beschäftigt habe, sorgt sich Insta anscheinend um meine Arbeitsmoral. Heute ist das erste Angebot ein Pomodoro-Timer. Damit kannst du deine Arbeitszeiten tracken und dich dazu zwingen, mindestens 45 Minuten am Stück zu arbeiten.
Dazu könnte ich zur besseren Organisation meines Schreibtisches und zur Steigerung meiner Produktivität ein längliches, formschönes Aufbewahrungsbehältnis kaufen. Darin kann ich Stifte und kleinere Büromaterialien wie Büroklammern oder Haftnotizen verstauen, zusätzlich gibt es eine Halterung fürs Handy und mit einem Spezialmarker (nicht im Angebot enthalten) auf der schwarzverspiegelten Abdeckung To-Dos notieren. Das kann ich selbstverständlich auch auf Schmierzetteln, aber die sehen nicht so chic aus.
Damit ich mich nicht so leicht durch die Verlockungen des Internets ablenken lasse, bekomme ich eine Tastatur mit Minimonitor vorgeschlagen, auf dem du lediglich siehst, was du gerade tippst. Quasi eine elektrische Schreibmaschine ohne Papier.
Der handliche kleine Etikettendrucker könnte meinen Arbeitsalltag ebenfalls erleichtern. Ich drucke zwar nie Etiketten aus, aber das liegt möglicherweise einfach daran, dass mir dazu das Equipment fehlt.
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Seit letzter Woche schauen meine Frau und ich alle James-Bond-Filme in chronologischer Reihenfolge. Begonnen haben wir mit „James Bond jagt Dr. No.“ mit Sean Connery (1962), inzwischen sind wir bei „Octopussy“ mit Roger Moore (1983) angelangt.
Für heutige Sehgewohnheiten ist unsere James-Bond-Retrospektive herausfordernd. Die Kampfszenen der frühen Filme sind beispielsweise auf eine Art und Weise choreografiert, dass ich mir durchaus zutrauen würde, dabei mitzumischen, ohne dass es einen qualitativen Abfall gäbe. Die schauspielerische Leistung der Komparsen ist eher so Niveau Laienschauspieler-Truppe, die an Heiligabend in der Kirche die Weihnachtsgeschichte aufführt. Ohne vorher jemals geprobt zu haben.
Der tendenziell dünne Plot leitet in erster Linie von einer Actionszene zur nächsten über. Dazwischen kommt die ein oder andere Bettgeschichte. Aber ich glaube, das ist bei den neueren Bond-Filmen auch nicht anders.
Aus heutiger Sicht schwer erträglich ist die Darstellung von Frauen. Der häufigste Satz der weiblichen Charaktere ist ein geschmachtetes „Oh James.“ Anschließend fallen sie ihm in die Arme und er küsst sie.
Ohnehin bin ich nach dreizehn 007-Filmen zu dem Schluss gekommen, James Bond muss hochgradig sexsüchtig sein. Anders ist nicht zu erklären, warum er, sobald er eine Frau erblickt, sofort an Beischlaf denkt, und alles daran setzt, diesen zu vollziehen.
Vielleicht sollte er das mal therapeutisch aufarbeiten. Dann würde er möglicherweise auch weniger Klapse auf den Po verteilen und nicht andauernd Frauen gegen ihren Willen küssen. Wobei diese ihren Widerstand immer schnell aufgeben und dann begeistert mitmachen. Denn wir wissen ja alle, dass nein gar nicht nein heißt und Frauen sich nur ein wenig zieren.
Ansonsten scharwenzelt James Bond durch die Filme wie ein schmieriger Onkel auf Familienfeiern, der anzügliche Komplimente verteilt. Das findest du allenfalls lustig, wenn du Admin der Facebook-Gruppe „Früher saßen wir auf der Fahrt nach Italien noch unangeschnallt auf der Rückbank, während Vaddi vorne zehn Stunden gequarzt hat, und das hat uns auch nicht geschadet“ bist.
Ich freue mich dagegen schon auf „Sag niemals nie“. Da haut Barbara Carrera alias Fatima Blush James Bond ordentlich aufs Maul.
30. November 2024, Berlin
Der Black Friday ist Vergangenheit, die Werbeangebote nehmen trotzdem nicht ab. Zum Beispiel für ein Kartenset für Strategic Storytelling, mit dem du fesselnde Präsentationen entwickeln kannst. Das habe ich mir aber schon vor anderthalb Jahren gekauft und noch nie benutzt.
Eher verwenden würde ich eventuell die Mini-Digitalkamera in Schlüsselanhänger-Größe. Die schießt Fotos in 80er-Jahre-Optik. Dafür könnte ich mir sicherlich auch einen Filter fürs Smartphone runterladen, aber dann hätte ich nicht die niedliche Kamera.
01. Dezember 2024, Berlin
Insta ist weiterhin zuversichtlich, dass ich doch ein Instrument erlernen könnte, und spielt mir eine Werbung für Gitarren für Kinder ein. Vom gleichen Anbieter des Designer-E-Pianos. Die Gitarren sehen auch sehr gut aus. Vielleicht kaufe ich beide und stelle sie ins Wohnzimmer. Als Blickfang.
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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
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25. November 2024, Berlin
Finde in meiner Inbox eine Mail von Brunobett. Unser Schlafsofa, das wird dort gekauft haben, werde heute zwei. Ich weiß nicht, was ich mit dieser Information anfangen soll.
Wie feiert man den Geburtstag eines Schlafsofa? Mit einem Geburtstagsständchen am Morgen? Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst? (Passt eigentlich.) Ob es sich etwas zum Geburtstag wünscht oder einen Lieblingskuchen hat, ist mir ebenfalls unbekannt.
Aber eins weiß ich definitiv: Auch bei Schlafsofas gilt die alte Kindergeburtstagsregel: Pro Lebensjahr darf nur ein Gast eingeladen werden.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
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