Wissen macht: Hä? – #03 | Alles rund um Halloween (Teil 2)

Teil 1


3) Let’s get the party started: Halloween feiern wie die Amis

Zum weltweiten Exportschlager wurde Halloween erst im 19. Jahrhundert. Damals wanderten viele Iren in die USA aus. (Stichwort Kartoffelfäule und Hungersnot.) Viel nahmen sie nicht aus der alten Heimat mit – sie hatten ja nichts –, aber zumindest ihren Halloween-Brauch.

Die Amerikaner fanden das richtig gut und gingen mächtig steil und all in. Kürbisse noch und nöcher, Süßigkeiten schnorren und wilde Partys. 2021 wurden in den USA mit Halloween-Produkten rund zehn Milliarden US-Dollar umgesetzt. (Das sind eine Eins und zehn Nullen.) Das müssen Sie sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Zehn. Milliarden. US-Dollar. (Das sind immer noch eine Eins und zehn Nullen.)

In Deutschland wird Halloween erst seit Anfang der 1990er gefeiert. Schuld daran sind George Bush und Saddam Hussein. Und die Fachabteilung Karneval im Verband der Spielwarenindustrie. Die nimmt für sich in Anspruch, Halloween nach Deutschland gebracht zu haben. (Warum sie darauf stolz ist, ist nicht bekannt und bleibt rätselhaft.)

Wegen des Golfkrieges fielen im Februar 1991 die Karnevals-Feierlichkeiten aus. Während das Menschen in Norddeutschland vollkommen wumpe war, fürchteten die Kostümhersteller, auf ihrem Verkleidungs-Krempel sitzenzubleiben. (Was schade für die chinesischen Kinder gewesen wäre, die sich beim Nähen so viel Mühe gegeben hatten.)

Das wussten die geschäftstüchtigen Spielwarenindustrie-Karnevalisten zu verhindern. Sie bläuten den Deutschen ein, Halloween sei ein ganz großes Ding, das unbedingt gefeiert werden muss, und zwar am besten in den Kostümen der abgelaufenen Karnevalssaison. Eine Argumentation, die durchaus verfing. Für 2023 rechnet der deutsche Einzelhandel zu Halloween mit einem Umsatz von 480 Millionen Euro. (Das sind eine Vier, eine Acht und sieben Nullen.)

4) Was soll der Unfug mit dem Kürbis?

Selbst wenn du dem Kürbis ablehnender gegenüberstehst als Friedrich Merz dem Gender-Stern, spätestens ab Anfang Oktober kannst du ihm nicht länger entkommen. (Also, dem Kürbis. Friedrich Merz wahrscheinlich auch nicht.) Magazine veröffentlichen fragwürdige Kürbis-Käsekuchen-Rezepte, der Barista schüttet noch fragwürdigeres Kürbis-Gewürz in deinen Kaffee, im Internet gibt es Schnitzanleitungen für Horror-Kürbisse sowie Deko-Vorschläge, wie du mit Kürbisfiguren deine Wohnung verschandeln kannst. Um Herbert Grönemeyer zu zitieren: Was soll das?

Verantwortlich für die Kürbis-Misere ist Jack Oldfield, eine irische Sagengestalt, die wahlweise als Trunkenbold, Betrüger, Geizhals oder Bösewicht bezeichnet wird. Der gute Jacky O. hatte zu Lebzeiten einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, damit er ihn verschont. Später haute er den Beelzebub übers Ohr. Sogar mehrfach.

Als Jack irgendwann das Zeitliche segnete, wurde ihm aufgrund seines unsteten Lebenswandels – zu viele Sünden, zu wenig Reue – der Zugang zum Himmel verwehrt. Weil sich der Pferdefüßige an die Übers-Ohr-gehauen-werden-Episoden erinnerte und weil er nachtragend war, hieß es für den ollen Oldfield auch am Höllentor: „Du kummst hier net rein.“

Stattdessen sollte er bis in alle Ewigkeit durch die Dunkelheit irren. Der Deibel hatte jedoch ein wenig Mitleid und gab Jack ein Stück brennende Kohle aus dem Höllenfeuer, das ihm den Weg weisen sollte. Da glühende Höllenkohle höllisch heiß ist und weil Jack keine Asbesthandschuhe besaß, höhlte er kurzerhand eine Rübe aus, die er eigentlich als Wegzehrung dabei hatte, und stopfte die Kohle hinein.

Aus dieser Legende entstand später der Glaube, dass ein brennendes Stück Kohle in einer Rübe den Teufel und böse Geister fernhält. Was die Frage aufwirft, wie böse diese Geister sein können, wenn sie sich wegen ein bisschen Glut einnässen. Und wie doof ist der Teufel, dass er sich vor einem Stück Kohle fürchtet, das er selbst verschenkt hat?

Nun fragen Sie sich zurecht, warum sie im Herbst von Kürbissen terrorisiert werden, wo Jack doch mit einer dusseligen Rübe rumhantiert hat. Das kam so: Als die Iren nach Amerika auswanderten, brachten sie ihren Rüben-Brauch mit, mussten aber feststellen, dass es im Ami-Land rübenmäßig ziemlich mau aussah. Dafür gab es Kürbisse en masse. Die waren auch viel leichter auszuhöhlen als Rüben. Also sagten sich die irischen Neu-Amis: „Scheiß auf die Rübe, ein Kürbis tut’s auch.“

Für diesen Pragmatismus sollten wir ihnen dankbar sein. Sonst müssten wir jetzt Rübenkäsekuchen backen und unseren Latte mit Rübenaroma verhunzen. Es geht immer noch schlimmer.

5) Trick or treat: Wenn die Süßigkeiten-Schutzgeldmafia um die Häuser zieht

Schon die Kelten stellten zu Samhain kleine Gaben („Treats“) an die Tür. Das sollte bei den bösen Geistern für gute Stimmung sorgen und sie von Untaten abhalten. Anscheinend wussten die Kelten nichts von der Rüben-Kohlen-Phobie der Geister, sonst hätten sie sich den Gaben-Quatsch sparen können.

Einen „Trick or Treat“-Vorläufer gab es bereits im 10. Jahrhundert. Allerdings an Allerseelen, also am 2. November. Damals gingen die Bedürftigen von Haus zu Haus und baten um sogenannten Seelenkuchen, ein spezielles Brot mit süßsauren Johannisbeeren. Was mehrere Fragen aufwirft: Warum heißt es Kuchen, wenn es Brot ist? Fällt das unter arglistige Verbrauchertäuschung und ist das justiziabel? Was haben Johannisbeeren in Brot verloren?

Die findige Süßwaren- und Zuckerindustrie sorgte im Laufe des 20. Jahrhunderts durch geschickte Marketingkampagnen dafür, dass sich an Halloween niemand mehr mit merkwürdigem Johannisbeeren-Brot zufrieden gibt. Stattdessen ist es ungute Sitte, dass mit Einbruch der Dunkelheit distanzgeminderte Kinder und Jugendliche unter dem Motto „Süßes sonst gibt’s Saures“ die Straßen unsicher machen und Schokolade, Bonbons und anderen Süßkram von unbescholtenen Bürger*innen einfordern. Werden ihnen diese verwehrt, sprühen die minderjährigen Zucker-Junkies Rasierschaum an die Tür, schmieren Zahnpasta unter die Klinke oder werfen Eier an die Fenster.

Da sehnst du dich dann nach der guten, alten Corona-Zeit zurück, als das Trick or Treaten als potenzielles Superspreader-Event verboten war.

5 Tipps, um sich aufdringliche Kinder und Jugendliche an Halloween vom Leib zu halten

Allen, die Halloween feiern, viel Spaß dabei, und allen, die mit dem Kürbis- und Gruselfest nichts am Hut haben, einen schönen Dienstag.


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Familien-Gedöns der Woche (479)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW42-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


16. Oktober 2023, Berlin

Halb sieben. Der Sohn kommt aus seinem Zimmer. Ungewöhnlich früh für ihn. Er erklärt, er habe sich vorgenommen, künftig eine halbe Stunde früher aufzustehen, um mehr Zeit zu haben, richtig wach zu werden. Dann sei er fitter, wenn er in der Schule ankommt. Ungewöhnlich vernünftig von ihm. Vielleicht ist das dieses Erwachsenwerden. Oder Aliens haben ihn entführt und ausgetauscht.

Eine Minute nachdem der Sohn das Haus verlassen hat, geht die Wohnungstür wieder auf. Gerade bekam er die Nachricht aufs Handy, dass die ersten beiden Stunden ausfallen. Die dritte und vierte hat er ohnehin frei. Wäre er erst um 10.30 Uhr aufgestanden, hätte er immer noch genügend Zeit zum Wachwerden gehabt. Er wurde also um vier Stunden Schlaf gebracht. Für einen Jugendlichen fällt das unter grobe Menschenrechtsverletzung.

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Eine kleine Wochenschau | KW42-2023 (Teil 2)

Teil 1


20. Oktober 2023, Berlin/Hamburg

Meine Frau, der Sohn und ich fahren nachmittags nach Hamburg. Zu unserem jährlichen Geschwistertreffen mit den Brüdern meiner Frau plus Partner*innen und Kindern. Ich habe Karten für den FlixBus gekauft.

Eigentlich bin ich kein großer Fan von Fernbusreisen und fahre lieber Bahn. Das hätte uns trotz Bahncard 50 aber 200 Euro gekostet, die Bus-Tickets gibt es dagegen für knapp 100 Euro. Da ich auch kein großer Fan von zu viel Geld ausgeben bin, nehme ich in Kauf, mich für dreieinhalb Stunden in einen engen Sitz zu quetschen und keinerlei Bewegungsfreiheit zu haben.

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Im Eingangsbereich des ZOB steht eine Gruppe von circa zehn jungen Männern. Sie pfeifen sich gerade ein paar Energy Drinks rein und sind etwas laut. Und etwas prollig. Ich hoffe, sie fahren nicht nach Hamburg.

Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. In meinem Fall allerdings zu vorletzt, denn zuletzt steigen die Männer in unseren Bus ein. Wir und die anderen Fahrgäste sind mäßig begeistert.

Pünktlich um 15.30 Uhr geht es los. Es geht zügig durch die Straßen Berlins. Kein Feierabendverkehr und kein Ferienbeginn-Stau halten uns auf. Vielleicht ist Fernbus-Reisen doch nicht so schlimm.

Ein Urteil, das ich knapp zehn Minuten später revidiere. Da kippt ein Fahrgast aus seinem Sitz. Weil direkt daneben die Treppe ist, fällt er diese runter und schlägt sich die Stirn auf. Der Mann gehört nicht zu der Junge-Männer-Truppe. Diese kümmert sich geradezu rührend um ihn. Einer von ihnen hilft ihm auf, ein anderer verarztet ihn mit Pflastern.

Der Bus bleibt erstmal stehen. Aus uns unbekannten Gründen hat der Fahrer die Polizei gerufen. Vielleicht wegen der Versicherung. Gut 20 Minuten später, erscheinen fünf Polizist*innen. Eine etwas überdimensionierte Personalstärke, wie ich finde, aber sie sind alle freundlich, reden kurz mit dem Mann und dann darf er wieder einsteigen.

Endlich geht die Fahrt weiter. Für fünf Minuten. Der Mann steht oben im Gang, macht sich ein Bier auf und will sich nicht hinsetzen. Die jungen Männer erklären ihm freundlich, das ginge nicht, sonst würde er wieder stürzen. Er ist uneinsichtig, die Diskussion wird hitziger, Bier schwappt über ein 12-jähriges Mädchen, es kommt zu einer Rangelei.

Der Busfahrer hält an und der renitente Fahrgast wird aufgefordert, den Bus zu verlassen. Er weigert sich, wird laut und handgreiflich. Mit Einverständnis des Fahrers setzten die jungen Männer ihn vor die Tür.

Er versucht jedoch immer wieder einzusteigen, bis es dem Busfahrer zu bunt wird. Der ist circa 1,95 groß und 150 Kilo schwer. Er packt den Mann am Kragen, schüttelt ihn durch und schubst ihn weg. Es dauert dann immer noch rund zehn Minuten, bis sich der Typ verzieht.

Wir sitzen seit rund einer Stunde im Bus und haben rund drei Kilometer zurückgelegt. Die Fahrt wird fortgesetzt. Für drei Minuten. Dann stehen wir im Stau. Ob wegen einer Baustelle, einer Klebeaktion der Letzten Generation oder weil der Feierabend- und Ferienbeginn-Verkehr doch noch zugeschlagen, ist unklar. Auf jeden Fall geht es nur im Stopp-and-Go-Schneckentempo voran. Wir brauchen so lange, bis wir die Stadtgrenze von Berlin überqueren und auf die Autobahn gelangen, dass ich befürchte, der Busfahrer hat gleich seine erlaubte Maximalfahrzeit erreicht und muss erstmal seine gesetzlich vorgeschriebene Pause einlegen.

Den Rest der Fahrt passiert glücklicherweise nichts mehr. Wir kommen kurz vor 21 Uhr am ZOB in Hamburg an.

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Die Tochter hatte ebenfalls eine ereignisreiche Anreise. Sie flog mit ihren beiden Onkeln von Frankfurt nach Hamburg. Der Flug war ganz okay, aber der Landeanflug ziemlich wackelig. Wegen des Sturmtiefs Wolfgang. Der Pilot meinte später, die Windstärke sei an der Grenze dessen gewesen, was gesetzlich noch erlaubt ist, um überhaupt zu landen. Da möchte ich mir nicht vorstellen, wie unruhig die Landung war. Möglicherweise hatten wir es mit unserem randalierenden Fahrgast gar nicht so schlecht erwischt.

21. Oktober 2023, Hamburg

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, heute Morgen im Stadtpark laufen zu gehen. Die Worte Sekt, Weißwein und Aperol Spritz sollten ausreichen, um zu verstehen, warum ich mein Vorhaben nicht in die Tat umsetze.

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Nachdem wir uns aufgrund des schlechte Wetters – in Hamburg auch bekannt unter der Bezeichnung Wetter – den ganzen Tag in der Wohnung aufgehalten haben, gehen wir abends kegeln. Für die U20-Fraktion der Familie eine Premiere.

Anscheinend auch für C., den 35-jährigen Mann meines Schwagers. Also mein Schwippschwager, um hier mal ein Wort einzubringen, das sich anhört, als hätte Didi Hallervorden es erfunden. (Was eigentlich ein Grund ist, es nicht zu verwenden.)

C. schrieb vor ein paar Tagen in unsere WhatsApp-Gruppe „Die krummbucklige Sippe“, er hätte ein Kegel-Video angeschaut und das sähe viel schwieriger als Bowling aus. Dann fragte er, ob wir das schon mal gemacht hätten. Ich antwortete, wir hätten früher auf Kindergeburtstagen häufig gekegelt. Seine Antwort: „Das ist ja recht lang her…“ Keine Ahnung, was er damit meint.

Es war in meiner Kindheit tatsächlich eine sozial akzeptierte Kindergeburtstag-Aktivität, mit einer Gruppe von Grundschüler*innen in die Kneipe zu gehen und im Keller zu kegeln. Dabei tranken wir Limo – selbstverständlich mit Zucker und Inhaltsstoffen, die heute als gesundheitsgefährdend verboten sind – und die Eltern des Geburtstagskindes genehmigten sich das ein oder andere Bierchen.

Wenn der Wirt eine neue Runde Getränke brachte, wehte aus dem Schankraum immer eine Wolke Zigarettenqualm nach unten. Als Höhepunkt der Feierlichkeiten gab es zum Abendessen meistens Schnitzel mit fettigen, salzigen Pommes. Wahrscheinlich hat uns das alles nicht nachhaltig geschadet, aber ich denke, es gibt trotzdem gute Gründe, warum Kindergeburtstage heutzutage anders gefeiert werden.

Um meiner Chronistenpflicht zu genügen, sei festgehalten, dass im Duell „Jung“ gegen „Alt“ die Kegel-Novizen gewinnen. Der Sohn wirft insgesamt viermal alle Neune, was ich persönlich nicht so erwähnenswert finde, aber er legt Wert darauf, dass dies hier verkündet und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht wird.

22. Oktober 2023, Hamburg/Berlin

Rückfahrt nach Berlin. Heute nicht mit dem FlixBus, sondern seinem Bruder, dem FlixTrain. Die Reise fällt ereignislos aus. Keine Betrunkenen, keine Rangeleien, keine Verspätungen. Aber nur bis Paulinenaue. Eine brandenburgische Gemeinde, die sich anhört wie eine bayerische Biermarke und rund 50 Kilometer nordwestlich von Berlin liegt.

Dort kommt der Zug außerplanmäßig zum Stehen. Der Schaffner erklärt, sie hätten etwas entdeckt und das müssten sie nun überprüfen. Klingt nicht besonders vertrauenswürdig. Rund 30 Minuten später die nächste Durchsage. Es liege tatsächlich ein technischer Defekt vor, aber wir könnten unsere Fahrt erstmal bis Nauen fortsetzen. Allerdings mit maximal 160 km/h. Auch das klingt nur mittelmäßig vertrauenswürdig.

In Nauen wird vorgeschlagen, auf Züge der Deutschen Bahn umzusteigen, da ungewiss sei, wann die Fahrt fortgesetzt werden kann. Wir nehmen den nächsten Zug Richtung Berlin. Der steht fünfzehn Minuten einfach rum, in der Ferne sehen wir, wie der FlixTrain wieder losfährt.

Kurz nach vier sind wir zuhause. Circa 75 Minuten später als geplant. Vielleicht gehen wir das nächste Mal einfach zu Fuß.


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Familien-Gedöns der Woche (478)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW41-2023 (Teil 2)

Teil 1


12. Oktober 2023, Berlin

In meiner Inbox landet eine Mail, von meinem Paypal-Konto sei ein Betrag abgebucht worden. 74,95 Euro. Das Unternehmen, das die Summe erhalten hat, sagt mir nichts. Sofort denke ich, dass ich einem Online-Betrug aufgesessen bin und mein sämtliches Erspartes verlieren werde.

Bei einer kurzen Google-Recherche finde ich heraus, dass es sich bei dem Empfänger um das Unternehmen handelt, das Opodo betreibt. Die 74,95 Euro sind für die Verlängerung meiner Prime-Mitgliedschaft. Ich kann mich sogar erinnern, sie abgeschlossen zu haben. Das war letztes Jahr, als ich mit der Tochter nach Irland flog. Durch die Prime-Mitgliedschaft sicherte ich mir einen 30-Euro-Rabatt.

Ein richtig gutes Schnäppchen, denn ich kündigte die Mitgliedschaft innerhalb des kostenlosen 30-tägigen-Probezeitraums. Anscheinend aber doch nicht. Nun habe ich 150 Euro für eine Ermäßigung von 30 Euro bezahlt. Ein Deal, der auf der Liste der schlechtesten Deals aller Zeiten zweifellos einen der vorderen drei Plätze belegt. Insbesondere weil ich seitdem keinen weiteren Flug über Opodo gebucht habe.

Um nicht noch mehr Geld zu verschenken, recherchiere ich, wie ich die Mitgliedschaft kündigen kann. Das geht ganz einfach. Behauptet zumindest die Autorin eines Blog-Beitrags auf der Opodo-Webseite. Du musst dich lediglich in deinem Konto einloggen, dann in den Prime Account Abschnitt gehen und dort auf den gut sichtbaren Kündigungs-Link klicken

Schritt 1 und 2 funktionieren vollkommen reibungslos, Schritt 3 dagegen nicht. Es gibt keinen Kündigungs-Link. Nach etwas Suchen stoße ich auf einen Hinweis, dass es für die Kündigung zwei Möglichkeit gibt: entweder mit einem Mitarbeitenden chatten oder eine Hotline anrufen. Wie jeder normale Mensch, vermeide ich den direkten sozialen Kontakt und entscheide mich für die Chat-Option.

Es stellt sich heraus, dass du doch nicht mit einem Mitarbeitenden chattest, sondern mit einem ChatBot. Dieser stellt sich als Kris vor. (Vielleicht tue ich ChatBot Kris unrecht und er ist doch ein regulärer Opodo-Mitarbeitender. Sollte das der Fall sein, möchte ich Kris in aller Form um Entschuldigung bitten.)

Kris fragt mich zu Beginn: „Wie kann ich dir helfen?“ Ich bin etwas irritiert. Warum duzt Kris mich? Wir sind hier schließlich nicht in der Kneipe und auch nicht bei IKEA. Und Schweine haben wir auch noch nicht zusammen gehütet. Nur weil wir fast den gleichen Namen haben, ist das noch kein Grund, vertraulich zu werden.

Ich verzichte dennoch darauf, ihn zu maßregeln, sondern tippe ins Kommentarfeld, dass ich meine Prime- Mitgliedschaft kündigen möchte. Kris erwidert, dass er mir dabei gerne hilft. Das halte ich für etwas überenthusiastisch, wenn nicht gar für gelogen. Er schlägt mir vor, ich solle mich in mein Konto einloggen und dann im Prime-Bereich auf den Kündigungs-Link klicken. Schönen Dank, Kris.

Ich schreibe, dass das nicht funktioniert, weil es keinen Kündigungs-Link gäbe. Kris antwortet, es täte ihm leid, dass er mir nicht helfen könne. Schleimer.

Nun schreibe ich, er möge mir bitte eine Mail-Adresse nennen, an die ich meine Kündigung schicken könne. Kris sagt, er verstehe die Frage nicht. Come on, Kris. Wirklich? So schwierig ist die Frage nicht. Schließlich will ich nicht wissen, was die Heisenbergsche Unschärferelation besagt, sondern nur eine Kontaktadresse für meine Kündigung haben.

Ich bin kurz davor, „Fuck you, Kris, und danke für nichts!“ ins Kommentarfeld zu tippen, lasse es aber bleiben. Kris kann schließlich nichts dafür, dass er ein schlecht programmierter ChatBot ist.

Stattdessen muss ich nun doch bei der Hotline anrufen. Dort erklärt mir als erstes eine barsche, abgehackte Computerstimme, falls ich Informationen zu Flugplänen und Opodo-Angeboten suchen würde, solle ich auf die Webseite gehen, die Mitarbeiter im Call-Center hätten auch keine anderen Informationen. Okay?

Anschließend klärt mich eine freundlichere Computerstimme auf, für welches Anliegen ich welche Taste auf dem Telefon drücken muss. Ich entscheide mich für die 3: Fragen zu Ihrer Prime-Mitgliedschaft.

Nun blafft mich die unfreundliche Computerstimme wieder an. Alle Informationen gäbe es auch auf der Webseite. Am liebsten würde sie wahrscheinlich sagen: „Bist du dumm oder warum rufst du hier an? Trottel.“

Ich bleibe stoisch in der Leitung, bis mich die nette Computerstimme auffordert, die 11-stellige Buchungsnummer einzugeben, die ich beim Abschluss der Prime-Mitgliedschaft erhalten hatte. Glücklicherweise finde ich diese noch in meinen Mails und nachdem ich sie ins Telefon getippt habe, verkündet die Stimme, dass ich gleich mit einem Mitarbeitenden verbunden würde. Hoffentlich nicht mit Kris.

Nachdem ich eine geschlagene Viertelstunde mit ChatBots und Computern kommuniziert habe, stellt sich nun tatsächlich ein leibhaftiger Mensch vor. Leider verstehe ich seinen Namen nicht, denn er spricht zwar perfektes Deutsch, aber mit einem sehr starken osteuropäischen Akzent. Wahrscheinlich sitzt er in einem Call-Center in Prag oder Bratislava.

Der Mann fragt, wie er mir helfen könne. Ich erkläre, dass ich meine Prime-Mitgliedschaft kündigen möchte. Daraufhin fragt er: „Sie möchten Ihre Prime-Mitgliedschaft kündigen?“ Ich bin etwas verwirrt. Genau das habe ich doch gesagt? Und in meinen Augen in unmissverständlichen Worten. Da kann es eigentlich keinen Zweifel geben, ob das wirklich mein Anliegen ist.

Trotzdem bejahe ich seine Frage. Zur Sicherheit wiederhole ich noch einmal, dass ich meine Prime-Mitgliedschaft kündigen möchte. Daraufhin fragt er mich freundlich: „Wissen Sie denn, dass Sie nur mit einer Prime-Mitgliedschaft, die besten Rabatte und Angebote be…“ Ja, das wüsste ich, unterbreche ich ihn, aber ich wolle trotzdem meine Prime-Mitgliedschaft kündigen.

Nun sagt er: „Darf ich Sie fragen, warum Sie Ihre Prime- Mitgliedschaft kündigen möchten?“ Nein, dürfe er nicht, antworte ich, wobei ich inzwischen eine gewisse Gereiztheit in meiner Stimme nicht verleugnen kann. Ich wolle einfach die Prime-Mitgliedschaft kündigen und mich nicht für die Gründe dafür rechtfertigen.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass das nicht übermäßig nett ist und dass der Mann nur seinen Job macht, für den er wahrscheinlich nicht besonders gut bezahlt wird. Allerdings halte ich mir zugute, dass ich ihn nicht ankacke, dass Opodo eine elende Bumsbude ist und ich, wenn ich Zeit, Geld und Nerv hätte, den Laden wegen arglistiger Verbrauchertäuschung und Diebstahl meiner Lebenszeit verklagen würde.

Der Mann stellt keine weiteren Fragen und sagt lediglich: „Eine Sekunde bitte.“ und circa dreißig Sekunden später noch einmal: „Eine Sekunde bitte.“ Als eine weitere Minute verstrichen ist, frage ich, ob es irgendein Problem gäbe. Er verneint. Er wolle nur sichergehen, dass die Mail tatsächlich bei mir ankommt.

Nachdem ich ihm bestätigt habe, sie erhalten zu haben, beendet er das Telefonat und wünscht mir noch eine gute Gesundheit. Ich bin mir nicht sicher, ob das eine typische osteuropäische Abschieds-Floskel oder ein Überbleibsel aus der Corona-Pandemie ist. Oder er denkt aufgrund meines passiv-aggressiven Verhaltens, dass ich an einer psychischen Krankheit leide, die hoffentlich geheilt werden kann.

Zwei Stunden später bekomme ich eine weitere Mail von Opodo. Nach meinem letzten Flug hätte ich einen 70-Euro-Voucher erhalten. Um diesen einzulösen, müsse ich lediglich meine Prime-Mitgliedschaft reaktivieren. Beim Lesen frage ich mich, für wie doof Opodo mich eigentlich hält. Bestimmt hat Kris die Mail geschickt.

13. Oktober 2023, Berlin

Der Sohn fährt mit ein paar Freunden nach Hamburg. Auf ein Konzert eines Kreuzberger Rappers, für dessen Auftritt in Berlin sie keine Karten bekommen hatten. Ich weiß nicht, wie der Rapper heißt. Obwohl der Sohn es mir schon mehrfach gesagt hat.

Bin ich ein schlechter Vater, der sich nicht für die Musik seines Kindes interessiert? Ich glaube nicht. Das liegt schlicht an meinem schlechten Namensgedächtnis. Bei einem Großteil seiner Lehrer*innen kann ich auch nicht sagen, wie sie heißen. Was, wenn ich das so lese, ein noch schlechteres Licht auf mich wirft. (Es sind aber einfach zu viele und sie wechseln zu häufig.)

Andererseits weiß der Sohn auch nicht, was ich für Musik höre, und kennt keinen einzigen meiner ehemaligen Lehrer mit Namen. Von daher würde ich sagen, wir sind quitt.

14. Oktober 2023, Berlin

Einer der Mitbewohner der Tochter muss ausziehen. Er hatte mehrfach gegen Hausregeln verstoßen und sich aggressiv verhalten, so dass sich insbesondere die weiblichen Bewohnerinnen in seiner Gegenwart bedroht fühlten.

Der Landlord nahm die Sorgen seiner Mieterinnen ernst und kam sofort vorbei, um gegenüber dem Mitbewohner eine letzte Warnung auszusprechen. Er habe sich an die Regeln zu halten und aggressives Gebaren würde nicht toleriert.

Der junge Mann war wenig einsichtig, baute sich bedrohlich vor dem Landlord auf und herrschte ihn an, er wisse gar nicht, was er mit Aggressionen meine, und was er alter Mann überhaupt von ihm wolle. Er hat nun eine Woche Zeit, sich eine neue Unterkunft zu suchen.

15. Oktober 2023, Berlin

Inzwischen hat meine Frau auch noch Süßigkeiten für die Adventskalender besorgt. Anderthalb Monate vor dem 01. Dezember. Wie soll das gut gehen? Wahrscheinlich gar nicht. Aber egal, die Kinder sind eigentlich sowieso zu alt für Adventskalender. Eine Aussage, die bei der Tochter bei unserem abendlichen Video-Telefonat einen Gesichtsausdruck hervorruft, der gleichzeitig Empörung und Entsetzen zeigte.

Ich erkläre, sie und ihr Bruder könnten uns ja mal einen Adventskalender schenken. So wie mein Bruder und ich damals einen für unsere Eltern gebastelt hätten. Aus 24 Streichholzschachteln, die wir zusammenklebten, mit goldenen Sternen verzierten und mit kleinen Überraschungen befüllten. Unsere Eltern mussten dann jeden Morgen in ekstatische Verzückung ausbrechen, wenn sie aus dem aktuellen Schächtelchen ein zerbrochenes Plätzchen, eine 5-Pfennig-Münze oder irgendwelchen Tand hervorgeholt hatten.

Auf so etwas würden wir seit fast 20 Jahren warten, sage ich zur Tochter. Sie erwiderte, dass sei ja wohl unsere eigene Schuld, dass wir keinen Adventskalender von ihnen bekämen. Anscheinend hätten wir unsere Kinder schlecht erzogen. Damit könnte sie recht haben.


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Eine kleine Wochenschau | KW41-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


09. Oktober 2023, Berlin

Meine Frau hat Süßigkeiten für Halloween gekauft. Vier Wochen vor Halloween. Weiß sie denn gar nicht, mit wem sie seit über 25 Jahren zusammen ist?

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Familien-Gedöns der Woche (477)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW40-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


02. Oktober 2023, Berlin

H., unsere Nachbarin über uns, hat zum Geburtstag eingeladen. Familie, Kolleg*innen und Freund*innen. Aus dem Haus ist noch P. aus dem dritten Stock da.

Vor einiger Zeit habe ich in der Wochenschau geschrieben, dass ich, wenn ich die Wohnung verlassen will und höre, jemand kommt die Treppe runter oder hoch, manchmal warte, bis die Person weg ist und dann erst die Tür öffne. Und mit manchmal meine ich immer. Ich dachte stets, das sei ein unnormales Verhalten und liege daran, dass ich eher introvertiert und sozial etwas gestört bin.

Auf der Feier erzählt H., dass sie das auch so handhabt. P. meint, er ebenfalls, schließlich wolle man niemanden im Treppenhaus stören. Es stellt sich heraus, dass keiner aus der Wohnung geht, wenn er oder sie draußen jemanden hört.

Dabei haben wir eine wirklich gute Hausgemeinschaft. Die Nachbar*innen verstehen sich gut, alle sind rücksichtsvoll, es werden Päckchen füreinander angenommen und wir helfen uns gegenseitig mit Mehl, Eiern oder Werkzeug aus. Nur im Treppenhaus wollen wir uns nicht begegnen. Vielleicht sind wir alle sozial etwas gestört.

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Eine kleine Wochenschau | KW40-2023 (Teil 2)

Teil 1


06. Oktober 2023, Berlin

Heute ist Tag des Lächelns. Ein Gedenktag der in Berlin nur von sehr wenigen Menschen begangen wird.

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Der Fensterputzer war da. Einer der schönsten Tage im Jahr. Zum einen hat G., der Fensterputzer, so eine positive Ausstrahlung. Stets gut gelaunt und erledigt seine Arbeit immer mit Freude und Engagement. Das wirkt geradezu ansteckend. Zum anderen gibt es kaum etwas befriedigenderes als saubere Fenster. Wenn du wieder richtigen Durchblick hast und dich beim Rausschauen nicht fragst, woher der Sepia-Filter kommt.

Die Freude über die sauberen Fenster wird allerdings dadurch etwas eingeschränkt, dass meine Brille schmutzig ist. Das trübt den Durchblick ein wenig. Ich hätte G. bitten sollen, sie auch zu putzen.

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Es klingelt nachmittags. Der DHL-Bote bringt ein großes, schweres Paket. Für mich. Das ist ungewöhnlich. Normalerweise ist meine Frau fürs Online-Shopping zuständig.

Der Absender sagt mir nichts. Vielleicht sind es irgendwelche Werbe-Produkte. Die bekomme ich manchmal von Firmen ungefragt zugeschickt, in der Hoffnung, ich schreibe auf dem Blog darüber. Mache ich aber nicht. Ich werfe die Sachen immer weg. Schließlich möchte ich meine Integrität und Unabhängigkeit wahren. (Vor allem hat mich noch nie etwas davon auch nur ansatzweise interessiert.)

Ich öffne das Paket. Es enthält Müllbeute. Sehr viele Müllbeutel. Mit 60 Liter Fassungsvermögen. Für unseren großen Küchenmülleimer. Die habe ich tatsächlich bestellt. Das war ein Sonderangebot für vier Rollen. Dadurch war der einzelne Beutel ein paar Cent günstiger als beim Kauf von einzelnen Rollen. Das Angebot galt allerdings nur bei einer Mindestabnahme-Menge von sechs Vierer-Päckchen.

Nun liegen auf unserem Küchentisch 24 Müllbeutel-Rollen. Das heißt 240 Müllbeutel. Den großen Eimer nutzen wir nur für Restmüll. Da wir Papier, Plastikabfälle und Biomüll extra sammeln, dauert es circa zwei Monate, bis der 60-Liter-Eimer voll ist. Das heißt, ich muss erst in 40 Jahren wieder neue Müllbeutel kaufen. Vielleicht auch nie wieder.

07. Oktober 2023, Berlin

Heute ist Glücklich-trotz-Glatze-Tag. Noch nicht für mich, Gedenktag-Erfinder, noch nicht für mich.

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Beim morgendlichen Laufen komme ich an der Spree an einem Spielplatz vorbei. Eine junge Mutter schubst gerade ihre circa dreijährige Tochter auf der Schaukel an. Höher und immer höher, das Mädchen juchzt vor Freude. Ich lächle die beiden an, die Mutter lächelt zurück.

Junge Frauen, die einen anlächeln. Der Tag könnte schlechter starten, finde ich. Allerdings möchte ich nicht ausschließen, dass sie gedacht hat: „Der sieht nett aus. Wäre bestimmt ein guter Vorlese-Opa für die Kita.“

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Der Amazon-Algorithmus empfiehlt mir das Buch „How to write funnier“. Die künstliche Intelligenz wird immer besser.

08. Oktober 2023, Berlin

Der Sohn hat heute Berliner U18-Mannschaftsmeisterschaft. Der Wettkampf findet ungünstigerweise in Wartenberg statt. Ungünstigerweise weil das vierzehn Kilometer von Moabit entfernt ist, aber immer noch in Berlin liegt und gut mit dem ÖPNV mit nur einmal Umsteigen erreichbar ist. Somit gibt es keine Argumente, die rechtfertigen, dem Turnier als Eltern fernzubleiben. Außerdem ist es eines der letzten Turniere des Sohns als „Kind“. Da kann man sich das schon mal anschauen.

Die Mannschaft des Sohns startet leicht gehandicapt. Die Hälfte der Teammitglieder fällt verletzungsbeding aus oder hat ihre Gewichtsklasse verfehlt. Sie werden trotzdem zweiter. Das nächste Turnier ist die Nord-Ost-Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Irgendwann im November. Irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. Mal schauen, wie gut das ÖPNV-mäßig angebunden ist.


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