Eine kleine Wochenschau | KW36-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


04. September 2023, Berlin

Unter unserem Balkon unterhalten sich zwei junge Frauen. Die eine erzählt, ihr Professor hätte verboten, dass während des Seminars gestrickt wird. Sie hat dafür kein Verständnis. „Ich kann doch gleichzeitig stricken und zuhören.“ Die andere Frau pflichtet ihr bei: „Genau. Und ich kann auch nicht stricken und trotzdem nicht zuhören.“

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Eine kleine Wochenschau | KW36-2023 (Teil 2)

Teil 1


08. September 2023, Berlin

Die Vorsitzende des Bundeselternrats, Christiane Gotte, hat sich in einem Interview gegen „lottrige Kleidung“ von Schüler*innen ausgesprochen. Sie findet, es solle an Schulen einen verbindlichen Kleiderordnung-Konsens geben, damit Schüler*innen nach Hause geschickt werden können, um sich ordentlich anzuziehen.

„Lottrige Kleidung“ hört sich für mich nach 60er/70er-Jahre-Lausbubenfilmen mit Hansi Kraus und Theo Lingen an. Die Vorstandsmitglieder des Bundeselternrats sehen alle auch ein bisschen so aus, als wären sie mit diesen Filmen aufgewachsen.

Trotzdem muss ich zugeben, dass ich so spießig bin, dass ich denke, Schüler*innen sollten sich in der Schule angemessen anziehen und nicht so, als gingen sie ins Schwimmbad oder in die Disco. (Dass ich das Wort Disco statt Club verwende, zeigt, wie spießig ich bin. Zumindest sage ich nicht Tanzlokal.)

Andererseits frage ich mich, wie der Bundeselternrat dazu gekommen ist, dass die Kleiderordnung das drängendste Problem an Schulen ist und dass ihre begrenzten Ressourcen am besten eingesetzt sind, wenn sie darüber eine Diskussion anstoßen.

„Herzlich willkommen zur Vorstandssitzung. TOP 1: Was ist das wichtigste Schulthema, zu dem wir Interviews gegen sollten?“
„Wie wäre es mit fehlendem Lehrpersonal und inakzeptabel vielem Unterrichtsausfall?“
„Ich weiß nicht. Das ist halt so. Vielleicht baufällige Gebäude und eklige Toiletten?“
„Joah. Oder fehlende Chancengleichheit?“
„Betrifft uns alle nicht. Wir könnten die unzureichende Digitalisierung anprangern.“
„Auf keinen Fall. Das ist zu sehr Neuland. Außerdem sind Handys Teufelszeug.“
„Okay, ich hab’s: Lottrige Kleidung!“
„Spitze, das nehmen wir.“

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Die Polizei Landau veröffentlicht eine Pressemitteilung mit der schönen Überschrift: „Rentner raufen sich mit Rechen.“ Wahrscheinlich hat der Volontär aus der Presseabteilung kürzlich den Kurs „Schöner Schreiben mit Alliterationen“ belegt.

In der Gemeinde Lustadt gerieten zwei 77-jährigen Männer über ein paar Pfandflaschen in Streit und diesen trugen sie mit Rechen aus. Das muss ein ziemliches Spektakel gewesen sein, denn der Senioren-Zweikampf verlagerte sich sogar bis vors Rathaus. Dort trennte die Polizei die „völlig erschöpften“ Rentner.

Da soll noch jemand sagen, das Dorfleben wäre langweilig. So viel Action habe ich in 25 Jahren in Berlin nicht erlebt.

09. September 2023, Berlin

Stehe wieder vor dem Zahnpasta-Regal bei dm. Natürlich habe ich vergessen, zuhause meine Zahnpasta zu fotografieren. Dafür bin ich mir aber sehr sicher, dass sie von blend-a-med ist. Davon gibt es im Regal nur eine Sorte. (Übrigens rechts unten. Als hätte jemand sie absichtlich so weit wie möglich von ihrem ursprünglichen Ort platziert, um mich maximal zu verwirren.)

Die Schachtel sieht aber anders aus. Sie ist mehr in grün gehalten, die meiner Stamm-Zahncreme ist eher bläulich. Vielleicht wurde nur das Verpackungsdesign geändert. Wahrscheinlich hat irgendwer bei Procter & Gamble gesagt: „Lasst uns ein Späßchen mit Christian machen und die Verpackung neu gestalten.“ „Ja und dann sagen wir dm noch, sie sollen das Zahnpasta-Regal neu sortieren. Das wird eine Gaudi.“

Ich kaufe die Zahnpasta trotz der abweichenden Verpackung. Daheim muss ich feststellen, dass die Cremes nicht identisch sind. Meine bisherige trägt die Bezeichnung „Complete Protect Expert“, die neu gekaufte „Complete Expert“. Ich bin mir nicht sicher, was besser ist. Die alte Zahncreme, weil sie ein kompletter Schutz-Experte ist, oder die neue, weil sie Experte für alles ist?

Ansonsten versprechen beide Tiefenreinigung sowie Schutz gegen Karies, Zahnstein und Plaque und Schutz für Zahnschmelz und Zahnfleisch. Außerdem sorgen sie angeblich für frischen Atem und natürliches Weiß.

Die neue Zahncreme wirbt noch extra mit einem 24-Stunden-Schutz gegen Plaque. Aber nur, wenn du zweimal täglich die Zähne putzt. Heißt das, ich muss mich nach dem zweiten Putzen 24 Stunden lang nicht um meine Zahnhygiene kümmern? Oder bekomme ich dann Karies, habe aber keine Plaque? Und sieht man den Karies mehr bei den plaquelosen Zähnen?

Beim ersten Ausprobieren stellt sich heraus, dass sich nicht nur das Verpackungsdesign, sondern auch die Rezeptur geändert hat. Die neue Zahnpasta ist nicht weiß, sondern bläulich und anstatt einer körnigen hat sie eine gelartige Konsistenz. Außerdem schmeckt sie anders. Und anders heißt natürlich weniger gut. Was für Monster arbeiten eigentlich bei Procter & Gamble?

10. September 2023, Berlin

Der Sohn war gestern auf einer Geburtstagsparty. Zuhause bei L. Mit 50 Gästen. Die Eltern von L. waren nicht da. Ich weiß nicht genau, ob ich das mutig oder wahnsinnig finde.

Die Polizei wäre zweimal gekommen, weil sich Nachbar*innen beschwert hätten, erzählt der Sohn. Beim zweiten Mal hätten sie die Gäste alle nach Hause geschickt. Die Polizisten waren aber durchaus beeindruckt. „Krasse Party“, meinte einer von ihnen.

In den Augen des Sohns war die Geburtstagsfeier somit ein voller Erfolg. Die Nachbar*innen sehen das wahrscheinlich etwas anders.


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Eine kleine Wochenschau | KW35-2023 (Teil 2)

Teil 1


31. August 2023, Berlin

Heute ist Iss-draußen-Tag. Wahrscheinlich wurde er von Wespen erfunden.

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Der Sohn hat heute Abend mal wieder Exkursion mit dem Philo-LK. Diesmal geht es nicht ins Gefängnis, sondern ins Kino. In Barbie.

Eine interessante Filmwahl. Wir mussten damals noch Literaturverfilmungen wie Homo Faber oder Hamlet mit Mel Gibson im Original anschauen. Das ist jetzt aber keine Früher-war-alles-besser-Klage. Aus mir spricht einfach der pure Neid.

Bei dem Hamlet-Film erinnere ich mich nur noch daran, dass ich fast kein Wort verstanden habe. Und bei Homo Faber konnte unser Lehrer den Titel nicht aussprechen, ohne dass irgendjemand von uns pubertierenden Jungs angefangen hat zu lachen.

01. September 2023, Berlin

Der Sohn hat heute Geburtstag. Er wird 17. Seine Geburt war auch an einem Freitag. Da es ein geplanter Kaiserschnitt sein musste, legten wir ihn direkt vors Wochenende. So hatte ich danach zwei Tage frei und konnte Urlaubstage sparen, was wir praktisch fanden. So viel zum Zauber der Geburt.

Ich brachte die Tochter damals frühmorgens in die Kita, meine Frau fuhr mit S- und U-Bahn ins Virchow-Klinikum. Das sparte uns Taxi-Kosten, was wir ebenfalls praktisch fanden.

Rund zwei Stunden später ruhte sich meine Frau auf der Intensivstation von den Strapazen des Kaiserschnitts aus, ich saß mit dem Sohn auf dem Arm in einem Sessel und wir lernten uns kennen. Beziehungsweise ich lernte den Sohn kennen, er dachte wahrscheinlich: „Wo zur Hölle bin ich hier, wer ist dieser Typ und wenn er verdammt nochmal nicht sofort aufhört, mir irgendetwas ins Ohr zu flüstern, fange ich an zu schreien.“

Obwohl heute Schule ist, haben wir Zeit für ein gemeinsames Geburtstagsfrühstück. Wegen des Kinobesuchs gestern Abend lässt der Philosophie-Lehrer heute Morgen die ersten beiden Stunden ausfallen. Zu meiner Schulzeit hätte es so etwas nicht gegeben. Ein weiterer Beleg, dass früher nicht alles besser war.

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Meine Frau schickt eine WhatsApp-Nachricht und beschwert sich, LinkedIn hätte ihr einen Job als Referentin bei der Jungen Union vorgeschlagen. Ich schreibe zurück, es sei doch schön, dass sie für jung gehalten wird. Sie meint aber, bei der Jungen Union giltst du bestimmt noch mit 60 als jung. Damit hat sie wahrscheinlich recht. Zumindest was das geistige Alter angeht.

02. September 2023, Berlin

Laut Marathon-Vorbereitungsplan muss ich heute 35 Kilometer laufen. Das ist lang. Ich laufe am Hohenzollernkanal entlang, so wie gestern schon. Das ist langweilig. Die letzten zwölf Kilometer muss ich in Endbeschleunigung im Marathontempo laufen. Das ist anstrengend.

Ich habe noch leichten Muskelkater von gestern, weil ich bei meinem 20-Kilometer-Lauf fünf Steigerungsläufe machen musste. Da hatte ich bereits Muskelkater von den Drei-Kilometer-Intervallen vom Mittwoch, als ich noch Muskelkater vom Halbmarathon am Sonntag hatte. Die Marathonvorbereitung ist ein einziger Muskelkater.

Um mich vom Muskelkater abzulenken, höre ich beim Laufen Podcast. Die Hotel-Matze-Folge mit der spanischen Porno-Produzentin Paulita Pappel. Sie erzählt, als sie Mitte der 2000er Jahre nach Berlin kam, hätte sie die Erfahrung gemacht hat, dass deutsche Männer nicht flirten können. Ich bin ein sehr guter Beleg für diese These. An Karneval hat mich mal eine Frau gefragt, ob ich schwul oder verheiratet sei. Ich wollte zurückfragen, was ihr lieber wäre, aber da hatte sie sich schon jemand anderem zugewandt, mit dem sie dann später geknutscht hat.

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Als ich vom Laufen nach Hause komme und gerade meine Schuhe vor der Wohnungstür ausziehe, höre ich, wie ein paar Etagen über uns jemand abschließt und polternd die Treppe runterstürmt. Unser Nachbar P. erscheint auf dem Treppenabsatz. Er entschuldigt sich, er hätte mich nicht erschrecken wollen – was er gar nicht hat –, aber er müsse sich beeilen. Sie hätten heute Einschulung und weil er sein Hemd schon vorher durchgeschwitzt hatte, musste er sich schnell umziehen. Dann rennt er den Rest der Treppe hinunter und aus dem Haus.

So schnell wie P. läuft, vermute ich, dass er nochmal zurückkommen muss, um sich ein weiteres Mal umzuziehen.

03. September 2023, Berlin

Sachen, die diese Woche am Straßenrand gelegen haben:

  • eine blaue Jeans
  • eine karierte Stola
  • eine einzelne pinke Kindersocke
  • ein einzelner Badelatschen
  • eine kaputte Badewanne
  • ein kaputtes Bettgestell
  • ein Sofa ohne Stoffbezug

Das hört sich jetzt an, als wohnten wir im Ghetto, wo jeder seinen Müll wild auf der Straße entsorgt. Tatsächlich ist es hier aber relativ sauber und auf dem Gehweg liegen nur vereinzelte Dosen oder Süßigkeitenverpackungen rum und so gut wie gar keine Hundehaufen. Möglicherweise lebe ich schon zu lange in Berlin, dass ich das für „relativ sauber“ halte.


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Eine kleine Wochenschau | KW35-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


28. August 2023, Berlin

Die Tochter erzählt, eben auf dem Heimweg seien zwei Männer im Auto an ihr vorbeigefahren, hätten das Fenster runtergekurbelt und ihr hinterhergepfiffen. Für sie – wie die allermeisten Frauen – ist das keine Seltenheit. Im Gegenteil. Als sie während der Corona- Lockdowns täglich mit ihrer besten Freundin spazieren ging, gab es keinen einzigen Tag, an dem ihnen nicht hinterhergepfiffen oder -gerufen wurde.

Das erste Mal passierte der Tochter so etwas mit 14. Da sprach sie ein ungefähr 30-jähriger Typ auf der Straße an und wollte ihre Nummer haben. Sie holte ihr Handy raus und sagte, wenn er sie nicht in Ruhe ließ, würde sie die Polizei rufen. Glücklicherweise funktionierte das und er ging weiter.

Heute nahm der Catcalling-Vorfall eine sehr befriedigende Wendung. Die beiden Männer waren durch ihre Hinterherpfeiferei so abgelenkt, dass sie das vor ihnen abbremsende Auto nicht bemerkten und ihm hinten drauf fuhren. (Nur mit Blech-, ohne Personenschaden.) Geschieht ihnen recht. Oder wie die Tochter es nennt: „Instant Karma.“ Dabei lacht sie dreckig, was ich durchaus für angemessen halte.

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Familien-Tweets und -Tröts der Woche (471)

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Eine kleine Wochenschau | KW34-2023

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21. August 2023, Berlin

Heute ist Dirty-Dancing-Tag. Als ich den Film Ende der 80er im Kino gesehen habe, war ich Team Jennifer Grey und fieberte mit ihr mit, ob sie und Patrick Swayze aka Johnny zusammenkommen, und fand den Vater, der ihr das verbieten wollte, super spießig.

Mehr als 25 Jahre später sehe ich das etwas anders. In dem Film geht es um eine Minderjährige, die im Urlaub von einem Tänzer verführt wird, der zehn bis fünfzehn Jahre älter ist und einen eher unsteten Lebenswandel führt. Und den es anscheinend nicht stört, dass das 17-jährige Objekt seiner Begierde „Baby“ genannt wird. Da bin ich inzwischen Team Vater und würde mich auch nicht umstimmen lassen, weil die beiden so schön miteinander tanzen.

(Außerdem hat Patrick Swayze in „Fackeln im Sturm“ beim Heulen immer so viel gerotzt. Das fände ich, wenn er meine Tochter heiraten und bei der Hochzeit vor Rührung weinen würde, sehr unästhetisch.)

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Eine kleine Wochenschau | KW34-2023 (Teil 2)

Teil 1


25. August 2023, Berlin

Um meine Ernährung doch etwas nachhaltiger und klimafreundlicher zu gestalten, habe ich heute einen veganen „Joghurt“ gekauft. Dieser ist laut Etikett ein fermentiertes Erzeugnis – was auch immer das sein soll – mit Erbsen- und Ackerbohnenprotein – was auch immer das sein soll – sowie aktiven Joghurt-Kulturen, von denen ich ebenfalls nicht weiß, was sie eigentlich sind. Sie sollen für einen cremig milden Geschmack sorgen.

Sagen wir so: Ich möchte nicht behaupten, die Joghurt-Simulation riecht und schmeckt nach Kotze, aber auch nicht viel besser. Wenigstens lässt sich das Pappetikett von dem Plastikbecher lösen, so dass ich beides separat entsorgen kann. Wenigstens damit habe ich etwas für die Umwelt getan.

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Ich drucke für meine Frau ein Retouren-Label aus. Für eine Jeans, die sie zurückschicken will. Auf dem Rücksendeschein muss ein Grund angegeben werden, warum das Kleidungsstück returniert wird. Meine Frau hat „I don’t like it“ eingetragen. Ich schätze, das war eine der Optionen, aus denen sie auswählen konnte.

Ich finde, „I don’t like it“ ist ein sehr harsches Urteil. Das fühlt sich für die Hose bestimmt nicht gut an. Dabei gäbe es doch sensiblere Antwortmöglichkeiten. Zum Beispiel: „It’s a fine jeans but not for me.” Oder der Klassiker: „Es liegt nicht an dir, sondern an mir.“

26. August 2023, Berlin

Heute ist Tag des Toilettenpapiers. Wahrscheinlich wurde der im ersten Corona-Lockdown erfunden.

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Nachmittags muss ich nach Steglitz. Dazu habe ich gar keine Lust. Aber sowas von nicht. Ich habe per se nichts gegen Steglitz. Außer dass es knapp neun Kilometer von Moabit entfernt ist und ich nur hinmuss, um mir eine Startnummer für den morgigen Halbmarathon abzuholen. Die Nummer ist ungefähr DIN A 4 groß, passt in einen Briefumschlag und könnte problemlos per Post verschickt werden. Ich würde dafür auch bezahlen. Sogar mit Aufschlag.

Aber nein, ich muss knapp 40 Minuten durch die halbe Stadt radeln, in ein 70er-Jahre Einkaufszentrum latschen, meinen Ausweis und die Bestätigungsmail vorzeigen, damit ich dann meine Startnummer ausgehändigt bekomme. Ein Vorgang, der ungefähr 60 Sekunden dauert, bevor ich wieder knapp 40 Minuten durch die halbe Stadt radle. 39 Minuten davon denke ich darüber nach, dass ich morgen früh um kurz nach 7 die Strecke wieder zurücklegen muss.

27. August 2023, Berlin

Als ich letztes Jahr zu dem Steglitz-Lauf fuhr, sah ich früh morgens im Tiergarten zwei Leute, die Sex hatten. Heute bleibt die Fahrt ereignislos.

Friseur-Namen auf dem Weg nach Steglitz:

  • Helgas Salon
  • Unique Salon
  • Golden City Friseur
  • Friseur Erkan (aber kein Friseur Stefan)
  • Original Cut Masters
  • Becky’s Haar-Stübchen
  • Abschnitt 37
  • Ali Barber
  • Mata Haari
  • Hairlich Deluxe
  • Haarchitect

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Die Temperatur liegt bei circa 15 Grad, der Himmel ist leicht bedeckt und es weht eine erfrischende Brise. Eigentlich ziemlich ideale Bedingungen für einen Halbmarathon. Das verleitet mich in einer Mischung aus Übermut und Wahnwitz zu der Idee, heute unter 1:35 zu bleiben, mehr als eine Minute unter meiner Bestzeit.

Am Anfang läuft es recht gut und ich bleibe immer knapp unter den erforderlichen Zwischenzeiten. Zur Hälfte bin ich 30 Sekunden schneller als vorgesehen. Wie so ein Volltrottel, der noch nie einen Volkslauf mitgemacht hat. In der zweiten Hälfte zerreißt es mich förmlich und ich bleibe Kilometer für Kilometer hinter den Zielzeiten zurück und immer deutlicher, je länger der Lauf dauert.

Positiv ist nur, dass ich nicht, wie es mir mein innerer Schweinehund vorschlägt, ab Kilometer 18 den Rest der Strecke zum Auslaufen nutze, sondern weiterhin versuche, so schnell zu laufen, wie es mir noch möglich ist. Links und rechts ziehen die Läufer*innen, die sich das Rennen besser eingeteilt haben, zügig an mir vorbei. Ich dagegen überhole niemanden, weil sich anscheinend keine*r den Lauf noch schlechter eingeteilt hat als ich.

Als wäre das nicht schon unschön genug, verpasst mir der Laufgott eine zusätzliche Nackenschelle und lässt mich in 1:40:08 die Ziellinie überqueren, also noch nicht einmal unter 1:40. Vielen Dank für diese wertvolle Lektion.

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Heute ist der letzte Tag der Sommerferien. Da gehen wir traditionell zur Eisdiele um die Ecke und essen Spaghettieis aus der Waffel. Außer die Tochter. Die mag kein Spaghettieis. (Elterliches Scheitern hat viele Gesichter.) Sie nimmt stattdessen ein Eis mit dem grenzwertigen Namen Bimbo-Wunder, das aus drei Kugeln deiner Wahl, Sahne und einer Menge bunter Streusel sowie Mini-Smarties besteht. Die Tochter hat gerade Besuch von einer Freundin, die sie in Stockholm kennengelernt hat. Die bekommt natürlich auch ein Eis und entscheidet sich – aus Solidarität – ebenfalls für ein Bimbo-Wunder.

Meine Frau und ich sind etwas wehmütig. Es ist das letzte Mal, dass wir unser Sommerferienende-Spaghettieis-Ritual pflegen können. Nächstes Jahr macht der Sohn – voraussichtlich – Abitur, beide Kinder sind dann mit der Schule fertig, es gibt für uns keine Sommerferien mehr und somit keinen Grund, am letzten Ferientag Spaghettieis zu essen.

Dafür können wir ab nächstem Jahr außerhalb der Feriensaison Urlaub machen, dadurch Geld sparen und jeden Tag Eis futtern. Das Sommerferienende-Spaghettieis-Glas ist vielleicht doch halbvoll.


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Familien-Tweets und -Tröts der Woche (470)

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https://twitter.com/Miez_E_Katze/status/1693334741498384840
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Eine kleine Wochenschau | KW33-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


14. August 2023, Berlin

Der Sohn ist bis Samstag im Judo-Trainingslager, die Tochter besucht für ein paar Tage die Großeltern im Westerwald. Meine Frau und ich können uns diese Woche also in der Rolle der Empty Nester üben. Ausprobieren, wie es so ist, wenn die Kinder groß und aus dem Haus sind.

Unsere Freizeitmöglichkeiten sind schier grenzenlos. Wir könnten uns ins Kulturleben stürzen, ins Kino gehen oder Restaurants und Bars besuchen und anschließend die Clubs der Stadt unsicher machen. (Sofern wir reingelassen werden.)

Wobei wir das alles auch sonst machen könnten. Die Tochter wohnt schließlich inzwischen den größten Teil des Jahres in Irland und der Sohn ist 16, da liegt er abends nicht im Bett und weint, wenn wir nicht da sind. Ich bin mir nicht sicher, ob es ihm überhaupt auffallen würde.

Daher habe ich meine Zweifel, ob wir diese Woche kulturell, sozial und gastronomisch wahnsinnig aktiv sein werden. (Im Hintergrund nickt die Couch und kratzt sich am Kopf.)

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