Eine kleine Wochenschau | KW33-2024 (Teil 2) (mit Buchverlosung)

Teil 1


15. August 2024, Berlin

Lese morgens meinen gestrigen Google-Suchverlauf nach:

  • Fledermaus Wohnung
  • Fledermaus Wohnung wieder raus
  • Fledermaus Wohnung wie fangen
  • Fledermaus Wohnung wen anrufen
  • Hotelzimmer Berlin kurzfristig

16. August 2024, Berlin

Eine PR-Agentur schickt mir eine Einladung in ein Wellness-Hotel in den Dolomiten. Normalerweise mache ich prinzipiell keine Blog-Kooperationen, weil mir das zu langweilig und doof ist. Außerdem will ich mir meine Unabhängigkeit bewahren.

Schaue mir trotzdem mal die Website des Hotels an. Die wartet mit atemberaubenden Landschaftsfotos auf, die Hotelanlage ist ansprechend weitläufig gestaltet, die Zimmer sind zwar mit viel Holz eingerichtet, sehen aber trotzdem modern und gemütlich aus, und bei den Bildern zum kulinarischen Angebot läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

Warum nicht doch mal eine Kooperation machen, überlege ich mir. Ein paar Tage entspannen, sich verwöhnen lassen und ein paar launige Texte darüber schreiben. Das wird mich schon nicht korrumpieren.

Bevor ich meine Antwort formulieren kann, erhalte ich eine zweite Mail der Agentur. Ich sei versehentlich auf dem Verteiler gelandet und sie bitten die damit verbundenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen. Somit endet meine erste Blog-Kooperation, bevor sie begonnen hat.

17. August 2024, Berlin

Überrasche den Sohn, der zu mir ins Arbeitszimmer kommt, weil ich Antilopen-Gang höre. „Bist du jetzt Deutsch-Rap-Fan?“, fragt er. Aus seinem Blick spricht gleichermaßen Respekt und Befremden gepaart mit einer Brise Fremdscham.

Erkläre ihm, dass Danger Dan der Sänger der Antilopen-Gang sei, was dem Sohn neu ist, weil er nur dessen Klavieralbum kennt. Verzichte darauf, meine Ausführung mit „Yo, bro.“ zu beenden, um das zarte Pflänzlein der Anerkennung meines Sohnes nicht leichtfertig zu zerstören.

Aus dem gleichen Grunde verschweige ich lieber, dass ich eigentlich auf der Suche nach einem Duett von Danger Dan mit Sebastian Krumbiegel von den Prinzen war, das mit Deutsch-Rap weniger zu tun hat als Heinos „Schwarzbraun ist die Haselnuss.“

18. August 2024, Berlin

Vor unserem Haus läuft ein Mann auf und ab, lautstark telefonierend, in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Vielleicht irgendetwas osteuropäisches. Im Laufe des Gesprächs echauffiert er sich immer mehr, bis er schließlich in sein Handy brüllt.

Finde das super nervig. Also, nicht die Lautstärke, sondern dass ich nicht weiß, was ihn so erregt.

Buchverlosung: „Mörderischer Sanddorn“ von Sven Trautwein

In einigen Bundesländern sind die Sommerferien schon rum, in anderen noch in vollem Gange. Urlaubszeit ist bekanntlich Krimizeit und es gibt doch nichts Schöneres, als entspannt am Strand zu sitzen, ein kühles Getränk in der Hand, im Hintergrund das Rauschen des Meeres und dabei zu lesen, wie jemand kaltblütig gemeuchelt wird und dann mitzurätseln, wer wohl der Mörder und manchmal auch die Mörderin ist. Daher freue ich mich, „Mörderischer Sanddorn“, den Debütroman von Sven Trautwein, verlosen zu dürfen.

„Mörderischer Sanddorn“ handelt auf 300 Seiten von Mord (bei einem Krimi naheliegend), der dänischen Nordseeküste, einer jungen Kommissarin mit unaufgearbeiteten Familienkonflikten, Windrädern, einem Klimaaktivisten (ohne Kleber), einer Bürgerbewegung und Sanddorn-Spezialitäten (bei dem Titel ebenfalls naheliegend). (Kleiner Spoiler: Der Sanddorn ist nicht der Täter.) Das Buch bietet nicht nur spannende Leseunterhaltung mit Überraschungen und Wendungen, sondern macht auch Lust auf Dänemarkurlaub und auf Sanddorn-Spezialitäten.

Bisher ist „Mörderischer Sanddorn“ ausschließlich als e-Book erschienen, aber bei den zu erwartenden Verkaufszahlen, gibt es sicherlich auch mal eine Print-Version. Netterweise stellt Sven ein „Exemplar“ seines Krimis zur Verfügung (als epub-Datei oder für Kindle), das ich unter den Leser*innen des Familienbetriebs verlose.

Verlosung

Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, muss bis zum 22. August, 18 Uhr, einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen und schreiben, welche Sanddorn-Spezialität sie oder er gerne mal ausprobieren würde. Ein einfaches „Moin“ reicht auch. Oder irgendetwas anderes. Hauptsache ein Kommentar.

Wie immer sind Rechts- und Linksweg ausgeschlossen, eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich, alle E-Mail-Adressen werden nach Abschluss der Verlosung DSGVO-konform gelöscht, bliblablö und es gelten die folgenden Bedingungen. Allen Teilnehmenden viel Glück bei der Verlosung.

Sven Trautwein: Mörderischer Sanddorn. Kriminalroman. Stine Søgårds erster Fall. Ullstein eBooks. 6,99 €. (Affiliate-Link)


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Familien-Gedöns der Woche (515)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW32-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


05. August 2024, Berlin

Mein rechter Knöchel tut weh. Weil ich gestern beim Laufen leicht umgeknickt bin. Wenigstens nicht der linke Fuß, wo schon die Ferse lädiert ist. Wobei, eigentlich ist das doch nicht so gut, denn nun sind beide Füße nur eingeschränkt funktionstüchtig.

Die Familie ist sehr besorgt um meine Gesundheit. Bei jedem Gang durch die Wohnung, vom Wohnzimmer in die Küche oder ins Bad, ermahnen meine Frau und der Sohn mich, ich solle vorsichtig sein, damit ich nicht noch mal umknicke oder gar hinfalle. Ihr Mitgefühl wird meinen Genesungsprozess sicherlich beschleunigen.

Titelbild mit einem blau-weißen Boot in einem Industriehafen
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Eine kleine Wochenschau | KW32-2024 (Teil 2)

Teil 1


Beim abendlichen Olympia-Schauen überlegen wir, in welcher Sportart wir am liebsten teilnehmen würden. Bei meiner Frau wäre es Schwimmen, beim Sohn selbstverständlich Judo.

Ich kann mich nicht so recht entscheiden. Auf jeden Fall nichts mit Pferden und nichts mit Wasser. Möglicherweise Breaking. Das ist neu im olympischen Programm. Früher hieß das Breakdance, aber das ist anscheinend nicht mehr cool genug, weswegen es jetzt unter der Bezeichnung Breaking firmiert. Die Teilnehmer*innen werden B-Girls und B-Boys genannt, sind überwiegend jung und vor allem sehr, sehr cool.

Da wäre es doch lustig, wenn plötzlich ein 49-jähriger, graubärtiger B-Dad auf der Bühne erschiene und losbreakt. Allerdings nur, wenn ich das richtig gut könnte. Mit meinen tatsächlichen rhythmischen und athletischen Fähigkeiten wäre das nicht lustig, sondern der größte Fremdscham-Moment der Olympischen Spiele. (Nicht nur in Paris, sondern ever.)

Dann vielleicht lieber Kajak-Fahren. Da haben die Athleten beeindruckend dicke Arme. (Insbesondere eine der beiden ungarischen Silbermedaillengewinnerinnen. Deren monströs großer Bizeps und Trizeps haben mir fast ein wenig Angst gemacht.) Ich müsste nur aufpassen, nicht ins Wasser zu fallen.

09. August 2024, Berlin

Die Schmerzen im Knöchel sind vollständig weg und ich mache im Stadion ein kleines Aufbautraining. Mit kurzen Laufphasen und langen Gehpausen. Die Seniorinnen-Gymnastikgruppe hat ihren Kurs nach draußen auf den Rasen verlegt. Das ist sehr vorteilhaft für mich, so kann ich mich trotz meines langsamen Tempos für energiegeladen und dynamisch halten kann. Außerdem schaut niemand verächtlich auf mich ab, während ich über die Tartanbahn trotte.

Am Anfang der 100-Meter-Gerade fliegt plötzlich eine Libelle neben mir her. Ich grusele mich ein wenig vor ihrem langen Körper, dem großen Kopf, den glupschigen Augen sowie ihren riesigen Flügel. Als ich die Kurve erreiche, verschwindet sie.

Auf der Gegengerade taucht wieder eine Libelle auf. Frage mich, ob sie zu zweit sind und mich bis zur totalen Erschöpfung über die Tartanbahn jagen wollen. Oder ist das die gleiche von eben, die meinen Angstschweiß gerochen hat und quer über den Platz geflogen ist, um mich abzufangen.

Wobei ich natürlich nicht wirklich Angst vor der Libelle habe. Aber Respekt. Ich stufe Tiere immer danach ein, ob ich in einem Zweikampf Mann gegen Mann beziehungsweise Mann gegen Tier als Sieger hervorgehen könnte. Bei der Libelle bin ich mir nicht sicher. Vielleicht wäre ein Unentschieden drin.

10. August 2024, Berlin

Die Tochter und C. sind beim Erkunden von Kiel im Rotlichtviertel gelandet. Eigentlich wollten sie sich den Hafen anschauen und plötzlich standen sie vor Oben-ohne-Bars, Laufhäusern und anderen Etablissements. Die andere Straßenseite hätte vollkommen normal ausgesehen. Mit Arztpraxen, Rechtsanwälten und Versicherungsbüros.

Eigentlich ganz praktisch für die Prostituierten, falls sie sich mal untersuchen lassen wollen, juristischen Rat brauchen oder eine Versicherung abschließen wollen.

11. August 2024, Berlin

Letzter Tag in Paris. Die letzten zwei Wochen waren wir sehr im Olympia-Fieber und haben viele Stunden vor dem Fernseher verbracht. Der Sohn und ich trafen uns regelmäßig mit unserem Mittagessen auf dem Sofa und schauten während des Essens den Olympionik*innen dabei zu, wie sie Hockey, Tischtennis oder Basketball spielten, ritten, schossen, kletterten, ruderten oder im Judo antraten.

Das letzte Mal, dass ich bei Olympischen Spielen so all in gegangen bin, war London 2012. Damals saßen der Sohn und ich auch häufig gemeinsam auf der Couch und haben das olympische Geschehen verfolgt. Er war fünf und sog alle Informationen wie ein Schwamm auf. Ein paar Wochen später erzählte er dann unvermittelt von einem englischen Radfahrer, wie viele Goldmedaillen er in seiner Karriere schon gewonnen hat und mit welcher Zeit er diesmal das Rennen für sich entschieden hatte. Ich dagegen konnte mich schon wenige Stunden nach der Übertragung nicht mal an den Namen des Mannes erinnern.

Schade, dass die Spiele nun vorbei sind. Dafür habe ich nun Zeit, ab morgen selbst intensiv Sport zu treiben. Dann beginnt die Vorbereitung auf den Köln Marathon Anfang Oktober. Hoffentlich erlaubt mir das meine Ferse, so dass ich sagen kann: „Dabeisein ist alles.“


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Familien-Gedöns der Woche (514)

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Eine kleine Wochenschau | KW31-2024 (Teil 2)

Teil 1


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Fahren in Kiel mit dem Bus vom Bahnhof nach Ellerbek, wo die Tochter und C. wohnen. Auf einem Vierer-Platz sitzt ein Typ mit seinem monströs großen Pitbull. Der Hund ist aber harmlos. Er liegt auf dem Boden und döst vor sich hin. Hund müsste man sein. Dann steht er auf und leckt ausgiebig sein Po-Loch. Vielleicht ist es doch besser, kein Hund zu sein.

Städtebaulich bin ich noch nicht ganz von Kiel überzeugt. Sehr viel Häuser aus rotem Backstein oder mit verklinkerten Wänden, was ja erstmal ganz nett aussieht. Aber auch sehr viel 70er/80er-Architektur, was wiederum von begrenzter Ästhetik ist.

Kommen an einem Spielcasino vorbei mit dem Namen „World of Winners“. Das wohl irreführendste Werbeversprechen seit versucht wurde, uns weiszumachen, Fruchtzwerge seien so wertvoll wie ein kleines Steak.

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14 Uhr, Besuch bei Ikea. Außer uns sind viele Familien mit kleinen Kindern da. Bei denen sind Geduld und Frustrationstoleranz nur noch begrenzt vorhanden. Ein Klangteppich aus Brüllen, Schreien und Kreischen wabert durch das Möbelhaus. Ich denke, so ein Nachmittag bei Ikea ist ein sehr effektives Verhütungsmittel, und rechne nicht damit, dass wir in nächster Zeit Großeltern werden.

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Check-in im Hotel. Die Lobby ist sehr hip eingerichtet. Mit Billiardtisch, Schaukel, Lounge-Sesseln, Popcorn-Maschine, Foto-Box und viel rustikalem Holz, das Craftsmanship suggerieren soll. Ich überlege, ob sich die anderen Gäste fragen, wie sich die zwei Alten hierher verirrt haben. Glücklicherweise erscheint in diesem Moment ein amerikanisches Seniorenpaar an der Rezeption, beide 70 aufwärts. Somit können wir uns doch jung fühlen.

03. August 2024, Kiel/Berlin

Wache morgens ohne jegliches Zeitgefühl auf. Der Helligkeit nach zu urteilen, ist zwischen sechs und zehn ist alles möglich. Körperlich fühlt es sich nach fünf an.

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Starten den Tag mit dem reichhaltigen Hotel-Frühstücksbuffet. Mit verschiedenen Müsli- und Cornflakes-Sorten, Milchreis, Obst und Gemüse, gebratenem Frühstücksspeck, Eiern in unterschiedlichen Aggregatszuständen, veganem und unveganem Belag, Marmelade, Honig und Schokocreme, Brötchen, Laugenstangen, Brot und Zimtschnecken.

Neben der Kaffeemaschine steht ein Waffle-Maker, der aber so kompliziert aussieht, dass ich mich nicht traue, ihn zu benutzen. Ein circa 10-jähriger Junge ist furchtloser und füllt in das Gerät so lange Teig, bis er überläuft, sich auf der Tischplatte ausbreitet und schließlich langsam auf den Boden plätschert. Meine Entscheidung, den Waffle-Maker zu meiden, war also richtig. Sonst stünde ich jetzt wie der Junge da. Mir wäre das sehr unangenehm, der Knabe ist dagegen recht unbekümmert und lässt sich die Waffel-Vorfreude nicht durch ein bisschen Teig-Chaos vermiesen.

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Abstecher in den Baumarkt. Fühle mich unwohl. Alles ist so groß und unübersichtlich. Außerdem schüchtern mich die anderen Männer ein, wie sie in ihren dicken Arbeitshosen mit den unzähligen Taschen und schwerem Schuhwerk zielstrebig durch die Gänge laufen und vor Regalen stehen bleiben, wo sie mit Kennerblick das Sortiment studieren. Ich weiß bei den meisten Gerätschaften nicht einmal, wofür sie überhaupt gut sind. Die Existenz einer Oberfräse lässt mich vermuten, dass es auch eine Unterfräse gibt. Wahrscheinlich liege ich damit falsch.

Die Dutzenden Grills in jedweder Ausführung (Gas, Elektrisch, Kohle) interessieren mich auch nicht. Die Aquarien-Abteilung ruft wiederum unangenehme Zahnarzt-Assoziationen hervor.

Um so zu tun, als gehöre ich hier hin, kaufe ich ein paar Schrauben, die ich für ein Regalbrett in unserer Küche benötige. (Abends werde ich feststellen, dass ich dafür keinen passenden Schraubenzieher habe.)

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17 Uhr, Rückfahrt nach Berlin. Im Bahnhof spricht mich ein Bettler an, ich erkläre ihm entschuldigend, ich hätte kein Bargeld dabei. Darauf schimpft er, das sei doch alles eine riesige Scheiße. Natürlich hat er damit Recht, aber deswegen kann ich trotzdem keine Euro-Münzen herbeizaubern.

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Im Zug preist der Schaffner die gastronomischen Spezialitäten an. Bratwurst-Baguette mit Starnberger Hellem oder Gemüse-Curry und dazu leckeren Weißwein. Da ist für jeden etwas dabei. Ob die Aktionsmenüs kombinierbar sind und der Weißwein auch zur Bratwurst getrunken werden darf, bleibt unklar.

Das Angebot „Ice Cream für unsere kleinen Lieblingsgäste“ richtet sich aber auf jeden Fall ausschließlich an Kinder unter vierzehn. Ich finde, das ist auch eine riesige Scheiße.

04. August 2024, Berlin

Mein Insta-Algorithmus versorgt mich weiterhin mit Angeboten zur Linderung meiner Fersenschmerzen sowie zur allgemeinen Körperertüchtigung. Ein polnischer Yogi rät mir zu einem 30-Tage-Kurs zur Dehnung meiner verkürzten hinteren Oberschenkelmuskulatur, ein finnischer Physiotherapeut meint dagegen, ich müsse unbedingt meine Hüftnerven entspannen. Zusätzlich schlägt mir Insta Faszienrollen, Stretching für Läufer, Dehn-Apps, Vielsitzer-Kurse, Akkupunktur-Matten, Einlagen, Kinesio-Tape und Massagepistolen vor.

Die Kurse, Produkte und Apps sind nicht nur teuer, sondern auch zeitlich herausfordernd. Sie sollen zwar alle nur 20 oder 30 Minuten am Tag in Anspruch nehmen – manchmal sogar nur zwei –, um gelenkig, entspannt und schmerzfrei zu werden. Wenn ich das aber alles summiere, müsste ich auf eine Halbtagsstelle reduzieren, weil ich mehrere Stunden am Tag mit Stretching, Gymnastik, Massagen und Akkupunktur beschäftigt wäre. Belasse es vorerst bei meinem mehrmaligen, zehnminütigem Dehnprogramm. Vielleicht bestelle ich mir noch den Flex-Buddy.


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Eine kleine Wochenschau | KW31-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


29. Juli 2024, Berlin

Unerfreulicher Start in den Tag. Ich habe Geburtstag, ohnehin nicht gerade mein liebster Tag im Jahr. Das ist jedoch nicht der Grund für meine Missstimmung. Aber ich kann nicht in die Küche, wo mein Geburtstags-Überraschungstisch gerichtet ist, und damit ist mein Zugang zur Kaffeemaschine abgeschnitten. Da reicht es für den 29. Juli auf der Lieblingstag-Rangliste nur zu einem Platz weit hinten. Ich muss meine Frau bitten, mir einen Kaffee zu machen, sie bringt mir einen doppelten.

Später bekomme ich einen mehrstöckigen Käsekuchen, was mich mit dem Tag ein wenig versöhnt.

Titelbild mit einem Geburtstagstisch, der mit M+M und Luftschlangen geschmückt ist, in der Mitte steht ein mehrstöckiger Käsekuchen, der oben und am Rand mit Schoko-Bons und Kinderschokolade verziert ist.
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Familien-Gedöns der Woche (513)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

Beitrag von @kriegundfreitag
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Eine kleine Wochenschau | KW30-2024 (Teil 2)

Teil 1


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Abends Beginn der Olympischen Spiele in Paris. Die letzte Eröffnungsfeier, die ich mir komplett angeschaut habe, war 1984 bei den Winterspielen in Sarajevo. Damals ging ich in die vierte Klasse und musste einen Vortrag darüber halten. Ich stellte meinen Kassettenrekorder neben unseren Fernseher, nahm große Teile der Übertragung auf und spielte die qualitativ fragwürdige Aufnahme am nächsten Tag vor der Klasse ab. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie wohlwollend meine Lehrerin meine Multimedia-Präsentation beurteilte.

Die Show in Paris findet erstmals nicht im Stadion statt, sondern in der ganzen Stadt verteilt. Zunächst rennt die französische Fußball-Legende Zinedine Zidane mit der olympischen Fackel durch die verstopften Straßen von Paris, hastet dann in die Metro, um dann mit der Bahn steckenzubleiben. Das macht nicht gerade Hoffnung auf einen reibungslosen ÖPNV während den Spielen.

Zidane gibt die Fackel an drei Kinder weiter. Die sie durch die Katakomben der französischen Hauptstadt, vorbei an einer gruseligen Wand, in die Totenköpfe eingemauert sind. Im Hintergrund sind Ratten zu sehen, in der Kanalisation schwimmt ein Krokodil. (Ich hoffe inständig, dass im Pariser Abwässersystem keine Krokodile leben.)

Plötzlich erscheint ein Boot mit einem mysteriösen Maskenmann, der wie eine Mischung aus Imker, Sportfechter, Phantom der Oper und Hauptfigur aus dem Computerspiel Assassin’s Creed aussieht. Die Kinder gehen trotzdem zu ihm an Bord, was bei mir die Frage aufwirft, ob ihre Eltern ihnen nicht eingebläut haben, niemals mit Fremden mitzugehen und schon gar nicht mit creepy Maskenmenschen, die in der Pariser Kanalisation rumschippern.) Wenigstens ziehen sie Schwimmwesten an. So viel Sicherheit muss sein.

Oberirdisch hüllt ein Feuerwerk eine Brücke in den französischen Nationalfarben ein, dann fahren die Teams auf Booten über die Seine. Insgesamt 85 Schiffe jedweder Größe für die mehr als 150 teilnehmenden Nationen. Das Ganze ist etwas langatmig, denn in erster Linie siehst du Menschen dabei zu, wie sie auf Booten fahren und winken. Bei vielen Ländern habe ich keine Ahnung, wo sie liegen. Zum Beispiel Bhutan, Gabun oder Trinidad und Tobago. Von denen habe ich aber zumindest schon einmal gehört. Was ich von St. Vincent und die Grenadinen, Mikronesien oder Nauru nicht behaupten kann.

Für Abwechslung sorgt ein spektakulärer Ritt durch die französische Geschichte und Kultur, bei dem ein Höhepunkt auf den nächsten folgt. Lady Gaga tanzt und singt mit pink befederten Tänzer*innen, das Moulin-Rouge-Ensemble schwingt beim Cancan die Beine in die Höhe, eine Metal-Band performt mit einer Opernsängerin und einem Chor geköpfter Marie-Antoinettes, eine franko-malische Sängerin tritt mit der Militärkapelle der republikanischen Garde auf, eine Frau singt auf einem Dach die französische Nationalhymne, artistische Street-Sport-Einlagen werden gezeigt, die Minions klauen die Mona Lisa, eine queere Modenschau ist da Vincis letztem Abendmahl nachempfunden, mit Dragqueens, Transmenschen, Behinderten und Halbnackten als Apostel, ein Hochseil-Artist besteigt ein Seil in schwindelerregender Höhe und wird dann irgendwie von der Regie vergessen und nie wieder eingeblendet, eine wilde Dance-Choreo zu einem Club-Hits-Medley der 90er und 00er Jahre beschwört die Einheit Europas, große Frauen der französischen Geschichte werden gewürdigt und schließlich interpretiert eine Sängerin auf einer im Wasser treibenden Scholle John Lennons „Imagine“, ein Mann an einem brennenden Flügel begleitet sie. Ganz großes Kino.

Zwischendurch erscheint immer wieder der Maskenmann, rennt über regennasse Dächer, läuft durch die Kulisse von „Les Miserables“, legt eine Breakdance-Einlage ein, schaut im Louvre vorbei, tanzt und schleppt die Fackel kreuz und quer durch Paris.

Eine silbrig uniformierte Gestalt reitet inzwischen mit der olympischen Flagge auf einem mechanischen Pferd über die Seine zum Trocadéro am Eiffelturm, wo immer mehr Sportler*innen eintreffen. Dort übergibt sie die Fahne an vier Vertreter der französischen Streitkräfte, die diese dann versehentlich falschrum hissen, mit den zwei Ringen nach oben, aber das kann in dem Tohuwabohu ja mal passieren.

Die Reden des Vorsitzenden des Organisationskomitees und von IOC-Präsident Thomas Bach folgen, was mir die Gelegenheit gibt, die Spülmaschine einzuräumen.

Ich bin rechtzeitig aus der Küche zurück, als der Maskenmann auftaucht und die olympische Fackel an Zidane übergibt, der es trotz stehengebliebener U-Bahn irgendwie zum Eiffelturm geschafft hat. Der Franzose humpelt über die langgezogene Bühne, auf der ihm Rafael Nadal nicht minder schwerfällig entgegenkommt. Diesen streckt er nicht mit einem Kopfstoß nieder, sondern händigt ihm die Flamme aus.

Mit der geht der spanische Tennisprofi zu einem kleinen Boot, auf dem schon der US-Leichtathlet Carl Lewis, die rumänische Kunstturnerin Nadia Comăneci sowie die Tennisspielerin Serena Williams auf ihn warten. In rasanter Fahrt schießen sie über die wellige Seine, wobei keiner der Vier den Eindruck macht, besonders viel Spaß zu haben. Insbesondere Carl Lewis sieht aus, als müsste er sich jeden Moment über die Reling erbrechen.

Am Ufer angekommen, geht die Fackel an Amelie Mauresmo – wieder eine Tennisspielerin –, die sich damit Richtung Louvre aufmacht. (Der Maskenmann fragt sich derweil, warum er eigentlich durch ganz Paris gerannt ist, wenn die scheiß Flamme jetzt wieder zurückgebracht wird.) Am Eingangsbereich des Louvre-Geländes übernimmt ein französischer Basketball-Star die Fackel. Sein Laufstil ist ähnlich unrund wie bei Zidane und Nadal, was darauf schließen lässt, dass Profi-Sport nicht besonders gesundheitsfördernd ist.

Die Flamme wird jetzt im Akkord zwischen französischen Spitzensportler*innen hin und her gereicht, die weder ich noch das Kommentatorenteam erkennen. Zwischendurch übernimmt ein älterer Mann die Fackel, der wie der Hausmeister vom Louvre aussieht und unterbinden will, dass hier mit offenem Feuer hantiert wird.

Schließlich landet die Flamme bei einem greisen Mann im Rollstuhl, einem ehemaligen Radfahrer, der mit 100 Jahren der älteste noch lebende Medaillengewinner aus Frankreich ist, und geht dann weiter an eine Leichtathletin und einen Judoka. Die entzünden damit das olympische Feuer, das überraschenderweise mit einem Heißluftballon in den Abendhimmel steigt. Ich hoffe, die Organisatoren haben sich Gedanken gemacht, wie sie das Ding in zwei Wochen wieder runterbekommen.

Zum Abschluss noch ein letztes Highlight am Eiffelturm. Auf dem steht Céline Dion auf einer Plattform, tritt das erste Mal seit vier Jahren wieder auf und singt den Edith-Piaf-Klassiker „L’Hymne à l’amour“. Gänsehaut-Moment.

Damit endet ein vogelwilder, vierstündiger Fiebertraum, bei dem die Vertreter des Ressemblement France und der katholischen Kirche wahrscheinlich schwankten, ob sie ohnmächtig oder tobsüchtig werden sollen. Man wusste bei der Eröffnungszeremonie vielleicht nicht immer, was gerade passiert und warum, aber sie lässt einen gleichermaßen begeistert und geplättet zurück. Wahrscheinlich denkt das Organisationskomitee für Los Angeles 2028 gerade: „Fuck.“

27. Juli 2024, Berlin

Meine Frau und ich gehen bei den Olympischen Spielen all in und sitzen ab 10 Uhr vor dem Fernseher. So wie früher, als wir noch keine Kinder hatten. (Wenn die Kinder groß sind, ist es eigentlich wieder, wie keine zu haben.)

Wir schauen Schwimmen, Schießen, Basketball, Judo, Hockey, Rudern, Kanuslalom, Tischtennis und vieles mehr. Der Turner Lukas Dauser, der sich vor sechs Wochen einen Muskel am Oberarm angerissen hat, legt eine fehlerfreie Übung am Barren hin. Beeindruckend.

Ich habe in der Schule Turnen immer gehasst. Da hieß es für mich nicht, „höher, schneller, weiter“, nicht einmal „Dabeisein ist alles“. Stattdessen versuchte ich immer, mich in der Ecke der Halle rumzudrücken, in der sich der Lehrer gerade nicht aufhielt. Getreu dem unolympischen Motto „Nicht Dabeisein ist alles“.

28. Juli 2024, Berlin

Um nicht den ganzen Tag vor der Glotze zu hocken, gehen meine Frau und ich vormittags spazieren. Schadet ja nicht, sich ein wenig zu bewegen. Um einen Olympia-Cold-Turkey zu vermeiden, schauen wir aber zwischendurch auf dem Handy ein wenig Judo.

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Marcel und der andere Obdachlose haben schon seit zwei Tagen nicht mehr ihr Lager auf dem Platz vor dem Kloster aufgebaut. Hoffentlich geht es ihnen gut.


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22. Juli 2024, Berlin

Morgendlicher Corona-Test. Bei mir immer noch positiv, bei meiner Frau das erste Mal wieder negativ. Sie legt ihre Testkassette neben meine und schaut mich an. In ihren Augen ist ein leichtes Triumphgefühl zu erkennen. Wie albern. So ein Corona-Test ist ja kein Wettbewerb. Außerdem hat sie zwei Tage Vorsprung. Sonst hätte ich gewonnen.

Titelbild mit einem Aufkleber auf einer Querstange, die kurz über dem Boden angebracht ist. Auf dem Aufkleber steht: "Support friendly people"
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