Familien-Tweets und -Tröts der Woche (461)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets und -Tröts der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW20-2023 (Teil 2)

Teil 1


19. Mai 2023, Berlin

Neben dm hat ein neuer Döner-Laden aufgemacht. Als Eröffnungs-Angebot gibt es einen Schüler-Döner. Ich hoffe, „Schüler“ bezieht sich auf die Zielgruppe und nicht den Inhalt des Döners.

Anfang der Woche kostete der Schüler-Döner noch fünf Euro, heute nur noch 4,90. Eine Preisreduktion von zwei Prozent. Ich bin mir nicht sicher, ob das ausreicht, um das Geschäft anzukurbeln.

20. Mai 2023, Berlin

Der Tochter geht es inzwischen besser. Bei unserem Telefonat erzählt sie davon, wie sie kürzlich auf einer Irland-Rundreise in einem Pub mit zwei Iren ins Gespräch kam. Als sie sagte, sie käme aus Deutschland, meinte einer der beiden: „Ah, Angela Merkel. Thank you for all the money.“ Dann haben sie sie auf ein Bier eingeladen. „As our way to pay you back.“ Schön, wie die EU zur Völkerverständigung beiträgt.

21. Mai 2023, Berlin

In meinem Spam-Ordner finde ich eine Mail mit dem Betreff „Ihre privaten Informationen wurden durch verdächtige Ereignisse gestohlen.“ Solche Spam-Mails bekomme ich häufiger, das ist nicht weiter ungewöhnlich. Dafür aber der Absender: Der bin ich selbst. Ich bin aber skeptisch, ob die Nachricht tatsächlich von mir ist. Zumindest kann ich mich nicht erinnern, sie geschrieben zu haben.

Die Mail beginnt mit einem freundlichen „Ich grüße Sie!“ Ich begrüße mich gewissermaßen selbst. Das ist nett. Und zeugt von gutem Benehmen. Das passt zu mir.

Danach heißt es: „Ich möchte mich Ihnen gerne vorstellen.“ Das ist etwas unnötig. Schließlich kenne ich mich seit 47 Jahren. Deswegen könnte ich mich auch ruhig duzen.

„Ich bin ein spezialisierter Hacker und habe es geschafft, ihr Betriebssystem zu hacken.“ Das ist sehr unrealistisch. Ich kann zwar einige Software-Programme ganz gut bedienen, aber meine Computer-Kenntnisse reichen definitiv nicht aus, um irgendetwas zu hacken. Außerdem besitze ich keinen schwarzen Hoodie und als Hacker musst du zwingend einen schwarzen Hoodie tragen. Das weiß man aus Serien und Filmen und schlechten Stockfotos.

In einer sehr langatmigen Ausführung beschreibe ich, wie es mir gelungen ist, mittels eines Trojaners die Kontrolle über meinen Computer zu erlangen. Da habe ich mir das Leben unnötig schwer gemacht. Schließlich ist es mein Computer und ich besitze sämtliche Zugangsdaten. Somit hätte ich mir diesen Trojaner-Quatsch sparen können. Allerdings bin ich manchmal etwas kompliziert. Es kann also durchaus sein, dass ich so vorgegangen bin.

In der Mail erkläre ich nun, dass ich jetzt uneingeschränkten Zugriff auf meinen Computer und alle Geräte, die mir gehören, habe. Was meine ich mit „alle Geräte, die mir gehören“? Habe ich mir Zugang zu unserem Kühlschrank erschlichen? Das ist keine große Kunst. Schließlich wohne ich hier. Da muss ich nur in die Küche gehen, die Kühlschranktür öffnen und – zack – habe ich uneingeschränkten Zugriff auf Marmelade, Käse und Milch.

Endlich komme ich zum eigentlichen Anliegen meiner Mail an mich. Angeblich habe ich ein Video angefertigt, auf dem ich auf der linken Seite bei einer meiner „leidenschaftlichen Masturbationssitzungen“ zu sehen bin, während auf der rechten Seite die „schmutzigen Videos“ ablaufen, die ich mir dabei angeschaut habe.

Jetzt bin ich mir ziemlich sicher, dass die Mail nicht von mir ist. Mir fehlt schlicht das notwendige Know-how, um so einen Clip zu erstellen. Allerdings würde mich schon interessieren, was das für „schmutzige Videos“ sind, die zu den „Masturbationssitzungen“ führen. Und sogar „leidenschaftlichen“.

Ich kann aber noch aus einem weiteren Grund ausschließen, dass es Masturbations-Tapes von mir gibt. Bekanntermaßen geht mein Arbeitszimmer zum Hinterhof hinaus. So wie ich der Nachbarin beim Duschen zuschauen kann, könnte sie mich beim Onanieren am Computer beobachten. Das würde ich nicht wollen. Nicht zuletzt, weil das für mich den befriedigenden Aspekt der Selbstbefriedigung erheblich mindern würde.

Um zu verhindern, dass das Video an alle meine Kontakte verschickt wird, soll ich Geld an mich überweisen. 1.750 Euro. Das finde ich ambitionslos wenig. So spektakulär kann das Video nicht sein. Sonst würde ich doch mindestens einen fünfstelligen Betrag von mir verlangen.

Die Summe soll in Bitcoins gezahlt werden. Da habe ich mich jetzt aber selbst ausgetrickst. Ich besitze gar kein Kryptowährungskonto. Das heißt, ich kann weder Bitcoins transferieren noch empfangen. Die Mail muss also ein Fake sein. Oder ich bin ein Riesentrottel, der nicht nur sich selbst scamt, sondern auch noch zu doof dafür ist.

Die Mail endet mit einem versöhnlichen „Ich wünsche Ihnen viel Glück.“ Das finde ich nett. Daher werde ich auf eine Selbstanzeige verzichten.


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Eine kleine Wochenschau | KW20-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


15. Mai 2023, Berlin

Der Sohn muss heute Chemie schreiben. Das Gute daran: Es ist die letzte Chemie-Arbeit seines Lebens. Das Schlechte daran: Er muss heute Chemie schreiben.

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Familien-Tweets und -Tröts der Woche (460)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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https://twitter.com/bergdame/status/1658154098779205641
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Eine kleine Wochenschau | KW19-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


08. Mai 2023, Berlin

Wir gehen ins Kino. Kannst du ja problemlos machen, wenn die Kinder groß sind. Passiert trotzdem nur selten. Wir schauen Guardians of the Galaxy, Vol. 3, und haben uns in der letzten Reihe luxuriöse Sessel gegönnt, in denen du fast liegen kannst. Kannst du ja problemlos machen, wenn du nur selten ins Kino gehst.

Um trotzdem etwas Geld zu sparen, haben wir unsere eigenen Snacks mitgebracht. 17-Uhr-Christian hat Stullen geschmiert, Äpfel geschnitten und Gemüse-Chips eingepackt. 20-Uhr-Christian muss nun seinen Sitznachbar*innen zusehen, wie sie Nachos mit Käsesauce, M + Ms und Gummibärchen essen, und findet, dass 17-Uhr-Christian ein Volltrottel ist.

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Eine kleine Wochenschau | KW19-2023 (Teil 2)

Teil 1


11. Mai 2023, Berlin

Heute ist Iss-was-du-willst-Tag. Und morgen der Steige-auf-keinen-Fall-auf-die-Waage-Tag.

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Die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Urologen steht an. Nicht gerade der schönste Termin des Jahres, aber was muss, das muss. Besser sich einmal alle zwölf Monate den Finger in den Po stecken und den Hoden kraulen lassen, als irgendwann unnötig an Krebs zu sterben, weil er nicht rechtzeitig entdeckt wurde.

Vor dem Urologen-Termin bin ich immer etwas nervös. Als eher schamhafter Mensch entkleide ich mich nur ungern vor anderen Menschen. Außerdem befürchte ich, ich hätte mich nicht gründlich genug gewaschen und könnte untenrum streng riechen. Das wäre sehr unangenehm. Vor allem für den Urologen.

Wegen der Aufregung schwitze ich stärker als gewöhnlich. Deswegen habe ich noch mehr Angst, im Schritt zu müffeln. Das signalisiert meinen Schweißdrüsen wiederum, nochmal richtig Gas zu geben. Es ist ein Teufelskreis aus Schweiß und Angst.

Die Untersuchung geht dann ganz schnell. Quasi rein raus. Ich verdränge den Gedanken, der Arzt hat sich besonders beeilt, weil ich wie ein Puma gestunken habe.

Anschließend muss ich ins Laborzimmer zur Blutabnahme. Eine äußerst attraktive Arzthelferin begrüßt mich und fragt, ob ich für den PSA-Test bereits bezahlt hätte. Ich verneine. Die Schlange am Tresen wäre so lang gewesen, aber ich würde das anschließend sofort erledigen.

Sie ermahnt mich, das ja nicht zu vergessen. Sonst käme sie persönlich zu mir nach Hause, um das Geld einzutreiben. Ich kann mir gerade noch ein unangenehm onkelhaftes „Ach, das wäre doch ganz nett“ verkneifen. Anscheinend hat der Urologe beim Abtasten der Prostata einen schmierlappigen Boomer in mir geweckt.

Nachdem sie die Kanüle aus meiner Vene gezogen hat, fragt mich die junge Frau, ob ich Blutverdünner nähme. „Nein“, erwidere ich. „Aber meine Frau.“ Eine Information so irrelevant, als hätte ich ihr gerade mitgeteilt, dass ich früher ein Zwergkaninchen namens Hasi als Haustier hatte. (Was auch nicht stimmt, denn meine Eltern fuhren eine strikte No-Haustier-Policy.)

Die Arzthelferin schaut mich etwas irritiert an. Schließlich sagt sie: „Gut, dann lege ich ihrer Frau einen Druckverband an, wenn ich ihr mal Blut abnehme.“ Dabei klebt sie mir ein Pflaster auf die winzige Einstichstelle an meinem Arm.

Ich verabschiede mich und bezahle am Tresen die Blutabnahme und den Test. Nach dem „Meine Frau nimmt Blutverdünner“-Unfug käme die Arzthelferin sowieso nicht mehr bei mir vorbei, um die Laborschulden einzufordern. Mein innerer Boomer macht ein trauriges Gesicht.

Wen auch immer es betrifft: Gehen Sie regelmäßig zur Hoden- und Prostatakrebsvorsorge. Die Untersuchung ist gar nicht so schlimm und kann Leben retten. Ihr eigenes.

12. Mai 2023, Berlin

Heute hat die Nachbarin aus dem Hinterhof nicht nur morgens geduscht, sondern nachmittags gleich nochmal. Langsam ist das mit der nachbarlichen Duscherei wirklich unangenehm. Möglicherweise sollte ich im Arbeitszimmer auch Milchglas-Fenster einbauen lassen, damit ich der Nachbarin nicht immer beim Duschen zusehen muss.

Aber vielleicht hat sie sie zweimal am Tag geduscht, weil sie weiß, dass ich sie dabei sehen kann, und ihr gefällt das. Weil sie irgendeinen voyeuristischen Exhibitionisten-Fetisch hat. Zumindest hält mein innerer Boomer das für möglich. Ich sollte ihn besser zum Schweigen bringen. Am besten mit einer kalten Dusche. Mein innerer Boomer ist nicht begeistert und sagt: „Aber nicht zu kalt. Du weißt schon, falls die Nachbarin zuschaut.“

13. Mai 2023, Berlin

Wache um kurz vor vier auf. Draußen vor unserem Schlafzimmer findet ein Heidenspektakel statt. Aber nicht von Autos, die durch die Straße rasen, oder durch Tourist*innen, die nach einer durchgefeierten Nacht ins nahegelegene Hostel zurückkehren. Nein, es sind Krähen, die diesen Lärm veranstalten. Sehr laut, sehr ausdauernd und sehr nervig. Frage mich, ob die Krähen gerade von einer Party zurückkommen und besoffen randalieren, oder ob sie auf dem Weg zur Frühschicht sind und sich denken, wenn wir wach sein müssen, muss der Christian auch nicht mehr schlafen.

Nach einer guten Stunde hört das Gekrächze endlich auf. Dafür fangen die Tauben mit ihrem Balzgegurre an. Auch hier stellt sich die Frage, ob die Tauben um die Häuser gezogen sind und ihnen ist jetzt vor dem Schlafen noch nach einem Sexhupferl. Oder sind sie gerade aufgewacht und wollen das Wochenende mit ein bisschen Morgensex einleiten? Anscheinend gibt es aber keine Beischlaf-Interessentinnen und die Tauberiche gurren über eine Stunde lang mit einer gleichermaßen ausdauernden wie penetranten Lautstärke.

Stehe um kurz vor sechs auf, mache mir einen Kaffee und setze mich im Wohnzimmer aufs Sofa, um ihn ganz in Ruhe zu trinken. Das funktioniert für 30 Sekunden. Dann fliegt eine Biene durch die geöffneten Balkontür und brummt lärmend durchs Zimmer, was einen entspannten Kaffeekonsum unmöglich macht.

Ich verstehe das nicht. Meine Frau hat erst kürzlich den Balkon mit verschiedenen Blumen frisch bepflanzt. Das heißt, die Biene könnte draußen ganz gemütlich frühstücken. Aber nein, sie muss vor unserem Bücherregal auf- und abfliegen, sich 20 Jahre alte Reiseführer aus London, der Bretagne und Dänemark anschauen und dabei mehr Lärm machen als ein Formel-1-Bolide auf dem Nürburgring.

Da lebst du schon in der Großstadt und musst dich trotzdem von Krähen, Tauben und Insekten terrorisieren lassen. Schönen Dank auch.

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Heute ist Tag des Apfelkuchens. Prinzipiell ein begrüßenswerter Ehrentag. Der aber nutzlos ist, wenn du keinen Apfelkuchen hast. Oder sonst irgendeinen Kuchen. Kekse gingen notfalls auch. Oder Schokolade. Oder irgendwelche kurzkettigen Kohlehydrate, die direkt ins zerebrale Belohnungszentrum ballern.

14. Mai 2023, Berlin

Heute ist Muttertag. Und unser Hochzeitstag. Gleich zwei Tage, die wir nicht groß feiern. Außer dass wir abends etwas Leckeres kochen. Aber das machen wir häufig sonntags. Ganz unabhängig von Mutter- und Hochzeitstagen. Und wir trinken einen Gin Tonic. Dazu sind wir auch nicht auf mütter- oder eheliche Ehrentage angewiesen.

Wie dem auch sei. Ein Prost auf unsere Mütter und auf uns.


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Familien-Tweets und -Tröts der Woche (459)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets und -Tröts der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Wissen macht: Hä? – #02 | Alles rund um Muttertag

„Wissen macht: Hä?“, meine immer noch recht neue Infotainment-Rubrik mit weiterhin mittelmäßig wenig Info und mittelmäßig viel tainment zu Jahres- und Feiertagen, geschichtlichen Ereignissen sowie aktuellem Zeitgeschehen. Wer regelmäßig „Wissen macht: Hä?“ liest wird wahrscheinlich nicht klüger, aber auch nicht dümmer. Vielleicht.


14. Mai ist Muttertag. Der Tag, an dem Mütter geehrt und gefeiert werden, in der Hoffnung, sie vergessen dann, dass sie die restlichen 364 Tage im Jahr in schlechter bezahlten Jobs arbeiten, in gut bezahlten Jobs weniger Geld als Männer bekommen, mehr Haus- und Carearbeit als Väter übernehmen und dafür mit einem erhöhten Risiko von Altersarmut belohnt werden.

Sollten Sie der Meinung sein, die Schnittblumenindustrie und die Nazis haben den Muttertag erfunden, liegen Sie falsch. Aber auch ein bisschen richtig. Tautologische Sätze mit wenig Aussagekraft und noch weniger Erkenntnisgewinn. Willkommen bei „Wissen macht: Hä?“

In der neuesten „Wissen macht: Hä?“-Ausgabe erfahren Sie, was wirklich der Ursprung des mütterlichen Ehrentages ist, wie er nach Deutschland kam, was die beliebtesten Geschenke zu Muttertag sind und noch viel mehr. Wie immer – das heißt, wie in der ersten Ausgabe – ist das hier alles knallhart recherchiert, streng evidenzbasiert und so fundiert, dass sie es mit ihrem neuen Wissen locker bis zur 50-Euro-Frage bei Günther Jauch schaffen.

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Wissen macht: Hä? – #02 | Alles rund um Muttertag (Teil 2)

Teil 1 mit den Ursprüngen des Muttertags in der Antike, den USA und Deutschland sowie der ökonomischen Bedeutung des mütterlichen Ehrentages


3) Geschenke, Geschenke: Für Mutti nur das Beste

Mütter, die sich Präsente und kleinere Aufmerksamkeiten zum Muttertag wünschen, müssen spätestens Mitte April ihre Partner und Kinder daran erinnern. Und nochmal Ende April, Anfang Mai, am Montag vor Muttertag und jeden Tag bis Samstagmorgen. Mit etwas Glück bekommen sie dann eines oder sogar mehrere der hier aufgeführten Geschenke.

Blumen: Das Number One Go-To-Geschenk an Muttertag. Mit Blumen zu Muttertag kannst du nichts falsch machen. Außer mit einem Strauß weiße Nelken. Die werden traditionell eher zu Beerdigungen verschenkt.

Pralinen: Nummer zwei unter den Evergreen-Muttertagsgeschenken. Damit machst du an Muttertag ebenfalls nichts falsch. Außer mit Mon Cherie. Die sind Ausdruck für Missachtung, mangelnde Wertschätzung und abgrundtiefen Hass und sollten weder zu Muttertag noch zu sonst irgendeiner Gelegenheit verschenkt werden.

Parfüm: Ebenfalls ein beliebtes Muttertagsgeschenk, aber durchaus heikel. Schließlich signalisiert es: „Du könntest besser riechen.“

Gutschein: Falls du als Kind den Muttertag vergessen hast, kannst du einfach morgens noch schnell einen Block mit Post-its beschriften. „1x Müll runterbringen“, „1x Geschirrspülmaschine ausräumen“, „1x Altglas wegbringen“, „1x Rücken kraulen“. Zack, fertig ist das Muttertagsgeschenk. Mütter sollten solche Gutscheine gut aufheben und 20 Jahre später einlösen.

Frühstückstisch decken: Was gibt es Schöneres als sonntagmorgens vom Duft frischen Kaffees geweckt zu werden, den die Kinder aufgebrüht haben? Genau, ihn nicht trinken zu müssen. Das ist noch viel schöner, denn Kinder sind die schlechtesten Kaffeekocher der Welt. Entweder sie benutzen so wenig Pulver, dass es geschmacklich vorteilhafter wäre, abgestandenes Spülwasser zu trinken. Oder sie hauen so viel Pulver in den Filter, dass dir die Überdosis Koffein den Herzschlag auf die Geschwindigkeit eines Scooter-Songs hochpeitscht.

Selbstgebackener Kuchen: Wenn Kinder zu Muttertag einen selbst gebackenen und bunt verzierten Schokokuchen überreichen, geht Müttern das Herz auf. Solange sie darüber hinwegsehen, dass er so unförmig ist, als hätte sich ein Nilpferd daraufgesetzt. Außerdem ist er mit einem Zentner bunter Streuseln und Zuckerperlen dekoriert, als hätte sich ein Einhorn mit schwallartigem Brechdurchfall darüber übergeben. Verzehrt werden sollte der Muttertagskuchen besser auch nicht. Entweder ist er steinhart gebacken, so dass beim Reinbeißen der Verlust der Schneidezähne droht, oder noch halb roh und birgt die Gefahr einer mittelschweren Salmonellenvergiftung.

Selbstgemalte Bilder: Kinder im Alter von zwei bis fünf bringen zum Muttertag häufig selbstgemalte Bilder aus der Kita mit. (Und falls nicht, bekommt der JU-Vorsitzende Tilman Kuban einen Tobsuchtsanfall und stellt die Kita-Leitung persönlich zur Rede.) So ein selbstgemaltes Bild ist herzallerliebst. Zumindest im Auge der betrachtenden Mütter. Für alle anderen sehen die „Kunstwerke“ aus, als seien sie von einem zugekokster Waschbären gemalt worden, und der Stil ist eine krude Mischung aus naiver Malerei, Kubismus, Ex- und Impressionismus.

Gedicht: Grundschulkinder verschenken zu Muttertag gerne Gedichte. Wenn die Mütter Glück haben, irgendein abgeschriebenes, wenn sie Pech haben einen selbstgereimten Gruß. Irgendetwas auf dem Niveau von „Kochen, waschen, bügeln, putzen – diesen Tag sollst du anders nutzen.“ plus ein paar Sätze, die sich auf Mama reimen. (Hammer, Klammer, Kammer) Oder auf Mutter. (Erdnussbutter, Fischkutter, Katzenfutter)

4) Everything Everywhere All at Once: Jeden Tag ist Muttertag, fast überall

Nicht auf der ganzen Welt fällt der Muttertag auf den zweiten Sonntag im Mai. Das ist ziemlich gut, denn so können Mütter durch geschicktes Umziehen mehrmals im Jahr Muttertag feiern.

Zum Beispiel im Februar in Norwegen, an den Märzwochenenden in Georgien, Bulgarien, Ägypten und Slowenien, im April wiederum in Armenien und Nepal, an den Maisonntagen in Angola, Südkorea, Mexiko, Samoa, Paraguay, Polen, Bolivien oder Nicaragua, im Juni dann in der Mongolei, in Luxemburg und Kenia. Im Juli sieht es mau aus, dafür wird im August in Thailand und Costa Rica gefeiert, der September muss wieder überbrückt werden, bevor es im Oktober nach Belarus, Malawi und Argentinien geht. Im November kann der Muttertag theoretisch in Russland begangen werden, aber vielleicht ist es besser darauf zu verzichten und stattdessen die Umzüge im Dezember nach Panama und Indonesien vorzubereiten.

Zugegebenermaßen ist dieses Muttertagshopping recht aufwändig. Dafür müssen Mütter aber sonntags nie selbst Frühstück machen. Allerdings gibt es nur Knäckebrot und Haferflocken ohne Milch, denn wegen der vielen Umzieherei ist kein Geld mehr übrig.

5) Quo vadis, Muttertag?

In Zeiten vielfältiger Familienmodelle wird der Muttertag zunehmend kritisch hinterfragt. Ob er noch zeitgemäß sei. Oder überkommene Geschlechterrollen beschönigt und zementiert. Von Familienforscher*innen gibt es Vorschläge, den Muttertag – und den Vatertag – durch einen Elterntag zu ersetzen. Das würde die Aufmerksamkeit stärker auf die Gleichstellung von Vätern und Müttern lenken.

Allein das Gedankenspiel, den Muttertag abzuschaffen, löst bei Tilman Kuban, Bayern-König Markus Söder und seinem Vize Hubert Aiwanger Schnappatmung aus. Das wirkt sich wiederum wenig förderlich auf ihr Denkvermögen aus. Markus Söder fabulierte beispielsweise kürzlich auf dem CSU-Parteitag: „Mutter ist mit Abstand das schönste Wort der Welt. Gibt es ein wichtigeres Wort?“ Ja, gibt es. Zum Beispiel Käsekuchen, Flutschfinger oder Ponyhof. Und dafür musste ich nicht einmal zehn Sekunden nachdenken.

Der Aiwanger Hubsi twitterte wiederum anscheinend in einer Art Fiebertraum: „Wer den Muttertag in Frage stellt, kommt mit seinem Leben nicht klar.“ Ob jemand, der ernsthaft der Ansicht ist, Deutschland wäre ein sichereres Land, wenn jeder anständige Mann und jede anständige Frau ein Messer in der Tasche trüge, darüber urteilen sollte, ob andere Menschen ihr Leben auf die Reihe bekommen, kann hier nicht vertieft erörtert, sondern nur stark verkürzt beantwortet werden: Nein, sollte er nicht.

Nun ist der Verzicht auf Muttertagsbasteleien sicherlich nicht die Lösung, um das Patriarchat und alle damit verbundenen Ungerechtigkeiten zu überwinden. Aber es ist bestimmt auch nicht der Untergang des Abendlandes, wenn wir anlässlich dieses Tages über Vielfalt und Rollenmodelle, Defizite bei der Gleichberechtigung oder über Begrifflichkeiten und ausschließende Sprache diskutieren.

Von daher, Tilman, Markus und Hubert: Wischt euch den Schaum vom Mund ab und dann schreibt ihr Mutti eine schöne Muttertagskarte. (Sofern ihr noch eine Mutti habt.) Da hindert euch niemand daran. Anschließend kümmert ihr euch bitte darum, das Ehegattensplitting zu canceln, Altersarmutsgefahren für Frauen zu minimieren und mehr Kinderbetreuungsplätze zu schaffen. Darüber freuen sich Mütter – und Nicht-Mütter – bestimmt mehr als über sinnbefreite Tweets oder Muttertags-Einlassungen an der Grenze zum Dadaismus.

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In diesem Sinne: Allen, die den Muttertag feiern, viel Spaß dabei, und allen, die ihn nicht feiern, einen schönen Sonntag!


Alle Folgen von „Wissen macht: Hä?“ finden Sie hier.


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Eine kleine Wochenschau | KW18-2023

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01. Mai 2023, Berlin

Tag der Arbeit. Meine Frau und ich nutzen den arbeitsfreien Tag, um Wandern zu üben. Hört sich komisch an und ist es auch. Aber nicht im Sinne von lustig, sondern wie bei merkwürdigen Sonderlingen. Anfang Juni besuchen wir die Tochter in Irland und haben eine Wanderung entlang des Dingle Ways geplant. Vier Tage hintereinander müssen wir zwischen 17 und 25 Kilometern zurücklegen.

Weil wir noch nie einen Wanderurlaub gemacht haben – was unter anderem daran liegt, dass ich die Kombination der Worte Wandern und Urlaub befremdlich finde –, hielten wir es für eine gute Idee, das vorher auszuprobieren. Schließlich wollen wir nicht am ersten Tag zwei Kilometer hinter Camp feststellen: „Puh, diese Wanderei ist viel zu anstrengend. Lass‘ mal zum nächsten B&B trampen.“

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