16. Februar 2024, Berlin
Auf dem Spreeweg hinterm Schlosspark Charlottenburg kommt mir ein Läufer entgegen. Er ist mindestens 1,90, breitschultrig und blond. Wie aus dem Cast eines Leni-Riefenstahl-Films.
Der Typ ist sehr muskulös, mit einstelligem Körperfettanteil und extrem ausdefiniert. Wie aus Marmor gemeißelt. Woher ich das weiß? Er trägt kein Shirt und läuft mit nacktem Oberkörper.
Bei circa 7 Grad und stetig wehendem Wind einerseits etwas befremdlich. Andererseits verstehe ich ihn. Wäre ich so durchtrainiert, trüge ich auch kein Oberteil. Nie. Nicht beim Einkaufen, nicht bei Videokonferenzen, nicht bei Kundenterminen. Niemals. Nie.
17. Februar 2024, Berlin
Der Sohn informiert uns, er ginge mit einem Freund auf eine Studiums- und Ausbildungsmesse. Die Mutter des Freundes hätte ihnen davon erzählt. Dazu hätte die Elternvertreterin eine Mail rumgeschickt, erklärt er. Seine Stimme klingt leicht vorwurfsvoll.
Ich bin fein raus. Ich war bei der Tochter für die Elternabende und – noch schlimmer – für die Kommunikation mit anderen Eltern zuständig. Beim Sohn fällt das in den Verantwortungsbereich meiner Frau.
Die erklärt, sie würde die Mails der Elternvertreterin meist nur überfliegen. Ihre Stimme klingt dabei nicht besonders schuldbewusst. Schließlich hätte sie keine Zeit, den ganzen Tag Nachrichten zu schulischen Angelegenheiten durchzuarbeiten. Ich glaube zwar nicht, dass die Elternvertreterin so viele Mails schickt, dass das Lesen derselbigen eine tagesfüllende Angelegenheit ist, nicke aber dennoch zustimmend. Als guter Ehemann ist es wichtig, sich solidarisch mit deiner Partnerin zu zeigen.
Meine Frau meint außerdem, sie wisse überhaupt nicht, warum sie diese Mail bekommen hat. Schließlich habe sie schon studiert und keinen Bedarf an einer zusätzlichen Ausbildung. Ich nicke wieder zustimmend. Es wäre doch viel sinnvoller, die Schüler*innen bekämen Information zu Ausbildungsmessen direkt. Ich mache weiter einen auf Wackeldackel.
Als der Sohn später nach Hause kommt, zeigt er sich wenig begeistert von der Messe. Da seien fast nur komische Unternehmen gewesen. Zoll, Berliner Verkehrsgesellschaft und Berliner Stadt-Reinigung scheinen nicht den Glamourfaktor zu suggerieren, den der Sohn sich von seinem zukünftigen Arbeitgeber erhofft.
Außerdem wäre es viel zu voll gewesen. Wegen der vielen Eltern, die ihre Kinder dahingeschleppt hätten. Da ist es ja gut, dass meine Frau und ich nicht mitgekommen sind.
18. Februar 2024, Berlin
Patricia Cammarata hat mich glücklich gemacht. Sehr glücklich sogar. Eine Aussage, die merkwürdig klingt. Unangemessen. Unangebracht. Fast schon anzüglich. (Oder schlüpfrig, wie es in den 70ern hieß.)
Mein Glücksgefühl rührt daher, dass Patricias am 7. Februar ihr neuestes Werk veröffentlicht hat. „Musterbruch. Überraschende Lösungen für wirkliche Gleichberechtigung“ (Affiliate-Link) Das Buch ist – wie nicht anders zu erwarten – lehrreich, informativ, anregend und lesenswert. Selbstverständlich ist es sofort auf der Spiegel-Bestseller-Liste gelandet. Wie alles aus Patricias Feder.

Zugegebenermaßen reicht das alles trotzdem nicht aus, dass meine Glückshormondrüsen die Schleusen öffnen und sich zur Übersollproduktion pushen.
Vor ein paar Tage hatte mir Patricia eine Tafel Schokolade geschickt. Nicht irgendeine, sondern von Tony’s Chocolonely. Die mit den dicken 180-Gramm-Tafeln, die so merkwürdig vorgestanzt sind, dass du mindestens anderthalb Rippen auf einmal essen musst. Die Tafel war nicht gewöhnlich verpackt, sondern in dem Musterbruch-Cover. (Eine geniale Marketing-Idee, die ich definitiv bei meinem nächsten Buch klauen werde.)
In der beiliegenden Karte schrieb Patricia, der Verlag schicke mir das Rezensionsexemplar, sie wollte mir aber die Schokolade zukommen lassen. Das freute mich sehr und öffnete die Glückshormondrüsen-Schleusen ein wenig. In verschiedenen Musterbruch-Social-Media-Posts hatte ich die Tafel bereits gesehen und darauf gehofft, auch eine abzubekommen. Jedoch wollte ich nicht direkt danach fragen, um nicht – berechtigterweise – gierig und verfressen zu wirken.
Da nichts im Leben perfekt ist, musste ich dann allerdings aushalten, dass auf meinem Schreibtisch eine 180-Gramm-Schokolade lag, die ich nicht öffnen könnte. Denn das Buch ließ auf sich warten und ich musste den Verzehr der Schokolade bis zu einem gemeinsamen Schokoladen-Buch-Foto verschieben. (Dass die Schokolade beständig flüsterte: „Iss mich, Christian, iss mich.“, machte meine Situation nicht einfacher.)
Zwei Tage später kam die Post vom Verlag. Der große braune Umschlag enthielt nicht nur das Musterbruch-Buch, sondern auch: eine zweite Tafel Schokolade! Da lagen sich Endorphine, Dopamin und Serotonin in meinem Körper in den Armen und schalteten tatsächlich auf Übersoll-Produktion.

Nun möchte ich auf keinen Fall den Eindruck erwecken, die Schokolade sei besser als Patricias Buch. Aber die Lektüre wird definitiv nicht schlechter, wenn du dir dabei weiße Schokolade mit Himbeergeschmack reinpfeifst.
Patricia wäre übrigens nicht das Marketing-Genie, das sie ist, hätte sie sich nicht weitere großartige cross- und multimediale Maßnahmen ausgedacht, um Aufmerksamkeit für das Buch zu erzeugen. Beispielsweise gibt es auf Spotify eine Musterbruch-Playlist mit thematisch passenden Songs von Mine, Danger Dan, Fatoni und vielen mehr.
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Weitere InformationenDarüber hinaus hat sie ein Video erstellt, in dem sie dem Marvel-Helden Loki das Musterbruch-Buch zeigt. Ein spitzenmäßiger Clip, bei dem du allerdings förmlich spürst, wie Patricias Kinder sie sofort auf Insta geblockt haben.
Nun zum Buch. Falls Sie sich wundern, was der merkwürdige Titel Musterbruch zu bedeuten hat: Patricia beschreibt die nervig hartnäckigen und eingefahrenen Geschlechterrollenmuster in Partnerschaft, Sorge- und Erwerbsarbeit und wie diese aufgebrochen werden können. Musterbruch klingt nicht nach, wir drehen mal an ein paar Stellschräubchen, um das System ein bisschen zu optimieren, sondern nach „Bring den Vorschlaghammer mit – liebe Grüße an Element of Crime – und lass uns die ganze Scheiße kurz und klein kloppen.“
Dennoch ruft Patricia nicht zu Gewalt gegen Sachen oder gar Personen auf. Stattdessen erklärt sie, wie wir unser geschlechterstereotypes und Gleichberechtigung verhinderndes Denken überwinden können. Zusätzlich macht sie konkrete Vorschläge, wie Paarbeziehungen im Alltag gleichberechtigter gelebt werden können. Jedes Kapitel endet mit Kurzzusammenfassungen für Lesefaule und es gibt zahlreiche Links, QR-Codes und Hinweise zu weiterführenden Informationen.
Das alles macht Musterbruch zu einer extrem empfehlenswerten Lektüre. Insbesondere für diejenigen, die keinen Bock darauf haben.
Verlosung
Damit möglichst viele Menschen das Musterbruch-Buch lesen, verlose ich mein Rezensionsexemplar. (Die Schokolade nicht. Das ist physisch nicht mehr möglich.)
Der Verlosungsmechanismus ist diesmal ein wenig anders als sonst. Um die Sichtbarkeit von Frauen zu erhöhen, müsst ihr im Kommentar unter diesem Beitrag entweder fünf bekannte Philosophinnen, relevante Politikerinnen, Komponistinnen, Autorinnen oder Millionärinnen auflisten. Welche Kategorie ihr auswählt, bleibt euch überlassen. Um mir Arbeit zu ersparen und um juristische Auseinandersetzungen vorzubeugen, überprüfe ich die Richtigkeit der Antworten nicht.
Ansonsten gilt wie immer: Es werden ausschließlich Kommentare unter dem Blog-Post gezählt, nicht bei Facebook, Insta, Bluesky oder auf einer der inzwischen 18 Trilliarden existierenden Social-Media-Plattformen.) Mehrere Kommentare bzw. Listen von derselben Person führen nicht zu mehreren Losen.
Teilnahmevoraussetzung ist eine gültige E-Mail-Adresse. (Diese wird nicht veröffentlicht und nur zum Zwecke der Gewinnbenachrichtigung verwendet. Im Sinne der DSGVO werden alle Adressen nach Beendigung der Verlosung gelöscht.) Die Verlosung endet am Donnerstag, den 22. Februar 2024, um 23.59 Uhr. Der Rechtsweg ist ebenso wie der Linksweg ausgeschlossen, eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Allen Teilnehmer*innen viel Glück!
Falls Sie das erste Mal auf dem Blog kommentieren, muss Ihr Kommentar manuell freigeschaltet werden. Aufgrund meiner Erwerbsarbeit im Bergwerk kann dies manchmal ein paar Stunden dauern. Geraten Sie daher nicht in Panik, wenn Ihr Kommentar nicht sofort unter dem Beitrag erscheint. Ich versichere Ihnen, dass kein Kommentar verloren gehen wird. (Außer den Kommentaren, die verloren gehen.)

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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Sein neues Buch „Wenn ich groß bin, werde ich Gott“ ist im November erschienen. Ebenfalls mehr als zu empfehlen sind „Hilfe, ich werde Papa! Überlebenstipps für werdende Väter“, „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“ sowie „Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith“*. (*Affiliate-Links)












