Die Einschulung: Ein Drama in drei Akten – 3. Akt: Der erste Schultag. Sponsored by Tempo.

Dies ist eine Geschichte aus den frühen Jahren des Familienbetriebs. Das komplette Einschulungsdrama finden Sie hier.

###

Morgen ist es nun endlich soweit. Die Einschulung der Tochter. Inzwischen sind so gut wie alle Vorbereitungen getroffen. Die Tochter ist glückliche Besitzerin eines Elfen-Feen-Einhorn-LSD-Ranzens und irgendwie ist es uns gelungen, alle Schulmaterialien rechtzeitig zu besorgen. Heute ist nur noch sehr wenig zu erledigen. Die Freundin muss die Schultüte für die Tochter fertig basteln und eine kleine Tüte für den Sohn anfertigen, damit es keinen familiendiplomatischen Eklat gibt, wenn er leer ausgeht. Und ich muss den Inhalt für die Schultüten kaufen.

Schultüten

Meine größte Aufgabe besteht aber eigentlich darin, die Freundin moralisch und mental zu unterstützen, damit sie bis morgen früh keinen Nervenzusammenbruch erleidet. Es scheint nämlich, als verkrafte sie die Einschulung der Tochter nur so semi. In den letzten Tagen sah ich sie häufiger, wie sie sich mit Tränen in den Augen Babyfotos der Tochter anschaute. Dabei strich sie sich versonnen über den Bauch und murmelte: „Oh, mein kleines Baby. Mein süßes kleines Baby.“

Auch unseren dreijährigen Sohn schaute sie des Öfteren verklärt an. Als sie vorgestern mit ihm auf dem Sofa kuschelte, sah es kurz so aus, als wolle sie ihm am liebsten die Brust geben. Der Sohn wollte aber lieber gegen Monster kämpfen und damit hatte sich das erledigt.

### Weiterlesen

Die Einschulung: Ein Drama in drei Akten – 2. Akt: Ruin durch Schulutensilien

Dies ist eine Geschichte aus den frühen Jahren des Familienbetriebs. Das komplette Einschulungsdrama finden Sie hier.

###

Nachdem wir gestern den Ranzen für die Tochter erstanden haben, denken wir nun, für die Einschulung gut gerüstet zu sein. Ein spektakulärer Irrtum, wie sich herausstellen sollte. Denn heute, zwei Tage vor dem großen Ereignis, finden wir im Postkasten einen mehrseitigen Brief vom Umfang des Quelle-Katalogs: ‚Die Erstklässler-Schulmaterialliste‘ (ein sperriges Wortungetüm, das hohe Gewinnchancen beim Galgenmännchen verspricht).

Stifte

Weiterlesen

Die Einschulung: Ein Drama in drei Akten – 1. Akt: Der Ranzenkauf

Die folgende Geschichte stammt aus den frühen Jahren des Familienbetriebs. Das komplette Einschulungsdrama finden Sie hier.

###

Noch drei Tage, dann steht ein großes Ereignis an, dessen Bedeutung für unsere Familie vergleichbar ist mit dem Wunder von Bern (1954), der Mondlandung (1969), dem Fall der Mauer (1989) oder der Markteinführung von Ben & Jerry‘s Strawberry-Cheesecake-Eiscreme (2005). Die Tochter wird eingeschult!

Schulanfang

Vor die Einschulung hat der Schulgott aber einige Hürden gestellt, die es zu überwinden gilt, bevor wir die Tochter in den Ernst des Lebens schicken können. Zunächst müssen wir einen geeigneten Schulranzen aussuchen. Dies ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört.

Weiterlesen

Summer of Love. Oder: Die Bonobos sind los

Wir leben in Berlin in einem Haus mit einer sehr netten Mietergemeinschaft. Man grüßt sich im Treppenhaus, nimmt gegenseitig Päckchen an, leiht sich Eier und Zucker und wenn man mal im Urlaub ist, gießen die Nachbarn für einen die Blumen. Fast so idyllisch wie in Bullerbü. Aber eines Sommers wurde dieses harmonische Mieter-Soziotop empfindlich gestört. Davon handelt de folgende Geschichte aus den sehr frühen Jahren des Familienbetriebs.

###

„Ja, ja, ja, ja, ja!“, erschallt es aus dem Hinterhof in unser geöffnetes Schlafzimmerfenster. Schrecke im Bett hoch und versuche, mich zu orientieren. Es ist 1 Uhr morgens und drückend heiß. Wir haben Anfang August und ganz Deutschland leidet unter einem Jahrhundertsommer mit tropischen klimatischen Bedingungen. Tagsüber klettert das Thermometer regelmäßig auf über 35 Grad und auch nachts kühlt es nur unwesentlich ab.

Die Freundin leidet ganz besonders unter der Hitze. Sie ist im fünften Monat schwanger. Allerdings hat ihr Bauchumfang bereits Ausmaße angenommen, als sei sie kurz vor der Entbindung eines Drillingspärchens. Ein Umstand, der jedoch  auf keinen Fall zur Sprache gebracht werden darf. Männer mit schwangeren Frauen kennen das: Die Hormone der Frauen tanzen Samba, ihre Gefühle schwanken zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt und sie sind unausgeglichener und reizbarer als Klaus Kinski. Eine unbedachte Äußerung des Mannes und zack! verbringt man die Nacht auf dem Sofa. Als treusorgender Freund weiß ich selbstverständlich, dass scherzhafte Bemerkungen über die körperliche Konstitution der Freundin insbesondere in Verbindung mit Analogien aus der Welt der Dickhäuter gerade so opportun sind wie Schoko-Muffins auf einem Weight-Watchers-Treffen anzubieten.

###

Die Freundin schläft aufgrund ihrer schwangerschaftsbedingten Leibesfülle und der schwülen Temperaturen nur noch sehr schlecht – und ich damit ebenfalls. Da sind nächtliche Ruhestörungen eher ungünstig. Aber wieder und immer wieder dringt ein weiblich-ekstatisches „Ja, ja, ja, ja, ja!“ zu uns ins Schlafzimmer. Irgendwo im Haus drückt eine Frau entweder mit überschäumendem Enthusiasmus ihre Zustimmung für was auch immer aus oder sie hat einen wahnsinnigen Orgasmus. Oder ein wahnsinniges schauspielerisches Talent. Seit ‚Harry & Sally‘ und der berühmten Restaurantszene sind Männer ja etwas unsicher, was ihre sexuellen Befriedigungsfähigkeiten angeht. Beglücken sie gerade tatsächlich ihre Sexualpartnerin oder geht diese im Kopf gelangweilt die To-Do-Liste für den morgigen Tag durch und stöhnt ein wenig rum in der Hoffnung, das ungelenke Rumgefummel des Mannes ist bald vorbei?

Bonobos. Enthaltsam. Ausnahmsweise.

Bonobos. Enthaltsam. Ausnahmsweise.

Wie dem auch sei, die euphorischen Schreie dauern mehr als fünfzehn Minuten an. Dann ertönt ein wohliges männliches Grunzen und es herrscht Stille. Schaue die Freundin an und wir kichern wie zwei pubertierende Teenager.

### Weiterlesen

Die famose Familienfeier

Mit Familienfeiern halte ich es eigentlich wie mit Grippeviren, Rosenkohl und Casting-Shows: Ich versuche tunlichst, mich von Ihnen fernzuhalten. Aber da liegt dieser schicksalhafte Brief auf unserem Küchentisch. Eine Cousine der Freundin wird 50. Und wir sind eingeladen. In der nordhessischen Diaspora. Mehr Familienfeier geht nicht.

Familienfeier

Unternehme einen Versuch, mich vor der Feier zu drücken. Erkläre der Freundin mit bedauerndem Dackelblick, dass meine Anwesenheit leider, leider, leider nicht möglich sein wird. Womöglich war das ein leider zu viel, denn bevor ich irgendeinen hanebüchenen Grund vorbringen kann, der mein Fernbleiben rechtfertigt, gibt mir die Freundin unmissverständlich zu verstehen, dass meine Teilnahme zwingend erforderlich sei.

Die Freundin erklärt, die Cousine sei ihre Patin und somit sei es für sie aus familienpolitischen Gründen nicht opportun, nicht bei der Feier zu erscheinen. Darüber hinaus erwarte die Verwandtschaft seit der Geburt unserer Tochter, diese in regelmäßigen Abständen präsentiert zu bekommen. Allein könne sie aber nicht zu dem Fest gehen, da sonst die Verwandtschaft tratsche, unsere Tochter müsse ohne Vater als Bastard aufwachsen. Außerdem stünde sie einen Abend mit ihrer Mischpoke alleine nicht durch.

Entnehme ihrem Blick, dass Widerworte unter keinen Umständen geduldet werden. Gebe also zähneknirschend klein bei. Die Tochter sitzt derweil unter dem Tisch, zerknäult die Einladung und lutscht fröhlich daran. Aufgrund der Gnade ihres sehr jungen Alters von gerade mal zehn Monaten kennt sie den Schrecken und das Grauen von Familienfeiern noch nicht. Das glückliche Kind!

### Weiterlesen

Die Wutprobe

Vor ein paar Wochen hat ‚Mama on the Rocks‘ eine Blog-Parade zum Thema schlechtgelaunte, schmollende Kinder gestartet. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aufgerufen, Tipps zu verraten, wie sie mit ihren trotzigen Kindern umgehen oder Trotzanfällen gänzlich vermeiden. Nun halte ich mich, trotz meiner beiden Kinder, nicht für einen ausgewiesenen Experten in Sachen Erziehungsfragen und verschone daher andere Eltern besser mit Ratschlägen jedweder Art. Ich kann lediglich eine kleine Geschichte aus unseren frühen Jahren zum Thema Trotzkind besteuern. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.

###

Wir lieben unsere dreijährige Tochter selbstverständlich abgöttisch und würden nie auch nur ein schlechtes Wort über sie denken, geschweige denn aussprechen. Aber ab und an legt sie Verhaltensweisen an den Tag, die objektiv und mit einer gewissen Distanz betrachtet, nur schwerlich als „liebenswert“ oder gar „süß“ zu bezeichnen sind. Sie ist in die Phase des Trotzens eingetreten!

Bei ihr begann dieser Lebensabschnitt ungefähr vor drei Monaten, als ihr Bruder auf die Welt kam. Wahrscheinlich ist sie ein klein wenig eifersüchtig auf ihn. Gleichzeitig liebt sie ihn aber heiß und innig. Sie kuschelt mit ihm, herzt ihn, übersät ihn mit Küsschen und bedenkt ihn mit allerlei weiteren Gesten der Zuneigung.

Ihre Eifersucht und die Unzufriedenheit darüber, ihre Position als Alleinerbin verloren zu haben, lässt sie dagegen an ihren Eltern aus. In regelmäßigen Abständen beziehungsweise mehrmals täglich gibt sie uns zu verstehen, dass sie uns für die herzlosesten, ungerechtesten und hinterhältigsten Menschen der Welt hält. Für sie eignen wir uns bestenfalls als tyrannische Diktatoren zentralasiatischer Scheindemokratien, nicht aber als treusorgende Eltern, die sich liebevoll um ihre Erstgeborene kümmern und dieser jeden Wunsch erfüllen.

Da die Freundin die ersten vier Monate nach der Geburt des Sohnes Elternzeit genommen hat, bekommt sie zumeist die töchterlichen Trotzanfälle ab. Insbesondere beim Abholen aus der Kita spielen sich Tag für Tag Tragödien ab, wie man sie allenfalls im Theater des antiken Griechenlands erleben konnte.

###
Weiterlesen

Das große Füttern

Bereiten uns auf ein Ereignis von höchster gesellschaftlicher Bedeutung vor, das allenfalls mit Hochzeiten europäischer Königshäuser vergleichbar ist: das erste Füttern unserer Tochter mit fester Nahrung. Stehe daher im Drogeriemarkt vor gefühlten 28 Regalmetern mit Babybreien in jeglichen vorstellbaren und vor allem unvorstellbaren Geschmacksrichtungen: von Mininudeln mit Seefisch in Rahmbroccoli über Baby-Paella bis hin zu Ratatouille mit Pasta und Lamm. Erstaunlicherweise haben fast alle Breie die gleiche wenig appetitanregende gräuliche Farbe. Rufen bei mir Assoziationen mit Spachtel- und Fugenmasse hervor.

Suche erfolglos nach einem Gläschen mit Pizza Funghi Prosciutto. Inspiziere stattdessen ein Gläschen mit Kürbis-Kartoffeln mit Erbsen und Fenchel. Ein Menü, das die Frage aufwirft, warum ich meinem Kind ein Essen in pürierter Form zumuten sollte, das schon im festen Aggregatzustand eine Mahlzeit aus der kulinarischen Vorhölle darstellt. Wäre der Antichrist Koch, würde er ausschließlich Essen mit Fenchel zubereiten.

Entscheide mich schließlich für einen Frühkarotte-Brei, der zur Abwechslung durch eine ansprechende orangene Farbe besticht und vom Hersteller sehr überzeugend als besonders bekömmlich für des Babys erste Nahrung angepriesen wird. Weiterlesen

Schlaflos in Charlottenburg

Schleppe mich mitten in der Nacht mit schwachen Beinen durch die Wohnung und trage das weinende Töchterlein schaukelnd auf dem Arm. Nehme mir vor, morgen früh einen Kinderpsychologen zu kontaktieren. Dieser soll meine Vermutung diagnostisch bestätigen, dass das arme Kind an einer biorhythmisch Persönlichkeitsspaltung leidet.

Tagsüber ist das Kind ein Musterexemplar eines absoluten Bilderbuch-Babys, wie es allenfalls in der Werbung von Windelherstellern und Babybrei-Produzenten anzutreffen ist. Die meiste Zeit verbringt es mit seligem Schlummern und in den seltenen Fällen, in denen es zu einem akustisch kaum wahrnehmbaren zarten Klagen ansetzt, lässt es sich im Nu durch Stillen beruhigen. Auch das Wickeln lässt das gute Kind klaglos über sich ergehen und stört sich nicht einmal an den väterlichen grobmotorischen Unzulänglichkeiten beim Windelwechseln.

Das tadellose Benehmen am Tage scheint allerdings nur eine Taktik zu sein, um die Eltern in trügerischer Sicherheit zu wiegen. Nachts durchläuft das gleiche liebreizende Kind nämlich eine Metamorphose wie man sie höchsten von den Gremlins kennt, wenn sie nach Mitternacht gefressen haben, und verwandelt sich in ein unleidliches Wesen mit noch schlechterer Laune als Bernd das Brot. Die quengelnde Nachtkreatur hat nur ein minimales Schlafbedürfnis, welches allenfalls auf den elterlichen Armen befriedigt werden will, und all sein Tun scheint darauf ausgerichtet zu sein, die Eltern durch Schlafentzug zu zermürben. Weiterlesen

Nur 48 Stunden – Protokoll einer schweren Geburt

Donnerstag, 7.11 Uhr

Werde von der Freundin aus dem Schlaf gerissen, die mir mit zitternder Stimme mitteilt, die Wehen hätten endlich eingesetzt und es wäre nun an der Zeit, ins Krankenhaus zu fahren.

 

Donnerstag, 7.18 Uhr

Stehe im Bad und werfe die Frage auf, ob es mir das Kind wohl danken wird, wenn ich mich zur Feier des Tages rasiere. Die Freundin schaut grimmiger als Oliver Kahn, wenn er ein Tor kassiert. Schließe daraus, dass sie eine Rasur meinerseits nicht zu schätzen weiß. Belasse es also bei einer Katzenwäsche.

 

 Donnerstag, 7.25 Uhr

Meine Frage, ob wir noch etwas frühstücken sollen, wird abschlägig beschieden. Renne stattdessen auf die Straße und halte nach einem Taxi Ausschau.

 

Donnerstag, 7.31 Uhr

Bitte den Taxifahrer, er möge die Straßenverkehrsordnung eher als wohl gemeinte aber nicht zwingend zu befolgende Empfehlung für Fahrverhalten und weniger als bedingungslos einzuhaltende gesetzliche Vorschriften interpretieren. Er schaut so verständnislos wie ich früher in der Schule beim Versuch, Differentialgleichungen im Matheunterricht zu lösen. Erkläre ihm, er könne mit einem saftigen Trinkgeld rechnen, wenn er uns schnellstmöglich ins Krankenhaus bringt. Das pekuniäre Angebot scheint zu überzeugen, denn der Fahrer setzt unverzüglich zu Überholmanövern an wie Schummel-Schumi in seinen besten Zeiten.

Weiterlesen

Wehe, wenn die Wehen (nicht) kommen

Es sind nur noch zwei Wochen bis zum errechneten Entbindungstermin, über den Namen wurde gegrübelt, die wichtigsten Anschaffungen sind getätigt und auch den Geburtsvorbereitungskurs haben wir halbwegs unbeschadet absolviert. Sitze nun entspannt mit der hochschwangeren Freundin im Kino. Nicht weil uns der Film – eine Actionkomödie mit weniger Niveau als eine Unterhaltung im Dschungelcamp – wirklich interessiert, sondern weil wir es (noch) können.

Pünktlich zum Start des cineastischen Machwerks setzt bei der Freundin ein Ziehen in der Bauchgegend ein, was sie als Einsetzen der Wehen interpretiert. Bewahre aufgrund meines angelesenen Wissens aus verschiedenen Schwangerschaftsbüchern absolute Ruhe und erkläre der Freundin in leicht altklugem Duktus, dass zwischen den Wehen und der eigentlichen Geburt viele Stunden lägen. Außerdem hätten wir mehr als 20 Euro für Kinokarten und überteuerten Süßkram ausgegeben. Meines Erachtens alles Gründe, die dafür sprächen, sich den Film erstmal in Ruhe anzuschauen. Eine Einschätzung, die von der Freundin nur bedingt geteilt wird. Weiterlesen