Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
15. Mai 2023, Berlin
Der Sohn muss heute Chemie schreiben. Das Gute daran: Es ist die letzte Chemie-Arbeit seines Lebens. Das Schlechte daran: Er muss heute Chemie schreiben.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets und -Tröts der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
08. Mai 2023, Berlin
Wir gehen ins Kino. Kannst du ja problemlos machen, wenn die Kinder groß sind. Passiert trotzdem nur selten. Wir schauen Guardians of the Galaxy, Vol. 3, und haben uns in der letzten Reihe luxuriöse Sessel gegönnt, in denen du fast liegen kannst. Kannst du ja problemlos machen, wenn du nur selten ins Kino gehst.
Um trotzdem etwas Geld zu sparen, haben wir unsere eigenen Snacks mitgebracht. 17-Uhr-Christian hat Stullen geschmiert, Äpfel geschnitten und Gemüse-Chips eingepackt. 20-Uhr-Christian muss nun seinen Sitznachbar*innen zusehen, wie sie Nachos mit Käsesauce, M + Ms und Gummibärchen essen, und findet, dass 17-Uhr-Christian ein Volltrottel ist.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Heute ist Iss-was-du-willst-Tag. Und morgen der Steige-auf-keinen-Fall-auf-die-Waage-Tag.
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Die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Urologen steht an. Nicht gerade der schönste Termin des Jahres, aber was muss, das muss. Besser sich einmal alle zwölf Monate den Finger in den Po stecken und den Hoden kraulen lassen, als irgendwann unnötig an Krebs zu sterben, weil er nicht rechtzeitig entdeckt wurde.
Vor dem Urologen-Termin bin ich immer etwas nervös. Als eher schamhafter Mensch entkleide ich mich nur ungern vor anderen Menschen. Außerdem befürchte ich, ich hätte mich nicht gründlich genug gewaschen und könnte untenrum streng riechen. Das wäre sehr unangenehm. Vor allem für den Urologen.
Wegen der Aufregung schwitze ich stärker als gewöhnlich. Deswegen habe ich noch mehr Angst, im Schritt zu müffeln. Das signalisiert meinen Schweißdrüsen wiederum, nochmal richtig Gas zu geben. Es ist ein Teufelskreis aus Schweiß und Angst.
Die Untersuchung geht dann ganz schnell. Quasi rein raus. Ich verdränge den Gedanken, der Arzt hat sich besonders beeilt, weil ich wie ein Puma gestunken habe.
Anschließend muss ich ins Laborzimmer zur Blutabnahme. Eine äußerst attraktive Arzthelferin begrüßt mich und fragt, ob ich für den PSA-Test bereits bezahlt hätte. Ich verneine. Die Schlange am Tresen wäre so lang gewesen, aber ich würde das anschließend sofort erledigen.
Sie ermahnt mich, das ja nicht zu vergessen. Sonst käme sie persönlich zu mir nach Hause, um das Geld einzutreiben. Ich kann mir gerade noch ein unangenehm onkelhaftes „Ach, das wäre doch ganz nett“ verkneifen. Anscheinend hat der Urologe beim Abtasten der Prostata einen schmierlappigen Boomer in mir geweckt.
Nachdem sie die Kanüle aus meiner Vene gezogen hat, fragt mich die junge Frau, ob ich Blutverdünner nähme. „Nein“, erwidere ich. „Aber meine Frau.“ Eine Information so irrelevant, als hätte ich ihr gerade mitgeteilt, dass ich früher ein Zwergkaninchen namens Hasi als Haustier hatte. (Was auch nicht stimmt, denn meine Eltern fuhren eine strikte No-Haustier-Policy.)
Die Arzthelferin schaut mich etwas irritiert an. Schließlich sagt sie: „Gut, dann lege ich ihrer Frau einen Druckverband an, wenn ich ihr mal Blut abnehme.“ Dabei klebt sie mir ein Pflaster auf die winzige Einstichstelle an meinem Arm.
Ich verabschiede mich und bezahle am Tresen die Blutabnahme und den Test. Nach dem „Meine Frau nimmt Blutverdünner“-Unfug käme die Arzthelferin sowieso nicht mehr bei mir vorbei, um die Laborschulden einzufordern. Mein innerer Boomer macht ein trauriges Gesicht.
Wen auch immer es betrifft: Gehen Sie regelmäßig zur Hoden- und Prostatakrebsvorsorge. Die Untersuchung ist gar nicht so schlimm und kann Leben retten. Ihr eigenes.
Aber vielleicht hat sie sie zweimal am Tag geduscht, weil sie weiß, dass ich sie dabei sehen kann, und ihr gefällt das. Weil sie irgendeinen voyeuristischen Exhibitionisten-Fetisch hat. Zumindest hält mein innerer Boomer das für möglich. Ich sollte ihn besser zum Schweigen bringen. Am besten mit einer kalten Dusche. Mein innerer Boomer ist nicht begeistert und sagt: „Aber nicht zu kalt. Du weißt schon, falls die Nachbarin zuschaut.“
13. Mai 2023, Berlin
Wache um kurz vor vier auf. Draußen vor unserem Schlafzimmer findet ein Heidenspektakel statt. Aber nicht von Autos, die durch die Straße rasen, oder durch Tourist*innen, die nach einer durchgefeierten Nacht ins nahegelegene Hostel zurückkehren. Nein, es sind Krähen, die diesen Lärm veranstalten. Sehr laut, sehr ausdauernd und sehr nervig. Frage mich, ob die Krähen gerade von einer Party zurückkommen und besoffen randalieren, oder ob sie auf dem Weg zur Frühschicht sind und sich denken, wenn wir wach sein müssen, muss der Christian auch nicht mehr schlafen.
Nach einer guten Stunde hört das Gekrächze endlich auf. Dafür fangen die Tauben mit ihrem Balzgegurre an. Auch hier stellt sich die Frage, ob die Tauben um die Häuser gezogen sind und ihnen ist jetzt vor dem Schlafen noch nach einem Sexhupferl. Oder sind sie gerade aufgewacht und wollen das Wochenende mit ein bisschen Morgensex einleiten? Anscheinend gibt es aber keine Beischlaf-Interessentinnen und die Tauberiche gurren über eine Stunde lang mit einer gleichermaßen ausdauernden wie penetranten Lautstärke.
Stehe um kurz vor sechs auf, mache mir einen Kaffee und setze mich im Wohnzimmer aufs Sofa, um ihn ganz in Ruhe zu trinken. Das funktioniert für 30 Sekunden. Dann fliegt eine Biene durch die geöffneten Balkontür und brummt lärmend durchs Zimmer, was einen entspannten Kaffeekonsum unmöglich macht.
Ich verstehe das nicht. Meine Frau hat erst kürzlich den Balkon mit verschiedenen Blumen frisch bepflanzt. Das heißt, die Biene könnte draußen ganz gemütlich frühstücken. Aber nein, sie muss vor unserem Bücherregal auf- und abfliegen, sich 20 Jahre alte Reiseführer aus London, der Bretagne und Dänemark anschauen und dabei mehr Lärm machen als ein Formel-1-Bolide auf dem Nürburgring.
Da lebst du schon in der Großstadt und musst dich trotzdem von Krähen, Tauben und Insekten terrorisieren lassen. Schönen Dank auch.
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Heute ist Tag des Apfelkuchens. Prinzipiell ein begrüßenswerter Ehrentag. Der aber nutzlos ist, wenn du keinen Apfelkuchen hast. Oder sonst irgendeinen Kuchen. Kekse gingen notfalls auch. Oder Schokolade. Oder irgendwelche kurzkettigen Kohlehydrate, die direkt ins zerebrale Belohnungszentrum ballern.
14. Mai 2023, Berlin
Heute ist Muttertag. Und unser Hochzeitstag. Gleich zwei Tage, die wir nicht groß feiern. Außer dass wir abends etwas Leckeres kochen. Aber das machen wir häufig sonntags. Ganz unabhängig von Mutter- und Hochzeitstagen. Und wir trinken einen Gin Tonic. Dazu sind wir auch nicht auf mütter- oder eheliche Ehrentage angewiesen.
Wie dem auch sei. Ein Prost auf unsere Mütter und auf uns.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
„Wissen macht: Hä?“, meine immer noch recht neue Infotainment-Rubrik mit weiterhin mittelmäßig wenig Info und mittelmäßig viel tainment zu Jahres- und Feiertagen, geschichtlichen Ereignissen sowie aktuellem Zeitgeschehen. Wer regelmäßig „Wissen macht: Hä?“ liest wird wahrscheinlich nicht klüger, aber auch nicht dümmer. Vielleicht.
14. Mai ist Muttertag. Der Tag, an dem Mütter geehrt und gefeiert werden, in der Hoffnung, sie vergessen dann, dass sie die restlichen 364 Tage im Jahr in schlechter bezahlten Jobs arbeiten, in gut bezahlten Jobs weniger Geld als Männer bekommen, mehr Haus- und Carearbeit als Väter übernehmen und dafür mit einem erhöhten Risiko von Altersarmut belohnt werden.
Sollten Sie der Meinung sein, die Schnittblumenindustrie und die Nazis haben den Muttertag erfunden, liegen Sie falsch. Aber auch ein bisschen richtig. Tautologische Sätze mit wenig Aussagekraft und noch weniger Erkenntnisgewinn. Willkommen bei „Wissen macht: Hä?“
In der neuesten „Wissen macht: Hä?“-Ausgabe erfahren Sie, was wirklich der Ursprung des mütterlichen Ehrentages ist, wie er nach Deutschland kam, was die beliebtesten Geschenke zu Muttertag sind und noch viel mehr. Wie immer – das heißt, wie in der ersten Ausgabe – ist das hier alles knallhart recherchiert, streng evidenzbasiert und so fundiert, dass sie es mit ihrem neuen Wissen locker bis zur 50-Euro-Frage bei Günther Jauch schaffen.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Mütter, die sich Präsente und kleinere Aufmerksamkeiten zum Muttertag wünschen, müssen spätestens Mitte April ihre Partner und Kinder daran erinnern. Und nochmal Ende April, Anfang Mai, am Montag vor Muttertag und jeden Tag bis Samstagmorgen. Mit etwas Glück bekommen sie dann eines oder sogar mehrere der hier aufgeführten Geschenke.
Blumen: Das Number One Go-To-Geschenk an Muttertag. Mit Blumen zu Muttertag kannst du nichts falsch machen. Außer mit einem Strauß weiße Nelken. Die werden traditionell eher zu Beerdigungen verschenkt.
Pralinen: Nummer zwei unter den Evergreen-Muttertagsgeschenken. Damit machst du an Muttertag ebenfalls nichts falsch. Außer mit Mon Cherie. Die sind Ausdruck für Missachtung, mangelnde Wertschätzung und abgrundtiefen Hass und sollten weder zu Muttertag noch zu sonst irgendeiner Gelegenheit verschenkt werden.
Parfüm: Ebenfalls ein beliebtes Muttertagsgeschenk, aber durchaus heikel. Schließlich signalisiert es: „Du könntest besser riechen.“
Gutschein: Falls du als Kind den Muttertag vergessen hast, kannst du einfach morgens noch schnell einen Block mit Post-its beschriften. „1x Müll runterbringen“, „1x Geschirrspülmaschine ausräumen“, „1x Altglas wegbringen“, „1x Rücken kraulen“. Zack, fertig ist das Muttertagsgeschenk. Mütter sollten solche Gutscheine gut aufheben und 20 Jahre später einlösen.
Frühstückstisch decken: Was gibt es Schöneres als sonntagmorgens vom Duft frischen Kaffees geweckt zu werden, den die Kinder aufgebrüht haben? Genau, ihn nicht trinken zu müssen. Das ist noch viel schöner, denn Kinder sind die schlechtesten Kaffeekocher der Welt. Entweder sie benutzen so wenig Pulver, dass es geschmacklich vorteilhafter wäre, abgestandenes Spülwasser zu trinken. Oder sie hauen so viel Pulver in den Filter, dass dir die Überdosis Koffein den Herzschlag auf die Geschwindigkeit eines Scooter-Songs hochpeitscht.
Selbstgebackener Kuchen: Wenn Kinder zu Muttertag einen selbst gebackenen und bunt verzierten Schokokuchen überreichen, geht Müttern das Herz auf. Solange sie darüber hinwegsehen, dass er so unförmig ist, als hätte sich ein Nilpferd daraufgesetzt. Außerdem ist er mit einem Zentner bunter Streuseln und Zuckerperlen dekoriert, als hätte sich ein Einhorn mit schwallartigem Brechdurchfall darüber übergeben. Verzehrt werden sollte der Muttertagskuchen besser auch nicht. Entweder ist er steinhart gebacken, so dass beim Reinbeißen der Verlust der Schneidezähne droht, oder noch halb roh und birgt die Gefahr einer mittelschweren Salmonellenvergiftung.
Selbstgemalte Bilder: Kinder im Alter von zwei bis fünf bringen zum Muttertag häufig selbstgemalte Bilder aus der Kita mit. (Und falls nicht, bekommt der JU-Vorsitzende Tilman Kuban einen Tobsuchtsanfall und stellt die Kita-Leitung persönlich zur Rede.) So ein selbstgemaltes Bild ist herzallerliebst. Zumindest im Auge der betrachtenden Mütter. Für alle anderen sehen die „Kunstwerke“ aus, als seien sie von einem zugekokster Waschbären gemalt worden, und der Stil ist eine krude Mischung aus naiver Malerei, Kubismus, Ex- und Impressionismus.
Gedicht: Grundschulkinder verschenken zu Muttertag gerne Gedichte. Wenn die Mütter Glück haben, irgendein abgeschriebenes, wenn sie Pech haben einen selbstgereimten Gruß. Irgendetwas auf dem Niveau von „Kochen, waschen, bügeln, putzen – diesen Tag sollst du anders nutzen.“ plus ein paar Sätze, die sich auf Mama reimen. (Hammer, Klammer, Kammer) Oder auf Mutter. (Erdnussbutter, Fischkutter, Katzenfutter)
4) Everything Everywhere All at Once: Jeden Tag ist Muttertag, fast überall
Nicht auf der ganzen Welt fällt der Muttertag auf den zweiten Sonntag im Mai. Das ist ziemlich gut, denn so können Mütter durch geschicktes Umziehen mehrmals im Jahr Muttertag feiern.
Zum Beispiel im Februar in Norwegen, an den Märzwochenenden in Georgien, Bulgarien, Ägypten und Slowenien, im April wiederum in Armenien und Nepal, an den Maisonntagen in Angola, Südkorea, Mexiko, Samoa, Paraguay, Polen, Bolivien oder Nicaragua, im Juni dann in der Mongolei, in Luxemburg und Kenia. Im Juli sieht es mau aus, dafür wird im August in Thailand und Costa Rica gefeiert, der September muss wieder überbrückt werden, bevor es im Oktober nach Belarus, Malawi und Argentinien geht. Im November kann der Muttertag theoretisch in Russland begangen werden, aber vielleicht ist es besser darauf zu verzichten und stattdessen die Umzüge im Dezember nach Panama und Indonesien vorzubereiten.
Zugegebenermaßen ist dieses Muttertagshopping recht aufwändig. Dafür müssen Mütter aber sonntags nie selbst Frühstück machen. Allerdings gibt es nur Knäckebrot und Haferflocken ohne Milch, denn wegen der vielen Umzieherei ist kein Geld mehr übrig.
5) Quo vadis, Muttertag?
In Zeiten vielfältiger Familienmodelle wird der Muttertag zunehmend kritisch hinterfragt. Ob er noch zeitgemäß sei. Oder überkommene Geschlechterrollen beschönigt und zementiert. Von Familienforscher*innen gibt es Vorschläge, den Muttertag – und den Vatertag – durch einen Elterntag zu ersetzen. Das würde die Aufmerksamkeit stärker auf die Gleichstellung von Vätern und Müttern lenken.
Allein das Gedankenspiel, den Muttertag abzuschaffen, löst bei Tilman Kuban, Bayern-König Markus Söder und seinem Vize Hubert Aiwanger Schnappatmung aus. Das wirkt sich wiederum wenig förderlich auf ihr Denkvermögen aus. Markus Söder fabulierte beispielsweise kürzlich auf dem CSU-Parteitag: „Mutter ist mit Abstand das schönste Wort der Welt. Gibt es ein wichtigeres Wort?“ Ja, gibt es. Zum Beispiel Käsekuchen, Flutschfinger oder Ponyhof. Und dafür musste ich nicht einmal zehn Sekunden nachdenken.
Der Aiwanger Hubsi twitterte wiederum anscheinend in einer Art Fiebertraum: „Wer den Muttertag in Frage stellt, kommt mit seinem Leben nicht klar.“ Ob jemand, der ernsthaft der Ansicht ist, Deutschland wäre ein sichereres Land, wenn jeder anständige Mann und jede anständige Frau ein Messer in der Tasche trüge, darüber urteilen sollte, ob andere Menschen ihr Leben auf die Reihe bekommen, kann hier nicht vertieft erörtert, sondern nur stark verkürzt beantwortet werden: Nein, sollte er nicht.
Nun ist der Verzicht auf Muttertagsbasteleien sicherlich nicht die Lösung, um das Patriarchat und alle damit verbundenen Ungerechtigkeiten zu überwinden. Aber es ist bestimmt auch nicht der Untergang des Abendlandes, wenn wir anlässlich dieses Tages über Vielfalt und Rollenmodelle, Defizite bei der Gleichberechtigung oder über Begrifflichkeiten und ausschließende Sprache diskutieren.
Von daher, Tilman, Markus und Hubert: Wischt euch den Schaum vom Mund ab und dann schreibt ihr Mutti eine schöne Muttertagskarte. (Sofern ihr noch eine Mutti habt.) Da hindert euch niemand daran. Anschließend kümmert ihr euch bitte darum, das Ehegattensplitting zu canceln, Altersarmutsgefahren für Frauen zu minimieren und mehr Kinderbetreuungsplätze zu schaffen. Darüber freuen sich Mütter – und Nicht-Mütter – bestimmt mehr als über sinnbefreite Tweets oder Muttertags-Einlassungen an der Grenze zum Dadaismus.
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In diesem Sinne: Allen, die den Muttertag feiern, viel Spaß dabei, und allen, die ihn nicht feiern, einen schönen Sonntag!
Alle Folgen von „Wissen macht: Hä?“ finden Sie hier.
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01. Mai 2023, Berlin
Tag der Arbeit. Meine Frau und ich nutzen den arbeitsfreien Tag, um Wandern zu üben. Hört sich komisch an und ist es auch. Aber nicht im Sinne von lustig, sondern wie bei merkwürdigen Sonderlingen. Anfang Juni besuchen wir die Tochter in Irland und haben eine Wanderung entlang des Dingle Ways geplant. Vier Tage hintereinander müssen wir zwischen 17 und 25 Kilometern zurücklegen.
Weil wir noch nie einen Wanderurlaub gemacht haben – was unter anderem daran liegt, dass ich die Kombination der Worte Wandern und Urlaub befremdlich finde –, hielten wir es für eine gute Idee, das vorher auszuprobieren. Schließlich wollen wir nicht am ersten Tag zwei Kilometer hinter Camp feststellen: „Puh, diese Wanderei ist viel zu anstrengend. Lass‘ mal zum nächsten B&B trampen.“
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die ganze Woche ist voll mit Ehren- und Feiertagen. Der 4. Mai ist Star-Wars-Tag. Wegen „May the force be with you.“ Wahnsinniger Schenkelklopfer. Darüber können sich die Nerds den ganzen Tag kaputtlachen.
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Ich selbst konnte mich nie so recht für Star Wars erwärmen. Stattdessen war ich Fan von Star Trek. Vor allem war von „The Next Generation“ mit Captain Jean-Luc Picard. Als ich 15, 16 war, lief die Serie täglich auf Sat1. Ich hatte den Videorekorder programmiert, um ja keine Minute zu verpassen. Das ist mir auch gelungen und ich habe alle 178 Folgen gesehen.
Einmal fuhren wir mit ein paar Leuten zu einer Star-Trek-Kino-Nacht extra nach Mainz. Zu der Zeit gab es sechs Star-Trek-Filme. Um 18 Uhr fing der erste an, der letzte endete um kurz nach sechs. Rückblickend ist es wenig überraschend, dass ich damals keine Freundin hatte. Der Anteil weiblicher Fans in der Star-Trek-Community ist doch recht überschaubar. (Im Westerwald Anfang der 90er ging er gen Null.)
1993, bei einem Städtetrip nach New York, besuchte ich freiwillig das American Museum of Natural History, wo es eine Star-Trek-Exhibition gab. Heute kann ich mich nicht mehr erinnern, was dort gezeigt wurde. Ein Indiz, dass die Ausstellung nicht wahnsinnig spektakulär gewesen sein kann. Meine Star-Trek-Freunde zuhause beneideten mich trotzdem.
Im Museumsshop kaufte ich mir einen Star-Trek-Ohrring. Eine kleine Enterprise, die zeitweise an meinem Ohr baumelte. Rückblickend ist zwar wenig überraschend, dass ich damals keine Freundin hatte, aber umso mehr, dass ich nicht wusste, woran das liegen könnte. Welches mental einigermaßen stabile Mädchen will schon mit einem Typen zusammen sein, an dessen Ohr ein Raumschiff hängt?
„E as suas tentativas autodidactas de aprender a língua através de uma aplicação para as nossas férias em Portugal este Verão?
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Kurz vor 8. Sitze im Arbeitszimmer und schreibe. Kurz vor 8 scheint für die Frau, die im Hinterhof gegenüber wohnt, die bevorzugte Zeit zum Duschen zu sein. Das tut sie nämlich zum wiederholten Male diese Woche.
Was sollte ich auch damit anfangen, ihr Gesicht zu kennen. Sähe ich sie auf der Straße, könnte ich ja schlecht sagen: „Guten Tag, ich bin ihr Nachbar. Sie kennen mich nicht, aber ich sie. Ich sehe ihnen regelmäßig beim Duschen zu.“ Das führt schnell zu Missverständnissen und du giltst plötzlich als Perversling.
Um die Privatsphäre der Nachbarin – und meine eigene – zu wahren, mache ich mir in der Küchen einen Kaffee. Allerdings klappt das mit der Privatsphärenwahrung nicht so richtig, denn unser Küchenfenster geht ebenfalls zum Hinterhof raus. Die Frau duscht immer noch.
Begebe mich mit meinem Kaffee auf den Balkon. Auf der Straßenseite gegenüber steht ein großes Dominikaner-Kloster mit angrenzender Kirche. Da ist es eher unwahrscheinlich, dass ich durch die klösterlichen Bleiglas-Fenster jemandem beim Duschen zusehen muss. Zumindest hoffe ich das inständig.
06. Mai 2023, Berlin/Hamburg
Heute wird der Windsor Kalle offiziell zum König gekrönt. Beziehungsweise zu King Charles III. „by the grace of God, of the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland and of His other Realms and Territories King, Head of the Commonwealth, Defender of the Faith, and Sovereign of the Most Noble Order of the Garter.” (Viel Glück dem Grafik-Designer, der das alles auf eine Visitenkarte packen muss.) Order of the Garter ist im Deutschen übrigens der Hosenbandorden. Das hört sich allerdings weniger nach exklusivem Ritterorden, sondern mehr nach einer Kindergarten-Bande an.
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Statt das königliche Event im Livestream zu verfolgen, fahren wir nach Hamburg. Um in den Geburtstag meiner Schwägerin A., beziehungsweise Schwipp-Schwägerin, um genau zu sein, reinzufeiern. Das ist mindestens genauso wichtig. Außer du bist King Charles III. Dann ist das mit der Krönung etwas wichtiger.
07. Mai 2023, Hamburg/Berlin
Lese auf der Rückfahrt nach Berlin die aktuelle MAGAZIN-Ausgabe. Die enthält unter anderem ein sehr lesenswertes Interview mit André Wiersig, der als Extrem-Freiwasserschwimmer stundenlang durch die Meere dieser Welt schwimmt. Auf die Durchquerung des Ärmelkanals bereitete er sich vor, indem er jahrelang ausnahmslos kalt duschte. Außerdem stieg er täglich in eine Regentonne in seinem Garten. Dabei musste er häufig erstmal eine Eisschicht zerbrechen, um überhaupt in die Tonne zu gelangen.
Bis jetzt war ich darauf stolz, morgens meine Beine kalt abzubrausen. Für zehn Sekunden. (Manchmal auch nur acht.) Im Vergleich zu André Wiersig stehe ich nun wie ein erbärmliches Weichei da. Schönen Dank auch.
2021 schwamm André Wiersig als erster Mensch vom Festland aus nach Helgoland. Fast 49 Kilometer. Als der Interviewer ihn darauf anspricht, antwortet er lapidar: „Ich wollte die Nordsee erleben.“ Also, wenn ich die Nordsee erleben will, mache ich Urlaub auf Föhr. (Und hoffe dabei inständig, dass das Wetter nicht zu kühl, windig und unbeständig ist.)
In den späten 80ern waren wir in der achten Klasse für zwei Wochen auf Klassenfahrt auf Norderney und sind mit dem Schiff nach Helgoland gefahren. Allerdings nur fast. Während André Wiersig sich 18 Stunden lang durch die Nordsee kämpfte, drehte unser Schiff wegen des hohen Wellengangs und der starken Winde nach anderthalb Stunden um. Außer uns war noch eine Senior*innengruppe auf dem Schiff. Die älteren Herrschaften waren so seekrank, dass der Kapitän sich um ihre Gesundheit sorgte.
Ich glaube, niemand unter den Passagier*innen freute sich mehr als ich über die Ankündigung, dass das Schiff wieder zurückfährt. Während der Fahrt dachte ich mehrmals, dass wir gleich kentern und ich zurück nach Norderney schwimmen muss. Keine schöne Aussicht für jemanden, der nur mit Ach und Krach und sehr viel Wohlwollen des Bademeisters, der zufällig ein Bekannter meines Vaters war, sein Seepferdchen bekommen hat. Außerdem hatte ich mich auch nicht jahrelang durch kaltes Duschen vorbereitet. (Im Gegenteil. Ich gehörte als Kind eher in die Kategorie Extremwarmduscher.)
Als jemand der im Geiste durch die Nordsee nach Norderney geschwommen ist – und in meiner Phantasie fühlte sich das sehr real an –, kann ich sehr gut nachvollziehen, was für eine phänomenale Leistung André Wersig vollbracht hat und weiß sie angemessen zu würdigen.
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