Eine kleine Wochenschau | KW17-2023 (Teil 2)

Teil 1


28. April 2023, Berlin

Heute ist einer dieser Morgen, an denen ich im Wohnzimmer auf dem Sofa sitze, versuche, mittels Kaffee meine Lebensgeister zu wecken, und mich die Aussicht auf meine Erwerbsarbeit nur bedingt mit Vorfreude und Enthusiasmus erfüllt. An solchen Tagen sage ich mir zur Aufmunterung immer: „Na, wenigstens muss ich heute keine Mathearbeit schreiben.“

Der Sohn würde sich das sicherlich auch gerne sagen, kann es aber nicht, denn er muss heute eine Mathearbeit schreiben. Eine Aussicht, die ihn auch nicht mit Vorfreude und Enthusiasmus erfüllt. Dafür mache ich ihm einen doppelten Espresso. Der weckt hoffentlich seine Lebensgeister und wenn er Glück hat, kennen die sich mit Integralen, Graphen und Funktionen aus.

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Gegen 13 Uhr kommt der Sohn zurück. Die Arbeit sei ganz gut gelaufen. Er hoffe, dass es für fünf Punkte reicht.

Nach der Klausur seien sie zur Humboldt-Uni gefahren. Exkursion mit dem Philo-LK. (So oft wie sie mit dem Kurs Ausflüge machen, vermute ich allmählich, dass ihr Lehrer unter einer Klassenzimmer-Phobie im fortgeschrittenen Stadium leidet.) Sie hätten einen Vortrag von einem Philosophie-Professor gehört, der sei voll interessant gewesen.

Er habe über Moral und Dilemma gesprochen. Mehr bekomme ich aus dem Sohn nicht heraus. Trotzdem kann der Professor sich darauf etwas einbilden. Einer Gruppe von16-/17-Jährigen, deren Aufmerksamkeitsspanne ungefähr die Länge eines TikTok-Videos umfasst, als Reaktion aufn einen philosophischen Vortrag die Reaktion „interessant“ zu entlocken ist durchaus eine Leistung. Auf jeden Fall ein deutlicher Fortschritt gegenüber der Exkursion zum Deutschen Ethikrat letzte Woche. Dort ist der Sohn nach eigenen Angaben fast eingeschlafen ist. (Und wenn er „fast“ sagt, gehe ich davon aus, dass er tatsächlich ein Nickerchen eingelegt hat.)

29. April 2023, Berlin

Der Volksmund befiehlt bekanntlich, dass du morgens wie ein Kaiser speisen sollst, denn das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages. (Dicht gefolgt von einem Stück Kuchen am Nachmittag. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung und volksmündlich nicht abgesichert.)

Ein Frühstück wird noch besser, wenn du dir Freunde einlädst. So wie wir das gemacht haben. Heute kommen B. und M. mit ihrer Tochter H. zu Besuch. Ihr Sohn N. kann leider nicht, er muss arbeiten. Das ist sehr schade, denn bei unserem letzten Treffen hat er mich sehr mit seiner Lebensweisheit beeindruckt.

N. geht in die 10. Klasse und legte recht ausführlich dar, wie du eine gute Mitarbeitsnote bekommst, insbesondere in Fächern, in denen du nicht so richtig viel Ahnung hast.

  • Erstens musst du unbedingt Blickkontakt halten, wenn der Lehrer dich anschaut. Unter gar keinen Umständen darfst du wegschauen. Im Gegenteil, du musst ihm leicht zunicken. So denkt er, du wüsstest Bescheid und er nimmt dich nicht einfach dran, um zu sehen, ob du etwas verstanden hast.
  • Zweitens musst du dich immer melden, wenn sich sehr viele andere auch melden. Selbst wenn du die Antwort nicht weißt, da die Wahrscheinlichkeit dann sehr klein ist, dass du aufgerufen wirst.
  • Drittens musst du ab und an eine Frage stellen und dich am Ende der Stunde beim Rausgehen lautstark verabschieden. Durch beides stellst du sicher, dass sich der Lehrer an dich erinnert.

Ich fand seine Ausführungen sehr klug. Sie zeugten von strategischem Denken, Kenntnissen der Psychologie und einer gewissen Zielstrebigkeit. N. wird vielleicht nicht das beste Abitur aller Zeiten machen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er später in der Arbeitswelt sehr gut zurechtkommen wird.

30. April 2023, Berlin

Heute ist Ehrentag der Frisuren. Wahrscheinlich wurde der während der Corona-Pandemie in einem der Lockdowns erfunden.

Als Teil ihrer regelmäßigen Westerwälder Presseschau haben mir meine Eltern kürzlich einen Artikel geschickt, der die schöne Überschrift „Waschen, schneiden, schweigen“ trug. In diesem ging es um den Trend des Silent Cuts, bei dem während des Haareschneidens, wie es der Name vermuten lässt, auf Small Talk verzichtet wird.

Der Silent Cut sei eine gute Werbemaßnahme, um Kunden anzusprechen, die von Gesprächen beim Friseurbesuch genervt sind, erklärt in dem Artikel Antonio Weinitschke, seines Zeichens Art Director beim Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. (Ich weiß nicht, ob mich mehr überrascht, dass ein Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks existiert, oder dass es in diesem die Position des Art Directors gibt.) Die Aussage ist zwar nicht übermäßig originell, aber ich würde ihr trotzdem zustimmen. Zum einen weil Antonio Weinitschke ein phantastischer Name ist, zum anderen, weil ich im Prinzip diese Zielgruppe bin.

Dennoch würde ich nie einen Silent Cut buchen. Für mich klänge das, als würde ich zu der Friseurin sagen: „Halt gefälligst die Fresse, während du mir die Haare schneidest.“ Ich hätte Angst, dass sie mich dann für elitär und ungehobelt hält. Das möchte ich noch weniger, als mich beim Friseur unterhalten.


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Eine kleine Wochenschau | KW17-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


24. April 2023, Berlin

Autsch, autsch, autsch. Nach dem Marathon von gestern stellt das Treppenlaufen eine größere körperliche Herausforderung dar. Vor allem runter. Ich fühle mich, als hätte ich die Oberschenkel eines Ochsens. Allerdings nicht, was die Kraft angeht, sondern den Umfang. Bei jedem Schritt brennen meine Oberschenkel wie Feuer. Vielleicht sollte ich mich lieber aufs Treppengeländer setzen und runterrutschen.

Um mich trotzdem etwas bewegen – aber nicht zu schnell –, mache ich einen kleinen Spaziergang durch den Kiez. Dabei höre ich meine Marathon-Playlist und schwelge in Erinnerungen des gestrigen Laufs. Mein Körper ist wahrscheinlich noch vollgepumpt mit einem Glückshormon-Cocktail aus Endorphinen, Dopamin und Serotonin. Ich lächle alle mir entgegenkommenden Menschen beseelt an. Am liebsten würde ich sie umarmen und ihnen ins Ohr flüstern: „Ich bin gestern Marathon gelaufen.“

Aber so etwas kannst du nicht bringen. Selbst in Berlin nicht, wo merkwürdige Verhaltensweisen nicht ganz unüblich sind. Gerade nicht in Berlin. Da mache ich mich schon mit meinem freundlichen Lächeln verdächtig. Sicherlich denken die Passant*innen: „Was stimmt mit dem Typ nicht? Scheiß Psycho.“

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Familien-Tweets und -Tröts der Woche (457)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets und -Tröts der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Marathonschau | KW16-2023 (Teil 3)

Teil 1, Teil 2


Die Hälfte ist geschafft. An der Ecke Marie-Luisen-Straße wartet meine Frau mit der nächsten Flasche und zwei Energie-Gels. Die Übergabe funktioniert wieder reibungslos. Außer dass ich sie fast nicht gesehen hätte, weil der Treffpunkt nach meinem Zeit- und Entfernungsgefühl erst später kommen sollte. Geisteswissenschaftler eben.

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Meine Blase fragt an, wie es denn nun mit der Entleerung sei. Wir hätten jetzt doch die Hälfte hinter uns gebracht. Ignoriere sie. Hier gibt es ohnehin gerade kein Toilettenhäuschen und wir laufen durch ein feines Villenviertel. Da kannst du nicht einfach gegen den nächstbesten Baum pinkeln. Wir sind schließlich nicht in Berlin.

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Fortuna Ehrenfeld besingen die „Rückkehr zur Normalität“. Keine Ahnung, was mir das sagen soll. Was ist schon normal?

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Kilometer 24. Nächste Gel-Einnahme. Reiße den Beutel schlecht auf und spritze den ersten Schluck auf mein Shirt. Der Rest landet aber größtenteils in meinem Mund. Und auf meinen Händen. Zeit, wieder mit ein paar Kindern abzuklatschen.

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Meine Blase meldet sich erneut. Langsam nervt sie. Tue so, als höre ich sie nicht. Überlege aber kurz, ob es auffallen würde, wenn ich mir beim Laufen in die Hose pinkle. Worüber du halt so nachdenkst, während du Marathon läufst.

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In Alsterdorf liegt eine der Wechselzonen für die Marathonstaffeln. Das heißt, gleich drängeln sich wieder übermotivierte Staffelläufer an einem vorbei und du läufst Gefahr, einen Ellenbogen ins Gesicht zu bekommen. Gleichzeitig musst du aufpassen, nicht in etwas langsamere Teilnehmer*innen zu crashen, die nicht ganz so trainiert sind und wahrscheinlich von ihren Kolleg*innen überredet wurden, bei der Staffel mitzumachen.

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Die Playlist spielt „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“. (Grenzwertiges Lied, aber gut für den Laufrhythmus.) Marius singt: „Pipi ist kein Name und auch kein Getränk, mancher muss schon rennen, wenn er nur an Pipi denkt.“ Arschloch.

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Kilometer 28. Das Aufreißen des nächsten Gel-Beutels klappt problemlos. Schön, so ein kleines Erfolgserlebnis zwischendurch.

Meine Streckenabweichung beträgt nun circa 300 Meter, sprich 90 Sekunden. Dafür bin ich eine Minute schneller als der Plan. Könnte reichen. Oder auch nicht. Egal. Weiterlaufen.

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S-Bahnhof Ohlsdorf. Letzte Flaschenübergabe. Das Getränk besteht nun zur Hälfte aus mit Zucker und einer Prise Salz versetztem Mineralwasser, aus dem die Kohlensäure geschüttelt wurde, und zur anderen Hälfte aus Cola, ebenfalls ohne Kohlensäure. Eine Mischung, für die es sicherlich keine 5-Sterne-Rezensionen gibt.

Nehme den ersten Schluck. Es schmeckt noch scheußlicher, als ich es in Erinnerung hatte. Das Gebräu hat einen merkwürdigen fruchtigen Nachgeschmack.

Meine Frau erzählt später, dass die Flasche nicht ganz dicht war, so dass ein Teil des Getränks ausgelaufen war. Mit dem Improvisationstalent eines McGyvers streckte sie den Cola-Zuckerwasser-Mix kurzerhand mit einem koffeinhaltigen Getränk der Geschmacksrichtung Schwarze Johannisbeere, das dem Kleiderbeutel als Sponsoren-Give-away beilag.

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Kilometer 33. Nächstes Energie-Gel. Diesmal mit Cola-Geschmack und extra Koffein. Schmeckt auch nicht leckerer als der Orangen-Kollege.

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Kilometer 34. Überhole einen Staffelläufer im Bienenkostüm. Oder ich halluziniere.

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Max Prosa faselt irgendwas von „Flügel“. Die hätte ich auch gerne.

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Wir erreichen Winterhude. Die Anwohner*innen prosten uns mit Champagnerflöten zu. In Berlin wird eher mit Dosenbier gewunken. Andere Städte, andere Sitten.

Trinke einen Schluck meines Cola-Gebräus. Immer noch widerlich. Überlege, wie viel Zeit ich verliere, wenn ich mich während des Laufens übergebe. Die Blase merkt an, dass sie ja wohl zuerst an der Reihe wäre. Behalte aber alle Körperausscheidungen in mir, um die Winterhuder*innen nicht zu traumatisieren.

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35 Kilometer vorbei. Fühle mich immer noch gut. Allerdings wäre es hilfreich, wenn ich mich hinter jemanden klemmen und ein wenig ziehen lassen könnte. Zum Beispiel von der Frau vor mir im Deutsche-Post-Shirt. Auf den Rücken ist ihr Name gedruckt. Linda. (Zumindest gehe ich davon aus, dass das ihr Name ist.)

Linda von der Post ist aber etwas zu langsam. Überhole sie.

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Kilometer 37. Trinke das letzte Cola-Energie-Gel. Keine Ahnung, ob das fünf Kilometer vor dem Ziel überhaupt noch reinkickt. Wenigstens habe ich etwas zu tun.

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Meine Oberschenkel brennen leicht. Wir sind Helden fragen „Ist das so?“

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39 Kilometer sind absolviert. Wegen der Laufabweichung für mich sogar 39,4 Kilometer. Bin also knapp zwei Minuten länger unterwegs als geplant. Dafür liege ich 75 Sekunden unter meinem gepufferten Zeitplan.

Versuche auszurechnen, ob das für die dreieinhalb Stunden noch reicht. Komme zu keinem Ergebnis. Laufe trotzdem weiter. (Mein Mathe-LK-Lehrer googelt derweil, ob es eine Möglichkeit gibt, mir nachträglich das Mathe-Abi abzuerkennen.)

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Kilometer 40. Muss in einer Kurve kurz verlangsamen, um nicht in einen anderen Läufer zu rennen. Ein Krampf in der Leistengegend deutet sich an. Das käme mir jetzt sehr ungelegen. Wenn der Krampf richtig durchschlägt, bliebe mir nur übrig, das Rennen gehend zu beenden. Beziehungsweise humpelnd. Das hieße Adieu, Dreieinhalb-Stunden-Zeit.

Die Ärzte höhnen „Zu spät“. Schönen Dank auch.

Beschließe, zu beschleunigen und einfach vor dem Krampf wegzulaufen. Überraschenderweise funktioniert das.

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Noch etwas mehr als ein Kilometer. Aus dem linken Augenwinkel nehme ich wahr, wie sich jemand an mir vorbeischiebt. Auf einem Tretroller. Denke zuerst, es ist ein Ordner. Ist es aber nicht, sondern irgendein Penner, der es anscheinend lustig findet, in der Läufer*innenmenge mitzufahren. (Und mit Penner meine ich selbstverständlich nicht Obdachloser, sondern Volltrottel.)

Der Typ winkt fröhlich in die Menge. Würde ihn am liebsten vom Roller schubsen, er ist jedoch zu schnell. Hass ist ein guter Motivator und ich kann nochmal an Tempo zulegen.

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Die letzten 200 Meter. Seed plärren „Schüttel dein Speck“ in mein Ohr.

Habe mittlerweile vollkommen den Überblick verloren, ob ich meine Zielzeit noch schaffe. Renne einfach stur weiter.

Überquere die Ziellinie und stoppe meine Uhr. 3:29:17. Geht doch.

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Mache im Zielbereich ein Medaillen-Selfie für unsere Familiengruppe „Die krummbucklige Sippe“. Kontrolliere das Bild und denke im ersten Moment, ich hätte versehentlich einen Seniorenfilter benutzt. Habe ich aber nicht. Anscheinend bin ich in den letzten dreieinhalb Stunden einfach 30 Jahre gealtert.

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Treffe vor den Messehallen meine Frau, die weltbeste Flaschenübergeberin aller Zeiten.

Sie erzählt, sie sei gerade von einem Portugiesen angesprochen worden. Er meinte, sie hätte so eine tolle Frisur, und das wollte er ihr sagen. Dann fragte er, ob sie mitgelaufen sei. Sie verneinte und erklärte, aber ihr Mann – sprich: ich – wäre gerade ins Ziel gekommen. Das war nicht ganz die Antwort, die der Portugiese sich erhofft hatte, denn er wollte sie eigentlich auf einen Kaffee einladen.

Aber schön, dass wir heute beide ein Erfolgserlebnis hatten. Ich bin meine Wunschzeit gelaufen und meine Frau wurde von einem charmanten, attraktiven Portugiesen angeflirtet. Top!


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Teil 1

Teil 2


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Eine kleine Marathonschau | KW16-2023 (Teil 2)

Teil 1, Teil 3


9. 30 Uhr. Es geht los. Zunächst für die Eliteläufer*innen, zu denen ich offensichtlich nicht zähle. Ein paar Minuten später setzt sich unser Block in Bewegung.

Für meine Wunschzeit von dreieinhalb Stunden muss ich die Kilometer im Schnitt in 4:59 Minuten laufen. Für einen kleinen Puffer habe ich meine Laufuhr auf 3:29 Stunden programmiert. Das entspricht einem Kilometerschnitt von 4:57. Beim Marathon besteht aber die Gefahr in der Anfangseuphorie zu schnell loszulaufen, so dass dir am Ende die Puste ausgeht. Habe mir daher für die ersten zehn Kilometer eine Kilometerzeit von nur fünf Minuten vorgegeben, um später nach und nach etwas schneller zu werden.

Um nichts dem Zufall zu überlassen, habe ich meine Laufplaylist entsprechend gestaltet. Die ersten Lieder sind rhythmisch etwas langsamer und nach hinten raus nimmt der Beat immer weiter zu. Der Lauf startet für mich mit „Vergiftet“ von Jan Delay, geht weiter mit P.R. Kantate und „Görli Görli“, gefolgt wieder von Jan Delay mit „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“, der dann von den Beginner mit „Gustav Gans“ abgelöst wird.

Das hat zwar eine Menge Hamburger Lokalkolorit – mit Ausnahme von P.R. Kantate –, aber auf den ersten Kilometern deucht mir, dass sich Deutsch-Rap mit leichten Reggae-Einflüssen eher zum Kiffen und weniger als musikalische Untermalung eines Marathons eignet.

Hänge mich an einen Typ, der vor mir unterwegs ist und wie ein Uhrwerk ein 5er-Tempo abspult. So komme ich trotz des chilligen Auftaktmedleys auf meine vorgenommene Durchschnittszeit. Nach ungefähr fünf Kilometern verliere ich meinen Vordermann allerdings aus den Augen.

Inzwischen singen Wanda darüber, dass Tante Ceccarelli in Bologna Amore gemacht hat. Der Rhythmus ist etwas flotter als die Hamburger Deutsch-Rap-Kiffer-Mucke. Dadurch schaffe ich es auch alleine, meine Geschwindigkeit zu halten.

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Kilometer 6. Trinke mein erstes Energie-Gel. Mit Orangen-Flavour. Geschmacklich durchaus verbesserungswürdig, aber ein Marathon ist ja keine Gourmet-Veranstaltung. (Außer der Medoc-Marathon. Da gibt es an den Verpflegungsstationen Austern und Rotwein.)

Der erste Punkt meiner To-Do-Liste ist damit erledigt. Auf der Liste steht, ungefähr alle sechs Kilometer ein Gel zu trinken, und außerdem bei Kilometer 12, 21 und 30 eine Getränkeflasche von meiner Frau entgegenzunehmen. Wenn du dreieinhalb Stunden unterwegs bist, ist es gut, wenn du etwas zu tun hast. Dann wird dir nicht langweilig.

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Habe inzwischen acht Kilometer hinter mir. Meine Laufuhr zeigt die Kilometer allerdings jedes Mal etwas vor den offiziellen Markierungen an. Bin genervt, dass die Uhr nicht präziser misst. Das liegt möglicherweise daran, dass hier Tausende Menschen mit GPS-Trackern unterwegs sind, die sich gegenseitig stören. Keine Ahnung, ob das technisch und physikalisch Sinn ergibt. Wahrscheinlich nicht.

Habe plötzlich eine Erleuchtung. Die Differenz ist gar nicht auf Messungenauigkeiten meiner Uhr zurückzuführen, sondern darauf, dass ich nicht exakt die Ideallinie laufe. Auf der sind immer schon andere Läufer*innen unterwegs. Ich bewege mich mal etwas weiter links und mal etwas weiter rechts von der blauen Linie und habe somit in Kurven einen etwas größeren Radius. Die Uhr misst also durchaus exakt, aber ich laufe tatsächlich jeden Kilometerabschnitt eine etwas weitere Strecke.

(Das ist heute ungefähr mein 25. Volkslauf, an dem ich teilnehme, und es ist das erste Mal, dass ich verstehe, woher die vermeintliche Messabweichungen meiner Uhr herkommen. Es hat schon seinen Grund, dass ich ein geistes- und kein naturwissenschaftliches Studium absolviert habe.)

Die längere Distanz, die ich im Vergleich zur offiziellen Strecke zurücklege, bedeutet, dass ich geringfügig schneller als geplant laufen muss, um die zusätzlichen Meter zeitlich zu kompensieren und auch offiziell unter dreieinhalb Stunden zu bleiben.

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Hannes Wittmer singt zwar „Vorwärts ist keine Richtung“, aber ich glaube, heute schon.

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War heute schon gefühlt 134-mal und tatsächlich neunmal auf Toilette. Trotzdem meldet sich meine Blase bei Kilometer 10. Sie merkt zaghaft an, sie hätte nichts dagegen, demnächst mal geleert zu werden. Das fände sie sogar ausgesprochen gut.

Da das hier keine basisdemokratische Veranstaltung ist, entscheide ich aber, frühestens nach 21 Kilometern zu pinkeln. Noch besser erst bei Kilometer 25. Meine Blase murrt ein wenig, fügt sich aber ihrem Schicksal.

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Kilometer 11. Ein Viertel ist geschafft. Trinke das nächste Energie-Gel. Etwas früher als vorgesehen, aber mir fiel gerade noch rechtzeitig ein, dass mir bei Kilometer 12 meine Frau die neue Getränkeflasche übergibt und das wird etwas schwierig, wenn ich gleichzeitig mit dem Gel-Beutel rumhantiere.

Geschmacklich ist das Orangen-Gel immer noch nicht haute-cuisine-verdächtig. Dafür ist der nächsten Punkt auf der To-Do-Liste erledigt.

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Kommen an der Elbphilharmonie vorbei. Die sehe ich aber nicht, da ich nach meiner Frau Ausschau halte. Der Flaschenaustausch verläuft sehr geschmeidig. Als hätten wir es vorher geübt.

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Kilometer 14. Klatsche mit ein paar Kinder am Straßenrand ab. Die freuen sich darüber und ich habe ja sonst auch nichts zu tun. Außer zu laufen.

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Theodor Shitstorm singen derweil vom „Getriebeschaden in der Slowakei“. Hauptsache nicht in Hamburg.

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Wir durchqueren den Wallringtunnel. Einige Läufer*innen pfeifen und johlen. Für den Echo-Effekt. Dann klatschen sie rhythmisch. Anscheinend laufen sie noch nicht am Limit und haben zu viel Energie.

Meine Uhr findet das Unterirdische nicht so gut. Sie hat keinen Empfang. Als wir den Tunnel wieder verlassen, zeigt sie an, der letzte Kilometer sei sechs Sekunden langsamer als geplant gewesen. Mir kam das gar nicht so vor. Aber wer bin ich, dass ich mir anmaße, die Angaben eines Hightech-Präzisionschronometers anzuzweifeln.

Vielleicht geht mir schon die Kraft aus? Wäre ein bisschen früh. Laufe den nächsten Kilometer sechs Sekunden schneller und hoffe, dass sich das später nicht rächt.

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Überhole bei Kilometer 16 den 3:45-Pacemaker. (Bei größeren Marathon-Veranstaltungen gibt es so genannte Zielläufer für bestimmte Zeiten. Wenn du neben denen herläufst, erreichst du in deiner gewünschten Zeit das Ziel. Sofern der Zielläufer nicht schlapp macht.)

Überlege, wie lange ich noch brauche, um den 3:30-Läufer einzuholen. Nach reichlich viel Kopfrechnerei komme ich auf die Lösung: Nie!

Da er – oder sie – ungefähr fünf, sechs Minuten vor mir gestartet ist und mehr oder weniger genauso schnell läuft wie ich, werde ich ihn natürlich nie erreichen. (Wie gesagt, es hat schon seinen Grund, dass ich mich damals für ein geisteswissenschaftliches Studium entschied.)

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Kilometer 18. Pfeife mir das nächste Gel rein. Check!

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Kapelle Petra singt „An irgendeinem Tag wird die Welt untergehen“. Hoffentlich nicht heute.

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Uhlenhorst. Ein Mann schiebt sein Rad quer über die Laufstrecke und behindert ein paar Läufer*innen. Diese äußern gut vernehmlich ihren Unmut. Den dicksten Anschiss kassiert er aber von einem alkoholisierten Obdachlosen. Der brüllt ihn an, was mit ihm nicht stimme, sein Rad hier einfach so durchzuschieben. Recht hat er.

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Nach 20 Kilometern liegt meine Abweichung zur offiziellen Strecke bei ungefähr 200 Metern. Das ist circa eine Minute. Gleichzeitig bin ich 30 Sekunden schneller als mein Plan, der ja auch schon einen Ein-Minuten-Puffer hat. Könnte doch mit der Wunschzeit klappen. Falls ich mich nicht verrechnet habe.


Teil 3


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Eine kleine Marathonschau | KW16-2023

Diesmal keine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche, sondern zum Hamburg Marathon. Aber genauso banal, trivial und egal.


Rückblende

Oktober 2022

Im Januar hatten mein Freund A. und ich uns beim Köln Marathon angemeldet und uns eine Zeit von vier Stunden vorgenommen. Die Laufgötter waren allerdings gegen uns. Obwohl wir uns gut vorbereitet hatten. Aber anscheinend nicht gut genug. A. stieg bei Kilometer 30 entkräftet aus, ich schleppte mich halb laufend, halb gehend weiter, bis ich mich nach vier Stunden und 25 Minuten würdelos über die Ziellinie quälte.

Das wurmte mich alles so sehr, dass ich mich am nächsten Tag für den Hamburg Marathon im April 2023 registrierte. Dann suchte ich mir im Internet einen härteren Trainingsplan. Mit mehr schnellen Einheiten, mehr langen Läufen und mehr Kilometerumfängen. Ich erhoffte mir davon ein besseres Abschneiden in Hamburg, mein Unterbewusstsein wollte mich damit wahrscheinlich bestrafen.

Um den Druck zusätzlich zu erhöhen, nahm ich mir eine Zeit von 3:45 vor, die ich später in einer Mischung aus Größenwahn, vollkommenem Realitätsverlust und fortgeschrittenem Wahnsinn sogar auf 3:30 erhöhte. Fast eine Stunde schneller als in Köln und unter meiner Bestzeit von 3:33:53 vom Berlin Marathon 2013. Damals waren mein Bart und Haar noch dunkelbraun und mein Körper zehn Jahre jünger. Und fünf Kilo leichter. Beste Voraussetzungen für ein Underdog-Sport-Drama, bei dem ich gegen mein jüngeres Ich antrete.

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Eine kleine Wochenschau | KW16-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


17. April 2023, Berlin

Im Supermarkt. Verwende beim Bezahlen einen 7-fach-Payback-Punkte-Coupon, den wir kürzlich zugeschickt bekommen haben. Ja, meine Frau und ich sind Teil eines Kundenbindungsprogramms, bei dem wir einem undurchsichtigen Konzern Daten über unsere Einkaufsgewohnheiten sowie unsere bevorzugten Produkte überlassen. Und unsere Seelen obendrein. Dafür können wir uns ab und an Prämien wie einen Stabmixer oder ein Handrührgerät aussuchen. Wüsste die Frau das, die sich letztens an der Kasse so sehr über das bargeldlose Einkaufen echauffiert hat, ginge sie wahrscheinlich spontan in Flammen auf.

Fühle mich beim Einscannen des 7-fach-Gutscheins wie meine Großmutter. Die Eltern meines Vaters waren in den 50ern in die USA ausgewandert. Dort besuchten wir sie Mitte der 80er Jahr. Als ich damals mit meiner Großmutter einkaufen ging, kramte sie an der Kasse aus ihrem Geldbeutel einen Stapel Coupons hervor, die sie aus verschiedenen Zeitungen und Magazinen ausgeschnitten hatte. Für die gab es dann eine extra Packung Cornflakes, einen gratis Kanister Milch, zehn Prozent Rabatt oder andere Vergünstigungen.

Eigentlich hatten meine Großeltern es nicht nötig, Rabatt-Coupons zu benutzen. Sie waren recht wohlhabend, besaßen in Deutschland eine Eigentumswohnung und in Los Angeles in einem besseren Viertel ein großes Haus mit Swimming-Pool. Da bist du nicht wirklich auf kostenlose Cornflakes angewiesen. Aber wer weiß. Vielleicht basierte der Wohlstand meiner Großeltern gerade auf der konsequenten Nutzung der Coupons.

Wie dem auch sei. Von unseren Payback-Punkten werden wir uns eher kein Haus mit Schwimmbad leisten können. Dafür reicht es demnächst möglicherweise für eine Heißluft-Fritteuse.

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Eine kleine Wochenschau | KW16-2023 (Teil 2)

Teil 1


Der Sohn erzählt, dass er morgen eine Philo-Exkursion hat. Zum Deutschen Ethikrat. Das erstaunt mich. Also, nicht dass der Philosophie-LK eine Exkursion macht. Das kommt häufiger vor. Sondern dass diese zum Deutschen Ethikrat geht. Mir war zwar die Existenz desselbigen bekannt – in erster Linie aufgrund irgendwelcher Verlautbarungen während der Corona-Pandemie zum Thema Impfpflicht, wenn ich mich richtig erinnere –, aber es war mir nicht bewusst, dass der Ethikrat abseits seiner Mitglieder physisch existiert. Mit richtigen Büros und richtigen Arbeitsplätzen in einem richtigen Gebäude, das anscheinend besucht werden kann.

Was sie beim Ethikrat genau machen, kann mir der Sohn nicht sagen. Seine Freunde wüssten das auch nicht. Ich gehe davon aus, das liegt nicht daran, dass der Lehrer ihnen nicht erklärt hat, was auf der Exkursion passiert, sondern dass die Schüler*innen dies als irrelevante Informationen eingestuft haben, mit denen sie ihre Kurzzeitgedächtnisse nicht belasten wollten.

21. April 2023, Berlin

Als der Sohn morgens die Wohnung verlässt, hat er keine Tasche dabei und trägt lediglich seine Kopfhörer in der Hand. Ich frage ihn, ob er bei der Exkursion nichts zum Schreiben benötigt. Er erwidert, sie hätten die erste Stunde noch in der Schule, da würde er sich einen Kuli leihen. Das führt mich zu der in meinen Augen nicht unberechtigten Frage, worauf er denn mit dem Kuli schreiben wolle. Für den Sohn erfüllt die Frage allerdings nicht die erforderlichen Relevanzkriterien, um sie mit einer Antwort zu würdigen. Er deutet lediglich ein Achselzucken an, gibt mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange und geht. Wahrscheinlich fehlt ihm die Energie, um sein Sprachzentrum zu aktivieren.

Nachdem der Sohn später zurückkommt, kann er immer noch nicht sagen, was sie beim Ethikrat gemacht haben. Es sei sehr, sehr langweilig gewesen und er sei zwischendurch fast eingeschlafen. Dabei zuckt er wieder mit den Achseln. Während eines Vortrags beim Deutschen Ethikrat ein Nickerchen zu machen, stellt für ihn anscheinend kein größeres moralisches Problem dar.

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In Vorbereitung auf den Marathon muss ich nicht nur ausreichend trinken, sondern auch dafür sorgen, dass mein sogenannter Glykogenspeicher ausreichend gefüllt ist. Damit ich für die 42 Kilometer genügend Energie habe. Oder wenigstens für so viele Kilometer wie möglich.

Den Glykogenspeicher füllst du durch die Zufuhr von Kohlehydraten. In Läufer*innen-Kreisen heißt das Carbo-Loading. Das soll etwas cooler klingen als „Kohlehydrate fressen bis zur Verstopfung“.

Abends schauen meine Frau und ich eine Back-Show. Einer der Kandidaten stellt ein komplettes, maßstabgetreues Drumset aus Schokolade her. Weil das noch nicht genug Kalorien sind, packt er in die Snare Drum einen Chocolate Fudge Cake, in eine andere Trommel einen Käsekuchen und in die Base Drum Karamell-Schnitten.

Mir läuft das Wasser im Munde zusammen. Damit könnte ich meine Glykogenspeicher für mindestens zehn Marathons füllen. Kuchen, Kekse und Schokolade sind beim Carbo loaden aber natürlich nicht erlaubt. Stattdessen beiße ich in eine Kartoffel. Die ist auch lecker, belüge ich mich selbst. Ich muss sie nur ausreichend mit dem Salz meiner Tränen würzen.

22. April 2023, Berlin

Einen Tag vor dem Marathon stellt sich die große Bart-Frage. Kanadische Eishockeyspieler rasieren sich während Weltmeisterschaften oder in den Playoffs nicht. Aus einer Mischung aus Ritual und Aberglaube. Oder sie haben Angst, bei der Rasur ihre Halsschlagader zu perforieren und durch ihr Ableben das Team zu schwächen. Das willst du dir ja nicht vorwerfen lassen: Dass deine Mannschaft gescheitert ist, weil du tot warst.

Schaffen es die Spieler bis ins Finale, zieren ihre Gesichter stattliche Bärte. Das soll den Gegnern wahrscheinlich Respekt einflößen. Da mit Ausnahme der Schiedsrichter aber alle auf dem Spielfeld so aussehen, neutralisiert sich dieser Effekt ein klein wenig.

Schaue mich im Spiegel an und komme zu dem Schluss, dass ich kein kanadischer Eishockeyspieler bin und meine Gesichtsbehaarung keinen Respekt einflößt. Wirklich niemandem. Mein struppiger Bart sieht eher aus, als hätte ich die Kontrolle über mein Leben verloren, als wäre ich nicht einmal mehr zur basalsten Körperpflege imstande und als wäre mir einfach alles egal. (Dass ich Jogginghosen und ein uraltes T-Shirt mit zerschlissenem Kragen trage, verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.)

Also greife ich zum Haarschneider und stutze den meinen Bart auf eine kurze, einigermaßen gleichmäßige Länge. Somit sollte ich auf den unzähligen Fotos, die am Sonntag während des Laufs gemacht werden, nicht aussehen, als hätte ich drei Monate im Wald gelebt und würde gerade vollkommen orientierungslos in die Zivilisation zurückkehren. Sondern wie jemand, der sich zu viel zugemutet hat und vollkommen orientierungslos versucht, das Ziel zu erreichen. (Hoffentlich in der richtigen Richtung.)


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Familien-Tweets und -Tröts der Woche (456)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets und -Tröts der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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10. April 2023, Berlin

Ostermontag. Verbringe den größten Teil des Tages mit der Verdauung des gestrigen Ostermahls. Zwischendurch gehe ich laufen. Auf meiner Hohenzollernkanal-Strecke komme ich an den Schwänen vorbei, denen ich immer mit einer Mischung aus Respekt, Ehrfurcht und Hosen füllender Angst begegne. Das Schwanenpaar baut am Uferrand an seinem Nest. Ein älteres Ehepaar ist davon hellauf begeistert und fotografiert die Schwäne samt Brutstätte. Nicht aus sicherheitsabstandwahrender Ferne, sondern sie machen Nahaufnahmen, bei denen du wahrscheinlich die Struktur jeder einzelnen Schwanenfeder und jedes im Nest verbaute Ästchen erkennst.

Ich bin mir nicht sicher, ob es sonderlich klug ist, sich brütenden Schwänen so sehr zu nähern. Die gelten auch ohne zu erwartenden Nachwuchs nicht gerade als Mahatma Ghandis unter den Wasservögeln. Allerdings hat die Sorglosigkeit der Senior*innen auch sein Gutes: Dadurch sinkt mein Risiko, von den Schwänen attackiert zu werden, denn ich gehe davon aus, dass ich deutlich schneller rennen kann als die beiden betagten Mitbürger*innen.

Einfach abzuhauen und das Ehepaar seinem Schwanen-Schicksal zu überlassen, wäre allerdings bestimmt nicht gut für mein Karma. Vielleicht werde ich dann später als Schwan wiedergeboren. Vielleicht aber nicht, denn das könnte auch als Aufstieg im Wiedergeburtszyklus betrachtet werden. (Zumindest aus Sicht der Schwäne.)

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