Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
02. Oktober 2023, Berlin
H., unsere Nachbarin über uns, hat zum Geburtstag eingeladen. Familie, Kolleg*innen und Freund*innen. Aus dem Haus ist noch P. aus dem dritten Stock da.
Vor einiger Zeit habe ich in der Wochenschau geschrieben, dass ich, wenn ich die Wohnung verlassen will und höre, jemand kommt die Treppe runter oder hoch, manchmal warte, bis die Person weg ist und dann erst die Tür öffne. Und mit manchmal meine ich immer. Ich dachte stets, das sei ein unnormales Verhalten und liege daran, dass ich eher introvertiert und sozial etwas gestört bin.
Auf der Feier erzählt H., dass sie das auch so handhabt. P. meint, er ebenfalls, schließlich wolle man niemanden im Treppenhaus stören. Es stellt sich heraus, dass keiner aus der Wohnung geht, wenn er oder sie draußen jemanden hört.
Dabei haben wir eine wirklich gute Hausgemeinschaft. Die Nachbar*innen verstehen sich gut, alle sind rücksichtsvoll, es werden Päckchen füreinander angenommen und wir helfen uns gegenseitig mit Mehl, Eiern oder Werkzeug aus. Nur im Treppenhaus wollen wir uns nicht begegnen. Vielleicht sind wir alle sozial etwas gestört.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Heute ist Tag des Lächelns. Ein Gedenktag der in Berlin nur von sehr wenigen Menschen begangen wird.
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Der Fensterputzer war da. Einer der schönsten Tage im Jahr. Zum einen hat G., der Fensterputzer, so eine positive Ausstrahlung. Stets gut gelaunt und erledigt seine Arbeit immer mit Freude und Engagement. Das wirkt geradezu ansteckend. Zum anderen gibt es kaum etwas befriedigenderes als saubere Fenster. Wenn du wieder richtigen Durchblick hast und dich beim Rausschauen nicht fragst, woher der Sepia-Filter kommt.
Die Freude über die sauberen Fenster wird allerdings dadurch etwas eingeschränkt, dass meine Brille schmutzig ist. Das trübt den Durchblick ein wenig. Ich hätte G. bitten sollen, sie auch zu putzen.
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Es klingelt nachmittags. Der DHL-Bote bringt ein großes, schweres Paket. Für mich. Das ist ungewöhnlich. Normalerweise ist meine Frau fürs Online-Shopping zuständig.
Der Absender sagt mir nichts. Vielleicht sind es irgendwelche Werbe-Produkte. Die bekomme ich manchmal von Firmen ungefragt zugeschickt, in der Hoffnung, ich schreibe auf dem Blog darüber. Mache ich aber nicht. Ich werfe die Sachen immer weg. Schließlich möchte ich meine Integrität und Unabhängigkeit wahren. (Vor allem hat mich noch nie etwas davon auch nur ansatzweise interessiert.)
Ich öffne das Paket. Es enthält Müllbeute. Sehr viele Müllbeutel. Mit 60 Liter Fassungsvermögen. Für unseren großen Küchenmülleimer. Die habe ich tatsächlich bestellt. Das war ein Sonderangebot für vier Rollen. Dadurch war der einzelne Beutel ein paar Cent günstiger als beim Kauf von einzelnen Rollen. Das Angebot galt allerdings nur bei einer Mindestabnahme-Menge von sechs Vierer-Päckchen.
Nun liegen auf unserem Küchentisch 24 Müllbeutel-Rollen. Das heißt 240 Müllbeutel. Den großen Eimer nutzen wir nur für Restmüll. Da wir Papier, Plastikabfälle und Biomüll extra sammeln, dauert es circa zwei Monate, bis der 60-Liter-Eimer voll ist. Das heißt, ich muss erst in 40 Jahren wieder neue Müllbeutel kaufen. Vielleicht auch nie wieder.
07. Oktober 2023, Berlin
Heute ist Glücklich-trotz-Glatze-Tag. Noch nicht für mich, Gedenktag-Erfinder, noch nicht für mich.
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Beim morgendlichen Laufen komme ich an der Spree an einem Spielplatz vorbei. Eine junge Mutter schubst gerade ihre circa dreijährige Tochter auf der Schaukel an. Höher und immer höher, das Mädchen juchzt vor Freude. Ich lächle die beiden an, die Mutter lächelt zurück.
Junge Frauen, die einen anlächeln. Der Tag könnte schlechter starten, finde ich. Allerdings möchte ich nicht ausschließen, dass sie gedacht hat: „Der sieht nett aus. Wäre bestimmt ein guter Vorlese-Opa für die Kita.“
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Der Amazon-Algorithmus empfiehlt mir das Buch „How to write funnier“. Die künstliche Intelligenz wird immer besser.
08. Oktober 2023, Berlin
Der Sohn hat heute Berliner U18-Mannschaftsmeisterschaft. Der Wettkampf findet ungünstigerweise in Wartenberg statt. Ungünstigerweise weil das vierzehn Kilometer von Moabit entfernt ist, aber immer noch in Berlin liegt und gut mit dem ÖPNV mit nur einmal Umsteigen erreichbar ist. Somit gibt es keine Argumente, die rechtfertigen, dem Turnier als Eltern fernzubleiben. Außerdem ist es eines der letzten Turniere des Sohns als „Kind“. Da kann man sich das schon mal anschauen.
Die Mannschaft des Sohns startet leicht gehandicapt. Die Hälfte der Teammitglieder fällt verletzungsbeding aus oder hat ihre Gewichtsklasse verfehlt. Sie werden trotzdem zweiter. Das nächste Turnier ist die Nord-Ost-Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Irgendwann im November. Irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. Mal schauen, wie gut das ÖPNV-mäßig angebunden ist.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
25. September 2023, Berlin
A. und ich gehen morgens zusammen zum Bäcker, um Brötchen fürs Frühstück zu holen. Unsere Beine sind etwas schwer, aber wir sind guter Stimmung. Gestern war Berlin Marathon. Nach unserem Kölner Laufdebakel wollten wir ohne Zeitdruck, einfach mit einem guten Gefühl laufen und den Lauf genießen. Um hier keine künstliche Spannung aufzubauen: Es hat funktioniert.
Das Wetter war gut, die Temperaturen nicht zu warm und nicht zu kalt und die Stimmung an der Strecke war phantastisch. An jeder Stelle standen Zuschauer*innen und feuerten die Läufer*innen an, was sehr motivierend ist und gute Laune macht. Ich finde es bewundernswert, wie viele Menschen ihren halben Sonntag damit verbringen, nicht nur den Weltklasseathletinnen zuzujubeln, sondern auch irgendwelchen Wildfremden, die durch Berlin flitzen. Oder kriechen. Dazu kommen noch Hunderte oder Tausende von Freiwilligen, die beim Einlass, bei den Getränkestationen, als Streckenposten, an der Kleiderabgabe oder im Zielbereich helfen und den Marathon überhaupt erst möglich machen.
Den ersten Höhepunkt hatte ich ungefähr bei Kilometer 4. Dort entdeckte ich meinen alten Kollegen F. mit seiner Familie. Beziehungsweise er mich. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, ich habe seine Kinder abgeklatscht. Also, an den Händen, nicht im Gesicht. (Diesbezüglich bin ich mir sehr sicher.)
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Auf Spiegel Online gibt es ein Interview mit Claus-Henning Schulke, genannt Bottle-Claus. Der 57-Jährige ist seit 30 Jahren ehrenamtlicher Helfer beim Berlin Marathon, seit ein paar Jahren ist er dafür zuständig, Eliud Kipchoge am Streckenrand mit Trinkflaschen zu versorgen. Also das, was meine Frau für A. und mich gemacht hat. (Sie möchte trotzdem nicht Bottle-Tina genannt werden.)
Bottle-Claus wartet an den 13 Verpflegungsstationen auf Kipchoge, reicht ihm seine Flaschen und fährt dann mit dem Rad zur nächsten Übergabe. Das ist herausfordernder, als es sich anhört, denn Kipchoge läuft mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 21km/h. Da musst du dich ganz schön ranhalten, um vor ihm die Station zu erreichen.
Was für eine verantwortungsvolle Aufgabe und nervliche Belastung. Ich würde nicht mit Bottle-Claus tauschen wollen. Stell‘ dir vor, du lässt eine Flasche fallen und bist der Trottel, der Kipchoge den Weltrekord versaut hat.
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Heute ist sowohl Stelle-eine-dumme-Frage-Tag als auch Internationaler Tag des Rechts auf Wissen. Ich bin noch nicht entschieden, ob sich diese beiden Tage sehr gut ergänzen oder widersprechen.
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Vor Penny steht ein etwa vierjähriges Mädchen mit einem geknoteten Luftballon-Tier in der Hand. Als Kind hatte ich auch mal so einen Ballon-Hund.
Das war 1986 während unseres großen USA-Urlaubs. In San Francisco stand am Fisherman’s Wharf ein Clown, der aus Luftballons Tiere, Figuren und Gegenstände knotete. Ich war damals fast 11 und eigentlich zu alt für einen Ballon-Hund, wollte aber trotzdem einen und meine Eltern erfüllten mir diesen Wunsch. So nah war ich nie wieder einem Haustier.
Meine Enttäuschung war riesengroß, als der Ballon-Hund ein paar Tage später nach und nach die Luft verlor. Rückblickend spricht es nicht für mich, dass ich mit fast 11 dachte, der Ballon-Hund würde mich mein Leben lang begleiten.
29. September 2023, Berlin
Heute ist Tag des Deutschen Butterbrotes. Der wohl deutscheste aller Gedenktage, denn auf nichts sind die Deutschen stolzer als auf ihr Brot.
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Der Sohn schreibt heute seine erste Klausur in diesem Schuljahr. In Philosophie. Über René Descartes. Der ist mir hauptsächlich durch seinen größten Hit „Ich denke, also bin ich“ bekannt. Laut dem Sohn ist Descartes wichtigste Regel seiner philosophischen Methode die Skepsis. Du sollst alles in Zweifel ziehen und nichts für wahr halten. Ich bin mir nicht sicher, ob die Schule Teenagern, die ohnehin immer alles besser wissen als ihre Eltern, solche Flausen in den Kopf setzen sollte.
In der Probeklausur mussten sie die Philosophien von Descartes und Francis Bacon miteinander vergleichen. Ich habe keine Ahnung, was Francis Bacons größter Hit ist. Vielleicht hatte er keinen. (Oder ich bin sehr ungebildet, was philosophische Denker*innen angeht.)
Aber wahrscheinlich ist es schwierig, dich im philosophischen Wettstreit um das beste Argument durchzusetzen und Bekanntheit zu erlangen, wenn du mit Nachnamen Schinken heißt. (Immanuel Kant hatte es im englischsprachigen Ausland sicherlich auch nicht leicht.)
30. September 2023, Berlin
In meiner Inbox befindet sich eine Mail von Vanieta Hristova. Ich kenne keine Vanieta Hristova. Der Betreff lautet „2023“, in der Mail steht lediglich „Können wir reden?“
Nun frage ich mich, ob Frau Hristova mit 2023 reden möchte oder mit mir über 2023.
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Amazon zeigt mir an, dass „Hilfe, ich werde Papa“ das am meisten verschenkte Buch in der Kategorie „Schwangerschaft & Mutterschaft“ ist. Das freut mich natürlich. (Und mein Bankkonto ebenso.) Ob die Freude bei den Beschenkten ebenso groß ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
01. Oktober 2023, Berlin
Weil mich das Mädchen mit dem Luftballon-Tier gesehen an meinen Ballon-Hund aus den USA erinnert hat, habe ich anschließend mein Reisetagebuch hervorgeholt, das ich damals geführt habe. Das war eine Idee meiner Eltern, von der ich nicht wirklich überzeugt war, was ihnen aber egal war.
Heute bin ich ihnen dankbar, dass sie darauf bestanden, dass ich meine Erlebnisse in dem Urlaub aufschreibe. Gewissermaßen war das mein erster Urlaubs-Blog, nur ohne Laptop und Internet, sondern mit Kugelschreiber und Notizblock.
Bevor ich anfing, in dem Tagebuch zu lesen, dachte ich, es könnte lustig sein, meine damaligen Aufzeichnungen auf dem Blog zu veröffentlichen. Nach der Lektüre der ersten paar Seiten verwarf ich diesen Gedanken sehr schnell. Als zehnjähriger Urlaubschronist fehlte es mir doch ein wenig an Gespür für Dramaturgie, Spannungsaufbau und Pointen.
„Morgens war ich ganz aufgeregt. Und als ich im Flugzeug war wurde ich noch aufgeregter. Als wir in der Luft waren wurde ich wieder ruhig. Das Essen was wir bekommen haben schmeckte nicht so gut, aber das macht ja nichts. Der Film über Californien war ganz interessant nur der Ton war so schlecht und einmal wäre ich beinahe eingeschlafen. Der Film „Micky und Maude“ war lustig. Mitten im Film mußten wir uns anschnallen, weil wir in eine Turbulenz kamen. Da wurde mir ganz schön mulmig. Dann mußten wir noch vier Stunden fliegen.“
Fast jeder der folgenden Einträge beginnt mit der Uhrzeit, zu der ich aufwachte, und damit, dass ich mir nach dem Aufstehen Cornflakes gemacht habe. Auch sonst zeichnet sich das Reisetagebuch durch sehr viel Notizen zum Thema Essen aus (riesiges Eis, Hamburger), darüber hinaus durch die exzessive Verwendung der Worte dann, danach und anschließend – vorzugsweise am Satzanfang – und durch eine mitunter recht eigenwillige Auslegung der deutschen Rechtschreibung und Grammatik sowie dem fast vollständigen Verzicht, Kommata zu setzen. (siehe oben)
Daher halte ich es für besser, die damaligen Aufzeichnungen nicht einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Schließlich möchte ich meine Illusion aufrechterhalten, ein wortgewandter und gewitzter Autor zu sein.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Ich bekomme eine Nachricht an meine Blog-E-Mail-Adresse. Ein Michael Meier schreibt: „Ich frage mich, ob Sie vielleicht an meiner Domain frag-mich-einfach.de interessiert sind.“ Ich glaube nicht, denn er fragt mich ja auch so einfach, da brauche ich nicht noch extra eine Website, die Menschen dazu auffordert.
Ohnehin fühle ich mich nicht kompetent, irgendwelche Fragen zu beantworten. Von daher wäre die Adresse ich-weiß-es-doch-auch-nicht.de für mich passender.
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Auf der Turmstraße kommt mir eine junge Frau entgegen. Sie hat Trisomie 21 und trägt ein blaues T-Shirt auf dem „I’m not a morning person!“ steht. Trotzdem lacht sie und macht auch sonst einen fröhlichen Eindruck. Es ist aber auch schon 16 Uhr.
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Meine Eltern haben mir eine Postkarte geschickt. Aus der Lombardei, wo sie letzte Woche auf einer fünftägigen Busreise unterwegs waren. Die Karte hat die Form einer Geige und ist aus einem Violinen-Museum, das sie in Cremona besichtigt haben. Außerdem waren sie im Geburtshaus von Giuseppe Verdi, haben gut gegessen und noch viel anderes gesehen.
Zum Beispiel in Mailand. Da waren sie in einer Eisdiele und hier wird der Postkartenbericht geradezu spektakulär. Meine Eltern aßen dort zwei Kugeln Eis – oder wie meine Mutter sie nennt: zwei Bällchen – und bezahlten dafür 16 Euro. 16 Euro!
Nun ist das Eis in einem italienischen Eiscafé sicherlich besser als damals in Westerburg. (Wobei unsere Eisdiele immerhin Venezia hieß. Wie auch sonst.) Aber wahrscheinlich nicht 16-Euro-für-2-Kugeln gut. Laut meiner Mutter war bei ihrem Eis auch ein wenig Deko dabei. Vielleicht hat die 13 Euro gekostet.
Im Venezia gab es damals ein Aktionsangebot für 24 Kugeln Eis. Wenn du alles aufgegessen hast, musstest du nichts bezahlen, blieb etwas übrig, war der volle Betrag zu entrichten, sprich zwölf D-Mark.
Aus meiner Taschengeld-Perspektive war das sehr viel Geld. Weil ich nicht wusste, ob ich tatsächlich 24 Kugeln Eis schaffe und die dann fälligen zwölf D-Mark so teuer fand, traute ich mich nicht, meine Eltern zu fragen, ob ich das bestellen darf. Möglicherweise hätte ich weniger Scheu gehabt, wenn ich gewusst hätte, dass meine Eltern 40 Jahre später bereitwillig 16 Euro für zwei Kugeln Eis ausgeben.
22. September 2023, Berlin
Vor Köftei, einem Döner-Laden neben Penny, sitzt ein volltätowierter Mann. Und wenn ich volltätowiert schreibe, meine ich volltätowiert. Seine Arme und Beine sind über und über mit Tattoos bedeckt. Da ist kein Quadratzentimeter tintenfreie Haut übrig.
Wie sich das wohl entwickelt hat? Vielleicht fing es mit einem kleinen Tattoo am Oberarm an – einer winzigen Blume zum Beispiel –, dann kam ein zweites Motiv dazu, dann ein drittes und irgendwann ist das ganze etwas aus dem Ruder gelaufen. Die vielen Tattoos sehen bei dem Mann aber durchaus gut aus. Mit Mustern, Linien, Symbolen und Bildern. Quasi wie ein Gesamtkunstwerk.
Auf den Waden trägt er zwei photorealistische Portraits. Eines von Elvis und das andere von jemandem, der für mich auch wie Elvis aussieht, aber wahrscheinlich jemand anderes Berühmtes ist, den ich nicht kenne.
Ich frage mich allerdings, warum er sich ausgerechnet diese Stelle für die Elvis-Bilder ausgesucht hat. Da hat er selbst doch gar nicht so viel davon. Du schaust ja eher selten auf deine eigenen Waden. Aber vielleicht sitzt der Mann sehr oft im Schneidersitz und erfreut sich an seinen Elvissen.
Ich selbst habe nie das Bedürfnis verspürt, mich tätowieren zu lassen. Das hat mehrere Gründe. Der zu erwartende Schmerz spricht für mich dagegen. Und mein Geiz. So ein Tattoo ist nicht ganz günstig. Ich möchte nicht mehrere hundert Euro ausgeben und mich dann stundenlang pieken lassen.
Vor allem bin ich für ein Tattoo aber zu spießig. Ich bin in einer Zeit und Gegend aufgewachsen, in der angenommen wurde, dass du nur Tattoos trägst, wenn du Mitglied einer kriminellen Vereinigung bist. Oder Matrose.
Die meisten Tätowierungen sahen damals auch nicht besonders gut aus. Eher so als seien sie im Knast gestochen worden. Mit Tintenpatrone und Stopfnadel. Von jemandem, der künstlerisch wenig begabt ist, und das noch nie gemacht hat.
Ich wüsste außerdem nicht, was ich so gut finde, um es dauerhaft auf meiner Haut zu verewigen. Wer möchte schon sein Leben lang irgendein abgeschmacktes Zitat mit sich rumtragen, nur weil man als junger Mensch „Der kleine Prinz“ gut fand.
Zudem habe ich wenig Vertrauen, was die Straffheit meines Bindegewebes im Alter angeht. Mit 30 steht oberhalb deiner linken Brust „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“, mit Mitte 70 hängt der Spruch dann nur noch auf Bauchnabelhöhe und ist wegen deiner runzligen, welken Haut gar nicht mehr zu lesen. Was bei einem Der-Kleine-Prinz-Zitat gar nicht so schlimm wäre.
23. September 2023, Berlin
Heute ist Internationaler Tag des Hasen. Außerdem ist Tag der Bisexualität. Ein doppelter Freudentag für bisexuelle Hasen.
In der Woche vor dem Marathon wird laut Plan ohnehin weniger lang und weniger hart trainiert. Um sich für die 42 Kilometer zu schonen. Ganz ohne Training kam ich mir trotzdem wie ein faules Schwein vor.
Wir streben aber keine besondere Zeit an, sondern wollen nur „gemütlich“ ankommen. Das klappt bestimmt auch ohne Training in den Tagen davor. Falls nicht, haben wir vielleicht Glück und die Letzte Generation blockiert irgendwo die Strecke. Dann können wir uns zwischendurch ein wenig ausruhen.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
18. September 2023, Berlin
Meine Frau probiert bei Snapchat einen Senioren-Filter aus. Ihr Haar wird schneeweiß, die Wangen schlaff, ihre Augenpartie faltig. Sie ist 30 Jahre gealtert.
Bei mir ist das Ergebnis weniger spektakulär. Mein Bart ist ohnehin schon grau, lediglich mein Haar wird schlohweiß eingefärbt. Im Gesicht ändert sich nichts.
Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll: Entweder werde ich mit Ende 70 noch als Ende 40-Jähriger durchgehen, oder ich sehe heute schon wie ein 80-Jähriger aus, der sich die Haare dunkel färbt.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
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