Sardinien 2021 – Tag 04: Von sardischen Katzen, Schweiß-und-Sonnenmilch-Tränen, merkwürdigen Toilettenpapier-Verpackung-Designs, dem Flirtverhalten italienischer Strandbesucher und malerischen Sonnenuntergängen

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30.06.2021, Santa Teresa di Gallura

Die Sonne scheint, ich sitze auf dem Balkon, trinke einen Espresso und schaue aufs Meer. In der Ferne miaut eine Katze. Klingt wie eine Mischung aus Babyweinen, Möwenkreischen und einer Polizeisirene. Vielleicht ist es eine spezielle sardische Katzenart. Oder eine Katze, die Geräusche imitieren kann. Der Michael Winslow unter den Katzen. Oder ich bin nach 20 Jahren in der Großstadt der Tierwelt so entfremdet, dass ich vergessen habe, wie sich Katzenmiauen anhört.

Egal, ich nehme noch einen Schluck Espresso und schaue aufs Meer.

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Sardinien 2021 – Tag 03: Von goldenen Löffelchen, deutschen Schäferhunden, italienischen Zahlen, Wasser-Volleyball-Rekorden, Eis und Pizza und der ersten Müll-Challenge

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29.06.2021, Santa Teresa di Gallura

Es ist kurz nach halb acht, die Sonne scheint, ich sitze auf dem Balkon, trinke einen Espresso und schaue aufs Meer. Der Strand ist knapp 200 Meter entfernt, das Wasser schimmert türkis, am Horizont zeichnet sich Korsika ab und der Himmel ist strahlend blau. Das Einzige, was diesen malerischen Ausblick ein wenig trübt, ist der große betonierte Parkplatz direkt vor dem Ferienhaus. (Wahrscheinlich spüren Sie gerade wieder, wie mir das goldene Löffelchen im Halse kratzt.)

Random Foto aus dem Sardinienurlaub #07
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Sardinien 2021 – Tag 02: Von gesunden Körpern und gesunden Geister, Brötchen-Bestell-Challenges, der unzureichenden Verwendung von Sonnencreme und italienischen Recycling-Vorschriften

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28.06.2021, Santa Teresa di Gallura

Entspannung hin, Erholung her, auch im Urlaub gehe ich regelmäßig laufen. Wer Eis, Pizza und Pasta essen will, muss ausreichend Sport treiben. Ein Satz, der nach asketischer Disziplin und fast schon preußischer Tugendhaftigkeit klingt, bei genauerer Betrachtung aber vollkommener Unsinn ist.

Es gibt schließlich kein Naturgesetz, nach dem es unmöglich ist, Eis, Pizza oder Pasta in den Mund zu nehmen, zu zerkauen und herunterzuschlucken, wenn du dich vorher nicht körperlich betätigt hast. Ebenso wenig gibt es gesetzliche Vorschriften, die den Verzehr besagter Speisen verbietet, solltest du nicht gelaufen, geradelt, geschwommen oder sonst wie sportlich aktiv gewesen sein. Ich wurde beispielsweise noch nie in einer Eisdiele oder einer Pizzeria nach meinem aktuellen Sportnachweis gefragt, bevor meine Bestellung aufgenommen wurde.

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Sardinien 2021 – Tag 01: Von ersten Einkäufen, Meta-Strand-Nickerchen-Träumen, würdelosen Wassereinstiegen und dem Auftakt des Familien-Kniffelturniers

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27.06.2021, Santa Teresa

Der erste Morgen am Urlaubsort beginnt mit der Herausforderung, dass wir zum Supermarkt müssen, um den ersten Kaffee trinken zu können. Dabei benötigen wir den Koffeinkick schon vorher, damit er unsere Lebensgeister weckt und uns in menschenähnliche Wesen verwandelt, die zu sozialer Interaktion fähig sind.

Wir waren sogar so vorausschauend, Espressopulver mitzubringen, denn in dem Ferienhaus gibt es eine dieser italienischen Kaffeemaschinen, mit denen du Kaffee auf dem Herd kochst. Aber uns fehlt Milch und wir pflegen unseren Kaffee nun mal mit einem Schuss Milch zu uns zu nehmen. Falls Sie nun vorschlagen wollen, ich könnte, wenn mir die Koffeinzufuhr so wichtig ist, den Kaffee einfach mal ohne Milch trinken, möchte ich Ihnen ganz freundlich erwidern: „SPRECHEN SIE MICH GEFÄLLIGST NICHT AN, BEVOR ICH MEINEN ERSTEN KAFFEE HATTE!“

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Sardinien 2021 – Anreise: Von unroutinierten Gepäckaufgaben, verschwitzten Sicherheitskontrollen, beklatschten Landungen und sympathischen Taxifahrer-Namensvettern

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26.06.2021, Berlin

Kurz nach 17 Uhr startet unser Flug nach Olbia. Wir sind schon drei Stunden früher am Flughafen. Wie immer bin ich übertrieben nervös. Weil wir im Schnitt nur alle zwei Jahre fliegen, bin ich ein äußerst unroutinierter und unsouveräner Flugreisender. Ich befürchte immer, dass ich die falschen Unterlagen ausgedruckt habe, die Koffer zu schwer sind, wir zu früh oder zu spät sind, uns komplett im Datum geirrt haben oder ich sonst irgendetwas falsch gemacht habe und unangenehm auffalle.

Heute ist meine Aufregung beim Check-In noch größer, denn wir müssen zusätzlich die diversen Corona-Formulare und -Testbescheinigungen vorweisen. Nachdem die Dame am Schalter unsere Ausweise kontrolliert hat, fragt sie, ob wir das Einreise-Formular ausgefüllt und einen Corona-Test gemacht hätten. Stolz nicke ich und frage: „Soll ich Ihnen die Ausdrucke zeigen?“ Ich komme mir vor wie ein Erstklässler, der seine Hausaufgaben präsentieren möchte, um von seiner Klassenlehrerin ein Fleißbienchen zu bekommen. Die Frau schüttelt den Kopf und erklärt, sie müsse das lediglich fragen, aber nicht kontrollieren. Dann halt nicht. Allerdings schade um das Fleißbienchen.

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Sardinien 2021 – Vorbereitung (2): Von Friseurbesuchen, keinen Don-Draper-Scheiteln, Batman-Logos und erfolgreichen Corona-Tests

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25.06.2021, Berlin

Morgen fliegen wir in den Urlaub nach Sardinien und ich gehe heute zum Friseur. Damit beginnt traditionell mein Urlaub. Mit einem Haarschnitt. Damit ich am Strand fresh aussehe. Das darf ich aber nicht sagen, weil die Kinder das cringe finden. (Wenn ich cringe sage, finden sie das übrigens auch cringe, aber das nur am Rande.)

Ich gehe schon seit Jahren zu einem arabischen Friseur bei uns in der Straße. Er ist flink und schweigsam. Zwei Qualitäten, die ich bei einem Friseur sehr schätze. Allerdings nimmt er es nicht immer so genau mit meinen Anweisungen, wie ich die Haare geschnitten haben möchte. An den Seiten und hinten kurz, oben nur die Spitzen. Damit ich mir einen Scheitel kämmen kann, wie ihn Don Draper in Mad Men trägt.

Warum ich wie Don Draper aussehen möchte, ist mir selbst nicht ganz klar, denn er ist ein eher unsympathischer Zeitgenosse. Er betrügt seine Ehefrau, behandelt seine Mitarbeiter von oben herab und ist auch sonst eine Spur zu arrogant und selbstverliebt. Aber irgendwie ist er trotzdem cool. (Die toxische Männlichkeit nickt selbstgefällig). Und außerdem hat er eine schnittige Frisur, die mir gefällt. Mein arabischer Friseur schneidet meine Haare oben aber immer zu kurz, so dass es nicht zu einem Don-Draper-Scheitel reicht, sondern mehr zu einer Art Bürzel wie bei Tim aus Tim & Struppi.

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Sardinien 2021 – Vorbereitung (1): Von naivem Urlaubs-Optimismus, Inzidenz-Schwankungen und nervigem Organisationsstress

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24.06.2021, Berlin

Wer hätte letztes Jahr gedacht, dass diesen Sommer Urlaub im Ausland möglich sein wird? Anscheinend wir, denn im September sagten wir uns in einer Mischung aus realitätsverweigerndem Optimismus und weltfremder Naivität, „Ach, 2021 wird dieser ganze Corona- Mist ja wohl vorbei sein!“, und buchten eine Ferienwohnung auf Sardinien. (In einer Mischung aus uns innewohnendem Pessimismus und einem Rest Realismus schlossen wir zusätzlich eine Reiserücktrittsversicherung ab.)

Angesichts der verschiedenen Corona-Wellen sahen unsere Urlaubs-Chancen zwischendurch nicht besonders gut aus (Oktober), dann verschlechterten sie sich (November), bevor sie katastrophal wurden (Dezember, Januar). Eine kurze Phase der Hoffnung blieb kurz (Februar), aber auf Sardinien gab es plötzlich erfreuliche Entwicklungen. Dort waren die Inzidenzwerte im März so niedrig, dass die italienische Regierung die Insel zur „Weiße Zone“ einstufte, in der es nur relativ wenige Corona-Vorschriften gibt. Als einzige Region in ganz Italien!

Das fanden die Sarden so toll, dass sie Hochzeiten, Taufen, Geburtstage und andere Familienfeste feierten, als gäbe es kein Morgen mehr. (Was in Zeiten einer globalen Pandemie eine nicht gänzlich unrealistische Option ist.) Mit hunderten von Menschen, ohne Masken und ohne Abstand, aber dafür mit Ringelpiez und Anfassen. (Getreu dem leicht abgewandelten Reeperbahn-Motto „Alles geht, alles muss!“) Sofort stiegen die Infektionen sprunghaft an und drei Wochen später war Sardinien „Rote Zone“. Wieder als einzige Region in ganz Italien.

Die Corona- und damit unsere Urlaubsaussichten blieben also trübe (März) und wurden noch trüber (April). Ab Mai kam dann die Trendwende: Sowohl in Deutschland als auch in Italien und auf Sardinien sank die Zahl der Neuinfektionen stetig. Entweder aufgrund des Erfolgs der Impfkampagnen (wahrscheinlich) oder wegen der Social-Distancing-, Masken- und Hygiene-Disziplin der Menschen (eher unwahrscheinlich). Oder das Corona-Virus, das anderthalb Jahre wirklich alles gegeben hat, braucht einfach mal eine Verschnaufpause und macht selbst Urlaub (nicht auszuschließen).

Nun sieht es also so aus, dass wir übermorgen tatsächlich nach Sardinien fliegen können. Hoffen wir einfach, dass sich Covid-19 und seine mutierte Verwandtschaft ein anderes Urlausziel ausgesucht haben.

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Sardinien 2017 – Heimreise: Von der Idee des Serranoschinken-Marmeladen-Sandwiches, bärigen Felsen und Urlaub in Zahlen

Heute ist Abreisetag und ich bin bereits seit 6.30 Uhr wach, denn ich muss noch einen Punkt auf der Urlaubs-To-Do-Liste erledigen: das Postkartenschreiben. Nachdem ich vor ein paar Tagen so groß getönt habe, dass dies in unserem arbeitsfunktional organisierten Urlaub in meinen Verantwortungsbereich fällt, konnte ich schlecht die Frau nicht bitten, mich dabei zu unterstützen. Daher sitze ich nun im Wohnzimmer und hoffe auf einen Geistesblitz.

Ein Schiff wird kommen.

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Ich könnte davon schreiben, wie aufwändig es war, überhaupt an Briefmarken zu kommen. Dann wissen die Empfänger den Wert ihrer Postkarte erst so richtig zu schätzen. Allerdings passt diese Geschichte mit all ihren dramaturgischen Wendungen, Höhepunkten, Rückschlägen und dem dann doch triumphalen Ende gar nicht auf eine Postkarte und es wäre auch viel zu viel Arbeit, das zehn Mal von Hand niederzuschreiben. Die Story wäre eher etwas für einen Hollywood-Thriller (Arbeitstitel: Die Francobolli-Verschwörung). Mit George Clooney in der Hauptrolle, Winona Ryder als seine Chauffeurin und Willem Dafoe als Postbeamter, der die Briefmarken nicht rausrücken will. Weiterlesen

Sardinien 2017 – Tag 13: Von Abschiedsläufen, der ‚Mission francobolli‘ und Textilproblemen am Strand

Es ist 7.30 Uhr, als ich aufwache. Heute steht der letzte Morgenlauf des Urlaubs an. Im Wohnzimmer auf dem Esstisch finde ich einen Zettel. „Bin zum Frühstücken in Santa Teresa Gallura. Erwarte dich in der ‚Port Royal‘. Ciao, der Innere Schweinehund.“

Einen wunderschönen guten Morgen wünscht Howard Carpendale.

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Kurz danach trete ich vor die Ferienwohnung, atme die frische Morgenluft ein und jogge schließlich los, den ersten Anstieg hinauf. Irgendwie freue ich mich darauf, noch einmal die sardischen Hügel hoch und runter zu laufen. Das ist wohl weniger Ausdruck meiner durch die vielen Bergläufe gesteigerten Fitness und Kondition, sondern eher Indiz meiner zunehmenden Geistesgestörtheit. Weiterlesen

Sardinien 2017 – Tag 11: Vom Joggen mit Pizzahüften, Urlaubsende-Blues und Suchen nach ‚Francobolli‘

Es ist 7.11 Uhr und ich ziehe mir im Wohnzimmer gerade die Laufschuhe an. In der Küchenzeile der Ferienwohnung erscheint der Innere Schweinehund. Während er einen Kaffee zubereitet, fragt er, ob ich nicht endlich mal mit diesem Laufunsinn aufhören möchte. Ich solle mich doch lieber schonen, damit ich später genügend Kraft habe, um mein Nutella-Brot zum Mund zu führen.

Guten Morgen, Porto Quadro.

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„Was muss, das muss“, erwidere ich.

„Unsinn“, ruft der Innere Schweinehund. „Man muss gar nichts, außer irgendwann den Löffel abgeben. Und wenn du dann vor der Himmelspforte stehst, wird dir Petrus bestimmt nicht auf die Schulter klopfen, weil du so fleißig durch die sardischen Hügel gerannt bist.“

„Er wird aber auch nicht erfreut sein, wenn ich vom vielen Nutellabrot-Essen so fett bin, dass ich gar nicht durch die Himmelspforte passe“, entgegne ich besserwisserisch.

Der Innere Schweinehund drückt die Fingerspitzen seiner rechten Hand zusammen, bewegt sie energisch auf und ab und ruft „Grande cretino!“. Danach verschwindet er grußlos.

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