Neues Buch: Wenn ich groß bin, werde ich Gott. Abenteuerliche Geschichten von Vater und Sohn.

Viele Jahre hat der Sohn regelmäßig kritisch darauf hingewiesen, er tauche im Gegensatz zu seiner Schwester in meinen bisherigen Büchern nicht auf. Damit hat er recht. Weil ich nicht möchte, dass er später Unmengen an Geld ausgeben muss, um diese literarische Vernachlässigung therapeutisch aufzuarbeiten, versprach ich ihm, ein Buch extra für ihn zu schreiben.

Dieses Jahr wurde der Sohn 18 und damit war es an der Zeit, mein Versprechen einzulösen. Der Volksmund sagt schließlich nicht umsonst, versprochen sei versprochen und dürfe unter so was von gar keinen Umständen gebrochen werden.

Nun kann ich mit großer Freude und noch größeren Versagensängsten verkünden, dass das Buch fertig ist und den schönen Titel „Wenn ich groß bin, werde ich Gott“ trägt.

Ab Dezember ist das Buch im Handel erhältlich. Bis dahin können Sie das Buch exklusiv hier auf dem Blog kaufen. Es kostet 12,00 €, den Versand übernehme ich (innerhalb Deutschlands). Wer bis zum 30.11. bestellt, bekommt noch eine kleine Überraschung dazu. (Buch-Promotion wie auf dem Hamburger Fischmarkt.)

Cover zu dem Buch: "Wenn ich groß bin, werde ich Gott. Abenteuerliche Geschichten von Vater und Sohn" von Christian Hanne. Das Cover ist in grün gehalten, in einer Illustration ist ein Vater zu sehen, der einen Weltkugelwasserball aufbläst, ein kleiner Junge steht davor und will den Ball nehmen.
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Eine kleine Wochenschau | KW40-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


30. September 2024, Berlin

Kaum habe ich den McPaper an der Turmstraße betreten, flötet mich die Verkäuferin schon an: „Einen wunderschönen guten Tag, kann ich Ihnen helfen?“ Sie strahlt übers ganze Gesicht, als sei sie Teilnehmerin beim Wettbewerb „Die fröhlichste Person der Welt“.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel gute Laune verströmt habe. Wahrscheinlich noch nie. Mich überfordert das. Wie soll ich mit so viel Frohsinn umgehen? Ich will doch nur Paketband kaufen.

Bei McPaper sind die Verkäuferinnen immer überaus zuvorkommend und so amerikanisch gut gelaunt. Deswegen vermeide ich, dort einzukaufen. Wahrscheinlich ist das Company Policy. Dass du so gut drauf sein musst, als hättest du eine XXL-Packung Aufheller gefuttert. (Vielleicht ist das auch Teil der Company Policy. Als Start in den Tag werden gemeinsam ein paar Serotonin-Booster eingeworfen.)

Nachdem ich bezahlt habe, zwitschert die Frau: „Einen wunderschönen Nachmittag noch und viel Spaß mit dem Paketband.“ Wie soll man Spaß mit Paketband haben? Ich will einfach ein paar Päckchen zukleben. Gehe danach zu Penny. Da sind die Kassierer*innen zum Glück angenehm muffelig, wie sich das für Berlin gehört.

Titelbild mit einer Tartanlaufbahn. Darauf steht ein Schild mit der Aufschrift: "Achtung! Laufbahn beschädigt!"
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Eine kleine Wochenschau | KW40-2024 (Teil 2)

Teil 1


Der Sohn findet im Anmeldeportal der TU Berlin eine schlechte Nachricht. Sein Immatrikulationsantrag wurde abgelehnt. Anscheinend hatte er ein falsches Formular ausgefüllt. Bis zum 4. Oktober, sprich morgen, hat er Zeit, das richtige hochzuladen. (Er hat keine Ahnung, wie lange die Nachricht schon dort steht. Er hatte die ganze Zeit – vergebens – auf eine Mail gewartet und hielt es nicht für nötig, mal in dem Portal nach dem Stand der Dinge zu schauen.)

Nun würde ich gerne mit ihm schimpfen und ihn eindrücklich ermahnen, sorgfältiger und nicht so schusselig zu sein. Allerdings säße ich da in einem Glashaus mit sehr dünnen Wänden und würde mit extrem großen Steinen um mich werfen.

Nach meinem Zivildienst wollte ich zum Sommersemester ein Pädagogikstudium in Münster beginnen. Allerdings überlas ich eine Anmeldefrist, so dass ich erst zum Wintersemester hätte anfangen können. (Zum Entsetzen meiner Mutter, die wahrscheinlich dachte, ich würde wieder bei ihnen einziehen und ein halbes Jahr bei ihnen abhängen.)

Mein Bruder schlug pragmatisch vor, ich solle mich einfach in Marburg, wo er studierte, für irgendetwas ähnliches einschreiben, was man zum Sommersemester anfangen kann, dann nach einem Semester nach Münster wechseln und mir dort meine Scheine anerkennen lassen.

So begann ich 1996 an der Philips-Universität zu Marburg ein Soziologie-Studium und lernte dort meine Frau kennen. Ohne meine Schusseligkeit bei der Immatrikulation in Münster wäre das nie passiert, folglich gäbe es den Sohn nicht und er hätte seine eigene Einschreibung nicht verbaseln können. Somit sind meine und seine Schlurigkeit eng miteinander verwoben.

Aus pädagogischen Gründen sage ich ihm das aber nicht, sondern ermahne ihn, er müsse sorgfältiger und nicht so schusselig sein. Mir doch egal, dass ich ihm Glashaus sitze.

04. Oktober 2024, Berlin

Meine Haare müssen ebenfalls mal wieder geschnitten werden. Das möchte ich aber nicht meiner Frau zumuten – meiner Mutter ebenfalls nicht – und gehe zu N. in den Friseursalon bei uns in der Parallelstraße.

Neben mir schneidet ein junger Mann einer Frau die Haare. Ich vermute, er ist Azubi. Einerseits aufgrund seines jugendlichen Alters, andererseits weil er sich noch nicht so wahnsinnig geschickt mit Schere und Kamm anstellt. (Unwesentlich geschickter als ich mit Langhaarschneider und Kamm.)

Seine Bewegungen sind sehr angestrengt und nicht besonders flüssig. Die Kundin schaut etwas gequält. Wahrscheinlich denkt sie gerade, sie hätte bei der Online-Terminvergabe besser nicht „nächster freier Mitarbeiter“ angeklickt.

Ich habe bewusst N. als Friseur ausgewählt. Er schneidet immer sehr penibel und akkurat und ist erst zufrieden, wenn beim Ansatz auch jedes noch so kleine Härchen getrimmt ist. Das ist zwar zeitaufwändig, aber dafür ist das Ergebnis sehr gut.

Zum Abschluss föhnt N. meine Haare heute mit sehr viel Hingabe und Ausdauer. Danach sehe ich auf dem Kopf aus wie ein fluffiger Biber aus, was niedlicher klingt, als es aussieht.

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Bekomme auf Insta eine Werbung vom NABU eingespielt: „Schütze die Kreaturen der Nacht! Jetzt Fledermaus-Pat*in werden!“

Nein, danke. Ich finde, es reicht, dass wir im Sommer einer Fledermaus Unterschlupf in unserer Wohnung gewährt haben.

05. Oktober 2024, Berlin/Bonn

Um 8.30 Uhr geht unser Zug nach Bonn. Oder auch nicht. Fünf Minuten bevor wir zum Bahnhof aufbrechen wollen, meldet sich die Bahn-App. Der Zug fällt aus. Wegen Baustelle oder so. Zum Glück finde ich eine Alternative, knapp anderthalb Stunden später, bei der wir sogar weniger umsteigen müssen. Keine Ahnung, warum ich die ursprünglich nicht ausgewählt habe.

Im Zug. Zur Vorbereitung des Marathons am Sonntag habe ich diese Woche mein tägliches Trinkvolumen deutlich erhöht. Da die Größe meiner Blase aber gleichgeblieben ist, muss ich sehr oft aufs Klo gehen. Somit verbringe ich gefühlt die Hälfte der Fahrt auf der Bordtoilette. Dem Ort, an dem du dich im Zug am wenigsten aufhalten willst. (Außer in einem Großraumabteil, in dem die Hälfte der Plätze vom Kegelverein „Alle Neune“ belegt sind.) Außerdem hätte ich mir da die Platzreservierung sparen können.

Als Reiseproviant haben wir geschnittenes Obst dabei. Wenn ich im Zug Apfelschnitze esse, komme ich mir immer vor wie ein pensionierter Oberstudienrat für Geschichte und Erdkunde. Allerdings ohne Ahnung von Geschichte und Erdkunde.

Die Fahrt endet unplanmäßig in Hamm. Oder in Hagen. Wer kann das schon unterscheiden? Ich zumindest nicht. Ein defekter Zug blockiert die Strecke. Im Ersatz-ICE dann nach Köln, von dort mit dem Ersatz-Bus nach Bonn. Zumindest mussten wir nicht auch noch Fahrrad-Rikscha fahren.

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Später ein letztes kleines Läufchen zusammen mit A. Vier Kilometer. Zum Rhein und wieder zurück. Auf den Rheinwiesen feiern die Erstsemester das Ende ihrer ersten Semesterwoche. Die wahrscheinlich größtenteils aus Feiern bestand. Prost.

06. Oktober 2024, Köln

Marathontag. A. und ich haben mit dem Kölner Marathon noch eine Rechnung offen. Beim Start wird schon mal nicht wie beim letzten Mal auf der Bühne Micky Krause interviewt. (Ja genau, der „Dicke Titten, Kartoffelsalat“-Micky-Krause, der anscheinend auch ambitionierter Hobby-Läufer ist.) Das ist schon mal positiv.

Ansonsten ist das Wetter gut, die Stimmung bombe, das Tempo am Anfang etwas schnell, dafür später etwas langsam, aber wir kommen gesund durch. Rechnung beglichen. Check.


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Familien-Gedöns der Woche (519)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

Um 5.30 Uhr aufstehen, mittags ein kleines Schläfchen, den Rest des Tages Beschwerden über das Essen, den Service und das Unterhaltungsprogramm: Der Einjährige wäre aktuell auch ein guter Altenheimbewohner.

— Sprosse (@frausommersprosse.bsky.social) 3. Oktober 2024 um 18:13
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Eine kleine Wochenschau | KW39-2024 (mit Punk-LP-Verlosung)

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23. September 2024, Berlin

Erster Einkauf nach dem Urlaub. Ich suche die Lebensmittel, die auf meiner Liste stehen, muss mich erstmal orientieren und laufe etwas planlos durch den Laden. Aber das hat auch sein Gutes: Durch den Supermarkt gehen und sich die Waren in den Regalen anschauen, fühlt sich ein bisschen wie Urlaub an. Alles anders, alles neu, alles exotisch.

Dass es sich bei dem Supermarkt um den Turmstraßen-Penny handelt, schmälert das Urlaubsgefühl allerdings ein wenig.

Titelbild mit einem Laternenpfahl mit einem Aufkleber der Band Ladehemmung Saalepunk. Der Aufkleber ist blau, darauf ist ein Totenkopf abgebildet.
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Familien-Gedöns der Woche (518)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Beitrag von @stefnhs
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Eine kleine Wochenschau | KW35-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


26. August 2024, Berlin

Heute ist Tag des Toilettenpapiers. Unschöne Erinnerungen an die Corona-Pandemie kommen hoch.

Titelbild mit einer großen Taube, die auf der Fensterbank sitzt und reinschaut
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Eine kleine Wochenschau | KW35-2024 (Teil 2)

Teil 1


30. August 2024, Berlin

Ich erhalte ein Blog-Kooperationsangebot. Für einen Kinderfußball mit lustigem Löwen-Motiv. Die Anbieter schlagen vor, ich solle den Ball mit meinen Kindern ausprobieren und dann auf dem Blog vorstellen. Nach dem Motto: Rausgehen, spielen und einfach Spaß an der Bewegung haben.

Während der Corona-Pandemie, als es sonst nichts zu tun gab, sind wir ab und an zu viert in den Park gegangen und haben Ball gespielt. Fußball, Volleyball oder einfach nur Zuwerfen. Besonders geschickt haben wir uns dabei nicht angestellt. Das war weniger eine Werbung fürs Ballspielen und Spaß an der Bewegung, sondern eher für den Abschluss einer Unfallversicherung.

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11 Uhr. Es klingelt. Vor der Tür steht G. aus der Studi-WG im vierten Stock. Heute Morgen sei eine Taube in ihre Küche geflogen, erklärt er. Ich hoffe inständig, dass er mich nicht bittet, sie für ihn einzufangen.

Glücklicherweise hat er das mit Hilfe eines Handtuchs schon selbst erledigt. Als er sie im Hof ausgesetzt habe, wollte sie davonfliegen, schaffte es aber nur bis zum Fenstersims vor unserer Küche, erzählt G. Da säße sie jetzt schon eine Weile.

Wir gehen in die Küche und tatsächlich, vor dem Fenster hockt eine Taube. Sie hat sich aufgeplustert und sieht ängstlich aus. Aber das ist nur eine Vermutung von mir. Ich habe keinen Schimmer, wie eine Taube aussieht, wenn sie Angst hat. (Und auch nicht, wenn sie wütend oder gelangweilt ist.)

G. fragt, ob ich der Taube vielleicht etwas Wasser hinstellen könnte. Damit sie keinen Durst leiden muss. (Anscheinend weiß G., wie Tauben aussehen, wenn sie durstig sind. Vielleicht studiert er etwas mit Tieren. Zoologie oder Veterinärwesen. Oder er ist Tierpräparator.)

Ich verspreche ihm, mich darum zu kümmern. Als er gegangen ist, fülle ich ein kleines gelbes Plastikschälchen mit Wasser und räume die Fensterbank leer. Allerdings habe ich Sorge, die Taube kommt reingeflogen, sobald ich das Fenster aufmache. Vielleicht mag sie Küchen und nachdem sie bei G. rauskomplimentiert wurde, versucht sie bei uns ihr Glück.

Ganz schnell öffne ich das Fenster, stelle die Schale draußen ab und schließe es ebenso geschwind wieder. Für das menschliche Auge waren meine Bewegungen wahrscheinlich gar nicht wahrnehmbar. The Flash wäre stolz auf mich.

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Der Sohn erzählt, sie seien gestern Abend in einem Club gewesen. Hat ihm aber nicht so gefallen, die Mädchen dort waren ihm zu aufdringlich. Na gut, besser so als umgekehrt.

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Als ich vor dem Schlafengehen noch Geschirr in die Spülmaschine stelle, sitzt die Taube immer noch vor dem Fenster. Das Wasser hat sie nicht angerührt. Vielleicht mag sie kein Gelb. Ihre Verdauung funktioniert aber tadellos und sie hat den ganzen Sims vollgekackt Da würde mir auch der Durst vergehen.

31. August 2024, Berlin

Heute ist Iss-draußen-Tag. Ich schätze, er wurde von Wespen erfunden.

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Die Taube befindet sich weiterhin auf der Fensterbank und hat kaum ihre Position verändert. Normal ist das sicherlich nicht. Vielleicht ist sie krank.

Meine Frau recherchiert nach dem Tauben-Notruf, damit sich jemand dem Tier annimmt. (Ob das wohl die gleichen Leute sind, die sich um Fledermäuse in Wohnungen kümmern? Immerhin fliegen beide.)

Die Tauben-Notruf-Leute bitten meine Frau, die Taube mit etwas Futter und Wasser in einen Karton zu setzen, bis jemand kommt und sie abholt. Dann erledigt sich das Problem von selbst. Als meine Frau die Taube mit einem Handtuch greifen will, schaut diese kurz panisch auf und fliegt davon.

Vielleicht ging es ihr doch die ganze Zeit gut und sie wollte nur ein weniger auf unserem Fenstersims chillen.

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Heute Abend steigt die große Party des Sohns. Als gute Eltern haben wir uns ein Hotelzimmer genommen und schlafen auswärtig. Das ist wahrscheinlich für alle Beteiligten besser.

Hoffentlich geht auf der Feier nichts zu Bruch. Außer dem Fernseher. Der läuft seit einiger Zeit nicht mehr einwandfrei, aber noch zu gut, um ihn zu entsorgen. Da wäre es praktisch, wenn einer der Partygäste ihn umschmeißen würde. Selbstverständlich aus Versehen. Vielleicht kann der Sohn jemanden schubsen.

01. September 2024, Berlin

Nun ist der Sohn also volljährig. Laut Gesetz darf er jetzt selbst Schnaps kaufen (und trinken), Zigaretten rauchen, Verträge abschließen, den Bundestag wählen und sogar für den Bundestag kandidieren. Nur Bundespräsident kann er noch nicht werden. Dazu musst du mindestens 40 sein.

Dass unsere Kinder jetzt beide erwachsen sind, führt mir das eigene Älterwerden vor Augen. Das ist möglicherweise gar nicht so schlecht, denn was mein Alter angeht, leide ich manchmal an einer verzerrten Wahrnehmung, die schon leicht ins Realitätsverweigernde spielt.

Zum Beispiel schätze ich regelmäßig Menschen auf mein Alter, die allerdings Mitte 30 sind. Oder kürzlich sah ich im Magazin das Foto einer älteren Frau, von der ich dachte, dass sie ungefähr im Alter meiner Eltern sein muss. Tatsächlich war sie 64, womit sie altersmäßig näher bei mir als bei meinem Vater liegt. Ein nur mittelschöner Gedanke.

Jetzt, wo beide Kinder volljährig sind, ist wohl auch die Erziehung mehr oder weniger abgeschlossen. Was wir ihnen bis jetzt nicht vermittelt haben, werden wir ihnen wohl auch künftig nicht mehr beibringen.

Ob wir gute Eltern waren (und sind)? Zumindest bin ich zuversichtlich, dass wir nicht die schlechtesten der Menschheitsgeschichte waren. Auf jeden Fall haben wir es geschafft, ihnen so etwas wie einen moralischen Kompass mitzugeben. Somit sehe ich es ein klein wenig als unseren erzieherischen Erfolg an, dass sie keine Arschgeigen geworden sind, sondern wissen, was prinzipiell richtig und falsch ist (Und dass es mehr als schwarz und weiß gibt.)

In diesen Zeiten ist das nicht das Allerschlechteste.


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Familien-Gedöns der Woche (517)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

Ich:,Bist du geschrumpft Kind?‘ ,Quatsch. Ich bin fast so groß wie du, Mama. Fehlen nur noch 1,5 Köpfe.‘ Mann:,Das kommt sogar hin.‘ ,Siehst du? Ich bin eben gut in Grammatik.‘ Das wird die Deutschlehrerin freuen.

— Nerdy (@nerdmommy.bsky.social) Aug 23, 2024 at 18:26
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Eine kleine Wochenschau | KW34-2024 (Teil 2)

Teil 1


Lese auf FAZ Online einen Kommentar, in dem sich der Verfasser darüber auslässt, dass in vielen Supermärkten an den Kassen die beweglichen Trenner abgeschafft wurden, die die bezahlten Einkäufe beim Einräumvorgang von den Waren der nachfolgenden Kund*innen abschirmt.

Wüsste ich es nicht besser, würde ich mich freuen, dass anscheinend nichts Schlimmes auf der Welt passiert ist, wenn solche Themen abgehandelt werden. Mein eigenes Leben scheint auch erfreulich stress- und spannungsarm zu sein, dass ich Zeit habe, so etwas zu lesen.

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Neue Nachricht der Duolingo-Eule, die wissen will, ob ich keine Lust mehr hätte, Englisch zu lernen. Sie wirkt enttäuscht.

23. August 2024, Berlin

Instagram spielt mir ein Gewinnspiel für ein Lauf-Fotoshooting in den Feed. Nein, danke. Schon ein normales Fotoshooting ist für mich ungefähr so attraktiv wie die Vorstellung, mich mit Friedrich Merz zum Abendessen zu treffen. Außerdem schaue ich auf Portraitfotos immer so verkniffen, wie Jemand auf einem Mugshot, der wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet wurde, weil er ohne Hose durch die Fußgängerzone gelaufen ist.

Noch unvorteilhafter sehe ich aber auf Fotos von Laufveranstaltungen aus. Da taumele ich meist mit fratzenhafter Mimik, wilden Haaren und merkwürdiger Körperhaltung, die auf eine veritable Gleichgewichtsstörung schließen lässt, durchs Bild. Besonders schlimm sind die Aufnahmen von hinten, die meine ausladenden Hüften unvorteilhaft in Szene setzen und mich der Illusion berauben, ich flöge einer Gazelle gleich über die Strecke.

Ich lösche die Anzeige. Sicherheitshalber klicke ich noch an, dass ich auch zukünftig kein Interesse an vergleichbaren Angeboten hätte.

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Die Duolingo-Eule stalkt mich weiter. Sie sieht ungehalten aus, weil ich bei der Englisch-Lernerei so wenig Ausdauer zeige. Ich bin kurz davor, den Account zu deaktivieren, damit mich das Vieh in Ruhe lässt.

24. August 2024, Berlin

Die Tochter und C. haben in Kiel einen riesigen Einkaufsmarkt entdeckt, der sich in erster Linie an Gewerbetreibende richtet. Die Getränkeabteilung wartet mit einem erstaunlich großen Angebot an Alkoholika in 3-Liter-aufwärts-Gebinden auf.

Auf einem Foto, das die Tochter schickt, posiert C. mit einer Flasche Aperol, die mindestens einen halben Meter groß ist. Vielleicht etwas für mein nächstes Treffen mit G.?

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Wieder eine Eulen-Mail. Sie sieht ein, dass ihre penetrante Erinnerei nicht funktioniert und verspricht, mich nicht mehr anzuschreiben. Außerdem fragt sie, ob sie zu aufdringlich war.

Ich weiß nicht, wie die Gepflogenheiten bei Computer animierten Vögeln sind, aber bei einem fremden Menschen, der mir eine Woche lang jeden Tag Mails schickt und versucht, mich emotional zu erpressen, hätte ich längst ein richterliches Kontaktverbot erwirkt.

25. August 2024, Berlin

Bekomme in einer Mail die Domain „meine-mama. de“ zum Kauf angeboten. Ich lösche die Nachricht unbeantwortet. Bevor ich eine Website „Meine Mama“ starte, würde ich das lieber erstmal therapeutisch aufarbeiten wollen.

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Das Versprechen der Duolingo-Eule, mich in Ruhe zu lassen, hat genau 24 Stunden und 27 Minuten gehalten. Dann schreibt sie, ich hätte mir eine Lernpause gegönnt, aber jetzt ginge es wieder los. Außerdem teilt sie mir mit, sie hätte mich diese Woche vermisst. Ich wünschte, ich könnte das auch sagen.


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