¡Hola España! – Vorbereitung (03.09.): Zurück in die Vergangenheit

Der alljährliche Urlaubsblog. Aus Spanien. Nicht live, aber dafür in Farbe und HD. Falls Sie, aus welchen Gründen auch immer, alle Beiträge des ¡Hola España!-Blogs lesen möchten, werden Sie hier fündig.

„Wie heißt nochmal unser Urlaubsort?“ So doll wie meine Frau ihre Augen verdreht, ist zu befürchten, sie kullern gleich aus den Höhlen. Ich möchte nicht ausschließen, dass ihre Augenrollerei darauf zurückzuführen ist, dass ich diese Frage nicht zum ersten Mal gestellt habe, sondern bereits mehrfach. Wie oft, vermag ich nicht zu sagen.

„Vilafortuny. Zwischen Salou und Cambrils“, antwortet meine Frau. Sie redet sehr langsam und etwas zu laut für normale soziale Gepflogenheiten. Als wäre ich schwer von Begriff und schwerhörig. Dabei habe ich nur ein sehr schlechtes Namensgedächtnis. Das schließt neben Personen, Bäumen, Blumen und Vögeln nun mal Orte ein.

Titelbild in den spanischen Farben rot und gelb gehalten mit einem Foto aus den 70ern mit einem dreijährigen mit weißem Strandhütchen und weißem Bademantel unter einem Sonnenschirm am Strand.
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¡Hola España! – Vorbereitung (03.09.): Zurück in die Vergangenheit (Teil 2)

Teil 1


Mit dem Zug bist du zwar länger unterwegs – bei der Deutschen Bahn oftmals noch länger –, aber die langsame Fortbewegung hat auch etwas Beruhigendes und Kontemplatives, so dass du deinen Urlaub sehr achtsam beginnst. Außer du hast massive Verspätungen, verpasst Anschlusszüge und musst ungeplant irgendwo übernachten. Dann fängt dein Urlaub maximal gestresst an.

Die Zugreise nach Spanien ist eigentlich gar nicht so schlimm. Mit dem Nachtzug von Berlin nach Paris, morgens umsteigen und am späten Nachmittag dann Ankunft in Barcelona. Dort wollen wir unsere Ferien mit einem zweitägigen Aufenthalt starten.

Die unkomplizierte Anreise galt zwar noch ein halbes Jahr vor unserem Urlaub, als ich mir das zum ersten Mal angeschaut habe, aber nicht mehr Mitte Juli, als ich die Karten kaufen wollte. Die Nachtzugverbindung nach Paris hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst. Stichwort Gleisarbeiten rund um Frankfurt oder irgendetwas anderes. Stattdessen müssen wir nun in Mannheim umsteigen, insgesamt zwölfeinhalb Stunden bis Avignon fahren, dort übernachten und am nächsten Tag geht es weiter nach Barcelona.

Der Vorurlaubsstress erhöhte sich dann zusätzlich, als meine Frau zwei Tage vor unserer Abreise feststellte, dass ich das Hotel in Avignon einen Tag zu früh gebucht hatte. Entsprechend stornierte ich es und musste darauf hoffen, ein anderes zu bekommen. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass Hotels in der Bahnhofsgegend von Avignon nicht besonders gefragt sind und ich finde sofort eine alternative Unterkunft. Ich denke besser nicht darüber nach, warum sie so kurzfristig zu haben ist. Sie ist sogar zehn Euro günstiger, was ich lieber auch nicht hinterfrage.

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Aufgrund berufsbedingten Stresses in Verbindung einer gewissen Trägheit komme ich – wie jedes Jahr – nicht dazu, mich vorab inhaltlich eingehend mit Spanien oder unserer Urlaubsregion zu beschäftigen. Stattdessen bereite ich mich mit meinem Assoziationsspiel vor. Ich stelle den Timer auf eine Minute und schreibe, ohne zu googeln, innerhalb von 60 Sekunden alles auf, was mir zu Spanien einfällt.

Meine ersten Assoziationen ist Fußball. Die erste Weltmeisterschaft, die ich als Kind verfolgte, fand 1982 in Spanien statt, Deutschland wurde Vize-Weltmeister. Die letzte Europameisterschaft fand wiederum in Deutschland statt und Spanien gewann den Titel.

Wenn wir schon beim Fußball sind: Die beiden erfolgreichsten spanischen Vereine sind Real Madrid und der FC Barcelona. Gegen Madrid verliert Bayern meistens, gegen Barcelona gewinnen sie häufiger.

Letzte Sport-Notiz: Rafael Nadal. Der Mallorquiner hat eine Milliarde Mal die French Open gewonnen. Ich mochte ihn nie besonders, weil er sehr oft gegen den mir sympathischeren Roger Federer gewann. Beim Abschiedsturnier des Schweizers traten sie gemeinsam im Doppel an, saßen zum Schluss nebeneinander der Spielerbank und weinten hemmungslos. Das fand ich sehr rührend.

Zur spanischen Geschichte weiß ich nicht viel. Nur dass das Land früher eine stolze Seefahrernation war. Christoph Kolumbus war zwar Italiener, aber seine „Entdeckungsreise“ nach Amerika finanzierte das spanische Königshaus. Auch nichts, auf das ich als Spanier allzu stolz wäre.

Über die aktuelle spanische Politik habe ich ebenfalls sehr wenig Wissen. Der Regierungschef ist Sozialist, aber kein SED-Sozialist, sondern mehr so ein SPD-Sozialist. Sein Name ist mir unbekannt. (Im Zweifel Sanchez.) Bis in die 70er herrschte in Spanien der Diktator Franco. Vorname unbekannt. (Zumindest mir.)

Spanien hat ein Königshaus. Dessen langjähriges Oberhaupt Juan Carlos (I. oder II.?) fiel vor ein paar Jahren in öffentliche Ungnade. Ich glaube wegen einiger außerehelichen Affären sowie unzeitgemäßer Großwildjagd-Fotos. Wahrscheinlich gab es noch einige andere Skandale, denn ein paar Mätressen sowie Elfenbein-Trophäen gelten unter Blaublütigen wohl eher als Nichtigkeiten.

Zur spanischen Kultur fallen mir nur Flamenco, Carmen (hat ein Franzose geschrieben) und Stierkampf ein. Wobei letzteres weniger in die Kategorie Kultur, sondern mehr unter Tierquälerei fällt.

Kulinarisch verbinde ich Spanien mit Tapas, Rotwein und Paella. Tapas und Paella habe ich noch nie gegessen. Letztere sollte nicht mit Polenta verwechselt werden. Paella: Fisch-Reis-Gericht, Polenta: irgendwas mit Mais.

Geographisch ist Spanien eine Halbinsel und sieht wie eine Faust aus und deswegen leicht auf unbeschriebenen Europa-Landkarten zu finden. (Unschöne Erinnerungen an Erdkunde-Tests in der Mittelstufe.)

In diesem Sinne: ¡Hola España 2024!

Eine kleine Wochenschau | KW42-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


14. Oktober 2024, Berlin

Für die Tochter startet ihr Studium in Kiel. Soziologie und Politikwissenschaft. Erstmal Einführungstag, bei dem sich die Institute der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät vorstellen. (Selbstverständlich haben die Wirtschaftswissenschaften darauf bestanden, trotz alphabetischer Nachrangigkeit in der Fakultätbezeichnung an erster Stelle geführt zu werden.)

Unter anderem erfährt die Tochter, dass an der Christian-Albrecht-Universität 27.000 Studierende studieren. Rund 10. 000 Menschen mehr als in Carlow leben, ihrer alten Uni-Stadt in Irland.

Die Universität bezeichnet sich selbst mit dem Kürzel CAU. Vermutlich soll das cool klingen und entscheidende Vorteile im globalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe verschaffen. Ich habe dabei die unvorteilhafte Assoziation mit GAU, dem größten annehmbaren Unfall.

Schön ist die Startmeldung auf der CAU-Website. „Elefanten erinnern sich nach vielen Jahren an Tierpfleger.“ Klingt wie eine Meldung auf der Seite Vermischtes in der SZ, handelt aber von einer Studie am Zoologischen Institut, für die die Arbeitsgruppe „Zoologie und Funktionsmorphologie der Vertebraten“ verantwortlich ist. (Viel Glück den Arbeitsgruppen-Mitgliedern, wenn sie ihren Eltern erklären müssen, was sie genau machen.)

Das Video „Liebe. Für Euch.#LOVECAU“ stellt die Uni und die Stadt Kiel humorig vor. Am Ende des Clips klärt mich ein junger Mann auf – Studi oder Komparse? –, CAU werde nicht als Wort, sondern als Abkürzung ausgesprochen. Also, wie ARD, ICE oder THC und nicht wie eine fatale Katastrophe in einem Kernkraftwerk.

Titelbild mit einer von oben fotografierten gelben IKEA-Tasche, die auf dem Boden steht. Die Tasche ist gefüllt mit brauen Umschlägen.
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Eine kleine Wochenschau | KW42-2024 (Teil 2)

Teil 1


Im Hinterhof ist alles wieder gut: Die riesige Monsterspinne ist zurück in ihrem Netz. Das einzige Problem: Da ihr Netz direkt neben den blauen Tonnen hängt, muss ich mir nun überlegen, wo wir unseren Papiermüll entsorgen.

Seit der Sohn die Spinne gesehen hat, öffnet er sein Fenster, das eine Etage über dem Büro liegt, nicht mehr. Damit sie nicht zu ihm reinkrabbelt. Ich schätze, so stickig wie es in seinem Zimmer ist, hat die Spinne daran kein Interesse.

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Um die innere Sicherheit müssen wir uns auch nicht mehr sorgen. Fahrradhelm und Handschuhe sind wieder aufgetaucht. Das Innenministerium kann den Krisenstab „Niemand klaut in unserem Haus“ wieder auflösen und sich voll und ganz dem Heimatschutz widmen.

19. Oktober 2024, Berlin

Besuch der Jugendstrafanstalt Berlin, der JSA, wie sie abgekürzt wird. Die hat heute Tag der offenen Tür. Also, nur für Besucher*innen, nicht für die Insassen. Der Vater eines Schulfreundes des Sohns arbeitet dort in der Tischlerei und hat uns eingeladen.

Ich war noch nie in einem Gefängnis und weiß nicht, was uns erwartet. Vor ein paar Jahren habe ich mal einen Bericht über Uli Hoeneß gesehen, damals als er wegen Steuerhinterziehung in den Knast musste. Das sah jetzt nicht so schlimm aus. Ich habe schon in kleineren Hotelzimmern übernachtet. Gut, die Zellen waren etwas spartanisch eingerichtet. Da sind die Zimmer in einem Kloster bei einem Schweige-Retreat aber auch. Da werden allerdings nicht abends die Türen von außen abgeschlossen. Vermute ich zumindest, denn ich war auch noch nie auf einem Schweige-Retreat im Kloster.

Abgesehen von der Uli-Hoeneß-Reportage ist mein Bild von Gefängnissen hauptsächlich durch Kabel1-Dokus über US-amerikanische Hardcore-Knäste sowie die Serie Prison Break geprägt. Ich hoffe, in der JSA herrschen bessere Bedingungen als in dem panamaischen Knast in Staffel 3.

Meine Frau und ich fahren morgens mit gemischten Gefühlen Richtung Jugendgefängnis. Einerseits ist es interessant, sich über die dortige Arbeit zu erkundigen, und das fördert ja auch Transparenz und Öffentlichkeit. Andererseits kommen wir uns wie sensationsgeile Voyeure vor, die wie im Zoo straffällige Jugendliche begaffen wollen. (Eine Sorge, die sich als unbegründet erweist, da es keinen Kontakt mit Inhaftierten gibt.)

Am Besuchereingang begrüße ich den Beamten hinter der Glasscheibe und erkläre ihm, wir seien für den Tag der offenen Tür angemeldet. Der Mann schaut mich befremdet an. Als sei ich etwas schlicht und hätte das Prinzip Gefängnis nicht verstanden, das selbstverständlich keine Offene-Türen-Tage vorsieht. Es stellt sich heraus, dass wir in der Erwachsenen-JVA gelandet sind und noch ein Stück weiter radeln müssen.

An der Fassade der JSA hängt ein Banner mit überraschender Botschaft. „30 Jahre Jugendstrafanstalt Berlin. Jugend hat Zukunft – wir feilen daran.“

Banner auf an einer Fassade unterhalb eines vergitterten Fensters. Auf dem Banner steht: 1987 - 2017. 30 Jahre Jugendstrafanstalt Berlin. Jugend hat Zukunft - wir feilen daran"

Nachdem Einlass beginnt die Tour mit einem Einführungsvortrag der Vollzugsleiterin sowie der Leiterin des Servicebereiches. (Servicebereich wird nicht der einzige Begriff im Laufe des Tages sein, den ich nicht unbedingt mit einem Gefängnis assoziiert hätte.) Die JSA verfügt über rund 420 Plätze, die jedoch nicht alle belegt sind, die Insassen sind zwischen 14 und 27, im Schnitt circa 20. Ihre durchschnittliche Haftdauer liegt bei 20 Monaten, je nach Alter kann sie aber auch zehn oder fünfzehn Jahre betragen.

Die JSA verfolgt den Anspruch, jeder einzelne Tag soll für die Inhaftierten erzieherisch sinnvoll sein. Damit sie nach der Entlassung in die Lage versetzt sind, ein straf- und drogenfreies Leben zu führen. Ob die Arbeit von Erfolg gekrönt ist, ist eine klassische „Das Glas ist halb voll versus halb leer“-Einschätzung. Die Rückfallquote liegt bei 60 Prozent, was wiederum bedeutet, dass 40 Prozent nicht wieder im Gefängnis landen.

In der anschließenden Fragerunde erkundigt sich eine Besucherin, ob das Gefängnis für die Inhaftierten der Erst- oder Zweitwohnsitz sei und wer das Kindergeld bekäme, die Insassen, die Eltern oder die JSA. Sehr spezifische Fragen. Klingt ein wenig so, als träte ihr Sohn demnächst seine Haftstrafe an, und sie muss noch den Orga-Kram erledigen. (Zu den Antworten: Die Inhaftierten sind im Gefängnis gemeldet, das Kindergeld steht ihnen zu, nicht den Eltern und schon gar nicht der JSA.)

Bei dem Rundgang beeindruckt mich besonders ein Schließer, aus einem der Häuser, die hier Wohngruppen heißen. Er berichtet vom Alltag mit den Häftlingen und spricht respektvoll und empathisch über die „Jungs“. Ohne dabei den Eindruck zu erwecken, er wäre naiv und lasse sich auf der Nase herumtanzen. Ich wäre für diesen Job vollkommen ungeeignet. Ich hätte für alle Verständnis, würde allen alles glauben und mich andauernd verarschen lassen.

Auf der Heimfahrt denke ich darüber nach, wie ungleich und unfair Lebenschancen verteilt sind. Im Gegensatz zu der Bullerbü-Welt unserer Kinder sind die Jugendlichen und jungen Männer in der JSA in einem Umfeld aufgewachsen, das natürlich nicht den direkten Weg ins Gefängnis geebnet hat, aber sehr stark begünstigt hat, dass sie falsche Entscheidungen treffen und davon sehr viele.

Angesichts ihrer Taten und Verbrechen kann man dann auch etwas nachsichtiger mit den eigenen Kindern sein. So schlimm ist es vielleicht doch nicht, dass der Sohn nie ohne Aufforderung den Müll runterbringt.

20. Oktober 2024, Berlin

Auffallend viele der Buchbestellungen kommen aus kleineren Orten. Ein paar Bücher gehen nach Berlin, München oder Hamburg, aber der größere Teil in Kleinstädte oder Dörfer wie Lappersdorf, Ebersbach an der Fils, Kitzingen, Remseck am Neckar, Horb am Neckar oder Illertissen.

Alles Orte, die Schauplätze einer Provinz-Krimi-Reihe sein könnten:

  • „Der Schlächter von Schalkau. Kommissar Schorleber ermittelt wieder.“
  • „Das Schweigen der Kälber. Ein Nittendorf-Thriller.“
  • „Todesgrüße aus Gilchingen. Ein Fall für Marianne Maisinger.“

Aus Am Mellensee Ortsteil Kummersdorf Gut gibt es auch eine Bestellung. Am Mellensee hört sich für mich nicht gerade nach Großstadt-Metropole an, die zur Wahrung der Übersichtlichkeit mehrere Ortsteile benötigt.

Die österreichischen Ortsnamen klingen nach Bergen, grünen Wiesen und Kuhglockengebimmel. Eggelsberg, Tiefgraben, Feldlach oder Mondsee. Da erwartest du, dass jeden Moment Heidi, der Ziegen-Peter oder der Alm-Öhi um die Ecke kommen.

Keine Ahnung, warum sich das Buch in ländlichen Gegenden so großer Beliebtheit erfreut. Vielleicht sind die nächsten Kinos, Theater und Galerien zu weit entfernt und die Internet-Anbindung fürs Streaming zu schlecht. Da müssen sich die Menschen mit „Wenn ich groß bin, werde ich Gott“ begnügen.


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Familien-Gedöns der Woche (521)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

Beitrag von @vau.eff
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99 weise und unweise Gedanken für meinen Sohn, der bald loszieht, die Welt zu entdecken


Kurz nach deiner Geburt hielt ich dich im Krankenhaus im Arm und versprach dir: „Ich werde alles versuchen, um dir ein guter Vater zu sein, dich zu beschützen und für dich zu sorgen.“ Du schautest mich ernst an und dachtest: „Was heißt hier versuchen? Streng dich verdammt nochmal an. Und wenn ich zwölf bin, will ich eine Playstation.“ Dann hast du die Augen zugemacht und geschlafen.

Mittlerweile kann ich dich nicht mehr auf dem Arm halten. Bald brichst du auf, um mit deinem besten Freund Asien zu bereisen. Möget ihr Erinnerungen, Erfahrungen und Erlebnisse für euer ganzes Leben sammeln. (Deine Mama und ich werden drei Monate schlaflose Nächte sammeln.)

Jetzt, wo du volljährig bist und bald auf eigenen Füßen stehst, frage ich mich, was ich dir auf deinem weiteren Lebensweg noch mitgeben kann. Wahrscheinlich gar nicht so viel. Du bist in den letzten achtzehn Jahren schon zu einem wunderbaren Menschen herangewachsen: hilfsbereit, witzig, empathisch, offen und mit dem Herz am rechten Fleck.

Ich habe trotzdem ein paar weise und unweise Gedanken aufgeschrieben, die vielleicht hilfreich sind. Falls nicht für dich, dann für mich. Ich wünschte, ich hielte mich nur an die Hälfte dieser Ratschläge.

  • „Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens“ klingt wie ein beschissener Spruch aus „Das Café am Rande der Welt“, ist aber trotzdem wahr. Carpe diem so oft und so hart, wie du kannst.
  • Eine Serie bingen oder auf dem Bett chillen sind auch ein guter Nutzen deines Tages. „Das Café am Rande der Welt“ lesen nicht.
  • Dein Leben ist zu kurz, um dich mit negativen Menschen zu umgeben.
  • Dein Leben ist zu kurz, um rohen Kohlrabi zu essen.
99 weise und unweise Gedanken für meinen Sohn, der bald loszieht, die Welt zu entdecken
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99 weise und unweise Gedanken für meinen Sohn, der bald loszieht, die Welt zu entdecken (Teil 2)

Teil 1


  • Die To-Do-Liste wird niemals leer.
  • Niemand kann dir vorschreiben, was du auf deine To-Do-Liste schreibst. Setze an erste Stelle „Kaffee trinken“. Das gibt dir das gute Gefühl, schon morgens etwas geleistet zu haben.
  • Mach jeden Morgen dein Bett. An manchen Tagen wirst du nichts anderes auf die Reihe bekommen.
  • Erstelle vor einer wichtigen Entscheidung eine ausführliche Pro & Contra-Liste. Anschließend entscheidest du aus dem Bauch heraus.
  • Triff keine wichtigen Entscheidungen, wenn du hungrig, wütend oder müde bist.
  • Bist du dir bei einer Entscheidung unsicher, lautet die Antwort immer „nein“. Vor allem, wenn du dich fragst, ob du eine enge, weiße Jeans kaufen sollst.
  • Mit Käse überbacken, ist immer eine gute Entscheidung.
  • Wenn du Salat machst, nimm eine größere Schüssel. Immer.
  • Zitronensaft hat in Käsekuchen nichts verloren.
  • Lerne, nicht beleidigt zu sein, wenn dich jemand korrigiert.
  • Jeder Fehler ist eine Gelegenheit, zu improvisieren.
  • Halte nicht an einem Fehler fest, nur weil du viel Zeit damit verbracht hast, ihn zu machen.
  • „Du wirst törichte Dinge tun. Tue sie mit Begeisterung.“ Weise Worte von Colette.
  • Deine Missgeschicke von heute sind die lustigen Geschichten von morgen.
  • „Auch das wird vorübergehen.“ Weise Worte von Seneca.
  • Verfasse deinen eigenen Nachruf. Lebe anschließend so, dass ihn jemand schreiben könnte.
  • Lache regelmäßig über dich selbst.
  • Du hast das Recht, keine Meinung zu haben.
  • Die Welt wäre ein besserer Ort, würden mehr Menschen sagen: „Darüber weiß ich zu wenig, dazu kann ich nichts sagen.“
  • Sei stolz auf deine Erfolge.
  • Sei demütig, denn die Hälfte deines Erfolgs verdankst du dem Glück.
  • „Wenn du im Leben mehr Glück hast als andere, baue keinen höheren Zaun, sondern einen längeren Tisch.“ Weise Worte von Kevin Kelly.
  • „Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, im Taxi zu weinen als in der Straßenbahn.“ Weise Worte von Marcel Reich-Ranicki.
  • Mit einem Dankbarkeits-Tagebuch siehst du die positiven Dinge des Tages.
  • Mit einem Undankbarkeits-Tagebuch siehst du die nervigen Dinge des Tages. Was du davon ändern kannst, ändere, und was nicht, ignoriere.
  • Ärgere dich nicht über Sachen, die du willst, aber nicht hast, sondern freu dich, dass du Sachen nicht hast, die du nicht willst. Zum Beispiel kein Dach über dem Kopf haben. Oder Krebs. Oder kreisrunden Haarausfall.
  • Färbe deine Haare nicht wasserstoffblond. Wahrscheinlich wirst du aussehen wie Lotti Karotti in der Räude. (Ich weiß, wovon ich spreche.)
  • Grau ist besser als Glatze, aber Glatze spart Zeit beim Haarewaschen.
  • Wenn der Friseur dich fragt, ob er deine Augenbrauen stutzen soll, lautet die Antwort immer „ja“.
  • Haare auf der Brust gelten alle zehn bis fünfzehn Jahre als sexy. Haare auf dem Rücken nie.
  • Gerate nicht in Panik. Nie.
  • Gefällt dir nicht, was du im Spiegel siehst, dimme das Licht.
  • Absolute Aussagen sind unklug. Sei dir stets bewusst, dass du falsch liegen könntest. Außer bei der Ablehnung von Kohlrabi. Damit liegst du immer richtig.
  • Wenn du deine Jacke oder deinen Mantel abgibst, mach ein Foto von der Garderobenmarke.
  • Lege deine Schlüssel immer am selben Ort ab. Dein Portemonnaie auch.
  • Mit einem Licht-schalter kannst du eine Lampe nicht nur an machen, sondern auch aus. Sogar im Bad.
  • Wenn du ein Kleidungsstück zeitlos toll findest und es für immer tragen willst, kaufe drei davon. Noch besser fünf. Und wenn du das Geld hast, zehn.
  • Der größte Irrtum: „Das muss ich mir nicht aufschreiben, das merke ich mir so.“
  • Beziehe dein Bett frisch, bevor du in den Urlaub fährst. Dein Nach-Urlaubs-Ich wird dein Vor-Urlaubs-Ich lieben.
  • Plane nach Urlaubsreisen einen weiteren freien Tag ein.
  • Aktivitäten für Städtereisen: Steige auf einen Aussichtspunkt, kaufe eine Zeitung, gehe in einen Supermarkt, fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln, iss bei McDonald’s.
  • Kein Gesetz verbietet dir, einen WhatsApp-Gruppenchat zu verlassen.
  • Verlasse nicht den Familien-Gruppenchat.
  • Wenn du Kinder hast, wirst du ihnen irgendwann erzählen, wie billig früher Eis war. Und Döner.
  • Sei zufrieden.
  • Sei misstrauisch gegenüber Wildleder.
  • Kürzer ist immer besser. Außer bei Hosen.
  • Töte auf keinen Fall den Hund von John Wick.
  • Töte auch keine anderen Hunde.
  • „Leider geil“ sagen, ist leider ungeil.
  • Bester Treffpunkt in einer Stadt, in der du dich nicht auskennst: das Eiscafé Venezia.
  • Umgib dich mit Menschen, die unterschiedliche Meinungen, Hintergründe und Weltanschauungen haben. Mit SPDlern, Konservativen, Grünen und Marxisten, mit SUV-Fahrern und Lastenrad-Ultras, mit Veganern und Currywurst-Enthusiasten, mit Rastafaris und Menschen, die den Kragen ihres Polohemdes hochstellen, mit Homosexuellen, Heterosexuellen und Transsexuellen. Du lernst von allen.
  • Umgib dich nicht mit AfD-Wählern. Und nicht mit Kohlrabi-Essern.
  • Traue niemandem, der dir 99 weise und unweise Gedanken verspricht. Vielleicht sind es 100.
  • „Die Zukunft ist ungeschrieben, die Zukunft ist so schön vakant.“ Weise Worte von Thees Uhlmann.

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Eine kleine Wochenschau | KW41-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


07. Oktober 2024, Bonn/Berlin

Rückreise von Bonn nach Berlin. Im Zug telefoniert eine junge Frau. (Und mit jung meine ich Mitte 30, mit zunehmendem Alter verschiebt sich meine Definition von jung stetig nach oben.) „Sie sind schon der zweite Mann heute, der mir sagt, ich erinnere ihn an seine Mutter“, erklärt sie ihrem Gesprächspartner und lacht gequält.

Das ist bestimmt der Traum einer jeden Frau. Dass ein Mann zu ihr sagt: „Du bist wie meine Mama.“

Titelbild mit einem Bücherregal, in dem ganz viele Exemplare "Wenn ich groß bin, werde ich Gott" aufgesetellt sind.
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Eine kleine Wochenschau | KW41-2024 (Teil 2)

Teil 1


11. Oktober 2024, Berlin

Der Spiegel hat Thomas Gottschalk interviewt und startete mit der schönen Einstiegsfrage: „Herr Gottschalk, im Spiegel haben Sie vor einigen Jahren die Hoffnung geäußert, ein cooler Alter zu werden. Sind wir uns einig, dass es nicht geklappt hat?“ Das ist selbstverständlich etwas unverschämt, aber durchaus zutreffend.

Wenig überraschend ist Thomas Gottschalk da anderer Meinung. Aber in meinen Augen qualifiziert er sich mit seinem ständigen Hadern mit dem Zeitgeist beziehungsweise der Political Correctness sowie dem Klagen über die Jugend von heute nur schwerlich als „cooler Alter“.

Wobei Thomas Gottschalk darauf besteht, er beklage sich nicht, sondern stelle nur fest, und hadere auch nicht mit dem Zeitgeist, verstünde ihn aber nicht und fühle sich nicht mehr trittsicher.

Ich habe viel Verständnis dafür, dass Thomas Gottschalk Schwierigkeiten mit dem Altern hat und dass es nicht einfach ist, wenn du jahrzehntelang im Rampenlicht standest und dann weniger gefragt bist. (Ein Problem, das wahrscheinlich hauptsächlich Männer haben.) Seine Kritik am Zeitgeist und an der Jugend wirkt auf mich dann aber doch reichlich unreflektiert und denkfaul.

Wahrscheinlich will Thomas Gottschalk in erster Linie, dass alles so bleibt, wie es mal war, weil das am einfachsten ist. Für ihn. Das beklage ich aber nicht, sondern stelle es nur fest.

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Die Tochter hat Probleme mit der Heizung. Sie geht nicht mehr aus. Obwohl das Thermostat auf null steht, läuft sie auf Hochtouren. Im Wohnzimmer herrschen klimatische Bedingungen wie im Amazonas-Regenwald.

Das erzeugt weder behagliche Wohnatmosphäre noch ist das gut fürs Klima. Schlecht für den Geldbeutel ist es obendrein, was dich als Studentin noch härter trifft als CO2-Ausstoß, Erderwärmung und Artensterben. Zumindest kurzfristig.

C. meint zwar, er könne das Problem beheben, aber die Tochter denkt, den Heizkörper abzumontieren ist keine gute Lösung. Stattdessen muss sie den Hausmeister kontaktieren, der bei Vonovia Facility Manager heißt, damit er sich darum kümmert.

Die Tochter klagt am Telefon, nicht mit der Grundschule beginne der Ernst des Lebens, sondern wenn du andauernd mit der Hausverwaltung telefonieren musst. Wegen Internetanschlüssen, Elektrikerterminen, Handwerksarbeiten, irgendwelchem bürokratischen Kram sowie nicht funktionierenden Heizungen.

Meine Frau erinnert sich daraufhin an ein Kinderbuch, das sie gelesen hat, bevor die Tochter in die Schule kam. Darin hat ein Mädchen Angst vor ihrer Einschulung, weil die Erwachsenen die ganze Zeit vom Ernst des Lebens sprechen, der nun anfange. Am ersten Schultag sitzt dann ein Junge neben ihr, der Ernst heißt und nett ist, so dass die Kleine findet, der Ernst des Lebens ist eigentlich doch gar nicht so schlimm.

Ich habe keine Ahnung, was die Moral von dieser Geschichte sein soll. Aber wer zur Hölle nennt sein Kind heutzutage noch Ernst? (Vielleicht die Eltern des Hausmeisters, der für die Reparatur der Heizung sorgen muss.)

12. Oktober 2024, Berlin

Der Sohn hat heute das erste Mal seit einem Jahr wieder ein Judoturnier. Berliner Mannschaftsmeisterschaft bei den Erwachsenen. Für ihn bedeutet das, dass er gegen 80-Kilo-Männer kämpfen muss, für uns, dass wir nach Kladow fahren müssen, wo ich mich jedes Mal frage, ob das noch zu Berlin gehört und ob ich einen Fahrschein für die Zone C kaufen muss. (Die Antworten lauten: Ja und Nein.).

Ich weiß nicht, wer von uns das schlechtere Los gezogen hat. Wahrscheinlich der Sohn. Er muss nach Kladow fahren und gegen 80-Kilo-Männer kämpfen. Er muss dann nur einmal auf die Matte und verliert. Aber Hauptsache gesund.

13. Oktober 2024, Berlin

Heute ist internationaler Tag der Skeptiker. Ich glaube nicht, dass der was bringt.

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Im Hinterhof bei den Papiermülltonnen hat eine monströs große Spinne ein Netz vor dem Fenster des Betreuungsbüros im Erdgeschoss gesponnen. So monströs groß, dass ich mich frage, ob es ökologisch sehr verwerflich ist, unser Altpapier im Restmüll zu entsorgen.

Die Spinne sitzt dort schon seit circa zwei Wochen. Ich bin mir unsicher, ob ich das gut oder schlecht finden soll. So lange sie da unten hockt, hält sie sich nicht bei uns in der Wohnung auf. Das erachte ich als ganz dicken Pluspunkt. Je länger sie aber in dem Netz an dem Fenster wohnt, umso heimischer fühlt sie sich möglicherweise. Dann lädt sie ihre Besties ein, bis irgendwann so viele Spinnen mit ihr abhängen, dass sie den kompletten Hof übernehmen.

Vielleicht sollte ich sicherheitshalber schon mal unsere Fahrräder vor dem Haus abschließen. Unseren Müll kann ich dann auf die Tonnen an den Straßenlaternen in der Straße verteilen.


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Familien-Gedöns der Woche (520)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

Beitrag von @kriegundfreitag
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