Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets und -Tröts der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Der Sohn geht ins Gefängnis. Nicht weil er etwas verbrochen hat, sondern auf Exkursion mit seinem Philosophie-LK. Sie behandeln gerade das Thema Normen und Sitten.
Nachmittags erzählt der Sohn, es wäre spannend gewesen. (Auch keine Selbstverständlichkeit bei einem 16-jährigen, wo sich Teenager doch eher für TikToks, FIFA und die neuesten Netflix-Serien begeistern, als die pädagogische Vermittlung schulischer Inhalte.) Sie hätten mit dem Leiter der JVA gesprochen und mit einer Frau, die für die Ausbildung der Justizvollzugsbeamten zuständig ist. (Beziehungsweise für „die Wärter“, wie es der Sohn ausdrückt.). Und mit einem Häftling hätten sie auch geredet. Jemandem, der wegen Betrugs bei einer Bank einsäße. Für 6 Jahre.
Der Sohn klingt ein wenig enttäuscht, als er das erzählt. Er hat sich wohl einen spektakuläreren Verbrecher erhofft. Einen Bankräuber oder ein Gang-Mitglied. Eine Bank zu betrügen, sei ja nicht so wahnsinnig schlimm, meint er. In seinem Normen- und Sittengefüge gilt Bankbetrug anscheinend als opferloses Verbrechen und bewegt sich knapp über Lappalien-Level.
14. Januar 2023, Berlin
2 Uhr. Der Wecker klingelt. Eine sehr unschöne Zeit für klingelnde Wecker. Aber die Tochter reist heute ab und um 6 Uhr geht ihr Flieger Richtung Irland. Als treusorgende Eltern begleiten wir sie selbstverständlich zum Flughafen, um sie zu verabschieden. Während ich den Wecker ausmache, überlege ich allerdings, ob es nicht auch zum Erwachsenwerden dazugehört, manche Sachen ohne seine Eltern zu machen. Zum Beispiel mitten in der Nacht zum Flughafen zu fahren.
Aufgrund der frühen Uhrzeit gönnen wir uns unter Protest ein Taxi nach Schönefeld. Unser Konto protestiert. Zur freundlicheren Gestaltung unseres Kontostandes hatten wir uns nach den vielen Weihnachtsausgaben im November und Dezember für den Januar eigentlich einen Shopping Ban auferlegt. Mit dem Taxi zum Flughafen fahren, entspricht nicht ganz dem Geist dieses Shopping Bans. Aber wir erwerben das Taxi ja nicht, sondern lassen uns damit lediglich zum Flughafen bringen. Somit verstoßen wir formal gesehen nicht gegen unser Einkaufsverbot. (Dem Kontostand sind solche Winkelzüge allerdings ziemlich egal.)
Um 3 Uhr kommt das Taxi. Der Fahrer legt nicht gerade eine überbordende Freundlichkeit an den Tag. Aber es ist ja auch Nacht. Da kannst du nicht immer auf höchstem Knigge-Niveau performen. Dafür ist er erfreulich wortkarg. Das weiß ich bei einem Taxifahrer ohnehin mehr zu schätzen als das Einhalten veralteter Höflichkeitskonventionen.
Der Fahrer verzichtet darauf, sich anzuschnallen. Mich macht das leicht nervös. Während der Fahrt beugt er sich ziemlich weit nach vorne, so dass er mit seinem Gesicht unnormal nah an der Windschutzscheibe hängt. Das macht mich auch leicht nervös. Vielleicht beugt er sich so weit nach vorne, weil er im Dunklen nicht gut sieht. Ich beschließe, diesen Gedanken nicht weiter zu verfolgen.
Ohnehin scheint sein Augenlicht gut genug zu sein, um die Geschwindigkeitsbegrenzungen weniger als Vorschrift im Sinne der Straßenverkehrsordnung, sondern mehr als freundliche Empfehlung von Volker Wissing zu interpretieren. Er rast mit 130 durch die 80er-Zonen.
Durch das flotte Tempo erreichen wir bereits nach einer knappen halben Stunde den BER. Als vorsichtig planende Menschen hatten wir für die Fahrt einen Puffer von 30 Minuten eingeplant. Da sich niemand auf die Autobahn geklebt hat, um Verkehr und Klimakatastrophe aufzuhalten, brauchten wir den gar nicht. Nun sind wir eine halbe Stunde zu früh da und die Gepäckaufgabe hat noch nicht geöffnet.
Wobei Gepäckaufgabe begrifflich etwas unpräzise ist. Bei Ryanair gibt es dafür kein Personal, sondern du musst das alles selbst machen. Den Koffer auf die Waage stellen, ein Etikett ausdrucken, das Etikett am Koffer befestigen, das Etikett einscannen und den Koffer schließlich aufs Förderband stellen.
Somit handelt es sich nicht um eine Gepäckaufgabe, sondern um eine Gepäck-Selbstaufgabe. Selbstaufgabe klingt ebenfalls nicht ganz zutreffend. Hört sich eher nach einem mentalen Zustand der Erschöpfung und der Antriebslosigkeit an. Wenn du um 2 Uhr aufgestanden bist und noch keinen Kaffee hattest, passt das dann doch ganz gut.
In der Gepäck-Selbstaufgabe-Schlange stehen vor uns ein Mann und eine Frau. Sie sind ungefähr so alt wie meine Frau und ich. (Das heißt, sie sind wahrscheinlich fünf Jahre jünger als wir.) Die beiden trinken einen Rotkäppchen-Piccolo. Um 3.30 Uhr. Bei der Uhrzeit weißt du nicht, ob sie schon oder immer noch trinken. Vielleicht bekämpfen sie mit dem Sekt ihre Flugangst. Oder sie stimmen sich auf ihren Urlaub auf Teneriffa oder Gran Canaria ein.
Kurz nach vier hat die Tochter ihren Koffer eingecheckt und per Förderband auf den Weg zum Flugzeug geschickt. Anschließend geht sie zur Security und wir müssen uns verabschieden. Nun wird es einige Monate dauern, bis wir sie wiedersehen. Um diese Erkenntnis zu verdauen, wäre ein Piccolo keine schlechte Sache. Oder wenigstens ein Kaffee.
15. Januar 2023, Berlin
Wir verbringen den Vormittag damit, Weihnachten in den Kisten auf unserem Schlafzimmerschrank zu verstauen. Meine Frau räumt die Weihnachtsdekoration im Flur weg, ich schmücke den Baum ab. Das ist eine sehr deprimierende Angelegenheit. Vor gut drei Wochen haben wir den Baum noch alle zusammen geschmückt, die Tochter schaute per Video-Call zu. Dabei tranken wir Sekt, aßen Plätzchen und freuten uns auf das bevorstehende Weihnachtsfest mit der Familie und über die Aussicht auf ein paar freie, entspannte Tage.
Jetzt dagegen takle ich den Baum allein ab und der zuckerfrei Dryjanuary verbietet es, die Laune durch alkoholische Getränke und Süßigkeiten anzuheben. Doof. Vorfreude auf irgendein Fest gibt es auch nicht und wir haben lediglich die Aussicht auf ein paar arbeitsame Wochen, die wahrscheinlich auch noch grau und verregnet sein werden. Noch doofer.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
09. Januar 2023, Berlin
Heute ist Nationaler-räume-deinen-Schreibtisch-auf-Tag. Gerne würde ich diesen Tag begehen, aber es ist mir nicht möglich. Mein Schreibtisch ist bereits in tadellos aufgeräumtem Zustand. Das liegt nicht daran, dass ich ein so ordentlicher Mensch bin, sondern ich habe seit circa drei Wochen keinen Zugang zu ihm. Die Tochter schläft während ihres Besuchs bei uns auf der Schlafcouch im Arbeitszimmer und verbringt auch den größten Teil des Tages auf diesem Sofa und in besagtem Arbeitszimmer.
Daher muss ich zurzeit an unserem Esstisch im Wohnzimmer arbeiten. Der könnte allerdings mal aufgeräumt werden. Ich verzichte trotzdem darauf. Schließlich ist heute nicht der Nationale-räume-deinen-Esstisch-im-Wohnzimmerauf-an-dem-du-arbeiten-musst-weil-deine-Tochter-in-deinem-Arbeitszimmer-schläft-Tag.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets und -Tröts der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
02. Januar 2023, Friedrichshafen/Berlin
Wir sitzen im Zug auf der Heimfahrt von Friedrichshafen. Dort waren wir bei unseren Freunden, mit denen wir seit über 25 Jahren gemeinsam Silvester feiern. Die Orte, an denen wir vorbeifahren, klingen als habe sie jemand für ein Kinderbuch erfunden. Löwental, Liebenau, Grünkraut, Blaukraut, Gelbkraut, Aulendorf, Warthausen, Schnürpflingen, Wrestlingen, Kitzlingen, Pfuhl, Asselfingen, Schneckingen, Bubesheim, Rettenbach, Dinkelscherben, Kutzenhausen, Diedorf, Derdorf, Dasdorf. (Okay, einige der Orte habe ich selbst erfunden. Aber wenn du über sieben Stunden im Zug sitzt, musst du irgendwie die Zeit rumbekommen.)
Wenn ich es mir recht überlege – und dazu habe ich ja Zeit –, hören sich viele Berliner Ortsteile ebenfalls so an, als seien sie ausgedacht. Für eine mittelmäßig gute, aber kommerziell erfolgreiche Fantasy-Jugendromanreihe. Friedenau (hügelige Wiesenlandschaft, in der sich friedfertige hobbitähnliche Wesen angesiedelt haben), Rummelsburg (Heimstätte eines vergnügungssüchtigen Adelsgeschlechts, das irgendwann das Riesenrad erfindet), Waidmannslust (Rückzugsgebiet liebestrunkener Jäger), Gesundbrunnen (Wirkungsort einiger Druiden, die über heilende Kräfte verfügen), Plänterwald (zu meidendes Gebiet, in dem böse Hexen ihr Unwesen treiben), Marzahn (Berg, auf dem Drachen leben) oder Blankenburg (Festung von Rittern mit schimmernder Rüstung, bei denen das Hinterteil ausgespart ist; pflegen freundschaftliche Bande mit den Jägern aus Waidmannslust).
Vielleicht sollte ich die restliche Zugfahrt nutzen, um den Plot für die Fantasyreihe zu entwerfen und die Hauptcharaktere zu skizzieren. Das wird wahrscheinlich nur mittelmäßig gut, aber mit etwas viel Glück kommerziell erfolgreich.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Auf meiner morgendlichen Laufrunde komme ich an einer Kneipe vorbei. Im Fenster steht eine schwarze Tafel, auf der in weißer Schrift steht: „Montag, 19 Uhr: Mediterraner Tanz.“
Mediterraner Tanz. Was soll das sein? Tanzen die da Sirtaki und schmeißen Teller auf den Boden? Oder Flamenco und klappern mit Kastagnetten? Wobei ich mir nicht sicher bin, ob Flamenco überhaupt in der Mittelmeerregion getanzt wird. Wenn ich mich richtig erinnere, gehört der Flamenco zum katalanischen Brauchtum. Aber liegt Katalonien am Mittelmeer? Oder heißt das Meer dort noch irgendwie anders?
Man weiß es nicht. Und mit „man weiß es nicht“, meine ich „ich weiß es nicht“. (Hoffentlich gibt es nie eine Trivial-Pursuit-Edition „Die sieben Weltmeere und ihre Anrainerregionen“.) Ich könnte das nachher mal googeln, aber dazu fehlt mir die Energie. Das Jahr ist noch nicht einmal eine Woche alt und da will ich nicht direkt mit aufwändigen Geographie-Recherchen einsteigen. Somit wird es für immer ein Geheimnis für mich bleiben, was da montagabends in der Kneipe stattfindet.
Oder ich gehe nächste Woche einfach mal hin. Vielleicht aber auch nicht. Denn ich habe nur wenig Lust, meinen Montagabend damit zu verbringen, rhythmisch unterbegabten aber gleichzeitig tänzerisch übermotivierten Berliner*innen dabei zuzusehen, wie sie die mediterrane Tanzkultur demütigen, indem sie sich am Sirtaki – oder am Flamenco – vergehen. Noch weniger Lust hätte ich nur, dabei selbst mitzumachen.
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Der Sohn hat heute Zeugnistag. Seine Noten fallen insgesamt sehr erfreulich aus. Allerdings zeichnen sich seine Fächer durch eine strikte Zwei-Klassen-Gesellschaft aus. In den Kursen, die er ins Abi einbringen muss, hat er zweistellige Punktzahlen. Außer 8 Punkte in Mathe, was aber im Vergleich zu seinen Mathenoten in den letzten Jahren als zweistellig gelten kann, und 7 Punkte in Chemie, was jedoch immer noch drei Punkte mehr sind, als ich als letzte Chemie-Note hatte.
In allen Fächern, die er nicht einbringen muss, bewegen sich die Punkte im unteren Mittelfeld. Zum Beispiel in Politikwissenschaften und Geographie. Im Sinne der Allgemeinbildung ist das vielleicht bedenklich, aus Effizienzgesichtspunkten allerdings nachvollziehbar.
Ich glaube, der Sohn strengt sich in der Oberstufe so an, weil er das beste Abi in der Familie machen möchte. Bis jetzt habe ich das inne. Mit 2,2. Was natürlich keine unüberwindbare Hürde ist.
Als guter Vater unterstütze ich selbstverständlich den schulischen Ehrgeiz des Sohns. Gleichzeitig werde ich meinen Platz auf dem familiären Abi-Thron mit allen Mitteln verteidigen. Mit einer Mischung aus psychologischer Kriegsführung und Trash-Talk („Denk‘ daran, dass du noch drei weitere Mathekurse einbringen musst.“) sowie einigen Ablenkungsmanövern („Geh’ doch auch mal unter der Woche mit denen Freunden feiern. Ist doch egal, ob du morgen Englisch schreibst.“) und Verbotsandrohungen („Wenn du nicht mindestens fünf Stunden am Tag zockst, werden wir deinen Computer einkassieren.“) Falls alle Stricke reißen, kann ich vor den Abi-Prüfungen immer noch ein, zwei Lehrer*innen von ihm bestechen.
Sollte mein Plan aufgehen, wäre das quasi eine Win-win-Situation für den Sohn und mich. Ich hätte weiterhin das beste Abi in der Familie und der Sohn hätte gelernt, dass im Leben mit harten Bandagen gekämpft wird. (Darüber kann er während seiner Wartesemester nachdenken, die er einlegen muss, weil er wegen seines schlechten Abis keinen Studienplatz bekommt.)
06. Januar 2023, Berlin
Bei meinem heutigen Lauf klärt sich die Tanz-Geschichte auf. Es handelt sich gar nicht um mediterranen, sondern um meditativen Tanz. (Ich sollte vielleicht mal wieder zum Augenarzt gehen.) Das Ganze findet auch nicht in einer Kneipe, sondern in einem esoterisch angehauchten Laden für Heilkunde statt. (Of course it does!)
Da möchte ich aber auch nicht hingehen und mir anschauen, wie sich rhythmisch unterbegabte und leicht verstrahlte Berliner*innen in Trance tanzen. Und dabei mitmachen, möchte ich genau so wenig wie bei dem mediterranen Tanz, den ich mir nur eingebildet habe.
7. Januar 2023, Berlin
Die Tochter wäre heute eigentlich zurück nach Irland geflogen. Wenn sie nicht krank wäre. Mit einer rechtsseitigen eitrigen Mandelentzündung. Das Gute daran: Wir müssen nicht um 2 Uhr morgens aufstehen, um die Tochter zum Flughafen zu begleiten, wo ihr Flug nach Dublin um 6.10 Uhr startet. (Zugegebenermaßen fällt einem eine solch positive Sichtweise erheblich leichter, wenn nicht du es bist, dessen rechte Mandel entzündet ist.)
So ist die Tochter noch ein paar Tage länger bei uns und das ist ja auch schön. Abgesehen von der Eitermandel. Die ist nicht so schön. Aber ich schätze, es ist immer noch besser, bei den Eltern krank zu sein, die dich mit Tee, Saft und Suppe versorgen, als alleine in einem Zimmer in Carlow, wo du dich selbst um deine Verpflegung kümmern musst.
Die Tochter hat sich trotzdem schon um einen neuen Flug gekümmert. Ganz kostenbewusst hat sie den absolut günstigsten Flug gebucht. Für 21 Euro. Nächsten Samstag um 6.10 Uhr. Das heißt, wir müssen doch noch um 2 Uhr morgens aufstehen, um sie zum Flughafen zu begleiten. Vielleicht bin ich ja bis dahin krank.
08. Januar 2023, Berlin
Auf unserem Sonntagsspaziergang entdecke ich an einem Laternenpfahl einen Aushang. Auf diesem bietet eine mittelalte, blonde Frau namens Simone Zücker ein „GOLDENES TICKET FÜR DEIN GROSSARTIGSTES DU“ an. Besonders ansprechend finde ich das nicht. Bei mir erwecken die Großbuchstaben den Eindruck, Simone Zücker schreit mir ins Gesicht. Das möchte ich nicht. Außerdem erinnert mich das Goldene Ticket an Willi Wonkas Schokoladenfabrik und den Film fand ich super gruselig. Schließlich bin ich mir nicht sicher, ob das Adjektiv großartig überhaupt gesteigert werden kann. Oder sollte. Wenn du schon großartig bist, warum solltest du dann noch großartiger werden? Oder sogar großartigst?
Auf dem Flyer deutet Frau Zücker an, sie könne dabei helfen, meine geheimen Wünsche und Träume wahr werden zu lassen. Das bezweifle ich aber sehr. Außer sie ist im Besitz eines Rezepts für kalorienfreien, aber trotzdem leckeren Käsekuchen.
Frau Zücker führt gibt verschiedene Access-Kurse, die wahrscheinlich bei dieser Träume-und-Wünsche-Sache und dem großartigsten Du helfen sollen. Zum Beispiel die Access Foundation. Da werden Menschen in einem viertägigen Workshop ermächtigt, „zu wissen, dass und was sie wissen“. Ich höre Sokrates förmlich, wie er sich im Grab gerade fragt: „What?“
Bei dem zweiteiligen Kurs Access Körperprozesse erlernen die Teilnehmer*innen angeblich zwei Körperprozesse:
Wir laden dein Superleben ein.
Mutation der Verkörperung
Letzteres lässt mich rätseln, ob der Kurs in einem Abklingbecken eines Atomkraftwerks stattfindet. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Flyer Teil eines dadaistischen Kunstprojekts ist oder mithilfe einer künstlichen Intelligenz übersetzt wurde, die jemand programmiert hat, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist.
Prinzipiell finde ich es gut, an sich zu arbeiten, sich Ziele zu setzen und sich Sachen vorzunehmen. Für das neue Jahr muss ich mir auch noch ein paar gute Vorsätze überlegen. Einen habe ich nach dem Lesen des Aushangs aber schon: Ich werde 2023 zückerfrei bleiben.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Der Morgen beginnt mit einem unschönen Murmeltiertag-Moment. Der Wecker klingelt um 5.20 Uhr. Im Radio läuft ein längeres Nina-Hagen-Special. Da fällt mir wenigstens das schnelle Aufstehen leicht.
Nach dem Duschen klärt mich Google Maps auf, dass sich die sonntäglichen ÖPNV-Verbindungen nach Kladow erheblich von den samstäglichen unterscheiden. Wir können einen Bus um 6.50 Uhr nehmen. Das heißt, es hätte gereicht, um kurz vor 6 aufzustehen.
Nun gut, dann habe ich jetzt Zeit, um gemütlich einen Kaffee zu trinken. Okay, das hätte ich auch mit einer halben Stunde mehr Schlaf ganz in Ruhe auf der Fahrt nach Kladow machen können. Irgendwie muss ich mir das unnötig frühe Aufstehen ja schönreden.
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Um halb sechs endet das Turnier. Nach gut drei Stunden Aufräumen und Abbau verlassen wir um 21 Uhr die Sporthalle. Ich habe also mein komplettes Wochenende plus den Freitagabend in einer Kladower Grundschul-Turnhalle verbracht. Toll!
Dafür laufe ich diesmal nicht nach Hause, sondern wir fahren mit den Öffis. Das ist zwar auch nicht besonders erquicklich, so dass ich das Glas nicht als halb voll bezeichnen würde, aber zumindest ist es nicht komplett leer. Es ist ja wichtig, die Dinge irgendwie positiv zu sehen. Es könnte auch noch schlimmer sein. Das Glas könnte zum Beispiel kaputt gehen. Oder der Bus.
19. Dezember 2022, Berlin
Um meine Haare in weihnachtliche Form zu bringen beziehungsweise bringen zu lassen, gehe ich heute zum Friseur. Zum zweiten Mal hintereinander schneidet mir Ayşe die Haare. Somit kann ich sie endlich als meine Stammfriseurin bezeichnen. Finde ich zumindest.
Jetzt muss ich sie nur noch dazu bringen, mich nicht zu siezen, damit ich mich nicht so alt fühle. Unterhielten wir uns in einem anderen Kontext, beispielsweise in einem Club, würden wir uns ja auch duzen. Allerdings weiß ich nicht, was das für ein Club sein soll, in der eine Mitte-20-jährige Deutsch-Türkin und ein Mitte-End-40-jähriger Westerwälder aufeinander treffen. (Ayşe würde so einen Club sicherlich meiden.)
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Abends sind wir mit der Tochter verabredet, um den Weihnachtsbaum virtuell zu schmücken. Also, wir in Berlin schmücken real und die Tochter schaut per Video-Call aus Carlow zu. Wir trinken dabei wie jedes Jahr Sekt und die Tochter ein merkwürdiges Mix-Getränke aus der Dose, das so eklig schmeckt, wie das Dosendesign aussieht.
Als erstes müssen die Lichterketten angebracht werden. Eine recht diffizile Aufgabe, bei der noch nicht so recht weihnachtliche Atmosphäre aufkommen will. Nicht einmal vorweihnachtliche. Schließlich hängen die Ketten einigermaßen akzeptabel im Baum. Da es bei der Aufhäng-Prozedur trotz der leicht angespannten Stimmung nicht zu unnötig scharfen Wortwechseln kam, die den Abend oder unsere Ehe verdorben hätten, können wir schließlich Kugeln, Schmuck und Figürchen an den Baum hängen.
Die nicht ganz so schönen Figuren kommen immer an die Rückseite des Baumes. Da fallen sie nicht ganz so auf. Selbstverständlich sagen wir das nicht laut, denn wir wollen sie ja nicht kränken.
Lediglich ein paar selbstgebastelte Engelchen durchbrechen unsere ästhetische Zweiklassen-Weihnachtsbaum-Gesellschaft. Die haben die Kinder seinerzeit in der Kita angefertigt. Mit mehr Begeisterung als Talent. Die kleinen Engel sehen aus wie eine Mischung aus Drag Queen und Tim-Burton-Figur auf Speed. Der Sohn hat sie trotzdem an die Vorderseite des Baumes gehängt und wir lassen das so. Nach unserem „Sportler des Jahres“-Fauxpas am Samstagabend wollen meine Frau und ich ihn nicht wieder kränken, indem wir das Ergebnis seines frühkindlichen künstlerischen Schaffens auf die Schattenseite des Baumes verbannen.
20. Dezember 2022, Berlin
Das Verfassen der Weihnachtspost fällt in unserer funktional strikt arbeitsgeteilten Ehe in meinen Aufgabenbereich. Das umfasst auch die Karten an die Verwandtschaft meiner Frau. So kommt es, dass ich jedes Jahr Weihnachtsgrüße an irgendwelche Tanten schreibe, die ich allenfalls mal vor fünfzehn bis zwanzig Jahren auf einer Familien-Feier gesehen habe und die ich ansonsten nicht näher kenne. Meine Frau bekommt die fertigen Karten lediglich zur Unterschrift vorgelegt.
Die besagten Tanten sind meist weit über 80. Manchmal auch über 90. Ihre Sehkraft lässt zu wünschen übrig und die Arthritis in ihren Fingern erschwert ihnen das Schreiben. Deswegen rufen sie bei uns an, um sich für die Karten zu bedanken. Ausnahmslos und immer unter der Woche. Tagsüber. Wenn meine Frau im Büro und nicht zuhause ist. Ich dagegen schon, weil ich im Home Office arbeite.
Deswegen schreibe ich den mir unbekannten Tanten nicht nur jährlich zu Weihnachten, sondern telefoniere auch noch mit ihnen. Dabei bediene ich mich immer einiger allgemeinen Floskeln, um zu überspielen, dass ich keine Ahnung habe, mit wem ich da gerade spreche. Außerdem will ich den Gesprächsfluss nicht unnötig stimulieren. Sonst bekomme ich Geschichten zu hören über Enkelkinder, Nachbarinnen oder Dorfbewohner*innen, die ich noch weniger kenne als die Tanten.
Vielleicht sammle ich dadurch genügend Karma-Punkte, um in meinem nächsten Leben nicht als Kellerassel wiedergeboren zu werden. Wobei das auch seine Vorteile haben könnte, denn Kellerasseln schreiben bestimmt keine Weihnachtskarten.
21. Dezember 2022, Berlin
Heute ist Welt-Orgasmus-Tag. Am ungünstigsten Datum, das du dir dafür aussuchen kannst, denn heute ist auch Wintersonnenwende, das heißt der kürzeste Tag des Jahres. Andererseits ist es damit auch die längste Nacht des Jahres, was für das ausgiebige Zelebrieren des Welt-Orgasmus-Tags sogar von Vorteil ist.
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Die Tochter kommt aus Irland angereist. Um kurz vor 22 Uhr landet sie. Meine Frau und ich wollen sie bei der Ankunft am Flughafen überraschen.
Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es tatsächlich eine Überraschung für die Tochter sein wird und sie nicht mit unserem Erscheinen rechnet. Schließlich war sie seit drei Monaten nicht zuhause. Da wäre es ziemlich schäbig von uns, sie nicht abzuholen. Andererseits haben wir unserem Sohn nicht zur Wahl zum Sportler des Jahres gratuliert, sondern ihn gefragt, wofür er die Auszeichnung überhaupt bekommen hat. Da ist uns alles zuzutrauen. Auch dass wir unsere Tochter nicht persönlich am Flughafen in Empfang nehmen und sie alleine mit der S-Bahn nach Moabit fahren lassen.
In der Ankunftshalle des Flughafens steht eine Gruppe, die mit kleinen irischen Flaggen ausgerüstet ist. Ein junger Mann ist all in gegangen und trägt sogar eine irische Stoff-Fahne um die Schultern. Ich komme mir etwas unvorbereitet vor. Wir haben nur uns mitgebracht. Aber wenigstens sind wir da. Das muss reichen.
Schließlich kommt die Tochter aus dem Bereich der Gepäckausgabe. Leider vor der Person, die von den irischen Fahnenschwenker*innen abgeholt wird. Das hätte mich schon interessiert, wer das ist und wie der Empfang abläuft. Aber das Leben im Allgemeinen und das Abholen am Flughafen ist kein Wunschkonzert.
22. Dezember 2022, Berlin
Die Tochter erzählt, sie habe kürzlich bei einer Uni-Veranstaltung ein Bild ihres Bruders auf dem Handy angeschaut. Daraufhin habe ihre Sitznachbarin gefragt, ob das ihr Freund sei. Die Tochter verneinte das mit der gebotenen Vehemenz und erklärte, dies sei ihr Bruder und der sei erst 16. Daraufhin erwiderte die andere Studentin: „Der sieht aber trotzdem süß aus.“
Feministisch nicht ganz auf der Höhe, aber für einen 16-jährigen durchaus nachvollziehbar, interessiert den Sohn an der Geschichte nur eins: „Sieht die gut aus?“
23. Dezember 2022, Berlin
Um halb zwei haben wir einen gemeinsamen Termin mit der ganzen Familie. Für ein Fotoshooting. Absurderweise habe ich diesen Termin initiiert. Dabei finde ich fotografiert zu werden, ungefähr so angenehm wie einen Besuch beim Zahnarzt. Oder mir eine Rede von Friedrich Merz anzuhören. Es ist die Hölle.
Vor ungefähr fünf bis sechs Jahren hatten wir schon einmal so ein Familien-Fotoshooting. Meine Frau hatte das von einer Freundin als Gutschein zum Geburtstag bekommen. Damals kam ich direkt von einem Termin in das Fotostudio, war gestresst und nur mäßig begeistert davon, abgelichtet zu werden. Nicht die besten Voraussetzungen für eine ausgelassene Stimmung, um fröhliche Familienbilder zu knipsen.
Dafür entstand in der Sitzung ein gelungenes Adams-Family-Gedenk-Portrait von uns. Wir sind alle ganz in schwarz gekleidet, verschränken die Arme vor der Brust und blicken missmutig in die Kamera. Das Bild hängt seitdem großformatig in unserem Flur, und zwar genau so, dass es alle sehen, sobald sie durch die Tür treten.
Vor ein paar Wochen hatte ich die Idee, dieses Bild sowie eine gemeinsame Aufnahme von der Tochter und dem Sohn zu rekonstruieren. Der Sohn ist davon nur mittelbegeistert, was beim Nachstellen des Adams-Family-Portraits recht hilfreich ist. Nachdem die beiden Aufnahmen im Kasten sind, denken wir, dass wir unsere Schuldigkeit getan haben und nun auf den Weihnachtsmarkt gehen können.
Allerdings werden unsere Pläne von der Fotografin durchkreuzt. Die ist außerordentlich committet und hat noch die ein oder andere Idee für weitere Motive. Wir müssen uns in verschiedenen Konstellationen aufreihen, Grimassen schneiden, im Schneidersitz auf dem Boden sitzen und Family-Schriftzüge in die Höhe halten. Zumindest die Fotografin hat Spaß dabei. Nach 20 Minuten entlässt sie uns in die Freiheit. Damit sollte das für die nächsten fünf bis sechs Jahre mit der Familien-Foto-Shooterei reichen.
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Dies ist die letzte Wochenschau für dieses Jahr. Ein herzliches Dankeschön an alle, die hier fleißig lesen und kommentieren. Haben Sie ein fröhliches Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Lieben und ein paar entspannte Feiertage. (Vielleicht außerhalb des Kreises Ihrer Lieben, das erhöht die Entspannung.)
Letztes Jahr habe ich meine Weihnachtskarten sinngemäß mit dem Satz beendet: „Möge uns 2022 gnädiger sein, als das zurückliegende Jahr.“ Wir sind uns wohl alle einig, dass sich 2022 einen Scheiß um meinen bescheidenen und nicht übermäßig anspruchsvollen Wunsch geschert hat. Daher möchte ich an 2023 gar nicht erst irgendwelche Erwartungen herantragen. Ich wünsche uns allen einfach viel Glück. Es wird schon schief gehen. Gehaben Sie sich wohl.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
12. Dezember 2022, Berlin
Bin auf dem Weg zum Supermarkt. Es ist kalt und ich habe meine Hände tief in den Taschen meiner Jacke vergraben. Plötzlich trete ich auf eine vereiste Fläche und gerate ins Rutschen. Durch eine Pendelbewegung des Oberkörpers vermeide ich einen spektakulären Sturz, bei dem ich mir den Oberschenkelhals oder die Hüfte gebrochen und ein Erdbeben der Stärke 5,5 bis 6 ausgelöst hätte. Vor meinem inneren Auge sehe ich mich elegante und katzengleiche Bewegungen ausführen wie ein Kung-Fu-Kämpfer, der seit seinem dritten Lebensjahr in einem buddhistischen Shaolin-Kloster ausgebildet wurde. Außenstehende denken dagegen möglicherweise eher an ein alkoholisiertes Nilpferd mit Gleichgewichtsstörungen, das Tschaikowskis „Tanz der Schwäne“ aufführt.
Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.
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