Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.
13. September 2021, Berlin
Es ist 22 Uhr. Gegenüber vor dem Kloster streitet ein jugendliches Pärchen lautstark. Um was es genau geht, lässt sich nicht heraushören. So laut sind die beiden dann doch nicht.
Ich verstehe nur, dass die junge Frau wie eine springende Schallplatte immer wieder fragt: „Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby?“
Ich bin kurz davor, zu brüllen, dass Baby verdammt nochmal sagen soll, was er mit ihr macht, damit sie endlich aufhört. Baby nuschelt schließlich eine unverständliche Antwort, die mit „Walla“ endet.
Der Streit wird immer emotionaler und droht in Handgreiflichkeiten auszuarten. Von irgendwoher ruft ein Mann die beiden zur Räson. Daraufhin beschimpf das Pärchen den Mann aufs Übelste und zieht schließlich einträchtig von dannen. Es geht doch nichts über die gemeinschaftsstiftende Funktion eines gemeinsamen Feindes.
Leider werden wir, das heißt ich, nie erfahren, was Baby denn nun angestellt hat.


Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Sein neues Buch „Wenn ich groß bin, werde ich Gott“ ist im November erschienen. Ebenfalls mehr als zu empfehlen sind „Hilfe, ich werde Papa! Überlebenstipps für werdende Väter“, „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“ sowie „Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith“*. (*Affiliate-Links)




