Föhr 2018 – Nachschlag 2: „Mord in Strandkorb 27. Alle sind föhrdächtig“

Wenn Sie meinen gestrigen Beitrag gelesen haben, wissen Sie, dass ich auf der Suche nach einer Geldquelle bin, um dauerhaft mit der kompletten Familie als Privatier nach Föhr umzusiedeln und eine luxuriöse Wohnung mit Meerblick zu beziehen. Optionen wie Kurkapellen-Roadie, Föhrer Bettelmusikant, Alpaka-Farmer und sonntäglicher Campingwecken-Monopolist scheiden leider aus. Daher ist meine beste Möglichkeit, zu viel Geld zu kommen, einen Bestseller-Roman zu schreiben. (Allenfalls beim Lottospielen habe ich eine noch höhere Chance, reich zu werden.)

Da die Nische des Föhr-Krimis noch nahezu unbesetzt ist, habe ich genau dafür eine Ideenskizze entwickelt, die ich nun an die renommiertesten deutschen Verlage schicken werde, damit diese sich an einer Ersteigerung der Druckrechte beteiligen können. (Es wäre ja unfair, gäbe ich nur einem Verlag die Möglichkeit, den neuen, erfolgreicheren Sebastian Fitzek zu entdecken.)

Den treuen Leserinnen und Lesern des Familienbetriebs und insbesondere des Föhr-Urlaubsblogs gewähre ich gerne eine exklusive Sneak-Preview in den Roman. Viel Spaß beim Lesen!

Mord in Strandkorb 27.
Alle sind föhrdächtig

Der Protagonist

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.

Held der Geschichte ist Chris Hunter, ein ehemaliger Geheimagent, der vor einigen Jahren nach Föhr gezogen ist, um sich von seinem anstrengenden Spionageleben zu erholen. Chris ist ein gutaussehender, sportlicher Mann von Anfang/Mitte 40, der trotz einiger erster weniger (!) grauen Haare in seinem kurzen Bart aber wie Anfang/Mitte 30 aussieht. (Bei günstigem Licht sogar wie Ende 20). Dies liegt nicht zuletzt an seinem durchtrainierten, stahlharten Körper, der das Ergebnis eines rigorosen Fitnessprogramms ist, das er jeden Morgen diszipliniert absolviert.

Er hat den schwarzen Gürtel in sämtlichen bekannten Kampfsportarten und war in seiner Jugend das Kampfsport-Double von Jean-Claude van Damme. Auch ansonsten ist er Weltmeister in allen bekannten Sportarten. Chris Hunter ist bekannt für seinen scharfen Intellekt und Ehren-Präsident von Mensa, dem Club, der nur Mitglieder ab einem IQ von 130 akzeptiert.

Chris Hunters einziges Laster ist sein fast schon pathologisches Verlangen nach Campingwecken. Nur beim Genuss des köstlichen Hefegebäcks kann er die traumatischen Erlebnisse seiner Vergangenheit vergessen. (Aufgrund eines gentechnisch weiterentwickelten Stoffwechsels hat Chris Hunter trotz seines immensen Campingwecken-Konsums einen Körperfettanteil von fünf Prozent.)

Als ehemaliges Calvin-Klein-Unterwäschemodel ist es nicht verwunderlich, dass sich Chris Hunter täglich, wenn nicht gar stündlich, den Avancen junger Strandschönheiten erwehren muss. Er lässt sich aber allenfalls auf kurze Affären ein, da es unfair gegenüber allen anderen Frauen wäre, würde er sich an eine einzige binden.

Für eine dauerhafte Beziehung hätte Chris Hunter ohnehin keine Zeit, kommt es auf der Insel doch immer wieder zu rätselhaften Verbrechen, die nur durch den ex-Agenten aufgeklärt werden können. Das Besondere dabei: Er löst alle Fälle von einem Hight-Tech-Strandkorb aus.

High-Tech-Strandkorb von Chris Hunter

Die weiteren Charaktere

  • Konrad König, Kommissar: Der 50-jährige Hauptkommissar wurde vor drei Jahren von Rügen nach Föhr strafversetzt und gilt als ebenso arbeitsscheu wie begriffsstutzig.
  • Pit Brody, Fitnesstrainer: Chris Hunters bester Freund, der immer an seine Leistungsgrenze gerät, wenn sie gemeinsam trainieren.
  • Bernd Becker, Bäcker: Dem 55-jährigen Konditormeister gehören fünf Filialen auf der Insel, und er besitzt das Campingwecken-Monopol auf Föhr. Er achtet peinlichst darauf, dass sonntags keine Campingwecken verkauft werden.
  • Gabi Geber, Bäckereifachverkäuferin: Die gebürtige Föhrerin ist 23 Jahre alt und in Chris Hunter verliebt. Sie schenkt ihm jeden Morgen, wenn er in den Laden kommt, ein Gratis-Minibrötchen.
  • Natascha Nataschowsjkaja, Sängerin der Kurkapelle: Natascha stammt aus Novosibirsk, hält ihr Alter geheim und kommt schon seit mehr als 20 Jahren mit der Kurkapelle „Riviara“ nach Föhr. Aufgrund ihrer Vorliebe für sehr kurze Röcke hat sie den Ruf, ein leichtes Mädchen zu sein.
  • Charlie Ringel, Dampfplauderer: Der 52-jährige Ringel lebt bei seiner Mutter in Hamburg und macht schon seit seiner Kindheit mehrmals jährlich Urlaub auf Föhr. Er kennt jeden auf der Insel und ist ein wichtiger Informant für Chris Hunter.
  • Georg Gierig, Bürgermeister: Gierig feiert in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum als Bürgermeister und ist bekannt für seine flexible Moral. Er ist gleichzeitig Vorsitzender des Tourismusausschusses und immer bemüht, den Fremdenverkehr auf der Insel anzukurbeln.
  • Markus Mäh, Landwirt und Schafschur-Weltmeister: Markus Mäh hat vor fünfzehn Jahren den Hof seiner Eltern samt riesiger Schafherde geerbt, wäre aber lieber Friseur. Um seinem Hobby zu frönen, nimmt er seit vielen Jahren an internationalen Schafschur-Meisterschaften teil.
  • Michael Mecker, Landwirt und Ziegenhof-Betreiber: Der 38-jährige Mecker ist Landwirt durch und durch. Mit Markus Mäh verbindet ihn eine langjährige Rivalität. Sowohl geschäftlich als auch bezüglich Wilma Wonka.
  • Wilma Wonka, Pâttisiere und Bonbonladen-Betreiberin: Wilma Wonka kam vor 30 Jahren mit ihren Eltern nach Föhr und gilt auf der Insel immer noch als die exotische Fremde. Sie betreibt in Oevenum den erfolgreichen Süßigkeitenladen „Föhrer Snupkroom“.
  • Dolf Trumpel, Industrieller: Der 63-jährige self-made Millionär hat sein Vermögen ursprünglich auf dem Verkauf von Naturkosmetika aufgebaut, wobei sich irgendwann herausstellte, dass in den Tuben und Tiegeln lediglich getrockneter Schaf- und Ziegendung abgefüllt war. Später investierte er in Immobilien und hat politische Ambitionen. Er gilt als narzisstisch und skrupellos.

Der Plot

An einem ruhigen Sommermorgen im August macht Fitnesstrainer Pit Brody bei seinem obligatorischen Strandlauf um fünf Uhr früh eine grausige Entdeckung: Im Sand unter der Mittelbrücke liegt eine angespülte Frauenleiche. Es ist die Pâtissiere Wilma Wonka. Als Kommissar Konrad König beim Tatort erscheint, will er das Ganze als tragischen Badeunfall abtun, obwohl ein schwerer Betonklotz an die Beine der Toten gebunden ist, um sich lästige Ermittlungsarbeit zu ersparen.

Die Mittelbrücke. Der Leichen-Fundort.

Bürgermeister Gierig stimmt der Badeunfallthese zu und drängt darauf, den Fall schnell zu den Akten zu legen. Als Vorsitzender des Tourismusausschusses befürchtet er, langwierige Mordermittlungen beschädigen das Image der Insel und wirken sich negativ auf den Fremdenverkehr aus.

Chris Hunter nimmt sich des Falls an, da sein unerschütterlicher Sinn für Gerechtigkeit es nicht zulässt, dass ein Mord ungesühnt bleibt. Verdächtiger Nummer 1 ist für ihn Bäcker Becker, denn einem Mann, der sonntags keine Campingwecken verkauft, ist alles zuzutrauen. Der Bäcker hat aber ein Alibi durch Sängerin Natascha Nataschowsjkaja, mit der er die ganze Nacht verbracht hat.

Bei der Obduktion der Leiche entdeckt Chris Hunter Ziegenhaare auf dem Körper von Wilma, was auf Ziegenhofbetreiber Michael Mecker als Täter hinweist. Obendrein erzählt Charly Ringel, dass Michael seit Jahren in Wilma verliebt war, diese aber mit dem Schafhof-Besitzer Markus Mäh ein Verhältnis gehabt hätte.

Eine Ziege

Chris Hunter nimmt Michael Mecker in die Mangel, der zwar seine Liebe zu Wilma gesteht, aber den Mord abstreitet. („Warum sollte ich die Liebe meines Lebens umbringen?“ Ein Satz, den ich eventuell an Rosamunde Pilcher verkaufe.) Ganz im Gegenteil, Wilma hätte sich von Markus Mäh trennen und zu ihm ziehen wollen. Das rückt nun den professionellen Schafscherer auf der Verdächtigenliste ganz nach oben. Als Chris Hunter ihn auf seinem Schafhof befragen will, flieht Markus Mäh auf einem Alpaka und versteckt sich auf dem Minigolf-Platz in Nieblum.

Bei der Durchsuchung des Hofs entdeckt Chris zwei Pokale, die beweisen, dass Markus nicht der Mörder sein kann. Zum Tatzeitpunkt befand er sich in Neuseeland, wo er an den Schafschur-Weltmeisterschaften teilnahm und erste Plätze in den Kategorien „Kopfmassage“ und „Ondulieren“ errang.

Am nächsten Tag taucht Unternehmer Dolf Trumpel an Chris Hunters Strandkorb auf und beschuldigt die Backwaren-Verkäuferin Gabi Geber des Mordes an Wilma Wonka. Sie sei in Michael Mecker verliebt und hätte es nicht ertragen können, dass Wilma an ihrer statt mit ihm zusammen sein sollte. Hunter glaubt Trumpel aber nicht, denn eine Frau, die ihm täglich Gratis-Minibrötchen schenkt, muss ein reines Herz haben.

Stattdessen beginnt Hunter das Firmengeflecht von Trumpel zu durchleuchten. Dabei findet er heraus, dass Trumpel seit längerem versucht, alle Strandkörbe in der ersten Reihe aufzukaufen, um sie Luxus zu sanieren. Lediglich Strandkorb 27, seit mehr als 300 Jahren im Besitz der Wonka-Familie, fehlte ihm noch.

Eine Strandkorbreihe

Chris Hunter untersucht den besagten Strandkorb und findet dort Blutspuren, die er Wilma Wonka zuordnen kann. Außerdem entdeckt er ein orangefarbenes Haar von Trumpel. Er muss der Täter sein und hat, um von sich abzulenken, die Ziegenhaare auf dem Leichnam platziert.

Während des Höhepunkts des Hafenfestes, dem „Föhr on fire“-Feuerwerk, kommt es zum großen Showdown. Hunter konfrontiert Trumpel mit den Beweisen. Dieser schießt Hunter nieder und flieht in einem Mini-U-Boot aufs Meer hinaus. Chris Hunter hat jedoch die Pistolenkugel mit den Zähnen gefangen und macht sich auf die Verfolgung. 

Er taucht dem U-Boot hinterher – als Weltmeister im Apnoe-Tauchen kann er mehr als 20 Minuten die Luft anhalten –, wehrt einen attackierenden Kraken ab (LINK) und holt Trumpel schließlich ein. Mit aller Wucht schlägt er mit der linken Faust die Windschutzscheibe des Mini-U-Boots ein, entwendet Trumpel die Waffe und bringt ihn zurück zum Strand, wo er ihn an Kommissar König übergibt. Bürgermeister Gierig gratuliert Hunter scheinheilig zur Aufklärung des Falls. Gabi Geber schenkt Chris Hunter einen Camping-Wecken.

Während sich die beiden küssen, spielt die Kur-Kapelle in der Ferne „Love is in the air“.

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Ich denke, das ist ein Mega-Stoff für einen Bestseller-Krimi, der in mehr als 35 Sprachen übersetzt wird. Außerdem könnte ich mir eine Hollywood-Verfilmung mit Chris Hemsworth als Chris Hunter sehr gut vorstellen. (Zumindest, wenn er noch ein wenig Muskelmasse zulegt.)

Die weiteren Chris-Hunter-Krimis (Krakenalarm auf Föhr, Campingwecken des Todes, Das Strandkorbmassaker, Der Tod lauert im Meer) schreibe ich dann im Garten meiner neuen Föhrer Villa mit Meerblick und exklusivem Strandzugang.

Gute Nacht!

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Alle Teile des Föhr-Tagebuchs finden Sie hier.

Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil. Im September 2016 ist sein erstes Buch „Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith“* erschienen. (*Affiliate-Link)

77 Kommentare zu “Föhr 2018 – Nachschlag 2: „Mord in Strandkorb 27. Alle sind föhrdächtig“

    • Die Beziehung zu Rick Hunter wird in einer der Fortsetzungen behandelt. Es gibt da noch einen Konflikt aufzuarbeiten, weil Rick seinen Sohn in der Bäckerei warten ließ.

  1. Gekauft…. musst du nur noch im Print in den Wyker Buchläden platzieren, dann sind die schon 5000 abgenommene Exemplare durch die Föhrer Widerholungstouristen sicher.

    • Eine sehr gute Idee. Wobei ich an Buchstände auf der Fähre, beim Bäcker, in allen Cafés, am Strand, in der Fußgängerzone, auf Fahrradwegen und überall gedacht hatte.

  2. ich sitze hier (auf arbeit) mitten in der nacht, lese diesen blogeintrag und lache mich kaputt.

    was für eine storie. hammer.

    einfach mal danke sagen :-D

  3. Danke Danke Danke! Selten so herrlich bei einem Thriller gelacht :)
    Ein kleiner Tipp zur Finanzierung der Föhrer Residenz: Man sollte die Möglichkeit Sätze an Rosamunde Pilcher zu verkaufen, nicht als Einnahmequelle außer Acht lassen und durchaus vertiefen!

  4. Lieber Mathias :-)
    Ich glaube wir zwei müssen noch mächtig an Christian arbeiten … wir übernehmen den Part des City Bodie …. 😎

    • Alles sehr glaubhaft – bis auf den Ritt auf dem Alpaka. Das würde ich als Einziges ändern, schon allein damit nicht die Tierschützer auf den Plan gerufen werden und Chris das Ende der Geschichte an die Mole gebunden erlebt. Ich würde mich gerne als Lektor zur Verfügung stellen – auch um eventuelle Logikfehler auszubessern. Auch wenn bisher alles sehr logisch aufgebaut ist.

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  • Jo Joo ⚓

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  • fru_schtruve

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