Eine kleine Wochenschau | KW12-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


20. März 2023, Berlin

Heute ist Internationaler Tag des Glücks. Trotzdem bekomme ich keine Benachrichtigung, dass wir am Wochenende im Lotto gewonnen haben. Für mich persönlich hat der Internationaler Tag des Glücks noch ziemlich viel Luft nach oben.

Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit „Christian, Geld allein macht nicht glücklich.“ Natürlich stimmt das, aber ich halte es trotzdem mit Marcel Reich-Ranicki, der gesagt haben soll: „Es ist besser, im Taxi zu weinen, als in der Straßenbahn.“

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Eine kleine Wochenschau | KW12-2023 (Teil 2)

Teil 1


24. März 2023, Berlin

Ich stehe im dm vor dem Regal mit den Körperpflegeprodukten und bin ratlos. Meine Frau hat auf unsere Einkaufslisten-App Body Lotion geschrieben. Einfach nur Body Lotion. Ohne weitere Erläuterung. Das ist sehr unspezifisch. Im Regal stehen ungefähr 324.312 verschiedene Body Lotions. Um genau zu sein, gibt es Body Lotion, Body Balsam, Pflegecreme, Creme-Öl, Körperöl, Körpermilch, Körperbutter und vieles mehr. (Körperkäse und Körperquark kann ich allerdings nicht entdecken.) Wie soll ich da wissen, welche Body Lotion meine Frau mitgebracht haben will?

Ich überlege, welche Körperlotion meine Frau bei uns im Bad stehen hat, kann mich aber nicht erinnern. Auf der Ablage vor unserem Spiegel sind sehr viele Tiegelchen, Tübchen, Döschen und Fläschchen aufgereiht, die zu unterschiedlichen Tageszeiten und für verschiedene Körperregionen zum Einsatz kommen. Da kannst du schon mal den Überblick verlieren. Vor allem, wenn nichts davon dir gehört. Vielleicht sollte ich einfach etwas aufmerksamer sein. Sonst entgleitet einem so etwas schnell. An einem Tag weißt du nicht, welche Body Lotion deine Frau verwendet und am nächsten vergisst du ihren Geburtstag.

Ich entscheide mich schließlich für eine hautstraffende Lotion Q10 der dm-Hausmarke. Keine Ahnung, für was Q10 steht. Es scheint auf jeden Fall ein vielversprechender Inhaltsstoff zu sein, denn es gibt mehrere Produkte, bei denen das groß auf dem Etikett steht.

Ein bisschen unsicher bin ich dennoch, ob das die richtige Wahl ist. Deiner Frau eine hautstraffende Lotion mitzubringen, kann leicht als wenig subtiler Hinweis verstanden werden, dass du findest, ihre Haut sei zu schlaff und hängend, und sie solle da besser mal mit ein wenig Lotion gegenwirken. Das ist fast schon wie einen Gutschein vom Schönheitschirurgen für Facelifting und Fettabsaugung zu verschenken.

Ich glaube jedoch mich zu erinnern, dass meine Frau kürzlich von genau dieser Lotion gesprochen hat. Die hätte bei Öko-Test viel besser als die teureren Markenprodukte abgeschnitten. Möglicherweise irre ich mich aber auch. Ich sollte vielleicht bei Unterhaltungen mit meiner Frau ebenfalls aufmerksamer sein.

25. März 2023, Berlin

Heute ist Tag der Waffel. Ein sehr begrüßenswerter Feiertag verglichen mit den doch häufig skurrilen Gedenktagen, die mir unterkommen. Leider kann ich den Tag nicht gebührend begehen, indem ich mir eine Waffel einverleibe. Oder besser gleich mehrere. Noch habe ich mein mir gesetztes Ziel-Laufgewicht nicht ganz erreicht. Der Verzehr eines Lebensmittels, das größtenteils aus kurzkettigen Kohlenhydraten und Fett besteht und zusätzlich mit Puderzucker – das heißt, mit Kohlenhydraten in Pulverform – bestreut wird, bringt mich diesem Ziel sicherlich nicht näher.

Außerdem ist Waffelbacken eine recht nervige Angelegenheit. Es schränkt den Genuss doch erheblich ein, dass das Säubern des Waffeleisens mehr Zeit in Anspruch nimmt als das Backen und das Essen. Außer bei den Kindern. Die lassen das Waffeleisen einfach auf der Küchenanrichte stehen – „Das muss ja erst abkühlen!“ –, wo es dann in Vergessenheit gerät. Bis es sich irgendwann wie von Zauberhand selbst reinigt. (Die Zauberhände gehören zufälligerweise zu Personen, die große Ähnlichkeit mit meiner Frau oder mir aufweisen.)

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Samstag. Das heißt für mich wieder 35-Kilometer-Lauf. Diesmal mit neun Kilometern Endbeschleunigung im Marathon-Tempo. So weit so ungut. Noch unguter ist, dass der lange Lauf zum noch längeren Lauf wird, weil wir im Grunewald statt 17 fast 20 Kilometer laufen. Inklusive Hinweg habe ich somit schon 29 Kilometer auf der Uhr und vor allem in den Beinen. Bis ich zuhause bin, werde ich auf 38 Kilometer kommen.

Das motiviert nicht gerade. Dass ich den kompletten Heimweg in der Endbeschleunigung bestreiten muss, ebenfalls nicht. Die darf laut Peter „Der Schinder“ Greiff, von dem ich den Laufplan übernommen habe, auf gar keinen Fall abgekürzt werden. In diesen letzten Kilometern stecke überproportional viel Nutzen. Bei ihm liest sich das so, dass du, wenn du die Endbeschleunigungs-Kilometer nicht bis zum letzten Meter läufst, das Marathonvorhaben gleich ganz sein lassen kannst. Dass er dafür nur Verachtung übrighat, versteht sich von selbst.

In einer Mischung aus unterwürfiger Obrigkeitshörigkeit, preußischem Pflichtgefühl und Angst vor dem Marathon laufe ich den Heimweg also im angestrebtem Renntempo. Aber es fühlt sich nicht schön an und ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch nicht schön aussieht.

Gegen Ende des Laufs muss ich an einer roten Ampel anhalten. Ich schnaufe kurzatmig und fluche: „Fuck, fuck, fuck, fuck!“ Die junge Frau neben mir schaut irritiert und vergrößert sicherheitshalber den Abstand zu mir. Dass ich mir unterdessen mit dem Handrücken Schmodder vom Mund wische, macht unsere Begegnung für sie sicherlich nicht erquicklicher.

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Meine Frau und der Sohn sind dieses Wochenende wieder in Greifswald. Wieder auf einem Judoturnier. Eigentlich wäre es an mir gewesen, ihn zu begleiten, aber die Marathonvorbereitung bietet mir die perfekte Entschuldigung, nicht mitfahren zu können. Wobei ich auf dem letzten Endbeschleunigungskilometer zu dem Schluss komme, dass die Wortwahl „perfekte Entschuldigung“ möglicherweise etwas unpräzise ist.

Aber meine Frau fährt auch gerne zu den Turnieren mit. Heute allerdings nicht ganz so sehr. Auf der Hinfahrt lässt sie ihre Umhängetasche samt Geldbeutel und damit samt EC- und Kreditkarte sowie Perso im Zug liegen.

Der Sohn tritt heute bei den Erwachsenen an. Ich schaue mir seine Wettkämpfe nachmittags am Schreibtisch per Livestream an. Auf meiner Schreibtischunterlage klebt ein Foto des Sohns. Auf dem Bild ist er knapp ein Jahr alt, sitzt im Strampler in seinem Hochstuhl und strahlt in die Kamera. Der Sohn auf dem Bildschirm versucht derweil, sich gegen hünenhafte Männer zu behaupten und zu vermeiden, dass diese ihn abwürgen. Das gelingt ihm sogar erfolgreich und belegt einen unerwarteten fünften Platz. Der Einjährige im Hochstuhl lacht fröhlich.

26. März 2023, Berlin

Heute ist Erfinde-deinen-eigenen-Feiertag-Tag. Ich glaube die Betreiber des Kalenders, dem ich immer die ganzen Gedenktage entnehme, haben jeden Tag Erfinde-deinen-eigenen-Feiertag-Tag.

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Beim Sohn läuft es heute nicht so gut in Greifswald. Er knickt im ersten Kampf um und beendet das Turnier lieber. Dafür sind meine Frau und er wenigstens früh zuhause.

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In Berlin wird mal wieder abgestimmt. Diesmal ein Volksentscheid. Ob Berlin bis 2030 klimaneutral sein soll, anstatt bis 2045, wie es bisher vorgesehen ist.

Ist die Mehrheit der Berliner*innen informiert genug, um eine solche weitreichende Entscheidung zu treffen? Wahrscheinlich nicht. (Und ich schließe mich da explizit ein.) Ist das Ziel realistisch und umsetzbar? Wahrscheinlich auch nicht. Hat Berlin genügend Geld, um das alles zu bezahlen? Definitiv nicht. (Zumindest nicht ohne Schulden zu machen.) Ist die Initiative trotzdem richtig und wichtig? Ich denke schon. Ein wenig Klimaschutz-Druck schadet dem neuen, voraussichtlich schwarz-roten Senat sicherlich nicht. Außerdem ist Berlin nicht gerade dafür bekannt, politische Vorhaben reibungslos, effizient und pünktlich umzusetzen. Deswegen bin ich eher skeptisch, ob das mit der Klimaneutralität bis 2045 klappt. Außer die Vorgabe lautet 2030. Dann vielleicht doch.


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Familien-Tweets und -Tröts der Woche (452)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets und -Tröts der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW11-2023 (Teil 2)

Teil 1


17. März 2023, Berlin

Heute ist St. Patrick’s Day. Ein Tag, über den ich mir nie größere Gedanken gemacht und den ich auch noch nie begangen habe. Möglicherweise liegt das daran, dass ich kein Guinness mag. Mir ist Guinness zu mächtig. Das schmeckt für mich, als würde ich einen Laib Brot trinken. Dann esse ich aber lieber Brot. Das kann ich wenigstens mit Butter beschmieren und mit Käse belegen. (Und um der Spießigkeit zu huldigen, packe ich vielleicht noch ein paar Gürkchen oben drauf.)

Da die Tochter in Irland studiert, beschäftige ich mich erstmalig mit dem St. Patrick’s Day. Nicht sonderlich überraschend wird er zu Ehren von St. Patrick abgehalten. Der war ein irischer Bischof, lebte im 5. Jahrhundert und gilt als erster christlicher Missionar in Irland. Da in Irland Religion bis heute einen hohen Stellenwert hat, wird das als etwas Positives gesehen und das groß gefeiert.

In Carlow begannen die Feierlichkeiten bereits am Mittwoch. Möglicherweise aber auch nur für Studierende, die den St. Patrick’s Day als Ausrede nutzten, um bereits Mittwochabend Party zu machen. Wobei ich aufgrund der Erzählungen der Tochter aus ihrem ersten Studienjahr nicht den Eindruck habe, dass die Studierenden in Carlow – und wahrscheinlich auch nicht in den anderen irischen Uni-Städten – eine Entschuldigung brauchen, um unter der Woche bis in die frühen Morgenstunden auszugehen und Alkohol in rauen Mengen zu trinken.

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Im Supermarkt legt die Frau vor mir fünf verschiedene Apfelsorten auf das Kassenband. Aber keine fünf einzelnen Äpfel, sondern fünf Apfel-Sechser-Packs. Was sie wohl zu dieser Kaufentscheidung bewogen hat? Möglicherweise bereitet sie sich auf eine Wetten-dass-Wette vor, bei der sie Thomas Gottschalk beweisen will, dass mit verbundenen Augen Apfelsorten erschmecken kann. Vielleicht hat sie aber auch eine fünfköpfige Familie und jedes Familienmitglied mag eine andere Sorte. Oder sie hat vergessen, welche Äpfel sie am liebsten isst und jetzt kauf sie einfach jede Sorte.

18. März 2023, Berlin

Der lange 35-Kilometer-Lauf führt mich wieder in den Grunewald. Dort herrscht so viel Natur- und Waldidylle, wie ich sie das letzte Mal wahrscheinlich erlebt habe, als ich asl Kind sonntags mit meinen Eltern im Wald spazieren gehen musste. Mein Bruder und ich haben das immer gehasst. (Ein Zeichen, dass wir vollkommen „normale“ Kinder waren.) Einmal war uns so langweilig, dass wir Äste als Besen benutzten, um den Waldweg zu fegen. (Ein Zeichen, dass wir möglicherweise doch keine vollkommen „normalen“ Kinder waren.)

Mittlerweile weiß ich das Waldambiente durchaus zu schätzen. Hier hörst du keinen Autolärm, keine knatternden Motorräder und auch sonst keine Verkehrsgeräusche. Nur zwitschernde Vögel, hämmernde Spechte und raschelnde Bäume. In der Ferne plätschert ein Bach. Dafür, dass mir das urbane Lebensgefühl nicht gänzlich verloren geht, sorgt später mein Heimweg über den Kudamm.

Bei Kilometer 29 geht der Spaß der heutigen Trainingseinheit erst richtig los. Und mit Spaß meine ich Kacke. Ich muss nicht nur die letzten drei, sondern die letzten sechs Kilometer im angestrebten Marathon-Tempo laufen. Das ist ziemlich herausfordernd, denn mir stecken die ersten drei Laufstunden schon in den Knochen und nun soll ich wie das blühende Leben losrennen. (Eine Metapher die keinerlei Sinn ergibt, aber ich laufe auch schon seit 7 Uhr durch Berlin, da können sie hier keine Prosa von Thomas Mannscher Qualität erwarten. Nicht einmal von Sebastian Fitzekscher Qualität. (Sorry, Sebastian.)

Mein von der Anstrengung gezeichnetes Gesicht ist bestimmt kein allzu schöner Anblick für die anderen Passant*innen. Zum Glück befinde ich mich nicht mehr am Kudamm. Schließlich möchte ich den ganzen wohlhabenden Konsumwilligen nicht ihr samstägliches Shopping-Erlebnis vermiesen.

19. März 2023, Berlin

Heute ist Lass-uns-Lachen-Tag. Und Tag des Geflügels. Sollte es bei Letzterem um die köstliche Zubereitung von Hühnchen, Pute & Co. gehen, hat das Geflügel nicht ganz so viel zu lachen.

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Meinen heutigen 20-Kilometer-,,Erholungslauf“ absolviere ich entlang des Hohenzollernkanals. Die Temperaturen sind angenehm mild, links von mir verläuft der Fluss, rechts von mir liegt eine Kleingartenkolonie. Es ist alles sehr grün, sehr pflanzig, sehr frühlingsblumig, sehr gartenzwergig und auch ein bisschen piefig.

Am Flussufer erblicke ich zwei Schwäne. Nicht im Fluss, sondern auf dem Ufer. Sie fuhrwerken am Schilf rum. Vielleicht bauen sie ein Nest. Keine Ahnung, ob Schwäne jetzt schon Brutzeit haben. Mein Wissen über Schwäne ist sehr begrenzt. Es existiert quasi nicht. (Zählen Schwäne eigentlich als Geflügel?)

Mich macht die Anwesenheit der Schwäne etwas nervös. Schwäne sind nicht dafür bekannt, entspannte Zeitgenossen zu sein, sondern sie sind immer latent schlecht gelaunt und aggro. Sofern mich mein nicht vorhandenes Schwan-Wissen nicht täuscht, gehen sie keinem Streit aus dem Weg. Weder mit anderen Schwänen noch mit Enten und auch nicht mit Menschen. Während der Brutzeit sind sie noch aggressiver. Da verfügen sie über die Frustrationstoleranz von Klaus Kinski. („Halt dich gefälligst von unserem Nest fern, du dumme Sau!“)

Ungünstigerweise sind Schwäne nicht nur aggro sondern auch ziemlich groß, haben eine imposante Flügelspannweite und verfügen mit ihren langen Hälsen über einen ziemlich großen Vorteil im Nahkampf. Die beiden Schwäne am Ufer sehen auch ziemlich imposant aus. Mit denen würde ich nur ungern eine körperliche Auseinandersetzung führen. Vor allem weil sie zu zweit sind und ich allein bin. Da würde ich mein Geld eher auf die Schwäne wetten.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich ihnen weglaufen könnte. Möglicherweise habe ich mehr Ausdauer als sie, aber ich weiß nicht, wie es um ihre Spurtfähigkeiten bestellt ist. Da sind sie mir möglicherweise überlegen. Da nützt es mir dann auch nichts, dass ich länger laufen kann als sie. Glücklicherweise interessieren sich die Schwäne nicht weiter für mich und lassen mich von dannen ziehen. Wobei es bestimmt ein spektakuläres Schauspiel gewesen wäre, wie ein Jogger von zwei Schwänen verfolgt und verprügelt wird. Das würde ich mir auf YouTube auch anschauen. Allerdings nur ungern mit mir in der Hauptrolle.


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Eine kleine Wochenschau | KW11-2023

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13. März 2023, Berlin

Heute ist Öffne-drinnen-einen-Regenschirm-Tag. Lieber wäre mir der Du-musst draußen-keinen-Regenschirm-öffnen-Tag. Ist es aber nicht. Es regnet. Dafür liegen die Temperaturen wenigstens im zweistelligen Bereich. Ob das Wetter-Glas halbvoll oder halbleer ist, hängt davon ab, ob du rausgehen musst oder drinbleiben kannst.

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Familien-Tweets und -Tröts der Woche (451)

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Eine kleine Wochenschau | KW10-2023

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06. März 2023, Berlin

Marathonvorbereitung, Woche 2. Heute ist ein flotter Zehner angesagt. Das ist keine Massenorgie zur Verbesserung der kardiorespiratorischen Ausdauer, sondern ein – wie es im Plan heißt – Tempodauerlauf von zehn Kilometern. Aber ich finde, flotter Zehner klingt cooler. (Ungefähr so cool wie „fesche Frisur“ oder „pfiffige Idee“.) Damit das Training richtig Spaß macht, liegt die Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt und es schneeregnet leicht. Während des Laufes läuft meine Nase unnormal stark. Ich weiß nicht, ob das mit der Kälte, der Anstrengung oder mit irgendeiner anatomischen Anomalie meiner Nasenscheidewände zusammenhängt. Gäbe es ein Verfahren, mit dem aus halbflüssigem Nasenschnodder Energie gewonnen wird, könnte ich mit meinem Rotz allein die Energieprobleme Deutschlands, wenn nicht gar der ganzen Welt, lösen.

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Eine kleine Wochenschau | KW10-2023 (Teil 2)

Teil 1


11. März 2023, Berlin

Der Laufplan sieht heute wie jeden Samstag wieder den 35-Kilometer-Lauf vor. Damit es nicht zu langweilig wird, müssen die letzten drei Kilometer im Marathon-Tempo gelaufen werden. Das ist gar nicht so einfach. Zum einen weil du dann ja schon 32 Kilometer gelaufen bist, zum anderen weil du dich in dem vorherigen wesentlich langsamerem Tempo gemütlich eingerichtet hast.

Das mit der sogenannten Endbeschleunigung klappt trotzdem ganz gut. Nur die letzten 500 Meter habe ich Schwierigkeiten, die Gedanken zu verdrängen, warum ich das eigentlich mache – mir fiel keine überzeugende Antwort darauf ein – und dass Spazierengehen doch eine viel angenehmere Art der Fortbewegung ist – da konnte ich mir nur recht geben. Dafür darf ich zuhause wieder Apfelsaft trinken. Die Freuden des kleinen Marathonvorbereiters.

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Heute ist Verehre-dein-Werkzeug-Tag. Zu Weihnachten hat die Tochter von ihren Großeltern ihre erste Werkzeug-Grundausstattung geschenkt bekommen. Mein Vater hat im Keller nachgeschaut, welches Werkzeug doppelt vorrätig ist, und sie mit Hammer, verschiedenen Schraubenziehern, Zange, Metermaß und Ähnlichem ausgestattet. Ich fand das sehr gut. Zum einen ist es nachhaltig, kein neues Werkzeug zu kaufen, wenn du gebrauchtes, funktionsfähiges verschenken kannst. Zum anderen entlastet es mich, wenn wir irgendwann den Keller entrümpeln müssen.

Mit ihrem Werkzeug-Set konnte die Tochter dann gleich ihren irischen Vermieter beeindrucken, als sie ihn bat, nach der Heizung in ihrem Zimmer zu schauen, die nicht richtig funktionierte. Er meinte, dazu bräuchte er aber einen Schraubenzieher. Sie erwiderte, dass sei kein Problem und reichte ihm einen. Daraufhin sagte er, er bräuchte auch noch eine Zange. Das sei ebenfalls kein Problem, sagte die Tochter, griff in ihren Werkzeugkarton und gab ihm die gewünschte Zange. Auf seine Frage, woher sie denn so gut mit Werkzeug ausgestattet sei, erklärte sie, ihre Großeltern hätten es ihr geschenkt. Daraufhin nickte er anerkennend und meinte: „That’s German efficiency.“

Ich habe mir mein erstes Werkzeug seinerzeit selbst gekauft. Als ich 19 war und zum Zivildienst weggezogen bin. Um Geld zu sparen, bin ich in einen Restpostenmarkt gegangen, wo alles nur eine D-Mark gekostet hat. So lernte ich damals, warum es „You get what you pay for.“ heißt. Bei dem Schraubenzieher, den ich dort erwarb, drehte sich immer der Griff mit, wenn du etwas schrauben wolltest, bei dem Zollstock waren auf einem Abschnitt die Längenangaben in der falschen Reihenfolge aufgedruckt, und die untere Seite der Wasserwaage war schief. So lernte ich noch zusätzlich: „Wer billig kauft, kauft doppelt.“

Wobei das in meinem Fall nur bedingt stimmt. So viel Werkzeug habe ich mir gar nicht gekauft, sondern mein Vater hat mich im Laufe der Jahre immer wieder mit (neuwertigem) Werkzeug versorgt. Und das ehre ich so sehr, dass ich es so gut wie nie benutze.

12. März 2023, Berlin

Später Nachmittag. Ich helfe dem Sohn bei seinen Musikhausaufgaben. (Ein Satz, der sich sehr falsch anhört.) Er muss einen Ausschnitt aus einem Charlie-Chaplin-Film mit Musik unterlegen.

Eigentlich sollte er die Aufgabe schon vor zwei Wochen abgeben. Da hatte er sie aber nicht richtig hinbekommen und der Lehrerin erklärt, er habe vergessen, die Datei hochzuladen. Letzte Woche hatte er dann Video und Musik irgendwie zusammengeschustert und dachte, er käme damit durch. Dann sah er kurz vor der Stunde, wie professionell ein Schulkamerad die Aufgabe umgesetzt hatte. Da war ihm klar, dass er sein Video unmöglich einreichen konnte, ohne den Eindruck zu erwecken, er habe die Vertonung des Clips an ein gehörloses Kita-Kind delegiert. Er wog ab, ob eine unentschuldigte Fehlstunde oder eine Fünf minus unvorteilhafter ist, entschied sich für letzteres und blieb dem Musikunterricht fern.

Morgen muss der Sohn seinen Clip aber wirklich vorweisen. Daher sitze ich mit ihm zusammen und unterstütze ihn dabei, die Videosequenzen mit halbwegs passender Musik zu unterlegen. Gewiss nicht, weil ich so ein gutes musikalisches Gespür habe. Ganz im Gegenteil. Es gibt Schrankwände Eiche rustikal, die über ein ausgeprägteres Rhythmusgefühl als ich verfügen. Dafür besitze ich aber ein Video-Schneide-Programm, das ich halbwegs bedienen kann.

Mein Vorschlag, wir könnten den Ausschnitt mit Heavy-Metall oder 30er-Jahre-Schlager vertonen, weil das besonders originell sei, findet beim Sohn nur wenig Anklang. Er entscheidet sich für eine Mischung aus Marsch- und konventioneller Stummfilm-Klavier-Musik und das ist wahrscheinlich auch besser so.

Nach einer Stunde sind wir fertig. Das Ergebnis ist vielleicht kein Meisterwerk, das in die Filmmusik-Geschichte eingehen wird, aber wir sind zufrieden. Zumindest sieht das Video nicht mehr aus, als habe es ein gehörloses Kita-Kind erstellt. Sondern ein Grundschul-Kind, das auf einem Ohr wenigstens noch 20 bis 30 Prozent hört.


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Familien-Tweets und -Tröts der Woche (450)

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27. Februar 2023, Berlin

6.30 Uhr. Ich sitze auf dem Sofa, trinke Kaffee und bin nervös. Nicht weil ich auf dem Sofa sitze und Kaffee trinke. Das mache ich regelmäßig, da habe ich eine gewisse Routine und mein Pulsschlag erhöht sich deswegen nicht. (Erst ab der siebten Tasse Kaffee.) Heute startet für mich aber die Vorbereitung auf den Marathon in Hamburg. Darum bin ich etwas angespannt und aufgeregt.

Regelmäßige Mitleser*innen erinnern sich möglicherweise, dass der Marathon in Köln im letzten Jahr nicht besonders zufriedenstellend verlief. Mein Freund A., mein Marathon-Laufpartner in Crime, musste bei Kilometer 30 aussteigend, ich schleppte mich mehr gehend als laufend ins Ziel. Das war zwar kein existenzielles Scheitern, das mein Selbstbild und mein Selbstwertgefühl in den Grundfesten erschüttert hätte, aber genervt hat es mich trotzdem. Daher meldete ich mich kurz nach dem unbefriedigendem Lauferlebnis in Köln beim Hamburger Marathon an. Dieser findet in acht Wochen statt.

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