Eine kleine Wochenschau | KW46/2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


11. November 2024, Köln

Auftakt der Karnevalssession in Köln. Wir stehen in der Kneipenschlange, als uns drei junge Männer, so um die Mitte 20, ansprechen. Einer von ihnen fragt im breitesten schwäbisch, falls wir ein Möbelstück sein könnten, was wir dann gerne wären.

Eine merkwürdige Frage, die ohne ein paar Kölsch intus gar nicht so leicht zu beantworten ist. Wir einigen uns schließlich auf Sessel, weil der bequem sei, mein Einwand, dann säße aber immer jemand auf unserem Schoß, wird übergangen.

Ein anderer der drei, der uns die ganze Zeit in einer Mischung aus Ungeduld und Vorfreude angeschaut hat, sagt schließlich: „Also ich wäre gerne eine Deckenlampe. Dann bin ich immer der Hellste und muss nur abhängen.“

Betretenes Schweigen bei uns. Die Knaben haben also diese Möbelstückfrage einzig und allein gestellt, damit der Typ diesen Ein-Euro-Witz machen kann. Jetzt erzählt er, dass er das kürzlich bei Spotify gehört und sich das sofort aufgeschrieben hätte, weil er das so gut fand. Heute Morgen hätte er den Witz seinen Kumpels erzählt und sie hätten sich eine halbe Stunde totgelacht.

Ich frage die Drei, ob ich ihnen einen Ratschlag geben dürfte. Sie nicken und schauen mich erwartungsfroh an. „Wenn ihr nicht kinderlos bleiben wollt, erzählt diesen Witz nie, aber wirklich niemals einer Frau. Und am besten sonst auch niemandem.“

Den Rest des Tages frage ich mich, was das eigentlich über uns aussagt, dass die drei Jungs dachten, wir sind die richtigen Adressaten für diesen Witz.

Titelbild mit einer großen Alaaf-Buchstaben-Installation auf einem verregneten Kopfsteinpflaster und vor bewölktem Himmel
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Eine kleine Wochenschau | KW46/2024 (Teil 2)

Teil 1


14. November-2024, Berlin

Ich bin 49 Jahre alt, was bedeutet, dass ich schon 49-mal die Umstellung auf die Winterzeit mitgemacht habe. Trotzdem schaue ich seit 49 Jahren im November nahezu täglich gegen vier aus dem Fenster und denke: „Krass, wie früh es doch dunkel wird.“

Eigentlich ganz schön so ein Leben mit dem Erinnerungsvermögen einer Amöbe.

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Hole im DHL-Kiosk ein Paket für meine Frau ab. Halte meinen Ausweis und die Vollmacht bereit, die so alt, verblichen und abgeranzt ist, als hätte ich sie gerade auf der Straße gefunden und würde nun versuchen, mir unrechtmäßig ein Päckchen zu erschleichen.

Der junge DHL-Kioskmann kontrolliert beide Dokumente penibel und stutzt. „Du heißt Christian und deine Frau Christina?“, fragt er mich. „Wie lange hast du danach gesucht?“

Ich erkläre, wir seien schon seit 27 Jahren zusammen, was seine Frage nicht beantwortet, aber trotzdem ein Lächeln auf sein Gesicht zaubert. „Das ist süß“, sagt er, als er mir das Paket überreicht. So beseelt wie er schaut, scheint das für ihn der schönste Moment des Tages gewesen zu sein.

15. November 2024, Berlin

Nach Karneval und Lesebühne weiteres Kulturprogramm: Dominique Horwitz singt Brel. In der Bar jeder Vernunft. Wir lösen damit unseren gemeinsamen Weihnachtsgutschein vom letzten Jahr ein, den meine Frau für uns zusammen besorgt hatte. Womit sie formaljuristisch gesehen nicht gegen unseren „Wir schenken uns nichts“-Grundsatz verstoßen, ihn aber bis zum äußersten ausgereizt hat.

In einem prunkvollen Spiegelsaal neben gut situierten Menschen zu sitzen, die edle Weine trinken und gebeizten Kabeljau oder Simmentaler Tafelspitz essen, während französische Chansons dargeboten werden, fühlt sich unangenehm bildungsbürgerlich und elitär an. Andererseits bin ich Ende 40, habe das große Latinum und wir zählen mit unserem Einkommen zu den Besserverdienenden. Da ich nicht an kompletter Realitätsverweigerung leide, muss ich mir eingestehen, dass wir hier besser reinpassen in einen Underground-Techno-Club in Friedrichshain.

In der Pause liest eine ältere Dame an unserem Tisch etwas in ihrem Handy. „Ach, Jacques Brel war gar nicht Franzose, sondern Belgier“, sagt sie schließlich. In einem mich selbst überraschenden Anfall, mich im Small Talk zu versuchen, erwidere ich: „Ja, ich glaube Wallone.“

Was für eine unnütze Information, die kommunikativ nicht wirklich anschlussfähig ist. Denn ich habe keinerlei tiefergehendes Wissen über Belgien, so dass ich mich mit der Frau nicht über die Geschichte, Geographie oder Demographie des Landes unterhalten könnte. Ich weiß lediglich, dass es Wallonien und Flandern gibt und dass in der einen Region Französisch und in der anderen niederländisch gesprochen wird. Ich befürchte, das reicht nicht für eine abendfüllende Unterhaltung.

Obendrein muss ich später nach einer kurzen Google-Recherche auch noch feststellen, dass meine Aussage falsch war: Der Vater von Jacques Brel war französischsprachiger Flame.

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Als wir nach Hause kommen, hat der Sohn Besuch von drei Freunden. Sie machen eine gemeinsame – nennen wir sie – auf Rauchwaren basierende Pflanzen-Entspannungstherapie. Das erklärt auch, warum in der Küche sechs Tiefkühlpizzen, vier Ofen-Baguettes und eine 8er-Packung Mini-Pizzen auf den Verzehr warten.

16. November 2024, Berlin

Geburtstagsessen der Schwiegermutter und ihres Lebensgefährten im Fischer & Lustig. Leider kein Stand-up-Club für Witze erzählende Hochsee-Angler, sondern ein ganz normales Restaurant. Aber das Essen ist lecker.

17. November 2024, Berlin

Heute ist Tag des hausgemachten Brotes. Ich gehe davon aus, dass er in der Corona-Pandemie erfunden wurde. Genau wie der Wir-klatschen-auf-dem-Balkon-Tag, der Tag des Spazierengehens und der Welt-Jogginghosen-Tag.


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Familien-Gedöns der Woche (525)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

Nachts im Familienbett. Ich huste. Die Fünfjährige im Halbschlaf:"Alexa, leiser!" Nichts darf man hier.

— Mare (@marewiemeer.bsky.social) 10. November 2024 um 05:38
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Eine kleine Wochenschau | KW43-45/2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


21. Oktober 2024, Berlin

Neues Wand-Graffiti in der Waldenser Straße bei uns um die Ecke: „Ich ficke hässliche Frauen.“

Was will der Verfasser uns damit sagen? Möchte er seine früheren Sexualpartner innen beleidigen? Oder sich selbst, weil er nur hässliche Frauen abbekommt? Oder ist das ein Angebot? „Hey, wenn ihr euch hässlich fühlst, meldet euch. Ich bumse jede.“

Jemand hat den Spruch durchgestrichen und daneben geschrieben: „Selber hässlich.“ Möglicherweise eine Ex.

Titelbild mit einem sitzenden braunen Pudel-Setter-Mischling der in die Kamera schaut. Seine Zunge hängt aus dem rechten Mundwinkel raus.
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Eine kleine Wochenschau | KW43-45/2024 (Teil 2)

Teil 1


31. Oktober 2024, Berlin

Halloween. Kein einziges Kind klingelt bei uns, um uns zu trick-or-treaten. Was auch gut ist, weil ich vergessen habe, Süßigkeiten zu kaufen.

01. November 2024, Berlin

Die Tochter hat Geburtstag. 21. Der nächste Schritt zur vollständigen Volljährigkeit ist geschafft: Jetzt darf sie auch in den USA Alkohol trinken.

02. November 2024, Berlin

Vorm „La Döner Vita“, der Imbissbude mit dem besten Namen in ganz Berlin (wenn nicht gar Deutschlands), aber leider nur sehr mittelmäßigem Essen, spielen zwei Männer Kontrabass und Trompete.

Die Trinker und Alltagsphilosophen, die sich regelmäßig hier treffen, um Bier zu trinken und Lebensweisheiten auszutauschen, sind wenig begeistert. Für sie ist diese Eventisierung der lokalen Gastronomie wahrscheinlich ein Vorbote der nahenden Gentrifizierung in Moabit. Die wird hier seit langem immer wieder beschworen, will sich aber nicht so recht einstellen.

03. November-2024, Berlin

Wie so reiche Menschen essen wir abends Sushi. Öffne den Glückskeks, der unserer Bestellung beiliegt. „Ein lang ersehnter Durchbruch kündigt sich an.“ Klingt eigentlich ganz gut. Bis meine Frau sagt: „Hoffentlich kein Darmbruch.“ Wie unpassend. Für zynische Kommentare bin doch ich zuständig.

Auf ihrem Zettel steht: „Sie schwanken in Ihren Gefühlen hin und her. Nicht voreilig entscheiden.“ Woher weiß der Keks, dass sie gerade ihre Tage hat?

(Sollte Mario Barth Interesse an diesem 1-Euro-Gag haben, möge er sich bitte unter shittyjokes@familienbetrieb.info melden.)

04. November 2024, Berlin

Der XING-Newsletter in meiner Inbox, von dem ich immer noch nicht weiß, warum ich ihn bekomme, hat den Betreff: „Re: AW: FW: Re: Wenn dein Postfach überläuft, befolge diese Tipps, Christian!“

Überraschenderweise lautet keiner der Ratschläge: „Lösche den Newsletter und alle Benachrichtigungen von XING.“

05. November 2024, Berlin

Entnehme einer Überschrift auf Spiegel Online, dass Helene Fischer eine Kinderlieder-CD herausgebracht hat. (Passiert ja sonst nichts Wichtiges auf der Welt, da kannst du ruhig solche Artikel veröffentlichen. Und lesen.)

Die Platte trägt den semi-originellen Titel „Die schönsten Kinderlieder“ und enthält, ebenfalls semi-originell, Evergreens wie „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“, „Alle meine Entchen“ oder „Häschen in der Grube“.

Das alles lässt für mich rückblickend das musikalische Oeuvre von Rolf Zuckowski in wesentlich positiverem Licht erscheinen.

06. November 2024, Berlin

Aufwachen um kurz nach halb sechs, Wahlergebnis in den USA checken. Seriously?

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Abends Push-Nachricht von Spiegel Online: Bundeskanzler Schröder entlässt Finanzminister Lindner. WTF?

Deutschlands frechster Arbeitsloser

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— Ida Funkhouser (@idafunkhouser.bsky.social) 6. November 2024 um 20:53

07. November 2024, Berlin

Heute ist Umarme-einen-Bären-Tag. Aber nur wenn er will!

08. November 2024, Berlin

Meine Frau erzählt, die politische Lage schlage ihr aufs Gemüt. Alles fühle sich schwer an. Das Aufstehen, das Fertigmachen, das Arbeiten.

Sogar die Fahrt ins Büro sei heute Morgen anstrengender gewesen. Sie habe viel mehr in die Pedale treten müssen, trotzdem sei sie kaum vorangekommen. Gut, es stellte sich dann raus, dass das Schutzblech verbogen war, am Hinterrad entlangschabte und wie eine Bremse wirkte.

Donald Trump, Christian Lindner, Olaf Scholz und Friedrich Merz sind doch nicht an allem schuld.

09. November 2024, Berlin

Eine Bekannte erzählt, ihre sechsjährige Tochter habe nach dem Wahlsieg von Donald Trump gefragt, ob es im Supermarkt jetzt noch den leckeren Joghurt gäbe. Klingt erstmal kindlich naiv, wie sie ein weltveränderndes Ereignis wie die neue Präsidentschaft der derangierten Orange mit ihrer eigenen Lebenswelt verknüpft. Vielleicht ist sie aber einfach besser informiert als wir und weiß, was Donald Trump mit der globalen Joghurtproduktion im Schilde führt.

10. November 2024, Berlin/Köln

Fahrt nach Köln zum morgigen Karnevalsauftakt. Ich finde, nach dieser Woche habe ich eine Prise Eskapismus mehr als verdient.


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Familien-Gedöns der Woche (524)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Familien-Gedöns der Woche (523)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

„Mama, was hättest du lieber? Die Weltherrschaft oder ein Haus, das nur aus Wolle besteht?“

— Stoßlüfterin (@fraufrischluft.bsky.social) 28. Oktober 2024 um 20:21
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Familien-Gedöns der Woche (522)

Die DSGVO, so beliebt wie Zitronat, Orangeat, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Posts der diversen Social-Media-Plattformen können deren Betreiber wahrscheinlich irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Posts nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW42-2024

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


14. Oktober 2024, Berlin

Für die Tochter startet ihr Studium in Kiel. Soziologie und Politikwissenschaft. Erstmal Einführungstag, bei dem sich die Institute der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät vorstellen. (Selbstverständlich haben die Wirtschaftswissenschaften darauf bestanden, trotz alphabetischer Nachrangigkeit in der Fakultätbezeichnung an erster Stelle geführt zu werden.)

Unter anderem erfährt die Tochter, dass an der Christian-Albrecht-Universität 27.000 Studierende studieren. Rund 10. 000 Menschen mehr als in Carlow leben, ihrer alten Uni-Stadt in Irland.

Die Universität bezeichnet sich selbst mit dem Kürzel CAU. Vermutlich soll das cool klingen und entscheidende Vorteile im globalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe verschaffen. Ich habe dabei die unvorteilhafte Assoziation mit GAU, dem größten annehmbaren Unfall.

Schön ist die Startmeldung auf der CAU-Website. „Elefanten erinnern sich nach vielen Jahren an Tierpfleger.“ Klingt wie eine Meldung auf der Seite Vermischtes in der SZ, handelt aber von einer Studie am Zoologischen Institut, für die die Arbeitsgruppe „Zoologie und Funktionsmorphologie der Vertebraten“ verantwortlich ist. (Viel Glück den Arbeitsgruppen-Mitgliedern, wenn sie ihren Eltern erklären müssen, was sie genau machen.)

Das Video „Liebe. Für Euch.#LOVECAU“ stellt die Uni und die Stadt Kiel humorig vor. Am Ende des Clips klärt mich ein junger Mann auf – Studi oder Komparse? –, CAU werde nicht als Wort, sondern als Abkürzung ausgesprochen. Also, wie ARD, ICE oder THC und nicht wie eine fatale Katastrophe in einem Kernkraftwerk.

Titelbild mit einer von oben fotografierten gelben IKEA-Tasche, die auf dem Boden steht. Die Tasche ist gefüllt mit brauen Umschlägen.
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Eine kleine Wochenschau | KW42-2024 (Teil 2)

Teil 1


Im Hinterhof ist alles wieder gut: Die riesige Monsterspinne ist zurück in ihrem Netz. Das einzige Problem: Da ihr Netz direkt neben den blauen Tonnen hängt, muss ich mir nun überlegen, wo wir unseren Papiermüll entsorgen.

Seit der Sohn die Spinne gesehen hat, öffnet er sein Fenster, das eine Etage über dem Büro liegt, nicht mehr. Damit sie nicht zu ihm reinkrabbelt. Ich schätze, so stickig wie es in seinem Zimmer ist, hat die Spinne daran kein Interesse.

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Um die innere Sicherheit müssen wir uns auch nicht mehr sorgen. Fahrradhelm und Handschuhe sind wieder aufgetaucht. Das Innenministerium kann den Krisenstab „Niemand klaut in unserem Haus“ wieder auflösen und sich voll und ganz dem Heimatschutz widmen.

19. Oktober 2024, Berlin

Besuch der Jugendstrafanstalt Berlin, der JSA, wie sie abgekürzt wird. Die hat heute Tag der offenen Tür. Also, nur für Besucher*innen, nicht für die Insassen. Der Vater eines Schulfreundes des Sohns arbeitet dort in der Tischlerei und hat uns eingeladen.

Ich war noch nie in einem Gefängnis und weiß nicht, was uns erwartet. Vor ein paar Jahren habe ich mal einen Bericht über Uli Hoeneß gesehen, damals als er wegen Steuerhinterziehung in den Knast musste. Das sah jetzt nicht so schlimm aus. Ich habe schon in kleineren Hotelzimmern übernachtet. Gut, die Zellen waren etwas spartanisch eingerichtet. Da sind die Zimmer in einem Kloster bei einem Schweige-Retreat aber auch. Da werden allerdings nicht abends die Türen von außen abgeschlossen. Vermute ich zumindest, denn ich war auch noch nie auf einem Schweige-Retreat im Kloster.

Abgesehen von der Uli-Hoeneß-Reportage ist mein Bild von Gefängnissen hauptsächlich durch Kabel1-Dokus über US-amerikanische Hardcore-Knäste sowie die Serie Prison Break geprägt. Ich hoffe, in der JSA herrschen bessere Bedingungen als in dem panamaischen Knast in Staffel 3.

Meine Frau und ich fahren morgens mit gemischten Gefühlen Richtung Jugendgefängnis. Einerseits ist es interessant, sich über die dortige Arbeit zu erkundigen, und das fördert ja auch Transparenz und Öffentlichkeit. Andererseits kommen wir uns wie sensationsgeile Voyeure vor, die wie im Zoo straffällige Jugendliche begaffen wollen. (Eine Sorge, die sich als unbegründet erweist, da es keinen Kontakt mit Inhaftierten gibt.)

Am Besuchereingang begrüße ich den Beamten hinter der Glasscheibe und erkläre ihm, wir seien für den Tag der offenen Tür angemeldet. Der Mann schaut mich befremdet an. Als sei ich etwas schlicht und hätte das Prinzip Gefängnis nicht verstanden, das selbstverständlich keine Offene-Türen-Tage vorsieht. Es stellt sich heraus, dass wir in der Erwachsenen-JVA gelandet sind und noch ein Stück weiter radeln müssen.

An der Fassade der JSA hängt ein Banner mit überraschender Botschaft. „30 Jahre Jugendstrafanstalt Berlin. Jugend hat Zukunft – wir feilen daran.“

Banner auf an einer Fassade unterhalb eines vergitterten Fensters. Auf dem Banner steht: 1987 - 2017. 30 Jahre Jugendstrafanstalt Berlin. Jugend hat Zukunft - wir feilen daran"

Nachdem Einlass beginnt die Tour mit einem Einführungsvortrag der Vollzugsleiterin sowie der Leiterin des Servicebereiches. (Servicebereich wird nicht der einzige Begriff im Laufe des Tages sein, den ich nicht unbedingt mit einem Gefängnis assoziiert hätte.) Die JSA verfügt über rund 420 Plätze, die jedoch nicht alle belegt sind, die Insassen sind zwischen 14 und 27, im Schnitt circa 20. Ihre durchschnittliche Haftdauer liegt bei 20 Monaten, je nach Alter kann sie aber auch zehn oder fünfzehn Jahre betragen.

Die JSA verfolgt den Anspruch, jeder einzelne Tag soll für die Inhaftierten erzieherisch sinnvoll sein. Damit sie nach der Entlassung in die Lage versetzt sind, ein straf- und drogenfreies Leben zu führen. Ob die Arbeit von Erfolg gekrönt ist, ist eine klassische „Das Glas ist halb voll versus halb leer“-Einschätzung. Die Rückfallquote liegt bei 60 Prozent, was wiederum bedeutet, dass 40 Prozent nicht wieder im Gefängnis landen.

In der anschließenden Fragerunde erkundigt sich eine Besucherin, ob das Gefängnis für die Inhaftierten der Erst- oder Zweitwohnsitz sei und wer das Kindergeld bekäme, die Insassen, die Eltern oder die JSA. Sehr spezifische Fragen. Klingt ein wenig so, als träte ihr Sohn demnächst seine Haftstrafe an, und sie muss noch den Orga-Kram erledigen. (Zu den Antworten: Die Inhaftierten sind im Gefängnis gemeldet, das Kindergeld steht ihnen zu, nicht den Eltern und schon gar nicht der JSA.)

Bei dem Rundgang beeindruckt mich besonders ein Schließer, aus einem der Häuser, die hier Wohngruppen heißen. Er berichtet vom Alltag mit den Häftlingen und spricht respektvoll und empathisch über die „Jungs“. Ohne dabei den Eindruck zu erwecken, er wäre naiv und lasse sich auf der Nase herumtanzen. Ich wäre für diesen Job vollkommen ungeeignet. Ich hätte für alle Verständnis, würde allen alles glauben und mich andauernd verarschen lassen.

Auf der Heimfahrt denke ich darüber nach, wie ungleich und unfair Lebenschancen verteilt sind. Im Gegensatz zu der Bullerbü-Welt unserer Kinder sind die Jugendlichen und jungen Männer in der JSA in einem Umfeld aufgewachsen, das natürlich nicht den direkten Weg ins Gefängnis geebnet hat, aber sehr stark begünstigt hat, dass sie falsche Entscheidungen treffen und davon sehr viele.

Angesichts ihrer Taten und Verbrechen kann man dann auch etwas nachsichtiger mit den eigenen Kindern sein. So schlimm ist es vielleicht doch nicht, dass der Sohn nie ohne Aufforderung den Müll runterbringt.

20. Oktober 2024, Berlin

Auffallend viele der Buchbestellungen kommen aus kleineren Orten. Ein paar Bücher gehen nach Berlin, München oder Hamburg, aber der größere Teil in Kleinstädte oder Dörfer wie Lappersdorf, Ebersbach an der Fils, Kitzingen, Remseck am Neckar, Horb am Neckar oder Illertissen.

Alles Orte, die Schauplätze einer Provinz-Krimi-Reihe sein könnten:

  • „Der Schlächter von Schalkau. Kommissar Schorleber ermittelt wieder.“
  • „Das Schweigen der Kälber. Ein Nittendorf-Thriller.“
  • „Todesgrüße aus Gilchingen. Ein Fall für Marianne Maisinger.“

Aus Am Mellensee Ortsteil Kummersdorf Gut gibt es auch eine Bestellung. Am Mellensee hört sich für mich nicht gerade nach Großstadt-Metropole an, die zur Wahrung der Übersichtlichkeit mehrere Ortsteile benötigt.

Die österreichischen Ortsnamen klingen nach Bergen, grünen Wiesen und Kuhglockengebimmel. Eggelsberg, Tiefgraben, Feldlach oder Mondsee. Da erwartest du, dass jeden Moment Heidi, der Ziegen-Peter oder der Alm-Öhi um die Ecke kommen.

Keine Ahnung, warum sich das Buch in ländlichen Gegenden so großer Beliebtheit erfreut. Vielleicht sind die nächsten Kinos, Theater und Galerien zu weit entfernt und die Internet-Anbindung fürs Streaming zu schlecht. Da müssen sich die Menschen mit „Wenn ich groß bin, werde ich Gott“ begnügen.


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