Eine kleine Wochenschau | KW15-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


11. April 2022, Berlin

Die Käsenamen-Kreativen im Bio-Supermarkt haben wieder zugeschlagen. Neben dem wilden Bernd und der leichten Hilde gibt es nun auch noch einen urigen Hannes. Laut Etikett handelt es sich um einen Schnittkäse, der rotgeschmiert und mit einer Mischung aus Blaubeeren, Schabziger Klee, Brennnesseln und Petersilie affiniert ist. Liest sich, als wäre jemand besoffen durch den Garten gestolpert und hätte wahllos irgendwelches Grünzeug rausgerupft, mit dem er dann den Käse versetzt hat.

Mir tut der Käse ein bisschen leid. Zuerst wird er rotgeschmiert und affiniert – was auch immer das ist – und dann raucht irgendein Marketing-Fred den Rest der Blaubeeren-Schabziger-Klee-Brennnessel-Petersilien-Mischung und denkt sich: „Mensch, dich nenn‘ ich uriger Hans!“

Wenn du uriger Hannes heißt, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass du an der Käsetheke gemobbt wirst. Sowohl von den anderen Käsesorten als auch den Kund*innen. Oder ist der urige Hans in der Käsewelt eine Art Holzmichl und die anderen Käsesorten fragen sich, ob er noch lebt?

Gedanken und Fragen am Montagmorgen, die den Eindruck erwecken, dass ich a) zu viel Zeit habe und b) selbst von der Blaubeeren-Schabziger-Klee-Brennnessel-Petersilien-Mischung geraucht habe. Die anderen Menschen an der Käsetheke werden langsam unruhig. Ich entscheide mich für einen namenlosen Cheddar und ziehe weiter.

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Eine kleine Wochenschau | KW14-2022 (Teil 2)

Teil 1


08. April 2022, Berlin

Seit ein paar Tagen bin ich Mitglied in einem Sportverein. Das erste Mal seit fast 30 Jahren. Damals spielte ich Tennis beim TV Westerburg e.V. Um ehrlich zu sein, kann ich mich nicht erinnern, dort jemals ausgetreten zu sein. Ich hoffe, meine Eltern haben das irgendwann für mich erledigt. Falls nicht, möchte ich mich in aller Form beim TV Westerburg dafür entschuldigen, dass ich ihm rund 3.000 Euro an Mitgliedsbeiträgen schulde.

Nun bin ich dem TSV GutsMuths Berlin 1861 e. V. beigetreten. Der verfügt über eine Anlage mit 400-Meter-Tartanbahn und die möchte ich für meine Marathonvorbereitung nutzen. Laut seinem Vereinsnamen ist der TSV GutsMuths Berlin über 160 Jahre alt. Also ungefähr so alt wie ich mich fühle, als ich in der Frühe über besagte Tartanbahn renne.

Glücklicherweise habe ich die Bahn für mich allein. Denn nichts ist unangenehmer als von überambitionierten, übermotivierten und überehrgeizigen Frühsportler*innen achtmal in der halben Stunde überrundet zu werden. Um kurz nach sieben halten sich Ambitionen, Motivation und Ehrgeiz bei den GutsMuthsler*innen aber noch in Grenzen und niemand will jetzt schon Runden laufen. Der Hausmeister hat auch ein bisschen irritiert geschaut, als ich ihn so früh an der Pforte begrüßte. (Oder heißt das Hallenwart? Oder Platzwart? Ich bin noch nicht so geübt in der korrekten Verwendung des Vereinsjargons.)

Für meine Stadion-Laufeinheit habe ich mir extra eine Euro-Dance-Playlist zusammengestellt, da ich mir erhoffe, dass sich die schnellen Beats auf mein Tempo übertragen. Herbert Steffny wäre davon wahrscheinlich nicht sonderlich begeistert. Und ich kann ihn verstehen. Als mir Blümchen ins Ohr plärrt, dass sie wie ein Boom-Boom-Boomerang immer wieder bei mir ankäme, habe ich meine Zweifel, ob das mit den schnellen Runden auf der Tartanbahn, mit der Vereinsmitgliedschaft und vor allem mit den Euro-Dance-Hits eine wirklich gute Idee war.

09. April 2022, Berlin

Ich erhalte eine Mail vom Amazon Product Safety Team, dessen Existenz mir bis heute unbekannt war. Ferrero hätte eine Information zur Produktsicherheit veröffentlicht und die von mir erworbene Mix Party Box mit Ferrero Kinder Spezialitäten (1er Pack, 730 g) sei möglicherweise mikrobiologisch kontaminiert. Deswegen werde ich aufgefordert, die Süßigkeiten zu entsorgen und nicht zu konsumieren. Falls ich dies bereits getan hätte und mich unwohl fühlen würde, solle ich ärztlichen Rat einholen.

Amazon teilt mir außerdem mit, es bedauere den Vorfall sehr, denn meine Sicherheit habe bei ihnen oberste Priorität. (Vielleicht sollten die Mitarbeiter*innen und Kurierfahrer*innen bei Amazon bestellen. Dann hat ihre Sicherheit vielleicht auch oberste Priorität.) Zum Abschluss wird mir noch zugesichert, dass mir in den nächsten ein bis drei Werktagen der Kaufbetrag gutgeschrieben wird.

Ich kann mich nur sehr dunkel daran erinnern, jemals bei Amazon Kinder-Süßigkeiten bestellt zu haben. Nach längerer Suche finde ich die Bestellung: Sie ist vom 19. Dezember 2020.

In den USA könnte ich Ferrero wahrscheinlich für die erfahrene seelische Grausamkeit, dass ich mir vor zweieinhalb Jahren eine Lebensmittelvergiftung hätte zuziehen können, auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 17 Millionen US-Dollar verklagen. In Deutschland muss ich mich dagegen mit dem Kaufbetrag zufriedengeben. Aber das ist auch okay. Von den 19,99 Euro kann ich mir andere Schokolade kaufen.

10. April 2022, Berlin

Recherchiere im Internet nach Laufschuhen. Es ist auch wirklich an der Zeit, dass ich mir neue kaufe, denn meine beiden alten Paare sind fast fünf Jahre alt und haben jeweils gut 5.000 Kilometer auf den Sohlen. (Orthopäd*innen und Laufschuhverkäufer*innen zucken zusammen.)

Als Mensch der Gewohnheiten und Routinen mag, trage ich seit mehr als zehn Jahren das gleiche Modell, mit dem ich sehr zufrieden bin. (Warum sollte ich es sonst auch seit über zehn Jahren immer wieder kaufen, wenn ich nicht zufrieden wäre? So ein Gewohnheitstier bin ich dann doch nicht.) Inzwischen wird das Modell schon lange nicht mehr hergestellt und es ist zunehmend schwieriger, irgendwo noch ein paar Restposten aufzutreiben. Nach fast zwei Stunden Suche habe ich Glück und finde ein Paar in meiner Größe. Allerdings ist der weiße Schuh am Rand in rosa Regenbogenfarben gemustert und die Schnürsenkel-Ösen sind in pink gehalten.

Aufgrund der farblichen Gestaltung vermute ich, dass der Schuh eigentlich für Frauen vermarktet wird. (Welcome to the rosa-hellblau Falle!) Wobei die Größe gegen diese These spricht, denn es gibt wahrscheinlich nicht so viele Frauen mit Schuhgröße 44. Andererseits könnte der niedrige Anteil an Läuferinnen mit überdurchschnittlich großen Füßen der Grund sein, dass dieses Paar seit über zehn Jahren nicht verkauft wurde.

Egal. Ich beschließe, dass meine Männlichkeit nicht zu fragil ist, um Laufschuhe mit dezentem rosa Muster zu tragen, und drücke auf den Kaufen-Button. Vielleicht motiviert mich das, schneller zu laufen, damit niemand die Schuhe sieht. Werde gleich mal Herbert Steffny eine Mail schreiben, was er von dieser Trainingsmethode hält.


Buch-Tipp der Woche

Ich bekomme immer mal wieder Bücher von Verlagen oder Autor:innen zugeschickt. Da mir die Zeit für aufwändige Rezensionen fehlt, sollen sie wenigstens hier Erwähnung finden.

Die Schriftstellerin und Kolumnistin Lea Streisand hat im März ihren dritten Roman veröffentlicht. Er trägt den Titel „Hätt‘ ich ein Kind“ und es geht darin, wie es bei der taz heißt, um „zwei Freundinnen, eine Schwangerschaft, eine Adoption.“ Es sei ein „Roman übers Kinderkriegen und eine Geschichte über Geduld, Blut und Bürokratie. Und Schneewittchen.“ Dabei behandelt Lea Streisand die Frage, warum Menschen unbedingt Kinder wollen und woher die unerfüllbaren Ansprüche an Mütter kommen. Gespickt ist das Ganze mit großem Detailwissen über die Märchen der Gebrüder Grimm, was sich merkwürdig anhört, das Buch aber besonders lesenswert macht. Und ohne zu spoilern, kann ich hier schon eine sehr überraschende Erkenntnis des Buchs verraten: Schneewittchen war gar nicht ebenholzschwarzhaarig, sondern blond!

Unter den Leser*innen, die bis Donnerstag, den 14.04.22, einen märchenhaften Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen, verlose ich mein Rezensionsexemplar. [Bevor Sie mir einen Anwalt auf den Hals hetzen, möchte ich betonen, dass auch nicht-märchenhafte Kommentare zur Verlosungsteilnahme berechtigen.]

Der Rechtsweg ist ebenso wie der Linksweg ausgeschlossen, eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich, alle E-Mail-Adressen werden nach Abschluss der Verlosung DSGVO-konform gelöscht, blablabla …

Lea Streisand: Hätt‘ ich ein Kind. Ullstein-Verlag, 2022.


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Eine kleine Wochenschau | KW14-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


04. April 2022, Berlin

Meine Frau muss zum Elternabend. Ich habe da meine Schuldigkeit getan, denn ich war für die Elternabende der Tochter zuständig. Mit ihrem Abitur endete meine Elternabend-Karriere. (Obwohl ich in der Grundschule vier Jahre Elternvertreter war, bin ich aber bisher nicht in die Elternabend-Hall-of-Fame aufgenommen worden. Möglicherweise liegt dies an meinem Beitrag „Niemand hat die Absicht, Elternvertreter zu werden“.)

Auf dem Elternabend wird unter anderem die bevorstehende Klassenfahrt besprochen. Die soll nach Heidelberg gehen. Meine Frau erzählt später, sie habe angeregt, die Schüler*innen könnten dort das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, mit dem sie beruflich zu tun hat, besuchen. Ein Vorschlag, der beim Klassenlehrer, der Geschichte unterrichtet, Begeisterung auslöste, beim Sohn dagegen Entsetzen. Also, nicht weil er etwas gegen Sinti und Roma hat, sondern er erklärt, dass sie auf der Klassenfahrt doch Spaß haben wollen. Der Besuch von Begegnungsstätten, Museen und Ausstellungen fällt anscheinend nicht in diese Kategorie.

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Heute ist Laufe-um-Dinge-herum-Tag. Um den zu begehen, muss ich nur ins Zimmer des Sohns gehen. Dort ist 365 Tage im Jahr Laufe-um-Dinge-herum-Tag.

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Eine kleine Wochenschau | KW13-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


28. März 2022, Berlin

Gehe morgens einkaufen. Als ich den Supermarkt betreten will, stelle ich fest, dass ich meine Maske vergessen habe und den ganzen Weg wieder zurücklaufen muss, um mich vorschriftsmäßig zu bemasken. Das ist mir in den letzten zwei Jahren tatsächlich nie passiert.

Was bedeutet meine Maskenvergesslichkeit wohl? Ist sie ein Zeichen, dass ich corona-müde bin? Oder mutiere ich kurz vor Aufhebung der Hygienemaßnahmen noch zum corona-leugnenden Quer„denker“? Oder bin ich erschöpft und gejetlagged von der gestrigen Zeitumstellung? Vielleicht ist die Antwort aber auch viel einfacher und ich bin einfach ein verschusselter Trottel.

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Eine kleine Wochenschau | KW13-2022 (Teil 2)

Teil 1


01. April 2022, Berlin

Stehe morgens um sechs auf, um den Geburtstagskuchen fertig zu machen. Auf die im Kühlschrank erkaltete Schmand-Frischkäse-Puderzucker-Kinder-Schokolade-Masse kommen jetzt noch zwei Tafeln Kinder-Schokolade, die in Schmand aufgelöst werden. (Irgendwoher müssen die Kalorien ja kommen.)

Anschließend muss der Kuchen noch verschönert werden. Dazu soll auf der Kuchenoberfläche der Rest von der gestrigen hellen Masse mit dem Spritzbeuel in Form von kleinen Wölkchen drapiert werden. In dem TikTok-Video sieht das sehr schön aus. Ich verfüge allerdings über ein nur sehr überschaubares kunsthandwerkliches Talent, was es mir unmöglich macht, filigrane Dekorationen jedweder Art zu fabrizieren. Als ich fertig bin, sieht der Kuchen aus, als hätte ihn ein zappeliges Nashorn auf Steroiden verziert, das eine Augenbinde trug und dabei auf einem Einrad fuhr. (Eine Zirkusnummer, für die ich definitiv Eintritt bezahlen würde.)

So ist der Kuchen auf keinen Fall präsentabel. (Und auf gar keinen Fall nicht instagramtauglich.) Also besorge ich im Supermarkt noch einen Haufen Kinder-Schokolade-Süßigkeiten und begrabe den Kuchen darunter.

Der Müllberg, den ich mit meiner Verzier-Fail-Ausbesserungs-Aktion verursacht habe, macht mir ein schlechtes Gewissen. Eigentlich habe ich eine relativ klimaschonende Lebensführung und einen verhältnismäßig kleinen CO2-Fußabdruck. Zumindest für jemanden, der in einer westlichen Industriegesellschaft lebt. Ich habe kein Auto, benutze wiederverwendbare Stoffbeutel für Obst, Gemüse und Backwaren, verwende feste Duschgels und Shampoos ohne Mikroplastik, kaufe mir – zum Leidwesen meiner Frau – nur alle zwei bis drei Jahre neue Klamotten und fliege auch nur alle zwei bis drei Jahre. Das wird sicherlich alles wohlwollend von Greta, Luisa und den nachfolgenden Generationen zur Kenntnis genommen.

Nun habe ich aber durch die Kinder-Schokolade-Süßigkeiten so viel Verpackungsabfall produziert, dass ich für zehn Prozent des Plastikmülls auf diesem Planeten verantwortlich bin. Das wird sicherlich stirnrunzelnd von Greta, Luisa und den nachfolgenden Generationen zur Kenntnis genommen.

Aber etwas Gute für die Öko-Bilanz tut der Kuchen doch: Er enthält so viel Schokolade, dass wir nach seinem Verzehr tagelang unter Verstopfung leiden werden. Das reduziert unsere Toilettengänge und spart Wasser. Toll!

02. April 2022, Berlin/Bonn

Wir fahren übers Wochenende weg. Die Tochter geht morgen mit der Tochter unserer Bonner Freunde in Köln auf das Louis-Tomlinson-Konzert. (Falls Sie den jungen Mann nicht kennen: Er war früher Mitglieder der Band One Direction. Falls Sie die Band nicht kennen, dann googeln Sie sie gefälligst selbst.) Wir fahren nach Bonn mit, um besagte Freunde mal wieder zu besuchen.

Der Sohn bleibt allein Zuhause. Die Gelegenheit des elternfreien Wochenendes optimal nutzend, hat er ein paar Freund*innen zum Übernachten eingeladen. Zum Abschied erklären wir ihm noch ein paar Verhaltensregeln, verpackt in mahnende Worte: Niemand darf in unserem Bett schlafen, sie sollen nicht zu viel trinken, falls sich jemand übergeben muss, dann nicht auf den Dielenboden mit den breiten Fugen, wir möchten keine Klagen von den Nachbarn hören und die Wohnung soll Sonntagabend bei unserer Rückkehr genau so aussehen, wie wir sie verlassen haben. (Noch etwas sauberer wäre schön, aber das ist wohl eher unrealistisch.) Und die wichtigste Regel: Finger weg von unserem Gin!

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Unsere Bahnreise ist wie Bahnreisen halt so sind. Fünf Minuten vor Abfahrt wird über die Bahnsteig-Lautsprecher mitgeteilt, dass unsere Direktverbindung nach Bonn ausfällt, der nächste Zug eine Stunde später, hält bereits in Hamm, dort müssen wir in einen neuen Zug umsteigen, in dem wir bis nach Köln stehen müssen, wo dann der Regional-Express 20 Minuten Verspätung hat, so dass wir mit einer Bimmelbahn – erneut stehend – nach Bonn tuckern.

Das ist alles nervig und umständlich, aber eigentlich auch kein Grund zum übermäßigen Aufregen. In Hamm steigt ein uraltes, gebrechliches ukrainisches Ehepaar ein, das unter widrigsten Bedingungen aus seiner Heimat fliehen musste und diese möglicherweise nie wiedersehen wird. Da gehört ein bisschen länger warten, ungeplant umsteigen und ein paar Stationen stehen müssen dann doch eher in die Kategorie „Joah, ist halt so und ich kann währenddessen immerhin Schoko-Bons futtern.“

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Bonn zeigt sich von seiner besten Seite. Die Altstadt besticht mit blühenden Kirschbäumen und mit vielen kleinen Läden, die hübschen „Tand“ anbieten, den du eigentlich nicht brauchst, der deine Wohnung aber definitiv verschönern würde und den du deswegen kaufen möchtest. (Was du dann doch nicht tust, denn die schwäbische Hausfrau in dir ist doch stärker als dein konsumgeiler Hedonist.)

03. April 2022, Bonn/Berlin

Wir halten 11 Uhr für eine gute Zeit, um beim Sohn mal nachzufragen, ob die Wohnung noch steht. Tut sie laut seiner Aussage. Sie hätten auch nicht das Bier aus unserem Kühlschrank getrunken. (Sehr bedauerlich, denn die Flaschen laufen in ein paar Wochen ab.) Das liegt allerdings nicht daran, dass sie enthaltsam gefeiert haben, sondern sie hatten genügend anderen Alkohol. Damit sie den gut vertragen, haben sie nachts zweimal Nudeln gekocht. (Sehr vernünftig.) Er hätte die Spülmaschine auch schon einmal durchlaufen lassen und würde gleich noch eine anmachen. (Sehr löblich.)

Sonst ist anscheinend auch alles in Ordnung. Zum Schluss will er nur wissen, wie man die Tafel an unserer Küchentür am besten sauber bekommt. Dort schreiben wir normalerweise unseren Wochen-Essensplan auf. Er erzählt aber nicht, was sie auf die Tafel gemalt haben und dann ist es vielleicht besser, nicht nachzufragen. Ich wäre aber schon enttäuscht, wenn es kein Penis war.


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Eine kleine Wochenschau | KW12-2022 (Teil 2)

Teil 1


24. März 2022, Berlin

Nach dem Buch ist bekanntlich vor dem Buch. Deswegen sitze ich am Schreibtisch und entwerfe Jahreszeiten-antizyklisch ein Konzept für einen Weihnachtsratgeber. Um in Stimmung zu kommen, werfe ich meine Christmas-Playlist an und höre Fairytale of New York, Last Christmas und We wish you a merry Christmas.

Trotzdem wollen sich die weihnachtlichen Gefühle nicht so recht einstellen. Das ist gar nicht so leicht, wenn draußen die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und die Krokusse blühen. Vielleicht sollte ich Vanillekipferl oder Zimtsterne backen. Das hilft bestimmt bei den weihnachtlichen Gedanken. Oder einen Glühwein trinken. Dann sprudeln die Ideen von ganz alleine.

25. März 2022, Berlin

Auf meinem Abendspaziergang läuft vor mir ein Mann, der an jedem Finger goldene Ringe von beachtlicher Größe trägt, dazu am linken Handgelenk eine güldene Armkette von der Dicke eines Fahrradschlosses und eine ebenso amtliche güldene Halskette rundet das Schmuckensemble ab. Sieht aus, als sei er unterwegs zu einer Mr.-T.-Motto-Party.

Allerdings ist es wohl besser, wenn ich meine Vermutung für mich behalte, denn der Mann schaut nicht nur grimmig drein, sondern ist auch am Hals tätowiert und wenn ich eins aus drittklassigen Actionfilmen gelernt habe, dann dass Hals-Tätowierungen ein untrügliches Zeichen sind, dass die Person Teil der organisierten Kriminalität ist und bei Berufskriminellen ist die Fähigkeit, über Scherze auf ihre Kosten zu lachen, in der Regel eher unterdurchschnittlich ausgeprägt. Außerdem ist der Typ doppelt so breit wie ich und seine Unterarme haben den Umfang von Baumstämmen, so dass ich eher schlechte Chancen hätte, sollte sich unsere Konversation nicht an die Regeln des herrschaftsfreien Diskurses halten. Daher bleibe ich stumm und gehe mit gebührendem Abstand an ihm vorbei.

26. März 2022, Berlin

Habe beim Joggen eine Begegnung mit einem kleinen kläffenden Hund. Er hat ungefähr Dackelgröße und ein gräuliches, sehr wuscheliges Fell. Sieht ein bisschen aus wie eins dieser Puschelmikrofone bei windigen Außenaufnahmen. Dem Wuschelhündchen passt es anscheinend nicht, dass sich unsere Wege kreuzen und er schnappt nach mir. Bei seiner Größe – beziehungsweise Kleine – und der damit verbundenen unterdurchschnittlichen Beißkraft – beziehungsweise Beißschwäche – stellt das für mich wahrscheinlich eine eher überschaubare Gefahr dar.

Trotzdem möchte ich morgens um halb acht nur ungern in die Knöchel gezwickt werden. Daher beschleunige ich, der Hund allerdings ebenfalls. Also laufe ich noch schneller, aber der Kläffer will sich nicht abschütteln lassen, so dass wir immer schneller und schneller durch den Schlosspark rennen. Für Außenstehende muss das ein ziemlich bizarres Schauspiel sein, wie ich mir mit einer tollwütigen Wollwurst ein Wettrennen liefere.

Irgendwann habe ich es geschafft und das Hündchen bricht seine Verfolgungsjagd ab. Das stimmt mich hoffnungsfroh für den Marathon im Herbst. In der Kategorie der puscheligen Außenmikros sollte ich einen vorderen Platz belegen.

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Es ist immer schön, im Internet auf überraschende Fakten zu stoßen. Zum Beispiel wie in dem Tweet, den mir meine Frau heute geschickt hat. Der weist darauf hin, dass Tom Cruise und Meister Eder das gleiche Alter haben. Sie sind beide 60!

https://twitter.com/Horrorcirdan/status/1507271920357675009?s=20&t=6-7S1TtQ2rA-bhoRiCaq_Q

Während die größte Action-Szene von Gustl Bayrhammer darin bestand, Pumuckl aus einer Pfütze zu retten, springt Tom Cruise aus Helikoptern, liefert sich wilde Verfolgungsjagden auf dem Motorrad oder klettert die Fassaden von aberwitzig hohen Hochhäusern hinauf. Ich bin dreizehn Jahre jünger als Tom Cruise und kann nicht mal freihändig Fahrrad fahren. Und wenn ich mich zu einer Pfütze runterbücke, handle ich mir wahrscheinlich sofort einen Hexenschuss ein.

27. März 2022, Berlin

Heute nacht war Zeitumstellung. Deswegen bin ich nach dem Aufwachen vollkommen gerädert. Als wäre die Uhr nicht leidglich um eine Stunde vorgestellt worden, sondern als hätte ich einen Flug nach Australien hinter mir und würde nun unter einem Monster-Jetlag leiden. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir das früher so viel ausgemacht hat. (Tom Cruise fühlt sich heute früh bestimmt nicht, als sei er vom Bus überfahren worden.)


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Eine kleine Wochenschau | KW12-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


21. März 2022, Berlin

Ab heute ist „Dad you can!“ offiziell im Handel. Das heißt, nun beginnt die Zeit, in der ich täglich die Buchläden im Kiez aufsuche, um zu kontrollieren, ob das Buch vorhanden ist, und falls ja, es prominent platziere, damit es potenziellen Käufer*innen unweigerlich ins Auge fällt. Abends stellen die Händler*innen das Buch zurück in die hinterste Ecke des Regals und am nächsten Tag beginnt das Spiel von vorne.

Hoffentlich schreibe ich irgendwann einen Millionen-Bestseller. Dann bezahle ich andere Menschen dafür, die Buchhandlungen abzulaufen und meine Bücher verkaufsfördernd in Szene zu setzen.

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Eine kleine Wochenschau | KW11-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


14. März 2022, Berlin

Heute ist Erfahre-mehr-über-Schmetterlinge-Tag. Was Schmetterlinge angeht, bewegt sich mein Wissensstand auf äußerst niedrigem Niveau. Ich weiß über Schmetterlinge eigentlich nur, dass die Raupe Nimmersatt einen Apfel, zwei Birnen, drei Pflaumen, vier Erdbeeren, fünf Apfelsinen, einen Schokokuchen, ein Eis, eine Saure Gurke, eine Scheibe Käse, ein Stück Wurst, einen Lolli, ein Stück Früchtebrot, einen Muffin, eine Melone und ein Blatt aß, bevor sie sich verpuppte und dann vierzehn Tage später in einen wunderschönen Schmetterling verwandelte.

Ich glaube, das Ernährungsverhalten der Raupe Nimmersatt hat mir eine völlig falsche Vorstellung davon gegeben, wie übermäßiges Essen meinen Körper transformiert.

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Eine kleine Wochenschau | KW10-2022 (Teil 2)

Teil 1


10. März 2022, Berlin

Mein neues Buch ist noch nicht erschienen – Dad you can“; die aufmerksamen Leser*innen erinnern sich vielleicht –, da gibt es gute Nachrichten vom Vor-Vorgänger: Von „Hilfe, ich werde Papa“ wurden mehr als 46.000 Exemplare verkauft und gerade ist die 7. Auflage erschienen. Und das bei der gegenwärtigen Papierknappheit. (Schön für mich, schlecht für die Bäume.)

46.000 Exemplare. Wahnsinn! Daher an dieser Stelle von ganzem Herzen ein 46.000-faches „Dankeschön!“ Und ein 46.000-faches „Es tut mir leid, dass Sie die 10 Euro nicht in fünf bis sechs Kugeln Eis investiert haben.“

Eventuell stehen die 46.000 Bücher aber auch alle bei meinen Eltern auf dem Speicher und bringen ihr Haus an seine statischen Grenzen. Dann geht das 46.000-fache Dankeschön an euch, Mutter und Vater. Und die 46.000-fache Entschuldigung, dass ihr euch stattdessen nicht 230.000 bis 276.000 Kugeln Eis gekauft habt.

11. März 2022, Berlin

Weil ich heute sehr viel zu tun habe, gehe ich schon um kurz nach 6 joggen. Um diese frühe Uhrzeit ist es noch ziemlich dunkel. Auf einer Wiese in der Ferne tollen ein paar Hunde herum. Zumindest gehe ich davon aus, denn ich sehe nur ihre roten und grünen Leuchthalsbänder.

Diese leuchtenden Halsbänder sind im Straßenverkehr sicherlich hilfreich, damit Autofahrer:innen die Hunde im Dunklen gut sehen und sie nicht versehentlich in Road Kill verwandeln. Heute früh finde ich die Leuchtbänder aber ziemlich unheimlich. Da ich von Weitem nur ein paar grüne und rote Punkte in der Luft tanzen sehe, kommt es mir vor, als würde ich gleich in eine Hunde-Zombieakopalypse geraten, bei der ich von ein paar toll- und beißwütigen Kötern zerfleischt werde. Dann doch lieber einen Erschöpfungstod erleiden, weil ich aus falschem Ehrgeiz versuche, eine Frau zu überholen.

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Heute ist Verehre-dein-Werkzeug-Tag. Ein Ehrentag, den ich schon seit vielen Jahren begehe. Ich verehre mein Werkzeug sogar so sehr, dass ich es so gut wie nie benutze.

12. März 2022, Berlin

Vor ein paar Tagen habe ich im Internet Notfall-Clownsnasen bestellt. Gleich fünf Stück. Warum, kann ich gar nicht so genau sagen. Wahrscheinlich geht auch an mir das Weltgeschehen mit Krieg, Pandemie und Klimakatastrophe nicht spurlos vorbei.

Die Investition von 25 Euro hat sich aber gelohnt. Nicht nur für den Notfall-Clownsnasen-Verkäufer, sondern auch für uns. Jetzt passiert es immer mal wieder, dass unvermittelt ein Familienmitglied mit roter Nase den Raum betritt (meistens ich). Und wer kann schon schlecht gelaunt sein, wenn jemand mit Clownsnase vor dir steht. Außer du hast panische Angst vor Clowns. Dann ist das die Hölle.

13. März 2022, Berlin

Hier eine Übersicht über die Werbe- und Spam-Mails, die ich diese Woche erhalten habe:

  • Eine Betreffzeile verkündet, der Strandkörper 2022 sei kein Problem. Es geht aber nicht um ein Angebot, bei dem mein Kopf auf den Körper von Chris Hemsworth transplantiert wird, sondern um K2. Nicht den Berg, sondern einen hoch dosierten Fettverbrenner und Kohlehydrateblocker. Die Tropfen werden mir sogar in mehreren Mails angepriesen. Anscheinend gelte ich in der internationalen Spammer-Community als stark übergewichtiger Mensch, der unbedingt abnehmen sollte. Und als sehr leichtgläubiger Mensch, der denkt, dass er das mit irgendwelchen obskuren Tropfen erreichen kann.
  • Klingel bietet mir einen 15-Euro-Gutschein an. Enttäuschenderweise handelt es sich nicht um einen Shop, bei dem du Klingeln kaufen kannst, sondern angeblich Mode-Highlights für Damen und Herren sowie hochwertige Schuhe und Schmuck. Nein, danke.
  • Mehrere Mails versprechen mir erhebliche Einsparungen bei meiner Stromrechnung, wenn ich mir eine eigene Solaranlage kaufe. Zum Glück bekomme ich auch sehr viele zinsgünstige Kredite angeboten, um ein Haus zu erwerben, auf dem ich dann die Solaranlage installieren kann.
  • Men’s Health schickt mir mehrere Mails, in denen ich gefragt werde, ob ich mit meinem „Privatleben“ zufrieden sei. Falls nicht, gäbe es dafür eine Lösung: Ein total natürliches Erektionsmittel ganz ohne Pillen, Pumpen oder Injektionen. (Auf anwaltlichen Rat möchte ich betonen, dass diese Mails nicht wirklich von Men’s Health verschickt werden, sondern dass deren E-Mail-Adresse missbräuchlich verwendet wurde.)
  • Marco Polo bringt neue Camper-Reiseführer raus. Mit den besten Camping-Plätzen für Wohnmobile in Kroatien und Montenegro, Nordspanien, Nordnorwegen, der Provence und in vielen anderen europäischen Regionen. Toll, die Reiseführer vereinen zwei Sachen, die ich hasse: Autofahren und Campen.
  • Eine Mail informiert mich, dass clevergeldverdienen.de zum Verkauf steht. Ich fange gleich mit dem clever Geldverdienen an, indem ich die Seite nicht kaufe.

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Eine kleine Wochenschau | KW10-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


07. März 2022, Berlin

Im Supermarkt bekommt die Kundin vor mir anlässlich des morgigen Frauentags eine rote Rose geschenkt. Ich finde das irgendwie unpassend. Rosen gelten schließlich gemeinhin als Blumen der Liebe. Ich würde nicht wollen, dass mir ein Supermarkt floristisch seine Liebe gesteht. (Der will doch sowieso nur mein Geld.)

Statt Frauen Blumen zu schenken, wäre es doch viel eher im Sinne des Frauentags, wenn Rabatt-Coupons für Putzmittel an Männer verteilt würden. Als kostenbewusster – aka geiziger – Mensch würde ich das auf jeden Fall begrüßen. (Und ich muss ja auch nicht erzählen, dass meine Frau bei uns fürs Badputzen zuständig ist.)

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