Eine kleine Wochenschau | KW09-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


28. Februar 2022, Berlin

Heute ist Schlaf-in-der-Öffentlichkeit-Tag. Ein Tag, der meines Erachtens viel zu wenig beachtet wird. Schließlich ist Schlafen gesund. Und wenn du schläfst, kannst du keine Nachrichten lesen und das ist auch gesund.

Orte, an denen ich den Schlaf-in-der-Öffentlichkeit-Tag in der Vergangenheit begangen habe (unabhängig vom 28. Februar):

  • im Flugzeug, in der Bahn, im Taxi, im Reisebus, aber nicht auf dem Fahrrad
  • an den Stränden in Esquibien, auf Föhr und in Santa Teresa (Strandschlaf ist einfach phantastisch. Zumindest sofern du nicht ohne Sonnenschutz einnickst und dann nach ein paar Stunden wie ein hummerartiges Wesen wieder aufwachst.)
  • im Schlosspark Charlottenburg (Als die Kinder noch klein waren und du dir jede Minute Schlaf holen musstest, wo du sie bekommen konntest.)
  • während einer Zauberflöte-Aufführung an der Komischen Oper (Schöne Aufführung eigentlich, aber es war an einem Samstagabend, nachdem wir tagsüber ein 18.000-teiliges Hochbett aufgebaut hatten.)
  • im Studium regelmäßig am Dienstagnachmittag während der Skalierungsvorlesung (Diese fand ungünstigerweise direkt nach der Mittagspause statt und Dienstags war in der Mensa immer Schnitzel-Tag, so dass sich mein Geist anschließend nicht mit höherer Statistik beschäftigen konnte, weil der Körper ermüdende Verdauungsprozesse verrichten musste.)
  • in der Oberstufe regelmäßig am Donnerstag in der vierten Stunde im Englischunterricht (Dieser fand ungünstigerweise direkt nach einer Freistunde statt, in der wir uns immer beim Bäcker mit Teilchen versorgten, so dass sich mein Geist anschließend nicht mit englischer Grammatik oder Literatur beschäftigen konnte, weil der Körper ermüdende Verdauungsprozesse verrichten musste. Außerdem vermute ich bis heute, dass während der Englischstunde durch die Belüftungsanlage Valium versprüht wurde, so dass es unmöglich war, wach zu bleiben.)
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Eine kleine Wochenschau | KW09-2022 (Teil 2)

Teil 1


03. März 2022, Berlin

Heute ist Wenn-Haustiere-Daumen-hätten-Tag. Was für eine gruselige Vorstellung. Hätten Haustiere Daumen, könnten sie Werkzeuge benutzen und Menschen wären für sie vollkommen überflüssig. Wer braucht schon Herrchen oder Frauchen, wenn du deine Büchse Katzen- oder Hundefutter selbst mit dem Dosenöffner aufmachen kannst?

Mit Daumen könnten Haustiere außerdem Schusswaffen bedienen und dann Gnade uns Gott. (Oder Allah, Jahwe, Buddha, Shiva oder wer auch immer uns vor schießwütigen Haustieren schützen kann.) Was würde wohl ein Hamster tun, der Zeit seines Lebens in einen kleinen Käfig eingepfercht wird und dessen einzige Freizeitbeschäftigung darin besteht, in einem beschissenen Rad rumzurennen, wenn er plötzlich Daumen und Zugang zu einer Pump Gun hätte? Genau, er würde natürlich sofort diejenigen wegballern, die ihm das eingebrockt haben. Für Hamster-Besitzer:innen wäre das tragisch, aber es hört sich auch wie ein schöner Plot für einen Tarantino-Splatter-Film an: Reservoir Hamsters. (Vielleicht sollte ich Krude-Gedanken-Fasten betreiben.)

04. März 2022, Berlin

Der Sohn hat heute eine Exkursion mit dem Musik-Kurs. Er habe aber keine Infos, wo es hingeht. Das halte ich für eher unwahrscheinlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Lehrerin den Schüler:innen das Ausflugsziel vorenthalten hat, um sie damit am Exkursionstag morgens zu überraschen. Wahrscheinlich hat wieder das Limbische System beschlossen, den Sohn nicht mit irgendwelchen unnötigen Details zu Musik-Exkursionen zu belasten. (Aus dem gleichen Grund hat mein Limbisches System entschieden, dass ich mir den Namen der Musiklehrerin nicht merken muss.)

Nachmittags erzählt der Sohn, sie seien ins Musikinstrumenten-Museum gefahren und hätten irgendwas zu Filmmusiken gemacht. Sei aber langweilig gewesen. Ich glaube, es gibt kein härteres und weniger begeisterungsfähiges Publikum als eine Klasse von 15-/16-jährigen.

05. März 2022, Berlin

Denke mir morgens beim Sport, ich könnte mal wieder ein paar Klimmzüge in mein Fitnessprogramm einbauen.

Meine Rücken-, Oberarm- und Bauchmuskulatur denken: „Nein.“

(Und ich bin mir sicher, sie denken auch: „Geht’s noch, du Trottel?“)

06. März 2022, Berlin

Die Tochter berichtet im Videotelefonat von ihren Alltagsproblemen in Schweden: von den teuren Alkoholpreisen. Es sei ohnehin gar nicht so leicht, überhaupt an Alkohol zu kommen. In Supermärkten gäbe es lediglich Bier, alles andere würde nur in speziellen Alkohol-Geschäften verkauft. Die hätten am Wochenende aber geschlossen und außerdem dürfe man da erst mit 20 rein. In Bars bekäme sie zwar schon mit 18 alkoholische Getränke, ein Bier koste dann aber locker sechs Euro und ein Gin Tonic mehr als zehn Euro.

Das Leben als Studentin in Schweden muss sehr hart sein.


Buch-Tipp der Woche

Falls Sie sich Sorgen um Inke Hummel machen, weil es schon sieben Monate her ist, dass sie ihr letztes Buch veröffentlicht hat, und Sie deswegen auf Hummel-Entzug sind, kann ich Sie beruhigen. Am 23. Februar ist ihr neuestes Werk erschienen: „Nicht zu streng, nicht zu eng: Dein sicherer Weg zwischen Schimpfen und falschem Verwöhnen. So wird dein Kind glücklich und befreit groß“. (Mit einer Länge von 136 Zeichen konnte Inke Hummel ihren eigenen Weltrekord für den längsten Erziehungsratgeber-Titel nicht ganz übertreffen, aber das nur am Rande.)

In dem Buch gibt Inke Hummel Tipps, wie Eltern das richtige Maß in der Erziehung finden, bei dem sie nicht ungewollt zu hart zu ihren Kindern sind, sie aber auch nicht überbehüten. Dabei zeigt sie unterschiedliche Erziehungswege auf, die zu Kindern mit unterschiedlichen Temperamenten passen und eine starke Bindung aufbauen, die sowohl Eltern als auch Kindern Sicherheit bieten. Auch dieser Ratgeber von Inke Hummel ist wieder sehr systematisch und didaktisch und angenehm undogmatisch, dafür aber immer wertschätzend und mutmachend gegenüber den Eltern.

Mein Lieblingstipp aus dem Buch ist der folgende: „Entscheide, ob dein Gegenüber zu dir oder deinem Kind im Grunde eine wichtige Beziehung hat. Falls nein, darfst du lächeln und winken.“ Es geht eigentlich darum, wie du auf Kritik an deinem Umgang mit deinem Kind reagieren sollst, aber ich finde, es ist auch ein sehr guter Tipp für quasi alle Situationen, in denen du mit Menschen zu tun hast.

Netterweise verlost Inke ein Exemplar von „Nicht zu streng, nicht zu eng“ unter allen Leser*innen, die bis Donnerstag, den 10.03.22, einen nicht zu strengen und nicht zu engen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen. [Bevor Sie mir einen Anwalt auf den Hals hetzen, möchte ich betonen, dass dies nur ein Witz war und die Art des Kommentars selbstverständlich keinerlei Einfluss auf die Verlosungsteilnahme hat. Sie können so streng oder eng kommentieren, wie sie wollen, und dürfen trotzdem teilnehmen.]

Der Rechtsweg ist ebenso wie der Linksweg ausgeschlossen, eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich, alle E-Mail-Adressen werden nach Abschluss der Verlosung DSGVO-konform gelöscht, blablabla …

Inke Hummel: Nicht zu streng, nicht zu eng: Dein sicherer Weg zwischen Schimpfen und falschem Verwöhnen. So wird dein Kind glücklich und befreit groß. Humboldt Verlag, 2022.


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Eine kleine Wochenschau | KW08-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


21. Februar 2022, Berlin

Wie schon im letzten Jahr erhalte ich ein Blog-Kooperationsangebot einer Firma, die Rasierapparate und Pflegeprodukte für den Intimbereich vertreibt. In der Mail gibt es verschiedene Vorschläge, wie das Thema aufbereitet werden könnte. Zum Beispiel „Unaufhaltbare Leistung beim Sport“. Ohne einen „Schwitz-Schritt“ und ohne Einschränkungen wären maximale sportliche Leistungen möglich. So richtig überzeugend finde ich die Storyline nicht. Ich meine, wie voluminös muss deine Schambehaarung sein, damit sie dich beim Joggen behindert? Verfängt die sich dann in deinen Beinen und du fällst andauernd hin? (Viel Spaß beim Kopfkino.)

Außerdem wird auch diesmal ein Selbstcheck vorgeschlagen, bei der ich die Produkte ausprobieren und dabei auf das Thema Hodenkrebsvorsorge aufmerksam machen könnte. Das ist natürlich ein wichtiges Anliegen, denn jährlichen werden tausende Menschen mit Hodenkrebs diagnostiziert und es ist die häufigste Krebsneuerkrankung bei Männern zwischen 25 und 45. Daher schlage ich Folgendes vor: Ich traumatisiere Sie nicht mit einem bebilderten Beitrag über Intimrasur-Experimente und Sie gehen trotzdem zum Urologen und lassen Ihre Testikel abtasten. (Und wenn Sie schon mal da sind, können Sie auch noch Ihre Prostata abchecken lassen.) Deal?

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Eine kleine Wochenschau | KW07-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


14. Februar 2022, Berlin

Valentinstag. Auf meiner morgendlichen Laufrunde begegnen mir sehr viele Männer, die mit Blumensträußen unterwegs sind. (Irrelevanter fun fact am Rande: Als Kind habe ich mich immer gewundert, wenn der Valentinstag an einem anderen Tag als Dienstag war. Das ergab für mich überhaupt keinen Sinn.)

Meine Frau und ich haben uns noch nie etwas zum Valentinstag geschenkt. Aber nicht, um dem kapitalistischen Konsumzwang die Stirn zu bieten und um mit selbstgefälligen Social-Media-Posts zu verkünden, dass wir nicht auf die perfiden Marketingmanipulationen der Schnittblumen- und Pralinenindustrie reinfallen. Nein, eher weil wir vergesslich sind. Außerdem haben wir Ende Januar unseren Jahrestag. Innerhalb von vierzehn Tagen zwei Mal unsere romantische Verbundenheit zu zelebrieren, erschiene mir doch etwas bemüht. Fast schon zwanghaft. Als müssten wir irgendetwas kompensieren. Deswegen lassen wir das mit Valentinstag.

Okay, um ehrlich zu sein, hat in unserer 25-jährigen Partnerschaft in mehr als der Hälfte der Jahre einer oder eine von uns nicht an unseren Jahrestag gedacht (meistens beide), so dass wir unsere romantische Verbundenheit gar nicht zelebriert haben. Zum Glück haben wir im Mai Hochzeitstag. Dann haben wir einen weiteren Tag, den wir vergessen können.

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Eine kleine Wochenschau | KW06-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


07. Februar 2022, Berlin

Ich starte in unsere jährliche Saftfastenwoche mit einer Tasse Tee. Heißer Holunder. Nach drei Schlucken habe ich kein Bock mehr auf Tee. Ich habe prinzipiell nichts gegen Holunder. Meine Haltung gegenüber Holunder würde ich als indifferent bezeichnen. Er ist mir schlichtweg egal. (Ohne zu googeln, weiß ich nicht einmal wie Holunder aussieht.) Aber normalerweise würde ich jetzt einen Kaffee trinken, der Körper und Geist aus dem Standby-Modus holt und mich in einen menschähnlichen Zustand transformiert. Da kann Holunder einfach nicht mithalten.

Koffein ist beim Saftfasten jedoch nicht erlaubt. Da haben die Saftfastengötter einen Riegel vorgeschoben. (Wie auch vor alles andere, was ein kleines bisschen Spaß machen würde.)

Also sitze ich auf dem Sofa, nippe an meinem Holundertee und versuche mir einzureden, dass er eigentlich doch ganz lecker ist. Das will mir aber nicht recht gelingen. Für so viel Phantasie, Selbstsuggestion und Selbstbetrug bräuchte ich erstmal eine ordentliche Ladung Koffein.

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Eine kleine Wochenschau | KW05-2022

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31. Januar 2022, Berlin

Ich rufe bei meinen Eltern an, kann sie aber nicht erreichen. Das ist für Montag, 18 Uhr, eher ungewöhnlich. Der Grund für ihre Unerreichbarkeit, den ich später erfahre, ist noch ungewöhnlicher: Sie waren auf einer Demo. Ich glaube, das erste Mal in ihrem Leben. Mit Mitte und Ende 70. Auf einer Anti-Anti-Corona-Maßnahmen-Querschwurbler Demo. Erstaunlich, dass es in Westerburg überhaupt Anti-Corona-Maßnahmen-Querschwurbler-Aufmärsche gibt, gegen die demonstriert werden muss. Umso schöner, wenn es jemand tut. Und noch schöner, wenn die eigenen Eltern dabei sind.

Der Pfarrer, der mich Ende der 1980er konfirmiert hat, hatte zu der Kundgebung aufgerufen und mein alter Lateinlehrer hat bei der Versammlung Gitarre gespielt. (Das klingt jetzt gruseliger, als es ist. Während seines Studiums war mein Lateinlehrer ein ambitionierter Liedermacher im Kölner Raum und er hatte seine fünfzehn Minuten Ruhm, als er mal gemeinsam mit Wolfgang Niedecken im Radio interviewt wurde.)

Damit war das Setting Anti-Anti-Corona-Maßnahmen-Querschwurbler Demo fast wie auf einer der größten Demos, auf der ich war. Das war 1992 in Frankfurt das Heute die, morgen du-Konzert gegen rechtsextreme Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Dort traten allerdings unter anderem die Fantastischen Vier, Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer und Marius Müller-Westernhagen auf und nicht mein alter Lateinlehrer. (Wäre er gefragt worden, hätte er aber bestimmt mitgemacht.)

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Eine kleine Wochenschau | KW04-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


24. Januar 2022, Berlin

Heute ist Tag der Komplimente. Deswegen eine Botschaft an alle, die das hier lesen: Sie sind die besten Leser:innen auf der ganzen Welt.

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Eine kleine Wochenschau | KW03-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


17. Januar 2022, Berlin

Heute ist mein erster Arbeitstag 2022. Nach insgesamt viereinhalb Wochen Urlaub. Das ist nicht besonders erfreulich. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass, wenn du einen Monat frei hattest, sich niemand dein Gejammer anhören möchte, wie furchtbar es ist, dass du wieder arbeiten musst.

Damit ich keine Eingewöhnungschwierigkeiten habe, stehen heute gleich drei Telefonkonferenzen an. Aber auch darüber will sich niemand dein Gejammer anhören, wenn du über vier Wochen frei hattest.

Zu meiner großen Überraschung kann ich mich noch an alle meine Passwörter erinnern. Anscheinend war mein Urlaub doch nicht lang genug.

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Eine kleine Wochenschau | KW02-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


10. Januar 2022, Stockholm/Kopenhagen/Hamburg/Berlin

Es ist kurz nach sieben, ich mache mich auf den Weg zum Bahnhof. Unterwegs hole ich mir einen Cappuccino, in der Bahnhofshalle einen weiteren. Ich habe noch fast eine Stunde Zeit und gehe noch ein wenig spazieren. Das gibt mir die Gelegenheit, in einem Coffeeshop Halt zu machen, um mir den nächsten Cappuccino zu genehmigen.

Die Menge an Koffein sollte nun ausreichen, um mich durch den Tag zu bringen. Auf der Hinreise hatte ich morgens nur einen kleinen Kaffee getrunken und dann im Laufe des Tages ziemlich starke Kopfschmerzen entwickelt. Das möchte ich heute unbedingt vermeiden. Nicht zuletzt, weil du zurzeit nicht weißt, ob das Kopfweh vom Koffein-Entzug kommt oder ein Symptom für eine Omnikron-Infektion ist.

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Eine kleine Wochenschau | KW01-2022 – Stockholm Edition (5/5)

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


08. Januar 2022, Stockholm

Wie echte Schweden-Profis frühstücken wir Zimtschnecken und trinken dazu wie echte Schweden-Amateure Cappuccino. Anschließend setzen wir unser Stockholm-Sightwalking fort und gehen zum königlichen Palast, der ungefähr 800 Meter von unserem Hotel liegt, damit ich dort meine nostalgischen royalen Schwärmereien ausleben kann.

Als Kind war ich nämlich großer Fan der europäischen Königshäuser und habe in den Klatschzeitschriften meiner Oma mit großem Eifer die Artikel über den königlichen Nachwuchs wie Prinz William und Prinz Harry gelesen. (Ich hatte sogar ein Baby-Foto von Prinz William an meiner Pinnwand hängen, was hier aber nicht weiter vertieft werden muss.) Da Prinzessin Viktoria von Schweden nur unwesentlich jünger war als ich, hielt ich es mit kindlichem Optimismus für durchaus möglich, dass wir einmal heiraten könnten, was mir eine Karriere als König ermöglicht hätte. Dazu ist es aber nie gekommen. (Ich mache meine Eltern dafür verantwortlich, weil wir immer nur in Dänemark, aber nie in Schweden Urlaub gemacht haben.)

Vor dem Palast stehen ein paar königliche Wachen. Ich frage mich, ob es sich dabei tatsächlich um Elite-Soldaten handelt oder nur um Schauspieler, die in alte Uniformen gesteckt werden und dann im Stechschritt die Palastmauern abschreiten müssen. (Sollten Mitglieder der schwedischen königlichen Wache dies lesen, möchte ich mich in aller Form für meine ehrabschneidenden Gedanken entschuldigen. Da ich nicht satisfaktionsfähig bin, macht es aber keinen Sinn, mich zum Duell herauszufordern.)

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Zur Mittagszeit fahren wir zu unserer zweiten Zimmerbesichtigung. Es geht wieder in den Süden Stockholms, diesmal nach Farsta. Am Bahnhof holt uns die potenzielle Vermieterin ab, damit wir uns nicht verlaufen, weil der Weg zu ihr so kompliziert sei. Sie ist ungefähr Mitte 50, heißt uns herzlich willkommen und entschuldigt sich, dass Schweden unhöflich seien und sich zur Begrüßung nicht die Hand gäben. Ich finde, in Corona-Zeiten ist das vielleicht gar nicht unhöflich, sondern eher vernünftig.

Vom Bahnhof aus betreten wir eine großzügige, moderne Einkaufsstraße mit allerlei Geschäften des täglichen und des untäglichen Bedarfs. Nach ungefähr zehn Minuten erreichen wir die Wohnung, wobei der Weg eigentlich doch gar nicht so kompliziert ist. (Selbst für einen Menschen wie mich, der über den Orientierungssinn einer Stubenfliege verfügt.)

Das zu vermietende Zimmer ist zwar nicht allzu groß, aber funktional eingerichtet und vollkommen ausreichend für eine erste Studentenbude. Das Bad und die Küche sind ebenfalls in Ordnung. Spätestens als die Vermieterin verkündet, dass sie Kuchen gebacken hat und Kaffee für uns kocht, ist uns klar, dass die Tochter das Zimmer nehmen wird.

09. Januar 2022, Stockholm

Wir schlafen heute aus und nehmen gegen kurz nach 11 unser liebgewonnenes schwedisches Touri-Frühstück ein (Zimtschnecken und Cappuccino). Danach machen wir wieder einen unserer ebenfalls liebgewonnen Spaziergänge, schlagen diesmal aber einen anderen Weg ein, um noch etwas Neues zu sehen.

Wir gehen am Wasser entlang, vorbei am pompösen Grand Hotel und an luxuriösen Wohnhäusern. Auf der anderen Uferseite zeichnet sich eine Vielzahl herrschaftlicher Gebäude ab, die alle sehr wichtig aussehen. Allerdings weiß ich bei keinem einzigen, um welche Einrichtung, Kirche oder Sehenswürdigkeit es sich handelt. Früher hast du vor einem Städtetrip den neuesten Marco-Polo-Reiseführer gelesen, um vorab top-informiert und auf dem neuesten Stand zu sein, heute hast du diese Informationen alle kompakt und viel aktueller in der Hosentasche, bist aber zu faul, dein Handy rauszuholen, um kurz etwas nachzulesen. (Mit „du“ meine ich selbstverständlich mich. Wobei ich mir relativ sicher bin, dass ich nicht der einzige bin, dem es so geht.)

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Nachmittags fahren wir mit Sack und Pack, das heißt, mit einem großen Koffer, einem kleinen Koffer, zwei kleinen Rucksäcken und zwei Jutebeuteln, nach Farsta, um das neue Zimmer der Tochter einzurichten. Bei Kaffee und Kuchen unterzeichnet die Tochter dann den Mietvertrag und bekommt von ihrer Vermieterin ihren Schlüssel ausgehändigt. Nun hat die Tochter ganz offiziell ihre erste Studentenbude. Toll! Und meine Frau und ich dürfen ganz offiziell für die erste Studentenbude eines unserer Kinder bezahlen. Ein bisschen toll!

Anschließend gehe ich mit der Tochter nochmal zum Supermarkt, um gemeinsam mit ihr die nötigsten Sachen für die nächsten Tage einzukaufen. Schließlich möchtest du als Vater sicher gehen, dass dein Kind genügend Nudeln und Ketchup hat, um ein ordentliches Studentinnenleben zu führen.

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Schließlich ist die Zeit gekommen, um Abschied zu nehmen. Ein komisches Gefühl. Ich fahre morgen früh zurück nach Berlin, die Tochter bleibt hier in Stockholm.

Für die Tochter geht ein Lebensabschnitt zu Ende und ein neuer beginnt. Und für uns Eltern auch. Mir wird etwas wehmütig. Natürlich ist es gut, wenn du dein Kind zur Selbstständigkeit erzogen hast, so dass es eines Tages auszieht, um auf eigenen Füßen zu stehen. Aber muss das denn jetzt schon sein? Es ist doch erst 18 Jahre her, dass wir sie auf dem Arm gehalten haben und uns darüber freuten, das süßeste Baby der Welt zu haben. (Es ist auch 18 Jahre her, dass wir feststellten, ein sehr schlafunwilliges Baby zu haben, aber das ist eine andere Geschichte.)

Ja, es muss wohl jetzt sein, dass die Tochter den Schritt wagt, die Welt alleine und ohne unsere ständige Begleitung zu erobern. Zum Studium in eine andere Stadt und sogar ein anderes Land zu gehen, wo du niemanden kennst und die Sprache nicht beherrschst, ist besorgniserregend und angsteinflößend. Aber auch interessant, spannend und herausfordernd und wahrscheinlich wird es eine der besten Zeiten im Leben unserer Tochter.

Mir bleiben zum Abschluss nur die Worte des jungen Mannes aus dem Testzentrum:

„Viel Spaß in Schweden und pass gut auf dich auf. Und vergiss‘ uns nicht und komm‘ wieder zurück.“


Alle Teile der Stockholm-Edition:


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