Eine kleine Wochenschau | KW12-2022 (Teil 2)

Teil 1


24. März 2022, Berlin

Nach dem Buch ist bekanntlich vor dem Buch. Deswegen sitze ich am Schreibtisch und entwerfe Jahreszeiten-antizyklisch ein Konzept für einen Weihnachtsratgeber. Um in Stimmung zu kommen, werfe ich meine Christmas-Playlist an und höre Fairytale of New York, Last Christmas und We wish you a merry Christmas.

Trotzdem wollen sich die weihnachtlichen Gefühle nicht so recht einstellen. Das ist gar nicht so leicht, wenn draußen die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und die Krokusse blühen. Vielleicht sollte ich Vanillekipferl oder Zimtsterne backen. Das hilft bestimmt bei den weihnachtlichen Gedanken. Oder einen Glühwein trinken. Dann sprudeln die Ideen von ganz alleine.

25. März 2022, Berlin

Auf meinem Abendspaziergang läuft vor mir ein Mann, der an jedem Finger goldene Ringe von beachtlicher Größe trägt, dazu am linken Handgelenk eine güldene Armkette von der Dicke eines Fahrradschlosses und eine ebenso amtliche güldene Halskette rundet das Schmuckensemble ab. Sieht aus, als sei er unterwegs zu einer Mr.-T.-Motto-Party.

Allerdings ist es wohl besser, wenn ich meine Vermutung für mich behalte, denn der Mann schaut nicht nur grimmig drein, sondern ist auch am Hals tätowiert und wenn ich eins aus drittklassigen Actionfilmen gelernt habe, dann dass Hals-Tätowierungen ein untrügliches Zeichen sind, dass die Person Teil der organisierten Kriminalität ist und bei Berufskriminellen ist die Fähigkeit, über Scherze auf ihre Kosten zu lachen, in der Regel eher unterdurchschnittlich ausgeprägt. Außerdem ist der Typ doppelt so breit wie ich und seine Unterarme haben den Umfang von Baumstämmen, so dass ich eher schlechte Chancen hätte, sollte sich unsere Konversation nicht an die Regeln des herrschaftsfreien Diskurses halten. Daher bleibe ich stumm und gehe mit gebührendem Abstand an ihm vorbei.

26. März 2022, Berlin

Habe beim Joggen eine Begegnung mit einem kleinen kläffenden Hund. Er hat ungefähr Dackelgröße und ein gräuliches, sehr wuscheliges Fell. Sieht ein bisschen aus wie eins dieser Puschelmikrofone bei windigen Außenaufnahmen. Dem Wuschelhündchen passt es anscheinend nicht, dass sich unsere Wege kreuzen und er schnappt nach mir. Bei seiner Größe – beziehungsweise Kleine – und der damit verbundenen unterdurchschnittlichen Beißkraft – beziehungsweise Beißschwäche – stellt das für mich wahrscheinlich eine eher überschaubare Gefahr dar.

Trotzdem möchte ich morgens um halb acht nur ungern in die Knöchel gezwickt werden. Daher beschleunige ich, der Hund allerdings ebenfalls. Also laufe ich noch schneller, aber der Kläffer will sich nicht abschütteln lassen, so dass wir immer schneller und schneller durch den Schlosspark rennen. Für Außenstehende muss das ein ziemlich bizarres Schauspiel sein, wie ich mir mit einer tollwütigen Wollwurst ein Wettrennen liefere.

Irgendwann habe ich es geschafft und das Hündchen bricht seine Verfolgungsjagd ab. Das stimmt mich hoffnungsfroh für den Marathon im Herbst. In der Kategorie der puscheligen Außenmikros sollte ich einen vorderen Platz belegen.

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Es ist immer schön, im Internet auf überraschende Fakten zu stoßen. Zum Beispiel wie in dem Tweet, den mir meine Frau heute geschickt hat. Der weist darauf hin, dass Tom Cruise und Meister Eder das gleiche Alter haben. Sie sind beide 60!

https://twitter.com/Horrorcirdan/status/1507271920357675009?s=20&t=6-7S1TtQ2rA-bhoRiCaq_Q

Während die größte Action-Szene von Gustl Bayrhammer darin bestand, Pumuckl aus einer Pfütze zu retten, springt Tom Cruise aus Helikoptern, liefert sich wilde Verfolgungsjagden auf dem Motorrad oder klettert die Fassaden von aberwitzig hohen Hochhäusern hinauf. Ich bin dreizehn Jahre jünger als Tom Cruise und kann nicht mal freihändig Fahrrad fahren. Und wenn ich mich zu einer Pfütze runterbücke, handle ich mir wahrscheinlich sofort einen Hexenschuss ein.

27. März 2022, Berlin

Heute nacht war Zeitumstellung. Deswegen bin ich nach dem Aufwachen vollkommen gerädert. Als wäre die Uhr nicht leidglich um eine Stunde vorgestellt worden, sondern als hätte ich einen Flug nach Australien hinter mir und würde nun unter einem Monster-Jetlag leiden. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir das früher so viel ausgemacht hat. (Tom Cruise fühlt sich heute früh bestimmt nicht, als sei er vom Bus überfahren worden.)


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Eine kleine Wochenschau | KW12-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


21. März 2022, Berlin

Ab heute ist „Dad you can!“ offiziell im Handel. Das heißt, nun beginnt die Zeit, in der ich täglich die Buchläden im Kiez aufsuche, um zu kontrollieren, ob das Buch vorhanden ist, und falls ja, es prominent platziere, damit es potenziellen Käufer*innen unweigerlich ins Auge fällt. Abends stellen die Händler*innen das Buch zurück in die hinterste Ecke des Regals und am nächsten Tag beginnt das Spiel von vorne.

Hoffentlich schreibe ich irgendwann einen Millionen-Bestseller. Dann bezahle ich andere Menschen dafür, die Buchhandlungen abzulaufen und meine Bücher verkaufsfördernd in Szene zu setzen.

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Eine kleine Wochenschau | KW11-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


14. März 2022, Berlin

Heute ist Erfahre-mehr-über-Schmetterlinge-Tag. Was Schmetterlinge angeht, bewegt sich mein Wissensstand auf äußerst niedrigem Niveau. Ich weiß über Schmetterlinge eigentlich nur, dass die Raupe Nimmersatt einen Apfel, zwei Birnen, drei Pflaumen, vier Erdbeeren, fünf Apfelsinen, einen Schokokuchen, ein Eis, eine Saure Gurke, eine Scheibe Käse, ein Stück Wurst, einen Lolli, ein Stück Früchtebrot, einen Muffin, eine Melone und ein Blatt aß, bevor sie sich verpuppte und dann vierzehn Tage später in einen wunderschönen Schmetterling verwandelte.

Ich glaube, das Ernährungsverhalten der Raupe Nimmersatt hat mir eine völlig falsche Vorstellung davon gegeben, wie übermäßiges Essen meinen Körper transformiert.

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Eine kleine Wochenschau | KW10-2022 (Teil 2)

Teil 1


10. März 2022, Berlin

Mein neues Buch ist noch nicht erschienen – Dad you can“; die aufmerksamen Leser*innen erinnern sich vielleicht –, da gibt es gute Nachrichten vom Vor-Vorgänger: Von „Hilfe, ich werde Papa“ wurden mehr als 46.000 Exemplare verkauft und gerade ist die 7. Auflage erschienen. Und das bei der gegenwärtigen Papierknappheit. (Schön für mich, schlecht für die Bäume.)

46.000 Exemplare. Wahnsinn! Daher an dieser Stelle von ganzem Herzen ein 46.000-faches „Dankeschön!“ Und ein 46.000-faches „Es tut mir leid, dass Sie die 10 Euro nicht in fünf bis sechs Kugeln Eis investiert haben.“

Eventuell stehen die 46.000 Bücher aber auch alle bei meinen Eltern auf dem Speicher und bringen ihr Haus an seine statischen Grenzen. Dann geht das 46.000-fache Dankeschön an euch, Mutter und Vater. Und die 46.000-fache Entschuldigung, dass ihr euch stattdessen nicht 230.000 bis 276.000 Kugeln Eis gekauft habt.

11. März 2022, Berlin

Weil ich heute sehr viel zu tun habe, gehe ich schon um kurz nach 6 joggen. Um diese frühe Uhrzeit ist es noch ziemlich dunkel. Auf einer Wiese in der Ferne tollen ein paar Hunde herum. Zumindest gehe ich davon aus, denn ich sehe nur ihre roten und grünen Leuchthalsbänder.

Diese leuchtenden Halsbänder sind im Straßenverkehr sicherlich hilfreich, damit Autofahrer:innen die Hunde im Dunklen gut sehen und sie nicht versehentlich in Road Kill verwandeln. Heute früh finde ich die Leuchtbänder aber ziemlich unheimlich. Da ich von Weitem nur ein paar grüne und rote Punkte in der Luft tanzen sehe, kommt es mir vor, als würde ich gleich in eine Hunde-Zombieakopalypse geraten, bei der ich von ein paar toll- und beißwütigen Kötern zerfleischt werde. Dann doch lieber einen Erschöpfungstod erleiden, weil ich aus falschem Ehrgeiz versuche, eine Frau zu überholen.

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Heute ist Verehre-dein-Werkzeug-Tag. Ein Ehrentag, den ich schon seit vielen Jahren begehe. Ich verehre mein Werkzeug sogar so sehr, dass ich es so gut wie nie benutze.

12. März 2022, Berlin

Vor ein paar Tagen habe ich im Internet Notfall-Clownsnasen bestellt. Gleich fünf Stück. Warum, kann ich gar nicht so genau sagen. Wahrscheinlich geht auch an mir das Weltgeschehen mit Krieg, Pandemie und Klimakatastrophe nicht spurlos vorbei.

Die Investition von 25 Euro hat sich aber gelohnt. Nicht nur für den Notfall-Clownsnasen-Verkäufer, sondern auch für uns. Jetzt passiert es immer mal wieder, dass unvermittelt ein Familienmitglied mit roter Nase den Raum betritt (meistens ich). Und wer kann schon schlecht gelaunt sein, wenn jemand mit Clownsnase vor dir steht. Außer du hast panische Angst vor Clowns. Dann ist das die Hölle.

13. März 2022, Berlin

Hier eine Übersicht über die Werbe- und Spam-Mails, die ich diese Woche erhalten habe:

  • Eine Betreffzeile verkündet, der Strandkörper 2022 sei kein Problem. Es geht aber nicht um ein Angebot, bei dem mein Kopf auf den Körper von Chris Hemsworth transplantiert wird, sondern um K2. Nicht den Berg, sondern einen hoch dosierten Fettverbrenner und Kohlehydrateblocker. Die Tropfen werden mir sogar in mehreren Mails angepriesen. Anscheinend gelte ich in der internationalen Spammer-Community als stark übergewichtiger Mensch, der unbedingt abnehmen sollte. Und als sehr leichtgläubiger Mensch, der denkt, dass er das mit irgendwelchen obskuren Tropfen erreichen kann.
  • Klingel bietet mir einen 15-Euro-Gutschein an. Enttäuschenderweise handelt es sich nicht um einen Shop, bei dem du Klingeln kaufen kannst, sondern angeblich Mode-Highlights für Damen und Herren sowie hochwertige Schuhe und Schmuck. Nein, danke.
  • Mehrere Mails versprechen mir erhebliche Einsparungen bei meiner Stromrechnung, wenn ich mir eine eigene Solaranlage kaufe. Zum Glück bekomme ich auch sehr viele zinsgünstige Kredite angeboten, um ein Haus zu erwerben, auf dem ich dann die Solaranlage installieren kann.
  • Men’s Health schickt mir mehrere Mails, in denen ich gefragt werde, ob ich mit meinem „Privatleben“ zufrieden sei. Falls nicht, gäbe es dafür eine Lösung: Ein total natürliches Erektionsmittel ganz ohne Pillen, Pumpen oder Injektionen. (Auf anwaltlichen Rat möchte ich betonen, dass diese Mails nicht wirklich von Men’s Health verschickt werden, sondern dass deren E-Mail-Adresse missbräuchlich verwendet wurde.)
  • Marco Polo bringt neue Camper-Reiseführer raus. Mit den besten Camping-Plätzen für Wohnmobile in Kroatien und Montenegro, Nordspanien, Nordnorwegen, der Provence und in vielen anderen europäischen Regionen. Toll, die Reiseführer vereinen zwei Sachen, die ich hasse: Autofahren und Campen.
  • Eine Mail informiert mich, dass clevergeldverdienen.de zum Verkauf steht. Ich fange gleich mit dem clever Geldverdienen an, indem ich die Seite nicht kaufe.

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Eine kleine Wochenschau | KW10-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


07. März 2022, Berlin

Im Supermarkt bekommt die Kundin vor mir anlässlich des morgigen Frauentags eine rote Rose geschenkt. Ich finde das irgendwie unpassend. Rosen gelten schließlich gemeinhin als Blumen der Liebe. Ich würde nicht wollen, dass mir ein Supermarkt floristisch seine Liebe gesteht. (Der will doch sowieso nur mein Geld.)

Statt Frauen Blumen zu schenken, wäre es doch viel eher im Sinne des Frauentags, wenn Rabatt-Coupons für Putzmittel an Männer verteilt würden. Als kostenbewusster – aka geiziger – Mensch würde ich das auf jeden Fall begrüßen. (Und ich muss ja auch nicht erzählen, dass meine Frau bei uns fürs Badputzen zuständig ist.)

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Eine kleine Wochenschau | KW09-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


28. Februar 2022, Berlin

Heute ist Schlaf-in-der-Öffentlichkeit-Tag. Ein Tag, der meines Erachtens viel zu wenig beachtet wird. Schließlich ist Schlafen gesund. Und wenn du schläfst, kannst du keine Nachrichten lesen und das ist auch gesund.

Orte, an denen ich den Schlaf-in-der-Öffentlichkeit-Tag in der Vergangenheit begangen habe (unabhängig vom 28. Februar):

  • im Flugzeug, in der Bahn, im Taxi, im Reisebus, aber nicht auf dem Fahrrad
  • an den Stränden in Esquibien, auf Föhr und in Santa Teresa (Strandschlaf ist einfach phantastisch. Zumindest sofern du nicht ohne Sonnenschutz einnickst und dann nach ein paar Stunden wie ein hummerartiges Wesen wieder aufwachst.)
  • im Schlosspark Charlottenburg (Als die Kinder noch klein waren und du dir jede Minute Schlaf holen musstest, wo du sie bekommen konntest.)
  • während einer Zauberflöte-Aufführung an der Komischen Oper (Schöne Aufführung eigentlich, aber es war an einem Samstagabend, nachdem wir tagsüber ein 18.000-teiliges Hochbett aufgebaut hatten.)
  • im Studium regelmäßig am Dienstagnachmittag während der Skalierungsvorlesung (Diese fand ungünstigerweise direkt nach der Mittagspause statt und Dienstags war in der Mensa immer Schnitzel-Tag, so dass sich mein Geist anschließend nicht mit höherer Statistik beschäftigen konnte, weil der Körper ermüdende Verdauungsprozesse verrichten musste.)
  • in der Oberstufe regelmäßig am Donnerstag in der vierten Stunde im Englischunterricht (Dieser fand ungünstigerweise direkt nach einer Freistunde statt, in der wir uns immer beim Bäcker mit Teilchen versorgten, so dass sich mein Geist anschließend nicht mit englischer Grammatik oder Literatur beschäftigen konnte, weil der Körper ermüdende Verdauungsprozesse verrichten musste. Außerdem vermute ich bis heute, dass während der Englischstunde durch die Belüftungsanlage Valium versprüht wurde, so dass es unmöglich war, wach zu bleiben.)
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Eine kleine Wochenschau | KW09-2022 (Teil 2)

Teil 1


03. März 2022, Berlin

Heute ist Wenn-Haustiere-Daumen-hätten-Tag. Was für eine gruselige Vorstellung. Hätten Haustiere Daumen, könnten sie Werkzeuge benutzen und Menschen wären für sie vollkommen überflüssig. Wer braucht schon Herrchen oder Frauchen, wenn du deine Büchse Katzen- oder Hundefutter selbst mit dem Dosenöffner aufmachen kannst?

Mit Daumen könnten Haustiere außerdem Schusswaffen bedienen und dann Gnade uns Gott. (Oder Allah, Jahwe, Buddha, Shiva oder wer auch immer uns vor schießwütigen Haustieren schützen kann.) Was würde wohl ein Hamster tun, der Zeit seines Lebens in einen kleinen Käfig eingepfercht wird und dessen einzige Freizeitbeschäftigung darin besteht, in einem beschissenen Rad rumzurennen, wenn er plötzlich Daumen und Zugang zu einer Pump Gun hätte? Genau, er würde natürlich sofort diejenigen wegballern, die ihm das eingebrockt haben. Für Hamster-Besitzer:innen wäre das tragisch, aber es hört sich auch wie ein schöner Plot für einen Tarantino-Splatter-Film an: Reservoir Hamsters. (Vielleicht sollte ich Krude-Gedanken-Fasten betreiben.)

04. März 2022, Berlin

Der Sohn hat heute eine Exkursion mit dem Musik-Kurs. Er habe aber keine Infos, wo es hingeht. Das halte ich für eher unwahrscheinlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Lehrerin den Schüler:innen das Ausflugsziel vorenthalten hat, um sie damit am Exkursionstag morgens zu überraschen. Wahrscheinlich hat wieder das Limbische System beschlossen, den Sohn nicht mit irgendwelchen unnötigen Details zu Musik-Exkursionen zu belasten. (Aus dem gleichen Grund hat mein Limbisches System entschieden, dass ich mir den Namen der Musiklehrerin nicht merken muss.)

Nachmittags erzählt der Sohn, sie seien ins Musikinstrumenten-Museum gefahren und hätten irgendwas zu Filmmusiken gemacht. Sei aber langweilig gewesen. Ich glaube, es gibt kein härteres und weniger begeisterungsfähiges Publikum als eine Klasse von 15-/16-jährigen.

05. März 2022, Berlin

Denke mir morgens beim Sport, ich könnte mal wieder ein paar Klimmzüge in mein Fitnessprogramm einbauen.

Meine Rücken-, Oberarm- und Bauchmuskulatur denken: „Nein.“

(Und ich bin mir sicher, sie denken auch: „Geht’s noch, du Trottel?“)

06. März 2022, Berlin

Die Tochter berichtet im Videotelefonat von ihren Alltagsproblemen in Schweden: von den teuren Alkoholpreisen. Es sei ohnehin gar nicht so leicht, überhaupt an Alkohol zu kommen. In Supermärkten gäbe es lediglich Bier, alles andere würde nur in speziellen Alkohol-Geschäften verkauft. Die hätten am Wochenende aber geschlossen und außerdem dürfe man da erst mit 20 rein. In Bars bekäme sie zwar schon mit 18 alkoholische Getränke, ein Bier koste dann aber locker sechs Euro und ein Gin Tonic mehr als zehn Euro.

Das Leben als Studentin in Schweden muss sehr hart sein.


Buch-Tipp der Woche

Falls Sie sich Sorgen um Inke Hummel machen, weil es schon sieben Monate her ist, dass sie ihr letztes Buch veröffentlicht hat, und Sie deswegen auf Hummel-Entzug sind, kann ich Sie beruhigen. Am 23. Februar ist ihr neuestes Werk erschienen: „Nicht zu streng, nicht zu eng: Dein sicherer Weg zwischen Schimpfen und falschem Verwöhnen. So wird dein Kind glücklich und befreit groß“. (Mit einer Länge von 136 Zeichen konnte Inke Hummel ihren eigenen Weltrekord für den längsten Erziehungsratgeber-Titel nicht ganz übertreffen, aber das nur am Rande.)

In dem Buch gibt Inke Hummel Tipps, wie Eltern das richtige Maß in der Erziehung finden, bei dem sie nicht ungewollt zu hart zu ihren Kindern sind, sie aber auch nicht überbehüten. Dabei zeigt sie unterschiedliche Erziehungswege auf, die zu Kindern mit unterschiedlichen Temperamenten passen und eine starke Bindung aufbauen, die sowohl Eltern als auch Kindern Sicherheit bieten. Auch dieser Ratgeber von Inke Hummel ist wieder sehr systematisch und didaktisch und angenehm undogmatisch, dafür aber immer wertschätzend und mutmachend gegenüber den Eltern.

Mein Lieblingstipp aus dem Buch ist der folgende: „Entscheide, ob dein Gegenüber zu dir oder deinem Kind im Grunde eine wichtige Beziehung hat. Falls nein, darfst du lächeln und winken.“ Es geht eigentlich darum, wie du auf Kritik an deinem Umgang mit deinem Kind reagieren sollst, aber ich finde, es ist auch ein sehr guter Tipp für quasi alle Situationen, in denen du mit Menschen zu tun hast.

Netterweise verlost Inke ein Exemplar von „Nicht zu streng, nicht zu eng“ unter allen Leser*innen, die bis Donnerstag, den 10.03.22, einen nicht zu strengen und nicht zu engen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen. [Bevor Sie mir einen Anwalt auf den Hals hetzen, möchte ich betonen, dass dies nur ein Witz war und die Art des Kommentars selbstverständlich keinerlei Einfluss auf die Verlosungsteilnahme hat. Sie können so streng oder eng kommentieren, wie sie wollen, und dürfen trotzdem teilnehmen.]

Der Rechtsweg ist ebenso wie der Linksweg ausgeschlossen, eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich, alle E-Mail-Adressen werden nach Abschluss der Verlosung DSGVO-konform gelöscht, blablabla …

Inke Hummel: Nicht zu streng, nicht zu eng: Dein sicherer Weg zwischen Schimpfen und falschem Verwöhnen. So wird dein Kind glücklich und befreit groß. Humboldt Verlag, 2022.


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Eine kleine Wochenschau | KW08-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


21. Februar 2022, Berlin

Wie schon im letzten Jahr erhalte ich ein Blog-Kooperationsangebot einer Firma, die Rasierapparate und Pflegeprodukte für den Intimbereich vertreibt. In der Mail gibt es verschiedene Vorschläge, wie das Thema aufbereitet werden könnte. Zum Beispiel „Unaufhaltbare Leistung beim Sport“. Ohne einen „Schwitz-Schritt“ und ohne Einschränkungen wären maximale sportliche Leistungen möglich. So richtig überzeugend finde ich die Storyline nicht. Ich meine, wie voluminös muss deine Schambehaarung sein, damit sie dich beim Joggen behindert? Verfängt die sich dann in deinen Beinen und du fällst andauernd hin? (Viel Spaß beim Kopfkino.)

Außerdem wird auch diesmal ein Selbstcheck vorgeschlagen, bei der ich die Produkte ausprobieren und dabei auf das Thema Hodenkrebsvorsorge aufmerksam machen könnte. Das ist natürlich ein wichtiges Anliegen, denn jährlichen werden tausende Menschen mit Hodenkrebs diagnostiziert und es ist die häufigste Krebsneuerkrankung bei Männern zwischen 25 und 45. Daher schlage ich Folgendes vor: Ich traumatisiere Sie nicht mit einem bebilderten Beitrag über Intimrasur-Experimente und Sie gehen trotzdem zum Urologen und lassen Ihre Testikel abtasten. (Und wenn Sie schon mal da sind, können Sie auch noch Ihre Prostata abchecken lassen.) Deal?

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Eine kleine Wochenschau | KW07-2022

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14. Februar 2022, Berlin

Valentinstag. Auf meiner morgendlichen Laufrunde begegnen mir sehr viele Männer, die mit Blumensträußen unterwegs sind. (Irrelevanter fun fact am Rande: Als Kind habe ich mich immer gewundert, wenn der Valentinstag an einem anderen Tag als Dienstag war. Das ergab für mich überhaupt keinen Sinn.)

Meine Frau und ich haben uns noch nie etwas zum Valentinstag geschenkt. Aber nicht, um dem kapitalistischen Konsumzwang die Stirn zu bieten und um mit selbstgefälligen Social-Media-Posts zu verkünden, dass wir nicht auf die perfiden Marketingmanipulationen der Schnittblumen- und Pralinenindustrie reinfallen. Nein, eher weil wir vergesslich sind. Außerdem haben wir Ende Januar unseren Jahrestag. Innerhalb von vierzehn Tagen zwei Mal unsere romantische Verbundenheit zu zelebrieren, erschiene mir doch etwas bemüht. Fast schon zwanghaft. Als müssten wir irgendetwas kompensieren. Deswegen lassen wir das mit Valentinstag.

Okay, um ehrlich zu sein, hat in unserer 25-jährigen Partnerschaft in mehr als der Hälfte der Jahre einer oder eine von uns nicht an unseren Jahrestag gedacht (meistens beide), so dass wir unsere romantische Verbundenheit gar nicht zelebriert haben. Zum Glück haben wir im Mai Hochzeitstag. Dann haben wir einen weiteren Tag, den wir vergessen können.

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Eine kleine Wochenschau | KW06-2022

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07. Februar 2022, Berlin

Ich starte in unsere jährliche Saftfastenwoche mit einer Tasse Tee. Heißer Holunder. Nach drei Schlucken habe ich kein Bock mehr auf Tee. Ich habe prinzipiell nichts gegen Holunder. Meine Haltung gegenüber Holunder würde ich als indifferent bezeichnen. Er ist mir schlichtweg egal. (Ohne zu googeln, weiß ich nicht einmal wie Holunder aussieht.) Aber normalerweise würde ich jetzt einen Kaffee trinken, der Körper und Geist aus dem Standby-Modus holt und mich in einen menschähnlichen Zustand transformiert. Da kann Holunder einfach nicht mithalten.

Koffein ist beim Saftfasten jedoch nicht erlaubt. Da haben die Saftfastengötter einen Riegel vorgeschoben. (Wie auch vor alles andere, was ein kleines bisschen Spaß machen würde.)

Also sitze ich auf dem Sofa, nippe an meinem Holundertee und versuche mir einzureden, dass er eigentlich doch ganz lecker ist. Das will mir aber nicht recht gelingen. Für so viel Phantasie, Selbstsuggestion und Selbstbetrug bräuchte ich erstmal eine ordentliche Ladung Koffein.

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