Familien-Gedöns der Woche (483)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW46-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


13. November 2023, Berlin

Für den Sohn ist heute ein schlechter und guter Tag zugleich. Schlecht, weil er Mathe schreiben muss. Aber trotzdem gut, weil es die letzte seines Lebens ist.

Für seine Mathelehrerin ist es ebenfalls ein guter Tag: Sie muss nie wieder eine Arbeit von ihm korrigieren.

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Eine kleine Wochenschau | KW46-2023 (Teil 2)

Teil 1


In unserer Wohnung hält sich eine dicke Fliege auf. Ich finde das ungewöhnlich für die Jahreszeit. Wobei ich gar nicht weiß, ob das tatsächlich ungewöhnlich ist. Schließlich habe ich keine Ahnung vom Lebenszyklus von Fliegen und weiß nicht, ob sie Winterschlaf halten, im Winter in den Süden fliegen oder einfach sterben, wenn es kälter wird. Oder sich zum Überwintern eine gemütliche Wohnung suchen.

Unsere Stubenfliege ist ziemlich groß. Und ziemlich laut. Und sehr anhänglich. Wo wir sind, ist auch die Fliege. Wenn wir abends auf dem Sofa sitzen und schauen Netflix, schwirrt sie durchs Zimmer. Vielleicht will sie so wie wir am Ende des Tages einfach ein bisschen abhängen und netflixen.

Sie hängt aber nicht einfach ein bisschen ab. Wir alle kennen diese nervige Person, mit der du nicht Fernsehschauen kannst, weil sie die ganze Zeit rumzappelt und pausenlos quatscht. Unsere Stubenfliege ist diese Person. Sie fliegt unablässig durchs Wohnzimmer und das ist so laut, dass wir Schwierigkeiten haben, unserer Serie zu folgen.

Das geht seit Tagen so. Ich frage mich, wie hoch die Lebenserwartung einer Stubenfliege ist. Meine Frau schaut bei Wikipedia nach. Sechs bis 70 Tage. Hoffentlich ist unser Exemplar keine Grönlandhai-Fliege und wird 500 Jahre alt.

Die Fliege begleitet uns nicht nur im Wohnzimmer. Gehe ich in die Küche, um mir einen Kaffee zu kochen, wer surrt um die Deckenlampe? Die Fliege. Begebe ich mich ins Bad, weil ich auf Toilette muss, wer fliegt vor dem Spiegel auf und ab? Die Fliege. Liege ich abends im Bett und lese noch ein bisschen, wer brummt durchs Zimmer? Genau, die Fliege. Wenn irgendwo ein Licht angeht, ist die Fliege nicht weit. Möglicherweise hat sie Angst im Dunklen.

Meine Frau hat eine andere Vermutung: „Vielleicht hat sie keine Freunde, ist einsam und will deswegen bei uns sein.“ Nun habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich mir gewünscht habe, die Fliege stirbt bald.

17. November 2023, Berlin

Heute ist Tag des hausgemachten Brotes. Ich dachte, damit hätten wir nach dem letzten Corona-Lockdown aufgehört.

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Meine Sportkopfhörer sind kaputt und ich muss neue bestellen. Da mein Modell nicht mehr hergestellt wird, werde ich nur noch bei eBay fündig. Es handelt sich aber um neue, originalverpackte Kopfhörer. Wer will schon gebrauchte In-Ear-Kopfhörer tragen? (Zumindest wollen erstaunlich viele Menschen bei eBay gebrauchte In-Ear-Kopfhörer verkaufen.)

Der Kopfhörer-Verkäufer firmiert unter dem Namen DealDon. Richtig vertrauenswürdig hört sich das nicht an. So ein bisschen nach Import-Export-Geschäften. DealDon ist auf den Verkauf von Handys, Video- und Audiogeräten sowie PC- und Videospiele spezialisiert. Das macht es nicht vertrauenswürdiger. Ich hoffe einfach, meine Kopfhörer sind nicht irgendwo vom Laster gefallen.

18. November 2023, Berlin

Ich treffe mich morgens um 7 mit J. zum Laufen im Grunewald. Die gute Nachricht: Ich habe vor dem Laufen daran gedacht, lange Hosen anzuziehen. Sogar Handschuhe. Die schlechte Nachricht: Es ist so kalt, dass ich trotzdem friere.

Sollten Sie diesen Blog regelmäßig lesen, wissen Sie, dass ich kein Mensch bin, der zu Übertreibungen neigt. Somit können Sie davon ausgehen, dass es sich um eine unumstößliche Tatsache handelt, wenn ich sage, dass noch nie jemand seit Menschengedenken so kalte Hände hatte wie ich, als ich nach dem Laufen mit dem Rad zurück nach Moabit fahre.

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Wir erhalten einen Brief von der Postbank. Das Sparbuch könne noch nicht aufgelöst werden. Die Unterschrift meiner Frau fehle noch und müsse nachgereicht werden.

19. November 2023, Berlin

Der Sohn hat heute einen wichtigen Tag: Er hat Dan-Prüfung. Ich kann mich noch erinnern, wie er mit vier Jahren seinen ersten Judo-Anzug bekam und als blond gelockter Zwerg Rollen vorwärts und rückwärts übte. Heute ist er 17 und muss für eine der Prüfungsaufgaben seinen Partner mit ausgestreckten Armen quer über seinem Kopf halten und ihn dann auf die Matte werfen.

Dass der Sohn mit Judo anfing, hing damit zusammen, dass er als kleiner Junge eine sehr ausgeprägte Vorstellungskraft hatte. Auf dem Heimweg von der Kita erzählte er immer von Monstern, wilden Tieren und bösen Menschen, die die Welt beherrschen wollten, die er aber heroisch niedermetzelte. Quasi wie ein vierjähriger Witcher.

Seine Beschreibungen wiesen einen Detailgrad auf, der zwar für einen sehr umfangreichen Wortschatz für ein Kitakind sprach, aber gleichzeitig ein wenig bedenklich war. Davon abgesehen war der Sohn ein vollkommen friedfertiges Kind, schlug keine anderen Kinder und fiel auch nicht durch Vandalismus auf.

Irgendwann stand der Sohn aber im Streichelzoo vor einer Ziege und fragte, ob er sie töten dürfe. Da dachten wir, es wäre vielleicht gut, wenn er ein Ventil für seine Gewaltphantasien hätte. Schließlich wollten wir später nicht bedröppelt in eine RTL-Explosiv-Kamera schauen und sagen müssen, dass wir es uns absolut nicht erklären könnten, wie der Junge dazu kam, alle Nachbar*innen im Haus mit einer Machete zu massakrieren.

Also meldeten wir dem Sohn beim Judo an. Dort konnte er sich körperlich verausgaben, lernte Respekt und Disziplin, was ja nichts schaden kann, und gut für die Körperkoordination war es auch. Letzteres war nicht gerade seine Stärke. Er hatte zum Beispiel Schwierigkeiten, auf einem Bein zu hüpfen. Das Körperklausige hatte er wahrscheinlich von mir. Als Kind war ich körperkoordinativ eher herausgefordert. Vielleicht sollte ich mich auch beim Judo anmelden. Möglicherweise wird das beim TSV Gutsmuths im Bereich Senioren-Sport angeboten.

Schon als Fünfjähriger nahm der Sohn an seinen ersten Judoturnieren teil. Zunächst startete er mit einer niederschmetternden Niederlagenserie. Nach ungefähr einem Jahr stand seine Wettkampfbilanz bei 0:20. Der Sohn war quasi die Färöer-Inseln der Berliner Judo-Szene. Er kämpfte mit Einsatz und Engagement, bekam aber immer ordentlich auf die Mütze. Ich wollte schon nicht mehr mit auf die Turniere gehen, weil ich mir das Elend nicht anschauen wollte.

Eines Tages kam der Sohn dann mit meiner Frau von einem Turnier zurück und brachte vollkommen überraschend einen Pokal für den ersten Platz mit. Die größte Sensation der Sportgeschichte seit dem Sieg Griechenlands bei der Fußball- Europameisterschaft 2004.

Während die meisten anderen Kinder irgendwann zum Fußball, Handball oder Schwimmen abwanderten oder ihre Sport-Karriere ganz an den Nagel hängten, blieb der Sohn dem Judo treu. Zum einen lag das an seiner ersten Trainerin, die er abgöttisch liebte. Zum anderen an seinem jetzigen Trainer, für den er wortwörtlich über glühende Kohlen laufen würde und für den er Pferde stehlen würde, wenn er es von ihm verlangte. (Ich hoffe, dass er das niemals verlangen wird, denn was sollen wir in einer Stadtwohnung mit einem Pferd anfangen?)

Dass wir den Sohn beim Judo angemeldet haben, war sicherlich eine der besseren Entscheidungen von uns als Eltern. Er war vielleicht nicht der allererfolgreichste Judoka seiner Altersklasse, kann aber trotzdem eine sehr respektable Kinder-und Jugend-Wettkampfkarriere vorweisen. Mit zwei Berliner Einzel- und Mannschaftsmeisterschaften, einer Deutschen Vize-Mannschaftsmeisterschaft und einer Teilnahme bei der Deutschen Einzel-Meisterschaft dieses Jahr. Eine Ziege hat er auch nie getötet.

Und seit heute ist er Träger des 1. Dan.

Herzlichen Glückwunsch.
(Du musst trotzdem morgen den Müll runter bringen.)


Anstatt einem weißen, (mittel-)alten, heterosexuellen Mann Geld für das Sammeln und Zusammenstellen von Tweets zu spenden, ist es sinnvoller, Vereine und Gruppen zu unterstützen, die sich für die Überwindung gesellschaftlicher Probleme einsetzen. Daher poste ich künftig unter den Familien-Tweets nicht mehr den Spenden-Hut. Stattdessen können Sie ja vielleicht eine Kleinigkeit an Heimatstern e.V. überweisen. Oder eine Großigkeit.


Kann man kaufen. Muss man aber nicht. Wäre aber trotzdem schön. (Affiliate-Link)


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Familien-Gedöns der Woche (482)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW45-2023 (Teil 2)

Teil 1


09. November 2023, Berlin

1 Uhr. Das Festnetztelefon klingelt. Kein gutes Zeichen. Auf dem Festnetz rufen ausschließlich meine Eltern und meine Schwiegermutter an. Wenn die sich um diese Uhrzeit melden, sicherlich nicht, um gute Neuigkeiten zu überbringen oder um einfach mal so ein kleines Schwätzchen zu halten.

Bis meine Frau und ich richtig wach sind und zum Telefon gehen können, hört das Klingeln wieder auf. Ich möchte nicht ausschließen, dass wir beide darauf gewartet haben, dass der andere aufsteht. Oder in meinem Fall die andere. So wie früher, als die Kinder im Säuglingsalter nachts aufgewacht sind. Wobei die nie von allein aufgehört haben zu weinen. Da kannst du das Ich-beweg-mich-nicht-zuerst-Game nicht ewig spielen.

Es stellt sich raus, dass es die Tochter ist, die uns zu erreichen versucht. Nachdem sich niemand auf dem Festnetz gemeldet hat, ruft sie bei ihrem Bruder auf dem Handy an. Im Gegensatz zu uns ist der zu dieser späten – beziehungsweise frühen – Uhrzeit noch wach. (Im Gegensatz zu ihm legen wir tagsüber auch kein Mittagsschläfchen ein und müssen daher nachts auf unsere sieben Stunden Schlaf kommen.)

Die Tochter hat gerade Besuch von einer Freundin aus Deutschland. Die beiden waren in Dublin auf einem Louis-Tomlinson-Konzert. (Aufmerksamen Leser*innen fällt möglicherweise auf, dass die Tochter erst kürzlich auf einem Louis-Tomlinson-Konzert war. In Köln. Mit der gleichen Freundin. Sie hatten unabhängig voneinander die Tickets gekauft, um die andere zu überraschen. Anstatt die Karten für eines der Konzerte zu verkaufen, beschlossen sie, beide zu besuchen.)

Nun haben sie ein Problem: Der letzte Bus nach Carlow ist ihnen vor der Nase weggefahren. Beziehungsweise der Busfahrer hat nicht gehalten, obwohl sie an der Haltestelle standen.

Der nächste Bus fährt erst um 5 Uhr in der Früh und die Tochter muss morgen zur Uni. Daher fragt sie uns, ob sie bei Bolt ein Auto bestellen darf. (Wir haben dort ein Gemeinschaftskonto, bei dem unsere Kreditkarte hinterlegt ist. So käme die Rechnung bei uns an.) Das kostet bestimmt einen dreistelligen Betrag. Womöglich sogar mit einer zwei vorne.

Wir erlauben es ihr trotzdem. Schließlich möchtest du als Eltern nicht, dass dein Kind die ganze Nacht in Dublin abhängt. Außerdem müssen wir uns dann keine Gedanken mehr über ihr Weihnachtsgeschenk machen.

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Auf Spiegel Online stolpere ich über die Überschrift: „Konnten schon die Urmenschen Auto fahren?“ Mich würde das nicht wundem. Einige von ihnen scheinen mir heute noch im Straßenverkehr unterwegs zu sein. (Manche auch auf dem Fahrrad und nicht wenige auf E-Scootern.)

10. November 2023, Berlin/Köln

Ich gehe im Bahnhof an einem Stand der Welthungerhilfe vorbei. Ein junger Mann mit akkurat gestutztem, schwarzem Bart und in blauer Welthungerhilfe-Weste versperrt mir den Weg und spricht mich mit den Worten „Sie sehen nett aus.“ an. Da täuscht er sich allerdings, denn ich weiche ihm aus, ohne abzubremsen.

Da ich aber zumindest ein bisschen nett bin, sage ich wenigstens: „Nein, danke.“ Das passt nicht zu seiner Aussage, aber ich finde es höflicher als „Ich möchte das nicht.“ Oder als „Verpiss dich, du Arschgeige.“ Dann doch lieber: „Nein, danke.“

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Als ich auf meinen Zug warte, ertönt eine Lautsprecherdurchsage. Im Bahnhof trieben sich organisierte Bettel-Gruppen herum und man solle ihnen nichts geben und auf seine Wertsachen aufpassen. Im gleichen Moment kommt eine ältere Dame von der Bahnhofsmission mit einer Spendendose auf den Bahnsteig. Ob sie mit der Durchsage gemeint ist?

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Im Zug sitzt neben mir ein junges Pärchen. Er ist 23, sie 20. Sie planen ihren Sommerurlaub für nächstes Jahr und versuchen Flüge nach Thailand zu kaufen. Sie können sich nicht einigen, ob sie mit oder ohne Sitzplatzreservierung buchen sollen, wo sie sitzen wollen (Fenster oder Gang) und wann sie losfliegen wollen (morgens oder abends).

Nachdem sie die Flüge gebucht haben, geht es um die Unterkunft. Es stehen Wellness-Hotels und Hostels zur Auswahl. Etwas überraschend, ist er für Wellness, sie dagegen für die Low-Budget-Variante. Letztere lehnt er ab mit der Begründung, dafür verdiene er inzwischen zu viel. Das klingt ein wenig arrogant, aber ich verstehe sehr gut, was er meint.

Schließlich besprechen sie noch, was sie in Thailand unternehmen wollen. Anscheinend ist es ihr erster gemeinsamer Urlaub, denn sie stellen fest, dass er gerne chillt, sie aber lieber Sachen unternimmt. Vielleicht sollten sie einfach nicht zusammen Urlaub machen. Wobei es mich auch nicht wundern würde, wenn sie bis Sommer nächstes Jahr nicht mehr zusammen sind.

11. November 2023, Köln

Start der Karnevals-Session. Es ist 9.30 Uhr und vor einer Kneipe gegenüber von meinem Hotel hat sich schon eine 50-Meter-Schlange gebildet. In einer Seitenstraße diskutieren ein Hase und ein Teletubbie, wo sie noch frühstücken können. Sie wirken bereits leicht derangiert und ich möchte nicht ausschließen, dass sie 11.11 Uhr nicht mehr erleben.

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In der Kneipe, in der wir immer feiern, sind irgendwann alle Herren-Toiletten verstopft. Wir müssen einen Toilettenwagen neben der Location benutzen. Der Türsteher erklärt, wir kämen wieder rein mit dem Passwort „Toyota Corolla“.

Ein sehr spezielles Passwort, finde ich. Speziell für jemanden wie mich, der sich mit Autos überhaupt nicht auskennt. Ich frage den Türsteher, ob ich später auch mit dem Passwort „Toyota“ wieder passieren dürfe. Oder mit „Corolla“. Wir reden so lange, bis er meint, ich käme auch so wieder rein, weil er sich mein Gesicht gemerkt hätte. Ich bin mir nicht sicher, ob das ein gutes Zeichen ist.

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Um halb eins gehe ich zurück ins Hotel. Auf dem Heimweg hole ich mir in einem Asia Imbiss noch etwas zu essen. Die Anstehsituation in dem Laden ist etwas unübersichtlich. Ein junger Mann fragt mich: „Sie waren vor mir, oder?“

Warum siezt mich der Lümmel? Wahrscheinlich weil ich so alt bin, dass ich sein Vater sein könnte. Da ich das nicht vertiefen möchte, sage ich lediglich: „Ich glaube ja.“

12. November 2023, Köln/Berlin

Rückreise nach Berlin. Mein Zug fällt aus und ich muss eine alternative Verbindung nehmen. Ohne Reservierung muss ich im Gang sitzen. Mir gegenüber hockt ein junger Mann von Anfang 30, der ein Krisentelefonat mit seiner Frau oder Freundin führt. Er spricht Englisch mit osteuropäischem Akzent.

Seinem Gesprächsanteil entnehme ich, dass er gestern irgendetwas Doofes getan hat, wofür er sich entschuldigt. Immer wieder. Er will alle seine Termine nächste Woche absagen, um sie zu sehen. Sie scheint nicht überzeugt zu sein und er schlägt es ihr mehrmals vor.

Er bittet sie außerdem, ihm zu erklären, warum sie gestern so verärgert war. Mich würde langsam wirklich interessieren, was er gemacht hat. Eine Verabredung platzen lassen, Geld verspielt oder mit einer anderen Frau rumgemacht? Ich bin kurz davor, ihn zu bitten, dass er sein Telefon laut stellt, damit ich der Unterhaltung besser folgen kann. Am Flughafen Frankfurt steigt er aus. Ich werde nie erfahren, was gestern vorgefallen ist und ob der Mann seine Beziehung retten kann.


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Eine kleine Wochenschau | KW45-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


06. November 2023, Berlin

Auf der Straße kommt mir ein hünenhafter Mann entgegen. Fast einen Kopf größer als ich, breitschultrig und seine Oberarme haben den Umfang von Honigmelonen. Mit seinem finsteren Blick und seinem schwarzen, langen Bart wäre er die ideale, wenn auch sehr klischeehafte Besetzung für einen Clan-Chef in einem Tatort.

Was ihm ein wenig die Bedrohlichkeit nimmt, ist der Umstand, dass er in einem Arm einen 1,50 Meter großen Teddybären trägt und in der anderen Hand einen Elsa-Luftballon.

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Familien-Gedöns der Woche (481)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW44-2023 (Teil 2)

Teil 1


02. November 2023, Berlin

An einem Stromkosten an der Straßenecke hängt ein in Rot gehaltenes Veranstaltungsplakat des Museums Europäischer Kulturen. „Läuft. Die Ausstellung zur Menstruation.“

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Bei Alnatura wünscht mir der Kassierer zum Abschied gute Besserung. Das ist einerseits sehr höflich, wirft aber andererseits die Frage auf, wie fertig ich aussehen muss, dass er davon ausgeht, dass ich krank bin.

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Meine Frau ist seit gestern erneut auf Dienstreise. Ich komme mir vor wie eine Hausfrau in einer 80er Jahre Vorabendserie, die allein zuhause ist, während ihr Mann geschäftlich unterwegs ist. Ich bin quasi Maria Sebaldt in „Die Wicherts von nebenan“.

Diesmal hat ihre Dienstreise einen deutlich höheren Glamour-Faktor als Halle. Sie ist in Barcelona auf einer Antirassismus-Konferenz, die von der spanischen EU-Ratspräsidentschaft gemeinsam mit der Europäischen Kommission, der EU Agency for Fundamental Rights und dem EEA and Norway Grant ausgerichtet wird. Sie ist also nicht nur glamourös, sondern auch für die gute Sache unterwegs.

Wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass Geschäftsreisen nie besonders erquicklich sind. Egal wie attraktiv das Reiseziel ist. Als ich noch als Angestellter bei einer internationalen PR-Agentur gearbeitet habe, war ich im Laufe der Jahre relativ viel unterwegs. Unter anderem in London, Paris, Brüssel, Helsinki, Brügge, Madrid, Zürich oder Moskau.

Die Trips liefen meistens nach einem ähnlichen Muster ab: Abends kommst du am Flughafen an, fährst mit dem Taxi oder den Öffis ins Hotel, den nächsten Tag hast du ab frühmorgens Meetings, Workshops oder Fortbildungen in einem seelenlosen Konferenzraum – überraschend häufig ohne Fenster – und wenn du das überstanden hast, gehst du mit Menschen zu Abend essen, mit denen du normalerweise nicht deine Freizeit verbringen würdest. Denn folgenden Tag gibt es weitere Sitzungen in sauerstoffdeprivierten Räumen, bevor es am Abend zurück zum Flughafen und schließlich nach Hause geht.

Von daher bin ich ganz froh, nicht in Barcelona sein zu müssen, sondern wie eine zurückgelassene Hausfrau auf dem Sofa zu sitzen und Netflix zu schauen.

03. November 2023, Berlin

8.30 Uhr. Meine Laufuhr zeigt für heute schon acht Intensitätsminuten an. Ich frage mich, wo die herkommen. Keine meiner bisherigen Aktivitäten würde ich als intensiv bezeichnen. Ebene habe ich Wäsche gemacht.

Vielleicht falte ich so dynamisch T-Shirts, Hosen und Unterwäsche, dass mich das in die aerobe Belastungszone treibt. Oder mein sonstiges Lauf- und Krafttraining ist so lasch, dass für meine Uhr jedwede meiner Tätigkeiten als High-Intensity-Trainingseinheit gilt. Zum Beispiel „Brot schmieren“, „Einkaufsliste schreiben“ oder „Atmen“. Egal, Hauptsache die Uhr denkt, ich habe Sport gemacht.

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Für meine Frau beginnt der Morgen mit einer unangenehmen Überraschung. Sie dachte, der heutige Konferenztag bestünde, so wie gestern, aus Podiumsveranstaltungen, die sie sich passiv anhört. Stellt sich aber raus, dass es heute Regierungsrunden gibt. Da meine Frau die einzige Vertreterin aus dem Ministerium ist, muss sie nun quasi die Bundesregierung und deren Antirassismus-Aktivitäten auf internationaler Bühne repräsentieren. Sie ist quasi Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Lisa Paus in einer Person.

Mein Vormittag besteht dagegen daraus, dass ich ein TikTok-Rezept für Käsekuchen-Muffins nachbacke. So tragen wir beide dazu bei, dass die Welt ein etwas besserer Ort wird. Da ich die Käsekuchen-Muffins allein esse, verbessere ich allerdings lediglich meine eigene Welt. Aber, hey, irgendwo musst du anfangen.

04. November 2023, Berlin

Heute ist Blogfamilia. Ein bisschen wie eine Band Reunion mit Alu von Große Köpfe, Lisa von Stadt Land Mama und Janni von Ich bin dein Vater. Wobei der letzte Beitrag auf Ich bin dein Vater vor mehr als zweieinhalb Jahren erschienen ist. Korrekter müsste es vielleicht Janni von Janni heißen.

Dieses Jahr habe ich mich bei der Vorbereitung rausgehalten, abgesehen vom Drucken der Namensschilder, aber mich bereit erklärt, vor Ort zu helfen. Einerseits aus Verbundenheit gegenüber den anderen, andererseits weil die Blogfamilia im Amrit stattfindet. Für kostenloses indisches Essen drucke ich gerne Etiketten aus und mache für ein paar Stunden den Grüßaugust.

Abends gehen wir noch etwas trinken. Ich bestelle einen Lillet Wild Berry, der Kellner will mein Glas dann aber Lisa geben und mir ihren Gin Tonic. Ich muss anscheinend an der Männlichkeit meiner Getränkeauswahl arbeiten.

05. November 2023, Berlin

Ich bekomme eine Kooperationsanfrage für meinen Blog. Ein Laszlo E. fragt an, ob es möglich sei, einen Gastbeitrag bei mir zu veröffentlichen. Der müsse gar nicht auf der Startseite erscheinen und auch nicht an Abonnenten verschickt werden. Eine Bewerbung sei ebenfalls nicht nötig. Der Beitrag müsse lediglich einen Link zu seiner Seite beinhalten.

Ich schaue mir die Seite an. Sie wirbt damit, Deutschlands größtes Erotikportal zu sein. Eine Plattform mit mehr als 15.000 Frauen und Bordellen. Blog-Kooperationen werden häufig mit kostenlosen Produkten, Gutscheinen oder Rabatt-Codes bezahlt. Ich denke, das scheidet in diesem Fall wohl aus.


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Eine kleine Wochenschau | KW44-2023

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


30. Oktober 2023, Berlin

11 Uhr. Kontrolle der Rauchmelder. Der Schornsteinfeger geht durch die Zimmer und drückt mit einer langen Stange gegen die Melder. Wenn sie piepen, ist alles in Ordnung, wenn nicht, weiß ich nicht, was passiert, denn unsere Melder piepen alle vorschriftsmäßig.

Im Wohnzimmer weise ich ihn darauf hin, er solle etwas vorsichtig sein, da der Melder mal runtergefallen sei. Dass ich ihn erst heute früh wieder angeklebt habe, verschweige ich. Der Schornsteinfeger fragt, wie das passiert sei. Ich fange an auszuführen, der Sohn habe eine Silvesterparty gefeiert. Bevor ich weitererzählen kann, was genau vorgefallen ist, sagt der Schornsteinfeger: „Alles klar, dann hat der Melder wenigstens funktioniert.“

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Familien-Gedöns der Woche (480)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, das beste Familien-Gedöns der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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