Föhr 2018 – Tag 3: Die Offenbarung der Camping-Wecken

Es ist 8.30 Uhr und ich hechle seit einer halben Stunde kurzatmig hinter Beach Body her. Der hatte mich kurz vor acht mit den Worten „Wer rastet, der rostet.“ aus dem Bett geworfen und mir dann auf der Straße mitgeteilt, heute sei der ideale Tag für eine schnuckelige 12er-Einheit. Ich hatte starke Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Aussage und fand außerdem, dass das Wort ‚schnuckelig‘ kein angemessenes Adjektiv zur Beschreibung eines Zwölf-Kilometer-Laufs ist. Beach machte aber nicht den Eindruck, dass er sich auf irgendwelche semantische Diskussionen einlassen wollte, und daher lief ich ohne Widerworte los.

Heute joggen wir nicht auf der Strandpromenade, sondern entlang der L214, die von Wyk in Richtung Alkersum führt. Der Meerblick hätte sich eher leistungsmindernd auf meine Performance ausgewirkt, so Beach Bodys Begründung für die heutige Route. Eine ablenkende Aussicht gibt es heute tatsächlich nicht. Wir laufen hauptsächlich an Feldern, landwirtschaftlichen Betrieben sowie Vieh- und Pferdeweiden vorbei. Es riecht ein wenig streng.

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Föhr 2018 – Tag 2: Tag am Meer. Oder: Das Leben der Anderen

Es ist kurz nach acht, als ich aufwache. Mein Mund ist so trocken, dass die Wüste Gobi dagegen als Feuchtbiotop gelten kann. Ich gehe in die Küche, um eine Glas Wasser zu trinken. Am Esstisch sitzt Beach Body und lutscht an einer Stange Sellerie.

„Schön, dass der Herr Langschläfer auch mal gedenkt, aufzustehen“, begrüßt er mich und schaut missbilligend auf die Wanduhr.

„Hast du schon mal etwas von Urlaub gehört?“, frage ich ihn knurrig.

„Hast du schon mal etwas von Aktiv-Urlaub gehört?“, fragt Beach Body zurück.

„Nein, habe ich nicht und möchte ich auch nicht“, antworte ich genervt. „Außerdem beantwortet man Fragen nicht mit Gegenfragen.“

Morning has broken! #schoenefoehrien #werbungdaortsnennung #nomoney #whatapity

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Föhr 2018 – Tag 1: Der mit dem Beachbody rennt

Es ist ungefähr halb acht, als ich langsam meine Augen öffne. Oder es versuche. Das geht nur so mittelgut. Der gestrige Anreisetag und das Schleppen der schweren Koffer, Rücksäcke und Taschen hängt mir anscheinend noch in den Knochen. Und das viele Essen im Magen.

Allerdings ist heute Montag und Montag ist Lauftag. Klingt komisch, ist aber so. Wie jedes Jahr habe ich mir vorgenommen, im Urlaub jeden zweiten Tag laufen zu gehen. Man (d.h. ich) möchte am Strand ja eine gute Figur machen. Oder zumindest keine ganz schlechte. Also, zumindest wäre es schön, wenn ich mein T-Shirt ausziehe, dass es dann unter den anderen Strandbesuchern nicht zum Gruppenkotzen kommt. So eitel bin ich dann doch.

Andererseits bin ich heute früh doch ziemlich gerädert. Vielleicht ein göttliches Zeichen, lieber nicht laufen zu gehen? Aber wer am Vortag Vollkorn-Stullen, Schoko-Bons, Erfrischungsstäbchen, Gummibärchen, Kuchen, Raffaelos, Bockwurst und ein paar Krabben mit Sour Cream gegessen hat, der kann am nächsten Tag auch laufen. Was für eine unsinnige Aussage. Wer am Vortag Vollkorn-Stullen, Schoko-Bons, Erfrischungsstäbchen, Gummibärchen, Kuchen, Raffaelos, Bockwurst und ein paar Krabben mit Sour Cream gegessen hat, der muss am nächsten Tag hauptsächlich verdauen und ist viel zu schlapp, um zu laufen. (Stichwort „Völlegefühl“) Weiterlesen

Föhr 2018 – Anreise: Erfrischungsstäbchen. Reiseproviant des Grauens

Anreisetag. Es ist 5.30 Uhr und ich wache eine halbe Stunde vor dem Weckerklingeln auf. Der Morgen begrüßt mich mit einer Mischung aus Aufregung, Übelkeit und einem pelzigen Geschmack auf der Zunge, als hätte in meinem Mund eine Frettchenfamilie genächtigt. Nach einem ersten Kaffee erreiche ich ein Stadium der Menschwerdung, das es mir ermöglicht, ins Bad zu gehen.

In der Dusche lasse ich mir warmes Wasser über meinen Kopf und Körper laufen. Fast eine Viertelstunde. Gewissermaßen vorbeugend für die nächsten drei Wochen. Man weiß ja nie so genau, was die sanitären Einrichtungen in Ferienwohnungen zu bieten haben. Nicht auszuschließen, dass aufgrund niedrigen Wasserdrucks der Duschstrahl dort tröpfelt wie ein Rentner mit vergrößerter Prostata und ich werde dann kaum in der Lage sein, mir das Shampoo aus dem Haar zu spülen.

Anschließend gehe ich in die Küche und trinke einen weiteren Kaffee, durch den ich ein Stadium der Menschwerdung erreiche, das es mir ermöglicht, Stullen für die Reise zu schmieren.

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Föhr 2018 – Vorbereitung: Wenn dir das Leben Eier und Milch gibt, mach Pancakes daraus

Morgen geht er endlich los: der Familienurlaub. Und diesmal für ganze drei Wochen. Ein Luxus, von dem wir uns maximale Erholung und Entspannung versprechen. Denn sonst ist es doch meistens so, dass die erste Urlaubswoche wie im Flug vergeht und dann überlegt man ab Montag, ob die Butter noch bis zum Ende reicht (meistens nicht), ob die Kinder sich daran stören, wenn sie am letzten Tag die Cornflakes ohne Milch essen müssen (meistens ja), und ob es sich lohnt, noch ein neues Glas Nutella zu kaufen (immer ja). Wenn man sich erstmal mit der Rationierung der Lebensmittel beschäftigen muss, ist der Urlaub gefühlt fast schon rum, und diese Erkenntnis ist für die Erholung ein schwerer Schlag.

Daher beschlossen wir nach unserem letzten Sommerurlaub, dass wir diese Jahr für drei Wochen wegfahren. Die ganze Familie war von dieser Idee begeistert. Alle außer dem Konto, das mahnend mit dem Kopf wackelte. Im engeren Sinne ist das Konto zwar kein Familienmitglied, aber bei familiären Entscheidungen von größerem finanziellen Ausmaß hat es ein Vetorecht. Das schränkte die Wahl unseres Urlaubsortes ein wenig ein. Weit entfernte Ziele, die zwar gutes Wetter garantieren, aber eine Anreise per Flugzeug sowie das Mieten eines Leihwagens erfordern, schieden aus.

Somit fiel unsere Wahl auf Föhr, da die Insel von Berlin aus gut mit dem Zug und der Fähre zu erreichen ist. Außerdem wird dort kein Auto benötigt, sondern wir könnten uns einfach Fahrräder leihen. Der Sohn war von unserer Entscheidung nur mäßig begeistert, hatte ihm doch eher ein dreiwöchiger All-Inclusive-Urlaub irgendwo am Mittelmeer vorgeschwebt. (Ein Gedanke, bei dem das Konto ein leichtes Stechen in der Herzgegend verspürte.)

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Gespräche mit dem Tod (12): Der Geburtstag

Es ist Samstagabend kurz vor Mitternacht. Ich stehe in der Küche und räume den Geschirrspüler aus, als es plötzlich an der Wohnungstür klopft. Zu dieser späten Stunde erwarte ich eigentlich keinen Besuch. Und Besuch, der zu so später Stunde kommt, möchte ich eigentlich auch nicht erwarten.

Das Klopfen, das zögerlich begann, wird allmählich energischer. Verärgert öffne ich die Tür. Im Hausflur steht eine hagere Gestalt, die in eine modrige Kutte gehüllt ist und in der rechten Hand eine große Sense hält. Meine Miene hellt sich auf. Es ist mein Freund, der Tod. Er scheint außer Atem zu sein.

„Gerade noch rechtzeitig“, keucht er zur Begrüßung.

„Wieso rechtzeitig?“, frage ich.

Der Tod räuspert sich und fängt an, aus voller Kehle zu singen: „Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst.“

Sein Vortrag besticht durch Leidenschaft, aber weniger durch das Treffen der richtigen Töne. Schnell ziehe ich ihn in die Wohnung, bevor sich die Nachbarn wundern, warum der Tod mitten in der Nacht in unserem Haus Geburtstagsständchen zum Besten gibt.

Der Tod.

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Familien-Tweets der Woche (132)

Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist der Auswahlprozess gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Griechenland 2016 – Vorbereitung (1): Von Mittelfingern, Intellektuellen-Who-is-Whos, wirtschaftlichen Problemen und Oliven

Noch zwei Tage, dann ist es wieder so weit: Der alljährliche Familienurlaub. Diesmal leider ohne unsere Freunde aus Bonn. Diverse Bauernhof-Aufenthalte, Judo-Camps sowie Besuche bei Großeltern ließen sich nicht so koordinieren, dass wir zwei gemeinsame Wochen zum Verreisen finden konnten. Und unsere Anträge bei den jeweiligen Kultusministerien, die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen und Berlin auf zehn Wochen auszudehnen, wurden aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnt. Bürokratische Kleingeister! Da muss sich dann auch niemand wundern, wenn die Politikverdrossenheit steigt und die Wahlbeteiligung sinkt.

Nach vier Jahren Bretagne- oder Nordseeurlauben wollen wir dieses Jahr endlich mal wieder Sonne satt haben. Wir wollen am Strand brutzeln wie die gleichnamigen Würstchen und testen, was die Sonnencreme mit dem Lichtschutzfaktor 50 taugt, die wir schon vor Jahren für teures Geld erworben haben, aber nie benutzen mussten.

Strandurlaub. Symbolbild.

Strandurlaub. Symbolbild.

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Das Bloggen der Anderen (41)

Beim Herumtreiben in der Blogosphäre stoße ich immer wieder auf viele interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen. Aufgrund des (schon etwas zurückliegenden) Urlaubs ist die Auswahl diesmal etwas ausführlicher und teilweise auch schon etwas älter. Aber auf jeden Fall lesenswert. Viel Spaß!

  • In manchen Bundesländern hat die Schule schon wieder angefangen, aber einige Eltern fahren vielleicht demnächst mit dem Auto in den Urlaub oder machen sich auf die Rückreise. Hilfreiche Tipps, wie man die stundenlangen Fahrten mit dem irgendwann nicht mehr ganz so lieben Nachwuchs übersteht, gibt es bei ‚Mama arbeitet‘ und bei ‚Frau Mutter‘.

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Ferien-Blogparade: Männer, die auf Neuwagen starren

Séverine hat auf ihrem lesenwerten Blog mit dem überaus schönen Titel „Mama on the Rocks“ zu einer Blogparade über die schrägsten Ferienerlebnissen aufgerufen. Da bin ich selbstverständlich gerne dabei. Wer meine Ferientagebücher kennt, weiß das bei uns im Urlaub immer sehr viele skurrile Dinge passieren. Daher fiel die Entscheidung für ein bestimmtes Ereignis gar nicht so leicht. Habe mich schließlich für eine Anekdote aus unserem Bretagne-Urlaub 2012 entschieden, den wir gemeinsam mit unseren Freunden aus Bonn mit ihren drei Kindern verbracht haben. Das komplette Bretagne-Ferientagebuch gibt es hier. Viel Spaß beim Lesen!

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