Eine kleine Wochenschau | KW41-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


11. Oktober 2021, Westerburg

Nachmittags flanieren mein Vater, der Sohn und ich durch Westerburg. Ein Drei-Generationen-Spaziergang gewissermaßen. Ich möchte schauen, was sich seit unserem letzten Besuch vor knapp zwei Jahren alles verändert hat.

Ein neuer Rewe wurde eröffnet. Nach einem unfassbar langwierigen Planungs-, Genehmigungs-, Einspruchs- und Bauprozess, der sich so lange hingezogen hat, dass der Berliner Flughafen als Best-Practice-Beispiel für gelungene Projektplanung und Bauorganisation gelten kann.

Dem Sohn fällt ein kleiner Imbissladen auf. Nicht wegen des kulinarischen Angebots, sondern aufgrund des Namens. Der lautet irgendwie naheliegenden, aber für Westerwälder Verhältnisse doch originell „Westerburger“. Burger nehmen allerdings nur einen verschwindend geringen Teil der Speisekarte ein, die hauptsächlich von Dönervariationen und Pizzen dominiert wird. Aber „Westerburger“ klingt einfach besser als „Wester-Döner“ oder „Wester-Pizza“.

Ansonsten hat sich in Westerburg nicht sonderlich viel getan. Eher im Gegenteil. Die Zahl der leerstehenden Ladengeschäfte ist in den letzten Jahren nochmal stark angestiegen und größtenteils liegt das wahrscheinlich nicht mal an Corona. An dem ein oder anderen leeren Geschäft bleiben wir stehen und ich erzähle dem Sohn, was da früher drin war und was wir dort gekauft haben. Ein unvergesslicher „Vaddi erzählt vom Krieg“-Moment für den Sohn.

Weiterlesen

Eine kleine Wochenschau | KW40-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


04. Oktober 2021, Berlin

An einem Baum in der Parallelstraße hängt ein Zettel:

„Meine beiden Wellensittiche (blau und gelb) sind vor 2 Wochen weggeflogen. Hat Sie jemand gesehen? FINDERLOHN!“

Ich habe keine besonderen ornithologischen Kenntnisse und ich möchte den Vogelbesitzer oder die Vogelbesitzerin nicht entmutigen, aber ich habe große Zweifel, dass zwei Wellensittiche, die ihr ganzes Leben in einem Käfig verbracht haben, noch nie nach Futter suchen mussten und denen das Konzept „Fressfeinde“ vollkommen fremd ist, 14 Tage in Berlin überleben.

Das ist so, als würde ich im Dschungel ausgesetzt und wäre ganz auf mich allein gestellt. Da wäre ich spätestens nach der ersten Nacht tot. Gefressen von einem wilden Tier. Oder von einem vollkommen unwilden Tier. Einem Schmetterling oder so. Der sich eigentlich ausschließlich von Pflanzennektar und Morgentau ernährt und mich nur frisst, um mir zu zeigen, was für ein Lappen ich bin, und um seinen Dschungelkollegen zu demonstrieren, das er auch ein harter Dude ist.

In diesem Sinne: Rest in peace, Wellensittiche, rest in peace!

Weiterlesen

Eine kleine Wochenschau | KW39-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


27. September 2021, Berlin

Sitze vormittags mit dem Sohn beim Orthopäden. Beim Judoturnier am Wochenende hat er sich irgendetwas am Knie zugezogen. Außerdem ist sein linker Daumen lädiert, auf Höhe des rechten Wangenknochens hat er einen blauen Fleck und die Lippe hat auch etwas abbekommen. So wie der Sohn aussieht, fühlt sich heute wahrscheinlich die CDU.

Der Orthopäde untersucht das Knie, mutmaßt, dass das Außenband überdehnt oder angerissen ist und ordnet ein MRT an. Ich bitte ihn, sich auch den Daumen anzuschauen Der Sohn kann keinen Stift halten, was blöd ist, weil er Linkshänder ist, was noch blöder ist, weil er diese Woche drei Arbeiten schreiben muss. Daher bitte ich um ein Attest, weil das bei den Lehrer:innen wahrscheinlich mehr Eindruck macht, als ein von mir geschriebener Zettel.

Der Daumen sei wohl verstaucht, meint der Orthopäde und fragt den Sohn, ob er nicht auch mit rechts schreiben könne. Der Sohn antwortet, seine Schrift sei schon mit links nicht die allerleserlichste – was ein ziemlicher Euphemismus ist –, aber mit rechts sei sie gar nicht zu entziffern und eine Zumutung für die Lehrer. Als Arzt weiß der Orthopäde wahrscheinlich nicht, was mit „unleserliche Handschrift“ überhaupt gemeint ist, stellt dann aber doch das Attest aus.

„Oben genannter Patient kann die nächsten 14 Tage nicht handschriftlich tätig werden.“

Weiterlesen

Eine kleine Wochenschau | KW38-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


20. September 2021, Berlin

Seit einigen Tagen haben wir eine kleine Fruchtfliegen-Plage in unserer Küche. Eigentlich dachte ich, der Herbst sei gar keine Fruchtfliegen-Saison, aber den Fruchtfliegen ist meine Unkenntnis über ihren Lebenszyklus egal und sie tummeln sich in großer Zahl bei uns und fliegen immer aufgeregt umher, sobald jemand den Mülleimer öffnet. Vielleicht ist ihnen jetzt draußen zu kalt und sie suchen bei uns nach ein wohliger Gemütlichkeit. Oder unsere Wohnung wird mal wieder im Insekten-Airbnb gefeaturet.

Meine Frau versucht mit fiebrigem Eifer, der Fruchtfliegen-Plage Herr zu werden. (Bzw. Herrin zu werden.) Die Fruchtfliegen mit hektischem Handwedeln zu vertreiben, hat nicht zum Erfolg geführt. Als nächstes hat sie die Obstschale ausgewaschen und eine spätreife Banane in einen Tupperbehälter verbannt. Den Fruchtfliegen gefallen diese Hygienemaßnahmen und sie haben noch ein paar Kumpels Bescheid gesagt, die jetzt auch in unserer Küche abhängen.

Weiterlesen

Eine kleine Wochenschau | KW37-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


13. September 2021, Berlin

Es ist 22 Uhr. Gegenüber vor dem Kloster streitet ein jugendliches Pärchen lautstark. Um was es genau geht, lässt sich nicht heraushören. So laut sind die beiden dann doch nicht.

Ich verstehe nur, dass die junge Frau wie eine springende Schallplatte immer wieder fragt: „Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby? Was machst du mit mir, Baby?“

Ich bin kurz davor, zu brüllen, dass Baby verdammt nochmal sagen soll, was er mit ihr macht, damit sie endlich aufhört. Baby nuschelt schließlich eine unverständliche Antwort, die mit „Walla“ endet.

Der Streit wird immer emotionaler und droht in Handgreiflichkeiten auszuarten. Von irgendwoher ruft ein Mann die beiden zur Räson. Daraufhin beschimpf das Pärchen den Mann aufs Übelste und zieht schließlich einträchtig von dannen. Es geht doch nichts über die gemeinschaftsstiftende Funktion eines gemeinsamen Feindes.

Leider werden wir, das heißt ich, nie erfahren, was Baby denn nun angestellt hat.

Weiterlesen

Eine kleine Wochenschau | KW36-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


06. September 2021, Berlin

Wichtige Erkenntnis zum Montag: Der Start in den Morgen, in den Tag, in die Woche verläuft eher suboptimal, wenn dir der volle Kaffeebecher aus der Hand rutscht und du die komplette Arbeitsfläche plus Kaffeemaschine, Wasserkocher und Aufbewahrungsdosen abwischen musst. Und das alles, bevor du deinen ersten Kaffee trinken konntest.

###

Heute ist Kampf-gegen-die-Prokrastination-Tag. Eine Information, die ich beim Surfen im Internet lese, während ich eigentlich eine Präsentation für einen Kunden erstellen müsste. Als Speerspitze der Prokrastinationsbekämpfung scheine ich nur bedingt geeignet zu sein.

Weiterlesen

Eine kleine Wochenschau | KW35-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


30. August 2021, Berlin

Meine Vermutung, dass unsere Wohnung bei einem Insekten-Airbnb gelistet ist, scheint sich zu bestätigen. Als ich morgens joggen gehen will, krabbelt eine monströse Spinne aus meinem Laufschuh. So eine Hausspinne mit kleinem Körper und dünnen Beinen. Wobei die Begriffe „kleiner Körper“ und „dünne Beine“ einen vollkommen falschen Eindruck von den Ausmaßen dieses Spinnen-Exemplars vermitteln. Die Spinne ist so groß, dass ich vermute, sie hat meinen Schuh anprobiert, um zu sehen, ob er ihr passt. (Wahrscheinlich war er ihr zu klein.)

Weiterlesen

Eine kleine Wochenschau | KW34-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


23. August 2021, Berlin

Wir liegen abends im Bett und lesen noch, als plötzlich irgendein Getier in meine Haare springt und von dort auf das Kopfteil des Bettes. Es ist ein Grashüpfer.

Was zur Hölle macht ein Grashüpfer in Berlin und dann auch noch in unserem Schlafzimmer? Grashüpfer gehören doch aufs Land, wo sie – wie es ihr Name sagt – im Gras rumhüpfen. Vielleicht macht er einen kleinen Städtetrip und es gibt ein Insekten-Airbnb, über das er sich bei uns eingemietet hat. So ein Insekten-Aribnb würde zumindest erklären, warum wir seit fast einer Woche nachts von einer Mücke heimgesucht werden, die uns unsere Gastfreundschaft dankt, indem sie uns zersticht.

Da der Grashüpfer keine Miete gezahlt hat, fange ich ihn mit einem Glas und schmeiße ihn aus dem Fenster. So läuft das in der großen Stadt.

Weiterlesen

Eine kleine Wochenschau | KW33-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


16. August 2021, Berlin

Hatte heute Nacht mal wieder einen bizarren Traum, in dem ich mir mit einem ungefähr 75- bis 80-jährigen Mann einen Boxkampf geliefert habe. So richtig im Ring mit kurzen Hosen, Handschuhen und Mundschutz. Der Greis war klein und schmächtig, aber ich hatte erschreckenderweise kein Problem damit, ihm immer wieder ins Gesicht zu boxen, bis er umgefallen ist. (Das macht den Traum sehr, sehr unrealistisch. Viel wahrscheinlicher wäre es, dass der Alte mich umboxt.)

Was will mir mein Unterbewusstsein mit diesem Traum sagen? Dass ich eine psychopathische Arschgeige bin, die es okay findet, schwächliche Senioren zu schlagen? Oder dass ich Angst vor dem Altern habe und es mit allen Mitteln bekämpfe?

Laut dem Ringrichter habe ich den Boxkampf gewonnen. Mit 7: 5, 6: 4. Mein Unterbewusstsein hasst also nicht nur alte Menschen, sondern hat auch keine Ahnung, wie Boxen funktioniert.

Weiterlesen

Eine kleine Wochenschau | KW32-2021

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


09. August 2021, Berlin

Erster Schultag nach den Ferien. Als der Sohn nachmittags nach Hause kommt, frage ich ihn: „Und, wie wars?“
„Gut.“
„Irgendwas Besonderes?“
„Nö.“

Alles wie immer.

###

Während in Berlin heute die Schule wieder losgeht, haben in Bayern und Baden-Württemberg die Sommerferien erst vor gut einer Woche angefangen. Als Kind habe ich immer davon geträumt, durch einen geschickten Umzug in den Genuss von zwölf Wochen Sommerferien zu kommen. Es war mir unverständlich, dass mein Vater nie auf diese Idee gekommen ist. Als Lehrer hätte er doch auch davon profitiert. Und noch mehr, wenn wir direkt nach den Sommerferien in das Bundesland gezogen wären, wo als nächstes die Herbstferien anfangen. Anscheinend fehlte ihm mein visionärer Weitblick.

Weiterlesen