Eine kleine Wochenschau | KW36-2022 (Teil 2)

Teil 1


09.09.2022, Berlin

Oops, they did it again! Die Käsenamen-Kreativen waren wieder aktiv. An der Käsetheke im Supermarkt gibt es eine neue Sorte: Das fruchtige Fränzle. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das besonders verkaufsfördernd ist. Wer möchte schon den Satz sagen: „Ich hätte gerne ein Stück von dem fruchtigen Fränzle.“

Zumindest der urige Hannes freut sich. Jetzt ist er nicht mehr der Käse mit dem bescheuertsten Namen.

10.09.2022, Berlin

Heute steht uns ein ereignisreicher Tag bevor. Die Tochter kommt aus Malmö zurück. Ihr Nachtzug kommt in Berlin mit 30-minütiger Verfrühung an. Ich weiß nicht, ob es das Wort Verfrühung überhaupt gibt. Wahrscheinlich nicht. Warum sollte es eine Bezeichnung für ein Phänomen geben, das so gut wie nie auftritt.

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Der Sohn hat heute wiederum Berliner U18-Einzelmeisterschaft. Im Gegensatz zum letzten Jahr sieht das nicht mehr so aus, als würde ein Kind gegen erwachsene Männer kämpfen. Eher nach Duellen auf Augenhöhe. Das ist für den Sohn natürlich schön. Für mich stellt sich aber die Frage, wie das überhaupt sein kann, wo er doch erst gestern seine Bärchen-Prüfung gemacht hat.

Der Sohn gewinnt zwei Kämpfe und verliert zwei. Damit wird er Siebter. Das ist nicht überragend, aber trotzdem ganz okay.

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Meine Frau geht abends zu Maximo Park in Huxley’s neuer Welt. (Ersteres ist die Band, zweiteres die Konzert-Location, falls sie sich gerade fragen, ob da grammatikalisch irgendetwas durcheinandergeraten ist.) Meine Frau ist eine begeisterte Konzertgängerin. Ich nicht. Ich habe immer Angst bei Konzerten auf unsympathische Menschen zu treffen und damit klarkommen zu müssen, den gleichen Musikgeschmack wie irgendwelche Arschgeigen zu haben. Außerdem werde ich bei der Vorstellung leicht nervös, in einer Masse von Menschen zu stehen, die gemeinsam singen und mit den Händen über dem Kopf im Rhythmus klatschen. Richtig nervös werde ich bei der Vorstellung, dass ich selbst mitsinge und -klatsche.

11.09.2022, Berlin

Ich habe heute Muskelkater. Weil ich gestern einen Halbmarathon gelaufen bin. Denn zur Marathonvorbereitung gehört nicht nur das langsame Dauerlaufen, sondern du musst auch einige Testwettkämpfe absolvieren. Um zu überprüfen, ob du gut im Training bist. Oder zumindest gut genug, um den Marathon zu überstehen und nicht mit dem Besenwagen über die Ziellinie befördert zu werden.

Glücklicherweise fand gestern der Berliner Vollmond-Marathon und -Halbmarathon statt. So konnte ich meiner Testwettkampf-Pflicht nachkommen. Ich hatte vorher ein bisschen Angst vor dem Lauf. Nicht vor der Distanz, sondern weil das immer eine recht überschaubare, fast schon familiäre Veranstaltung mit weniger als 100 Läufer*innen ist. Bestimmt treffen sich da jedes Jahr der Bernd und die Heike und der Michael und die Gabi und die freuen sich alle, gemeinsam zu laufen. Dieses Jahr würden sie sich dagegen wundern, wer der komische Typ ist, der ihre Laufgemeinschaft stört. Oder noch schlimmer: Sie begrüßen mich freundlich und wollen sich mit mir unterhalten.

Meine Angst war aber unbegründet. Zwar nahmen sogar nur 40 Läufer*innen teil, aber so richtig gut kannten die sich alle nicht. Es gab auch keine Bernds, Heikes, Michaels oder Gabis und ich wurde von niemandem angesprochen.

Die Strecke verlief größtenteils durch den Tegeler Forst und am Tegeler See entlang. Für Berliner Verhältnisse ist das wie in der freien Natur laufen. Die Idylle wurde lediglich durch die Mitläufer*innen und von ihrem Keuchen und Schnauben gestört. Und noch mehr von meinem eigenen Keuchen und Schnauben.

Der Lauf bot auch die ein oder andere Herausforderung. Zum einen zickte meine Laufuhr rum. Die ist schon ein bisschen älter – elf oder zwölf Jahre. Sobald ich mich nur 500 Meter außerhalb meines üblichen Bewegungsradius aufhalte, hat sie Schwierigkeiten, sich zu orientieren und die Distanzen richtig zu messen. Daher zeigte mir die Uhr während des gesamten Laufs Durchschnittsgeschwindigkeiten an, die entweder deutlich zu langsam oder deutlich zu schnell waren. (Körperlich fühlte es sich meistens nach zu schnell an.)

Zum anderen war die Veranstaltung zwar mit sehr viel Leidenschaft, Engagement und Herzblut organisiert, aber die Streckenmarkierungen waren eher semi-professionell und ließen ein wenig zu wünschen übrig. Nicht an jeder Abzweigung war es immer ganz eindeutig, wo es lang ging. Bereits irgendwo zwischen Kilometer drei und vier kam uns die Spitzengruppe entgegen. Die war einmal falsch abgebogen und weil wir alle stumpf gefolgt waren, mussten wir ein Stück zurücklaufen.

Das war besonders nervig, weil die Strecke ohnehin etwas länger als ein Halbmarathon war. 22,8, statt 21,0975 Kilometer. Das war ab Kilometer 21 recht demoralisierend, weil du die ganze Zeit dachtest, du wärst jetzt eigentlich schon fertig, musst aber fast noch zwei Kilometer überstehen. (Zumindest ich dachte so und weil ich egozentrisch genug bin, ging ich davon aus, dass die anderen genauso fühlten.)

Weil es nur so wenige Teilnehmer*innen gab, lief ich nach circa sechs Kilometern sechs im Prinzip allein. Die anderen waren entweder viel schneller oder deutlich langsamer. Gerade bei den Weggabelungen, wenn ich wieder überlegen musste, ob es rechts oder links weitergeht, wäre es ganz schön gewesen, jemanden an der Seite zu haben, mit dem ich mich hätte beratschlagen könnten.

Zwischen Kilometer 17 und 18 überholte mich aber ein Läufer, so dass ich nicht mehr solo unterwegs war. Das Vorhaben, mich an ihn ranzuhängen, gab ich sehr schnell auf. Es hatte schließlich einen Grund, warum er mich gerade überholt hatte. Er war schätzungsweise 25 Jahre jünger und vor allem schneller und mit mehr Ausdauer ausgestattet als ich. Aber ich konnte so gut mithalten, dass er in meiner Sichtweite blieb. Dadurch diente er mir als menschgewordenes Navi und ich musste nicht bei jeder Kreuzung nachdenken, wie die Strecke verläuft. Ich hoffte einfach, dass er sich nicht verläuft und wir wieder ein Stück zurücklaufen müssen. Sonst hätte ich entweder ihn oder mich umbringen müssen. (Wahrscheinlich eher mich, weil er ja schneller war und mir hätte weglaufen können.)

Im Ziel stoppte ich meine Uhr bei 2:02:27. Das war deutlich langsamer als ich mir erhofft hatte. Es stellte sich dann allerdings heraus, dass ich circa 800 bis 1.000 Meter mehr als die vorgesehenen 22,8 Kilometer gelaufen war. Kurz vor Schluss war der Läufer vor mir tatsächlich irgendwo falsch abgebogen, so dass wir eine ziemlich große Extraschleife hatten. (Zu seiner Verteidigung: Auch ohne ihn hätte ich exakt den gleichen Weg eingeschlagen.)

Meine Zeit reichte aber aus, um Siebter bei den Männern zu werden. (So wie der Sohn beim Judoturnier.) In meiner Altersklasse der 45-49-Jährigen wurde ich sogar Zweiter. Ein sportlicher Erfolg, der irgendwo zwischen meiner Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen 1985 – die einzige, die ich jemals gewonnen habe – und meinem Seepferdchen-Abzeichen anzusiedeln ist.


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Eine kleine Wochenschau | KW36-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


05.09.2022, Berlin

Heute ist Sei-spät-dran-für-etwas-Tag. Ich glaube, um das zu zelebrieren, braucht der Sohn keinen Ehrentag.

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Wir telefonieren mit der Tochter in Malmö. Sie erzählt, sie habe sich nach der Vorlesung mit einer Frau unterhalten, die schon seit fünfzehn Jahren studiert. An verschiedenen Unis und sie habe auch schon mehrere Abschlüsse, aber die Tochter ist trotzdem fassungslos. „Fünfzehn Jahre!“, wiederholt sie und reißt ihre Augen weit auf.

Bei uns in der Soziologie in Marburg gab es damals auch Studierende, die schon seit fünfzehn Jahren und länger studierten. Aber ausschließlich in Marburg und ohne bereits einen Abschluss zu haben. Und auch ohne Aussicht – und ohne Absicht –, bald einen zu machen. Das hatte auch sein Gutes: Mit meinem Diplom nach zwölf Semestern konnte ich mich wie ein Turbostudent fühlen.

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Eine kleine Wochenschau | KW35-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


29. August 2022, Berlin

Montagmorgen, 7.15 Uhr und ich mache den Supermann. Das heißt nicht, dass ich eine Unterhose über einem Gymnastikanzug trage, mir eine rote Tischdecke umgebunden habe und vom Sofa springe. Nein, Superman ist eine Übung zur Stärkung meiner Rückenmuskulatur. Du liegst dabei bäuchlings auf dem Boden, hebst die Beine an und streckst die Arme nach vorne. Das sieht ganz entfernt wie ein fliegender Superman aus. Mit sehr viel Phantasie. Vor allem wenn du noch nie einen Superman-Film gesehen hast.

Seit knapp vier Wochen mache ich regelmäßig Rückengymnastik. Aus Gründen. Nach unserem Urlaub wollte ich mich sportlich betätigen. Ein bisschen Fitnesstraining kann nicht schaden, dachte ich mir. Worauf das Fitnesstraining sagte: „Doch!“ Schon bei der ersten Übung – Kniebeugen mit Widerstandsbändern – schoss mir gleich bei der ersten Wiederholung ein stechender Schmerz in den Rücken, so dass ich die nächsten paar Minuten würdelos in Embryonalstellung auf dem Boden verbrachte.

Im Laufe des Tages und trotz ein paar 400er-Ibus wurde der Schmerz nicht viel besser. Dafür wurde mir das erste Mal richtig bewusst, für was du alles deine Rückenmuskulatur benötigst. Zum Einsteigen in die Dusche, zum Aussteigen aus der Dusche, zum Bücken, um die Beine abzutrocknen, zum Anziehen der Unterhose, zum Anziehen der Socken, zum Anziehen der Hose – nicht so sehr beim Anziehen des T-Shirts, aber nur obenrum bekleidet, wollte ich trotzdem nicht rumlaufen –, zum Hinsetzen, zum Aufstehen, zum auf Toilette gehen, zum Hinlegen, eigentlich für alles. Seit 47 Jahren schuftet meine Rückenmuskulatur tagein und tagaus und nie habe ich es ihr gedankt. Sorry, Rückenmuskulatur! Und danke!

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Eine kleine Wochenschau | KW35-2022 (Teil 2)

Teil 1


01. 09.2022, Berlin

Der Sohn hat heute Geburtstag. Seinen 16. Ein guter Anlass, um zum Frühstück Käsekuchen zu essen.

Seit Tagen beziehungsweise Wochen erzählt der Sohn, dass er an seinem Geburtstag eine Kiste Bier kaufen würde. Nicht weil er sie trinken möchte – zumindest nicht sofort –, sondern weil er es kann. Wobei er das vorher auch schon konnte. Zumindest in den Spätis, in denen sich niemand beim Verkauf von Alkohol mit der Kontrolle von Ausweisen belasten will.

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An meinen eigenen 16. Geburtstag kann ich mich noch gut erinnern. Ich trug damals eine rote Hornbrille, eine bordeauxrote Jeans und ein gemustertes Poloshirt mit bordeauxroten Farbelementen. Ich weiß nicht, ob das damals chic war. Wahrscheinlich nicht. Hört sich eher so an, als wäre es der Start einer langen Karriere von modischen Verfehlungen. Eigentlich war es aber eher die Fortsetzung. Mit 13 steckte ich immer meine Hosenbeine in die Socken, die ich wiederum mit meinen Schnürsenkeln zusammenband. Das war zu der Zeit in, sah aber trotzdem bescheuert aus. Wenn ich heute Bilder davon sehe, frage ich mich, ob meine Eltern damals ihre Aufsichtspflicht grob verletzten, als sie mich so rumlaufen ließen.

Gefeiert habe ich meinen 16. bei uns auf der Terrasse. Mit ungefähr 30 Freund*innen aus der Schule und der Ferienfreizeit, die kurz vorher zu Ende gegangen war. Meine Mutter hatte Unmengen an Chili con carne gekocht. Sin carne war Anfang der 90er noch nicht so gefragt. Zumindest nicht im Westerwald.

Zu trinken gab es Bier vom Fass. Mein Vater hatte eine 20-Liter- und ein 10-Liter-Fässchen besorgt. Mit einem Holzzapfhahn, den wir mittels eines Gummihammers in die Fässer schlugen. (Nie war ich dem Oktoberfest näher.) Zu Beginn der Feier ermahnte mein Vater uns, wir sollten das zweite Fass nur anstechen, wenn wir es auch leer trinken würden. Sonst stünde das Bier ab und würde nicht mehr schmecken.

Mit 16 hörst du bei mahnenden Worten deiner Eltern allerdings nicht so genau hin. Zu später Stunde schlugen wir daher das zweite Fass auch noch an und zapften ganze drei Gläser. Aber das hatte im Endeffekt auch sein Gutes: So hatten meine Eltern einen Tag nach meinem Geburtstag die Gelegenheit, spontan Freunde, Bekannte und Nachbarn zum Resteessen und -trinken einzuladen. Ich bin mir nicht allerdings sicher, ob meine Eltern das damals genauso positiv sahen.

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Da der Sohn unter der Woche Geburtstag hat und wir keine Terrasse haben, kann er keine Fete mit Chili und Fassbier feiern. (Ohnehin würde er keine Fete feiern, weil man das heute nicht mehr sagt.) Stattdessen gehen wir auf seinen Wunsch in ein Steakhaus.

Nachdem wir schon reichlich gegessen haben, bekommt der Sohn zum Nachtisch eine Creme Brûlée aufs Haus. Meine Frau und ich wollen dem Sohn nicht beim Essen zuschauen und bestellen uns New York Cheesecake. (Es ist ja auch schon mehr als zwölf Stunden her, dass wir Käsekuchen gegessen haben. Außerdem ist es schön, den Tag so zu beenden, wie du ihn begonnen hast. Zumindest wenn du Käsekuchen zum Frühstück hattest.)

Der Cheesecake wird mit Johannisbeeren und Karamellsauce serviert. Zumindest sieht das so das. Die Sauce schmeckt aber ein wenig säuerlich. Ein bisschen wie Balsamico-Essig. Für so avantgardistisch hatte ich das doch eher rustikale Steakrestaurant gar nicht gehalten. Das Ganze ist eher gewöhnungsbedürftig. Aber es ist immer noch Käsekuchen. Also esse ich ihn trotzdem auf.

Anschließend frage ich die Bedienung, was das für eine interessante Sauce gewesen sei. Salted Caramel, erklärt die junge Frau. Das könne ich definitiv ausschließen, erwidere ich, sie habe eher nach Balsamico geschmeckt. Dabei frage ich mich, ob das schon unter mansplainen fällt, was ich hier mache.

Die Kellnerin geht kurz in die Küche. Als sie zurückkommt, entschuldigt sie sich. Die neue Aushilfe in der Küche hätte heute ihren ersten Tag und habe versehentlich zur falschen Flasche gegriffen. Mit Blick auf unsere leer gegessenen Teller meint sie dann noch: „Vielleicht haben wir ja einen neuen Trend erfunden!“ Ich glaube eher nicht, behalte das aber für mich.

02. 09.2022, Berlin

Die Tochter ist seit letztem Samstag wieder in Schweden. Diesmal in Malmö, wo sie mit dem Studium angefangen hat. (In Stockholm war sie nur eine Art Gast-Studentin.) Eigentlich möchte sie lieber in Irland studieren. Da gibt es aber erst am 08. September die Rückmeldungen zu den Bewerbungen. So lange muss sie in Malmö zur Uni gehen, um ihren Studienplatz zu sichern.

Aufgrund ihrer ungewissen Aufenthaltsdauer in Malmö hat sich die Tochter für zehn Tage in einem Hostel einquartiert. In einem Vier-Bett-Zimmer. Das ist natürlich nicht gerade eine Traum-Schlafsituation. Aber als ich zum Studium nach London gegangen bin, habe ich auch eine Woche lang in einer Jugendherberge und sogar in einem Achter-Zimmer geschlafen. Im Bett neben mir lag ein nerviger Spanier, der alle, die ins Zimmer kamen, fragte: „Do you have time?“ Zu jeder Tages- und Nachtzeit. (Das ist so lange her, dass außer Wall-Street-Bankern noch niemand Handys hatte. Daher war der spanische Kollege auf Armbanduhr-Träger*innen angewiesen, die ihm die Uhrzeit mitteilen.)

Im Großen und Ganzen hat die Tochter Glück mit ihren Zimmernachbarinnen. Bis heute Nacht. Da ist eine Frau eingezogen, die unfassbar laut schnarcht. Die Tochter hat uns eine Tonaufnahme davon geschickt. Die hört sich an, als übernachte sie nicht in einem Frauen-Zimmer eines Hostels, sondern in einem Schlafsaal voll mit kanadischen Holzfäller.

03. 09.2022, Berlin

Ich habe heute Nacht geträumt und kann mich beim Aufwachen noch daran erinnern. Das kommt bei mir sehr selten vor.

In dem Traum war ich beim Friseur und der hat mir die Haare verschnitten. Wenn das das schlimmste Horrorszenario meines Unterbewusstseins ist, scheint es mir recht gut zu gehen.

04. 09.2022, Berlin

Der Sonntag ist prinzipiell nur mein zweitliebster Wochenendtag. Auf Sonntage legt sich immer schon die Schwere des drohenden Montags und der kommenden Arbeitswoche. In der Marathonvorbereitung spricht gegen den Sonntag zusätzlich, dass an diesem Tag die langen Läufe anstehen. 28, 30, 32 Kilometer oder noch mehr, wenn du richtig ambitionierte Zeiten laufen willst.

Das ist immer ein bisschen öde, weil du dann drei Stunden und mehr unterwegs bist. Und ein bisschen anstrengend ist es auch, weil du 28, 30, 32 Kilometer oder noch mehr laufen musst. Dafür laufe ich wenigstens eine recht idyllische Strecke an der Spree entlang. Ganz neue Ecken von Berlin lerne ich auch kennen. Zum Beispiel Haselhorst, wo ich irgendwann lande. Da war ich noch nie. Wahrscheinlich werde ich auch nie wieder dort hinkommen, denn dort ist es nicht ganz so idyllisch wie an der Spree.

Irgendwann habe ich gar keine Ahnung mehr, wo ich mich gerade befinde. Ich mache einen auf Pfadfinder, verlasse mich auf meinen Orientierungssinn und laufe in die Richtung, wo ich grob Moabit vermute. Zu meiner sehr großen Überraschung funktioniert das sogar.

Gegen Ende des Laufs muss ich noch ein paar Runden im Kleinen Tiergarten drehen, um die vorgeschriebenen Kilometer zusammenzubekommen. Dort kommen mir ein Mann und eine Frau entgegen. Sie gehören zu einer Gruppe von Trinker*innen, die im Park zusammen abhängen. Der Mann trägt eine Dose Bier in der Hand, die Frau trinkt aus einer großen Flasche irgendein giftgrünes Zeug. Wahrscheinlich Pfeffi.

Als wir auf gleicher Höhe sind, hält sie mir die Flasche auffordernd entgegen. „Willste was?“, fragt sie barsch, aber nicht vollkommen unfreundlich. (Zumindest für Berliner Verhältnisse.) Wahrscheinlich sehe ich so fertig aus, dass sie denkt, ich könnte das zur Erfrischung gut gebrauchen. Ich lehne trotzdem dankend ab. Pfefferminzlikör gilt wohl eher nicht als isotonisches Laufgetränk. Der Frau scheint das ganz recht zu sein. Dann bleibt wenigstens mehr für sie übrig.


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Eine kleine Wochenschau | KW27-2022

Wegen unseres anstehenden Urlaubs gibt es nicht erst zum Sonntag-, sondern schon Freitagabend meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


04. Juli 2022, Berlin

Impressionen auf dem Weg zum Einkaufen:

  • Vor einer Kita stehen zwei bullige, stiernackige Männer mit Gesichtstätowierungen und Rocker-Lederwesten. Sie unterhalten sich über die Vor- und Nachteile von verschiedenen Kinderhochstühlen.
  • Eine Frau kommt mir entgegen, die ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Niveau ist keine Creme“ trägt.
  • An der Straßenecke unterhalten sich zwei Männer auf Arabisch. Zum Schluss verabschiedet sich der eine mit einem fröhlichen „Tschüssikowski!“ Bin mir nicht sicher, ob das ein Zeichen für Multi-Kulti im besten Sinne ist oder ob die beiden bei der Integration ein wenig überperformt haben. Nun ja, zumindest tragen sie keine Krachledernen und Trachtenjankerl.
  • Ein kleines Mädchen schaut sich ein Werbeplakat für einen Rasierapparat an und erklärt seiner Mutter mit ernster Miene: „Damit entfernt man sich das Gesicht.“
  • Auf einer Bank sitzt ein verwirrter Mann und brüllt: „Wir müssen mit dieser Scheiße endlich aufhören!“ Vielleicht ist er auch gar nicht verwirrt, sondern der einzige Mensch mit Durchblick.
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Eine kleine Wochenschau | KW26-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


27. Juni 2022, Berlin

Der Sohn fährt heute auf Klassenfahrt. Fünf Tage Heidelberg. Unabhängig voneinander fragen meine Frau und ich, ob er genügend Unterwäsche und Socken eingepackt, die Zahnbürste nicht vergessen und an die Regenjacke gedacht hat. (Ja, hat er. Nein, hat er nicht. Braucht er nicht). Irgendwann ist er so genervt, dass sich wenigstens sein Abschiedsschmerz in Grenzen hält.

Pro forma hat meine Frau ihn gestern Abend gefragt, ob wir ihn zum Bahnhof bringen sollen. Der Sohn meinte, dass sei nicht nötig. Wirklich nicht. Ob er es wohl lustig findet, wenn wir trotzdem zum Bahnsteig kommen und ihm vor versammelter Klasse einen Teddy und ein Schnuffeltuch mit den Worten überreichen: „Ohne die schläfst du doch so schlecht ein, Spätzchen.“

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Eine kleine Wochenschau | KW26-2022 (Teil 2)

Teil 1


01. Juli 2022, Berlin

Heute ist Internationaler Witzetag. Keine Pointe.

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Der Sohn kehrt wohlbehalten von der Klassenfahrt zurück. Er ist zwar etwas müde, aber ansonsten körperlich unversehrt. Fast. Im Schwimmbad ist er in eine Wespe getreten und am nächsten Tag in den Ohrring einer Klassenkameradin. Das sei aber eigentlich ganz praktisch gewesen, meint er, denn so hätten sie den Ohrring wenigstens wieder gefunden. Eine angenehm pragmatische Sichtweise.

02. Juli 2022, Berlin

Heute ist Fest der Niederlegung der Muttergottesgewänder. Ob das wohl so eine Art FKK-Body-Positivity-Tag für Maria ist?

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Seit ungefähr zwei Tagen steht bei uns vor dem Haus ein sehr niedriger, länglicher Couch-Tisch. Entweder hat da jemand seinen Sperrmüll wild entsorgt, weil der Weg zum Wertstoffhof zu lästig war, oder es handelt sich um eine der Nachhaltigkeit verpflichteten „Zu verschenken“-Aktion, bei der allerdings der „Zu verschenken“-Zettel vergessen wurde. Vielleicht beides.

Gegen 23 Uhr wählen ein junger Mann und eine junge Frau, beide circa Anfang 20, diesen Tisch als Sitzgelegenheit, um ein Bier zu trinken und sich zu unterhalten. Das ist ein bisschen nervig. Nicht wegen der Ruhestörung, sondern weil sie nicht laut genug reden, dass ich verstehen kann, um was sich ihre Unterhaltung genau dreht. Dem Gemurmel entnehme ich lediglich, dass sich die Frau kürzlich von ihrem Freund getrennt hat. Das empfindet sie inzwischen aber als Chance, um sich weiterzuentwickeln. Der junge Mann ist da ganz ihrer Meinung.

Sofern es sich bei dem jungen Mann nicht um den schwulen besten Freund der jungen Frau handelt, mit dem sie sich super über Männer austauschen kann, gehe ich aufgrund meiner Lebenserfahrung davon aus, dass er nicht abgeneigt ist, die vakante Stelle des GV-Partners einzunehmen. Oder zumindest ein wenig zu knutschen. Das haben Männer nämlich meistens im Sinn, wenn sie sich nachts, leicht angetrunken mit Frauen über deren Beziehungsproblemen unterhalten. Ungünstigerweise freuen sich die Frauen häufig einfach, dass es Männer gibt, die so gut zuhören, und packen sie in die „friend zone“. Eine klassische Lose-win-Situation.

03. Juli 2022, Berlin

Heute ist Schmeichle-deinem-Spiegelbild-Tag. Ein Ehrentag, der am besten in Verbindung mit dem Schalte-das-Licht-im-Bad-nicht-an-, dem Trinke-schon-vor-dem-Zähneputzen-Gin-Tonic- und dem Belüge-dich-selbst-Tag funktioniert.

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Beim Joggen sehe ich eine Frau, die mit ihrem Hund Gassi geht. Wegen ihres grauen Haars schätze ich sie auf Ende 60 oder Anfang 70. (Sie mich aufgrund meines grauen Barts möglicherweise auch.) Sie trägt ein schwarzes T-Shirt, auf dem in großen Buchstaben: „All fucking metall!“ steht.

Irgendwie finde ich es cool, dass die Frau in ihrem Altern ein T-Shirt mit so einem Spruch anzieht. Gleichzeitig bin ich mir unsicher, wie cool ich es fände, wenn meine Eltern so ein T-Shirt trügen.


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Eine kleine Wochenschau | KW24/25-2022 (Teil 2)

Teil 1


22. Juni 2022, Berlin

Mit den Ibus halte ich meine Temperatur auf unter 37,5. Die Halsschmerzen begleiten mich weiter. Ab und an nehme ich eine der Halstabletten, die immer noch keinerlei Wirkung erzielen. Da könnte ich auch Werthers Echte lutschen. Die hätten auch keinen Effekt, schmeckten aber besser.

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Der Sohn ist in letzter Zeit etwas vergesslich und unachtsam. Also, noch vergesslicher und unachtsamer als sonst. Er knipst Lichter nicht aus, wenn er Räume verlässt, dreht Wasserhähne nicht wieder zu, verschließt die Tür des Gefrierschranks nicht richtig oder lässt die Dunstabzugshaube laufen, wenn er fertig mit Kochen ist. (Robert Habeck schüttelt missbilligend den Kopf.) Halt wie ein ganz normaler Teenager, der damit beschäftigt ist, zu wachsen und dessen geistigen und körperlichen Kapazitäten hauptsächlich auf Essen und Schlafen ausgerichtet sind, und der sich die Zeit dazwischen mit Zocken, Videos und Serien vertreibt.

Dennoch möchte ich ihm ein paar Worte der mahnenden Ermunterung zusprechen, zukünftig doch etwas sorgfältiger und aufmerksamer zu sein. Schließlich sei das alles Energie- und damit auch Geldverschwendung. Da der Sohn unsere Stromrechnung nicht bezahlt, bin ich allerdings skeptisch, dass ihn dieses Argument erreicht. Aufgrund meiner Halsentzündung krächz-flüstere ich außerdem erbärmlich, was meiner Ansage ein wenig den Nachdruck und die Autorität raubt.

Der Sohn nickt trotzdem, um den Anschein zu wahren, er habe meine Worte vernommen und würde sie sich sogar zu Herzen nehmen. Wahrscheinlich hat er aber gerade seine Ohren auf Durchzug und seine zerebralen Aufnahme- und Verarbeitungskapazitäten auf Null gestellt, um Energie zu sparen. Die braucht er schließlich zum Wachsen.

23. Juni 2022, Berlin

Heute früh geht es mir wieder etwas besser. Auch ohne Ibu liegt die Temperatur unter 37,5 und die Halsschmerzen sind auch nicht mehr ganz so doll. Vielleicht hat der Messer-Jemand irgendwo einen neuen Job mit höherer Bezahlung, Überstundentarif und besseren Sozialleistungen angefangen.

Auf jeden Fall fühle ich mich fit genug für meine übliche Donnerstags-Einkaufsrunde. Dann muss meine Frau das nicht noch nach der Arbeit auf dem Heimweg erledigen. Ich fühle mich ohnehin schon wie ein Pascha, der sich mit Tee, Apfelmus, Kartoffelbrei und Eis verköstigen lässt. (Abgesehen vom Eis spricht die kulinarische Auswahl allerdings eher gegen meine Pascha-These.)

Die Tochter begleitet mich. Da Einkaufen in unserer funktional-arbeitsgeteilten Ehe in meinen Aufgabenbereich fällt, gilt unser gemeinsames Einkaufen quasi als Bring-your-kid-to-work-day.

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Bei DM muss ich feststellen, dass der Lebensmittelbereich neu organisiert wurde. Nichts mehr steht, wo es vorher stand. Ich bin irritiert.

Eigentlich bin ich ein geistig flexibler Mensch, der gut mit Veränderungen umgehen kann. Meistens freue ich mich sogar darüber, denn es macht das Leben doch gerade interessant, wenn du ab und an die eingetretenen Pfade verlässt, nur durch Wandel entsteht Fortschritt und außerdem halten dich Veränderungen geistig frisch.

Diese Kalenderblattweisheiten gelten aber nicht fürs Einkaufen. Da möchte ich Routine und wiederkehrende Gleichförmigkeit und verbitte mir jedwede Abweichungen und Überraschungen. Ich absolviere meine Einkaufstouren seit vielen, vielen Jahren. Meine Einkaufswagenrouten sind effizienzoptimiert und ich habe jeden Griff ins Regal internalisiert.

Ich bin beim Einkaufen quasi wie ein sehr erfahrener Skirennfahrer, der die berühmte Kandahar-Piste in Garmisch-Partenkirchen auswendig kennt und blind fahren kann, weil er weiß, wo der Tröglhang kommt (Hafermilch mit Vanillegeschmack), wo es in den Padöls geht (Knuspermüsli) und wann zum Abschluss der Tauber-Schuss beginnt (Schokocreme).

Falls jemand von meinem örtlichen DM dies lesen sollte, wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie den Lebensmittelbereich wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzen könnten. Das würde Ihnen – und mir – die unangenehme Situation ersparen, dass ich Ihnen meine Skifahrer-Analogie in einem persönlichen Gespräch erläutere.

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Anscheinend habe ich mir mit meiner vormittäglichen Einkaufstour ein wenig viel zugemutet. Mein Fieber steigt wieder auf 38,7 und die Halsschmerzen sind auch wieder in alter Stärke da. Hat sich der Messer-Jemand also doch keinen neuen Job gesucht, sondern lediglich einen Kurzurlaub eingelegt, um zu frischen Kräften zu kommen.

Ich habe keine Lust mehr. Keine Lust mehr auf Fieber, keine Lust mehr auf Halsschmerzen, keine Lust mehr auf Tee mit Honig, keine Lust mehr auf Apfelmus, keine Lust mehr auf Kartoffelbrei, keine Lust mehr auf Eis (Huch!) und keine Lust mehr auf nutzlose Lutschtabletten. Ich will harte Pharmazeutika mit irgendwelchen gesundheitlich bedenklichen Inhaltsstoffen, die bewirken, dass ich meinen Hals, Rachen, und Kopf nicht mehr spüre. Und am besten mich selbst ebenfalls nicht mehr. (Eine solche Medizin würde ich dann auch immer vor dem Lesen von Nachrichtenseiten einnehmen.)

24. Juni 2022, Berlin

Heute früh ist das Fieber wieder weg und auch die Halsschmerzen sind viel besser. Vielleicht ist der Messer-Jemand gestern Abend nur kurz zurückgekommen, weil er etwas vergessen hatte und dachte sich: „Na, wenn ich schon mal da bin, kann ich ja noch ein paar Mal zustechen. Um der guten, alten Zeiten Willen.“

Trotzdem besorge ich vormittags in der Apotheke neue Halstabletten. „Aber nicht so einen Quatsch wie beim letzten Mal, sondern das härteste Zeug, dass Sie da haben.“ Der Apotheker schaut zwar etwas irritiert, sucht mir dann aber ein Präparat raus, das eine schnelle Betäubung von Halsschmerzen verspricht. Hört sich gut an. Dass auf der Packung eine Art Superman-Logo abgebildet ist, überzeugt mich endgültig vom Kauf.

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Im Supermarkt hole ich noch ein paar Kleinigkeiten. Unter anderem mexikanischen Honig. Ökologisch gesehen, ist es natürlich fragwürdig, einen Honig zu kaufen, der über den halben Globus geschippert werden muss. Dafür wurde er von einem selbstverwalteten Arbeiter*innen-Kollektiv produziert. Somit schädige ich mit meinem Kauf zwar die Umwelt, sorge aber für Einkommen der lokalen Bevölkerung und trage damit zum globalen sozialen Frieden bei. Auch das gehört zur Ambivalenz der Dinge, die du aushalten können musst.

Ich erhoffe mir von dem mexikanischen Honig, dass er etwas härter drauf ist als sein verweichlichter deutscher Kollege. So ein Mexiko-Honig strahlt sicherlich mehr Respekt aus, wenn er dem Messer-Jemand erklärt, er solle sich gefälligst verpissen.

An der Kasse halte ich meine Payback-Karte zweimal falsch an den Payback-Karten-Scanner, bevor es klappt. Vielleicht sollte ich einen Schluck von dem mexikanischen Honig nehmen, um wach zu werden.

25. Juni 2022, Berlin

Das Thermometer zeigt heute früh das erste Mal seit einer Woche 36,9. Die Halsschmerzen sind zwar noch da, aber viel, viel schwächer. Die reine Anwesenheit der Superman-Tabletten und des mexikanischen Honigs scheint Wirkung erzielt zu haben.

Nachdem ich mich acht Tage lang ausschließlich von Nahrungsmitteln im breiartigen Aggregatszustand ernährt habe, will ich mich heute an etwas Festeres wagen. Ich versuche es erstmal mit Toast. Der ist so labberig, dass er sich im Mund haptisch nicht allzu sehr von dem Kartoffelbrei gestern Abend unterscheidet.

Das Schlucken klappt zwar ganz gut, dafür habe ich das Gefühl, dass die Kaumuskulatur etwas außer Übung ist und der Kiefer sich daran erinnern muss, wie das mit dem Zubeißen funktioniert. Als kleines Incentive bestreiche ich den Toast mit Schokocreme. Danach geht es schon viel besser.

26. Juni 2022, Berlin

Schaue mich morgens im Spiegel an. Durch meine eingeschränkte Nahrungsaufnahme in der letzten Woche habe ich ungefähr drei Kilo abgenommen. Nun bin ich zwar meinem Wunschgewicht deutlich nähergekommen, aber nach Strandfigur sieht mein Körper trotzdem nicht aus. Eher nach ausgemergeltem Schiffsbrüchigem, der sich auf einer einsamen Insel mehrere Monate ausschließlich von Kräutern und Beeren ernährt musste, so dass er sämtliche Muskulatur, nicht aber die überflüssigen Fettpölsterchen auf den Hüften verloren hat.


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Eine kleine Wochenschau | KW24/25-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


15. Juni 2022, Berlin

Der Morgen beginnt unbefriedigend. Zimtschneckenlos. Es beeinträchtigt die Lebensqualität doch erheblich, wenn du zum Frühstück keine Zimtschnecken isst.

Der Tag bringt aber auch Schönes. Die Tochter kommt heute von ihrem Stockholm-Aufenthalt zurück und ich darf sie am Bahnhof abholen. Enttäuschenderweise hat sie keine Zimtschnecken mitgebracht, sondern noch mehr Bücher. Schade. Sehr schade.

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Eine kleine Wochenschau | KW23-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


06. Juni 2022, Berlin

Meine Eltern sind auf einer Busreise in Italien. Gemeinsam mit meiner Tante väterlicherseits und deren Nachbarin. Mein Vater schickt mir ein Gruppenfoto. Mit ihren Sonnenbrillen und so breit wie alle lachen, sieht es aus, als hätte eine Senioren-Gang gerade einen sehr großen Coup gelandet. (Demnächst im Kino zu sehen als Ocean’s 79)

Ich weiß tatsächlich nicht, was meine Eltern genau in Italien machen. Es ist mir aber auch egal. Hauptsache, ich erbe später die Hälfte davon.

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