Grüß Gott. Mein Name ist Tod. #1000Tode

Mein Beitrag zum ‚Tausend Tode schreiben“-Projekt von Christiane Frohmann (weitere Informationen siehe unten).

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Sitze am Schreibtisch und arbeite an der Steuererklärung, als es klingelt. Vor der Tür steht ein hagerer fahler Mann. Er trägt eine zerschlissene schwarze Kutte, die leicht modrig riecht. In seiner knöchernen rechten Hand hält er eine große Sense.

Bin irritiert: „Was wünschen Sie?“

„Grüß Gott. Mein Name ist Tod“, sagt der Fremde mit dünner Stimme. „Ich muss Sie bitten, mit mir zu kommen.“

Meine Irritation wächst: „Wie? Ich? Zum Sterben?“

Der Tod nickt.

Bin wenig begeistert: „Das passt mir gar nicht. Ich kann jetzt nicht weg. Ich muss nachher den Sohn vom Hort abholen. Und fürs Abendessen muss ich auch noch einkaufen. Die Freundin wird sich bedanken, wenn ich sie damit allein lasse.“

„Tut mir leid, aber ich kann es nicht ändern“, erklärt der Tod.

Lasse nicht locker: „Vielleicht liegt ein Irrtum vor?“

„Nein, Ihr Name steht in meinem Buch!“, insistiert er.

Unter seiner Kutte zieht der Tod eine abgewetzte, in Leder gebundene Kladde hervor und blättert darin. Er stutzt und wird noch blasser. Sofern das überhaupt geht.

„Der Name stimmt. Aber das Datum ist falsch!“, stammelt er.

„Da bin ich ja beruhigt“, freue ich mich.

Der Tod beginnt zu weinen: „Warum muss immer mir so etwas passieren?“

Versuche ihn zu beruhigen: „Seien Sie nicht so hart zu sich selbst. Jeder macht Fehler.“

Sein Schluchzen wird stärker: „Wissen Sie, die viele Arbeit. Tagein, tagaus muss ich Leute holen. 365 Tage im Jahr. Ohne Urlaubsvertretung. Und wenn ich krank bin, springt auch keiner für mich ein.“

Der Tod sieht wirklich schlecht aus. Ganz kränklich, überarbeitet und abgehetzt.

Schaue ihn mitfühlend an: „Das muss hart sein. Sie sollten sich gewerkschaftlich organisieren.“

„Das geht nicht. Ich bin doch selbstständiger Einzelunternehmer“, jammert er.

Suche nach konstruktiven Vorschlägen: „Denken Sie an Ihre Gesundheit. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und schaffen Sie sich Freiräume für Hobbys. So ein Burn-out kommt schneller als man denkt. Weniger Arbeit, mehr YOLO!“

Der Tod schaut mich fragend an.

„YOLO! Sie verstehen schon. You only live once!”, erkläre ich geduldig.

Der Tod nickt traurig: „Danke. Auch dafür, dass Sie mit mir reden. Passiert mir nicht oft.“

„Keine Ursache.“ Klopfe ihm ermunternd auf die Schulter. „Eine Frage hätte ich noch. Wegen des Datums, an dem Sie wiederkommen. Ich sitze nämlich gerade an der Steuererklärung und frage mich, ob sich das überhaupt noch lohnt.“

Der Tod schüttelt den Kopf: „Das darf ich nicht verraten.“

„Verstehe“, sage ich. „Na gut, bis dann. Hoffentlich erst so in dreißig, vierzig Jahren. Aber unterstehen Sie sich, vorher bei meinen Kindern vorbeizuschauen. Da verstehe ich keinen Spaß!“

Aber der Tod hört mich nicht mehr. Trübselig trottet er von dannen. Schaue ihm am Fenster hinterher.

An der Ecke passiert es. Ohne auf den Verkehr zu achten, überquert der Tod die Straße. Ein Auto erwischt ihn mit vollem Tempo.

Der Tod wird durch die Luft geschleudert und prallt hart auf dem Asphalt auf. Reglos bleibt er liegen. Der arme Kerl. Eigentlich war er ganz nett. Es war wohl einfach nicht sein Tag.

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Die Digital-Verlegerin Christiane Frohmann hat letztes Jahr mit ‚1.000 Tode schreiben‘ ein großartiges, ja fast aberwitziges E-Book-Projekt gestartet: 1.000 Autoren schreiben 1.000 kurze Texte über den Tod. Zusammen sollen die Texte ein Bild ergeben, wie der Tod heute in der Gesellschaft wahrgenommen wird. Am 13. Februar erschien die dritte von vier Version des Buchs, in dem auch ich unter Nummer 271 einen Text beisteuern durfte.

Christiane Frohmann (Hg.): 1.000 Tode schreiben

Christiane Frohmann (Hg.): 1.000 Tode schreiben

Besonderer Dank für dieses einzigartige Projekt gilt – neben Christine Frohmann – Tina Giesler von type:area und Stefan Mesch. ‚1.000 Tode schreiben‘ ist als E-Book u.a. bei minimore erhältlich (bei Erscheinen der vierten Version erhält man diese kostenlos als Update). Der Kauf lohnt sich, denn es gibt nicht nur tolle, bewegende und ergreifende Texte zu lesen, sondern die Einnahmen gehen auch komplett an das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin.

Für die vierte und finale Version (erscheint am 13. März) von ‚1.000 Tode schreiben‘ sucht Christiane Frohmann noch viele weitere Texte. Insbesondere Beiträge in anderen Sprachen sowie von Kindern, Jugendlichen sowie Menschen, die professionell mit dem Tod zu tun haben, sind sehr willkommen. Einsendeschluss ist der 1. März. Ein Exposé kann hier heruntergeladen werden (in unterschiedlichen Sprachen).  

Familien-Tweets der Woche (36)

Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist der Auswahlprozess gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz. Viel Spaß!

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Das Bloggen der Anderen (30)

Beim Herumtreiben in der Blogosphäre stoße ich immer wieder auf viele interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen. Viel Spaß beim Lesen!

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Wer Mammuts jagt, der muss im Stehen pinkeln

Vor ein paar Tagen polarisierte Andreas Lorenz mit einem offenen Brief auf ‚Papa-Online‘, in dem er ausführte, Männer übersähen aufgrund ihres genetisch bedingt niedrigeren Aktivierungslevels einige im Haushalt zu erledigende Dinge und die Frauen müssten klare Anweisungen geben, wenn sie wollten, dass ihre Männer mal den Müll runterbringen oder Einkaufen gehen sollen. Die Reaktionen auf den Artikel reichten von wackeldackelnickender Zustimmung („Genau so isses!“) bis zu schleudertraumaauslösendem Kopfschütteln („So ein sexistischer Quatsch!“).

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Weitere Informationen

Murmelmama hat daraufhin die #aufAugenhöhe-Blogparade gestartet, um über die Rollenverteilung von Frauen und Männern zu diskutieren. Der folgende Text ist mein Beitrag dazu [Falls Sie richtig gute Artikel zu dem Thema lesen möchten, schauen Sie bitte bei ‚Mama notes‘, in der ‚Jazzlounge‘ und auf dem ‚Weddingerberg‘ vorbei.].

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Kinder-Theologie für Fortgeschrittene

Bekanntlich hat Jesus sehr häufig in Gleichnissen und Bildnissen gesprochen (Möglicherweise ein Hinweis auf den Konsum halluzinogener Substanzen). Somit liegt es nahe, Kinder in der Grundschule wichtige Ereignisse seines Lebens in gemalten Bildern festzuhalten. So auch im Religionsunterricht des Sohnes.

Der Sohn sieht sich selbst als „eher nicht so der Maltyp“ und zugegebenermaßen lässt in den meisten seiner Bilder nur elterliche Zuneigung außergewöhnliches künstlerisches Talent erkennen. Dafür eignen sich seine für den Religionsunterricht angefertigten Jesus-Zeichnungen außerordentlich gut dazu, dass eigene Wissen über wichtige Begebenheiten im Leben des galiläischen Wanderpredigers aufzufrischen.

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Angesichts der Zeichnung stellt sich die Frage, ob es sich um eine biblische Red-Bull-Werbung handelt, bei der die Personen in der Folge des Genuss von der klebrigen Taurin-Brühe flügelschlagend abheben.

Lasst die Kinder zu mir kommen

Tatsächlich ist die Kindersegnung abgebildet. Während die Jünger nämlich die Kinder „wegschubsten“ (O-Ton des Sohnes), ließ Jesus sie zu sich kommen. Und dann sprang er wohl gemeinsam mit ihnen vor Begeisterung in die Luft. Lediglich das im farbenfrohen mausgrau gekleidete Kind ganz links freut sich eher nach innen.

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Dieses Bild lässt vermuten, dass Jesus gegen ein Kind eine Partie Air-Hockey spielt.

Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb. Guten Appetit!

Ein genauer Blick auf den Tisch lässt aber erahnen, dass dort fünf Brote (zugegebenermaßen sehr kleine Brote und noch eins extra, falls die fünf wider erwartend doch nicht ausreichen) und zwei Fische liegen. Somit ist hier wohl die Speisung der 5.000 dargestellt. Wie Jesus Brot und Fisch allerdings ohne Hände verteilt, bleibt ein Rätsel.

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Die folgende Skizze erinnert ein wenig an ein Paar, das sich nach 30+ Ehejahren bei den Mahlzeiten nicht mehr allzu viel zu sagen hat. Die linke Person schaut recht grimmig und übellaunig, während der rechten Person Blitze aus dem Hintern schießen. Letzteres könnte ein Indiz sein, dass es scharfe Zwiebelsuppe zu essen gab.

Zachäus, der Zöllner

Es ist aber alles ganz anders: Jesus speist mit Zachäus, dem Zöllner, den sonst niemand leiden kann.

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Die folgende Szene ist einfach zu identifizieren: Es ist Jesus am Kreuz. Inspiriert ist die Darstellung augenscheinlich von ‚Das Leben des Brian‘ und man hört den trotz seiner misslichen Lage freudig lachenden Jesus förmlich singen: „Always look on the bright side of life“. Möglicherweise ist er im Wissen, in 72 Stunden wieder aufzuerstehen, auch einfach nur erleichtert, nach den Strapazen und Turbulenzen der letzten Zeit bald ein paar Tage der Ruhe genießen zu können.

"Wir sehen uns im Himmel wieder"

Interessant ist der Text, den der Sohn zu dem Bild geschrieben hat: „Neben ihm hingen zwei Verbrecher. Alle machten sich über ihn lustig. Einer der Verbrecher sagte: „Er hat das verdient.“ Jesus antwortete: „Wir werden uns im Himmel sehen.“ Das hört sich fast wie eine Drohung an: „Hasta la vista, baby!“

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Aus den Bildern hat der Sohn anscheinend gelernt, dass Jesus der Kumpel von allen ist und sich ihner angenommen hat: den nervigen Kindern, den hungernden Armen, den Ungemochten und sogar denen, die ihn verhöhnten. Wie könnte dies theologisch besser zusammengefasst werden, als in der Überschrift, die der Sohn für seine Zeichnungen gewählt hat:

„Jesus ist voll der Annehmer!“

Familien-Tweets der Woche (35)

Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist der Auswahlprozess gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz. Viel Spaß!

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Das Bloggen der Anderen (29)

Beim Herumtreiben in der Blogosphäre stoße ich immer wieder auf viele interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen. Viel Spaß beim Lesen!

  • Andreas hat auf ‚Papa-Online‘ einen offenen Brief an die Frauen veröffentlicht, in dem er um Verständnis für Männer wirbt, die aufgrund eines niedrigeren Aktivierungslevels manche Dinge im Haushalt übersähen und daher von den Frauen klarere Anweisungen bräuchten. Murmelmama hat dazu auf ‚Chaos²‘ die #aufAugenhöhe-Blogparade gestartet, um über die Rollenverteilung von Frauen und Männern zu diskutieren. Einer der ersten Beiträge, und ein absolut grandioser, kommt von Johnny vom ‚Weddingerberg‘, dessen Meinung sich in folgendem schönen Zitat zusammenfassen lässt: „Ein Low-Performer [im Haushalt] wird man, wenn man sich freiwillig auf eine Evolutionsstufe unterhalb von Grießbrei einordnet.“

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Die Hausaufgaben-Hölle

Die meisten Eltern stimmen wohl zu, dass Hausaufgaben – neben den Fragen, wie lange man noch Computer spielen darf und wie viel Schokolade man am Tag verzehren darf –, im Familienalltag zu den Themen mit dem höchsten Konfliktpotenzial gehören. Kinder wollen die Hausaufgaben prinzipiell immer erst nach dem Spielen machen, Eltern sind dagegen der Ansicht, dass sie vor den Freizeitaktivitäten zu erledigen sind. Ein nahezu unauflöslicher Widerspruch.

Hausaufgaben. Des Kindes Leid, der Eltern Leider.

Hausaufgaben. Des Kindes Leid, der Eltern Leider.

 

Außerdem kommt es immer wieder zu unterschiedlichen Auffassungen, ob Aufgaben korrekt gelöst wurden. Beim Stoff der ersten beiden Jahre sind die Eltern noch im Vorteil, können sie sich bei den behandelten Fragen doch als Universal-Gelehrte vom Schlage eines Leonardo da Vincis fühlen („Wie viel ist 3 + 4?“, „Wie viele Blätter hat ein vierblättriges Kleeblatt?“ usw.).

Spätestens ab den Schuljahren 5 und 6 tauchen jedoch immer mehr Fragen auf, bei denen Eltern – sofern sie sich nicht den Wissenskanon von Dietrich Schwanitz reingepaukt haben, um die Millionen bei Günter Jauch zu gewinnen – an die Grenzen ihres Wissenshorizonts stoßen („Durch welche Bundesländer fließt die Elbe?“, „Welche Stoffeigenschaften hat Aluminium?“, „Wie lautet das Kommutativgesetz?“ etc.). Erschwerend kommt hinzu, dass die Kinder in diesem Alter in die prä-pubertäre Phase eintreten und ihr Gefühlshaushalt sich am trefflichsten mit den Attributen labil und fragil beschreiben lässt. Auseinandersetzungen und Streitigkeiten rund um die Erledigung der Hausaufgaben sind somit vorprogrammiert.

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Familien-Tweets der Woche (34)

Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist der Auswahlprozess gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz. Viel Spaß!

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Das Bloggen der Anderen (28)

Beim Herumtreiben in der Blogosphäre stoße ich immer wieder auf viele interessante Artikel, die zu gut sind, um sie nicht weiterzuempfehlen. Viel Spaß beim Lesen!

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