Cassis 2022 – Heimreise (23.07.): Au revoir! (Teil 2)

Teil 1


Inzwischen ist es kurz nach halb vier. Nicht mehr lange, bis wir in Frankfurt sind. Die automatisierte Lautsprecherdurchsage verkündet: „Wir sind gleich da.“ Dann schiebt sie leicht passiv-aggressiv nach: „Sicher nichts am Platz liegen gelassen? Ein letzter Blick kann nicht schaden.“

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In Frankfurt kommen wir mit einer knappen Viertelstunde Verspätung an. Unter normalen Umständen würden wir jetzt unseren Anschlusszug verpassen. Die Umstände sind aber tatsächlich normal und er hat ebenfalls fünfzehn Minuten zu spät. Er fährt auf den gleichen Schienen hinter unserem TGV her. Dadurch ist das Umsteigen vollkommen entspannt.

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Im ICE nach Berlin sitzt auf dem 4er-Platz neben unserem ein junger Mann. Er schaut auf seinem Laptop einen Film. Plötzlich steht ein älterer Herr auf, der in der Reihe dahinter sitzt, tritt in den Gang und fragt: „Ist das Taxi Teheran?“ Der junge Mann bejaht das.

Daraufhin startet der Senior einen längeren Vortrag darüber, wie phantastisch der Film sei, was für eine famose schauspielerische Leistung Hana Saeidi abgeliefert hätte, dass der Regisseur Jafar Panahi 2015 auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden sei – zu Recht wie der ältere Mann betont – und dass er nun leider im Iran im Gefängnis säße.

Der junge Mann nickt zunächst immer wieder höflich. Mit zunehmender Dauer des cineastischen Spontanreferats schaut er allerdings immer gequälter. Wahrscheinlich würde er sich gerne selbst einen Eindruck davon machen, wie phantastisch der Film ist, welch famose schauspielerische Leistung die Hana Saeidi abgeliefert hat und Jafar Panahi tatsächlich zu Recht den Goldenen Bären bekommen hat.

Sachen, die wir während des Urlaubs nicht gemacht haben

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Um kurz nach halb neun fährt unser Zug am Berliner Hauptbahnhof ein. Mit dem Bus fahren wir nach Moabit, am Otto-Spielplatz steigen wir aus und gehen den restlichen Weg nach Hause.

Auf einer Bank sitzt ein angetrunkener Obdachloser. Er schaut mich an und lacht. Dann steht er auf und singt aus voller Brust: „Strangers in the night!”

Schön, wieder daheim zu sein.

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Vielen Dank an alle, die tapfer durchgehalten, täglich den Urlaubsblog gelesen und hier oder bei Facebook fleißig kommentiert haben. Und ebenfalls vielen Dank, dass Sie über Orthographie-, Interpunktions- und Grammatikfehler sowie jegliche Ungereimtheiten und Inkonsistenzen großzügig hinweggeschaut haben. (Ist ja alles kostenlos hier.)

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Sollten Ihnen die Texte gefallen haben, aber Sie haben gerade keine zehn Euro zur Verfügung, würde ich mich über ein paar Sterne beim großen A freuen. Wir finden natürlich alle, dass Jeff Bezos doof ist, aber leider sind für uns Autor*innen, die nicht jährlich 4,3 Milliarden Bücher verkaufen, diese Bewertungen leider ziemlich wichtig. Das ist auch gar nicht schwierig, sie zu schreiben und tut auch nicht weh. Ich hatte das auch schon mal ausprobiert.

Merci!


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9 Kommentare zu “Cassis 2022 – Heimreise (23.07.): Au revoir! (Teil 2)

  1. Herzlichen Dank für diese zwei sehr unterhaltsamen Wochen – ich hatte mich schon vorher drauf gefreut und meine Erwartungen wurden absolut erfüllt! Ich liebe Ihren Schreibstil einfach sehr;-)

  2. Vielen lieben Dank für diesen und auch die früheren Urlaubblogs. Ich komme leider selber nie in den Urlaub und freue mich jedes Mal an ihrem Urlaub teilhaben zu dürfen. Cassis war super!Danke

  3. Nachdem ich aus meinem eigenen Urlaub zurück kam, war Ihr Urlaubsbericht die ideale Lektüre um die Entspannung weiterhin hoch zu halten. Respekt für die vielen gelaufenen Kilometer in der prallen Sonne und den Berg rauf und runter!

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