Sardinien 2021 – Tag 01: Von ersten Einkäufen, Meta-Strand-Nickerchen-Träumen, würdelosen Wassereinstiegen und dem Auftakt des Familien-Kniffelturniers

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27.06.2021, Santa Teresa

Der erste Morgen am Urlaubsort beginnt mit der Herausforderung, dass wir zum Supermarkt müssen, um den ersten Kaffee trinken zu können. Dabei benötigen wir den Koffeinkick schon vorher, damit er unsere Lebensgeister weckt und uns in menschenähnliche Wesen verwandelt, die zu sozialer Interaktion fähig sind.

Wir waren sogar so vorausschauend, Espressopulver mitzubringen, denn in dem Ferienhaus gibt es eine dieser italienischen Kaffeemaschinen, mit denen du Kaffee auf dem Herd kochst. Aber uns fehlt Milch und wir pflegen unseren Kaffee nun mal mit einem Schuss Milch zu uns zu nehmen. Falls Sie nun vorschlagen wollen, ich könnte, wenn mir die Koffeinzufuhr so wichtig ist, den Kaffee einfach mal ohne Milch trinken, möchte ich Ihnen ganz freundlich erwidern: „SPRECHEN SIE MICH GEFÄLLIGST NICHT AN, BEVOR ICH MEINEN ERSTEN KAFFEE HATTE!“

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Sardinien 2021 – Anreise: Von unroutinierten Gepäckaufgaben, verschwitzten Sicherheitskontrollen, beklatschten Landungen und sympathischen Taxifahrer-Namensvettern

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26.06.2021, Berlin

Kurz nach 17 Uhr startet unser Flug nach Olbia. Wir sind schon drei Stunden früher am Flughafen. Wie immer bin ich übertrieben nervös. Weil wir im Schnitt nur alle zwei Jahre fliegen, bin ich ein äußerst unroutinierter und unsouveräner Flugreisender. Ich befürchte immer, dass ich die falschen Unterlagen ausgedruckt habe, die Koffer zu schwer sind, wir zu früh oder zu spät sind, uns komplett im Datum geirrt haben oder ich sonst irgendetwas falsch gemacht habe und unangenehm auffalle.

Heute ist meine Aufregung beim Check-In noch größer, denn wir müssen zusätzlich die diversen Corona-Formulare und -Testbescheinigungen vorweisen. Nachdem die Dame am Schalter unsere Ausweise kontrolliert hat, fragt sie, ob wir das Einreise-Formular ausgefüllt und einen Corona-Test gemacht hätten. Stolz nicke ich und frage: „Soll ich Ihnen die Ausdrucke zeigen?“ Ich komme mir vor wie ein Erstklässler, der seine Hausaufgaben präsentieren möchte, um von seiner Klassenlehrerin ein Fleißbienchen zu bekommen. Die Frau schüttelt den Kopf und erklärt, sie müsse das lediglich fragen, aber nicht kontrollieren. Dann halt nicht. Allerdings schade um das Fleißbienchen.

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Sardinien 2021 – Vorbereitung (2): Von Friseurbesuchen, keinen Don-Draper-Scheiteln, Batman-Logos und erfolgreichen Corona-Tests

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25.06.2021, Berlin

Morgen fliegen wir in den Urlaub nach Sardinien und ich gehe heute zum Friseur. Damit beginnt traditionell mein Urlaub. Mit einem Haarschnitt. Damit ich am Strand fresh aussehe. Das darf ich aber nicht sagen, weil die Kinder das cringe finden. (Wenn ich cringe sage, finden sie das übrigens auch cringe, aber das nur am Rande.)

Ich gehe schon seit Jahren zu einem arabischen Friseur bei uns in der Straße. Er ist flink und schweigsam. Zwei Qualitäten, die ich bei einem Friseur sehr schätze. Allerdings nimmt er es nicht immer so genau mit meinen Anweisungen, wie ich die Haare geschnitten haben möchte. An den Seiten und hinten kurz, oben nur die Spitzen. Damit ich mir einen Scheitel kämmen kann, wie ihn Don Draper in Mad Men trägt.

Warum ich wie Don Draper aussehen möchte, ist mir selbst nicht ganz klar, denn er ist ein eher unsympathischer Zeitgenosse. Er betrügt seine Ehefrau, behandelt seine Mitarbeiter von oben herab und ist auch sonst eine Spur zu arrogant und selbstverliebt. Aber irgendwie ist er trotzdem cool. (Die toxische Männlichkeit nickt selbstgefällig). Und außerdem hat er eine schnittige Frisur, die mir gefällt. Mein arabischer Friseur schneidet meine Haare oben aber immer zu kurz, so dass es nicht zu einem Don-Draper-Scheitel reicht, sondern mehr zu einer Art Bürzel wie bei Tim aus Tim & Struppi.

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Sardinien 2021 – Vorbereitung (1): Von naivem Urlaubs-Optimismus, Inzidenz-Schwankungen und nervigem Organisationsstress

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24.06.2021, Berlin

Wer hätte letztes Jahr gedacht, dass diesen Sommer Urlaub im Ausland möglich sein wird? Anscheinend wir, denn im September sagten wir uns in einer Mischung aus realitätsverweigerndem Optimismus und weltfremder Naivität, „Ach, 2021 wird dieser ganze Corona- Mist ja wohl vorbei sein!“, und buchten eine Ferienwohnung auf Sardinien. (In einer Mischung aus uns innewohnendem Pessimismus und einem Rest Realismus schlossen wir zusätzlich eine Reiserücktrittsversicherung ab.)

Angesichts der verschiedenen Corona-Wellen sahen unsere Urlaubs-Chancen zwischendurch nicht besonders gut aus (Oktober), dann verschlechterten sie sich (November), bevor sie katastrophal wurden (Dezember, Januar). Eine kurze Phase der Hoffnung blieb kurz (Februar), aber auf Sardinien gab es plötzlich erfreuliche Entwicklungen. Dort waren die Inzidenzwerte im März so niedrig, dass die italienische Regierung die Insel zur „Weiße Zone“ einstufte, in der es nur relativ wenige Corona-Vorschriften gibt. Als einzige Region in ganz Italien!

Das fanden die Sarden so toll, dass sie Hochzeiten, Taufen, Geburtstage und andere Familienfeste feierten, als gäbe es kein Morgen mehr. (Was in Zeiten einer globalen Pandemie eine nicht gänzlich unrealistische Option ist.) Mit hunderten von Menschen, ohne Masken und ohne Abstand, aber dafür mit Ringelpiez und Anfassen. (Getreu dem leicht abgewandelten Reeperbahn-Motto „Alles geht, alles muss!“) Sofort stiegen die Infektionen sprunghaft an und drei Wochen später war Sardinien „Rote Zone“. Wieder als einzige Region in ganz Italien.

Die Corona- und damit unsere Urlaubsaussichten blieben also trübe (März) und wurden noch trüber (April). Ab Mai kam dann die Trendwende: Sowohl in Deutschland als auch in Italien und auf Sardinien sank die Zahl der Neuinfektionen stetig. Entweder aufgrund des Erfolgs der Impfkampagnen (wahrscheinlich) oder wegen der Social-Distancing-, Masken- und Hygiene-Disziplin der Menschen (eher unwahrscheinlich). Oder das Corona-Virus, das anderthalb Jahre wirklich alles gegeben hat, braucht einfach mal eine Verschnaufpause und macht selbst Urlaub (nicht auszuschließen).

Nun sieht es also so aus, dass wir übermorgen tatsächlich nach Sardinien fliegen können. Hoffen wir einfach, dass sich Covid-19 und seine mutierte Verwandtschaft ein anderes Urlausziel ausgesucht haben.

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Corona-Föhrien 2020 – Heimreise: Von verstörenden Träumen, letzten Bäcker-Besuchen, einer fast verspäteten Fähre und einer schnittigen Heimfahrt

Der (fast) alljährliche Urlaubsblog. Diesmal nicht live, aber dafür in Farbe und HD. Zur besseren zeitlichen Orientierung sei erwähnt, dass der Urlaub Ende Juni / Anfang Juli stattfand. Die kompletten Beiträge finden Sie hier.


Alles nur geträumt

„Es ist ein Mädchen“, sagt der Gynäkologe und reicht mir ein weinendes und von der Geburt noch leicht derangiertes Baby. „Wie soll es denn heißen?“ Nach kurzem Überlegen antworte ich: „Waltraud.“

Dann wache ich auf. Verwirrt und mit einer gehörigen Portion Vaterstolz, was mich noch mehr verwirrt. Warum träume ich so etwas? Und vor allem, warum haben wir uns nicht mehr Mühe bei der Namenswahl gegeben? Okay, es ist nur ein Traum-Baby, aber auch das soll ja später nicht von seinen Traum-Klassenkamerad:innen gemobbt werden, weil es heißt als würde es schon als Kleinkind Kittelschürze und Lockenwickler trägt.

Was will mir mein Unterbewusstsein mit diesem Traum sagen? Hat es etwas mit unserer letzten Nacht in der Ferienwohnung zu tun? Wenn etwas endet – eine Schwangerschaft oder ein Urlaub –, fängt immer auch etwas Neues an – eine Elternschaft oder der Alltag und die Erwerbsarbeit? Auf jeden Fall sagt mir meine Interpretation, dass mir wohl keine große Zukunft als professioneller Traumdeuter bevorsteht.

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 13: Von Schaf-Abschieden, Abstandhalter-Löwen im Supermarkt, Sonnencreme-Schwierigkeiten, Pok-Pok-Rekorden und Partner-Selfie-Herausforderungen

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Joggen: Sag‘ zum Abschied leise Mäh

„Ihr müsst schon etwas Platz machen.“ Ich will den Schaf-Deich für meine letzte Laufrunde betreten, aber zwei Schafböcke stehen so vor dem Eingangstor, dass ich nicht durchkomme. Streng schaue ich sie an und lege möglichst viel meiner natürlichen Autorität in meinen Blick. Anscheinend habe ich davon aber nicht allzu viel, denn die Böcke schauen unbeeindruckt zurück. Der etwas größere von den beiden blökt kurz. Hört sich an wie „Du kommst hier net rein.“

Sie erinnern sich vielleicht, dass die Schafe mich schon vor zwei Tagen beim Laufen drangsaliert haben und mir andauernd in den Weg gelaufen sind. Wahrscheinlich ist es eine Übersprungshandlung, weil es heute mein letzter Lauf ist und wir uns dann verabschieden müssen. Indem sie mich nicht reinlassen, fällt der letzte Lauf aus und – ergo – gibt es keinen Abschied. Genau in dem Moment, als ich das denke, machen die beiden Böcke plötzlich bereitwillig Platz. Sieht fasst so aus, als versuchten sie, das Tor mit ihrem Maul aufzuziehen, damit ich schneller auf den Deich kommen kann. Wie niedlich!

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 12: Von peinlicher Masken-Verweigerung, Wattwander:innen-Typologien, gechillten Robben, Muscheln, die nicht gut drauf sind, und dem Sexleben der Wattwürmer

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Corona-Leugnen für Anfänger

„Guten Morgen“, begrüße ich die Bäckereifachverkäuferin. „Ich hätte gerne drei Campingwecken, ein Dünen-Krusti und einen Kornkracher.“ Ich bezahle – in Corona-Zeiten selbstverständlich immer schön kontaktlos mit Karte –, nehme meine Brötchentüte und freue mich auf ein leckeres Frühstück. Als ich den Laden verlasse und die EC-Karte wegstecke, schaue ich auf meine Hand und erblicke: Meine Maske!

Ja, ich bin tatsächlich maskenlos in die Bäckerei gestiefelt, habe alle freundlich begrüßt, als wäre alles in Ordnung, und habe vollkommen ungeniert meine Aerosole durch den Laden gepustet. Gleichzeitig habe ich die ganze Zeit meine Maske in der Hand gehalten. Deutlicher kannst du deinen Mitmenschen nicht sagen: „Ihr könnt mich alle mal, ich scheiß‘ auf eure Gesundheit. Ich trage keine Maske, weil die zwickt ein bisschen hinterm Ohr und ich lass‘ mir von der Merkelin doch keinen Maulkorb verpassen!“ Bei der Wahl zum Insel-Arsch des Tages sollte mir der erste Platz heute sicher sein.

Auf dem Weg zurück in die Ferienwohnung frage ich mich, wie das passieren konnte. Bin ich im Unterbewusstsein Corona-Leugner und Hygiene-Hetzer? Was kommt als nächstes? Stelle ich mich morgen auf die Strandpromenade und rufe den Vorbeilaufenden zu: „Die wollen uns alle chippen! Gebt euch in acht vor Bill Gates und den Reptiloiden! Wacht endlich auf, ihr Schlaf-Schafe!“ Und organisiere ich dann Hygiene-Demos vor dem Musikpavillon, werde Vorsitzender des nordfriesischen QAnon-Zirkels und agitiere irgendwann gegen Hirse-Hitler Hildmann, weil der mir zu links und wissenschaftshörig ist?

Irgendwann sitze ich schließlich als gebrochener Mann im Strandkorb, murmle „Die Erde ist doch flach!“ und esse so viele Camping-Wecken, bis ich platze. (Das scheint mir auf jeden Fall ein erstrebenswerterer Tod zu sein, als meinem Leben mit einem Schluck aus dem Schierlingsbecher zu beenden.)

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 11: Von missgelaunten Schafen, Wattführer-Legenden, Style-Diskussionen, einem sozialen Strandkorb-Abstieg, lebenslanges Sex-Lernen und Tochter-Telefonaten

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Joggen: Macht doch mal Platz da!

„Na, Dudes, alles fresh? Habt ihr gut gepennt?“ Ich gebe mich betont jugendlich, um mein Bonding mit den Schafen auf meiner Deich-Laufrunde, die ja wesentlich jünger sind als ich, weiter voranzutreiben. Anscheinend hatten die Schafe aber keine gute Nacht und sind nicht fresh. Sie wirken eher leicht genervt. Anfangs liefen die Schafe ja immer ängstlich weg, wenn ich an ihnen vorbeijoggte, nach ein paar Tagen blieben sie gelassen stehen, aber heute lungern sie andauernd im Weg rum, und denken gar nicht daran, auch nur einen Zentimeter Platz zu machen. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, sie machen absichtlich einen Schritt in meine Richtung, um mich zu provozieren.

Podcastmäßig bewege ich mich erneut außerhalb meiner Altersklasse, und ich höre wieder „Deutschland 3000“. Diesmal unterhält sich Eva Schulz mit dem Musiker und Autor Thees Uhlmann.

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Unter anderem geht es um die Frage, warum er immer so wütend sei. Er erklärt, er könne einfach nicht anders, als seinen Mund aufmachen, wenn ihn etwas stört. Sähe er zum Beispiel jemanden, der Müll auf den Boden schmeißt, würde er zu ihm sagen: „Einer von uns beiden hebt das jetzt auf und ich bin es nicht.“

Guter Spruch, finde ich. Probiere ich gleich mal aus. Dem nächsten Schaf, das mir den Weg versperrt, erkläre ich: „Einer von uns beiden macht jetzt Platz und ich bin es nicht.“ Es vergehen ungefähr 60 Sekunden, in denen wir uns gegenüberstehen und uns in die Augen starren. Dann gehe ich an ihm vorbei und jogge weiter. Vielleicht muss ich das noch ein bisschen üben.

Thees Uhlmann redet inzwischen über politische Aussagen in der Kunst. Dabei erzählt er von einer Ausstellung, die ihm gut gefallen hat. „Das tut nicht weh und macht nicht aggressiv. Das muss vielleicht reichen.“

Mehr Anspruch habe ich beim Schreiben eigentlich auch nicht. Wie toll wäre es, wenn Thees Uhlmann diesen Satz über mein neues Buch sagen würde?

„Macht’s gut“, rufe ich den Schafen zum Abschied zu. „Übermorgen komme ich noch ein letztes Mal und dann heißt es Abschied nehmen.“ Meine Ankündigung stürzt die Schafe nicht gerade in eine tiefe Depression. Sie grasen einfach weiter. Aber wenigstens rempelt mich keins an. Ich glaube, sie mögen mich doch ein bisschen.

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 10: Von euphemistischen Wettervorhersagen, sich schälender Haut, Mitbringsel-Shopping, Akkordeon-Konzerten und der Macht der Enkelkinder

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Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

„Heute nur leichter Regen, am Nachmittag kommt vielleicht mal die Sonne raus und es werden immerhin bis zu 16 Grad.“ Die Wetterfrau legt sich mächtig ins Zeug und gibt alles, um in ihrer Vorhersage positive Aspekte hervorzuheben, die es eigentlich gar nicht gibt. Ob das wohl auch in anderen Berufen funktioniert? Zum Beispiel als Automechanikerin? „Ihr Auto hat nur einen leichten Totalschaden und vielleicht sind die Scheibenwischer noch ganz. Und immerhin sparen Sie jetzt erstmal Benzin, haben keinen Stress mit der Parkplatzsuche und zu Fuß gehen ist ja auch gesund.“

Der Radio-Moderator lässt sich von so ein bisschen Wetter ebenfalls nicht die gute Laune verderben. (Wahrscheinlich hatte er heute früh schon einen großen Schluck aus seinem obligatorischen Amphetamine-Kokain-Ecstasy-Cocktail.) „Der Regen hat ja auch sein Gutes. Da muss man wenigstens nicht die Blumen gießen und den Rasen sprengen!“, frohlockt er ins Mikrofon. Dann lacht er viel zu laut und viel zu übertrieben, wie ein Mensch, der sehr viele Jahre alleine auf einer einsamen Insel gelebt hat, und nicht mehr weiß, wie sich sozial akzeptiertes Lachen anhört. Obwohl ich versuche, ein positiv denkender Mensch zu sein, kann ich seine Begeisterung trotzdem nicht teilen. Wahrscheinlich, weil ich keine Blumen und keinen Rasen habe.

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Corona-Föhrien 2020 – Tag 9: Von Textilproblemen beim Joggen, Energy-Drinks-Geschmacksverwirrungen und dem Comeback der Strandkorb-Community

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Das Hemd klebt und die Hose rutscht

„Warum muss es denn jetzt auch noch regnen?“, beklage ich mich bei den Schafen, als ich joggend den Deich betrete. Dabei hatte die Wetterfrau im Radio vorhin gesagt, die Regenwahrscheinlichkeit läge bei zehn Prozent. Zehn Prozent sind, wenn du zehnmal auf die Torwand schießt und einmal triffst. Ich würde bei 100 Schüssen keinmal treffen, aber für die zehn Prozent Regenwahrscheinlichkeit reicht es. Vielen Dank auch!

In Hollywoodfilmen hat Regen ja häufig etwas Romantisches. Wenn das Liebespaar gegen Ende des Films endlich zusammenkommt und sich küsst, muss es auf jeden Fall – da gibt es irgendein Hollywood-Gesetz – so lange im Regen stehen, bis ihre weißen Oberhemden – auch das ist gesetzlich geregelt Gesetz, dass es immer weiße Oberhemden sein müssen – vollkommen durchnässt sind und sich ihre Oberkörper erotisch darunter abzeichnen. (Zumindest bei günstigem Kamerawinkel und guter Ausleuchtung.) In Actionfilmen ist der Regen wiederum Ausdruck der Willensstärke und Durchsetzungsfähigkeit der Hauptfiguren. Kämpfe auf Leben und Tod finden meist in monsunartigen Regengüssen statt, um dem Publikum zu zeigen, dass dem Helden oder der Heldin die Naturgewalten nichts anhaben können.

Ich bin aber kein Actionheld und mir können die Naturgewalten sehr wohl etwas anhaben. Deswegen ist es total unangenehm und überhaupt nicht romantisch, wenn mein Laufhemd unangenehm kalt und so eng am Körper klebt, dass ich jetzt schon weiß, dass ich es nie wieder ausziehen kann, sondern mir chirurgisch vom Leib operiert werden muss. (Und es gibt auch keinen Kamerawinkel und keine Ausleuchtung, damit sich mein Oberkörper erotisch unter dem Laufhemd abzeichnet.)

Die Schafe stehen aber gleichgültig grasend auf dem Damm. Denen ist alles egal. Sowohl der Regen als auch mein kaltes, nasses Laufhemd, das mir sicherlich eine Lungenentzündung und damit den sicheren Tod einbringen wird.

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