Eine kleine Wochenschau | KW44-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


31. Oktober 2022, Berlin

Heute ist Halloween. Wie jedes Jahr am 31. Oktober. Also kommt das nicht besonders überraschend. Trotzdem habe ich vergessen, Süßigkeiten zu kaufen. Das heißt, ich muss mich ab ungefähr 17 Uhr totstellen und darf die Tür nicht mehr öffnen. Schließlich möchte ich nicht einer Horde trick-or-treatender und vollkommen überzuckerter Kinder erklären, dass es bei uns nicht Süßes gibt, ich ihnen aber eine Zwiebel anbieten könnte.

Um ehrlich zu sein, habe ich gar nicht vergessen, Süßigkeiten zu besorgen, sondern absichtlich keine gekauft. Vor ein paar Jahren hatten wir zu Halloween eine riesige Schale voll mit Schokoriegel, Bonbons und Gummibärchen vorbereitet. Allerdings kam kein einziges Kind vorbei. Das hatte – unweigerlich – zur Folge, dass ich ungefähr 90 Prozent des Schüsselinhalts selbst verzehren musste. Der Gang auf die Waage war dann gruseliger als jeder noch so furchteinflößender Horror-Clown.

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Familien-Tweets der Woche (433)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

https://twitter.com/mareWieMeer/status/1586407715282116608
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Eine kleine Wochenschau | KW43-2022 (Teil 2)

Teil 1


28. Oktober 2022, Berlin

Heute ist Weltspartag. Früher war das für mich ein großes Ding. Mein Bruder und ich sind dann immer mit meiner Mutter oder meinem Vater zur örtlichen Sparkasse gegangen. Dort nahm ein Mitarbeiter oder in seltenen Fällen eine Mitarbeiterin unsere Spardosen entgegen, öffnete sie, leerte den Inhalt in den Münzzählautomaten und dieser zeigte nach kurzem – in guten Jahren nach längerem – Rattern an, was wir in den letzten zwölf Monaten gespart hatten.

Am besten fand ich aber, dass es dann immer noch die aktuelle Ausgabe der Knax-Zeitschrift und ein kleines Geschenk gab. Irgendein Plastikschrott-Spielzeug, das nach wenigen Tagen in irgendeiner Kiste verschwand und nie wieder hervorgeholt wurde. Als Kind war mir der Akt des Beschenktwerdens anscheinend wichtiger als der eigentliche Besitz.

Heutzutage spielt der Weltspartag keine große Rolle mehr. Ich war erstaunt, dass es ihn überhaupt noch gibt. Als erwachsener Mensch gehst du in den meisten Fällen ohnehin zur zur Bank, um Geld abzuheben und nicht um etwas einzuzahlen.

Wobei, wir haben in der Küche einen Maßkrug, in dem wir unsere 1- bis 20-Cent-Münzen sammeln. Die könnte ich mal zur Bank bringen. Die akzeptiert Münzgeld aber nur, wenn es gerollt ist. Das ist ziemlich nervig. Dazu musst du Münzgeldrollenpapier besorgen, die Münzen händisch abzählen und schließlich zusammenrollen.

Auf der Bank gibt es dann keinen ratternden Münzzählautomaten, vor dem du mit Spannung stehst, um zu sehen, wie viel Geld du einzahlen kannst. Stattdessen werden deine Münzrollen voller Misstrauen abgewogen, um auszuschließen, dass du sie mit Schaumstoff und nicht mit Geld ausgefüllt hast. Am Ende stellt sich dann raus, dass sich in dem Maßkrug ungefähr 4,50 Euro angesammelt hatten. Da lohnt sich der ganze Aufwand kaum. Vor allem, weil du als Erwachsener auch keine Knax-Zeitschrift oder ein Plastikschrott-Spielzeug geschenkt bekommst.

29. Oktober 2022, Berlin

Vor vier Wochen hat mein Vergangenheits-Ich meiner Frau unbedacht „können wir machen“ geantwortet. Da ihre Frage war, ob ich zusammen mit ihr beim Sportscheck Run mitlaufen würde, sitzt mein Gegenwarts-Ich nun auf dem Rad und ist unterwegs zum Tempelhofer Flughafen. Dort findet um 19 Uhr der Lauf statt. Eine Gestaltung meines Samstagabends, die mein Vergangenheit-Ich anscheinend attraktiv oder zumindest akzeptabel fand, mein Gegenwarts-Ich eher nicht.

Am alten Flughafen angekommen, müssen wir zunächst unsere Startunterlagen abholen. Das hätte ich schon gestern oder vorgestern erledigen können, aber mein Vergangenheit-Ich war zu faul, dafür extra zur Sportscheck-Filiale am Potsdamer Platz zu radeln. Deswegen steht mein Gegenwarts-Ich jetzt in der Schlange vor dem Registrierungsschalter. An ungefähr 50. Stelle.

Als wir an der Reihe sind, stellt sich heraus, dass unsere Namen nicht im System registriert sind. Wir sollen unsere Daten in einem Tablet eingeben. Das ist herausfordernder, als es klingt, denn ich trage nicht meine normale, sondern meine Sportbrille. Dabei handelt es sich nicht um ein besonders schnittiges und robustes Brillenmodell, das extra für sportliche Aktivitäten entwickelt wurde. Nein, es ist einfach meine letzte Brille, die ich immer beim Sport trage. Bei ihr wäre es nicht so schlimm, wenn ich mich beim Laufen hinlege und sie kaputt geht.

Die Brille ist schon mehr als zehn Jahre alt. Deswegen passt ihre Brillenglasstärke nicht ganz zu meiner Augensehschwäche. Beim Sporttreiben ist das nicht weiter problematisch, beim Bedienen einer Tablet-Tastatur dagegen schon. Ich tippe hilf- und ziellos auf den verschwommenen Buchstaben rum und würde mich nicht wundern, wenn ich mich gerade als Xrodziam Gatter anmelde.

Bevor der Lauf los geht, gibt es noch ein gemeinsames Warm-up. Gruppen-Aufwärmen ist meine persönliche Vorhölle. Ich möchte nicht gemeinsam mit mir unbekannten Menschen semi-dynamisch auf der Stelle laufen, die Arme in die Höhe strecken und Kniebeugen machen. Wenn ich es mir genauer überlege, möchte ich das nicht einmal mit mir bekannten Menschen machen.

Die Frau, die das Warm-up anleitet, ist von einer großen Fitness-Studio-Kette. Ihre Stimme klingt, als würde sie sonst ihr Geld mit Softcore-SM-Telefon sex verdienen. Nach fünf Minuten ist der Spuk zum Glück vorbei und wir können endlich loslaufen.

Meine Frau hat uns für den 10-Kilometer-Lauf angemeldet. Das heißt, wir müssen zwei Runden über das Tempelhofer Feld laufen. Ich finde das ziemlich furchtbar. (Allerdings nicht ganz so furchtbar wie kollektives Aufwärmen.) Da läufst du die ganze Zeit rum und es gibt nichts zu sehen, außer in der Ferne ein paar Häuser-Silhouetten und irgendwo den alten Hangar. Sonst nichts. Keinen Baum, keinen Strauch, kein Nichts. Nur Feld, Feld, Feld. (Daher ja auch der Name Tempelhofer Feld. Da wird zumindest niemand in die Irre geführt.)

Nach knapp 70 Minuten sind wir im Ziel. Dort gibt es eine Medaille. Und alkoholfreies Radler, Bananen und Laugengebäck. Ich möchte nicht so weit gehen, dass das für das Warm-up und den Feld-Lauf entschädigt, aber zumindest ist es ein versöhnlicher Abschluss.

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Auf dem Heimweg fahren wir ein Stück durch den Tiergarten. Auf dem Hinweg war das recht idyllisch, aber jetzt ist es dort stockdunkel. So dunkel, dass du immer nur so weit wie die zwei, drei Meter des Lichtstrahls der Fahrradleuchte sehen kannst und keine Ahnung hast, was dich dahinter erwartet. Irgendwelche Ungeheuer oder Gewaltverbrecher vielleicht.

Das ist ziemlich gruselig. Ich hoffe einfach, dass alle Monster, Räuber und Mörder vor der Dunkelheit noch mehr Angst haben als wir und den nächtlichen Tiergarten meiden.

30. Oktober 2022, Berlin

Heute Nacht war Zeitumstellung. Von Sommer- auf Winterzeit. Das heißt, die Uhren mussten eine Stunde zurückgestellt werden, denn im Sommer werden die Möbel vor das Gartenhäuschen gestellt und im Winter wieder zurück. Allerdings sind unsere Uhren ohnehin fast alle funk- oder internetgesteuert, so dass sie sich von alleine umstellen.

Lediglich unseren Radiowecker muss ich manuell justieren. Auch das ist herausfordernder, als es sich anhört. Der Radiowecker ist ein schon etwas betagteres Modell und sehr sensibel. Wenn du ihn nur schief von der Seite anschaust, verstellt sich der Senderregler von alleine und du wirst morgens von einem unschönen Rauschen und Knacken geweckt. Oder gar nicht. Und wenn du auf den Knöpfen rumdrückst, um die Zeit neu einzustellen, verschiebt sich der Regler noch mehr. Im ungünstigsten Fall auf irgendeinen Schlager-Sender, so dass dich in der Früh Andrea Berg, Helene Fischer oder Andreas Gabalier akustisch brutalstmöglich aus der REM-Phase prügeln. Der einzige Vorteil: Das Aufstehen geht dann ziemlich schnell.


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Eine kleine Wochenschau | KW43-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


23. Oktober 2022, Berlin

Heute unfreiwilliger, aber anscheinend unvermeidlicher Quartalsbesuch beim Orthopäden. Diesmal nicht wegen mir und meinem Rücken, sondern der Sohn hat sich beim Judotraining an der Hand verletzt. Als ich vorhin in der Praxis angerufen habe, wurde mir gesagt, wir sollen ohne Termin vorbeikommen. Ich stelle mich auf eine längere Wartezeit ein. Wenn es gut läuft, sind wir Heiligabend wieder zuhause.

Im Wartezimmer befinden sich bereits sechs Leute. Das geht eigentlich. Vielleicht sind wir doch schon zu Nikolaus fertig. Es kommt aber noch besser. Nicht einmal fünf Minuten sind vergangen, als über den Lautsprecher unsere Namen aufgerufen werden. Vor allen anderen. Für unsere Wahl zur Beliebteste Person im Wartezimmer ist das nicht gerade förderlich. Das lässt sich aber verschmerzen, wenn du dafür ins Behandlungszimmer gehen darfst.

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Familien-Tweets der Woche (432)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

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Eine kleine Wochenschau | KW42-2022 (Teil 2)

Teil 1


20. Oktober 2022, Berlin

Heute steht meine Corona-Booster-Impfung an. Oder „Impfung No 4“, wie Lou Bega singen würde. Den Termin hat meine Frau organisiert. Das klingt ein wenig, als sei ich komplett lebensunfähig und meine Frau müsste mir abends immer die Klamotten für den nächsten Tag rauslegen. Bei ihr im Ministerium wurden aber Impftermine angeboten und es bestand die Möglichkeit, auch Termine für Haushaltsangehörige auszumachen.

Nun stehe ich im Justizministerium in einer Art improvisiertem Pop-up-Impfzentrum. Bei der Anmeldung fragt mich ein freundlicher junger Mann vom DRK, ob ich auch eine Grippe-Impfung wünsche. Da das Ganze hier ja von den Steuerzahler*innen bezahlt wird innen – und damit auch von mir –, willige ich ein.

Als ich mich in den Wartebereich setze, fällt mir auf, dass ich meine Jogginghose trage. Heute morgen hatte ich mir noch gesagt, du musst nachher daran denken, eine andere Hose anzuziehen. Im Prinzip denke ich ja jetzt, was technisch gesehen, „später“ ist, allerdings etwas zu spät.

(Um ehrlich zu sein, hatte ich kurz, bevor ich losgefahren bin, sogar daran gedacht, dass ich eigentlich eine Jeans anziehen wollte, aber ich war zu faul. Es erscheint mir jedoch vorteilhafter, wenn ich diese Anekdote so erzähle, dass ich ein wenig schusselig rüberkomme, anstatt als jemand, dem die Kontrolle über sein Leben so weit entglitten ist, dass er in Jogginghosen ins Ministerium geht.)

Während ich über die Unangemessenheit meiner Beinkleidung nachdenke, betritt ein weiterer Impfling den Raum. Er trägt Sportleggings und einen Fahrradhelm. Sehr gut. Jetzt gibt es in der Unangebrachten-Bekleidungs-Hackordnung jemanden, der unter mir steht und über den ich mich erheben kann.

Nach einer kurzen Wartezeit kann ich eine der Impfkabinen betreten. Dort erwartet mich eine junge Ärztin. Zur Begrüßung nennt sie ihren Namen. Ich vergesse ihn sofort wieder und überlege, ob von mir auch erwartet wird, mich namentlich vorzustellen.

Da fragt die Ärztin bereits, ob ich Fragen hätte. Ich habe viele Fragen. Sehr viele sogar. Warum gehen Scheibenkäse-Verpackungen immer so schwer auf? Warum erlaubt mir mein Stoffwechsel nicht, so viel Kuchen und Kekse zu essen, ohne dick zu werden? Und lebt der alte Holzmichl immer noch? Da ich aber glaube, dass sie darauf keine Antworten hat, verneine ich.

Die Ärztin widmet sich nun den Spritzen. „Es kann sein, dass sie morgen etwas heftiger reagieren, weil sie zwei Impfungen bekommen“, erklärt sie mir. „Das muss allerdings nicht sein.“ Dann macht sie eine kleine Pause. „Aber es ist ziemlich wahrscheinlich.“ Sie betont das ziemlich überdeutlich, damit ich mir ja keine Illusionen über die zu erwartenden Impfreaktionen mache. Dann wäre das auch geklärt.

21. Oktober 2022, Berlin

Ich habe heute zwar keine heftige Reaktion, wie von der Ärztin prognostiziert, fühle mich aber etwas matschig in der Birne. Mein Geist ist nicht ganz so flott unterwegs und auch meine Bewegungen scheinen mir ein wenig verlangsamt zu sein. Außenstehenden fällt wahrscheinlich kein Unterschied zu sonst auf.

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Am College der Tochter wird heute ein großer Ehrentag begangen. PAW Officer Alfie, der Uni-Therapiehund, wird zehn. Zur Feier des Tages erhält er einen Hunde-Cup-Cake und die Studierenden kommen zum Gratulieren vorbei.

Bei unserem abendlichen Telefonat fragt meine Frau die Tochter, ob Alfie eigentlich lieb sei. Eine etwas merkwürdige Frage, wie ich finde. Als Therapiehund ist es schließlich seine Aufgabe, Studierenden ihre Sorgen und Ängste zu erleichtern, indem sie ihn streicheln und mit ihm kuscheln. Da wäre es eher ungünstig, wenn Alfie menschenscheu wäre, alles anknurrt, was sich ihm nähert, und versuchen würde, die schmusebedürftigen Studierenden durch gezielte Bisse in die Schlagader ausbluten zu lassen. (Klingt eigentlich wie ein ganz guter Plot für einen Stephen-King-Roman.)

22. Oktober 2022, Berlin

Der Briefträger klingelt und überreicht mir eine lange Paketrolle. Ich kann mit dem Absendernamen nichts anfangen und entsinne mich auch nicht, irgendetwas bestellt zu haben. Und schon gar nichts, was in Paketrollen angeliefert werden muss.

Es stellt sich heraus, dass es sich um ein Geschenk eines Lesers handelt. Dubro – ich hoffe, ich habe den Namen richtig gelesen – hat mir einen Laufkalender für 2023 zukommen lassen. Auf diesem kannst du für jeden Tag, den du läufst und für alle fünf Laufkilometer ein Feld freirubbeln und dadurch entsteht ein buntes Kunstwerk. Ein kleines Dankeschön für die Familien-Tweets und als Trainingsmotivation für nächstes Jahr, wie Durbro schreibt.

Wahrscheinlich möchte Dubro nie wieder einen Bericht lesen, wie ich an Geist und Körper ermattet würdelos über die Kölner Marathonstrecke schlurfe. Wird er auch nicht, denn Arne und ich haben uns diese Woche für den Berlin Marathon im nächsten Jahr beworben. Falls wir einen Platz bekommen, gibt es dann einen Bericht, wie wir an Geist und Körper ermattet über die Berliner Marathonstrecke schlurfen.

Ein ganz herzliches Dankeschön an Dubro. Ich habe mich sehr über den Kalender gefreut!

23. Oktober 2022, Berlin

Gestern kam mit der Post auch die regelmäßige Presse- und Medienschau meiner Eltern. Neben einigen Kochrezepten und Ratgeber-Tipps liegen einige Artikel aus der Apotheken-Umschau bei, die ich durchaus lesenswert finde. Anscheinend bin ich nun in einem Alter, in dem die Apotheken-Umschau meine Go-To-Informationsquelle wird. Schön, schön, schön.

Außerdem haben mir meine Eltern eine Broschüre zum Thema Gedächtnistraining geschickt. Nun frage ich mich, ob das ein subtiler Hinweis ist, dass ich irgendetwas vergessen habe. Einen Geburtstag, einen Jahrestag oder so etwas. Ich glaube nicht, bin mir aber nicht sicher. Ich werde meine Eltern einfach fragen, wenn wir das nächste Mal telefonieren. Hoffentlich vergesse ich es nicht.


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Eine kleine Wochenschau | KW42-2022

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16. Oktober 2022, Berlin

Unsere drei Tage Familien-Geburtstagstreffen auf Föhr sind vorbei. Heute geht es zurück nach Hause. Nach Frankfurt, nach Hamburg, nach Berlin und nach Irland.

In unserem letzten Zug Richtung Berlin sitzt schräg vor mir ein junger Mann. Er isst ein Butterbrot. Die Stulle sieht lecker aus. Sehr lecker sogar. Der Rand ist nicht zu fest, die Mitte ist saftig und die Menge an Butter genau richtig. Das heißt, nicht zu wenig, dass du sie fast gar nicht schmeckst, sondern eher erahnst. Aber auch nicht zu viel, dass du das Gefühl hast, jemand hat ein Stück Butter mit Brot belegt.

Ich muss mich zusammenreißen, dem Typ nicht die Stulle zu entwenden und abzubeißen. Noch bin ich aber sozial kompetent genug, um zu wissen, dass es nicht unter allgemein akzeptierte Verhaltensweisen fällt, den Reiseproviant fremder Menschen zu verspeisen.

Mich irritiert, wie der Mann sein Brot isst. Er beißt einfach wahllos hinein. Mal links, mal rechts, mal oben, mal unten. Wie so ein wildes Tier. Dabei weiß doch jeder, dass die einzig richtige Art ein Butterbrot zu essen, darin besteht, zuerst den Rand wegzuessen und sich das saftige Innere für zum Schluss aufzuheben. Ich behalte das aber für mich. Es gehört sicherlich auch nicht zur sozialen Norm, fremde Menschen über die korrekte Art des Butterbrotessens zu belehren.

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Familien-Tweets der Woche (431)

Die DSGVO, so beliebt wie Rosinen, Rosenkohl und Kapern. Daher auch diese Woche der Hinweis: Durch die eingebetteten Tweets kann Twitter irgendetwas herausfinden, was Sie im Internet so machen. Und zwar weil ich die Tweets nicht hinter leserinnenunfreundlichen opt-in-Verfahren versteckt habe. Wenn Sie das nicht möchten, ziehen Sie am besten schnell weiter. Allen anderen viel Spaß beim Lesen.

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Wie jeden Freitag, die besten Familien-Tweets der Woche. Auch diesmal ist die Auswahl gekennzeichnet durch Intransparenz, Subjektivität und Inkompetenz.

https://twitter.com/AufderSchwelle/status/1580936986374066176
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Eine kleine Wochenschau | KW40/41-2022

Zum Sonntagabend gibt es meine semi-originellen Gedanken und semi-spannenden Erlebnisse aus der abgelaufenen Woche. Manchmal banal, häufig trivial, meistens egal.


09. Oktober 2022, Bonn/Berlin

Nach einem gemütlichen Frühstück fahren meine Frau und ich zurück nach Berlin. Was sehr positiv ist: Nach dem gestrigen Marathon hält sich mein Muskelkater in den Beinen doch sehr in Grenzen. Wahrscheinlich hat die Regeneration durch das langsame Tempo und meine vielen Gehpausen bereits während des Laufs ab Kilometer 32 eingesetzt.

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Eine kleine Wochenschau | KW40/41-2022 (Teil 2)

Teil 1


13. Oktober 2022, Berlin

Heute ist Internationaler Tag der Skeptiker. Ich glaube nicht, dass der was bringt.

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Bekomme eine Mail von Lotto Berlin mit dem Betreff Gewinnbenachrichtigung. Ich beschließe, in meinem Lotto-Account zu kontrollieren, wie viel wir gewonnen haben, bevor ich mit der Arbeit anfange. Vielleicht erübrigt sich das ja dann mit dem Arbeiten. Tut es aber nicht. (Sonst würden Sie diesen Beitrag nicht lesen.)

Unsere Gewinnsumme beträgt sechs Euro. Das bringt mich nicht wirklich meinem Ziel näher, ein finanziell sorgenloses Leben als Privatier zu führen. Zumindest sind dadurch die nächsten zweieinhalb Lottoeinsätze bezahlt. Und da klappt es dann bestimmt mit dem Millionengewinn. Eine geradezu naiv optimistische Einstellung. Insbesondere am Internationalen Tag der Skeptiker.

14. Oktober 2022, Berlin/Föhr

Kurz nach halb zwei. Wir fahren mit dem Zug Richtung Hamburg. Von dort geht es weiter über Niebüll nach Dagebüll und dann mit der Fähre nach Föhr. Die Reise ist eine Überraschung für meine Schwiegermutter, die am Sonntag einen runden Geburtstag feiert.

Schräg vor mir sitzt ein Mann mit einem Martini-Glas-Tattoo auf dem Unterarm. Warum wohl? Vielleicht trinkt er sehr, sehr gerne Martini und freut sich immer, wenn er auf seinen Unterarm schaut. Oder seine Partnerin oder sein Partner ist ein großer Martini-Fan und die Tätowierung ist ein Liebesbeweis.

Er könnte auch Mitglied einer Barkeeper-Gang sein und das Martini-Glas ist ihr geheimes Erkennungszeichen. Oder er ist objektophil und in ein Martini-Glas verliebt.

So viele Möglichkeiten und ich werde nie erfahren, was die Geschichte hinter der Tätowierung ist.

15. Oktober 2022, Föhr

Zu einem Föhr-Aufenthalt gehört selbstverständlich dazu, am Meer zu joggen. Außerdem werden wir in den nächsten Tagen sehr wahrscheinlich sehr viel essen. Da scheint es mir ratsam zu sein, meine Kalorienbilanz durch ein kleines Läufchen aufzubessern.

Unser Ferienhaus liegt nicht weit vom Meer entfernt. Ich laufe einfach in die Richtung los, in der ich den Strand vermute. Ein geradezu lächerliches Vertrauen in meine Ortskenntnis und in meinen Orientierungssinn. Als hätte ich mein bisheriges Leben nicht mit mir, sondern im Körper eines Survival-Abenteurers verbracht.

Zu meiner eigenen Überraschung erreiche ich tatsächlich nach kurzer Zeit das Wasser. Wenn ich mich nicht täusche, muss ich nun einfach nach links laufen und komme dann irgendwann in Wyk an. Falls ich mich doch irre – und das ist nicht auszuschließen –, werde ich bei irgendeinem der Inseldörfer rauskommen und mich dann wahrscheinlich verlaufen. Egal, denke ich. No risk, no fun.

No fun ist auch, dass es zunächst keinen Promenadenweg gibt. Ich muss durch den tiefen Sand laufen. Bei Rocky sieht so etwas immer kraftvoll und dynamisch aus. Bei mir eher nach altersschwachem Haflinger auf dem Weg zur Notverwurstung.

Ich laufe über den Hundestrand. Dort sind aber nur sehr wenige Hunde und die interessieren sich nicht für mich. Das ist mir recht, denn auf ein Sprintduell mit einem beißwütigen Vierbeiner kann ich gerne verzichten.

Als nächstes kommt der FKK-Abschnitt. Da ist noch weniger los. Das ist mir ebenfalls nicht unrecht. Auf ein Sprintduell mit einem beißwütigen Nackedei hätte ich auch keine Lust.

Schließlich laufe ich in Wyk ein. Mein Orientierungssinn ist anscheinend doch besser, als ich dachte. Oder ich wurde kürzlich von Aliens entführt und mit einem neuen Orientierungssinn ausgestattet.

Um mein Glück nicht überzustrapazieren, laufe ich auf dem Radweg zurück gen Nieblum. Da kann ich mich an den Straßenausschilderungen orientieren. Das funktioniert auch ganz hervorragend. Erst nachdem ich Nieblum verlasse, nehme ich eine falsche Abzweigung, bei der ich irrtümlicherweise davon ausgehe, dass sie mich nach Goting zu unserem Ferienhaus führt. Ein Fehler, den ich schnell mit Hilfe von Google Maps korrigiere. Trotz eingeschaltetem Handy-Navi schaffe ich es, noch einmal in eine falsche Straße abzubiegen. So muss ich noch ein paar Extrameter absolvieren. Das ist der Orientierungssinn, den ich kenne.

Nach 16,5 Kilometern und rund 90 Minuten stehe ich schließlich wieder vor dem Ferienhaus. Etwas weiter und länger als eigentlich geplant. Dafür habe ich laut Laufuhr mehr als 1.100 Kalorien verbraucht. Damit hat der Lauf seinen Zweck erfüllt.

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An diesem Wochenende findet in Wyk der traditionelle Jahrmarkt statt. Ein gesellschaftlich-kultureller Höhepunkt nicht nur für die Insel, sondern auch für die Festländler, die extra mit der Fähre anreisen, um diesem Ereignis beizuwohnen.

Meine Frau, der Sohn, mein Neffe und mein Schwippschwager probieren diverses Fahrgeschäft aus. Von Break Dancer über Jumper und Auto-Scooter bis zur Familienachterbahn. Bei der fährt auch die Tochter mit.

Der ältere Bruder meiner Frau und ich beobachten das alles aus der beobachtenden Halbdistanz. Zu viel Adrenalin ist ja auch nicht gesund. Um doch ein wenig Thrill zu erleben, kaufen wir für 20 Euro Lose, gewinnen aber nichts. Vielleicht ist das besser so. Für einen mannsgroßen Stoffelefanten – dem Hauptgewinn der Losbude – müssten wir auf der Heimreise ein eigenes Zugticket kaufen. So spontan und ohne Bahncard wäre das ganz schön teuer.

16. Oktober 2022, Föhr

Heute ist der runde Geburtstag meiner Schwiegermutter. Sie möchte eigentlich gar nicht darüber reden. Das respektiere ich natürlich. Meine Frau ist 47 und da können Sie sich selbst denken, dass ihre Mutter nicht 60 und auch nicht 100 wird, sondern irgendetwas dazwischen. Ziemlich genau irgendetwas dazwischen, um exakt zu sein.

Happy Birthday!


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