07. Dezember 2022, Berlin
Nach unserem Bohr-Fail Anfang der Woche, habe ich gestern die weise Entscheidung getroffen, nicht quer durch Berlin zu gondeln, um mir in irgendeinem Baumarkt für teures Geld eine professionelle Bohrmaschine auszuleihen, die ich mit recht hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht richtig bedienen kann. Stattdessen bezahle ich einem Handwerker nur unwesentlich mehr, damit er uns das Fitnessgerüst und den Spiegel anbringt.
Besagter Handwerker steht heute Morgen pünktlich um 10.30 Uhr vor der Tür. Wir begrüßen uns aus alter Corona-Gewohnheit mit einem Ellenbogen-Check und er erklärt etwas unvermittelt, er sei viermal geimpft. Ich erwidere, ich sei ebenfalls viermal geimpft und könne noch eine Infektion aufweisen.
Der Mann stutzt und mustert mich genauer. „Wenn Sie schon viermal geimpft wurden, heißt das, dass sie schon über 60 sind?“, fragt er. „Sie sehen gar nicht aus wie 60.“ „Das liegt möglicherweise daran, dass ich keine 60 bin“, antworte ich.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich darüber freuen soll, dass er mich für jünger als 60 schätzt, oder beleidigt sein soll, dass er es für möglich hält, ich könnte 60 sein. Ich beschließe, diesen Gedanken nicht weiter zu verfolgen.
Bevor der Handwerker mit dem Bohren beginnt, holt er ein Gerät aus seinem Werkzeug-Koffer hervor und sucht damit die Wand ab. „Im Altbau kannst du nie wissen, ob da nicht irgendwo eine Stromleitung lauert, und dann bohrst du da aus Versehen rein“, sagt er währenddessen. Ich verzichte darauf, ihm zu erklären, dass du, selbst wenn du weißt, wo eine Leitung liegt, trotzdem aus Versehen da reinbohren kannst.
Auch ansonsten hat der Mann vom Handwerken mehr Ahnung als ich – was allerdings nur bedingt aussagekräftig ist – und eine gute Stunde später hängen Spiegel und Gerüst bombenfest an der Wand und die Stromleitungen sind auch alle heile geblieben. Toll!
08. Dezember 2022, Berlin
Der Sohn muss morgen Mathe schreiben. Über Kurvendiskussionen. Er meint, es sei voll unlogisch, dass das Kurvendiskussion hieße. Da würde gar nicht geredet, es würden keine Argumente ausgetauscht und auch keine Standpunkte vertreten, sondern nur gerechnet. Schnittpunkte, Hoch-, Tief- und Wendepunkte, Symmetrieeigenschaften und anderes – in seinen Augen – unnützes Zeug. Ich kann ihm leider nicht helfen, denn ich hatte mich damals im Matheunterricht auch schon gefragt, was denn das Diskursive bei der Kurvendiskussion ist und keine Antwort darauf gefunden.
Trotzdem schaut sich der Sohn auf YouTube unzählige Mathe-Tutorials an. Die sind so gut, dass er beim Anschauen immer denkt, jetzt habe er es verstanden. Aber doch nicht gut genug, dass er selbst Aufgaben rechnen kann. Das liegt aber weniger an der didaktischen Unzulänglichkeit der Videos, sondern daran, dass Mathe für den Sohn ein Buch mit sieben Siegeln ist. Und zwar ein Buch mit sieben Siegeln, das in einem unterirdischen Verließ, das durch tödliche Fallen wie im Tempel des Todes geschützt und durch eine Horde cholerischer Orks bewacht wird, in einem Tresor liegt, der nur durch einen Fingerabdruck von Pythagoras sowie einem Iris-Scan von Carl Friedrich Gauß geöffnet werden kann.
09. Dezember 2022, Berlin
Bei der Tochter wurden an der Uni heute die Vorlesungen und Seminare frühzeitig beendet. Es gab eine Unwetterwarnung für Carlow. Weil die Temperaturen auf ein Grad unter Null gefallen sind. Die Studierenden und Lehrenden sollen schließlich alle sicher nach Hause kommen. Hoffen wir mal, dass nicht auch noch eine Schneeflocke vom Himmel fällt.
10. Dezember 2022, Berlin
Durch die Neusortierung unserer Zimmer haben wir nun ein paar Möbel, die wir nicht mehr gebrauchen können. Ich stelle sie bei eBay-Kleinanzeigen zum Verschenken für Selbstabholer ein.
Nach nicht einmal einer Minute meldet sich jemand auf die Anzeige für das orangene Lack-Regal von IKEA. Er fragt, ob ich die Versandkosten übernähme. Ich bin kurz verunsichert, ob vergessen habe, die Kategorie ,,Nur für Selbstabholen“ anzuklicken. Habe ich aber nicht.
Also verneine ich seine Frage, da das Regal nur zur Abholung sei. Meine Antwort verstimmt den User und er erwidert, es sei eine Schweinerei, dass ich etwas anbiete und dann nicht verschicke. Deswegen habe er mich bei eBay gemeldet. Ich schreibe zurück, aus der Anzeige ginge doch hervor, dass das Regal abgeholt werden müsse. Daraufhin antwortet er, Menschen wie ich würden den Spaß an Ebay zerstören.
Kurz überlege ich, zu schreiben, er solle mich in Ruhe lassen und stattdessen eine gepflegte Runde Geschlechtsverkehr mit seinem Articulatio genus einlegen. Mit dieser Reaktion würde ich ihm aber sicherlich einen Gefallen tun, denn dann weiß er, dass ich mich über ihn ärgere und das ist wahrscheinlich der Grund für seine Nachrichten. Deswegen beschließe ich, den eBay-Troll zu ignorieren. Darüber ärgert er sich bestimmt richtig.
11. Dezember 2022, Berlin
In einer Kommode, die wir gestern verschenkt haben, hatten wir ein paar Mappen mit Bildern aufbewahrt, die die Kinder in der Kita gemalt haben. Insbesondere von der Tochter haben wir unfassbar viele Bilder abgeheftet. Mich beschleicht der Verdacht, dass die Kita eine Art Sweatshop betrieben hat, in dem die Kinder im Akkord Wasserfarbenbilder produzieren mussten, die dann den Eltern ausgehändigt wurden.
Den Stil der Tochter würde ich als dekonstruktivistische, naive Malerei mit gleichzeitig ex- und impressionistischen Elementen sowie Anleihen aus dem Kubismus kategorisieren. Vom Sohn gibt es nicht ganz so viele Bilder. Zumeist mit schwarzem Stift gezeichnete, grimmig dreinblickende Kopffüßler, zu denen er seinen Namen gekrakelt hat. Ob er damit die Bilder signiert hat oder damit verdeutlichen wollte, dass es sich um Selbstporträts handelt, lässt sich nicht abschließend sagen.
Ich bringe es nicht übers Herz, die Mappen mit den Bildern zu entsorgen. Das ist bestimmt nicht gut fürs Eltern-Karma. Außerdem werden die Kinder vielleicht mal berühmt. Dann kann ich die Bilder bei eBay einstellen und den Spaß dorthin zurückbringen.
Bücherverlosung
Unsere Renovierungs- und Aufräum-Aktion kommt auch Ihnen zugute. Beim Aufräumen habe ich zwei Rezensionsexemplare (wieder)gefunden, die ich unter den Familienbetrieb-Leser*innen verlose.
„Wow Mom: Der Mutmacher für deine Schwangerschaft“ von Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim
Dieses Buch ist der dritte Band der WOW MOM-Reihe der beiden Stadt Land Mama-Bloggerinnen. Nachdem die ersten beiden Bücher Ratschläge für das erste Jahr mit Kind sowie für das Leben mit Kleinkindern gegeben haben, geht es diesmal – der Titel lässt es vermuten – um das Thema Schwangerschaft. Lisa und Katharina begleiten ihre Leserinnen bei all ihren Fragen, Vorfreuden aber auch Zweifel in dieser Zeit. (Um Missverständnisse zu vermeiden: Das Buch begleitet die schwangeren Leserinnen, nicht die beiden Autorinnen persönlich.)

„Gemeinsam schlau statt über Schule meckern“ von Béa Beste und Stephanie Jansen
Bei diesem Buch handelt es sich um den Nachfolger von „Gemeinsam schlau statt einsam büffeln“, in dem sich die Autorinnen für das Co-Learning stark machten praxisnahe Tipps und Ideen gaben, wie Eltern und Kinder gemeinsam spielerisch und entspannt lernen können. In ihrem neuen Buch legen Béa Beste und Stephanie Jansen ihren Fokus darauf, wie Eltern ihre Kinder erfolgreich durch die Schulzeit begleiten können und wie die Eltern-Lehrende-Kind-Beziehung gestärkt wird. Quasi ein Win-Win-Win-Buch für die Schulzeit.

Verlosung
Wenn Sie eines der beiden Bücher gewinnen wollen, kommentieren Sie bitte bis zum 14.12. unter diesem Beitrag und schreiben Sie dabei, welches Buch Sie gerne hätten. Wie immer ist der Rechtsweg genauso wie der Linksweg ausgeschlossen, es wird nur ein Kommentar pro E-Mail-Adresse berücksichtigt, eine Auszahlung des Gewinns ist nicht möglich, alle E-Mail-Adressen werden nach Abschluss der Verlosung DSGVO-konform gelöscht, bliblablö.
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Christian Hanne, Jahrgang 1975, hat als Kind zu viel Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Moabit, die Kinder stellen ihre Füße nur noch virtuell unter den elterlichen Tisch. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.
Sein neues Buch „Wenn ich groß bin, werde ich Gott“ ist im November erschienen. Ebenfalls mehr als zu empfehlen sind „Hilfe, ich werde Papa! Überlebenstipps für werdende Väter“, „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“ sowie „Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith“*. (*Affiliate-Links)




